Die KPD und ein paar kritische Anmerkungen

SturmKürzlich hatte das Internetportal Kommunisten-Online dem Vorsitzenden der KPD, Genossen Schöwitz, die Möglichkeit geboten, sich zu den Positionen seiner Partei in Form eines Interviews zu äußern, was dieser nach einigem Überlegen auch tat. Als daraufhin Genosse Ackermann seine kritischen Anmerkungen dazu brachte, ging etwas los, was man auf Neu-Deutsch als „shitstorm“ bezeichnen könnte. Man muß sich allerdings fragen, ob Facebook  dafür das geeignete Podium ist. Doch wie verhält sich die KPD gegenüber Kritik? Wir bringen hier abschließend eine gekürzte Fassung der Stellungnahme des Genossen Ackermann.

Sturm im Wasserglas?

Von Günter Ackermann

Einen ganzen Schwall von Unterstellungen, Mißdeutungen und Beschimpfungen bekamen wir nach unseren kritischen Anmerkungen zum Interview zu lesen. Wir werden es ertragen – müssen. Vorab: Ich hatte Torsten Schöwitz gefragt, ob ich ihm die kritischen Anmerkungen vor der Veröffentlichung zusenden soll, damit er Mißverständnisse ausräumen kann. Genosse Schöwitz lehnte das aber ab. So erschienen die kritischen Anmerkungen so, wie sie erschienen sind, und ich stehe hinter dem, was ich schrieb, habe nichts zurückzunehmen. Das ist nunmal keine „Nörgelei“, und auf „Lieblingspassagen der Klassiker“ haben wir bisher verzichtet.

Einige Kritiken an Kommunisten-online gehen weit unter die Gürtellinie. So der Unternehmer und wohl auch Mitglied der KPD, Stephan Messerschmidt, der Sascha – der meine Position teilt – als Trotzkisten beschimpfte. und völlig aus der Luft gegriffen „Besserwisserei, Hinterlist in den Gedanken, Hegemonie bei den politischen Diskussionen, theoretisch schwach und bewußte Falschorientierung von Kommunisten“ unterstellte. Das ist absolut inakzeptabel und eine Zumutung. Zumal das auch auf Facebook öffentlich gemacht wurde.

Hier nun aber doch ein Zitat von Lenin, der sagte:

„Einen Fehler offen zugeben, seine Ursachen aufdecken, die Umstände, die ihn hervorgerufen haben, analysieren, die Mittel zur Behebung des Fehlers sorgfältig prüfen ˗ das ist das Merkmal einer ernsten Partei, das heißt Erfüllung ihrer Pflichten, das heißt Erziehung und Schulung der Klasse und dann auch der Masse.“ (zitiert nach: Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki). Kurzer Lehrgang, SWA-Verlag Berlin, 1949, S.488f.)

Kommen wir also zum Inhalt der Stellungnahmen. Ich will mich hier auf nur zwei Punkte beschränken: 1. Frage eines Aufrufs zum Bürgerkrieg und 2. Vorschlag der KP Chinas als Antwort auf den Brief des ZK der KPdSU zu einer Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung vom 30. März 1963 bzw. 14. Juni 1963. Beides sind durchaus keine Nebensächlichkeiten, die man mit einer lapidaren Bemerkung abtun kann.

1. Zum Thema Bürgerkrieg:

Aus der Einleitung des Genossen Schöwitz (KPD): „…Dabei konzentrieren wir uns stark auf die Jugend. Im Zentrum dieser Öffentlichkeitsarbeit wird stehen, in Form von Bildungsangeboten sich mit den Werken von Marx, Engels und Lenin zu beschäftigen und sich so die Grundlagen unserer wissenschaftlichen Weltanschauung anzueignen und/oder zu vertiefen. Die KPD lehnt individuelle Gewalt und auch Aufruf zum Bürgerkrieg ab. Das ist nicht im Interesse der Arbeiterklasse. Unsere Hauptaufgabe sehen wir im Moment darin, eine Partei zu formieren, die auf der Grundlage der wissenschaftlichen Weltanschauung überhaupt fähig ist, ihren Auftrag, wie im Manifest der Kommunistischen Partei festgehalten, zu erfüllen.“

Kritische Anmerkung von Kommunisten-online: Marx und Engels schreiben im Manifest der Kommunistischen Partei „Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, daß ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung. Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ Meint die KPD etwa: Wir lehnen individuellen Terror ab, aber nicht den gewaltsamen Umsturz, oder was bedeutet: „Aufruf zum Bürgerkrieg“?

Dazu führen wir hier nochmals aus: Eigentlich ist das doch wohl klar und kann nicht falsch verstanden werden. Eine proletarische Revolution ist eine Form von Bürgerkrieg. Der Klassenfeind tritt nicht freiwillig ab, er muß gestürzt werden. Das kann nur mittels einer revolutionären Erhebung geschehen, und die Bourgeoisie wird alle ihre Mittel einsetzen, um an der Macht zu bleiben. Ein revolutionärer Bürgerkrieg ist unvermeidlich. Kommunisten handeln richtig, wenn sie sich darauf vorbereiten und nicht blauäugig ins Verderben rennen. Das haben die Erfahrungen der KP-Indonesiens und der Tudeh-Partei des Iran gezeigt, Beide Parteien waren stark mit eigenen militärischen Kräften. Die aber gaben sie auf. Die Folge davon waren ca. 1 Million Toter in Indonesien und die blutige Verfolgung von Tudeh-Mitgliedern im Iran unter Khomeni. Natürlich reden wir keinen Aufrufen zur Revolution/Bürgerkrieg derzeit das Wort. Wir haben keine revolutionäre Situation und es wäre zum jetzigen Zeitpunkt gefährliches Abenteurertum, zum Aufstand aufzurufen. Dass wir das nicht anstreben, ist aus unserem Text auch klar zu erkennen.


