Das erste Mal im Knast – Kommunistenverfolgung in der BRD

logo4.png

Der das hier schreibt, ist ein Kommunist, so einer wie Max Reimann und Dutzende andere auch, die in der BRD die Ideen von Karl Marx und Friedrich Engels, von W.I.  Lenin und J.W. Stalin und den damals noch real existierenden Sozialismus verteidigten. Nach 1945 waren in Westdeutschland alte Nazis und Kriegsverbrecher, wie Oberländer und Globke, Freunde und Förderer der SS, wie Ambros und Bütefisch, sowie ungezählte Nazijuristen wieder in führende Positionen gelangt. Und wieder wurden, wie zuvor bei den Nazis auch, die Kommunisten bespitzelt, verfolgt und in den Knast geworfen. Am 11. Mai 1952  erschoß die Polizei den Jungkommunisten Philipp Müller. Es war nicht leicht, Kommunist zu sein, in dieser Zeit, nachdem am 17. August 1956 in Westdeutschland auf Betreiben der Adenauer-Regierung die Kommunistische Partei Deutschlands verboten worden war. Auch heute noch kämpft er mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln gegen Krieg und Faschismus, für Frieden und Sozialismus: Günter Ackermann, der Redakteur der Internetseite Kommunisten-Online. Er berichtet über seine Erlebnisse: 

Das erste Mal im Knast

Von Günter Ackermann

Ende der 60er Jahre, Aufruhr der Jugend – auch der Arbeiterjugend. Ich wohnte damals in Köln, war Arbeiter in einer Druckerei, politischer Leiter der Ortsorganisation der KPD/ML und Mitglied des ZK der KPD/ML. Meist gab  es mehrere Demos in der Woche, meist gegen den US-Krieg in Vietnam, aber auch gegen den KZ-Baumeister und Bundespräsidenten Heinrich Lübke oder gegen den Mitarbeiter von Goebbels und Bundeskanzlers der damaligen großen Koalition, Kurt Georg Kiesinger.

Als der damalige Erzbischof von Köln, Joseph Kardinal Höffner, aus Rom zurück kam, wo er den Kardinalshut bekommen hatte, war die ganze Bundesprominenz bei der Messe im Dom – und wir protestierend davor. Mit „KZ-Baumeister Lübke“ empfingen wir den Bundespräsidenteen und „Kiesinger – Nazi“ den Kanzler. Immer bei den Demos gab es Polizeieinsätze und Verhaftungen – oft war ich dabei. Jedenfalls kam einmal die Woche ein Strafbefehl, den ich meist im Müll entsorgte.

„…mehr Demokratie wagen.“

Dann wurde Willy Brandt Kanzler. Der  verkündete, er wolle mehr Demokratie wagen – und brachte die Berufsverbote. Aber er amnestierte die Strafverfahren der Jahre vorher und ich bekam entsprechend oft Mitteilungen für die Einstellung der Verfahren. Einen Überblick hatte ich nicht.

Eines morgens – ich machte mich fertig zur Arbeit – klingelte es. Vor der Tür stand die Polizei und erklärte, sie habe einen Haftbefehl gegen mich, ich solle mitkommen. Was blieb mir anderes übrig, ich tat es. Sie gestatteten mir sogar vom Revier aus Genossen zu informieren. Ich sagte ihnen, sie sollten sich mit dem ZK in Verbindung setzen – namentlich mit Ernst Aust, und ihm sagen, daß ich verhaftetet sei und 15 Tage in den Knast müsse. Ich rechnete mit Soli-Aktionen der Parteizentrale, immerhin war ich der 2. Mann in der KPD/ML,  hinter Ernst Aust.

Ich protestierte gegen die Inhaftierung…

Man brachte mich in den Knast von Köln. Damals saßen dort die ersten RAF-Gefangenen in Isolationshaft. Ich erkläre den Beamten, ich sei hier zu Unrecht, weil meine Sache amnestiert sei. Sie glaubten mir nicht und verspotteten mich. Ich bekam die Knastklamotten und wurde in den Zellenblock überführt. Da ich nichts erreichte, sagte ich, es seien Kommunisten 12 Jahre im KZ gewesen, da werde ich  die 15  Tage überleben. Im übrigen protestiere ich gegen die Inhaftierung und trete in den Hungerstreik.

Die in der Aufnahme lachten und ließen mich in den Zellenblock – Haus genannt – bringen. Dem Schließer dort erklärte ich auch, daß ich Hungerstreiken werde. Das fand der gar nicht komisch und bat mich, das sein zu lassen, das mache ihm unheimlich viel Arbeit. Ich entgegnete, das sei nicht meine Absicht, aber eine andere Möglichkeit zur Gegenwehr hätte ich nicht. Er meinte, ich solle mit dem Fürsorger sprechen, aber der käme erst nach etwa 2 Wochen. Das war keine Lösung. Er schlug vor, den Knastpfarrer zu bitten, mich zu besuchen. Ich fand das zwar abwegig, stimmte aber dann zu. Nur den Hungerstreik mache ich weiter.

Hungerstreik

Am Nachmittag kam der Pfarrer. Ich erzählte ihm die Geschichte, merkte aber, er glaubt mir kein Wort. Trotzdem wandte der sich an den Betriebsrat meiner Arbeitsstelle – eine Großdruckerei und der war ein linker Gewerkschafter, der noch Solidarität kannte. Der wiederum wandte sich an einen linken Journalisten und der Kölsche Klüngel funktionierte wieder einmal. Der Journalist – Jens Hagen – arbeitete für die Boulevardzeitung Express. Der nahm sich der Sache an. Der Dumont-Verlag, in dem der Kölner Stadtanzeiger erschien und auch Express, gab sich gern progressiv. Daher durfte das wohl sein. Ich verweigerte im Knast nach wie vor das Essen. Am ersten Tag war es schwer, Hunger, Hunger und nochmals Hunger. Ich blieb standhaft. Aber am dritten Tag – mal abgesehen von weichen Knien, war es erträglich.

