Friedrich Engels: Über die Bedeutung der marxistischen Philosophie

engelsDie Auseinandersetzungen des Marxismus mit unwissenschaftlichen Gesellschaftstheorien und philosophischen Hirngespinsten irgendwelcher Buchstabengelehrter, die von ihrem Studierstübchen aus halbgebildete Leser in Feuilletons und Unterhaltungsbeiträgen darüber belehren zu suchen, wie man die komplizierten Vorgänge in der Welt zu sehen und zu verstehen habe, sind keineswegs eine neue Erscheinung. Es gab sie schon im 19. Jahrhundert! Wenn heute in bürgerlichen Zeitschriften wie „Newsweek“, „P.M.“, „Wirtschaftswoche“ und dgl. ein solcher „Fachbeitrag“ erscheint, kann man getrost davon ausgehen: es ist bürgerliche Ideologie, die da verbreitet wird! Immerhin kostet ein Jahresabonnement eines solchen verführerischen Drecksblattes mitunter stolze 300 Euro!  Wer dafür noch Geld bezahlt, ist dumm genug. Es ist klar, daß die herrschende Ausbeuterklasse nicht das geringste Interesse daran hat, daß die Leser auch nur den Hauch einer Ahnung davon bekommen, woher der ganze Reichtum dieser herrschenden Minderheit kommt. Friedrich Engels  entwirft in seinem Buch über „Ludwig Feuerbach“ einen Abriß der wissenschaftlichen Weltanschaunng des dialektischen und historischen Materialismus und räumt mit unwissenschaftlichen Ansichten auf.

Marx und Engels hatten alle Hände voll zu tun, um die politische Linie nicht nur der Führer der deutschen Sozialdemokratie zu halten (damals waren die Sozialdemokraten noch halbwegs fortschrittlich!) , sondern auch um ihre theoretischen Ansichten richtigzustellen. In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts hatte der Fall Dühring in der Partei mit aller Deutlichkeit gezeigt, welch starken Einfluß bürgerliche und kleinbürgerliche Ideen bereits auf die Anschauungen der Parteiführer gewonnen hatten. Engels unterstrich dabei die große Bedeutung der marxistischen Philosophie für die theoretische Stählung der Parteikader.

Obwohl Engels bereits die ganze Last der Führung der Arbeiterbewegung trug, vermochte er es dennoch, sich ernsthaft philosophischen Fragen zu widmen. Mit Sorge verfolgte er die Einstellung der Partei zur marxistischen Philosophie. Er mußte mit ansehen, wie weniger standhafte und politisch labile Parteimitglieder der bürgerlichen Philosophie verfielen. Diese stand damals ganz im Zeichen des Neokantianismus.

Handbuch eines jeden klassenbewußten Arbeiters

Die reaktionären Ideen dieser Richtung wurden zu einer allgemeinen Epidemie. Sie erfaßte auch den Reformismus. Engels unterzog die Ansichten der von ihm nicht namentlich genannten Ideologen des reaktionären Neokantianismus in seinem Werk „Ludwig Feuerbach“ (1888) einer umfassenden und gründlichen Kritik. Von den philosophischen Arbeiten Engels‘ ist gerade dieses Werk für die Arbeiterklasse von besonderer Bedeutung. Lenin bezeichnete es als das Handbuch eines jeden klassenbewußten Arbeiters. Engels faßte darin die Entwicklung der marxistischen Weltanschauung zusammen und erklärte das Verhältnis des Marxismus zu allen bislang aufgetretenen philosophischen Richtungen, insbesondere der Hegelschen und der Feuerbachsehen Philosophie.

Eine neue Ära in der Philosophie

Engels legte in seinem Werk den prinzipiellen, qualitativen Unterschied der marxistischen Philosophie zu allen bisherigen philosophischen Richtungen dar. In gedrängter Form zeigte er die Revolution des Marxismus auf dem Gebiete der Philosophie auf. Das Aufkommen der marxistischen Philosophie führte nach Engels das Ende der deutschen Philosophie herbei, sowohl der idealistischen Dialektik Hegels als auch des metaphysischen Materialismus Feuerbachs. Zugleich bedeutete es das Ende aller bisherigen philosophischen Richtungen überhaupt. Die Philosophie des Marxismus leitet eine neue Ära in der Entwicklung des philosophischen Denken der Menschheit ein.

