Ljubow Pribytkowa: Sind die Linken heute Kommunisten – oder sind Sie Antikommunisten?

ljubow-pribytkowa-die-linken-in-russlandstern11Wie schon so oft beinhalten die Beiträge von Ljubow Pribytkowa das richtige Wort zur richtigen Zeit. Der Zustand der Linken ist nicht nur in Rußland nichts weniger als katastrophal. Es gibt in unserem Land kaum marxistische Beiträge. Dagegen findet man in den linken Printmedien und im Internet revisionistischen Müll in Massen. Eine klare Analyse hingegen fehlt. Genannt sei hier nur das sogenannte „Marxistische Forum“ – eine in Leipzig erscheinende Zeitschrift, nach deren Lektüre man sich die Hände waschen muß. Für die Bourgeoisie ist es natürlich vorteilhaft, wenn der wissenschaftliche Kommunismus seines revolutionären Geists beraubt wird, im Bewußtsein der Arbeiterklasse die Ideen der proletarischen Ideologie durch die bürgerliche Ideologie, die Konsumpsychologie, die Moral des Individualismus und des Nationalismus ersetzt werden.

Ljubow Pribytkowa.

Sind die Linken in Rußland Kommunisten –
oder sind sie Antikommunisten?

In der Presse wird viel über die Linken, über eine linke Wendung usw. geschrieben. Mal werden Politiker als Linke und mal als Rechte bezeichnet. Und es ist nicht so einfach, sich da zurechtzufinden, wer nun ein Linker ist und wer ein Rechter. Doch diese Einteilung gibt es ja schon seit langem. Während die Linken den Weg des gesellschaftlichen Fortschritt einschlagen, zieht es die Rechten in die Vergangenheit zurück, ihre Haltung ist reaktionär.

Aber im Leben ist oft alles komplizierter und verworrener. Manchmal ist es so, daß bei den Ansichten der Linken die Hoffnungen auf Vernunft nicht gerechtfertigt sind und Äußerungen rechter Aktivisten sich als realistischer erweisen. Und deshalb ist es – wenn man wissen will, wem man glauben, und wem man folgen kann – notwendig, bis zu den Wurzeln vordringen.

Marx und Engels erkannten die objektiven Gesetze der Gesellschaft

Die Wurzeln der gesellschaftlichen Entwicklung haben, dank ihrer langjährigen wissenschaftlichen Forschungen, zwei große Deutsche entdeckt: Karl Marx und Friedrich Engels. Sie erkannten die allgemeingültigen Gesetzmäßigkeiten des menschlichen Daseins – die objektiven Gesetze der gesellschaftlichen Entwicklung. Sie entdeckten die Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise und die ihr innewohnenden antagonistischen Widersprüche. Und sie fanden heraus, daß der Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus, einer Ordnung der sozialen Gleichheit, mittels einer proletarischen Revolution unvermeidlich ist.

Der utopische Sozialismus eines Charles Fourier, eines Robert Owen oder Claude Henri de Saint-Simon, deren Schriften sehr wohl „viele geniale Gedankenkeime und Gedanken“ enthielten, wurde durch den wissenschaftlichen Kommunismus ersetzt. Bis heute sind die Werke von Karl Marx und Friedrich Engels, die im 19.Jahrhundert geschrieben und in viele Sprachen der Völker der Welt übersetzt wurden, unvermindert gefragt und populär. Heute herrscht auf der ganzen Welt der Kapitalismus, und deshalb haben die Erkenntnisse dieser großen Denker auch in unserem 21. Jahrhundert nichts an Wahrheitsgehalt und Aktualität eingebüßt.

Was wissen die Linken eigentlich vom Marxismus?

