BRD verweigert den Opfern des deutschen Faschismus in Griechenland die Wiedergutmachung

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Einige der Opfer des deutschen Faschismus in den Straßen von Athen

Der deutsche Massenmord in Griechenland während der Okkupationszeit wird niemals vergessen sein und auch nicht verziehen. Den Opfern des deutschen Faschismus bietet die Bundesrepublik seit Jahrzehnten Geschäfte an: Schuldenerlaß für den deutschen Staat und seine materiellen Verbrechen – im Tausch gegen „humanitäre Hilfe“; Rechtsverzicht der Opfer – gegen Schweigegeld der Tätererben. Deutschland versucht mit allen Mitteln seinen immensen Schulden zu entkommen: in Thessaloniki geht es nicht nur um die Rückzahlung der Fahrtkosten nach Auschwitz und Treblinka (89 Millionen Euro); auch erpresste „Lösegelder“ (im heutigen Wert von über 200 Millionen Euro) sind der Jüdischen Gemeinde nie erstattet worden.

Damit diese Gelder in der deutschen Staatskasse bleiben können, setzt Berlin auf die Resignation der Opfer: In Thessaloniki haben sie über Jahrzehnte für ihre Rechte gestritten, aber wurden (nicht nur von deutschen Gerichten) abgewiesen. Auf ihr fortgeschrittenes Alter, auf ihre körperliche und moralische Erschöpfung zu spekulieren, ist das Geschäft der deutschen Außenpolitik. Aus den Gläubigern, den Opfern, sollen Bettler werden – so auch jetzt in Thessaloniki.

Berlin bietet 10 Millionen Euro für ein „Holocaust Museum“ in Thessaloniki an, ohne seine Rechtspflichten auch nur zu erwähnen: Rückzahlung der Fahrtkosten nach Auschwitz, Rückzahlung der erpressten Lösegelder. (1) Im Gegenzug wird dem deutschen Außenminister eine „Ehrenmitgliedschaft“ der Jüdischen Gemeinde gewährt. (2) Der verborgene Sinn des Geschäfts – die deutschen Massenverbrechen in einen finanziellen Kavaliersdelikt umzumünzen und dafür auch noch „Ehren“ einzuheimsen – empört zahlreiche Mitglieder der Jüdischen Gemeinde in Thessaloniki.

Wir teilen diese Empörung. Aber wir müssen hinzufügen: uns, den Söhnen, Töchtern und Enkeln der Täter ist es bisher nicht gelungen, diesen staatlichen Geschäften durch Proteste in Deutschland ein Ende zu bereiten. Es sind Geschäfte mit unserer Vergangenheit, die bedrohliche Schatten werfen:

Wenn es dabei bleibt, dass aus den deutschen Massenverbrechen ein finanzieller Kavaliersdelikt wird, was haben wir von diesem Deutschland in der Zukunft zu erwarten? Der Widerstand gegen den deutschen Umgang mit seiner Vergangenheit meint heute die Opfer von Auschwitz, Treblinka und Sobibór – aber auch jene, die noch zu befürchten sind, wenn Berlin ermutigt wird, weiter billig davonzukommen und sein Beispiel Schule macht.

Der Widerstand muß nicht vergeblich sein. Die Erfolge der in Italien klagenden Nazi-Opfer (darunter auch Opfer aus Griechenland) machen Mut und lassen hoffen: In Italien sieht es nach einer „neue(n) Niederlage Deutschlands“ aus, schreibt der Berliner Tagesspiegel. Im zähen Kampf gegen Entschädigungsansprüche ist die Bundesregierung vor italienischen Gerichten zum wiederholten Mal gescheitert. Deutsches Staatseigentum kann jetzt durch Zwangsvollstreckung gepfändet werden. Ein weiterer Pfändungsbeschluß zugunsten der Nazi-Opfer wird im Dezember erwartet

(1) Visit of the Minister of State of the Federal Republic of Germany Mr. Michael Roth. Press Release. Jewish Community ofThessaloniki vom 15.09.2016
(2) Dankesworte von Außenminister Steinmeier anläßlich der Annahme der Ehrenmitgliedschaft in der Jüdischen Gemeinde von Thessaloniki. Mitteilung des Auswärtigen Amtes vom 04.12.2016.
(3) Neue Niederlage Deutschlands vor italienischem Gericht. In: Der Tagesspiegel vom 31.10.2016.

