Jena: Einst eine sozialistische Universitätsstadt der DDR – Schwarz-weiß und in Farbe…

bild-3Jena war eine sozialistische Großstadt im Bezirk Gera, eine Stadt voller Leben und mit einer hochbedeutsamen Geschichte. Man könnte Seiten darüber füllen – wollte man aufzählen, was diese Stadt für die DDR so wertvoll machte. Nicht allein der Name „Carl Zeiss“ machte Jena in aller Welt berühmt, Jena war zugleich auch das wissenschaftliche und kulturelle Zentrum im Süden unserer Republik.  An eine mehr als 140jährige Tradition anknüpfend, hatte sich das Kombinat „Carl Zeiss JENA“ zu einem Zentrum der Hochtechnologie entwickelt. Es gab damals kein feinmechanisch-optisch-elektronisches Unternehmen in der Welt, das hinsichtlich der Sortimentsbreite der Erzeugnisse und der bearbeiteten wissenschaftliche -technischen Aufgaben mit dem Zeiss-Kombinat vergleichbar gewesen wäre. Mit der Friedrich-Schiller-Universität verfügte Jena über eine Lehr- und Forschungsstätte, von der schon Goethe sagte, daß sie eine „Stapelstadt des Wissens und der Wissenschaft“ sei. Nur allein das mag für die exzellente Entwicklung des Sozialismus in der DDR als Beispiel stehen. Nun sollte man allerdings auch einiges über die Geschichte dieser Stadt wissen, um zu ermessen, welche gewaltige Leistung die Werktätigen der DDR hier vollbtracht hatten.

Aus der Geschichte der Stadt Jena

bild-6Goethe weilte einst oft in dieser Stadt, Schiller hielt hier sein Antrittsvorlesung, Karl Marx promovierte an der Jenaer Universität und Ernst Heckel erarbeitete hier seine Argumentation für die Evolutionstheorie. Zu den besten Traditionen der Stadt und ihrer Arbeiterklasse gehören nach 1933 vor allem die Aktionen der unter Leitung des kommunistischen Arbeiters Magnus Poser (geb.1907 in Jena, 1944 ermordet  in Buchenwald) wirksam werdenden Widerstandsbewegungen, die zusammen mit den illegalen Gruppen unter Dr. Theodor Neubauer (1890-1945, 1913 Dr.phil. in Jena) Kontakte zu den führenden antifaschitischen Widerstandsgruppen in ganz Deutschland unterhielten – und sich speziell in Jena auf die Aufklärungsarbeit in den Großbetrieben und die Zusammenarbeit mit den Kriegsgefangenen und ausländischen Zwangsarbeitern stützten.

Der Faschismus und die Folgen

Nach 1937 wurden im Zeiss-Werk 60% des Gesamtumsatzes für militärische Zwecke eingesetzt und in Vorbereitung und Durchführung des faschistischen Krieges weiter gesteigert. Das wird auch heute nicht anders sein. Dann kam der Krieg. Die Nazis überfielen ihre Nachbarländer und die Sowjetunion, und sie legten ganz Europa in Schutt und Asche

Anglo-amerikanische Bombenangriffe verwüsteten das Stadtzentrumzeiss

Die Bilanz von acht anglo-amerikanischen Bombenangriffen erfaßt u.a. über 700 Tote und mehr als 2000 Schwerverletzte, Totalzerstörung von mehr als 1400 Wohnungen und rund 140 Geschäften und Warenhäusern sowie die Teilzerstörung von ca. 4700 Wohnungen. Am Ende des zweiten Weltkrieges ist Jena eine geistige und materielle Trümmerstätte und gilt neben Nordhausen als die am stärksten zerstörte thüringische Stadt. Allein die Trümmerberge des historischen Altstadtkernes, der etwa zur Hälfte dem Krieg zum Opfer fiel, umfassen ca. 130.000 m³.

