Die präzise Ausdrucksweise Lenins…

1792

Patria, Liberté, Egalité (1792)

Kann man diesen Begriffen aus der Zeit der französischen Revolution heute noch so ohne weiteres trauen: Vaterland, Freiheit, Gleichheit? Nein. Man kann es nicht. Lenin bezeichnet diese Ausdrücke als „Spitzbuben“. Zwischen bürgerlicher und sozialistischer Ideologie findet ein unversöhnlicher Kampf statt. Wird der ideologische Kampf der Arbeiterklasse vernachlässigt, so bedeutet das faktisch eine Stärkung der bürgerlichen Ideologie. Alle Varianten der reaktionären Ideologie, einschließlich des Sozialdemokratismus und Revisionismus haben – offen oder versteckt – einen antikommunistischen Inhalt. Gerade in unserer Zeit verschärft sich der ideologische Klassenkampf zwischen Sozialismus und Imperialismus. Die Methoden und auch die Wortwahl werden subtiler. Die Bourgeoisie versteht es hier gewissermaßen „mit dem Florett“ zu fechten. Gerade deshalb ist es so wichtig auf eine genaue Wortwahl zu achten. Juri Tynjanow hat einmal die Sprache Lenins daraufhin analysiert.

Entweder – oder!

Die Erfahrungen dieses Kampfes bestätigen erneut Lenins Feststellung:

„…bürgerliche oder sozialistische Ideologie. Ein Mittelding gibt es hier nicht. … Darum bedeutet jede Herabminderung der sozialistischen Ideologie, jedes Abschwenken von ihr zugleich eine Stärkung der bürgerlichen Ideologie…“ (LW Bd.5, S.396.)

lenin-ideologie

In seinem analytischen Beitrag über Lenins Sprache schreibt Juri Tynjanow:

Die glatten Wörter sind „Spitzbuben“

Lenin bekämpft die glatten Wörter, jene Wörter, in denen die konkreten, spezifischen Bedeutungen, die konkreten Zweige der lexikalischen Einheit nur verschwommen zum Ausdruck kommen, die aber ihre Kraft rein als Wort bewahren, indem sie nur Benennungen der lexikalischen Einheit selbst sind, eine Benennung der Benennung, die durch die starke Einwirkung der lexikalischen Ebene, auf der sich die Rede bewegt, verschleiert ist; und wie ich schon sagte, je abgegriffener ein solches Wort ist, desto stärker ist in ihm der emotionale „Nimbus“. Lenin schreibt über solche Wörter:

„Weniger Geschwätz über ‚Arbeitsdemokratie‘, über ‚Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit‘, über ‚Volksherrschaft‘ und dergleichen mehr – der aufgeklärte Arbeiter und Bauer unserer Tage wird in diesen geschraubten Phrasen ebenso leicht die Gaunerei des bürgerlichen Intellektuellen erkennen, wie mancher lebenserfahrene Mensch beim ersten Blick auf die tadellos ‚glatte‘ Physiognomie und das Äußere eines ‚Gentlemans‘ sofort und unfehlbar feststellt: ‚Aller Wahrscheinlichkeit nach ein Spitzbube‘.“ (LW Bd.29, S.4I8)

Der Polemiker Lenin befaßt sich mit dem konsequenten Fang solcher vornehmer Wörter, die „aller Wahrscheinlichkeit nach Spitzbuben“ sind. Um ein betrügerisches Wort zu entlarven, muß man seine geschlossene, geglättete lexikalische Einheit auflockern, muß man seine lexikalische Ebene entlarven. Lenin spricht von „Freiheit schlechthin“, „Demokratie schlechthin“, „Revolution schlechthin“, „Gleichheit schlechthin“.

Die vertuschende Wirkung des Satzes

Er befaßt sich mit der Analyse der konkreten, spezifischen Bedeutungen eines Wortes, mit der Analyse der lexikalischen Einheit der Wörter; wenn er polemisiert, eine Losung entlarvt, analysiert er sie lexikalisch und zeigt die vertuschende Wirkung des Satzes und der lexikalischen Ebene.

