B.A.Tschagin: Einigung oder Spaltung – der Kampf von Marx und Engels um den revolutionären Charakter der Partei

marx_and_engelsEnde der siebziger Jahre wandten sich Marx und Engels gegen den innerhalb der deutschen Sozialdemokratischen Partei aufgekommenen Opportunismus. In den Jahren 1878/79 kam eine opportunistische Strömung auf, die zum Frieden mit Bismarck aufforderte. Es war die Zeit des Sozialistengesetzes. Die Führer der Sozialdemokratischen Partei hatten den Kopf verloren und lösten die Parteiorganisationen auf. In der Sozialdemokratie herrschte Bestürzung, in der Partei ging alles drunter und drüber. Viele ihrer Führer waren der Situation keineswegs gewachsen, ja, sie zogen sich sogar feige vom Kampf um die Erhaltung der Parteiorganisation zurück

Zahlreiche Parteiführer konnten sich nicht zur illegalen Arbeit bequemen. Sie hofften, bei den herrschenden Klassen durch demütiges Verhalten die Aufhebung des Sozialistengesetzes erlangen zu können. In einer von ausgestoßenen Mitgliedern der Sozialdemokratischen Partei verfaßten Proklamation heißt es: „Keine Gewalt! Achtet die Gesetze, verteidigt euer Recht in ihrem Rahmen!“ Bebel und Wilhelm Liebknecht waren sogar eine Zeitlang gegen die Herausgabe einer illegalen Zeitung. Die philisterhafte Taktik „kein gewaltsamer Widerstand!“ rief spontanen Protest seitens der sozialdemokratischen Massen hervor.

Kapitulanten und Philister in der Partei

Unter dem Druck von Marx und Engels gaben Bebel und W. Liebknecht ihre unbegründeten Hoffnungen und opportunistischen Illusionen nach und nach auf. Wie Lenin schrieb, „war es während der Zeit des Sozialistengesetzes der Fall, daß August Bebel opportunistische Fehler beging und die Partei diese Irrtümer berichtigen und Bebel lenken mußte“ [1]. Marx und Engels unterzogen den vorherrschenden Opportunismus, die klägliche Idee, man könne die Regierung durch Gehorsam und Unterwürfigkeit entwaffnen, einer schonungslosen Kritik. Sie lehrten, daß nur der Kampf der Massen dazu in der Lage sei. Zugleich empfahlen sie der Partei, ein revolutionäres Presseorgan im Ausland zu gründen, wogegen sich bisher die Mehrheit ihrer Führer gewandt hatte.

Schonungslose Kritik vom Marx und Engels

Bereits damals unterwarfen Marx und Engels den Opportunismus Bernsteins, der in der gewaltsamen Revolution nicht die notwendige Voraussetzung für die gesellschaftliche Entwicklung sehen wollte, einer vernichtenden Kritik. Schon damals war für ihn die Sozialdemokratie eine „demokratische Reformpartei“. Unter dem Einfluß des Sozialistengesetzes machte er feige den Vorschlag, die Taktik des Klassenkampfes völlig aufzugeben. Gemeinsam mit dem bürgerlichen Philanthropen Höchberg und dem Opportunisten Schramm wandte er sich gegen die revolutionäre Theorie des Marxismus.

Die reaktionären Ideen von Bernstein, Höchberg und Schramm

In einem Brief vom September 1875 übten die Begründer des Marxismus scharfe Kritik an dem „Züricher Dreigespann“ Bernstein, Höchberg und Schramm. Der Sozialphilanthrop Höchberg bekannte sich zusammen mit den anderen beiden zu einem kläglichen „ethischen Sozialismus“, also zu einer langsamen, friedlichen Entwicklung der Gesellschaft und zur Abkehr von der Revolution. Engels unterzog diesen „ethischenSozialismus“ und das aus ihm resultierende reaktionäre politische Programm einer vernichtenden Kritik. „Ein solches Programm“, schrieb Engels an Bernstein, „…schloß von vornherein alle diejenigen direkt aus, die den Sozialismus in letzter Instanz nicht als Schlußfolgerung aus irgendwelchen Ideen oder Prinzipien wie Gerechtigkeit usw. auffassen, sondern als ideelles Produkt eines materiell-ökouomischen Prozesses, des gesellschaftlichen Produktionsprozesses auf gewisser Stufe. Damit hatte also Herr Höchberg selbst jede Mitarbeiterschaft unsererseits … unmöglich gemacht“ [2].