Die USA raubten in Jena über 180.000 (!) wertvolle Industriedokumente, Spezialmaschinen und wissenschaftliche Geräte

Die Gesamtkriegsschäden an Gebäuden, Brücken und Straßen werden auf 65 Millionen Mark geschätzt, zu denen noch die Ausplünderung der Universität und der Zeiss- und Schottwerke durch die in den ersten Wochen nach Kriegsende Jena besetzt haltenden amerikanischen Truppen kommen (Abtransport von über 180.000 Patent- und Gebrauchsmusterschriften und sonstiger Produktionsdokumente sowie Spezialmaschinen und wissenschaftlicher Einrichtungen).

Neubeginn und Wiederaufbau

In den Jahren 1945 bis 1949 beginnt ein völlig neues Kapitel in der langen Geschichte der alten Stadt: gekennzeichnet durch den Einzug der Roten Armee (1. Juli 1945) und die Hilfe sowjetischer Menschen beim Neuaufbau der Stadt (Sowjetische Militäradministration des Landes Thüringen unter Leitung des Generals und späteren Ehrenbürgers von Jena, Iwan Sosonowitsch Kolesnitschenko), den Zusammenschluß der beiden Arbeiterparteien zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (1946) und die Bildung eines Blocks der antifaschistischen Parteien und Massenorganisationen (1948), die Neueröffnung der Friedrich-Schiller­ Universität mit dem Ziel einer Volksuniversität (1945) und der großzügigen Förderung des Arbeiter­ und Bauernstudiums, schließlich vor allem die Überführung der Großbetriebe Zeiss und Schott in Volkseigentum (1948).

Der Aufbau des Sozialismus in der DDR

Die Stadt und deren Menschen fanden mit der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik 1949 ihre in den Sozialismus und Kommunismus schreitende Heimat. Jena wuchs in wenigen Jahrzehnten zu einer modernen sozialistischen Großstadt von 100.000 Einwohnern (1975). Von diesem Leben im neuen, im sozialistischen Jena, den Schönheiten der Stadt und ihrer Landschaft, treu gewahrten guten Traditionen und eindrucksvollen Erfolgen der letzten Jahrzehnte, vor allem aber vom neuen Antlitz der Menschen im Saaletal zwischen Dornburg und Lobeda berichtete dieses Buch in der Fülle seiner Bilder…

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Quelle (Text+Bilder): Jena fotografiert von Guntard Linde mit Texten von Günter Steiger, VEB F.A.Brockhaus Verlag Leipzig, 1980. (Gekürzt und bearbeitet, N.G.)

Nach 1990 erfolgte dann die zweite Plünderung und „Übernahme“, als die DDR beseitigt und das Volk enteignet wurde. Damit fiel das Volkseigentum, fielen die Betriebe und Einrichtungen der Stadt Jena in die Hände westdeutscher Kapitalisten. Sie hatten dafür eigens eine sog. „Treuhand“ geschaffen, um die Beute aufzuteilen. Erinnert sei hiermit auch an diejenigen, die der Konterrevolution zum Opfer fielen. Es waren Tausende, wenn nicht sogar Hunderttausende in unserer Republik – Arbeiter, Wissenschaftler, Genossen, einfache Menschen. So auch beispielsweise

Gerhard Riege

„Mir fehlt die Kraft zum Kämpfen und zum Leben. Ich habe Angst vor der Öffentlichkeit, wie sie von den Medien geschaffen wird und gegen die ich mich nicht wehren kann. Ich habe Angst vor dem Haß, der mir im Bundestag entgegenschlägt“, schrieb Prof. Gerhard Riege, der 1990 zum Rektor der Friedrich-Schiller-Universität Jena gewählt worden war, in seinem Abschiedsbrief. Er suchte Februar 1992 den Freitod. Zu Tode gehetzt von den Feinden der DDR; einem haßerfüllten Mob von Leuten denen alles andere wichtiger war als das Leben ehrlicher und überzeugter Kommunisten. Und ein solcher war Professor Gerhard Riege.

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