„Fragt sie:
– Gleichheit welchen Geschlechts mit welchem Geschlecht?
– Welcher Nation mit welcher Nation?
– Welcher Klasse mit welcher Klasse?
– Freiheit von welchem Joch oder vom Joch welcher Klasse?
Wer von Politik und Demokratie, von Freiheit, Gleichheit und Sozialismus spricht, ohne diese Fragen zu stellen, ohne sie in den Vordergrund zu rücken, ohne dagegen zu kämpfen, daß sie verschwiegen, verheimlicht, vertuscht werden, der ist der schlimmste Feind der Werktätigen…“ (LW Bd.30, S.105.)

Die leeren Phrasen

Die lexikalische Einheit ist aufgelockert. Das Wort als Benennung der lexikalischen Einheit hört auf zu existieren. Es schwindet der emotionale „Nimbus“ des „Wortes schlechthin“; hervorgehoben werden die einzelnen konkreten Zweige der lexikalischen Einheit. Dem „Wort schlechthin“ werden die von ihm vereinigten analytischen Zweige gegenübergestellt.

a) Gleichheit

„Die Gleichheit ist eine leere Phrase, wenn man unter Gleichheit nicht die Abschaffung der Klassen versteht. Wir wollen die Klassen abschaffen, in diesem Sinne sind wir für die Gleichheit. Aber Anspruch erheben, daß wir alle Menschen einander gleichmachen werden, das ist eine hohle Phrase und die dumme Erfindung eines Intellektuellen, der sich – zuweilen in gutem Glauben – dreht und wendet, der mit Worten jongliert, die keinen Inhalt haben, mag er sich auch als Schriftsteller, manchmal als Gelehrter oder als was auch immer bezeichnen.“ (LW Bd.29, S.346.)

b) Freiheit.
Die gleiche Analyse wird bei der Losung „Freiheit“ vorgenommen.

„Jede Freiheit ist Betrug, wenn sie den Interessen der Befreiung der Arbeit vom Joch des Kapitals widerspricht.“ (LW Bd.29, S.341.)

Anstelle des Wortes „Freiheit“ – der Benennung der lexikalischen Einheit – wird gesagt: „jede Freiheit“, das heißt, es wird die konkrete lexikalische Ebene gegeben. Und bei der Analyse der lexikalischen Einheit offenbart sich, daß ihre erstarrte Benennung, ihr Symbol, nicht alle ihre konkreten Zweige in sich einschließt, und ihre Armut an konkreten Assoziationen tritt zutage.

d) Freier Handel
Bei einem Reichtum an emotionalen Assoziationen offenbart sich die verschleiernde Wirkung der lexikalischen Ebene. Im Komplex der Einheit befinden sich widersprüchliche konkrete Bedeutungszweige, die historisch nicht als Bestandteil in die traditionelle Benennung des Wortes, in sein „Symbol“, eingegangen sind. Und schließlich das Wortspiel, das verschiedene Zweige der lexikalischen Einheit aufdeckt und sie der Losung, der „Benennung der lexikalischen Einheit“ gegenüberstellt.

„Freier Handel mit Getreide, das bedeutet Freiheit für die Reichen, sich zu bereichern, Freiheit für die Armen, zu sterben.“ (LW Bd.36 S.493.)

e) Demokratie, Revolution usw.
Vom gleichen Typ ist die Entlarvung der Wörter „Demokratie“ und „Revolution“

„Ihr Herren Maulhelden! ihr Ritter der revolutionären Phrase! Der Sozialismus fordert, daß man unterscheide zwischen der Demokratie der Kapitalisten und der Demokratie der Proletarier, zwischen der Revolution der Bourgeoisie und der Revolution des Proletariats, zwischen dem Aufstand der Reichen gegen den Zaren und dem Aufstand der Werktätigen … gegen die Reichen…“ (LW Bd.24, S.552.)
„Man muß nur angesichts der Phrasen klaren Kopf behalten, sich nicht verwirren lassen. Wenn von der ‚Revolution‘, vom ‚revolutionären Volk‘, von der ‚revolutionären Demokratie‘ usw. die Rede ist, so ist das in neun von zehn Fällen Lüge oder Selbstbetrug. Man muß fragen, um die Revolution welcher Klasse handelt es sich? um die Revolution gegen wen?“ (LW Bd.24, S.355.)