Oft bezeichnen sich junge Leute, die bislang nicht ein einziges Buch von Marx und Engels in ihren Händen hatten, als „Linke“, und sie beschimpfen Kommunisten, die auf den Positionen des Marxismus stehen, als Dogmatiker. Da gibt es beispielsweise in Nowosibirsk so eine junge Hotelfachkraft namens Kirill Bragin, der im Bulletin der Gesamtrussischen gesellschaftlichen Bewegung „Trudowaja Rossija“ („Werktätiges Rußland“) den Marxismus als „geistige Versumpfung“ und die heutigen Marxisten als „flammende sektierische Geister“ bezeichnet. Er fordert sie auf, so schnell wie möglich auf den Marxismus zu verzichten. Und er ruft sie auf, eine „moderne linke Wendung“ zu vollziehen, um mit dem Sozialismus „zur Landung anzusetzen“. Er schreibt: „Ohne eine friedliche und legale Enthebung der führenden Schicht von der Macht … sind jegliche progressiven Veränderungen im Land unmöglich”.

Das Bulletin nennt sich „Werktätiges Rußland“ und von Ausgabe zu Ausgabe wird darin solch ein antikommunistischer Schwachsinn verbreitet über irgendwelche abstrakten, linken Wendungen – doch über die Probleme der Arbeitskollektive, die sich verschärfenden Widersprüche zwischen Kapital und Arbeit und den beginnenden Kampf der Arbeiterklasse fällt nicht ein einziges Wort. Erfreulich ist daran nur: Der Hund bellt – und der Wind verweht es.

Wie der Herr Kümmelmann die Wirtschaft retten will…

Der Aufruf der Opportunisten zu einer sogenannten „linken Wendung“ ist für die Bourgeoisie eine attraktive Form des Antikommunismus. Am meisten verbreitet ist in Europa und in Rußland die Konzeption eines „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“, deren Ideen in Rußland durch die Sjuganowsche KPRF aktiv verbreitet werden. Akademiemitglied S.A.Kümmelmann im Artikel „Ein Zustand vor dem Infarkt. Wie ist die Wirtschaft zu retten – Drehbuch und Empfehlung.“ („Vaterländische Aufzeichnungen“, № 7, 2015) schreibt: „Uns erwartet ein schwieriger, möglicherweise langwieriger Weg des Hineinwachsens in den Kapitalismus, der in China schon seit 15-20 Jahren beschritten wird, den ich den Kapitalismus mit sozialistischem Gesicht genannt hätte.“

Professor J.Katschanowski träumt in seinem Artikel „Gesellschaftsvertrag“ davon, daß es in unserem Land eine gute Marktwirtschaft gibt, und keinen räuberischen Kapitalismus. Weiß er denn wirklich nicht, daß Markt und Kapitalismus Synonyme sind, und der Kapitalismus im Prinzip nur ein räuberischer sein kann. Er bedauert, daß „in Rußland die herrschende Klasse auf keine Weise eine zivilisierte Konkurrenz und die zivilisierte Beilegung von Konflikten lernen kann“.

So unterstützt die KPRF den Kapitalismus…

Und das Mitglied der Fraktion der KPRF S.I.Alfjorow schrieb in der Zeitung „Sowjetskaja Rossija“ zur Eröffnung der VII. Staatsduma: „Die Autorität der Staatsduma können wir wieder herstellen, wenn wir ein richtiges Parlament haben werden.” Der „Kommunist“ Alfjorow ist besorgt um die Autorität der bürgerlichen Macht, ein weltberühmter Wissenschaftler und dabei ein Politiker von erschütternder Naivität.

Der Führer der KPRF Gennadij Sjuganow und seine gelehrten Kampfgenossen mit angeblich sozialistischer Orientierung, nennen das nur noch „Kapitalismus mit sozialistischem Antlitz“, „Großmachtsozialismus“ und „russischer Sozialismus“. Und die Fraktion der KPRF in der Staatsduma hat nichts anderes zu tun, als Programme zu entwickeln, wie die bürgerliche Ordnung vervollkommnet werden kann, damit sie im 21. Jahrhundert für das Volk attraktiver wird.

