Warum ist die bürgerliche Statistik größtenteils nicht vertrauensürdig?

statisticsAugust Bebel hat einmal gesagt: „Die Statistik … ist die wichtigste Hilfswissenschaft in der neuen Gesellschaft, sie liefert das Maß für alle gesellschaftliche Tätigkeit.“ [1] Was nun aber, wenn wir die neuesten Zahlen der sogenannten „Agentur für Arbeit“ lesen?  Können wir diesen Zahlen vertrauen? Nein, natürlich nicht. Diese Zahlen sind absolut nicht vertrauenswürdig – wie fast alle Statistiken der herrschenden Klasse in einem kapitalistischen Land. Sie wurden gefälscht. Bebel sprach ja auch von der „neuen Gesellschaft“, und damit war der Sozialismus gemeint. So bewahrheitet sich in unserer kapitalistischen Gesellschaft wieder der alten Spruch: „Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“ Es ist eben ein Unterschied, ob Statistik im Dienste der Menschheit steht (wie im Sozialismus) oder ob sie im Dienste des Kapitals steht (wie das im Kapitalismus ja auch nicht anders sein kann!). Warum ist das so? Im Jahre 1967 erschien in der DDR ein Lehrbuch über „Allgemeine Statistik“…

Welche Bedeutung hat Statistik?

Der bürgerliche Staat und die kapitalistischen Betriebe, insbesondere die internationalen Monopolvereinigungen, bedienen sich verstärkt der Statistik. Der immer komplizierter werdende Produktionsprozeß und die zunehmende Verflechtung der verschiedenen Tätigkeiten veranlassen sie, im Interesse der Maximierung des Profites und daher der Ausbeutung, die statistischen Arbeiten zu intensivieren.

Die Zunahme statistischer Arbeiten in den kapitalistischen Betrieben und Staaten wird von der ökonomischen Entwicklung diktiert. Der staatsmonopolistische Kapitalismus, der sich alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens unterordnet, bewirkt auch eine Ausdehnung der Statistik auf nahezu alle Bereiche und Zweige des gesellschaftlichen Lebens einschließlich der Bereiche außerhalb der materiellen Produk­ tion. Diese umfassende Entwicklung der Statistik entspricht den objektiven Erfordernissen. Ihr sind jedoch im bürgerlichen Staat durch die kapitalistischen Produktionsverhältnisse Grenzen gesetzt, die die Statistik nur unter großen Schwierigkeiten und zum Teil gar nicht überschreiten kann.

Warum sind der Statistik im Kapitalismus Grenzen gesetzt?

Der Kapitalismus kemmt die Entwicklung der Statistik und ruft widersprüchliche Entwicklungstendenzen der Statistik hervor. Die Eigentumsverhältnisse und der Konkurrenzkampf des Kapitalismus bewirken, daß es in den großen kapitalistischen Betrieben und Monopolvereinigungen in der Regel eine ausgebaute betriebliche Statistik gibt, daß diese sich jedoch außerhalb des Betriebes und des Konzerns nicht fortsetzt, daß kein entwickeltes überbetriebliches System der Statistik vorhanden ist. Dem wirken in einzelnen Bereichen und Zweigen in unterschiedlichem Maße staatsmonopolistische Tendenzen entgegen, Diese widersprüchlichen Faktoren ergaben zeitliche Unterschiede, wie auch Unterschiede zwischen Zweigen und Gebieten. Sie bewirken die verschiedenen Entwicklungsrichtungen der Statistik innerhalb eines kapitalistischen Landes und zwischen den kapitalistischen Staaten.

Bürgerliche Statistik auf unwissenschaftlichen Grundlagen

Die bürgerlichen statistischen Arbeiten beruhen auf der einen oder anderen Variante der bürgerlichen Nationalökonomie. Diesen ökonomischen Theorien ist gemeinsam, daß sie nicht in der Lage sind, das Wesen der komplizierten ökonomischen Erscheinungen aufzudecken, will dus Wesen des Wertbildungsprozesses, die Entstehung des Nationaleinkommens usw. Da die Statistik von diesen ökonomischen Theorien ausgeht, kann auch sie die gesellschaftlichen Erscheinungen nicht objektiv richtig widerspiegeln, Das gilt für den volkswirtschaftlichen Reproduktionsprozeß als Ganzes wie für bestimmte wichtige Teile; dagegen erzielt die bürgerliche Statistik, ausgehend von den praktischen Erfordernissen für viele Einzelprobleme und Teilabschnitte, durchaus brauchbare Resultate.

Warum werden Statistiken im Kapitalismus gefälscht?