Quelle:
Juri Tynjanow: Das Wörterbuch Lenins. In: V.Schklowsky, J.Tynjanow u.a. Sprache und Stil Lenins, Verlag Volk und Welt Berlin (DDR) 1970, S.94-97. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

Siehe auch:
Gefälschte Begriffe:
Der sogenannte „Nichtangriffspakt“,

Das Märchen von „Arbeitgeber“ und „Arbeitnehmer“
Die Mauer: Die Sprache verrät den Feind

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26 Antworten zu Die präzise Ausdrucksweise Lenins…

  1. Wladimir Iljitsch Lenin kannte also lange vor George Orwell das „New-Speak“, das „Neu-Sprech“ der Kapitalisten, womit sie uns trachten zu verarschen!!!

    Vor jede Idiotie, wird das Wort wissenschaftlich, vor jede Unterdrückung, das Wort „frei“, vor jede Form der Ausbeutung, das Wort „soziale Marktwirtschaft“ gesetzt. Und auch wenn Václav Havel die falschen Schlüsse aus seiner Kritik am Sozialismus in der Tschechoslowakei gezogen hat, bleiben seine folgenden Feststellungen – GERADE für das Kapitalistische System GÜLTIG:

    Auszug Václav Havel, 1978 in: Die Macht der Ohnmächtigen:
    „Das […] System verfolgt mit seinen Ansprüchen den Menschen fast auf Schritt und Tritt. Es verfolgt ihn freilich in ideologischen Handschuhen.
    Deshalb IST das Leben in diesem System von einem Gewerbe der Heuchelei und Lüge durchsetzt:

    Die Gewalt der Bürokratie wird Macht des Volkes genannt; im Namen der Arbeiterklasse wird die Arbeiterklasse versklavt; die allumfassende Demütigung des Menschen wird für seine definitive Befreiung ausgegeben; Isolierung von der Information wird für den Zugang zur Information ausgegeben; die Manipulierung durch die Gewalt nennt sich öffentliche Kontrolle der Macht, und die Willkür nennt sich Einhaltung der Rechtsordnung; die Unterdrückung der Kultur wird als ihre Entwicklung gepriesen; die Ausbreitung des imperialen Einflusses wird für Unterstützung der Unterdrückten ausgegeben; Unfreiheit des Wortes für die höchste Form der Freiheit; die Wahlposse für die höchste Form der Demokratie; Verbot des unabhängigen Denkens für die wissenschaftliche Weltanschauung; Okkupation für brüderliche Hilfe.

    Die Gewalt muss fälschen, weil sie in [ihren] eigenen Lügen gefangen ist. Sie fälscht die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Sie fälscht statistische Daten. (siehe Orwells 1984) Sie täuscht vor, daß sie keinen allmächtigen und zu allem fähigen Polizeiapparat hat, sie täuscht vor, daß sie die Menschenrechte respektiert, sie täuscht vor, daß sie niemanden verfolgt, sie täuscht vor, daß sie keine Angst hat, sie täuscht vor, daß sie nicht vortäuscht.“

    (Václav Havel, 1978 in: Versuch, in der Wahrheit zu leben. (Originaltitel: Die Macht der Ohnmächtigen) Rowohlt, Reinbek 1978, ISBN 978-3-499126222.)

    • sascha313 schreibt:

      Diese Ironie der Gschichte ist ja schon bald nicht zu übertreffen. Was der Antikommunist Havel hier sagt, trifft hundertprozentig auf den Imperialismus zu – und nicht, wie Havel es uns weismachen will, auf den Sozialismus! Er hat also nicht nur „die falschen Schlüsse gezogen“, sondern er versucht bewußt, seine Leser zu täuschen!