2. Zum Vorschlag der KP Chinas:

Frage (von Kommunisten-online): Kennt Ihr den Briefwechsel zwischen der KP Chinas über die Generallinie und was haltet Ihr von der Position der damaligen KPCh? (Polemik über die Generallinien siehe und mehr)? – Ich traf 1970 in der VR-Albanien die Führung der KP-Indonesiens. Die KPI war vor dem Putsch Suhartos die zahlenmäßig stärkste KP außerhalb der sozialistischen Länder. In der Saison der Hackmesser 1965 wurden bis zu einer Million Kommunisten und Sympathisanten ermordet. – Kennt Ihr die Selbstkritik der Kommunistischen Partei Indonesiens hierzu? Was meint Ihr dazu?

Antwort der KPD: „Diese Fragen detailliert zu beantworten, ist in dieser Form nicht möglich. Weil ich aber ahne was ihr meint, will ich ein paar Kernaussagen machen. Der Imperialismus ist nicht friedensfähig. Ein friedliches Hinüberwachsen vom Kapitalismus/Imperialismus zum Sozialismus mit Hilfe des bürgerlichen Parlamentarismus wird es nicht geben. Die friedliche Koexistenz ist nur eine Form, durch militärisches Gleichgewicht das Umschlagen eines kalten Krieges in einen heißen zu verhindern.“

Kritische Anmerkung von Kommunisten-online: Die Dokumente sind öffentlich im Internet zugänglich und auch auf K-online. Also! Den Vorschlag über die Generallinie der KP’s von der Kommunistischen Partei Chinas findest Du hier
http://kommunisten-online.de/Archive/Kommunisten/generallinie.htm

Zur Selbstkritik des Politbüros der KP-Indonesiens:
http://kommunisten-online.de/der-moderne-revisionismus-begann-in-unsere-partei-einzudringen-als-das-zentralkomitees-unkritisch-einen-bericht-billigte-der-die-richtlinien-des-20-parteitages-der-kpdsu-bestatigte-und-die-linie-de/

So schrieben die chinesischen Genossen zur Chruschtschowschen friedlichen Koexistenz:

„ Wenn die Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung einseitig nur auf „friedliche Koexistenz“, „friedlichen Wettbewerb“ oder „friedlichen Übergang“ zurückgeführt wird, dann ist das ein Verstoß gegen die revolutionären Prinzipien in der Deklaration von 1957 und in der Erklärung von 1960, dann wird die historische Mission der proletarischen Weltrevolution aufgegeben, dann bedeutet das die Abkehr von den revolutionären Lehren des Marxismus-Leninismus.“

Dazu führen wir hier nochmals aus: In den Kommentaren zu den kritischen Anmerkungen kommt der Vorwurf, dass die VR China schneller in den Kapitalismus zurückgefallen war als die UdSSR/Rußland. Das stimmt, ich meine hier aber die Auseinsandersetzung mit dem modernen Revisionismus in dem Briefwechsel zur Generallinie. Man sollte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Sicher gab es damals auch Revisionisten in China. So ist die bekannte Schrift Maos, „Über die richtige Behandlung der Widersprüche in Volke“ im Kern m.E. revisionistisch. Hier wird behauptet, daß der Widerspruch zwischen der nationalen Bourgeoise und der Arbeiterklasse nicht-antagonistisch sei. Oder, hier bringt Mao die chinesische Entsprechung des sog. Tauwetters Chruschtschows in dem er schreibt: „Laßt hundert Blumen blühen, laßt hundert Schulen miteinander wetteifern“ und setzte damit konterrevolutionäre Ideen auf eine Stufe mit revolutionären kommunistischen Positionen. Aber ich meine inhaltlich den Briefwechsel über die Generallinie – was da revisionistisch ist, ist mir ein Rätsel. Wenn Ernst Thälmann den Wert eines Kommunisten an seinem Verhältnis zur UdSSR maß, so meinte er damit die UdSSR unter Stalin. Keinesfalls ist damit gemeint, die UdSSR unter Chruschtschow oder gar unter dessen Nachfolger Gorbatschow.


Zum Schluß noch einige Anmerkungen zum Thema Betrieb und Gewerkschaft:

Ich halte das für eines der wichtigsten Betätigungsfelder eines Kommunisten. Man warf mir vor, ich mache doch selbst keine B&G-Arbeit. Naja, als Rentner mit 78 Jahren ist das wohl kaum möglich. Aber ich war in einer Kommunistischen Gruppe, der KPD/ML im ZK zuständig für B&G und wir gaben einige Betriebszeitungen heraus: So bei Opel, Mannesmann, Thyssen., Krupp, Ford, KHD usw. und auch bei einigen Zechen im Ruhrgebiet, so in Dortmund auf der Zeche „Minister Stein“ in Botropp bei Prosper oder bei Hoesch. Überall dort, wo wir Genossen in den Betrieben hatten, gab es auch Betriebszeitungen. Schließlich stellten wir auch Betriebsräte. Auch war ich viele Jahre lang Vertrauensmann der Gewerkschaft und habe auch führend an einem Streik mitgearbeitet. Ich denke, das ist doch was? Es gab mehrere Versuche mich zu maßregeln, sie scheiterten am Widerstand meiner Kollegen, die mich schützten.

G.A.

Quelle: Kommunisten-Online


Siehe auch:
Kritik und Selbstkritik – eine mächtige Waffe des Proletariats
Was die KPD noch nicht verstanden hat

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