Ist „Das Kapital“ von Marx noch gültig, oder hat sich Karl Marx geirrt? Ist der Marxismus nicht schon längst veraltet?

marx_kapitalEs scheint so, als würden sich neuerdings bürgerliche Wissenschaftler und Politiker wieder einmal für Karl Marx interessieren. Man bedient sich scheinwissenschaftlicher Erklärungen. Da werden Vorträge gehalten über „Das Kapital“ von Marx. Und man versucht den Eindruck zu erwecken, im 21. Jahrhundert gäbe es keinen Kapitalismus mehr, die Menschen lebten so gut wie niemals zuvor und der Marxismus sei längst überholt und veraltet. Es gäbe keine Arbeiterklasse mehr usw. usf. Nichts ist dümmer als das, wollte man diesem Geschwätz Glauben schenken. Natürlich ist es für einen Anfänger schwer, sich in die politische Ökonomie hineinzudenken und das bedeutende Werk von Karl Marx zu verstehen. Deshalb hier nun einige Einführungen dazu:

Womit beschäftigt sich die politische Ökonomie?

Die politische Ökonomie befaßt sich mit den gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen in der materiellen Produktion, mit der Art und Weise der Verteilung und des Austausches sowie mit der Konsumtion und dem Wechselverhältnis dieser Prozesse. Friedrich Engels gab eine genaue Definition des Gegenstandes der politischen Ökonomie:

Die politische Ökonomie beschäftigt sich mit den Bedingungen und Formen, unter denen die verschiednen menschlichen Gesellschaften produziert und ausgetauscht und unter denen sich demgemäß jedesmal die Produkte verteilt haben … Die politische Ökonomie, im weitesten Sinne, ist die· Wissenschaft von den Gesetzen, welche dre Produktion und den Austausch des materiellen Lebensunterhalts in der menschlichen Gesellschaft beherrschen. [1]

Wenn von den Gesetzen der Produktion die Rede ist, so geht es nicht um Gesetze der Physik, der Mechanik und andere, soweit sie in der Produktion Anwendung finden. Es handelt sich vielmehr um die gesellschaftlichen Beziehungen, die dabei eingegangen werden, um die Produktionsverhältnisse und deren Wechselbeziehungen zu den Produktivkräften (Abbildung 1). Da sich Produktionsverhältnisse, Produktivkräfte und auch die Wechselbeziehungen zwischen ihnen in den verschiedenen Gesellschaftsformationen unterscheiden, hat sich eine politische Ökonomie des Kapitalismus und eine politische Ökonomie des Sozialismus herausgebildet.

produktionsweise

Die politische Ökonomie ist einer der drei Bestandteile des Marxismus-Leninismus, der wissenschaftlichen Weitanschauung der Arbeiterklasse. Marx, Engels und Lenin haben der politischen Ökonomie stets besonders große Aufmerksamkeit geschenkt. Lenin bezeichnete die politische Ökonomie als den Hauptinhalt des Marxismus.

„Dle tiefgründigste, umfassendste und detaillierteste Betätigung und Anwendung der Theorie von Marx ist seine ökonomische Lehre.“ [2]

Marx wies darauf hin, daß die politische Ökonomie eine Wissenschaft ist und daher wie eine Wissenschaft, das heißt sorgfältig, studiert werden muß.


Herrschen in der menschlichen Gesellschaft Zufälle oder gibt es irgendwelche Gesetzmäßigkeiten?

Wie in der Naturwissenschaft, so wurde auch für die Wirtschaftswissenschaft seit langer Zeit von fortschrittlichen Denkern die Frage aufgeworfen, durch welche Kräfte, durch welche Gesetze die Entwicklung in der Gesellschaft, speziell in der Wirtschaft, bestimmt und bewegt wird, welche inneren Zusammenhänqe bestehen. Können wir Aufgaben und Ziele der wirtschaftlichen Entwicklung einfach fest, legen oder müssen wir dabei objektiv wirkende Zusammenhänge, Bedingungen und Gesetzmäßigketten berücksichtigen? Vor mehr als zweihundert Jahren kam man zu dem Ergebnis, daß sich auch die Wirtschaft nach bestimmten Gesetzen entwickelt.