Bemerkenswert ist die Tatsache, daß die bürgerliche Statistik jene gesellschaftlichen Erscheinungen nicht oder nicht exakt kennzeichnet, die den Kapitalismus als Gesellschaft der entwickeltsten Ausbeutung der Mehrheit der Bevölkerung durch eine kleine Minderheit charakterisieren. Hier zeigt sich nicht nur das Unvermögen der bürgerlichen ökonomischen Theorien [2], das wahre Wesen der kapitalistischen Gesellschaft zu erklären, sondern zugleich der Klassencharakter der bürgetlichen Statistik. Sie behandelt nur das, was der herrschenden Klasse nutzt, auf Zahlenmaterial, das dem entgegensteht, verzichtet sie oder verfälscht es. Aus diesem Grunde ist die bürgerliche Statistik den Interessen der Arbeiterklasse entgegengesetzt, und die Arbeiterklasse begegnet ihr mit Mißtrauen und Ablehnung. Die bürgerliche Statistik als Instrument der Aufrechterhaltung der kapitalistischen Ordnung zu zeigen, ist folglich politisch und ökonomisch notwendig.

Die Statistik im Dienste der Profitmaximierung

Der bürgerliche Staat, die herrschenden Monopole und jeder einzelne kapitalistische Betrieb finanzieren statistische Untersuchungen, wenn sie ihrem Profitstreben dienen, wenn sie zur Aufrechterhaltung der Produktion orforderlich sind und eine Vergrößerung der Mehrwertproduktion gestatten. Auf der anderen Seite unterdrücken sie mit den verschiedensten Mitteln alle statistishen Untersuchungen, die sich der konkreten Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse zuwenden. Für derartige Untersuchungen werden keine finanziellen Mittel gewährt, die offizielle Literatur und Presse verschweigt ihre Ergebnisse usw.

Reglementierung und Zensur

Für den einzelnen bürgerlichen Statistiker ist es sehr schwer, die entscheidenden gesellschaftlichen Verhältnisse aufzudecken: Die bürgerlichen akademischen Ausbildungsstätten haben ihn dazu im Interesse der herrschenden Klasse nicht befähigt. Da die Mehrzahl der Statistiker trotzdem durchaus keine bewußten Apologeten des Kapitalismus sind, die ihn beschönigen und seine Ungerechtigkeiten verschleiern wollen, greift der bürgerliche Staat zur strengsten Reglementierung der statistischen Arbeit, wie zur direkten Genehmigung für jede einzelne Untersuchung.

Wie wird die bürgerliche Statistik gefälscht?

In der bürgerlichen Statistik gibt es auch bewußte Verfälschungen, Schönfärberei usw., wenngleich direkte Fälschungen nicht die Hauptmethoden sind. Die Methoden und Erscheinungsformen, mit denen die bürgerliche Statistik den Klassenantagonismus im Zahlenmaterial nicht sichtbar werden lassen will, sind sehr mannigfaltig. Sie gehen vom einfachen Weglassen bestimmter Angaben zu bewußten Ungenauigkeiten und Unzulänglichkeiten in der Bezeichnung von Kennziffern über den Vergleich inhaltlich verschiedenartiger Angaben und der Berechnung nichtssagender Kennziffern bis zur direkten Verfälschung des Zahlenmaterials.

Eine Wissenschaft, die keine ist…

Der Klassencharakter der bürgerlichen Statistik schließt nicht aus, daß auch einwandfreie statistische Untersuchungen durchgeführt werden, die inhaltlich und methodisch allen Anforderungen genügen. Hierzu gehören vor allem Untersuchungen, die der Lösung von dringenden Fragen der Wirtschaftspraxis dienen und Untersuchungen, die das Wesen des Kapitalismus nicht bloßstellen. Ebenso widersprüchlich wie die statistische Praxis ist die bürgerliche statistische Wissenschaft. Sie ist kein einheitliches Ganzes, sondern zerfällt in verschiedene, unterschiedliche Schulen.

Quelle:
Autorenkollektiv. Allgemeine Statistik. Lehrbuch. Verlag Die Wirtschaft, Berlin, 1967, S.28-30.

[1] August Bebel: Die Frau und der Sozialismus.Berlin/DDR, 1973, S. 416.
[2] Siehe Beispiel: Die arbeiterfeindlichen Ansichten des Ludwig von Mises.


Wie soll sozialistische Statistik sein?

  1. Die Statistik muß wahrhaftig sein.
  2. Die Statistik muß wissenschaftlich sein.
  3. Die Statistik muß parteilich sein.
  4. Die Statistik muß aktuell sein.
  5. Die Statistik muß rationell gestaltet sein.
  6. Die Statistik muß gut verständlich sein.

(Quelle: ebd. S.30-35.)

images   Warum ist die bürgerliche Statistik…?

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