Wurden eigentlich alle Verbrecher von Auschwitz bestraft? Saßen wirklich alle auf der Anklagebank?

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von Nikos Boyiopoulos

Am 27. Januar 1944 erreichte die Rote Armee Auschwitz. Vor 73 Jahren. Was damals aufgedeckt wurde, wird für immer an jene Aussage erinnern: Die Tiere sind Gottes Schöpfung, die Bestialität ist das Werk von Menschen, oder – um konkreter zu sein: jener Untermenschen, die den Übermenschen priesen, um ihre Grausamkeit zu rechtfertigen. Ist es also wirklich sinnvoll, den 27. Januar zum „Internationalen Tag für die Opfer des Holocaust“ [1] zu machen? Das hängt davon ab, wie man sich der heutigen Zeit annähert. In einer Zeit des Trump, der Le Pen, des Wilders, des Orban, der Nazi in der Ukraine, der Goldenen Morgenröte…

Hat es Sinn, daß man, nachdem die Hauptkriegsverbrecher – also diejenigen, die Auschwitz verursacht haben – auf der Anklagebank saßen und bestraft wurden, die Worte erwähnt, die über dem Eingang des Lagers von Auschwitz standen: „Arbeit macht frei“? Es hängt davon ab, was man unter Strafe versteht, in Zeiten der in der Ägäis ertrunkenen Flüchtlinge, und  was „Arbeit“ bedeutet, in einer Zeit in der 8 Krösusse so viel besitzen wie 50% der Weltbevölkerung…

Aber gab es wirklich eine Strafe für jene Verbrechen?

Saßen wirklich alle, die sie verursachten auf der Bank? Mal sehen:

  • „Krupp“ saß niemals auf der Bank. Die multinationale „Krupp-AG“, die die ganze Kriegsmaschinerie Hitlers belieferte, und wo die Villa des Eigentümers unberührt blieb, als die Amerikaner Essen plattwalzten. Der Präsident der deutschen Industriellen, „Herr“ Krupp, sagte, daß „der Nationalsozialismus die deutschen Arbeiter aus dem Schraubstock eines Dogmas befreite (des kommunistischen Dogmas)“. „Herr“ Krupp sagte, daß „Adolf Hitler den Arbeiter in einen disziplinierten Soldaten der Arbeit und Partner der Industrie verwandelte“. „Herr“ Krupp erhielt 1940 aus den Händen Hitlers das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP. Die heutige Krupp-AG ist diejenige, an die die Regierungen von Griechenland die Werften des Landes verkauft haben. Von nur einer Fabrik der Kruppwerke, heute „ThyssenKrupp“ mit ihren 670 Tochtergesellschaften weltweit, wurden die Nazis bis 1945 mit dem für die damalige Zeit unglaublichen Betrag von 4,7 Mio. Reichsmark finanziert. [2]
  • Die „Deutsche Bank“ saß niemals auf der Bank. Die „Deutsche Bank“ der Merkel und Schäuble, die als Berater der griechischen Regierungen den Ausverkauf des öffentlichen Eigentums übernommen hat, ist die gleiche „Deutsche Bank“, die die Schaffung und das Funktionieren der Nazi-Öfen von Auschwitz finanzierte.
  • „Siemens“ saß niemals auf der Bank. „Siemens“, mit der die griechischen Regierungen einen außergerichtlichen Kompromiss über die Schmiergelder vereinbarten, ist die gleiche „Siemens“, die unter dem Faschisten Metaxas wirkte. Auf einen Vorschlag hin und mit Finanzierung durch den Leiter von „Siemens“ in Athen, wurden 1943 die Sicherheitsbataillone gebildet.
  • Auch die 25 größten Industriellen Deutschlands, die 1933 den sogenannten „Wahl-Fond“ mit der für die Ära astronomischen Summe von 3 Mio. RM finanzierten, saßen nicht auf der Anklagebank. Er war die Wahlen von 1933, als die Nazis 44% der Stimmen bekamen.
  • Die „Bank für Internationalen Zahlungsausgleich“ saß nicht auf der Bank. Ihr Präsident, der Bankier Schacht, war Hitlers Finanzminister seit 1934.
  • Die „IG Farben“ saß nicht auf der Bank. Der enorme Industriekomplex der „IG Farben“ wurde von Auschwitz-Häftlingen gebaut. Mehr als 25.000 Menschen starben während der Bauphase. In der „IG Farben“ arbeiteten 85.000 KZ-Häftlinge. Die „IG Farben“ entwickelte Zyklon B. Es war das Gas, mit dem Tausende von Menschen in den Krematorien getötet wurden. Einer der Namen, unter denen die „IG Farben“ heute agiert, ist „Bayer“.
  • Auf der Bank saßen auch nicht die 45 führenden deutschen Industriellen, in deren Unternehmen die zu Zwangsarbeit verpflichteten Häftlinge aus Mauthausen geschickt wurden.