Der lateinamerikanische „Weg zum Sozialismus“

Die Konzeption eines „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ fand besonders auch bei den Linken in Südamerika große Verbreitung. In Venezuela wurde sie von Hugo Chávez gepredigt. Und der Präsident von Ecuador, Rafael Correa, sagte: „Wir glauben nicht an den Klassenkampf und den dialektischen Materialismus. Wir halten es für opportun, innerhalb der bestehenden Strukturen auf demokratischem Weg radikale sozialistischen Veränderungen durchzuführen.“ Noch so ein Utopist. Solche gibt es heute wie Sand am Meer…

In Europa wurde ein Land schon sozialistisch genannt, wenn es der Regierung gerade mal ein bißchen gelungen war, die Lebensqualität der Bevölkerung im Vergleich zu den Nachbarländern zu erhöhen. Es gab eine Zeit, da war der Mythos über die Existenz eines sogenannten „schwedischen Sozialismus“ sehr verbreitet, so daß Sjuganow sich dies zum Beispiel nahm…

Der Renegat Eduard Bernstein würde vor Neid erblassen

Die Linken nennen den „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ einen „erneuerten Sozialismus“. Doch seine Losungen und Grundlagen sind eigentlich schon im 19. Jahrhundert entstanden. Der bekannte Publizist Stephan Gowans erinnert in seinem Artikel „Der Sozialismus des 21. oder des 19. Jahrhunderts?“ seine Leser an den geistigen Widersacher von Karl Marx – an Eduard Bernstein, der Ende 19. Jahrhundert übereifrig gegen die marxistische Theorie des Klassenkampfes auftrat, die Notwendigkeit der Liquidierung des Privateigentums, die Unvermeidlichkeit einer sozialistischen Revolution und die Diktatur des Proletariats ablehnte. Mit seinem Konzept eines „evolutionären Sozialismus“ predigte er eine kleinbürgerliche Demokratie, trat für Reformen und Kompromisse ein, um die Lage der Arbeiter im Kapitalismus allmählich „zu verbessern“.

Die proletarische Revolution 1917 in Rußland hat die Richtigkeit der Ideen von Karl Marx und die Haltlosigkeit der revisionistischen Positionen Bernsteins bewiesen. Doch die Konterrevolution in der UdSSR Ende des 20. Jahrhunderts aktivierte die Anhänger Bernsteins erneut.

Gennadi Sjuganows kleinbürgerlicher marktwirtschaftlicher „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ unterscheidet sich in seiner Vielschichtigkeit, in der Vereinbarkeit von privatem und gesellschaftlichem Eigentum, in der abstrakten Volksherrschaft und orthodoxen Geistigkeit nur in unwesentlichen Details vom „Sozialismus des 19. Jahrhunderts” Bernsteins. Im Gegenteil: Bernstein könnte sogar neidisch sein auf den raffinierten, verfeinerten modernen Revisionismus der Sjuganowisten.

Die Fälscher und die „Weiterentwickler“ des Marxismus

Mit der Zerstörung des sozialistischen Weltsystems, mit der beginnenden Krise in der kommunistischen Bewegung hatder Druck der Bourgeoisie auf die Marxisten im ideologischen Kampf nicht nachgelassen. Die Zahl der antikommunistischen Forschungszentren in den USA und Europa hat sich nicht verringert. Und unter der Herrschaft der Bourgeoisie sind in Rußland eine Unmenge von Zentren und Stiftungen entstanden, die es sich angeblich zur Aufgabe gemacht haben, den Marxismus unter den neuen Bedingungen weiterzuentwickeln. Da gibt es eine Konferenz nach der anderen, es werden Kongresse durchgeführt und „marxistische Lesungen“.

Hinter der erklärten Absicht, den Marxismus weiterzuentwickeln, verbirgt sich seine Revision. Und für die Bourgeoisie ist es natürlich vorteilhaft, wenn der wissenschaftliche Kommunismus seines revolutionären Geists beraubt wird, und im Bewußtsein der Arbeiterklasse die Ideen der proletarischen Ideologie durch die bürgerliche Ideologie, die Konsumpsychologie, die Moral des Individualismus und des Nationalismus ersetzt werden. Der Marxismus wird geschickt verflacht und verzerrt. An der Verführung des Proletariats durch die Bourgeoisie arbeiten unter irgendwelchen patriotischen oder kommunistischen Bezeichnungen bewußt oder unbewußt viele linke Gruppierungen mit.

