Eberhard Funke: Was hat uns in der DDR die Befreiung vom Faschismus gebracht?

Vierzig Jahre sind vergangen“, schrieb Eberhard Funke im Jahre 1985, „seit im Mai 1945 durch die bedingungslose Kapitulation der faschistischen Wehrmacht in Berlin-Karlshorst die vollständige Niederlage faschistischer imperialistischer Aggres­sionspolitik besiegelt wurde. Die verbrecherische Politik des deutschen Monopolkapitals und Militarismus hatte zum zweiten Mal im Verlauf unseres Jahrhunderts bankrott gemacht und den einfachen Menschen unermeßliches Leid beschert. Darum gebietet die Erinnerung vierzig Jahre nach dem 8. Mai 1945 für jeden vernünftigen Menschen, die Kräfte des Friedens zu stärken und die des Krieges zu zähmen, schließlich zu überwinden, um so die Welt vor einem vernichtenden atomaren Inferno zu bewahren.“ Warum legen wir dieses Beitrag hier noch mal auf? Er zeigt, welche einzigartige Chance wir nach der Befreiung des deutschen Volkes vom Faschismus durch die Sowjetarmee hatten, um den Sozialismus aufzubauen. Und es gelang. Heute wird es nicht leichter sein als damals!

Eine historische Wende

Der Sieg der Sowjetunion und der mit ihr in der Antihitlerkoalition verbündeten Völker hatte auch dem deutschen Volk die Befreiung vom Hitlerfaschismus gebracht. Der aufopferungsvolle Kampf der deutschen Kommu­nisten und aller Antifaschisten trug wesentlich dazu bei, daß nunmehr der Weg zum Aufbau einer neuen demokratischen Ordnung eingeschlagen wurde und die Wende in der Geschichte des deutschen Volkes begann.

Aktionseinheit aller friedliebenden Kräfte

Mit dem Aufruf der KPD vom 11. Juni 1945 – bereits einen Tag nach dem bedeutungsvollen Befehl Nr. 2 der SMAD, der die Tätigkeit antifaschistisch-demokratischer Parteien und freier Gewerkschaften in der sowjetischen Besatzungszone gestattete – und der Vereinigung der Kommunistischen Partei mit der Sozialdemokratischen Partei zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands entstanden feste Grundlagen für die Aktionseinheit der Arbeiterklasse und das Bündnis aller Antifaschisten. Gläubige unterschiedlicher religiöser Bekenntnisse und Angehörige aller Bevölkerungsschichten, die aus der faschistischen Terrorherrschaft Lehren gezogen hatten, unterstützten das Ringen um den friedlichen Wiederaufbau.

Für ein neues, demokratisches Deutschland

So wuchs die Kraft die fähig war, die Existenzgrundlagen des deutschen Imperialismus und Militarismus, die Herrschaft der Monopolherren und Junker, im Osten Deutschlands zu beseitigen. Den imperialistischen Wahnideen, wie Rassismus, Chauvinismus, Verherrlichung der Aggression und Haß gegen andere Völker, wurde der Boden entzogen. Große Anstrengungen mußten darauf gerichtet werden, humanistische und demokratische Auffassungen zu verbreiten, die Werktätigen für den Kampf gegen Hunger, Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot zu mobilisieren, Lebensmut und den Glauben an ein Leben in Frieden, sozialer Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln.

Was hatten wir erreicht?

Vierzig Jahre danach stellen wir fest: Das Volk der DDR hat die Chance, die ihm am 8. Mai 1945 gegeben wurde, im Sinne des Vermächtnisses der Kämpfer gegen Krieg und Faschismus gut genutzt. Das Werden und Wachsen der Deutschen Demokratischen Republik entspricht dem Gesetz der Weltgeschichte, daß unsere Epoche die des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus ist.

Ein revolutionärer Prozeß

In einem einheitlichen revolutionären Prozeß wurden in unserem Lande seit 1945 die antifaschistisch-demokratische Umwälzung vollzogen und in den 50er Jahren die Grundlagen des Sozialismus geschaffen. Im Verlauf der 60er Jahre waren die wesentlichen Aufgaben der Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus erfüllt. Es reifte die Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft heran. Der VIII. Parteitag der SED im Jahre 1971 erhob sie zur strategischen Aufgabe.

Der erste sozialistische Staat auf deutschem Boden

Die Deutsche Demokratische Republik ist der erste deutsche Staat, in dem die sozialökonomischen Grundlagen und die Ursachen von Kriegspolitik und Krieg radikal beseitigt wurden. Mit der Gründung dieses Staates erfüllte sich was viele Generationen aufrechter Deutscher erträumt und wofür sie gekämpft hatten: ein Deutschland des Friedens, ein Leben ohne Aus­beutung und Unterdrückung, eine sichere Zukunft für die Kinder und Kindeskinder. Auferstanden aus Ruinen wuchs die Deutsche Demokratische Republik heran zu einem sozialistischen Staat mit hochentwickelter Wirtschaft, einem in der Welt anerkannten Bildungswesen, reicher Nationalkultur und einer zuverlässigen Landesverteidigung.