Auf der Anklagebank saßen nicht:

  • Die amerikanische multinationale „IBM“. Die Organisation der 78 NS-Vernichtungslager geschah mit „IBM-Technologie“. Der Präsident von „IBM“, T. Watson, wurde 1937 durch das Dritte Reich mit der Medaille des Großkreuzes des Deutschen Ordens des Adlers geehrt. Es war die größte Ehre, die das Nazi-Regime an nichtdeutsche Bürger vergeben konnte.
  • Die amerikanische multinationale „ITT“. Sie war es, die unter anderen das Informationssystem der deutschen Armee organisierte, die an der Planung der Bomben und Bomber für die Nazi-Luftwaffe beteiligt war.
  • Die „Standard Oil“ Company. Die „Standard Oil“, der Rockefeller-Interessen, belieferte während des Krieges außer die Verbündeten auch die Achsenmächte mit Kraftstoff.
  • „General Motors“. Tausende von gepanzerten Autos, Lastwagen und Panzer wurden von „General Motors“ für die deutsche Armee gebaut. Aber wie Eisenhower sagte: „Was General Motors dient, dient Amerika“. Der amerikanische Staat entschädigte „General Motors“ mit 33 Mio. US-Dollar für die Kriegsschäden an seinen Werken in Deutschland und Österreich. Es waren die Fabriken, die Panzer für Hitler hergestellt hatten.
  • „Ford“. 1/3 der Lastwagen der Wehrmacht wurden vom US-Konzern „Ford“ gebaut. Die Hälfte der „Arbeitnehmer“ des Unternehmens waren Sklaven aus den Konzentrationslagern. Der Präsident von „Ford“, „Herr“ Ford feierte im Jahr 1938 seinen 75. Geburtstag, indem er vom deutschen Konsul in Detroit die Medaille des Großkreuzes des Deutschen Ordens des Adlers empfing.
  • Die Bank „UBC“. Sie war einer der Hauptgeldgeber des Nazi-Regimes. Ihr Präsident war „Herr“ Prescott Bush. Vater und Großvater der zwei späteren amerikanischen Präsidenten.

Die Liste ist lang. Die oben genannten sind nur indikativ. Auf jeden Fall: Keiner der Führungskräfte der Unternehmen mit westlichen Interessen wurde nach dem Krieg je für seine Beziehung zum Nazismus bestraft. Ihre Untaten sind verjährt.

Wer verhinderte die Anklage dieser Verbrecher?

Dafür sorgte Herr John McCloy. Er war der USA-Hochkommissar in Deutschland nach dem Krieg. McCloy war von 1947 an Präsident der Weltbank. Vorher vertrat er als Anwalt die Interessen Rockefellers und der „Chase Manhattan“ Bank. Die „Chase Manhattan“ war einer der Hauptgeldgeber des Nazi-Regimes. Die Liste ist lang und die Schlußfolgerung einfach: Auf der Anklagebank saßen niemals alle, die sich für gewöhnlich neben, hinter oder über den „Hitleristen“ befinden.

Warum wurde die Anklage verhindert?

Die Schlußfolgerung ist einfach: Auf den Tafeln mit den Schuldigen der Nazi-Verbrechen fehlen die Monopole und all jene, die ein System kommandieren, das entweder mit oder ohne Faschismus, entweder mit oder ohne Parlament immer den gleichen Namen hat. Es heißt Kapitalismus.

Faschismus mit den Wurzeln ausrotten!