Antikommunismus und „linke“ Lügen

Nehmen wir beispielsweise die langjährige Aushöhlung des Druckorgans der RPK (Russische Partei der Kommunisten) „Stimme des Kommunisten“. In dieser Zeitung gibt es fast keinen Artikel eines Marxisten. Darin schreiben hauptsächlich linke Persönlichkeiten über eine linke Wendung, einen linken Kurs… Und die Beziehung zu Stalin ist ausschließlich negativ, überall wird er Lenin entgegengesetzt. Der Ideologe der Partei, Joseph Abramson, behauptet, daß „Lenin bestrebt war, die Werktätigen selbst an die Macht zu bringen, während Stalin in ihrem Namen nach der Macht über die Werktätigen strebte”.

Der Autor ist kein Dummkopf. Er nichts kann dem nichts entgegenhalten, daß das sowjetische Volk in den 30 Jahren des Landes unter der Führung Stalins, als erstes in der Welt einen mächtigen Arbeiter- und Bauern-Staat geschaffen hat, der in den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges den Faschismus zerschlug. Doch er betont, daß „die RPK die Massenrepressalien, die vom Regime Stalins durchgeführt wurden, scharf verurteilt“. Damit wiederholt er Chruschtschows Lügen.

Abramson würde die modernen Reformisten gerne mit den orthodoxen Marxisten der Russischen Kommunistischen Arbeiterpartei / KPdSU und dem Bündnis „Rot Front“ vereinigen. Als Lenin dazu aufrief, die taktischen Fragen mit den Opportunisten gemeinsam zu lösen und getrennt zu marschieren, so korrigiert er Lenin dahingehend: „Zusammen zu bleiben, nebeneinander zu marschieren“. Für ihn sind sowohl Marx, als auch Lenin, mit ihrem Aufruf des schonungslosen Kampfes gegen den Opportunismus veraltet.

Über Roger Garaudy und Enver Hoxha*

Jetzt verteilt die Redaktion der Zeitung im ganzen Land das Buch des französischen Revisionisten Roger Garaudy „Der Marxismus des 20. Jahrhunderts“, der in 1970 wegen seines Treuebruchs und Verrats der Sache der Arbeiterklasse aus der Französischen Kommunistischen Partei ausgeschlossen wurde. Die Internetplattform der Bourgeoisie „Wikipedia“ schreibt über Roger Garaudy, als über einen Menschen, der seine Überzeugungen wie die Hemden wechselte. Er war Kommunist und Atheist, später wurde er zum überzeugten Christen, und zum Lebensende konvertierte er zum Islam. Ist denn der Vertrieb der Bücher der Feinde des Marxismus etwa keine direkte Unterstützung für die Bourgeoisie im ideologischen Kampf?

Auf einer solchen opportunistischen Position steht auch die „Proletarische Zeitung“. Während ständig interessante historische Materialien über den Kampf der Revolutionäre und der Leninschen Bolschewiki für die Sache des Volkes veröffentlicht werden, wird hier zugleich von Ausgabe zu Ausgabe die Bemerkung des Führers der Albanischen Partei der Arbeit, Enver Hoxha, wiederholt, der erklärt hatte, daß in der UdSSR nach dem Tode Stalins eine bürgerliche Konterrevolution geschehen sei, „die sowjetische Bourgeoisie“ die Macht im Land übernommen und eine „sozial-imperialistische Großmacht“ errichtet habe. In tausendfacher Auflage hat die Redaktion ihre antisowjetischen Broschüren mit bis zur Vulgarität vereinfachten Erläuterungen über die Abweichungen der Politik Chruschtschow vom sozialistischen Aufbau verlegt. Der Schaden, der damit im Bewußtsein junger Arbeiter angerichtet wurde und wird, ist keineswegs gering. Eine vulgäre Interpretation der Ereignisse ist schlimmer noch, als eine offenkundige Lüge über den Sozialismus in der UdSSR.