Quelle: Rundschreiben Zug der Erinnerung


German Foreign Policy teilt mit:

THESSALONIKI/BERLIN/FLORENZ (Eigener Bericht) - Mit heftigen Prote-
sten beantworten prominente Mitglieder der Jüdischen Gemeinde einen
Auftritt des deutschen Außenministers in der Synagoge von
Thessaloniki. Dort hatte Frank-Walter Steinmeier (SPD) am 4. Dezem-
ber in einer vom Auswärtigen Amt verbreiteten Rede "unsere deutschen
Hände" gerühmt, die nach der Ausrottung des jüdischen Lebens in der
Nazi-Zeit jetzt "zum Einsatz kommen dürfen". In seinem historischen
Rekurs spielte der deutsche Außenminister auf über 50.000
griechische Juden an, die 1943 zum Kauf von "Reichsbahn"-Fahrkarten
nach Auschwitz genötigt und bei Ankunft ermordet worden waren. Auf
die deutschen Einnahmen aus den Todesfahrten (89 Millionen Euro) 
und die Berliner Weigerung, diese Schulden zurückzuzahlen, ging der
deutsche Außenminister am 4. Dezember mit keinem Wort ein. Die von
der Jüdischen Gemeinde geforderte Erstattung rassistischer
"Lösegelder" im Wert von weiteren Millionen Euro ließ Steinmeier
ebenfalls unerwähnt. Die Empörung prominenter griechischer Juden
gilt dem offenkundigen Versuch der Berliner Außenpolitik, die
Rechtsansprüche der Nazi-Opfer mit moralischen Bekenntnissen und
unverbindlichen Zuwendungen zu unterlaufen. Proteste löst auch eine
angebliche "Ehrenmitgliedschaft" aus, die sich Steinmeier in der
Synagoge von Thessaloniki hat andienen lassen. Ähnliche Auftritte
Steinmeiers gelten italienischen Opfern der Nazi-Massenverbrechen.

mehr
http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59500


Siehe auch:
Die Verbrechen deutscher Konzerne: „The Schenker Papers“
Mikis Theodorakis: Die imperialistische Verschwörung gegenüber Griechenland
Ungesühnte deutsche Verbrechen: SS-Massaker in Distomo. Wie die Hitlerfaschisten Griechenland ausplünderten…

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4 Antworten zu BRD verweigert den Opfern des deutschen Faschismus in Griechenland die Wiedergutmachung

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Und so, wie mit den Forderungen der jüdischen Gemeinde von Thessaloniki umgegangen wird, begreift man auch, was man von all dem Gesäusel der Bundesregierung zur Shoah zu halten hat. Dass nach Israel Gelder rübergereicht wurden, lag doch an außenpolitischen Erwägungen und hatte nichts, absolut nichts mit wirklichem Begreifen oder gar „Wiedergutmachen“ der Naziverbrechen zu tun.

  2. Günter Hering schreibt:

    Die griechischen Juden sind eben keine israelischen Juden und der Staat Griechenland ist eben nicht der Staat Isreal, der sich als Alleinvertreter der Shoah-Opfer versteht (das mit der Alleinvertretung ist uns doch gut bekannt…).

    Und Du irrst leider, liebe Hanna, „dass nach Israel Gelder rübergereicht wurden„. Sie werden immer noch, die hälftige Mitfinanzierung der atomwaffenfähigen U-Boote ist nur ein aktuelles Beispiel.

  3. Hanna Fleiss schreibt:

    Na, selbstverständlich reicht die BRD immer noch Gelder an Israel aus, aber das große Geld, das als Wiedergutmachungsübung herhalten musste, floss unter Adenauer an Ben Gurion. Und natürlich nicht umsonst, es entwickelte sich eine intensive militärische Kumpanei durch Waffen- und andere Rüstungsgüterlieferungen. Außerdem hatten die Gelder auch die Funktion von Schweigegeld, denn wenn ich mich richtig erinnere, verlangte Adenauer im Zusammenhang mit dem Eichmann-Prozess, dass Globkes Name herausgehalten wurde. Vor kurzem erst wurden drei U-Boote an Israel deklariert, die mit Atomraketen bestückt werden können. Was das mit „Wiedergutmachung“ zu tun hat, ist wohl nur der Merkel-Regierung einsichtig.

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