Der Faschismus wurde 1945 besiegt. Die Geschichte entschied jedoch, daß es – leider – nicht ausreicht, den Faschismus zu besiegen. Der Faschismus muß ausgerottet werden. Der Beweis ist all die Bestialität, die beim Einmarsch der Roten Armee in Auschwitz zutage trat. Aber Nichts wird ausgerottet, wenn nicht auch die Wurzeln selbst ausgerissen werden. Eine Tatsache, die uns zu denken geben sollte: Vielleicht hatte Brecht Recht? Bertolt Brecht, der wie wenige den Schrecken und das Elend des Nazismus kannte, erklärte schon in den 1930er Jahren:

„… der Faschismus kann nicht anders bekämpft werden, als als Kapitalismus. Als nacktester, frechster, erdrückendster und betrügerischster Kapitalismus“.

Ein größtmöglicher Zusammenschluß

Die Brutalität des Faschismus ist selbst der Beweis für die Notwendigkeit des größtmöglichen Zusammenschlusses gegen ihn. Gegen die Grausamkeit, Heimtücke, die Dreistigkeit, die Unmenschlichkeit des Faschismus. Ohne Unkenntnis der geschichtlichen Erfahrung, steigt wieder vor unseren Augen auf: Daß es nicht reicht, den Faschismus zu bekämpfen. Es reicht nicht einmal ihn zu besiegen. Der Faschismus muß ausgerottet werden. Und er kann nur so ausgerottet werden: Als Ausrottung der Kapitalismus.

(Übersetzung Φραγκίσκος Ρωτόκριτος)

Danke an (leicht bearbeitet)

Anmerkungen:
[1] Man sollte auf das Wort „Holocaust“ (dt. Brandopfer) besser verzichten. Das war ein  schlechter USA-Film nach Westernmanier, und stattdessen (wennschon) das hebräische Wort „Shoa“ verwenden. Der korrekte, wissenschaftliche Begriff ware aber: „faschistischer Massenmord“.
[2] Wir verwenden auch nicht den lügnerischen Begriff des „National-Sozialismus“ oder „NS-Zeit“, denn mit Sozialismus hat der deutsche Faschismus nichts, aber auch gar nichts zu tun!

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22 Antworten zu Wurden eigentlich alle Verbrecher von Auschwitz bestraft? Saßen wirklich alle auf der Anklagebank?

  1. gunst01 schreibt:

    Der Faschismus wurde 1945 besiegt? Er ist ein politisches Konzept das nicht einfach wie Schädling ausgerottet werden kann. Die Geschichte zeigt, dass Konzepte in veränderter Form immer wieder auftauchen und auch gerne von den Siegern adaptiert werden.

    • sascha313 schreibt:

      Na, sicher wurde „der Faschismus“ (in Form von Nazideutschland) besiegt! Wer denn sonst? Sie wissen ja hoffentlich auch, daß danach die Westmächte – allen voran die USA – alles taten, um das Potsdamer Abkommen zu unterlaufen, um die Nazi- und Kriegsverbrecher und das dahinter stehende Monopolkapital vor der Verurteilung zu schützen. Die separate Währungsreform, die Remilitarisierung und der Erhalt des Kapitalismus in den Westzonen führten schließlich zur Spaltung Deutschlands.

      Mit der Gründung des ersten deutschen Arbeiter- und Bauernstaates, der DDR, war auch der Antifaschismus auf deutschem Boden erstmals gesetzlich verankert worden. Das heißt: In der DDR wurde der Faschismus beseitigt. Was aber nach 1989 geschah, ist Ihnen sicher auch bekannt (Beispiel Barth) …

      Und wie meinen Sie das, daß „Konzepte in veränderter Form … gerne von den Siegern adaptiert“ werden? Bitte mal konkret!

      • gunst01 schreibt:

        One jezt zu nahe treten zu wollen, der Stechschritt und die Uniformen des DDR Militärs wirkten wie eine Kopie der Besiegten. Betrachtet man das Militär, ist die von der Wehrmacht perfektionierte Panzerschlacht von allen kopiert worden. Zählt man Israel mit zu den Siegern, wendet das Land heute die gleichen Methoden an wie das verfemte Nazi-Deutschland. Im Übrigen bedienen sich Imperien die an ihre Macht glaube, wie die USA und auch die Sowjetunion immer wieder ähnlicher Anleihen bei den so beliebten Römern. Von denen waren jadie Faschisten genauso fasziniert. Poltische Gedanken sind wie Viren immer lebendig und werden deshalb bei passender Gelegenheit wieder ausbrechen.