Anmerkung: L.Pribytkowa ergänzt: „Ich besitze einige Bücher von Enver Hoxha. Das Buch ‚Imperialismus und Revolution‘ habe ich mehrmals durchgelesen. Es ist interessant, aber die Hauptidee darin ist absolut falsch – ich habe sie zitiert. Es ist seine Position, und nicht meine Interpretation. Er war ein ehrlicher Kommunist/Stalinist, doch in seinem Buch verbreitet er solche falschen, verleumderischen Ideen. In Rußland war Plechanow auch der erste Marxist, Lenin schätzte ihn sehr hoch und lernte bei ihm, doch später wurde Plechanow zu einem Feind der Bolschewiki… Alles fließt, alles ändert sich.“

Alexej Proskurin – ein nazistischer Demagoge

In Moskau erscheint eine „Wirtschaftlich-philosophische Zeitung“. Deren Chefredakteur, Alexej Proskurin, nennt sie „die Zeitung der linken Intellektuellen“. Angeblich werde in ihr die sowjetische Vergangenheit absolut nicht in den Dreck gezogen, und die Autoren seien vom heutigen Rußland durchaus nicht begeistert. Ihr Traum sei „ein verbesserter Sozialismus“ – eine solche demokratische Gesellschaft, in der die Wölfe satt werden und die Schafe am Leben bleiben.

Der Redakteur der Zeitung ist ein talentierter Konjunktur-Ritter und Demagoge. Er hat die bürgerliche Losung des Pluralismus übernommen, veröffentlicht in seiner Zeitung sowohl die alten Marxisten, als auch Sjuganowsche Pseudo-Marxisten und Antikommunisten. Er bezweckt damit die Vermischung gegensätzlicher Ideen, um im Bewußtsein der Menschen die Tatsache zu verschleiern, daß es im heutigen Rußland antagonistische Klassen gibt, deren grundlegenden Interessen miteinander unversöhnlich sind und deren Ideologien einander feindlich gegenüberstehen. Und er selbst ist stolz darauf, daß er die Geschichte und den heutigen Tag nicht einseitig sieht: „Und überhaupt, aus meiner Sicht, sind die tschekistischen Kommissare, die Häftlinge im Namen eines großen Ziels durch Genickschuß töteten, kaum abscheulicher, als respektable Geschäftsleute, die zwangsprostituierte Kinder zur Unterhaltung in die Klubs der reichen Perversen liefern.“

Die Entlarvung eines „linken“ Nazis

Das Wesen dieses „linken Intellektuellen“ wurde aufs Äußerste entlarvt, als 2014 in der Ukraine die Faschisten an die Macht kamen. Im Artikel „Auch in Moskau gibt es Verteidiger der ukrainischen Neonazis“ (http://www.love-cccp.ru) schrieb ich, daß Proskurin den faschistischen Putsch als „’Tag des Sieges‘ auf dem Majdan“, als „soziale Revolution“, und die in der Ukraine herrschende Neonazi-Macht als „bürgerlich-demokratische Kräfte“ bezeichnet hatte. Er verglich die Machtergreifung durch die Bandera-Faschisten sogar mit den „freiheitsliebenden Traditionen Schlacht von Saporoshe“.

Und Julia Timoschenko, wie auch die anderen Anführer der faschistischen Junta, nannte er „normale konservative Politiker“. Nur wird mit dieser, seiner wohlgeneigten Einschätzung in keiner Weise der die ganze Welt umfliegende Ausspruch dieser Reaktionärin verbunden: „Ich werde, sobald ich kann, den ganzen Frieden beenden, damit von diesem Rußland weiter nichts als verbrannte Erde übrig bleibt! Man muß sie mit Atomwaffen erschießen!“

Herrn Proskurin wird man wohl kaum der Unwissenheit bezichtigen können. Er ist keineswegs blind; er stellte sich bewußt auf die Seite der ukrainischen Neofaschisten, so wie einst Wlassow und Stepan Bandera in die Reihen der Hitlerarmee eintraten. Nicht zufällig erschien auf den Seiten der Zeitung „Jung-Gardist“ in der Stadt Brjansk (2016, № 39) der vernichtende analytische Artikel von Jakob Kobin „Das Epigonentum eines kleinen Judas“ über das antisowjetische, und im Grunde antikommunistische Wesen Alexej Proskurins und seiner Zeitung.

Und was sagte Lenin über die Einheit der Linken?