      • …tja, das mit Havel ist mir aber auch sehr „spät“ eingeleuchtet… aber (vielleicht) wollte er die Sozialisten nur an ihren Kampf erinnern … und hat den Kapitalisten damit ein Kuckucksei in ihr eigenes Nest gelegt, weil er es so trefflich als „anti-kommunistisch“ tarnen konnte (???)

        … davon ganz unabhängig: Er hat das System des Kapitalismus damit in seiner Wirklichkeit dargestellt. (Als ich diese „Aufsätze“ von ihm gelesen habe, dachte ich gar nicht, dass er damit den Sozialismus „meinte“, sondern: Schaumaleinerguck! … wie clever er dem Westen einen Spiegel vorhält, der er als „Angriff auf den Sozialismus versteht“…

  2. Hanna Fleiss schreibt:

    Genau dasselbe wird ja mit dem Antikommunisten Orwell, aber wiederum von Linken, gegenüber dem Kapitalismus gemacht. Es ist traurig, dass Suchende die Zusammenhänge einfach nicht begreifen. Sie nehmen die Wörter und Sprüche und wenden sie an, als seien sie klassenunabhängig. Weder hätte Havel den Imperialismus angegriffen, noch Orwell. Die Worte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit entstammen der Französischen Bürgerlichen Revolution, sind also Losungen des Bürgertums im Kampf gegen den Feudalismus gewesen. Und Havel, ein ziemlich übler Antikommunist mit „Heiligenschein“ – konnte der den Kapitalismus mit diesen Worten so an den Pranger stellen? Diese Frage wird sogar von Linken nicht gestellt.

    Und da fällt mir auch gleich unser Freiheitsapostel Gauck ein, der mit seinem Freiheitsgefasel niemals die Freiheit der Arbeitenden meinte, allenfalls in Form der „Volksgemeinschaft“, sondern immer die Freiheit des Kapitals, dem aber sogar Linke auf den Leim gingen. Eine wirklich wichtige Arbeit Lenins, die man sogar mehrmals lesen müsste, um sie ganz zu verstehen.

  3. Samy Yildirim schreibt:

    Lieber Norbert,

    Vaclav Havel war nicht der einzige, der links blinkte und rechts abbog. Die ganze „neue Ostpolitik“, die ab 1969 realisiert wurde, war so ein einziger Etikettenschwindel.

    Kluge Leute hatten das aber schon vorher erkannt. 1965 schaltete der Kabarettist Wolfgang Neuss in mehreren Zeitungen Anzeigen, in denen er genau erklaerte, was die „Neue Ostpolitik“ erreichen sollte: „WIR schaffen es – OHNE Waffen-SS!“
    NOETIG wurde die „Neue Ostpolitik“, weil die UdSSR seit dem 29-08-1949 ueber DIE Distanzwaffe schlechthin verfuegte, mithin eine Neuauflage des 22-06-1941 gewisse Risiken barg. MOEGLICH wurde sie aufgrund dessen, was am 05-03-1953 (und im Gefolge davon in den Jahren danach) in der UdSSR geschehen war.

    Auch andernorts begriff man, was die „Neue Ostpolitik“ wirklich sollte. In dem Film „Inteqam“ (Indien, 1969) findet sich folgende Szene, die in wenigen Minuten auf den Punkt bringt, was die Menschheit vom Zusammenwirken von „Entstalinisierung“ und „Neuer Ostpolitik“ zu erwarten haben wuerde, und auch bekam: https://www.youtube.com/watch?v=XMueQRVqFBE

    Aus der Geschichte KANN man lernen, wenn man denn lernen WILL. Meistens sind die bitteren Aspekte der Geschichte diejenigen, welche einem am meisten die Augen oeffnen.

  4. sascha313 schreibt:

    So ist das, und auch der Begriff „soziale Marktwirtschaft“ ist so ein Euphemismus, den Lenin ganz bestimmt auch abgelehnt hätte – er ist eine Erfidung der Bourgeoisie…

    • Rolf schreibt:

      Ein gewisser Herr Wilhelm Röpke hat den Begriff der Sozialen Marktwirtschaft geprägt. Natürlich ist Soziale Marktwirtschaft eine Propagandalüge und natürlich auch in neueren Spielarten wie zB. dem Neoliberalismus.

