Contact support? – oder: Sollte man Fehler lieber verschweigen?

contact supportNicht immer werden Menschen, so sie denn Gleiches wollen, auch gleicher Meinung sein. Und das ist durchaus verständlich – jeder hat einen anderen Bildungsstand, hat andere Erfahrungen und einen anderen Blickwinkel. So ist es auch in weltanschaulichen Dingen, so ist es mit dem Marxismus-Leninismus. Und natürlich geschehen dabei auch Fehler, und es gibt Irrtümer, die man beizeiten korrigieren muß. Immer wieder hat Stalin darauf hingewiesen, daß der Verzicht auf eine ehrliche und offene Korrektur der Fehler den Weg zur Besserung versperrt und neue Erfolge verhindert. Das setzt jedoch voraus, daß derjenige, der einen Fehler begangen hat, ihn erkennt und so ehrlich ist, ihn einzugestehen.

Nicht immer ist es so einfach wie im obenstehenden Fall, nicht immer wird man darauf hingewiesen, nicht immer kann man den Support anrufen, und nicht immer gibt es Unterstützung. Lassen wir also diejenigen einmal weg, die bewußt Fehler und Streit provozieren, weil sie uns schaden wollen. Doch was ist ein Fehler? Ein Fehler ist beispielsweise, wenn man die Lehren von Marx, Engels, Lenin und Stalin mißachtet, wenn man mit dem Strom schwimmt, ohne auf das Ziel zu achten oder wenn man oberflächlich urteilt, so wie es einem gerade einfällt. Und die Resultate? Die Resultate sind klar: „Das eben“ sagt Stalin, „ist der Weg wirklicher Entartung.“ [ 1] 

Auszug aus der Rede Stalins auf dem XV.Parteitag:

Nehmen wir zum Beispiel die Leitung der wirtschaftlichen und son­stigen Organisationen durch die Parteiorganisationen. Ist hier alles bei uns gut bestellt? Nein, nicht alles. Bei uns werden die Fragen nicht nur draußen im Lande, sondern auch im Zentrum nicht selten sozusagen familiär, auf Gevatterart, entschieden. Iwan Iwanowitsch, Mitglied der leitenden Spitze irgendeiner Organisation, hat, sagen wir, einen sehr schweren Fehler begangen und der Sache geschadet. Aber Iwan Fjodoro­witsch will nicht Kritik an ihm üben, seine Fehler bloßlegen, seine Fehler korrigieren. Er will das nicht, denn er möchte sich keine „Feinde machen“. Es ist ein Fehler passiert, der Sache ist geschadet worden – was ist schon dabei! Wer von uns macht keine Fehler? Heute schone ich, Iwan Fjodoro­witsch, ihn. Morgen wird er, Iwan Iwanowitsch, mich schonen. Denn woher habe ich die Garantie, daß ich nicht ebenfalls einen Fehler machen werde? Alles in bester Ordnung. Friede und Wohlgefallen. Man sagt, ein vernachlässigter Fehler schade unserer großen Sache? Wenn schon! Irgendwie werden wir das Ding schon deichseln. So, Genossen, pflegen einige unserer verantwortlichen Funktionäre zu urteilen.

Aber was bedeutet das? Wenn wir Bolschewiki, die alle Welt kritisieren, die, um mit Marx zu reden, den Himmel stürmen, wenn wir um der Ruhe dieser oder jener Genossen willen auf Selbstkritik verzichten – ja, ist es da nicht klar, daß wir nichts als den Untergang unserer großen Sache zu erwarten hätten? (Zurufe, „Sehr richtig!“ Beifall.)

Marx sagte, die proletarische Revolution unterscheidet sich unter an­derem dadurch von jeder anderen Revolution, daß sie sich selbst kriti­siert und sich durch die Selbstkritik stärkt [1]. Das ist ein sehr wichtiger Hinweis von Marx. Wenn wir, die Vertreter der proletarischen Revolu­tion, vor unseren Mängeln die Augen verschließen, wenn wir Fragen auf familiäre Art entscheiden, unsere Fehler gegenseitig decken und die Krankheit in das Innere unseres Parteiorganismus treiben – wer wird dann diese Fehler, diese Mängel korrigieren?

Ist es etwa nicht klar, daß wir aufhören würden, proletarische Revo­lutionäre zu sein, und daß wir dem sicheren Untergang verfallen würden, wenn wir nicht aus unserer Mitte dieses Spießertum, diese Vetternwirt­schaft bei der Entscheidung wichtiger Fragen unseres Aufbaus ausmerzten?

Ist es etwa nicht klar, daß wir, wenn wir ehrliche und aufrechte Selbstkritik ablehnten, wenn wir auf eine ehrliche und offene Korrektur unserer Fehler verzichteten, uns den Weg für den Vormarsch, den Weg zur Besserung unserer Sache, zu neuen Erfolgen unserer Sache versperren würden?

Unsere Entwicklung vollzieht sich ja nicht in der Form eines reibungslosen allgemeinen Aufschwungs. Nein, Genossen, wir haben Klassen, wir haben Widersprüd1e innerhalb des Landes, wir haben eine Vergangenheit, wir haben eine Gegenwart und eine Zukunft, wir haben Widersprüche zwischen ihnen, und durch geruhsames Schaukeln auf den Wellen des Lebens können wir nicht vorwärtskommen. Unser Vormarsch erfolgt im Kampf, durch Entwicklung der Widersprüche, durch Überwindung dieser Widersprüche, durch Bloßlegung und Liquidierung dieser Widersprüche.