Leider sind viele heute gegen eine Kritik der Opportunisten in der kommunistischen Bewegung, und sie treten für die Einheit aller Linken ein. Sie begreifen nicht, daß es ohne ideologischen Kampf in der Arbeiterbewegung, ohne Kenntnis der marxistischen Theorie, jegliche wirtschaftlichen und politischen Protestaktionen ohne Bedeutung sein werden. Bereits 1914 schrieb Lenin in seinem Artikel „Einheit“: „Die Einheit ist eine große Sache und eine große Losung! Doch die Arbeitersache braucht die Einheit unter den Marxisten, nicht aber die Einheit der Marxisten mit den Gegnern und Verfälschern des Marxismus.

(W.I. Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1961, Bd. 20, S.228)

Der Marxismus ist ein wissenschaftlicher Kommunismus. Und die Arbeiter sollen sich zu ihm verhalten, wie zu einer Wissenschaft. Sie sollen studieren, studieren, und noch einmal zu studieren! Das ist natürlich schwierig. Aber es gibt keinen anderen Weg!


(Danke an Kommunisten-Online!)

pdfimages  Ljubow Pribytkowa: Die Linken in Rußland

Siehe auch:
Antikommunisten…
Gegen den Antikommunismus im roten Gewand
Der Eurokommunismus hat tefe Wurzeln geschlagen

Alle Artikel von Ljubow Pribytkowa – siehe: HIER

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10 Antworten zu Ljubow Pribytkowa: Sind die Linken heute Kommunisten – oder sind Sie Antikommunisten?

  1. Vorfinder schreibt:

    Danke für die Übersetzung dieses Artikels von Ljubow Pribytkowa. Die Analyse ist auf den Punkt. In der BRD kommt so etwas von Linken wie Kommunisten kaum.

  2. Hanna Fleiss schreibt:

    Ja, Ljubow Pribytkowa sieht die Dinge schon realistisch, das ist auch meine Erfahrung, wenn ich mich so umsehe und umhöre. Auf die Bücher, die ihr revisionistisches Zeugs verbreiten, kann man verzichten, aber das Internet ist da ja eine wahre „Fundgrube“, um die man kaum herumkommt. Und im Internet verläuft jede Diskussion sehr oberflächlich, überzeugend ist sie meist schon deshalb nicht. Ob aber Enver Hodscha seine Kritik so formuliert hat wie hier angegeben, kann ich nicht einschätzen. Von seinen Äußerungen zur Chruschtschow-Clique, die ich bisher gelesen habe, halte ich eigentlich eine ganze Menge. Vielleicht geht die Kritik von Ljubow Pribytkowa darauf zurück, dass es jahrzehntelang überhaupt nicht möglich war, Schriften von ihm in die Hand zu bekommen, und jetzt, wo es möglich ist, nur Fälschungen. Denn ich glaube, dass Enver Hodscha ein wahrer Kommunist war, der sehr genau erkannt hatte, was unter Chruschtschow in der Sowjetunion ablief. Und dass es sich so verhielt, diesen Beweis brachte Chruschtschow selbst, denn Albanien existierte ja eigentlich gar nicht mehr für die kommunistische Welt, als sich Chruschtschow als der echte Leninist und Kämpfer gegen den Stalinismus aufspielte. Woran man sehen kann, wie schwer es heute sogar gestandenen Kommunisten fällt, durch den Wust von Verleumdungen, Verfälschungen und revisionistischen Großmäuligkeiten durchzusehen. Was die Aussagen von Ljubow Pribytkowa ja nur bestätigt.

    • sascha313 schreibt:

      An der grundsätzlichen Haltung Enver Hoxhas gibt es sicherlich keine Zweifel. Er war ein aufrechter Kommunist! Wobei schon klar ist, daß ein gewisser Teil der sogenannten „Nomenklatura“ (also der Parteiführung) ja schon sehr bourgeoise Züge aufwies, und gegen Ende der UdSSR aus deren Reihen dann auch die Oligarchen hervorkrochen. Sie hatten sich lange genug auf ihre künftige Rolle als Monopolkapitalisten vorbereitet. Dennoch war die Sowjetunion bis zum Schluß ein sozialistisches Land, denn die Produktionsmittel befanden sich in den Händen des Volkes.
      Ich kann diese Äußerung – „sozial-imperialistische Großmacht“ – also nicht bestätigen, weiß auch nicht, wann und ob das überhaupt so gesagt wurde. Die MLPD hat das jedoch getan!