Der Kölner Express berichtet

An dritten Tag, wir waren auf Hofgang, wurde ich gerufen, in meine Zelle geführt. Man teilte mir mit, ich würde frei gelassen. Alles ging jetzt schnell. Mir fiel aber auf, man wollte mich nicht zum Hauptausgang rauslassen. Da warteten nämlich, wie ich bald erfuhr, Journalisten. Der Express hatte an dem Tag getitelt:

„Kölner Arbeiter weist Justiz in die Schranken.“

Autor war jener Jens Hagen.  So kam ich frei. Aber ich wollte es nicht auf sich beruhen lassen und nahm mir einen Anwalt. Immerhin war ich zu Unrecht im Knast gewesen. Die Justiz bestritt nicht, daß hier Unrecht geschehen war, aber der Präsident des Oberlandesgerichts erklärte, ich sei mit daran schuld, ich hätte mich ja der Verhaftung widersetzen können. Lachhaft – bei Polizisten mit Knarre in Rücken.

Der Verfassungsschutz gab den Auftrag

Es gab Geschreibsel der Justiz, die mit aller Gewalt keinen Rechtsverstoß zugeben wollte. Bis eines Tages mein Anwalt eine Aktennotiz in meiner Akte fand, die damals zu meiner Verhaftung geführt hatte. Der Schreiber der Aktennotiz gab einen Anruf aus  dem Regierungspräsidium an und auch einen Namen. Recherchen ergaben, daß es sich hier um den Verfassungsschutz handelte. Der hatte einem Richter die Anweisung gegeben, mich zu verhaften und der Richter befolgte den Auftrag. Und das war ein Verstoß gegen geltendes Recht der Gewaltenteilung. Ich wollte beim Prozeßtermin in dieser Frage die Sache thematisieren, aber auf einmal gab der Justizminister nach.

Solidarität… ?!

Ja, das alles war Unrecht, ja ich bekomme Haftentschädigung: 10 DM pro Knasttag, also 30 DM. Damit vermied man, daß ich die Sache verwursten konnte. Pech! Dieses Beispiel zeigt die Rolle des Verfassungsschutzes gegen Linke, gegen Kommunisten. Man versucht, sie klein zu bekommen – bei mir aber Fehlanzeige. Was aber machte meine Partei, was machte Ernst Aust? Nichts. Ich war für ihn ein lästiger Konkurrent – er verweigerte mir daher die Solidarität. Auch das gibt es, es war mir eine bittere Erkenntnis. Mal sehen, wer mir jetzt die Solidarität bei den gegenwärtigen Angriffen verweigert und wer sich solidarisch zeigt.

G.A.

Quelle: Kommunisten-Online


Nachbemerkung: Schon seit einiger Zeit befindet sich nun auch die Internetseite „Kommunisten-Online“, deren Redakteur, Genosse Günter Ackermann, im Visier wütender Antikommunisten. Denen war der Marxismus-Leninismus schon immer ein Dorn im Auge. Sie hassen nichts mehr als kommunistische Enthüllungen, von denen schon Lenin sagte, daß sie das politische Bewußtsein der Arbeiterklasse heranbilden und die Volksmassen zu revolutionärer Aktivität erziehen. Und nun droht auch noch ein bürgerlicher Anwalt unverhohlen mit Erzwingungshaft. 

Siehe auch: Solidarität mit Genossen Ackermann!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Freiheit der Andersdenkenden, Internationale Solidarität, Kommunisten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Das erste Mal im Knast – Kommunistenverfolgung in der BRD

  1. Günter Hering schreibt:

    Hat dies auf versprengte Linke rebloggt und kommentierte:
    Du und ich und wir, wir sollten solidarisch sein und den Bitten des Genossen Ackermann entsprechen.

  2. Weber schreibt:

    Warum diese verharmlosende Zahl?
    […] so einer wie Max Reimann und Dutzende andere auch,[..]

    In der Ausgabe vom 12.8.1966 der Ost-CDU-Zeitung „Neue Zeit“, eine Zeitung der Christen in der DDR, ist festgehalten wie viele Ermittlungsverfahren gegen Menschen in der Alt-BRD eingeleitet wurden:
    „Neue Zeit kommentiert
    Die KPD lebt
    Obwohl seit 1951 in Westdeutschland rund 650 000 Demokraten und Antifaschisten von polizeilichen Ermittlungsverfahren betroffen wurden, obwohl selbst das Bundesinnenministerium in seinen frisierten Berichten pro Jahr etwa 10 000 Verfahren gegen Atomrüstunqs- und Notstandsgegner zugegeben hat, obwohl also von Bonn aus alles unternommen wird, um die fortschrittlichen Kräfte im westdeutschen Staat zu unterdrücken und zu terrorisieren, ist die Opposition gegen das Regime ungebrochen, hält der Kampf gegen den systematischen Abbau der Grundrechte in der Bundesrepublik unvermindert an.“
    Der NRW Justiz- und Finanzminster Diether Posser (SPD) sprach von über 200.000 Ermittlungsverfahren, von denen über 500.000 Menschen betroffen waren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s