Ein kleinbürgerlicher Verzicht auf den Kampf

Engels zeigt hier mit klassischer Prägnanz, daß die theoretische Grundlage des wissenschaftlichen Sozialismus die materialistische Geschichtsauffassung ist, während der sogenannte „ethische Sozialismus“ mit seinem nackten und abstrakten „Gerechtigkeits“begriff auf dem Idealismus fußt. Marx und Engels unterzogen in ihrem Brief vom 17.-18. September 1879 die Ansichten Höchbergs, Bernsteins und Schrarnms einer besonders heftigen und gründlichen Kritik. In seinem Aufsatz „Rückblick auf die sozialistische Bewegung in Deutschland“ hatte Schramm offen den Verzicht auf den Kampf um das Endziel proklamiert und war für kleinbürgerliche Reformen als der zentralen Aufgabe der Partei eingetreten.

…damit die Bourgeoisie „nicht erschreckt“ werde

Die Bernsteiniaden der neunziger Jahre hatten hier ihren würdigen Vorläufer gefunden. Marx und Engels schrieben über den hier vertretenen bürgerlichen Standpunkt ironisch: „Das Programm soll nicht aufgegeben, sondern nur aufgeschoben werden – bis auf unbestimmte Zeit. Man nimmt es an, aber eigentlich nicht für sich selbst und für seine Lebzeiten, sondern posthum, als Erbstück für Kinder und Kindeskinder. Inzwischen wendet man seine „ganze Kraft und Energie auf allerhand Kleinkram und Herumflickerei an der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, damit es doch aussieht, als geschehe etwas, und gleichzeitig die Bourgeoisie nicht erschreckt werde“ [3].

Marx und Engels verlangen den Parteiausschluß der Versöhnler

Marx und Engels verlangten den Parteiausschluß von Höchberg, Bernstein und Schramm mit dem Hinweis auf die Unvereinbarkeit ihrer bürgerlichen Ansichten mit der proletarischen Ideologie. „Wie die Partei“, schrieben Marx und Engels, „die Verfasser dieses Artikels noch länger in ihrer Mitte dulden kann, erscheint uns unbegreiflich. Gerät aber solchen Leuten gar die Parteileitung mehr oder weniger in die Hand, so wird die Partei einfach entmannt, und mit der proletarischen Schneid ist’s arn End.“ [4]. Marx und Engels drängten die Führung der Sozialdemokratie ständig zu entschlossenen Maßnahmen gegen den um sich greifenden Opportunismus. Mit gleicher Schärfe und in aller Offenheit bezichtigten sie auch August Bebel, Wilhelm Liebknecht und andere einer versöhnlerischen Einstellung zum Opportunismus.

Kampf gegen den entstehenden „rechten Flügel“

Marx und Engels warnten die Führung der deutschen Sozialdemokratie tagtäglich vor den immer deutlicher werdenden Symptomen der Bildung eines „rechten Flügels“ in der Partei. Wenn sie auch die zunehmenden Erfolge der sozialdemokratischen Bewegung in Deutschland nicht übersahen, so konnte ihnen doch die wachsende Gefahr einer Rechtsorientierung nicht verborgen bleiben, deren Quelle sie in folgendem sahen: „Der Zutritt der Kleinbürger und Bauern“, schrieb Engels im Jahre 1879 an Bebel, „ist zwar ein Kennzeichen des reißenden Fortschritts der Bewegung, aber auch eine Gefahr für sie, sobald man vergißt, daß diese Leute kommen müssen … Ihr Zutritt ist der Beweis, daß das Proletariat in Wirklichkeit die leitende Klasse geworden ist. Da sie aber mit kleinbürgerlichen und bäuerlichen Vorstellungen und Wünschen kommen, so darf man nicht vergessen, daß. das Proletariat seine leitende geschichtliche Rolle verscherzen würde, wenn es diesen Vorstellungen und Wünschen Konzessionen machte.“ [5}.