Warum sind diese Gesetzmäßigkeiten heute so wenig bekannt?

Für die Untersuchung der ökonomischen Gesetze und ihre Bewegung haben bürgerliche Ökonomen während der Herausbildung des Kapitalismus einen wichtigen Beitrag geleistet. Aber die Klasseninteressen der Bourgeoisie hinderten, sie daran, das Wesen der kapitalistischen Produktionsweise und ihre geschichtlichen Perspektiven aufzudecken. Je mehr sich der Klassenkampf zwischen Arbeiterklasse und Bourgeoisie entwickelte, um so mehr trat an die Stelle der objektiven Forschung die Apologetik, die ausschließliche Verteidigung des Kapitalismus.

Was haben Karl Marx und Friedrich Engels entdeckt?

Marx und Engels schufen – ausgehend von den Interessen der Arbeiterklasse – zum erstenmal in der Geschichte eine politische Ökonomie, in der das Wesen, der Charakter und die Besonderheiten der ökonomischen Gesetze wissenschaftlich begründet wurden. Sie deckten die Rolle der ökonomischen Gesetze für den gesetzmäßigen Verlauf der menschlichen Geschichte auf. Insbesondere untersuchten sie ökonomische Gesetze im Kapitalismus und begründeten die wichtigsten ökonomischen Gesetze des Sozialisrnus.

Ist „Das Kapital“ von Karl Marx  überhaupt noch aktuell?

Von grundlegender Bedeutung ist das Hauptwerk von Marx, „Das Kapital“. Er schrieb, „es ist der letzte Endzweck dieses Werks, das ökonomische Bewegungsgesetz der modernen Gesellschaft zu enthüllen“ [3] – das war damals die kapitalistische Gesellschaft. Obwohl dieses Werk vor mehr als 130 Jahren geschrieben wurde, sind seine Erkenntnisse nach wie vor Grundlage und Kernstück der marxistisch-Ieninistischen politischen Ökonomie und Schlüssel für das Verständnis der Wirtschaft des Sozialismus.


Was verstehen wir unter einem ökonomischen Gesetz?

Im Leben begegnen uns die verschiedensten Arten von Gesetzen. Zunächst denkt man an juristische Gesetze, die in der Regel von den Parlamenten beschlossen werden. Sie regeln die Normen der gesellschaftlichen Beziehungen, die Rechte und Pflichten der Bürger eines Landes, die Tätigkeit der staatlichen Organe usw. Sie bringen immer die Interessen der herrschenden Klasse zum Ausdruck – im Kapitalismus von heute die grundlegenden Interessen des Monopolkapitals, im Sozialismus die grundlegenden Interessen der Arbeiterklasse und der anderen Werktätigen.

Wodurch unterscheiden sich juristische von ökonomischen Gesetzen?

Wenn wir von ökonomischen Gesetzen sprechen, meinen wir nicht diese Art von Gesetzen. Auch die juristischen, staatlichen Gesetze müssen von den objektiven Bedingungen, von den Notwendigkeiten und realen Möglichkeiten ausgehen, damit sie anerkannt und tatsächlich verwirklicht und eingehalten werden. Aber diese Gesetze schaffen wir selbst. Man kann sich schwer vorstellen, daß ein juristisches Gesetz existiert und praktisch wirkt, ohne daß es vorher genau formuliert; von den staatlichen Organen beschlossen und mit der Macht des Staates durchgesetzt wird. Von diesen Gesetzen unterscheiden sich sehr wesentlich die Naturgesetze. Sie wirken objektiv, unabhängig davon, ob wir sie erkannt oder formuliert haben. Die ökonomischen Gesetze haben mit den Naturgesetzen gemeinsam, daß auch sie objektiv wirken, unabhängig davon, ob wir dies wollen oder nicht. Sie bestimmen die wesentlichen sozialen Beziehungen und Prozesse in der gesellschaftlichen Produktion.

Wie ist das mit dem Eigentum im Kapitalismus?