      • sascha313 schreibt:

        Mmmh, naja mag sein – Stechschritt und NVA-Uniformen wirkten doch recht preußisch. Dennoch: die NVA war eine Arbeiter- und Bauern-Armee. Die Offiziere waren Vorgesetzte, oft Arbeiter wie die Soldaten auch, aber keine „Herren“…

        Was die Kriegführung betrifft hat ja z.B. der Schriftsteller und Kommunist Ludwig Renn (Vieth v.Golßenau) die deutsche Armee (Reichswehr) während des 1.WK treffend geschildert. Das war aber nicht nachahmenswert. Davon unterschied sich die sowjetische Kriegführung ganz wesentlich. Grundlegender Unterschied ist ja immer die Moral! Und die Sowjetunion hätte niemals den Faschismus besiegen können, wenn nicht das ganze sowjetische Volk (d.h. besser gesagt: alle Völker der SU) unter der Führung Stalins völlig einheitlich und solidarisch gehandelt hätten. (= ein Bsp. für die Überlegenheit des Sozialismus!)

        Mal so pauschal gesagt: Wenn zwei das gleich tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Also: man muß das Wesentliche nehmen. Und das ist für die Augen oft unsichtbar, kleiner Prinz!
        Ist das klar, wie ich’s meine 🙂

      • Doed schreibt:

        Der Stechschritt ist wie Sascha sagt, auch in Preußen gewesen. Gut ist jetzt kein wirkliches Argument, allerdings gab es den Stechschritt ebenfalls in der Sowjetunion. Demnach kann man sich streiten, ob die NVA eine Wehrmachtskopie war. Für viel wichtiger halte ich die Grundausrichtung des Staates.

      • Inson schreibt:

        Darüber kann man sich nur streiten wenn man die Fakten nicht kennt!

    • Rolf schreibt:

      Hitler hatte ganz konkrete Auftraggeber. Die Politik der westlichen Allianz jedoch ist darauf ausgerichtet, eben diese Auftraggeber im Nirwana verschwinden zu lassen und den Faschismus unter Hitler als etwas Unfassbares darzustellen.

      Natürlich ist Faschismus ein politisches Konzept. Ein Konzept jedoch, für das sich Großindustrielle des Deutschen Finanzkapitals entschieden haben — Und nicht etwa der einfache Mann aus dem Volk. Und ein Konzept, dass man selbstverständlich auch in Zukunft verhindern kann, wenn man nur die richtigen Schlüsse aus der Geschichte zieht.

      Zukunftsweisend, fortschrittlich und richtig waren die in Potsdam gefassten Beschlüsse und die Vereinigung des linken Flügels der SPD mit der aus der USPD hervorgegangenen KPD zu einer Partei neuen Typus: Die SED. Diese Vereinigung war ein wichtiger Schritt in der Aufarbeitung der blutigen Vergangenheit der SPD, die eine erhebliche Mitschuld an der Errichtung der Naziherrschaft trägt.

      MfG

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Lieber Rolf, das ist alles ganz richtig, was du schreibst, aber mir scheint, du vereinfachst zu sehr. Faschismus ist natürlich auch ein politisches Konzept, aber er ist mehr: Er ist das letzte Mittel, das die herrschende Bourgeoisie hat, ihre Macht über die von ihr Beherrschten zu sichern. Dass der Faschismus über das deutsche Volk vom deutschen Kapital gebracht wurde (übrigens zusammen mit dem US-Kapital),, dafür ist natürlich nicht das „Volk“ verantwortlich, aber dieses „Volk“ ist in Klassen aufgespalten gewesen (ist es heute immer noch), so dass man nicht von dem „einfachen Mann aus dem Volk“ sprechen kann, den gibt es nämlich nicht, ich halte diesen Begriff in diesem Zusammenhang für eine unzulässige Metapher. Das tut man nämlich nur, wenn man genau diesen Begriff der Klassengesellschaft vermeiden will. Will ich dir aber nicht unterstellen, aber es kommt eben auch auf die Begriffe an. Natürlich gab es in diesem „Volk“ durchaus am Faschismus interessierte Klassen, zunächst Großbanken und Großkapital, und ich erinnere nur an die Reichswehr, also das Militär der Weimarer Republik, und die großteils verelendeten Mittelschichten und das Kleinbürgertum, aus denen sich dann die aktivsten Unterstützer des Faschismus rekrutierten. Rolf, ich will nicht haarspalterisch sein, aber so wie du über das Thema etwas nonchalant hinwegfegst, überzeugst du niemanden. Wen du mit dem „einfachen Mann aus dem Volk“ meinst, wissen wir HIER alle, da müssen wir uns nicht verständigen, aber genau dieses Voraussetzen von Wissen, das von einer zutiefst antikommunistisch manipulierten Bevölkerung wie der heutigen (gar nicht mal nur der westdeutschen, auch der ostdeutschen inzwischen) nicht erwartet werden kann, erfordert absolute Genauigkeit und Konkretheit. Bausteine überzeugen nicht. Da mir das schon mehrmals aufgefallen ist, schreibe ich es dir mal, ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel und verstehst, worum es mir geht.