Welche Rolle spielte das Kleinbürgertum?

Zur Zeit von Marx und Engels war in Deutschland die größte soziale Basis des Opportunismus die in die Arbeiterbewegung eingedrungene Kleinbourgeoisie. Diese übte auf das mit ihr durch Übergangsstufen und Schattierungen aller Art tausendfach verbundene Proletariat einen ständigen Einfluß aus. Die Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus wiesen bei der Kritik der verschiedenen opportunistischen Strömungen stets auf den kleinbürgerlichen Charakter der sozialen Basis des Opportunismus hin und deckten dessen soziale Wurzeln in einer tiefgründigen Analyse auf.

Auch A.Bebel hatte zunächst eine opportunistische Haltung

Marx und Engels waren bereits Anfang der achtziger Jahre zu der Überzeugung gelangt, daß der wachsende Opportunismus mit seiner sozialen Basis in der Kleinbourgeoisie in der Partei Oberwasser bekommen würde, wenn man ihm nicht entschlossen eine proletarische Politik entgegenstellte. Wiederholt hatten sie Bebel darauf aufmerksam gemacht. In ihm sahen sie den würdigsten Führer der deutschen Sozialdemokratie, ihren zuverlässigsten Verbündeten in Deutschland. Mit Bebel wurden Marx und Engels erstmals im Jahre 1881 bei seinem Aufenthalt in London persönlich bekannt. Dieses Zusammentreffen trug dazu bei, daß Bebel gegenüber den opportunistischen Elementen in der Partei einen wesentlich festeren Standpunkt bezog.

Eine sehr kritische Situation

Die Lage in der Partei war damals sehr ernst. Engels machte Bebel ohne viel Umschweife den Vorschlag, sich auf eine mögliche Spaltung der Partei vorzubereiten. „Darüber, daß es eines Tages zu einer Auseinandersetzung mit den bürgerlich gesinnten Elementen der Partei und zu einer Scheidung zwischen rechtem und linkem Flügel kommen wird“, schrieb er an ihn, „habe ich mir schon längst keine Illusion mehr gemach t und dies schon auch in dem handschriftlichen Aufsatz über die Jahrbuchartikel geradezu als wünschenswert ausgesprochen.“ [6]

Die Abkehr der Opportunisten vom Kampf

Die opportunistischen Stimmen in der Partei wurden indessen immer aufdringlicher. Es entstand ein Flügel bürgerlich gesinnter Elemente. Bei der Reichstagsdebatte über den Ausnahmezustand im Jahre 1881 sagten sich Blos und Hasenclever, die Opportunisten unter den Fraktionsmitgliedern, von der Revolution los und gingen offen zu Bismarck über. Das bedeutete in der Tat nichts anderes als die Abkehr von der Sozialdemokratischen Partei. Der Opportunist Breyel erklärte sich mit dem Verhalten Blos‘ und Hasenclevers solidarisch. In einem offenen Brief an den „Sozialdemokrat“ forderte er von der Partei, von gewaltsamen Handlungen abzusehen und zum „ideologischen Kampf“ überzugehen.

Eine ungeheuerliche Philisterhaftigkeit

Die sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten legten bei Gesetzesabstimmungen unverblümtesten Opportunismus an den Tag. Die Fraktion unterstützte die Wirtschaftspolitik des bürgerlichen Junkerstaates. So war es bei der Debatte über die Subvention der Schiffahrtsgesellschaften im Jahre 1884. Über diesen opportunistischen Akt schrieb Engels, die Philisterhaftigkeit der sozialdemokratischen Abgeordneten sei geradezu ungeheuerlich. Ihr Eintreten für die Gewährung von Subventionen an die Unternehmer der Schiffahrtsgesellschaften bedeute letzten Endes die Unterstützung der Kolonialpolitik der herrschenden Klassen sowie eine Stellungnahme im Sinne der Bourgeois und Junker.  Zahlreiche Führer der damaligen deutschen Sozialdemokratie, unter ihnen auch Wilhelm Liebknecht, wollten das absolut nicht begreifen. Liebknecht maß dem Subventionsstreit der Fraktion keine prinzipielle politische Bedeutung bei. Er vermochte nicht einzusehen, daß sich im Verhalten der Fraktion in der Subventionsfrage bereits damals mit aller Deutlichkeit der deutsche Nationalismus, ein bornierter Chauvinismus, abzeichnete.

