Richtungskämpfe im Imperialismus auf dem Weg zur faschistischen Diktatur

capitalism

Der kapitalistische Moloch

Die Geschichte weist mittlerweile zahlreiche Beispiele auf, aus denen wir ersehen können, wie es dazu kam, daß in imperialistischen Staaten infolge von politischen Krisen faschistische Diktaturen entstanden oder bereits bestehende Unterdrückungsverhältnisse der Monopolbourgeoisie gegenüber der Mehrheit des Volkes bis ins Extreme verschärft wurden. Wenn es Richtungskämpfe innerhalb der Monpolbourgeoisie eines Landes gibt, oder Auseinandersetzungen zwischen imperialistischen Ländern oder Blöcken, so führt der Sturz einer politischen Clique oder eines Regimes nicht selten dazu, daß diese durch noch schärfere ersetzt werden. Ein nahezu klassisches Vorbild dafür liefert die Röhm-Affäre 1934. War es den Nazis bisher mit Demagogie und Lügen gelungen, große Teile der Arbeiterklasse vom Klassenkampf abzuhalten und eine Einheitsfront aller antifaschistischen Kräfte zu verhindern, so nahm doch die Unzufriedenheit in der Bevölkerung weiter zu… 

Wie sollte die politischen Krise gelöst werden?

Der Historiker Dr.Kurt Gossweiler schreibt:

Die Massenunzufriedenheit … war der Hauptfaktor der politischen Krise, in die das Hitlerregime im ersten Halbjahr 1934 hineingeriet. Die von den Monopolen diktierte Wirtschaftspolitik hatte soviel Zündstoff angehäuft, daß eine soziale Explosion zu befürchten war und das faschistische Regime sich vor die Entscheidung gestellt sah, entweder durch eine gewisse Lockerung des wirtschaftlichen Druckes die Massenunzufriedenheit zu dämpfen, oder aber Steigerung des politischen Druckes und des brutalen Terrors jede mögliche Widerstandsregung im Keim zu ersticken.
Quelle: Kurt Gossweiler, „Der Putsch, der keiner war“. PapyRossa Verlag, 2009, S.340f.

Welche widerstreitenden Richtungen gab es?

  • Der Chemie-Elektro-Flügel mit Schmitt und Schleicher-Strasser-Röhm bevorzugte die  Möglichkeit einer Lockerung des wirtschaftlichen Drucks.
  • Die Schwerindustrie und die „amerikanische Gruppe“ mit Göring, Schacht und Thyssen an der Spitze bevorzugte den Weg des Terrors.
Je stärker und geschlossener der Massendruck, je größer sich die Gefahr und das Risiko einer Überspannung des Bogens gegenüber den Massen erwiesen, desto eher mußte sich die gesamte Monopolbourgeoisie zu gewissen Zugeständnissen bereitfinden. Und umgekehrt: je schwächer und zersplitterter der Widerstand der Massen, je unfähiger zu gemeinsamen Aktionen sie sich zeigten, je geringer also das Risiko für die Großbourgeoisie beim Einschlagen des zweiten Weges, desto eher mußte sich die Neigung, gerade diesen Weg einzuschlagen, auch bei jenen Teilen der Großbourgeoisie durchsetzen, die aus Furcht vor der Reaktion der Massen zunächst den ersten Weg bevorzugten.
Quelle: Kurt Gossweiler, „Der Putsch, der keiner war“, a.a.O. S.341.

Wie verhielt sich die Bevölkerung?

Den deutschen Imperialisten gelang es nicht, in der Arbeiterklasse eine breite Massenbasis zu finden. Dafür schlossen sich die städtischen Mittelschichten und die Bauernschaft der NSDAP an. Mit demagogische Parolen wie „Brechung der Zinsknechtschaft“, „Gegen Trusts und Konzerne“ und „Kampf dem raffenden Kapital und den Warenhäusern“ lockten die Nazis Millionen Kleinbürger in ihre Fänge. Demgegenüber gelang es jedoch nicht, eine breite Volksbewegung zum Sturz der faschistischen Diktatur ins Leben zu rufen.

Viele Bauern, Handwerker, kleine Geschäftsleute, Beamte und Angestellte durchschauten in ihrer Verzweiflung die faschistische Demagogie nicht.Diese kleinbürgerlichen Schichten schlossen sich zum Teil den Nazis an. Ein umfassender Einbruch in die Arbeiterklasse gelang der Hitlerpartei nicht. Gegen die klassenbewußten Arbeiter wandten die Faschisten die methode des brutalen Terrors an.Ihre SA- und SS-Horden wurden auf Arbeiterversamlungen und Demonstrationen gehetzt und wirkten als Streikbrecher. Kommunistische und sozialdemokratische Arbeiter wurden heimtückisch überfallen und ermordet
Quelle: Geschichte, Klasse 9, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin (DDR), 1978, S.135f.