      • Rolf schreibt:

        @Hanna

        Danke für Dein Feedback. Andere zu überzeugen, das kann man lernen und ich tu das gerade: http://polit.rolfrost.de/

        Des Weiteren weise ich immer wieder auf Der Irrweg einer Nation, Alexander Abusch hin. In meinen Publikationen gehts mir in erster Linie darum, das Interesse an Deutscher Geschichte zu wecken.

        Und ja: Es gibt nicht DAS Fachbuch an sich. Stets liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.

        So war der Deutsche Faschismus ein politisches Konzept, nämlich ein Konzept der Großindustrieellen des Deutschen Finanzkapitals und nicht etwa ein Konzept des einfachen Mannes aus dem Volke wie uns Hitler in Mein Kampf weismachen will. Abusch weist nach, dass Hitler ganz konkrete Auftraggeber hatte und genau damit ist der Faschismus etwas Fassbares was bekämpft und vermieden werden kann.

        Den Abusch kann ich leider nicht ersetzen. Und ja, Geschichte muss jeder selber lernen.

        Herzlichst.

        PS: Warst Du mal in g+ aktiv?

  2. Inson schreibt:

    Die Uniformen in der SBZ und später in der DDR sollten nach dem Willen der damaligen Regierung den sowjetischen Uniformen ähneln. Mit dem Hinweis der Sowjetischen Militär Administration, daß es sich um eine deutsche Armee handele und dies auch nach aussen kenntlich sein solle, wurde dieses Vorhaben beendet.
    Manchmal trügt der Schein und die Dinge verhalten sich etwas komplizierter!

  3. Inson schreibt:

    Interessanter wird es dagegen wenn man sich damit beschäftigt welchen Traditionen sich die NVA verpflichtet sah und demgegenüber die Bundeswehr.
    Seht euch bspw. die Kasernennamen der Bundeswehr bis in dieses Jahrhundert hinein an und schaut welche Namen Truppenverbände der NVA erhielten. Als Beispiel mag die bis 1995 nach Eduard Dietl benannte Bundeswehrkaserne in Füssen und auf der anderen Seite der Namenspatron des Luftsturmregiments 40 der NVA Willi Sänger stehen. Beide Namen kann man bei Wikipedia nachschlagen. Deutlicher kann der Unterschied nicht ausfallen.

  4. Hanna Fleiss schreibt:

    Inson, hinzu kommt ja auch, dass die Bundeswehr äußerlich nach US-amerikanischem Vorbild mit Hilfe der alten Nazi-Generalität aufgebaut wurde. Vielleicht, um auch äußerlich zu verschleiern, dass auch die Bundeswehr eine Eroberungsarmee war. Während die NVA mit sowjetischer Unterstützung durch deutsche Antifaschisten, die schon in Spanien gekämpft hatten, aufgebaut wurde. Und wenn hier der Stechschritt, der für mich immer etwas Skurriles hatte, auch wenn er nur als Paradeschritt, sozusagen für die staunende Öffentlichkeit gedacht war, als Beweis dafür herhalten soll, dass die NVA eine „preußische“ Armee, um nicht zu sagen eine Naziarmee (was ich schon ein starkes Stück finde), war, so wird wieder mal der Schein mit dem Wesen gleichgesetzt. Übrigens, dass es den Stechschritt auch in der sowjetischen Armee gab, wird auf Peter III.- den Bewunderer von Friedrich II. – zurückgeführt, der die russische Armee ganz nach preußischem Vorbild eingerichtet hatte. Seine Nachfolger übernahmen ihn dann weiter, und so ist er auch auf die sowjetische Armee gekommen. Ich ordne ihn unter Männer-Schrulle ein.