Die jeweilige Eigentumsform an den Produktionsmitteln bestimmt das Ziel, den Sinn und den Inhalt der Produktion. Besitzt eine kleine Gruppe von Menschen die Fabriken, Maschinen, Rohstoffe und Werkzeuge, ist die Mehrheit der Gesellschaft davon ausgeschlossen, wie das im Kapitalismus der Fall ist, so ist auch das Ergebnis der Produktion Eigentum dieser Gruppe und nicht das Eigentum der eigentlichen Produzenten. Das Ziel der Produktion, ihre gesellschaftliche Organisation und die Verteilung der produzierten Erzeugnisse ergeben sich unter diesen Umständen ausschließlich aus den Interessen der Eigentümer der Produktionsmittel, der Kapitalisten. Die Produktion kann kein anderes Ziel als die Erzeugung eines höchstmöglichen Profits für den Unternehmer verfolgen.

Und was bedeutet eigentlich Volkseigentum?

Ist mit dem Übergang zum Sozialismus gesellschaftliches Eigentum an den Produktionsmitteln entstanden, so ist auch das Ergebnis der Produktion, alles, was in den sozialistischen Betrieben und Genossenschaften usw. erzeugt wird, Eigentum der Gesellschaft. Unter diesen Bedingungen kann die Produktion nur ein Ziel haben – die immer bessere Befriedigung der Bedürfnlsse der ganzen Gesellschaft und aller ihrer Mitglieder. Das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln ruft das gesellschaftliche Interesse hervor, die Produktionsmittel zum Wohle der ganzen Gesellschaft zu nutzen. Gleichzeitig ist die allseitige Nutzung der Produktionsmittel, der Betriebe, Maschinen und Anlagen zum Wohle der ganzen Gesellschaft wiederum die Bedingung dafür, daß jeder einzelne daran interessiert ist, seine ganze Kraft für hohe wirtschaftliche Leistungen einzusetzen.

Warum gibt es im Sozialismus eine Planwirtschaft?

Das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln bedingt und ermöglicht eine planmäßige, gesellschaftliche Leitung der gesamten Wirtschaft im Interesse der Werktätigen. Bei privatkapitalistischem Eigentum an den Produktionsmitteln kann es keine Planmäßigkeit geben, der Konkurrenzkampf zwischen den privaten Eigentümern verhindert dies.


Gibt es einen „sozialen“ Kapitalismus?

Man könnte natürlich fragen: Wäre es nicht denkbar, daß sich kapitalistische Unternehmer „sozial“ verhalten, daß sie nicht ausschließlich nach höchstem Profit streben, sondern der sozialen Lage der Arbeiter und Angestellten große Aufmerksamkeit schenken und dafür viele Mittel aufwenden und auch einen gewissen Teil des Profits? Darauf gibt es nur eine Antwort: Sie würden sehr bald scheitern. Ein privater Unternehmer kann sich nicht anders verhalten, als es die kapitalistische Ordnung erfordert. Würde er auf den Profit verzichten oder sich mit wenig Profit zufriedengeben, könnte er im Konkurrenzkampf nicht bestehen. Es würde nicht lange dauern, und er würde von den größeren, mächtigen Kapitalisten verschlungen werden. Natürlich spielt das persönliche Verhalten eines Unternehmers eine gewisse Rolle. Aber das Streben nach höchstmöglichem Profit, der unüberbrückbare Gegensatz zwischen Kapitalisten und Arbeiterklasse, ergibt sich nicht aus der persönlichen Haltung einzelner Kapitalisten, sondern entspringt mit unabänderlicher Notwendigkeit aus der kapitalistischen Ordnung, in erster Linie aus den kapitalistischen EigentumsverhäItnissen.

Warum gibt es im Sozialismus andere Prioritäen?

Beim Aufbau des Sozialismus war es – wie die Geschichte zeigt – zeitweilig notwendig, die ganze Kraft auf die Lösung bestimmter Aufgaben zu konzentrieren: auf den schnellen Aufbau der Schwerindustrie, auf die Verteidigung des Landes, auf die Umgestaltung der Landwlrtschaft usw.. Andere Aufgaben mußten dahinter zurücktreten. In manchen Zeitabschnitten standen daher nur relativ geringe Mittel für die Erhöhung des Lebensniveaus der Werktätigen zur Verfügung.

