Friedrich Engels gegen das Versöhnlertum der Linken

tschaginDie letzten fünf Jahre von Engels‘ Leben fielen mit dem ersten Jahrfünft der II. Internationale zusammen. Nach dem Tode von Marx hatte auf ihm die Führung der Arbeiterbewegung der ganzen Welt mit aller Schwere gelegen. Gleichzeitig hatte er die Hauptlast des Kampfes gegen den unaufhörlich wachsenden Opportunismus in den sozialdemokratischen Parteien zu tragen. Seine Ratschläge und Hinweise förderten das Wachstum der sozialistischen Parteien in Deutschland, Frankreich und in den skandinavischen Ländern. Engels wandte sich schonungslos gegen den engen und verstockten Sektierergeist in der englischen und amerikanischen sozialistischen Bewegung. Er tadelte diese Sozialisten, weil sie keinerlei Kontakt mit den Massen in der Arbeiterbewegung mehr hatten, und kritisierte sie wegen ihrer Unfähigkeit, die marxistische Theorie auf konkrete Verhältnisse anzuwenden. Die deutschen Sozialdemokraten schalt Engels wegen ihres Philistertums, ihres Opportunismus, wegen ihrer nationalistischen Tendenzen in der Partei.

Engels kritisiert die Abweichungen vom Marxismus

In dem Bestreben, den Opportunisten die Grundlage ihrer reformistischen Handlungsweise, das geltende Parteiprogramm, zu entziehen, und von dem Wunsche beseelt, der Arbeiterklasse ein konsequentes und zielklares marxistisches Programm zu geben, schlug Engels die Abänderung des Gothaer Parteiprogramms vor. Bei dem damaligen Stand der Dinge in der Partei mußte Engels um den Charakter des künftigen Programms Befürchtungen hegen.

Die Parteiführung intrigiert gegen Engels

So wurde am 19. Februar 1891 im „Vorwärts“ eine offizielle Erklärung des Zentralorgans der Partei und der Reichstagsfraktion veröffentlicht, die gegen die Kritik des Gothaer Programms seitens Marx‘ und damit gegen Engels gerichtet war. „Die von der Redaktion der ‚Neuen Zeit‘ publizierten Briefe von Marx“, hieß es in dieser Erklärung, „erfolgte ohne vorherige Kenntnisnahme der Fraktion und Leitung der Partei die die Veröffentlichung in der Form, wie dies in der Presse geschah, nicht zugelassen hätte.“

Die Versöhnler wollen „Frieden“ in der Partei

Die „Kritik des Gothaer Programms“ von Marx gelangte gegen den Wunsch der Parteiführung und der Redaktion des „Vorwärts“ zur Veröffentlichung. Die Versöhnler hatten allen Grund diese Kritik zu fürchten. Die Marxsche Kritik am Lassalleanertum traf hinsichtlich der Reformisten nicht nur den Nagel auf den Kopf, sondern ging auch direkt die Versöhnler an, die gegen die gewaltsame Revolution und. die Diktatur des Proletariats auftraten. Engels bemerkt in einem Brief an Kautsky vom 16. Juni 1891, man wolle in Berlin vor allem „Frieden“ in der Partei haben.

Der Opportunismus der Parteiführung wird sichtbar

Der „Vorwärts“ richtete sich in der Hauptsache gegen die Marxschen Auffassungen und ermunterte somit die Opportunisten zum offenen Angriff gegen den revolutionären Marxismus. Es hieß dort, daß „die deutschen Sozialdemokraten nicht Marxisten und nicht Lassalleaner, sondern eben Sozialdemokraten“ seien. In diesen Worten trat der Opportunismus der führenden Kreise der Sozialdemokratie sichtbar in Erscheinung. Hierbei leistete sich die Parteiführung den unzweideutigen Ausfall gegen Engels, „man könne ja vom Ausland eine Massenbewegung nicht leiten“ und „die deutsche Sozialdemokratie könne niemals dulden und werde niemals dulden, daß ihre Führung ins Ausland verlegt würde“ [1] (…)

Scharfe Kritik an der Feigheit der Opportunisten

Engels unterstrich besonders scharf den opportunistischen Charakter des Programmentwurfs sowie die Kriecherei der Opportunisten vor der Legalität. Schonungslos ging er mit den opportunistischen „Lehren“ vom Hineinwachsen des Kapitalismus in den Sozialismus ins Gericht.