Chauvinismus und grenzenlose Sorglosigkeit

Im Zusammenhang mit den klar hervortretenden nationalistischen Tendenzen der Reformisten ist es angebracht, an Engels‘ Brief an Bebel vom 22. Dezember 1882 zu erinnern. Eingehend auf die Entwicklungstendenzen und den anwachsenden Opportunismus in der Partei erklärte er vorausschauend, daß die deutsche Sozialdemokratie im Falle eines europäischen Krieges sofort vom Chauvinismus erfaßt und gespalten werden würde. Gleichwohl wurden diese Worte Engels‘ von der Führung der Sozialdemokratie überhaupt nicht beachtet. Währenddessen wuchs der Nationalismus in der Partei an. Eine Betrachtung der Reden der sozialdemokratischen Führer und der sozialdemokratischen Presse läßt hinreichend erkennen, mit welcher grenzenlosen Sorglosigkeit man sich gegenüber dieser großen Gefahr verhielt.

Karl Marx droht, sich von der Partei loszusagen…

Liebedienerisches Verhalten dem damaligen preußischen Staat gegenüber wurde zum Credo der meisten Mitglieder der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Die Opportunisten vom Schlage Max Kaysers, Hasenclevers u. a. erklärten in ihren Reichstagsreden, daß sie den Staat als moralische Anstalt betrachten und es sich zur Pflicht rechneten, diesen im Gegensatz zu. den Anarchisten nicht zu zerstören. sondern ihn zu festigen. Daß die Reformisten damit als Apologeten des preußischen Militärstaates auftraten, war offensichtlich. Engels war bestrebt, der Parlamentstätigkeit der Partei mit Ratschlägen und Hinweisen wieder eine gerade politische Linie zu geben, weshalb er die Opportunisten in der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion streng und heftig kritisierte. „Wenn in der Tat“, schrieb er an Bebel, „einige Abgeordnete für Bismarcksche Gesetze stimmten, also den Tritt in den Hintern mit einem Kuß auf den seinigen beantworteten, so wäre ich allerdings ebenfalls in der Lage, mich öffentlich von der Partei loszusagen, die das duldet“. [7]

Die Spaltung der Partei war nicht mehr zu umgehen

Im Jahre 1885 wies Engels in Verbindung mit dem sich innerhalb der Sozialdemokratie verschärfenden Kampf gegen die kleinbürgerlichen, opportunistischen Elemente Bebel auf die Notwendigkeit hin, für eine etwaige Spaltung gerüstet zu sein. „…präparieren muß man sich darauf, und da sind es drei Posten, die wir, glaub‘ ich, unter allen Umständen halten müssen: 1. Die Züricher Druckerei und Buchhandlung, die Leitung des ‚Sozial-Demokrat‘, 3. die der ‚Neue Zeit’“ [8]. Die Spaltung der Partei rückte näher und war nicht mehr zu umgehen. Engels vertrat die Ansicht, daß der Bruch mit den Opportunisten in der deutschen Sozialdemokratie insofern zu einer Bereinigung der politischen Atmosphäre führen werde, als sich die Partei damit der parteifremden bürgerlichen Elemente entledige.