Was ist primär: Denken oder Sein?

Engels legte hier mit klassischer Prägnanz und Anschaulichkeit den Inhalt der marxistischen Philosophie und ihre Hauptprinzipien dar. Er umriß in exakter Weise den Gegenstand der Philosophie und gab für die Grundfrage der Philosophie eine klassische Begriffsbestimmung. Der Engelssche Leitsatz „die große Grundfrage aller, speziell neueren Philosophie ist die nach dem Verhältnis von Denken und Sein“ – ging ein in das wissenschaftliche Gedankengut und wurde zu einem der wichtigsten methodologischen Prinzipien in Philosophie und Wissenschaft.

Eine epochemachende Entdeckung

Desweiteren unterzog Engels den gesamten vormarxistischen Materialismus einer glänzenden Kritik, wobei er nachwies, daß der marxistische Materialismus eine qualitativ neue und reichere Form der materialistischen Philosophie ist. Er stellte den Leitsatz auf, daß der Materialismus mit jeder neuen großen Entdeckung auf dem Gebiet der Natur- und Geschichtswissenschaft seine Form verändere. „Mit jeder epochemachenden Entdeckung schon auf naturwissenschaftlichem Gebiet muß er seine Form ändern; und seitdem auch die Geschichte der materialistischen Behandlung unterworfen, eröffnet sich auch hier eine neue Bahn der Entwicklung“. [1]

Eine wirksame theoretische Waffe!

Wie Engels betont, sind die Entwicklungsprinzipien der marxistischen materialistischen Philosophie in ihrer schöpferischen Natur begründet. Sein Werk enthält eine knappe, aber klare Charakteristik der materialistischen Geschichtsauffassung und ihrer Hauptprinzipien. Engels gibt der Arbeiterklasse mit dieser Schrift eine äußerst wirksame theoretische Waffe für den Kampf gegen die bürgerliche Philosophie und deren Lakaien in der Sozialdemokratie. Marx und Engels maßen der naturwissenschaftlichen Untermauerung der dialektisch-materialistischen Weltanschauung größte Bedeutung bei.

Warum ist die marxistische Philosophie richtig?

Der dialektische Materialismus, die höchste Errungenschaft des wissenschaftlichen Denkens der Menschheit, verwertet alle Ergebnisse der Wissenschaft, und zwar insbesondere der Naturwissenschaft. Die marxistische Philosophie betrachtet die Welt in ihrer Gesamtheit und stellt die allgemeinsten Entwicklungsgesetze der Natur, der Gesellschaft und des Denkens fest. Die Entwicklung der Naturwissenschaft bestätigt die Richtigkeit der materialistischen Theorie und der dialektischen Methode. Dabei nimmt der Materialismus nach den Worten Engels; mit jeder neuen Entdeckung neue Formen an.

Die Praxis erbringt den Beweis

In ihren philosophischen Werken haben sich die Begründer des Marxismus besonders mit der Geschichte der Naturwissenschaft und den neu esten Erfolgen dieser Wissenschaft befaßt. Sie beschäftigten sich u.a, mit Fragen der Mathematik, Mechanik, Physik, Chemie, Astronomie und Biologie. Das beweisen die zahlreichen Exzerpte und Notizen Marx‘ und Engels‘. Mit besonderem Interesse wandte sich Engels in seinem rastlosen theoretischen Schaffen, den Fragen des dialektischen Materialismus und der Naturwissenschaft zu, Er vertiefte sich ganz in das Studium der Naturwissenschaften, Engels wollte in seinen Werken den Beweis für die Tatsache erbringen, daß die Geschichte der Naturwissenschaft die Probe auf die Richtigkeit der Leitsätze des dialektischen Materialismus ist.

