Ljubow Pribytkowa: Die Wahrheit kann man nicht erschlagen!

Pawel Morosow PionierHeute ist Pawel Morosow vor allem durch die sowjetfeindlichen Mythen als ein „Schuft“ und „Verräter“ bekannt geworden. Doch die erste Welle der Verleumdung ist bereits in sich zusammengebrochen. Morosow ist einer von denen, die in Zukunft alle anderen Helden jener Zeit überragen werden. Man mußte ihn verleumden, um der Jugend alle ehemaligen sowjetischen Helden aus dem Gedächtnis zu löschen. Man mußte der Jugend vorführen, daß es nichts und niemanden auf der Welt gibt, für den es sich zu kämpfen lohnt, daß unsere sowjetische Geschichte eine ununterbrochene Hölle ist, und alle Heldentaten einfach nur Propagandagetümmel der blutigen Staatssicherheit…

Der Zerstörung der UdSSR ging eine massive antisowjetische Bearbeitung des Bewußtseins der sowjetischen Bevölkerung voran. Mitte der achtziger Jahre, als die sowjetische Partei- und Staatsführung sich endgültig verbürgerlichte und die Klassenorientierung bei der Führung der Gesellschaft beiseite warf, bemächtigte sich die Dissidenten-Intelligenz der Massenmedien. Eine mächtige Schmutzflut ergoß sich über die Seiten der Presse und überschwemmte alles, was in der sowjetischen Geschichte bisher als wertvoll und schön gegolten hatte. Alles wurde in den Dreck getreten: unsere moralischen Werte wurden verlacht, die heldenhaften Taten des sowjetischen Volkes wurden bespuckt. Dafür aber wurden den Menschen westliche Marktvorstellungen, die Umbewertung historischer Ereignisse und ganz offensichtliche Lügen und Verleumdungen ins Bewußtsein eingepflanzt.

Wie die Geschichte gefälscht wird

Eine besondere Rolle bei der Manipulation des Bewußtseins der Menschen spielte und spielt immer noch die Geschichte der Sowjetunion, die nun im Interesse der Klasse der Besitzenden, die in Rußland an die Macht gekommen waren, von der speichelleckerischen Intelligenz umgeschrieben wird. In Anbetracht der Unwissenheit oder des Halbwissens der Menschen werden die historischen Tatsachen bewußt verzerrt, mit betrügerischer Raffinesse wird das Wahre gegen Falsches ausgetauscht, geschickt werden die politisch Halbgebildeten mit erfundenen Histörchen gefüttert.

Ein solcher Mythos ist die Story über den kleinen Pawel Morosow [1], einen sowjetischen Jungpionier [2]. 1988 war in der Zeitschrift „Die Jugend“ eine Story von W.Amlinski, einem offenbar kulakischen Abkömmling, erschienen, der über den jungen sowjetischen Helden das Verdikt aussprach: „Pawel Morosow ist nicht ein Symbol der Standhaftigkeit und des Klassenbewußtseins, sondern das Symbol des legalisierten Verrats.”

Sofort hat die sogenannte „demokratische“ Presse diese Idee aufgegriffen und der bürgerliche Schreiberling S.Solowejtschik fing an, die sowjetische Propaganda einer „diabolischen Schlauheit“ zu bezichtigen: „Niemand kann dem im Wald ermordeten Jungen nachfühlen, doch unbemerkt wird unter der Anästhesie des Mitleids gegenüber dem Ermordeten in die Herzen der Kinder, die das Buch lesen, ein dämonisches Serum gegen das Gewissen eingeträufelt.“