Einfluß der Nazis auf die Arbeiterklasse

Der Ausgang des Kampfes zwischen diesen beiden Richtungen innerhalb der faschistischen deutschen Großbourgeoisie konnte deshalb für die Arbeiterklasse nicht gleichgültig sein. Solange sie nicht stark genug war, die Volksmassen zum geschlossenen Kampf um den Sturz des Faschismus zu führen, erforderten die Interessen der Arbeiterklasse, … dafür einzutreten, daß die jeweils extremste, reaktionärste Fraktion innerhalb der reaktionären faschistischen Großbourgeoisie isoliert und daran gehindert wurde, ihr Programm der weiteren Steigerung des ökonomischen und politischen Druckes, des blutigen faschistischen Terrors, durchzuführen.
Quelle: Kurt Gossweiler, „Der Putsch der keiner war“, a.a.O., S.341.

Dazu wäre es aber notwendig gewesen, daß die Arbeiterklasse einheitlich und geschlossen auftritt und ihre Forderungen gegenüber dem Monopolkapital durchsetzt.

Der Kampf der Kommunisten

Das Hauptziel der KPD war die Herstellung einer Einheitsfront.

Obgleich die KPD durch Festhalten an ihrer strategischen Zielsetzung „Rätedeutschland“ die Möglichkeiten zur Vereinigung aller Kräfte der Arbeiterklasse und der übrigen Volksmassen einengte, war ihre Orientierung auf die Entfaltung des Massenkampfes als des wichtigsten Mittels, um die faschistische Diktatur zum Zurückweichen vor den Forderungen der Massen zu zwingen und damit günstigere Bedingungen für den Entscheidungskampf gegen die faschistische Diktatur zu erkämpfen, die einzige Möglichkeit, die Gegensätze im Lager der faschistischen Bourgeoisie im Interesse der Arbeiterklasse und des ganzen Volkes auszunutzen.
Quelle: Kurt Gossweiler, „Der Putsch der keiner war“, a.a.O., S.341f.

thaelmannrede

Quelle: Geschichte, Klasse 9, a.a.O., S.141.

Obwohl sich die KPD seit Ende 1933 bereits in der Illegalität befand, war es den Nazis nicht gelungen, den Widerstand der Kommunisten zu brechen.

Was tat die Führung der SPD?

Demgegenüber gedachte der Prager Vorstand der Sozialdemokratischen Deutschlands die Krise der faschistischen Diktatur auf andere Weise „auszunutzen“, nämlich zum Beweis seiner Unentbehrlichkeit als Stütze der bürgerlichen Ordnung. Er hoffte, ebenso wie der gleichfalls in Prag befindliche Otto Strasser, auf einen Sieg der Richtung Schleicher-Strasser-Röhm, was bei Kenntnis des Programms dieser Richtung keineswegs überraschen kann. Deshalb verbreitete der Prager Parteivorstand in Deutschland die Auffassung, man könne den Faschismus nicht durch Aktionen stürzen, sondern müsse die „innere Evolution“ des faschistischen Regimes abwarten.
Die Führung verfolgte also kein Programm des Kampfes gegen die faschistische Diktatur; ihre Politik lief vielmehr darauf hinaus, die Arbeiterklasse zum Anhängsel jenes Flügels der imperialistischen Bourgeoisie zu degradieren, der bereit war, die rechtssozialischen Führer erneut in seinen Dienst zu nehmen. Diese Politik mußte aber zwangsläufig das Gegenteil dessen zum Ergebnis haben, was der Prager Parteivorstand durch sie zu erreichen hoffte, nämlich die Stärkung der Position jener Teile der Monopolbourgeoisie, die von keinerlei Zugeständnissen an die Arbeiterklasse, und wären sie auch noch so minimal gewesen, etwas wissen wollten, und die entschiedene Gegner der Wiedereinbeziehung der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften in das Herrschaftssystem des deutschen Imperialismus waren.
Indem die rechten Führer der Sozialdemokratie ihren ganzen Einfluß dazu benutzten, das aktive Eingreifen der Arbeiterklasse in den Gang der Ereignisse zu unterbinden, trugen sie dazu bei, daß die Arbeiterklasse daran gehindert wurde, tiefgehenden Differenzen innerhalb der Monopolbourgeoisie zu ihren Gunsten und zugunsten der Volksmassen auszunutzen. Sie sorgten dafür, daß die verschiedenen Gruppen der Monopolbourgeoisie bei der Austragung ihrer Differenzen „unter sich“ blieben und so von allen Möglichkeiten, die sich aus der Krise der faschistischen Diktatur ergaben, die reaktionärste, volksfeindlichste, verhängnisvollste zur Wirklichkeit wurde.
Quelle: Kurt Gossweiler „Der Putsch der keiner war“, a.a.O., S.342.