Würde die sozialistische Gesellschaft jedoch die Wirtschaft – langfristig gesehen – nicht so organisieren, daß sich mit wachsender Produktion auch das Lebensniveau der Werktätigen systematisch erhöht, dann würde das Interesse der Werktätigen an hohen Leistungen bald erlahmen. Die Triebkräfte der sozialistischen Gesellschaft kämen nicht zur Entfaltung. Die praktischen Erfahrungen der sozialistischen Länder zeigen sehr klar, daß eine ungenügende Beachtung dieses Zusammenhangs zwischen dem Wachstum der Produktion und der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Werktätigen zur Ursache sozialer Widersprüche und Konflikte werden kann.

Diese Zusammenhänge sind der Ausdruck dafür, daß die Wirtschaft sich nach Gesetzen entwickelt, die objektiv, unabhängig von unserem Bewußtsein wirken. Aus den jeweiligen Eigentumsverhältnissen an den Produktionsmitteln ergeben sich zwingende Notwendigkeiten, die nicht außer Kraft gesetzt werden können.

[1] Friedrich Engels: Herrn Eugen Dührungs Umwälzung der Wissenschaft („Anti-Dühring“). In: MEW Bd.20, S.139, 136.
[2] W.I. Lenin: Karl Marx. In: Werkle, Bd.21, S.48.
[3] Karl Marx: Das Kapital. Erster Band. In: MEW, Bd.23, S.31.

Quelle:
Otto Reinhold/Karl-Heinz Stiemerling: Politische Ökonomie, Dietz Verlag Berlin, 1985, S.8-14 (gekürzt)

pdfimages   Ist das Kapital von Marx noch gültig?

  • wird fortgesetzt

Siehe auch:

Marxfälscher und andere Revisionisten unserer Zeit
Der Historiker Wolfgang Ruge – Von der Wissenschaft in die Kloake des Antikommunismus
Gibt es verschiedene Sozialismus-Modelle oder ist das ein antikommunistischer Betrug?

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18 Antworten zu Ist „Das Kapital“ von Marx noch gültig, oder hat sich Karl Marx geirrt? Ist der Marxismus nicht schon längst veraltet?

  1. Rheinlaender schreibt:

    Die drei Kapitalbände sind das beste, was über Ökonomie / Volkswirtschaftslehre geschrieben wurde. Da sie wissenschaftlich sind – also Gesetzmässigkeiten beschreiben – wird es auch in Zukunft kein Buch geben, was weiterführen kann. Es kann höchstens Bücher (Lenin / Stalin) geben, die praktische Schlüsse ziehen und diese erläutern.
    Marx / Engels haben den tendenziellen Fall der Profitrate bewiesen. Die beiden haben also dort angefangen, wo Adam Smith und David Ricardo ratlos (Smith und Ricardo wurden einfach zu früh bzw. vor der industriellen Revolution geboren) an der Industrialisierungs Frage gescheitert sind.
    ABER : Ich empfehle JEDEM, der die Kapitalbände alleine lesen will, erst mal Smith und Ricardo zu lesen. Das „Kapital“ baut auf die Ergebnisse (alles ist Produkt menschlicher Arbeit) von Smith / Ricardo auf.
    Die „Arbeitswert Theorie“, im Gegensatz zur metaphysichen Grenznutzentheorie / subjektive Wertelehre ist KEINE Erfindung von Marx, sondern wird durch Marx / Engels von Smith / Ricardo übernommen und wissenschaftlich weiterentwickelt.
    Was Smith, Ricardo, Marx, Engels schwer macht, ist der Umstand, dass es zu deren Zeiten noch keine moderne Kosten Rechnung gab.
    Frage an Sascha : Was hältst Du von dem Buch „Politische Ökonomie des Kapitalismus und des Sozialismus“ / Dietz Verlag Berlin ?