  5. almabu schreibt:

    Ist es denn zutreffend, daß es auch in der NVA hohe Ränge gab, die eine Ex-Nazi-Wehrmachts-Vergangenheit hatten, wenn auch in weit geringerer Zahl als es sie in der Bundeswehr gab?

    • sascha313 schreibt:

      Das kann schon sein. Viele dieser Offiziere, die aus antifaschistischer Überzeugung auf die Seite der Sowjetunion überliefen, waren dann im Nationalkomittee „Freies Deutschland“ tätig und haben sich später in der DDR für ein neues, sozialistisches Deutschland engagiert. Bspw. Frankenberg, Adam, Welz, v.Kügelgen – Die NVA war allerdings eine Armee, die sich aus Kadern der Arbeiterklasse rekrutierte.

      • Rolf schreibt:

        Leider ist das NKFD viel zu früh aufgelöst worden. Ich hatte das Glück, noch jemanden aus dem NKFD persönlich zu kennen, er war Jahrgang 1921 und: Mein ML-Lehrer natürlich 😉
        Das Ziel des NKFD war übrigens gleichlautend mit dem Potsdamer Beschluss: Ein geeintes und Souveränes Deutschland.
        Dem NKFD habe ich eine spezielle Website gewidmet: http://nkfd.rolfrost.de/
        MfG

    • Doed schreibt:

      Ja gab es. Zwar nicht vom selben Kaliber wie ein Johann Adolf Graf von Kielmansegg im Westen. Im Braunbuch findest du dort Sachen wie: „ Die Häuser starrten vor Schmutz, die Luft war kaum zu atmen. Erklärlich wurde das, wenn man die fast durchweg jüdischen Einwohner sah. “
      oder auch:
      „Als es gegen Luxemburg, Belgien, die Niederlande und Frankreich „ endlich losging“, jubelte er über die Bombardierung von Sedan: „Vier Stunden dauerte dieses großartige, überwältigende Schauspiel… Ein wunderbares Bild entwickelt sich vor unseren Augen. An dem brennenden Avancon vorbei, auf dem noch das Feuer der deutschen Artillerie liegt, walzen die Panzer jeden Widerstand vor sich nieder …“ “

      Link zum Braunbuch: https://archive.org/stream/braunbuchBRD/braunbuch_djvu.txt
      _______
      Die DDR hatte etliche hochrangige Wehrmachtgeneräle als Überläufer nach der Schlacht von Stalingrad. Manchmal wurde die Nazivergangenheit auch erst später aufgedeckt (die dann bösartigerweise ebenso von Antikommunisten als Beweis einer Nazi-Kontinuität in der DDR herhalten sollen). Ob die Überläufer nun wirklich einen Gesinnungswandel hatten oder doch an ihre Karriere dachten, ist natürlich fraglich. Mir ist mind. ein Fall bekannt, dass das MfS auch noch einen General überwacht hatte, der als nicht völlig zuverlässig galt. Sehr wahrscheinlich ist es, dass man auf alle ein Auge geworfen hat. Dazu muss man wissen, dass die Aufdeckung ehemaliger Nazis vorwiegend durch das MfS unternommen wurde und es nichts Ungewöhnliches war. Dort durfte auch, wer im Geheimdienst arbeiten wollte, nicht mal eine NSDAP-Mitgliedschaft vorliegen. Auch nicht, wenn man nur Mitläufer war.
      Ich wiederhole auch nochmal, wie in meinen anderen Beitrag: Die Nazis waren Todfeinde der Kommunisten. Hitler hat alle Marxisten (ob Sozialdemokraten oder Kommunisten) gehasst (s. Mein Kampf). Überzeugte Nazis in die Reihen des Staatsapparat oder an sensible Positionen zu setzen, wäre kreuzgefährlich gewesen. Dagegen wurde diese gerne von westlichen Geheimdienste als zuverlässige Antikommunisten rekrutiert (s. Operation Gladio)
      Ob man nun aus opportunen Gründen (weil evtl. erfahrene Leute fehlten) Personen mit Nazivergangenheit decke, ist natürlich auch denkbar. Wie im Fall Ernst Großmann spinnt man natürlich sich eine Geschichte aus typisch westlicher Sicht zurecht, https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Gro%C3%9Fmann. Es sieht natürlich so aus, als ob dieser Mann anfänglich gedeckt wurde, aber weiß man es wirklich? Vermutlich brauchte die Staatssicherheit Zeit um Beweise zu suchen. Man konnte nicht aufgrund von Hörensagen (gerade im Kalten Krieg) sämtliche Menschen aus ihrer Arbeit entfernen. Das hätte vollstes Chaos bedeutet.