Der Kampf von Karl Marx und Friedrich Engels um die Erhaltung des revolutionären und proletarischen Charakters der Partei

Marx und Engels wußten nur zu gut, daß sich die Entwicklung des Proletariats überall in inneren Kämpfen vollziehen wird, daß Opportunismus unausbleiblich und die Auseinandersetzung mit opportunistischen Führern in der Arbeiterbewegung eine historische Notwendigkeit sei. „Einigung“, schrieb Engels, „ist ganz gut, solange sie geht, aber es gibt Dinge, die höher stehen als die Einigung.“ [9] Noch wichtiger war für ihn und Marx die Erhaltung des revolutionären, proletarischen Charakters der Partei, ihrer revolutionären Theorie und Taktik.

Marx und Engels verhinderten den Untergang der Partei

Das Anwachsen des Opportunismus ging bei weitem nicht gleichmäßig vor sich. Es gab Jahre, da er nicht besonders in Erscheinung trat. Unter dem Druck der sozialdemokratischen Massen und der heftigen Kritik durch Marx und Engels mußten sich die opportunistischen Strömungen zeitweise zurückziehen und sich tarnen. Gleichwohl war er zweifelsohne im Ansteigen begriffen. Bebel unterschätzte diese Tatsache, und W.Liebknecht wollte sie nicht begreifen. Lediglich Marx und Engels ist es zu verdanken, daß die Partei in den siebziger und achtziger Jahren nicht im Opportunismus unterging. „Mehr als zehn Jahre lang“, schrieb Lenin, „führten Marx und Engels einen systematischen und unentwegten Kampf gegen den Opportunismus in der deutschen Sozialdemokratischen Partei und wandten sich gegen die philisterhafte Intelligenz und das Kleinbürgertum in ihren Reihen“. [10].

Quelle:
B.A. Tschagin, Die Entwicklung der marxistischen Philosophie nach der Pariser Kommune (1871-1895). Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin 1951, S.38-47.

Fußnoten:
[1] Lenin, Werke, Bd.XIV, S.59 (russ.).
[2] Marx-Engels, Briefe an A.Bebel, W.Liebknecht, K.Kautsky u.a., Teil 1, Moskau-Leningrad 1933, S.181.
[3] Ebenda, S.201.
[4] Ebenda, S.205.
[5] Ebenda, S.220.
[6] Ebenda, S.26f.
[7] Ebenda, S.304.
[8] Ebenda, S.397.
[9] Ebenda, S.277.
[10] Lenin, Werke, Bd.XI, S.173 (russ.).

pdfimages  Tschagin: Eingung oder Spaltung


Anmerkung:
Die Situation wiederholt sich: Kritikfeindlichkeit, Versöhnlertum und Zurückweichen vor der aggressiven Front der Bourgeoisie war auch schon zu Zeiten von Karl Marx und Friedrich Engels keine Seltenheit. Immer haben die Begründer des Marxismus vor einer solchen Haltung gewarnt. Es gibt auch in der KPD so ein Benehmen, wie es manche SED-Funktionäre in der DDR hatten, nach dem Motto „Die Partei hat immer recht!“ – und jegliche Kritik wird niedergebügelt. Dieses aus dem Zusammenhang gerissene Zitat beweist aber nur, wie dumm diese Genossen sind, und es führt dazu, daß Sympatisanten des Marxismus-Leninismus und parteilose Sozialisten/Kommunisten sich von einer solchen Partei abwenden, solange deren Vertreter sich als die einzigen Rechthaber erweisen. Was ist das Ergebnis? Diese Genossen spalten die kommunistische Bewegung und sie arbeiten damit der Bourgeoisie in die Hände. Lenin hat im Jahre 1912 die Liquidatoren aus der Partei herausgeworfen.
siehe: Die Verteibung der charakterlosen Scheißkerle aus der Partei
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13 Antworten zu B.A.Tschagin: Einigung oder Spaltung – der Kampf von Marx und Engels um den revolutionären Charakter der Partei

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Das muss man wissen! Eine wirklich gute Darstellung zum Aufkommen des Opportunismus in der Arbeiterbewegung!