„Aus Furcht vor einer Erneuerung des Sozialistengesetzes, aus der Erinnerung an allerlei unter der Herrschaft jenes Gesetzes gefallene voreilige Äußerungen soll jetzt auf einmal der gegenwärtige gesetzliche Zustand in Deutschland der Partei genügen können, alle ihre Forderungen auf friedlichem Wege durchzuführen. Man redet sich und der Partei vor, die heutige Gesellschaft wachse in den Sozialismus hinein, ohne sich zu fragen, ob sie nicht damit ebenso notwendig aus ihrer alten Gesellschaftsverfassung hinauswachse, diese alte Hülle ebenso gewaltsam sprengen müsse wie der Krebs die seine, als ob sie in Deutschland nicht außerdem die Fesseln der noch halb absolutistischen und obendrein namenlos verworrenen politischen Ordnung zu sprengen habe“. [2]

Es herrscht der deutsche Untertanengeist…

Aus diesem Grunde erachtete Engels den Programmentwurf als unannehmbar. In diesem war nicht nur mit keinem Wort von der Diktatur des Proletariats und der gewaltsamen Revolution gegen die bürgerliche Gesellschaft die Rede, ja, er enthielt nicht einmal die Forderung nach der Republik. Der Entwurf war ganz und gar von dem Gedanken an eine notwendige Anpassung an die in Deutschland existierende halbabsolutistische Ordnung beherrscht. Er war vom Untertanengeist vor der politischen Herrschaft der Junker erfüllt. (…)


Das demagogische Programm von Bernstein setzte sich allmählich durch: „Bewegung ist alles, Ziel ist nichts.“

Nach Engels‘ Tode riß der … Opportunismus allmählich die Kommandostellen in der Partei an sich. Das Zentralorgan der Partei, der „Vorwärts“, ging faktisch in die Hände der Opportunisten über. Diese bemächtigten sich im Laufe von zehn Jahren des bedeutendsten Teiles der Provinzpresse. Der Gewerkschaftsapparat stand längst zu ihrer Verfügung. Die Gewerkschaftsführer waren in ihrer Mehrheit Reformisten. Die Reichstagsfraktion stand zum beträchtlichen Teil auf dem Boden des „praktischen Programms“ Bernsteins. Sie begann allmählich in der Partei die Hauptrolle zu spielen. Die Partei war lediglich ihr Anhängsel.

W.I. Lenin warnte vor dem Abgleiten in den Sumpf…

Lenin machte in seiner Arbeit „Was tun?“ (1902) ganz besonders auf den Kampf aufmerksam, der innerhalb der II. Internationale zwischen dem revolutionären Flügel und den Opportunisten tobte. „…in der heutigen internationalen Sozialdemokratie“, so schrieb er, sind „zwei Richtungen entstanden…, zwischen denen der Kampf bald entbrennt und in hellen Flammen auflodert, bald erlischt und unter der Asche eindrucksvoller, Waffenstillstandsresolu tionen weiterglimmt“ [3].

Wie Lenin und Stalin betont haben, ist die Gewähr für den Sieg des Proletariats der schonungslose Kampf gegen den Opportunismus in seinen verschiedenen Formen. Die ideologische und politische Entartung der deutschen Sozialdemokratie wurde immer offensichtlicher.

Quelle:
B.A. Tschagin: Die Entwicklung der mkarxistischen Philosophie nach der Pariser Kommune, Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin, 1951, S.66-82 (Auszüge; Zwischenüberschriften eingefügt.)

Zitate:
[1] „Vorwärts“ vom 13. November 1891.
[2] Marx-Engels, Programmkritiken, Berlin 1931; S. 63-64.
[3] Lenin, Ausgewählte Werke in 2 Bänden, Bd.I, Moskau 1946, S.178-179.

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Eine Antwort zu Friedrich Engels gegen das Versöhnlertum der Linken

  1. Vorfinder schreibt:

    Ein passender Neujahrsgruß für (da es die gibt) Abgeordneten der LINKEN vor Ort.

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