      Viele Grüße!

    • Hanna Fleiss schreibt:

      Rolf, ich habe mal ausnahmsweise in Wikipedia reingesehen, und dort steht, dass der Begriff „soziale Marktwirtschaft“ von Alfred Müller-Armack eingeführt wurde. Nun weiß ich ja, dass Wikipedia mit Vorsicht zu genießen ist, aber in solchen Sachen sind sie eigentlich korrekt. Aber mich würde mal deine Quelle interessieren.

    • Rolf schreibt:

      Sascha hier gibt es welche, die wollen mich mit aller Gewalt als unglaubwürdig hinstellen.

      @Hanna: Bezüglich Wilhelm Röpke als geistigen Vater der Lüge von der Sozialen Marktwirtschaft hab ich meine Quelle von Alexander Abusch — Der Irrweg einer Nation.

      @Inson: Die Information was die Unterstellung der NVA unter das Ministerium für Staatsicherheit betrifft im Kriegsfall, habe ich aus dem Ministerium selbst.

      Ich habe nicht die Absicht, mich hier in irgendeiner Weise profilieren zu wollen. Und auch gar nicht nötig, mit Ignoranten der Geschichte zu diskutieren.

      MfG

      • sascha313 schreibt:

        Rolf, kannst Du denn mal die genaue Quelle bei A.Abusch angeben? Die Erfindung des Begriffs „soziale Marktwirtschaft“ (in Anführungszeichen!) ist ja nun wirklich keine so große Heldentat, daß man sich darüber streiten muß, wer der Erfinder war. Und Du weißt ja selbst, was solch eine Mitteilung wert sind, wenn irgendwer so etwas behauptet – vielleicht auch nur, um sich wichtig zu machen (?). Wie lange hat man z.B. Markus Wolf für einen ehrenwerten Kommunisten gehalten (ehe man begriff, daß er zum Verräter wurde). Und wie sehr versucht heute so mancher Mitläufer der Perestrojka seinen ramponierten Ruf wieder herzustellen oder den Verrat auch noch zu rechtfertigen, was ja ganz widerlich ist…

        Ich denke, daß es nicht darum geht, recht zu behalten, sondern darum, sachlich zu bleiben. Unterstelle nicht jemandem, er sei ein „Ignorant“ der Geschichte, denn Du bist auch nicht frei von Irrtümern. Dieser Vorworf ist ebenso bösartig, wie der, wir würden hier die „Sache des politschen Gegners betreiben“, wenn wir über den Verrat von Krenz reden. Rechthaberei ist nicht angebracht, wo Beweise fehlen.

    • Inson schreibt:

      Ist mir völlig egal wo du die Information her hast. Ich halte das für eine Lüge!

  5. sascha313 schreibt:

    Richtig. Aus der Geschichte kann man lernen. Wenn man will! Es gibt aber durchaus auch Genossen, die lehnen das ab und sagen Dir glatt: „Statt im Vergangenen nach Fehlern zu graben, gefällt es mir besser, sich mit Aktuellem und Kommendem aus linker Sicht auseinander zu setzen.“ oder: „Beschäftigung mit der Vergangenheit, der Geschichte sollte für UNS(!) niemals ein rein müßiggängerisches Zeitvertreiben sein.“ – so als ob wir hier geradezu aus lieber, langer Weile geschichtliche Tatsachen aufgreifen, als ob wir uns hier mit sozialistischer Nostalgie befaßten. Davon kann keine Rede sein!

    Wir sind heute an einem Punkt angelangt, wo die Bourgeoisie massenhaft Fälschungen über die Geschichte verbreitet, sei es in „Dokumentar“- oder Spielfilmen, in Illustrierten oder in diversen Büchern, und wo dem kaum widersprochen wird, weil die wenigsten sich da auskennen. Über die Gegenwart wird heute auch auf jedem bürgerlichen Kanal sowie bei Elsässer und Jebsen gequatscht, ohne daß das Konsequenzen hätte. Was ist denn eine „linke Sicht“? Das müssen wir hier nicht kommentieren. Vielmehr müssen wir uns an die Klassiker halten, und das ist eben die Geschichte!