      • almabu schreibt:

        Wie hätte das MfS auf eine Person wie den Pastor Gauck reagiert, dessen Eltern beide NSDAP-Mitglieder „der ersten Stunde“ waren, lange jedenfalls vor der sogenannten „Machtergreifung“ im Januar 1933? Der muss ja wohl eigentlich in einem solchen Elternhaus nationalsozialistisch erzogen und sozialisiert worden sein, sollte man denken?

      • sascha313 schreibt:

        Sofern sie nicht unmittelbar nach Kriegsende in den Westen geflüchtet waren, verhielten sich die aktiven Nazis damals „loyal“ zur DDR. Aus Furcht, von Verfolgten des Naziregimes erkannt und angezeigt zu werden, vertuschten sie ihre blutige Biografie und schwiegen über die Vergangenheit. Dem MfS gelang es dennoch, einige der Naziverbrecher zu enttarnen und ihrer gerechten Strafe zuzuführen (wie z.B. der Massenmörder von Oradour, Barth)

    • Rolf schreibt:

      Ja das ist zutreffend. Siehe Generalfeldmarschall Paulus. Der Grund ist ganz einfach der, das auch die NVA Führungskader mit Kriegserfahrung brauchte.

      MfG

  6. Hanna Fleiss schreibt:

    Ja, Rolf, bin immer noch in g+ aktiv und hau den Staatstragenden, Trotzkisten und sonstigen Politikselbstbastlern ein paar Wahrheiten um die Ohren. Natürlich weiß ich um das Risiko, aber ohne Risiko geht es nun mal nicht. Tja, der Abusch. Den würden wir heute verdammt noch mal brauchen. Ich habe ein Exemplar von 1946 vom „Irrweg“, löst sich schon in Einzelteile auf, so heftig wurde es gelesen. Siehst du, und der „einfache Mann aus dem Volke“, der stammt also von Hitler. Mein Riecher.

    Aber wenn wir den Faschismus vermeiden wollen, müssten wir mal langsam anfangen. Die Straßenproteste sind ja ganz angebracht, aber sie gehen an dem wirklichen Faschismusproblem vorbei. Ich bin sicher, solange die bourgeoisen Ostlandritter den Faschismus nicht wirklich brauchen, nämlich solange die Linken in Agonie liegen, werden sie hübsch auf bürgerliche Demokratie machen.

    Aber es kommen immer neue rechte Gruppierungen und Parteien auf. Manche von ihnen, zum Beispiel „Die Identitären“ (siehe gestern Junge Welt), gehen ideologisch sogar auf die Zeit nach dem ersten Weltkrieg zurück. Da ballt sich was zusammen, dem gegenüber wir immer noch sprach- und hilflos sind.

  7. Rolf, der Waldschrat schreibt:

    Danke Hanna!
    Ich verbeuge mich vor dir… es ist immer eine Freude dich zu lesen…

    @Almabu:
    Wie das MfS mit Gauck umging ist nachzulesen. P.M.Diestel hat vor dem Rostocker Gericht ja auch ein Urteil erwirkt:
    Herr Gauck darf als „Begünstigter“ der Stasi bezeichnet werden.

    Ich:
    – Schließlich durfte er sich DDR-untypisch aus der BRD einen Transporter kommen lassen.
    – Er durfte in die BRD reisen.
    – Seine Söhne durften in der BRD studieren.
    – Dass er auch „seine Akte“ unkontrolliert einsehen durfte, das wurde sonst nur KOHL zugestanden, gibt natürlich auch Gerüchten Nahrung.
    – Wie er auch als Mann der Kirche, sich von seiner Ehefrau getrennt hat.
    – Laut Veröffentlichungen ein VH mit einer anderen Frau hatte, die er dann zu seiner Sprecherin machte. Und dann mit seiner „jetzigen“ Liierten als BP auftrat.
    …in Ewigkeit. Amen.
    man kann auch noch mehr sagen ….

    Rolf, der Waldschrat

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