Grundsätze unserer Politik in der DDR

Bereits vor zehn Jahren konnte der Generalsekretär des Zentralkomitees der SED und Vorsitzende des Staats­rates der DDR feststellen:

„Wenn wir heute in einem aufblühenden sozialistischen Staat leben, der international anerkannt ist, wenn wir angesichts unserer Erfolge zuversichtlich in die Zukunft schauen, dann wollen wir eine wichtige geschicht­liche Wahrheit ganz besonders hervorheben: Es war der heroische Kampf des Sowjetvolkes, der unser Volk vom Faschismus befreite und ihm die Möglichkeit eröffnete, den Weg des Fortschritts zu beschreiten. Die Entwicklung unserer Deutschen Demokratischen Republik war und ist undenkbar ohne den Bruderbund mit der Sowjetunion.
Dieser unumstößliche Grundsatz unserer Politik hat seine tiefen Wurzeln im Kampf der Besten der deutschen Arbeiterklasse, die sich seit der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution zur Partei und zum Staat Lenins bekann­ten weil sie die Zukunft der Menschheit verkörpern. In diesem Geist gingen sie 1945 daran, die Freundschaft mit der Sowjetunion tief in die Herzen und Hirne unseres Volkes zu pflanzen.“

Sozialismus – eine völlig neue Lebenserfahrung

Seit dem Sieg über den Hitlerfaschismus sind neue Generationen herangewachsen. Dank der friedenserhaltenden Kraft des Sozialismus kennen sie das unermeßliche Leid und die Zerstörungen des Krieges nicht am eige­nen Leibe. Aus diesem Grunde forderte die Gesellschaftswissenschaftliche Konferenz des ZK der SED im Dezember 1983:

„Geschichtliche Vermittlung ist um so dringender geboten, weil die Zahl derjenigen zunimmt, die sich das konkrete Bild der Klassenkämpfe in der Weimarer Republik und des antifaschistischen Kampfes, der Kämpfe der Entstehung, Behauptung und Aufstieg der DDR, des großen Ringens um die stets zuverlässige Sicherung: der Arbeiter- und Bauernmacht, um die Bewahrung des Friedens in Europa seit fast vier Jahrzehnten nicht mehr aus eigener Erinnerung rekonstruieren können. Immerhin wurde bereits etwa die Hälfte der Bevölkerung der DDR nach 1949 geboren.“

Was ist die Pflicht der älteren Generation?

Es ist die Pflicht und die Mitverantwortung der älteren Generation die den imperialistischen Krieg kennt und weiß, von wem er gemacht wird die Lehren des zweiten Weltkrieges, die Erinnerung an die Opfer des Faschismus und Imperialismus, aber auch die mutigen Taten der Antifaschisten in den Köpfen und Herzen der folgenden Generationen wachzuhalten. Der geforderten geschichtlichen Vermittlung an breiteste Kreise der Bevölkerung Rechnung zu tragen, hat sich auch der vorliegende und jährlich erscheinende „Heimatgeschichtliche Kalender des Bezirkes Gera“ zum Ziel gestellt. Entsprechend seiner Konzeption soll er zur weiteren Herausbildung des sozialistischen Geschichtsbewußtseins unserer Bürger seinen Beitrag leisten.

Weg von der kleinbürgerlichen Heimattümelei!

In den letzten Jahren hat sich ein wachsendes Engagement der Bürger unseres Landes für regionale Geschichte herausgebildet. Es ist weit entfernt von spießiger Heimattümelei, sondern Ausdruck der Verbundenheit mit der sozialistischen Heimat. Besonderen Anteil haben daran die über zwanzigtausend in der Gesellschaft für Heimatgeschichte des Kulturbundes der DDR Tätigen, zahlreiche ehrenamtliche Ortschronisten und die mehr als achtzehntausend Mitglieder der Geschichtskommissionen der SED.

Wir hatten bereits die richtigen Lehren gezogen….

Zum 40. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus können wir Bürger der Deutschen Demokratischen Republik in tiefer Überzeugung feststellen: Wir haben aus dem zweiten Weltkrieg und den historischen Gesetzmäßigkeiten die richtigen Lehren gezogen. Das arbeitende Volk hat sich für den Sozialismus entschieden und eine Verfassung gegeben, die diesen seinen Willen zum obersten Gesetz erhob: „Die allgemein anerkannten, dem Frieden und der friedlichen Zusammenarbeit der Völker dienenden Regeln des Völkerrechts sind für die Staatsmacht und jeden Bürger verbindlich. Die Deutsche Demokratische Republik wird niemals einen Eroberungskrieg unternehmen oder ihre Streitkräfte gegen die Freiheit eines anderen Volkes einsetzen.“ (Artikel 8 der Verfassung der DDR)

Quelle:
Kulturbund der DDR (Hrsg,): Heimatgeschichtlicher Kalender des Bezirkes Gera,1985, S.28-30.S. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

Was nach 1989 geschah, darüber lesen Sie hier:
Lügen haben kurze Beine… Was geschah 1989 in der DDR?


Anmerkung: Meines Erachtens war die von Eberhard Funke geforderte, fehlende geschichtliche Vermittlung auch der Grund, warum es in der DDR bei vielen jüngeren Leuten Illusionen über den Kapitalismus gab. Erst recht ist heute diese fehlende geschichtliche Vermittlung der Grund, warum es solche negativen Vorurteile über die DDR gibt. Erst wenn es uns gelungen ist, dieses vorurteilsbehaftete, falsche DDR-Bild zu beseitigen, ist auch der Weg zu einem gesellschaftlichen Fortschritt wieder frei.

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