  3. Günter Hering schreibt:

    Ach Sascha, wir sollten uns mehr unseren eigenen „Linken“ widmen. Da hat sich beispielsweise Katja Kipping dem imperialen Kriegsgeschrei über die „Gräueltaten der syrischen Armee“ voll angeschlossen. So gut und ehrenvoll es von Wolfgang Gehrke ist, ihr öffentlich in seinem „[Ça ira] Ausgabe Nr. 136“ zu widersprechen – wo sind wir hingekommen, wenn die Bundesvorsitzende einer angeblich linken Partei so einen unglaublichen Dreck äußert und die Basis nicht erkennbar rebelliert?

    • sascha313 schreibt:

      Gut, wenn dieser Text dazu ein Anlaß ist! Nun könnte man ja sagen, dieses Mädel ist erkennbar dumm. Doch das trifft es nicht! Sie ist anscheinend ebensowenig dumm wie diese Göring-Eckart. Beide glauben wohl auch, was sie sagen – d.h. sie sind nicht etwa Opfer der imperialistischen Propaganda. Nein, sie sind Teil der antisyrischen und antirussischen Kampagne!!! Sie sind Feinde des syrischen Volkes, und sind Feinde des russischen Volkes – denn Assad vertritt (ebenso wie Putin) sein eigenes Volk im Kampf gegen den westlichen Imperialismus. Das muß man doch mal festhalten!

      Die Parteibasis der Partei „Die Linke“ ist also unstreitig opportunistisch! Sie verliert sich in Lokalkämpfen, und sie trägt dazu bei, daß dies ihre Wähler auch tun. Wo ist da der Unterschied zur KPRF???
      Und nun ist doch die Frage: Wer schreibt bei uns einen solchen Text über den Zustand der Linken in der BRD???

  4. Hanna Fleiss schreibt:

    Lieber Günter Hering, die Erklärung ist doch ganz einfach: Die Partei „Die Linke“ ist nur eine „angeblich linke Partei“ und folglich keine linke Partei. Insofern auch eine Unverschämtheit gegen alle Linken der BRD, weil sie allein schon mit diesem Titel „DIE LINKE“ einen Hegemonieanspruch über alles Linke hierzulande erhebt und ihren Teil dazu beiträgt, alles Linke nach rechts zu ziehen, auch weil diese angeblich linke Partei die größte Mitgliederzahl hat und viele Menschen auf das Protesttheater für die Leute der Sahra Wagenknecht und Co. hereinfallen, die ein ganz geschicktes Feigenblatt für diese opportunistische, revisionistische Partei abgeben. Man muss ihren Reden nur genau zuhören, dann löst sich der ganze Protest in den reinsten Opportunismus auf. Das ist nicht ganz einfach, weil sie mit der Fassade der aufrechten Kämpferin gegen die Bundespolitik auftreten, wobei sie Dinge, die allgemein vertreten werden, mit opportunistischen Anbiederungen an die Regierungspolitik vermischen. Das ist der Fall in Bezug auf die EU, die nach den Wünschen der Linkspartei WIEDER ein „menschliches Antlitz“ bekommen soll, und ein besonders ekliges, entlarvendes Beispiel für den Opportunismus der Linkspartei ist die kürzliche Protestversammlung vor der Russischen Botschaft gegen die Bombardierung Ost-Aleppos gemeinsam mit Abgeordneten der Kriegstreiberparteien CDU/SPD/Grüne. Beispiele für diesen Opportunismus gibt es so viele, zählte ich sie alle auf, würde Sascha um seinen Platz in diesem Blog Sorgen haben müssen.

    • Günter Hering schreibt:

      Das ist alles richtig, was Du schreibst, liebe Hanna. Und dennoch ist es mir zu wenig. Nur beckmessernd daneben zu stehen, ändert nicht nur nichts, sondern schwächt zudem die Positionen Derjenigen (wenigen!), die tapfer gegen den erbärmlichen Opportunismus ankämpfen. Beispiel Wolfgang Gehrke, aber er ist ja nicht der einzige. Wollen wir die wenigen Aufrechten wirklich allein lassen?
      Ähnlich unproduktiv wirkt auf mich Sascha’s Bemerkung über die „opportunistische Basis“, durch die ich mich pauschal beschimpft fühle. So wie meine zugegeben wenigen Mitstreiter auch. Das ist unfair und alles andere als zielführend, lieber Sascha!