    Was wir heute erleben, ist die Parallele zum Verenden der Sozialdemokratie im opportunistischen Sumpf und mit ihr der sozialdemokratischen Linkspartei bei ihren Bemühungen, zum Beispiel „die EU vor dem Zerbrechen zu retten“, ohne zu beachten, dass sie sich damit die Grundlage ihrer eigenen Bemühungen, um wenigstens kleinkarierte soziale Reformen durchsetzen zu können, zerschlagen, indem sie den Staat der Bourgeoisie zu Hilfe eilen. Ich habe vor einiger Zeit in der Jungen Welt einen Leserbrief von Herbert Münchow gelesen, in dem er die allgemeine Linke angesichts dessen, dass es zur Zeit keine revolutionäre Situation gibt, zum Handeln auffordert, gerade deshalb aktiv zu werden. Leider weiß ich nicht mehr, in welcher Nummer der Leserbrief abgedruckt wurde, obwohl Münchow nicht direkt auf den Opportunismus einging. Wäre zu recherchieren.

    • Inson schreibt:

      Aufhebung des Privateigentums

      Zu jW vom 16. Februar: Leserbrief »Keine ­revolutionäre Situation«

      Keine Revolution, bleibt also nur die Reform. Durch Regierungsbeteiligung. Dieses »Argument« überzeugt nicht. Erstens wird die Notwendigkeit der sozialistischen Revolution nicht aufgehoben durch die Abwesenheit einer revolutionären Situation – auch in hundert Jahren nicht. Zweitens wird, was links ist, vornehmlich an der Eigentumsfrage festgemacht, konkret an der Aufhebung des Privateigentums. Das wuss­te schon das »Kommunistische Manifest«. Wie aber Linke links bleiben wollen, wenn sie in eine bürgerliche Regierung eintreten, die sich als Vorhut des ideellen Gesamtkapitalisten versteht, bleibt das Geheimnis der Befürworter von »Rot-Rot-Grün«. Natürlich, wenn Politik nichts mit Klasseninteressen zu tun hätte, dann wäre manche Spekulation möglich. So diejenige, dass es nur an dem »klügeren Wirtschaftskonzept« mangelt (»Wohlstand für alle«, jedoch nicht für alle im gleichen Verhältnis). Aber die Erde ist auch keine Scheibe, das war sie selbst dann nicht, als man es von ihr annahm. Drittens ist die Reform nicht möglich oder lässt sich immer schwieriger erkämpfen, weil die Verwertungsbedingungen des Kapitals und die gegenwärtigen Klassenmachtverhältnisse, denen der Neoliberalismus entspricht, ihr im Wege stehen und weil das Kräfteverhältnis der Klassen sich immer weiter fast ausschließlich zugunsten des Kapitals verschiebt.

      Dann erscheint die Revolution – so paradox es klingen mag – um so notwendiger und dringlicher, weil sie sogar zur Voraussetzung bestimmter Reformen wird. Blicken die Linken aber von der Revolution, blicken sie von ihrem sozialistische Ziel, auf die Reform, dann bleibt ihnen nichts anderes übrig, als zu erkennen, dass es für sie um die politische Mobilisierung der Massen geht, wozu ihnen auch der Kampf um Reformen dient, was wir sehr schön bei Rosa Luxemburg nachlesen können. Denn wer heute grundlegende soziale Reformen will, darf die Revolution nicht verneinen, muss also Aufklärungsarbeit im Sinne des Marxismus betreiben – leichter ist auch eine Reform nicht zu haben, eben als Nebenprodukt des Klassenkampfes, und auf den kommt es an. Aber genau dieser ist durch »Rot-Rot-Grün« für die Lohnarbeit nicht zu organisieren, es sei denn, man glaubt an die Quadratur des Kreises. Als Zauberkunststück gibt es sie.

      Herbert Münchow, per E-Mail

      • sascha313 schreibt:

        Danke Inson, H.Münchow ist ein steinharter Revisionist! Auch wenn er hier der Revolution das Wort redet, ohne die auch eine Reform nicht sein könne (was natürlich Quatsch ist). Um ihn richtig einzuordnen, muß man folgenden Satz von ihm lesen: „Der Versuch, unter Rückgriff auf Stalin, Bernstein und Kautsky den organisierten Kommunismus zu erneuern, muß in einer tödlichen Sackgasse enden.“ (Herbert Münchow: Die DKP und Parteiproblem. In: Marxistisches Forum, Leipzig, Januar 2012, H.65, S. 44) – also nicht nur ein Revisionist, sondern auch ein Demagoge! Von Geschichtsfälschung wollen wir hier gar nicht erst reden…

        Siehe:
        Die Renegaten und der Kommunismus
        Werner Roß und die Schwierigkeiten, Licht und Schatten zu unterscheiden

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Danke, Inson. Diesen Leserbrief habe ich gemeint.