  2. Hanna Fleiss schreibt:

    Rheinländer, ja, es gibt kein besseres Werk über Wesen und Praxis des Kapitals. Was mich aber immer verzweifeln lässt (ich bin nie über das erste Kapitel hinweggekommen), ist die wissenschaftliche Sprache des 19. Jahrhunderts. Obwohl Marx viele schöne Bonmots äußert, fällt es einem allein sehr schwer, sich in das Werk hineinzuarbeiten. Ich denke, dem „Kapital“ kann man sich nur in der Gruppe nähern, im Gespräch, wo viele Zusammenhänge erst einmal geklärt werden können. Lenin zu lesen, der ja in moderner Übersetzung vorliegt, fällt mir überhaupt nicht schwer, aber bei Marx, weiß nicht, muss ich erst einmal die sprachliche Hürde nehmen. Ich nehme mal freihändig an, dass sie dafür verantwortlich ist, dass zwar alle über das „Kapital“ reden, aber erstens nicht verstanden haben und zweitens vielleicht gar nicht gelesen haben und drittens, dass eine Menge Leute Marxens Erkenntnisse so auslegen, wie sie gerade lustig sind.

    • Rheinlaender schreibt:

      Hallo Hanna,
      auch ich habe – vielleicht mehr als Du – mit der philosophischen Sprache der damaligen Zeit größte Probleme. Tip :Man muss NICHT den ersten Band verstehen, um den dritten zu lesen. Ich z.B. gebe Nachhilfe in höherer Mathematik und habe oft Probleme mit dem einfachsten Bruch- oder Prozentrechnen.
      1) Ich finde den dritten Kapitalband sehr viel verständlicher, als den ersten.
      2) Das von mir erwähnte DDR Buch „Politische Ökonomie des Kapitalismus und des Sozialismus“ / Dietz Verlag Berlin 70/80 er Jahre“ erklärt ziehmlich gut und unterstreicht dies mit Zitaten aus den Kapitalbänden.
      3) Das kleinbürgerliche – Lenin und Stalin feindliche – Marx-Forum bietet in seinem Marx-Lexikon wirklich super Erklärungshilfen. Auch wenn diese teilweise aus dem erwähnten DDR Buch kopiert wurden.
      4) Das David Ricardo Buch erklärt sehr gut und kurz, worum es in der Ökonomie eigentlich erst mal geht.
      Nämlich um Kosten (menschliche Arbeit) und NICHT um Angebot / Nachfrage. Erst Recht nicht um Kunstbegriffe wie Marktwirtschaft. Oder ideologische Kampf Begriffe wie soziale Marktwirtschaft.
      5) Die zwei bürgerlichen Bücher von Ricardo (eigentlich reicht der) und Smith kann man sich ja ausleihen.
      6) Ich glaube, dass es sehr schwer ist die Kapitalbände zu verstehen, ohne Smith / Ricardo gelesen zu haben.
      7) Die philosphische Sprache hat zu folgender westlicher Katastrophe geführt : Dumme Historiker und Philosophen massen sich an, Marx zu interpretieren. Dabei könnten eifache Buchhalter, BWLler, Mathefans alles viel besser verstehen

  3. Hanna Fleiss schreibt:

    Rheinländer, dass sich dumme Historiker und Philosophen anmaßen, Marx zu interpretieren, hat wohl weniger mit der Sprache als mit ihrem Hass auf den Kommunismus zu tun. Denn der steht sichtbar und unsichtbar hinter jedem Marx-Wort. Aber es fällt ihnen dank den nicht auf Anhieb zu verstehenden Formulierungen natürlich leichter, Marx Aussagen zu unterstellen, die er gar nicht getan hat, und zu „logischen“ Fälschungen zu gelangen.

    Mein Interesse an Ökonomie hielt sich in der DDR in Grenzen. War ein Fehler, weiß ich heute. Jetzt aber interessiert mich die Ökonomie des Kapitalismus in der Tat, ein paar Grundlagen habe ich, mich würde das von dir genannte Buch „Politische Ökonomie des Kapitalismus und des Sozialismus“ interessieren. Wichtig, aus welchem Jahre es ist. Hast du da mal genaue Angaben?