Niemals, solange es Klassen gibt, wird sich ein Zustand herbeiführen lassen, wo man wird sagen können: Nun, Gott sei Dank, jetzt ist alles gut. Niemals wird das bei uns der Fall sein, Genossen.

Stets wird bei uns im Leben irgend etwas absterben. Was aber stirbt, will nicht einfach sterben, sondern es kämpft um seine Existenz, es verteidigt seine überlebte Sache. Stets wird bei uns im Leben irgend etwas Neues geboren. Was aber geboren wird, wird nicht einfach geboren, sondern es kreischt, es schreit, es verteidigt sein Recht auf Existenz. (Zurufe: „Sehr richtig!“ Beifall.)

Kampf zwischen dem Alten und dem Neuen, zwischen dem Abster­benden und dem zur Welt Kommenden – das ist die Grundlage unserer Entwicklung. Wenn wir nicht offen und ehrlich, wie es Bolschewiki ge­ziemt, die Fehler und Mängel unserer Arbeit feststellen und aufdecken, dann versperren wir uns selbst den Weg nach vorn. Wir wollen aber vorwärtsschreiten. Und gerade, weil wir vorwärtsschreiten wollen, müssen wir die ehrliche und revolutionäre Selbstkritik zu einer unserer wichtig­sten Aufgaben machen. Ohne das gibt es keinen Vormarsch. Ohne das gibt es keine Entwicklung.

Quelle:
Stalin: Der XV.Parteitag der KPdSU (B), In. J. Stalin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1953, S.285ff.

[1]  ebd.S.289
[2] K.Marx: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte. In K.Marx und F.Engels, Ausgewählte Schriften in zwei Bänden, Bd.I, S.878.

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5 Antworten zu Contact support? – oder: Sollte man Fehler lieber verschweigen?

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Das ist ja das Problem auch in der DDR gewesen: Man nahm „Rücksicht“. Mir ist zum Beispiel ein Fall bekannt, wo ein Genosse feststellte, dass vor dem Betrieb ständig Wagen vorfuhren, die aus der Betriebsküche Esswaren mitnahmen. Er stellte fest, dass es sich meistens um Südfrüchte handelte, die für die Belegschaft vorgesehen waren. Er beschwerte sich erst einmal bei der Betriebsleitung, ohne Erfolg, erfuhr aber, dass es sich um eine „höhere Stelle“ handelte, von der diese Pkws kamen. Daraufhin wandte er sich an die ABI (Arbeiter-und-Bauern-Inspektion), die sich sofort einschaltete. Kurz und schlecht: Abgelöst wurde der leitende Mitarbeiter der ABI, der Genosse warf sein Parteibuch hin und verließ den Betrieb. Das ist genau das, was Stalin anprangerte – wir waren nicht mehr in der Lage, ehrlich miteinander umzugehen. Dass wir „den Himmel stürmen“ wollten, davon war keine Rede mehr. Wir wussten nicht mehr, welche Wirkung Kritik und Selbstkritik auf die Entwicklung des Sozialismus hatten.. Also hielt jeder lieber den Mund, ehe er Geschehnisse, die er als falsch oder sogar korrupt erkannte, öffentlich machte. Das ist ein schwieriges Kapitel, und da müssen wir für die Zukunft lernen.

    Und wenn so ein Westler die Bedeutung deutscher Wörter nicht begreift und in welchen Zusammenhang Stalin sie stellte (natürlich auf russisch), verstehe ich ihn sogar. Er hat nie im Sozialismus gelebt, kennt nur das Konkurrenzdenken gegeneinander, und für ihn wird die Rede Stalins eine Rede mit sieben Siegeln sein. Wir alle erfahren es heute ja selbst tagtäglich, dieses Konkurrenzgehabe, die kleinbürgerliche Ehrpusseligkeit, die massenhafte Korruption und das Denken „Lass die da oben mal machen, ich verbrenn mir nicht die Finger!“ Kritik gilt heute mehr noch als in der DDR als Angriff auf die Person. Ich könnte ein Liedchen davon singen.

  2. Vorfinder schreibt:

    In einem Lied von Gerhard Gundermann heißt es: „Gagarin der Freundliche“. Damit war Sozialismus beschrieben und was unser Menschenbild aussagen will und lebte. Dahin entwickeln, das ging und geht nicht ohne Fehler zu korrigieren. Vorwärts bringt Korrektur Mensch aber nur auf Basis der wissenschaftlichen Weltanschauung. Auch das bleibt manchen offenbar bis heute unbegreiflich.

    Mit Nietzsche mag mancher ja sein „Seepferdchen“ haben, durchschwimmen zu Stalin gelingt damit offenbar nicht.

    • Rolf schreibt:

      Ja, unser Juri bleibt unvergessen. Als 1963 die schwarzen Limousinen, in denen Gagarin nach Erfurt unterwegs war, bei Weimar über die Autobahn fegten, war ich auch dabei und hab gewunken 😉

      Der Pioniergeist hat mich bis heute (nunja, ich bin Programmierer).

      Seid bereit, Freundschaft!

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