    • Vorfinder schreibt:

      Liebe Hanna, meinst Du diesen Leserbrief?
      Ob die Einschätzung zur DKP da so ganz treffend ist, bewerte ich jetzt nicht.
      Schöne Grüße!

      Nicht die einzige Friedenspartei

      Zu jW vom 14. März: »›Integrationsfalle‹«
      Es wäre angebracht, Die Linke nicht als die einzige Friedenspartei und Partei der sozialen Gerechtigkeit usw. zu bezeichnen, sondern den Zusatz »von den Parteien im Bundestag« zu verwenden. Außerhalb der Linken gibt es Parteien, die weiter links stehen wie z. B. die DKP – und keiner wird wohl behaupten wollen, dass diese Partei nicht auch und durchaus konsequenter als die Partei Die Linke für Frieden und soziale Gerechtigkeit eintritt. Zur Frage der Regierungsbeteiligung wäre ich beim Nein geblieben – auch unter anderen Konstellationen.
      Herbert Münchow, per E-Mail

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Nein, den Beitrag oben (von Inson) habe ich gemeint. Aber danke fürs Recherchieren.

  2. Vorfinder schreibt:

    Da gerade mancher wieder auch Kommunisten darauf trimmen will, die Bourgeoisie nicht zu erschrecken und die Krankheit des Opportunismus längst nicht überall in den Reihen überwunden ist, sind die Lehren dieses Textes um so aktueller. Danke. Danke auch für den aufrichtigen und parteiischen Weg dieses Blogs.

  3. Rolf schreibt:

    Zumindest war die Vereinigung von SPD+KPD = SED wenigstens ein Versuch, mit der blutigen Vergangenheit der SPD abzurechnen und eine Partei neuen Typus zu schaffen.

    Die SPD hat sich mehrmals in der Geschichte selbst entartet, spätestens seit sie 1914 die Kredite für den Ersten Weltkrieg bewilligte. Vom Geiste Marx und Lenin ist in dieser Partei kein Hauch mehr vorhanden.

    Freundschaft!

  4. Hanna Fleiss schreibt:

    Nein, Sascha, dass Münchow ein steinharter Revisionist ist, wusste ich nicht. Aber bei der DKP sehe ich sowieso nicht so richtig durch. Auf einer Demo hatte ich mal mit einigen zu tun gehabt, es waren nette Leute, schon älter, ziemlich müde. Bei der DKP weiß man immer nicht, an wen man gerade gerät – ob der Revisionist ist oder nicht. Schwierig, da durchzusehen.

  5. … wir können uns auch die nächsten Jahrhunderte **um unser Wissen — unsere wahren Erkenntnisse** im Kreise drehen … Sorry! Wer will das hören, wer lesen???

    ***Erkärung, Theorie oder TUN? Weiter schwätzen und der UdSSR, DDR und anderer sozilistischer Länder nachtrauern, nachjammern und heulen?: “alles versagt“, wie konnte es nur geschehen (… und das nach 26 Jahren “Untergang“ des STAATES DDR (obwohl die BRD bis heute keine Staat IST!!! !!!) KÖNNEN wir nicht endlich mal anfangen, uns zu ORGANISIEREN???

    … ich verstehen eines gar nicht: Es ist so offensichtlich, daß die Geheimdienste des Kapitalismus, die von der Mafia-Kirche BEZAHLT werden, uns derart DESINTEGRIEREN “dürfen“!!!

  6. Harry 56 schreibt:

    Mal eine interne Einsicht über die die letztlichen Resultate des sozialdemokratischen Opportunismus:

    Aufklärerische Grüße!

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