  4. sascha313 schreibt:

    Also ich kann nicht sagen, daß mir die philosophische Sprache von Karl Marx irgendwie unverständlich wäre, auch sind die Formeln (mathematisch gesehen) doch recht einfach. Allerdings bringt Marx eine Fülle von Details und Beispielen, die sehr deutlich machen, worum es ihm geht. Nicht immer versteht man die Begriffe gleich. Doch seine Logik, seine Beweisführung ist unwiderleglich und wissenschaftlich hochpräzise. Wem natürlich die Mühe zu groß ist, die drei Bände durchzustudieren (im ersten Band sind es allein 802 Seiten nebst Anhang), den kann ich durchaus auch verstehen, denn es geht um eine längst vergangene Zeit.

    Was aber „Das Kapital“ wiederum interessant macht, ist der Mechanismus der kapitalistischen Produktion, dessen Gesetzmäßigkeiten und die Zwangsläufigkeit, mit der sie sich durchsetzen. Und das gilt heute noch genauso wie vor 150 Jahren, auch wenn damals vieles wesentlich einfacher war als heute.

    Der zweite und dritte Band wurde schließlich von Friedrich Engels für die Herausgabe aufbereitet, was sich als äußerst schwierig erwies, da selbst Marx aufgrund der Fülle der neu zu bearbeitenden rasanten Entwicklungen des Kapitalismus mit der Fertigstellung noch gezögert hatte. So blieb Engels diese schwere Aufgabe überlassen, Unfertiges und Neues zu einem gewissen Abschluß zu bringen und sich zugleich (zur Verteidigung der Marxschen Theorie) mit den Schriften seiner Widersacher auseinanderzusetzen. Eine Herkulesaufgabe!

    • Rheinlaender schreibt:

      Hanna Fleiss Ökonomie : Hallo Sascha und Hanna Fleiss. Ich finde was kapitalist./sozialist. Ökonomie angeht, die 10 kurzen Videos mit Frank Flegel auf dem youtube Kanal der Kommunistischen Initiative sehr gut.


      Der Schulungsleiter streift auch die historischen einzigartigen Erfolge Stalins und die Ursachen von Lenins NÖP „Kompromiss“. Er entwickelt sehr gut die logische Zwangsfolge der Warenproduktion zum Imperialismus; also Krieg nach Aussen und Repression im Inneren.
      Der PROBLEMATISCHE Übergang zum Sozialismus wird sehr gut an den Kollektiven und Gennossenschaften erklärt. Also Warenproduktion nach kapitalistischen Vorbild, aber OHNE Ausbeutung und ohne Kapital Akkumulation zwecks Betriebs Vergrößerung. Aber: Diese Kleinkapitalisten produzieren für den persönlichen Gewinn und nicht für die Menschen. Die produzieren also lieber unnütze Gewürze statt wichtige Lebensmittel wie Getreide, Fleisch, Kartoffel, Reis oder Kohl. Selbst das polnische also verheerende Einzelbauertum mit den verheerenden Folgen für den Sozialismus wird geklärt.

      LEIDER sind die Videos von der Reihenfolge anfangs schwerer als am Ende. Leider wird der Unterschied zwischen absoluter u. relativer Profitrate nicht so gut erklärt. Der Unterschied zwischen Mehrwert- und Profitrate sollte – was die Konsequenzen angeht – ausführlicher erklärt werden. Auch der Begriff der Kapitalumschlagshäufigkeit schwächelt.

      Ansonsten finde ich einige Videos von „thefinishbolshevik“ https://www.youtube.com/channel/UCCvdjsJtifsZoShjcAAHZpA
      sehr gut. Der setzt sich sehr effektiv mit Trotzki, Anarchisten und neo liberalen Wirtschaftsblödsinn wie – aktuell- Libertäre auseinander.

      Übrigens: Libertäre Webseiten wie Janich hetzen zu 90 Prozent nur über Ausländer. Diese Hetzer haben noch nicht mal die buchhalterischen BWL Kenntnisse eines Hauptschülers im zweiten Ausbildungsjahr zum Schuhverkäufer.

      • sascha313 schreibt:

        Ja, Frank Flegel ist ein guter Lehrer. Er versteht es schwierige Dinge einfach zu erklären und das auch mit leicht verständlichen Begriffen. Schade, daß es dazu kein systematisches Lehrbuch von ihm gibt, in dem man das auch nachlesen kann.
        Dank Dir für die Hinweise, Rheinlaender!