Es war also, wie Kurt Gossweiler treffend feststellte:

Ein Putsch der keiner war…

Röhm-Putsch (Röhm-Affäre, deutsche Bartholomäusnacht): irreführende Bezeichnung für das von der SS (Schutzstaffel) und der Geheimen Staatspolizei im Bunde mit der Führung der Reichswehr auf Befehl Adolf Hitlers unter Leitung Hermann Görings und Heinrich Himmlers am 30. Juni 1934 in Berlin, Breslau, München u.a. Orten sowie am 1. und 2. Juli im KZ Lichtenburg angerichtete Blutbad, dem höchste Führer der SA (Sturmabteilung) und der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (Ernst Röhm, Stabschef der SA, Edmund Beines, SA-Gruppenführer von Schlesien, Karl Ernst, SA-Gruppenführcr von Berlin u.a.; Gregor Strasser, bis Dez. 1932 zweiter Mann nach Hitler in der NSDAP), den Faschisten unbequem gewordene bürgerliche Politiker und Generale (Gustav Ritter von Kahl, Erich Klausener, Führer der Katholischen Aktion; Edgar Jung und Herbert von Base, beides enge Mitarbeiter des Vizekanzlers Franz von Papen; General Kurt von Scbleicber, Generalmajor Kurt von Bredow u.a.) und Antifaschisten zum Opfer fielen. Die Behauptung, mit diesen Morden sei ein von Röhm und den SA-Führern für den 30. Juni 1934 geplanter Putsch im Keime erstickt worden, war eine Lüge.

Was war das Ziel dieses angeblichen Röhm-Putsches?

Röhms Absicht nach der Machtübergabe an Hitler war es, die SA und die Reichswehr zu einer Miliz unter seiner Führung zu verschmelzen. Bei der Verfolgung dieses Zieles konnte er sich die Unzufriedenheit kleinbürgerlicher und deklassierter proletarischer Nazianhänger in der SA zunutze machen, die eine „zweite Revolution“ zur Durchsetzung der antikapitalistischen Losungen des Programms der NSDAP forderten.

Was wollten führende Kreise des Monopolkapitals?

Gegen diese Bestrebungen wandten sich neben Hitler vor allem führende Kreise des Monopolkapitals (Friedrich Flick, Gustav Krupp von Bohlen und Halbacb, Hjalmar Schacht, Fritz Thyssen u. a.) sowie die Reichswehrführung und die Führung der NSDAP. Im Prozeß der Konsolidierung der faschistischen Diktatur (Faschismus) war der Röhm-Putsch Ausdruck der bestehenden Differenzen innerhalb der Großbourgeoisie über die Hegemonie im staatsmonopolistischen System, über die Methoden und Möglichkeiten der Unterdrückung der Volksmassen. über das Tempo der Kriegsvorbereitung u.a. Fragen.

Was wurde durch die Mordaktion der SS erreicht?

Durch die Ergebnisse der Aktionen des 30. Juni 1934 konnten diese Auseinandersetzungen vorläufig abgeschlossen werden; die extremsten Kräfte des dt. Monopolkapitals hatten den Sieg davongetragen. Durch das Gesetz über Maßnahmen der Staatsnotwehr vom 3. Juli wurden die Morde dieser Tage (rd. 1000) „als Staatsnotwehr rechtens“ erklärt. Bereits am 30. Juni hatte Hitler der SS seinen Dank für die Durchführung der Maßnahmen ausgesprochen und die Unterstellung der SS unter die SA aufgehoben. Dadurch wurde der Einfluß der SS gestärkt. Durch das Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches vom 1. Aug. 1934 machten die dt. Imperialisten und Militaristen Hitler nach dem Tode Paul von Hindenburgs zu dessen Nachfolger als Staatsoberhaupt. Durch den Röhm-Putsch wurden die Differenzen Hitlers mit der Reichswehrführung überbrückt. Hitler erklärte die Reichswehr zum einzigen Waffenträger; die Reichswehr wurde ab 2. Aug. 1934 auf ihn vereidigt.

Quelle: Sachwörterbuch der Geschichte (2 Bde.), Dietz Verlag Berlin, 1970, Bd2., S.405f.
Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Arbeiterklasse, Dr.Kurt Gossweiler, Faschismus, Geschichte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Richtungskämpfe im Imperialismus auf dem Weg zur faschistischen Diktatur

  1. Pingback: Kurt Gossweiler: Die Fehler der KPD im Umgang mit dem Proletariat | Sascha's Welt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s