    Der indische Film ist beunruhigend, Ausdruck eines Zeitgefühls eben. Ähnlich wie auch der Faßbinder-Film „Angst essen Seele auf“. Nur – eine Aufklärung kann man da nicht erwarten…

  6. sascha313 schreibt:

    Nunja, in den Filmkunstwerken des „sozialistischen Realismus“ gab es unzählige Spielfilme, die sehr wohl aufklärerischen Charakter trugen…

    • sascha313 schreibt:

      Nein, Emil August, Du hast natürlich recht. Ich will ihn auch nicht an den Pranger stellen. Ich war nur sehr erschüttert, weil ich diese Zeit bei uns in der DDR kenne. Und das war das totale Gegenteil!

      • Emil August Leopold schreibt:

        Na, ob es nun das „totale (!) Gegenteil“ war, möchte ich (als Generelles) bezweifeln (und da würde ich ich unter den DDR-Regisseuren gute Gesellschaft finden). Es gab aufklärerische Spielfilme (und da muß man schauen, inwiefern und ob Filmkunstwerke oder weniger) und es gab doch auch eine Masse Schrott, das ist ja logisch. Heiner Carow jedenfalls bewunderte Fassbinder, der in die kulturelle BRD-Brühe einen Zyklus setzte, der den kleinbürgerlichen Lebensalltag in diesem von ihm bloßgestellten Staat historisch herleitete aus den Kontinuitäten der Nazi-Zeit, die inhumane und rassistische Spießigkeit der bürgerlichen „Normalität“ von Familie und Arbeitswelt entlarvte (in „Ein Jahr mit 13 Monden“ wird die Struktur eines Frankfurter Bordell-Konzerns als Nachbau der KZ-Struktur beschrieben), die bürgerlich korrumpierte „Linke“ der BRD mit ihren Politeskapaden durchschaute („Die Dritte Generation“): hierzu zählt insbesondere sein Film „Angst essen Seele“ auf, dem eine aufklärerische Seite nicht abgesprochen werden kann, wenn ihm auch viell. eine politische mangelt, so wie in der geschilderten BRD-Gesellschaft eine Alternative für Emmy und ihren Mann (so wie Heiner Carow es in seinem letzten DDR-Film nicht gelang, ein schlüssiges Drama zu schaffen und eine sozialistische Alternative in der kleinbürgerlichen Normativität zu setzen, da er über die kleinbürgerliche Sicht selbst nicht hinauskam, wie so manche Familiendramen in der DDR leider, die vor der Frage des „Außenseitertum“ in der Regel versagten). Viele aufklärerische Filme der DDR kannte man in der DDR oft deshalb einfach nicht, weil unbegreifliche Zwischenkader (die darzustellen der sozialistische Realismus zwar forderte, aber das Funktionieren von Dramaturgen, Redakteuren, Abteilungsleitern usw. verhinderte), ihre Sendung oder Vorführung blockierten. Wie oft wurde z.B. FAMILIE RECHLIN vom Fernsehen der DDR gezeigt (den man seit 1988 besser Monat für Monat wiederholt hätte! Aber dafür war von den Verantwortlichen niemand aufgeklärt genug)? Wann und gegen welche Widerstände kam COMING OUT heraus? – Fassbinders Arbeiten sind problematisch, aber in ihrer Zeit und Richtung zu sehen und in ihrem Herkommen von Techniken Büchners und Brechts („Effi Briest“… „Acht Stunden sind kein Tag“ … der BRD-Zyklus inkl. „Die Ehe der Eva Maria Braun“, „Lola“ usw. – „Deutschland im Herbst“ -!-, „Berlin Alexanderplatz“): sein letztes Projekt war „Rosa Luxemburg“ als weiterer Schritt, nicht gedacht als letzter… Ausgerechnet nun „Angst essen Seele auf“ als Negativbeispiel vorzuführen, scheint mir irgendwie schief. Ich war erschüttert, was für gute Filme in der DDR (nicht) gemacht wurden, die nicht ausgestrahlt wurden, dafür aber unablässig „Schwester Agnes“, Ein Kessel Buntes, Helga, usw usf

  7. Rolf schreibt:

    Ja, das ist eine ganz wichtige Frage: Wer bestimmt denn, wer was lesen, gucken und hören darf? Diese Frage ist mein ständiger Begleiter — Früher wie heute. Und stets ist meine Antwort diese hier: Einzig ich selbst bestimme das. Das ist wie ein Handwerk, ein Dozent kann lediglich die Grundkenntnisse vermitteln, das Handwerk selbst jedoch muss jeder selber lernen.