  5. Hanna Fleiss schreibt:

    Sascha, ich meine ja nicht, dass mir Marxens Schreiben unverständlich sei, es ist alles nur ein bisschen sehr kompliziert zu verstehen, einmal von der Materie her, das andere Mal aber auch von der Formulierung her. Da unterscheidet sich Marxens sehr von Engels‘ Schreiben, der auch für heutige Begriffe modern und leicht verständlich schreibt. Und ich nehme an, dass das ein Moment sein könnte, das manche Leute vom Lesen des „Kapitals“ abhält, neben den vielen unbekannten Begriffen. Deshalb meine ich ja, um das „Kapital“ wirklich zu verstehen, braucht man die Debatte in einer Gruppe, zumal ja auch Menschen angesprochen werden sollen, die von Ökonomie wenig bis keine Ahnung haben. Meine Ausgabe stammt von 1949 und wurde besorgt vom Marx-Engels-Lenin-Institut 1932, ein unveränderter Nachdruck, 1. bis 23. Tausend. Das Vorwort ist von Friedrich Engels.

    • Doed schreibt:

      Das hast du 100% richtig erkannt. Auch ich wollte als junger Mensch Marx lesen und hab sogleich aufgehört. Ich habe es bis heute nicht im Original getan. Dafür aber dieses Jahr Engel’s Anti-Dühring und war erstaunt, dass dieser ganz anders schreibt. Marx hatte für mich immer eine abgehobene Sprache. Wundert mich eigentlich, denn die Adressaten sind ganz sicher nicht allein das Bildungsbürgertum. Vielleicht war das Buch auch nicht für die Massen gedacht, sondern die Parteien sollten die Vermittlung übernehmen.
      Nun ist es heute so, wie du beschreibst. Die Hürde ist einfach für den Einstieg sehr hoch und man verlässt sich auf Erklärung durch Dritte.

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Doed, ich nehme stark an, dass sich das „Kapital“ eher in den Bereich der politischen Wissenschaft einreiht, als dass es für Menschen gedacht war, die sich einfach nur politisch bilden wollten. Das „Manifest der Kommunistischen Partei“ erklärt ja vieles in sehr verständlicher Sprache, während das „Kapital“ für die bürgerliche Bildungsschicht gedacht war, wie ich annehme, eher an Philosophen und Ökonomen gerichtet. Es war ganz sicher so, dass Marx der Kommunistischen Partei die wissenschaftliche Grundlage für ihren Kampf gegen das Kapital in die Hand geben wollte. Und das waren damals ja sehr gebildete Leute. Und das macht den Einstieg eben so schwer. Und wer von uns liest und studiert heute eigentlich noch Hegel?

    • Harry 56 schreibt:

      Ja, ja, liebe Hanna, der „olle“ Engels schrieb es oft verständlicher, einer eher normalen Sprache. 🙂

  6. levan2015 schreibt:

    Karl Marx ist aktuell in verschiedenen Hinsichten.
    1. Seine Analyse, wie manche Menschen an Profit kommen und diejenigen, die Werte schaffen, nicht so belohnt werden, wie sie verdienen, ist bis jetzt die beste, die man kennt.
    2. Das Kapital hat keine Hemmungen und wird die Menschen bis zum Ende ausbeuten. Also, es geht nicht darum, wie der Typ da oben heisst, sondern ob er Kapital vertritt. (Merkel, Layen oder Marschmeier, die kommen alle aus einem Topf). Und Harz IV, dauernde Kriege und andere drastischen Massnahmen gegen der eigenen Bevölkerung sind der Beweis.
    3. Kapitalismus wird sterben. Diese Ordnung hat gezeigt, dass sie nicht von allen und besonders von Menschen, die „unten“ sind tragbar ist. Die Menschheit hat immer den Weg gesucht, wie man miteinander am besten lebt. Im Kapitalismus kommt die wirtschaftliche Polarisation vor: Besonders in den letzten 20-30 Jahren, wenn 1% der Bevölkerung mehr besitzt, als die Hälfte der Welt, dann ist diese Gesellschaft sinnlos. Der Milliarder Buffet kann auch keine 100 Schnitzel am Tage essen; und die Milliarde ist eine unheimlich grosse Zahl. Ich habe darüber mal geschrieben: http://www.gvelesiani.de/de/sciense_11.htm
    4. Der Kapitalismus wird von der Hand der Arbeiter sterben, dachte Marx. Er stibt selbst ab. Die Aufstände sind hilfreich, aber, das, was wir bei Trump-Wahlen gesehen haben, ist nicht nur auf die AK zu reduzieren. Die meisten Menschen sind nicht mit Kapitalismus zufrieden, aber sehr viele wiesen das noch nicht und sehr viele sind Opfer der Hirnwäsche von Medien. 80% der Bevölkerung ist nur mit einem richtigen Schock zu erwecken. Klingt nicht besonders human, aber ist die Wahrheit.
    Ich wollte etwas mehr schreiben, aber muss weg. Wenn Fragen, bitte schreiben. Sonst finde ich den Artikel gut und aktuell.
    Danke!