Wissenschaftliche Literatur

Engels hatte sich die Aufgabe gestellt, die Grundlagen der dialektisch-materialistischen Naturauffassung darzulegen. Das sollte in einem besonderen Werk geschehen. Die Vorarbeiten zu diesem wissenschaftlichen Werke fallen in die Zeit von 1870-1882. Einen Teil des von ihm gesammelten und verarbeiteten Materials verwandte er im „Anti-Dühring“ und im „Ludwig Feuerbach“. Das Werk blieb jedoch unvollendet. Nach dem Tode Marx‘ war er mit der Herausgabe des zweiten und dritten Bandes des „Kapital“ beschäftigt, während zugleich die Führung der Arbeiterbewegung viel Zeit in Anspruch nahm.

Die nachgelassenen Aufsätze, Fragmente und kleineren Auszüge Engels wurden erst im Jahre 1925 in der Sowjetunion unter .dem Titel «Диалектика природы» (deutsch: „Dialektik der Natur“) veröffentlicht. Die Opportunisten in der II. Internationale ließen Engels‘ Schriften absichtlich in Vergessenheit geraten. Von den verschiedenen Abhandlungen sind hervorzuheben: „Allgemeine Natur der Dialektik als Wissenschaft“, „Grundformen der Bewegung“, „Die Naturforschung in der Geisterwelt“ und „Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen““.

Geniale Forscher: Friedrich Engels und W.I. Lenin

Engels zeigte in seinen Schriften, daß es in der Natur überall dialektisch zugeht. Er unterstrich dabei, daß die Gesetze der objektiven Dialektik – das Gesetz des Umschlagens der Quantität in die Qualität und umgekehrt – das Gesetz der Einheit und des Kampfes der Gegensätze – überall in der Natur in spezifischen Formen auftreten. Deshalb muß die dialektische Methode auf die Erscheinungen der Natur in jedem Einzelfalle konkret angewandt werden! Engels zeigte in der „Dialektik der Natur“, wie auch später Lenin in „Materialismus und Empiriokritizismus“, wie die Methode der materialistischen Dialektik auf die verschiedenen Gebiete der Naturwissenschaft anzuwenden ist. Auf eine für ihre Zeit geniale Weise zogen sie das theoretische Fazit der naturwissenschaftlichen Ergebnisse und zeigten, wie die Weiterentwicklung im Prinzip zu erfolgen habe. Zugleich vermochten sie die Entwicklungsrichtung der Naturwissenschaften vorauszuahnen. Beide verallgemeinerten für ihre Epoche die Ereignisse der Naturwissenschaften und entwickelten neue Ideen, die für die Erklärung der empirisch gewonnenen Erkenntnisse und der theoretischen Grundsätze der modernen Naturwissenschaft außerordentliche Bedeutung haben.

So sind die Ergebnisse der modernen Physik, Mathematik usw. nur im Lichte der von Lenin im „Materialismus und Empiriokritizismus“ entwickelten Ideen zu verstehen und zu verallgemeinern. Engels stellte in seinen Werken und insbesondere in der „Dialektik, der Natur“ bei der Lösung allgemein theoretischer Kardinalprobleme der Naturwissenschaft seine genialen Ideen gerade mit Hilfe der dialektischen Betrachtung der Naturerscheinungen auf. Er war es auch, der im Atom einen zusammengesetzten Körper vermutete. Gestützt auf die Methode der materialistischen Dialektik, verteidigte er die Ansichten Mendelejews von der zusammengesetzten Natur der chemischen Elemente. Von außerordentlicher Bedeutung für die Naturwissenschaftler ist die Engelssche tiefgründige Kritik am Kantianismus in der Naturwissenschaft.

Im Vorwort zu seinem Werk „Ludwig Feuerbach und der Ausgang der kalssischen deutschen Philosophie“ schreibt Friedrich Engels [2]:

Vorwort.jpg

[1] Friedrich Engels: Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Berlin 1946, S.21.
[2] Kleine Bücherei des Marxismus: Ludwig Feuerbach…, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1972, S.6.

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