    Schöne Grüße!

  8. sascha313 schreibt:

    Wer bestimmt denn… Es ist so, wie Tucholsky schon sagte: „Kaufen, was einem die Kartelle vorwerfen; lesen, was einem die Zensoren erlauben; glauben, was einem die Kirche und Partei gebieten. Beinkleider werden zur Zeit mittelweit getragen. Freiheit gar nicht.“ Schon im Kindergarten werden heute die Kinder gefragt: „Was möchtet ihr denn heute machen?“ – Das ist doch DEMOKRATIE, nicht wahr…

    Wozu brauchen wir da eigentlich noch ein „Bildungssystem“. Manche Dozenten leben doch auf Wolke sieben und die Handwerksmeister haben das sowieso von ihrem Großvater beigebracht bekommen….

  9. Doed schreibt:

    Dass Argument, dass der Mensch eben so ist und sich nicht ändert, ist ein sehr beliebtes Mittel, den Sozialismus dem Wind aus den Segeln zu nehmen. Viele ehemalige DDR-Bürger haben sich diesem Argument angenommen. Der Mensch ist jedoch nicht auf eine Umwelt spezialisiert, sondern passt sich dieser an und ist damit auch erziehbar. Die DDR hat viele gute Seiten gehabt, die man heute nicht gerne erwähnt. Und dieser Teil ist vor allem die konsequente Vermittlung des proletarischen Internationalismus, um den Frieden unter den Menschen zu wahren. Heute spielt es kaum noch eine Rolle und die Menschen sollen im alltäglichen Leben im Wettbewerb stehen, statt die Interessen der Mächtigen zu hinterfragen und für wen sie sich durch diesen Wettbewerb eigentlich aufopfern. Von da an ist es auch nicht weit, dass ganze Gruppen sich gegeneinander stellen. Denn dann heißt es: „Die faulen Griechen, die wir mit durchfüttern“. Der Widerspruch, dass man trotz des technischen Fortschritts noch härter arbeiten soll, wird nicht aufgelöst. Stattdessen möchte man lieber die eigenen erbärmlichen Verhältnisse den anderen „gönnen“. Nicht auszudenken, wenn diese positive Einstellung zum Frieden und anderen Völkern allmählich in Vergessenheit gerät und im Volk sich wieder eine Kriegsbegeisterung breit macht, wie es unter den kaiserlichen Deutschland war.

    • Rolf schreibt:

      Der proletarische Internationalismus ist ganz entscheidend in der Frage wie in der DDR mit „Ausländern“ umgegangen wurde: Solidarisch!!!

      Und was die EU betrifft, ist die Europäische Union ein Ergebnis kriegerischer Auseinandersetzungen mit dem Ziel die Alte Weltordnung zu erhalten. Dass dieses Zeil reaktionärer nicht sein kann und so bereits 1915 von Lenin erkannt wurde, wissen Bundesbürger ebensowenig.

      Die EU (ich nenne es EU-Kartell) beruht auf Raub und Erpressung im Dienste des US-imperialistischen Finanzkapitals — Militärisch gestützt durch die NATO. Es ist mehr als Zynismus in diesem Zusammenhang, bei permananter Verletzung der Souveränitäsprinzipien und anderer Völkerrechte, von einer Solidarischen Staatengemeinschaft zu reden!

      Jüngstes Beispiel: Montenegro.