  7. Hanna Fleiss schreibt:

    Ich gebe dir ja in allem recht, levan2015, nur nicht in einem: dass der Kapitalismus von selbst absterben wird. Das wäre nämlich die Entschuldigung der heutigen politischen Linken dafür, nicht gegen den Kapitalismus aufzustehen. Aber genau das wird der Kapitalismus nicht tun, nämlich von selbst absterben, er wird alles tun, um am Leben zu bleiben. Wie oft sah es schon so aus, als ob der Kapitalismus an sich selbst zugrunde gehen würde? Jede Krise, kleine oder große, rief Hellseher auf den Plan, die das Ende des Kapitalismus herbeibeschworen. Immer wieder rappelte sich das kapitalistische System auf, und das auf Kosten der Völker. Und wenn sie glauben, sie hätten alles Möglichkeiten des eigenen Überlebens ausgeschöpft, dann greifen die Verbrecher in den bürgerlichen Regierungen zum Krieg, um so von ihren Verbrechen gegen uns, das Volk, abzulenken – sie zeigen uns den Feind, der angeblich draußen dräut. Erleben wir es jetzt nicht jeden Tag, die Hetze gegen Russland? Sie zeigen uns den Feind! Und wie viele sind dumm genug, es den Kriegsvorbereitern der westlichen Regierungen abzunehmen! Nein, levan2015, darauf zu hoffen, dass der Kapitalismus wortlos seinen Hut nimmt – das ist eine Fehleinschätzung, die die Völker mit ihrem Leben bezahlen werden müssen.

  8. Inson schreibt:

    Der Kapitalismus stirbt nicht von allein. Er muß „gestorben werden“! Wie wir in der Geschichte oft genug gesehen haben ist er durchaus in der Lage sich aus Krisen relativ schnell wieder hochzuarbeiten. Das geschieht dann immer auf Kosten der Ausgebeuteten und Unterdrückten.

    • Ich kann keine Krisen im Kapitalismus erkennen.
      Was ich bisher erfasst habe, ist, daß die Träger des Kapitalismus („Kirchen“, die sogenannte christliche Religion) die Krisen bewusst und sehr planmäßig schaffen, wobei sie nicht in kurzen Zeiträumen „denken“, sondern in „Jahrhunderten“, so dass die Menschen – die nun einmal vom „Überlebens-Prinzip“ bestimmt werden – sich ständig damit beschäftigen müssen, wie sie sich dieser vom Kapitalismus geschaffenen künstlichen Umwelt, die sich bloß äußerlich, aber nicht ideologisch ändert, anpassen können.

      • sascha313 schreibt:

        Wenn es hier nur um die Kirchen ginge, dann würde es ausreichen, wenn wir uns dazu in einem Jesuiten-Seminar versammeln würden. Wir reden aber hier nicht über das Denken und das falsche Bewußtsein, als das sich die Religion darstellt, sondern über materielle Dinge, d.h. über die sozialökonomischen Verhältnisse und über das, was Marx und Engels darin als „Zustand momentaner Barbarei“ (Manifest) bezeichneten. Und im Kapitalismus gibt es Krisen sehr wohl, werter Georg!

  9. Pingback: KARL MARX (1818-1883) | Sascha's Welt

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