      • sascha313 schreibt:

        Von einer „opportunistischen Basis“, lieber Günter, kann so pauschal nicht die Rede sein. (Ich weiß auch nicht, ob ich das irgendwo gesagt habe.) Es gibt sicher in allen linken Parteien Genossen, die ehrlich bemüht sind, im Sinne unserer marxistisch-leninistischen Weltanschauung zu handeln. Und in diesem Sinne ist wohl auch Lenin zu verstehen, der meinte, man müsse mit einer festgefügten Organisation der Revolutionäre beginnen, anstatt mit solch einer „zugänglichsten“ Organisation, wie es eine solche Partei ist… (Was tun?)

  5. Hanna Fleiss schreibt:

    Lieber Günter Hering, wie kommst du darauf, dass ich oder andere nur beckmessernd „danebenstehen“? Meine Kritik ist öffentlich. Und ich äußere sie nicht nur hier, sondern auch in anderen Blogs. Du erwähnst Wolfgang Gehrcke, „einen der wenigen Aufrechten“? Da hast du dir genau den Richtigen ausgesucht, kann ich nur sagen. Ich erinnere mich an eine Demo mit Kundgebung, wann es war, weiß ich gar nicht mehr genau, in jedem Fall ging es um Palästina, als sich der hochgelobte Wolfgang Gehrcke peinlichst durch die Fronten Israel und Palästina mit Händen und Füßen und schwammigem Wortgetöse hindurchwand. So dass ich vor Wut über diesen – entschuldige – Schwachkopf die Demo verließ. Und mit mir noch eine Menge anderer Leute. Ein Mann schimpfte: „Für diesen Dreck bin ich doch nicht mitgelaufen!“ Was ich sonst von Gehrcke vernahm, bestätigt mich in meinem Eindruck, dass er sich von einem Opportunisten nur graduell unterscheidet. Dass er jetzt gegen Kiplings staatstragenden Wortschwall auftritt, verwundert mich deshalb etwas. Vielleicht ist das der Anfang zu einer gewissen Erkenntnis. Man kann es nur hoffen.

    Und noch etwas, lieber Günter: Wenn es in der Linksparteibasis noch Leute gibt, die sich gegen den Opportunismus aussprechen, warum gelingt es ihnen nicht innerhalb der Partei, den Opportunismus aus der Partei zu vertreiben? Falls du meine Meinung wissen willst: Es wird euch so lange nicht gelingen, solange die Linkspartei auf den Antikommunismus, den Antistalinismus und den bürgerlichen Pluralismus schwört und ganz heiß aufs Mitregieren im Bund ist. Und solange wie ihr das nicht ändert, wird die Linkspartei eines Tages würdig, im imperialistischen Deutschland Regierungspartei zu werden.

    Ich habe gelesen, was der Revisionist Lieberam über das Mitregieren linker Parteien in bürgerlich-kapitalistischen Regierungen geschrieben hat. Wenn ich auch sonst anderer Ansicht bin als Lieberam, in diesem Fall gebe ich ihm recht: Rot-Rot-Grün im Bund wäre eine Großkatastrophe für die Linkspartei. Wörtlich schreibt Lieberam:

    „Zu den wichtigsten Lehren der deutschen Novemberrevolution gehört, dass Regieren durch ‚Sozialisten‘ in der Regel mit Machtveränderung zugunsten der Lohnarbeiter in Richtung Sozialismus nichts zu tun hat. Mitregieren ist in der Hauptsache eine Integrationsfalle. Wenn eine sozialistische oder kommunistische Partei in diese hineintappt, dann verstärken sich Anpassung und Fügsamkeit …“

    Übrigens wird das Mitregieren Thema auch bei der nächsten Rosa-Luxemburg-Konferenz auf der Tagesordnung stehen. Hoffen wir auf klare Köpfe.

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