      MfG

  10. Hanna Fleiss schreibt:

    Da kann man halt nichts machen, Emil August Leopold, wenn einer ein Fan von RWF ist, verteidigt er seine Sicht, nämlich was du in ihm sehen willst. Er ist Kind der Achtundsechziger, und du wirst vielleicht wissen, dass es sich dabei weitgehend um linksliberale verwöhnte Söhnchen aus den eher bemittelten Familien handelte, die aufbegehrten, aber nur aufbegehren konnten im Rahmen ihrer sonstigen Weltsicht, auch wenn sie ihre Väter gefragt haben: „Was hast du 1933-45 getan?“ Und RWF hat genau diese Weltsicht in Filme umgesetzt. Dass er ein handwerklich guter Regisseur war, darüber muss nicht gestritten werden. Thema erledigt.

  11. Harry 56 schreibt:

    Hallo Hanna, du bringst es sehr gut auf den Punkt, sehr genau! Unter den früheren BRD- Umständen war er immer noch einer Besten…., so sehe ich es.

    Beste soz. Grüße an dich!

  12. sascha313 schreibt:

    Lieber Emil August, ich verstehe ja das Bedürfnis, alles hübsch richtigzustellen…. aber können wir bitte immer beim Thema bleiben?

  13. Harry 56 schreibt:

    Ich möchte vielleicht hier noch anmerken, dass zu einer präzisen Ausdrucksweise, einer präzisen Sprache unbedingt dazugehört, nicht die oft so vernebelnden bürgerlichen Begriffslichkeiten zu verwenden.
    Solche bewusst in ein völlig irriges Denken führen Begriffe wie Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Sozialstaat, Demokratie, Wertegemeinschaft, gar (nur noch klassenunabhängig) „Deutsche“, parlamentarische oder repräsentative Demokratie, deutsche Medien, Leitmedien, deutsche Politiker etc… sollten so weit wie nur möglich vermieden werden.
    „deutsche Politiker“ z.B. …. , Walter Ulbricht oder Wilhelm Piek, Ernst Thälmann waren zweifellos „deutsche Politiker“, ebenso auch Konrad Adenauer oder Adolf Hitler waren „deutsche Politiker“…., u.v.a.m… aber, was geht unter bei dieser Vokabel von den „deutschen Politikern“ ? Doch wohl, wofür, für wen, für was diese Politiker standen!
    Oder „deutsche Medien“: Wofür, für WAS standen, stehen ARD/ZDF und im Gegensatz dazu der frühere DFF aus der DDR?
    „Deutsch“ waren ja beide, aber dasselbe? Ganz sicher nicht!
    Bei ARD, ZDF, all diesen „Privaten“, sollten wir da nicht viel präziser und treffender von bürgerlichen Staats – und Konzernmedien sprechen?
    Kann man diese BRD tatsächlich als „Deutschland“ bezeichnen, auch wenn sie sich quasi offiziell als Nachfolger des Deutschen Reichen versteht und aufspielt?
    War die DDR nicht auch irgend wie Deutschland, wenn auch ausdrücklich nicht als erklärter „Rechtsnachfolger des „Dritten Reiches“?
    Man könnte nun diese Liste vernebelnder bürgerlicher (BRD) Begrifflichkeiten noch ewig fortsetzen, doch ich denke, es ist schon hier erkennbar, was ich meine, sagen will.
    Wie sehen viele hier diese Problematik?
    Ergänzungen, vielleicht auch Verbesserungen, weitere Präzisierungen, darüber täte ich noch gern mehr hören.
    Und nochmals: Es geht hier wirklich um die Gegenwart und mögliche Zukunft.

    Beste soz. Grüße!

  14. sascha313 schreibt:

    Bitte zur Kenntnis nehmen und damit Schluß der Debatte – wir werden wohl dazu bei Gelegenheit dazu ein eigenes Thema aufmachen müssen – hier bitte nicht weiter!

  15. Tankist schreibt:

    „danke“ auf russisch schreibt man „спасибо“, na „eingedeutscht“ „spasibo“, der gebildete und charmante Russe ersetzt nach langen Texten das Wort „конец“, sinngemäß „Ende“ schärfer „Schluß“ mit: „Das war das, was ich Euch heute sagen wollte“

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