Falschmünzerei und dummes Gerede

Und irgendwie teilte dann im Moskauer Rundfunk ein Herr den Zuhörern seine Erinnerungen mit, als er eine gewisse Zeit in den USA gearbeitet hatte. Er erzählte eine Begebenheit, die seiner Tochter in einem amerikanischen College widerfahren war, als sie im Unterricht mit einer Aufgabe schnell zurechtkam und dann einem dunkelhäutigen Nachbarn bei der Lösung half. Danach schaltete sie ihren Walkman an und hörte heimlich ihre Lieblingsmusik von Wiktor Zoj [3]. Doch wie groß war ihr Erstaunen, als dieser dunkelhäutige Junge sie deshalb bei ihrer Lehrerin „verpetzte“. Und der Herr schloß seine Erinnerungen mit den Worten: „Die Amerikaner haben – ähnlich wie Pawel Morosow – die Zuträgerei in ihrem Charakter.“

Über die Falschmünzerei dieser Schnellschreiber muß man sich nicht wundern. In einem Brief an Maxim Gorki vom 15. September 1919 bestätigt Lenin, daß sich die Intelligenz, die zum Handlanger der Bourgeoisie, zum Lakaien des Kapitals wurde, vom Gehirn der Nation in dessen Scheiße verwandelt. [4]

Ein unersättliches, gemästetes Gesindel…

Auch jetzt fliegen die Journalisten, die Juristen, die Schriftsteller, die Dozenten und Professoren, wie unser vortrefflicher sowjetischer Dichter Boris Gunko [5] sagte, „ein unersättliches, gemästetes Gesindel“, auf alles, was ihnen hilft, im Gespräch zu bleiben, die Machthaber zufriedenzustellen und sich möglichst teuer zu verkaufen. Und deshalb drehen und wenden sie sich mit Geschick, sind schlau und lügen, verleumden und schleimen, und sie pfeifen auf ihre eigenen vorherigen Überzeugungen. Sie richten sich jetzt – wie’s gewünscht wird – nach etwas anderem. Doch mit der Wahrheit nehmen sie es nicht so genau.

Bücherverbrennung wie bei den Nazis

Für die junge heranwachsende Generation ist es heute schwierig, die Wahrheit über unsere vorige Geschichte herauszufinden. Aus vielen Bibliotheken wurde die sowjetische Literatur hinausgeworfen und zerstört. Ich war selbst Zeuge, wie Anfang der neunziger Jahre im Hof des Irkutsker Regionalkrankenhauses in einem riesigen Feuer Tausende (!) Bände schöner Bücher verbrannt wurden. Wir standen da und sahen dem Feuer zu, unter Tränen und mit Schmerz in der Seele. Nichts konnten wir machen.

Und beim Irkutsker Pädagogischen Institut, wo ich arbeitete, waren in dieser Zeit die Mülltonnen voll mit der Literatur, die aus den Schränken des Fachbereichs für Philosophie und anderen gesellschaftswissenschaftlichen Fachbereichen hinausgeworfen wurden. Die russischen „Demokraten“ zementierten ihre Macht, so wie 1933 die Faschisten in Deutschland, da wurden Bücher verbrannt, Denkmäler gestürzt und es wurde gelogen, gelogen und nochmals gelogen.

Doch die Wahrheit kann man weder durch Lügen noch durch Feuer töten. Das bezeugt die Geschichte. Nur müssen diejenigen, die zur Wahrheit gelangen wollen, die z.B. die Wahrheit über Pawel Morosow erfahren wollen, große Mühe aufwenden. Vor allem müssen sie jene schwere Zeit studieren, als das neue Leben in unserem Land, in der Sowjetunion allmählich aufzublühen begann. Als einfache Arbeiter und Bauern sich aus den unerträglichen Bedingungen ihres Daseins zum Kampf erhoben, als aus den einst Schwachen starke und mutige Menschen wurden, und als die Starken auf Tod oder Leben gegen das Übel kämpften und im Tode noch unsterblich wurden.

Die unsterbliche Heldentat des Pawel Morosow

Pawel MorosowEbenso unsterblich ist auch die Heldentat des 13jährigen Pawel Morosow. Dieser Name ruft auch jetzt, nach über achtzig Jahren, bei den Feinden der Sowjetmacht Wut und Schrecken hervor. Doch bei uns erzeugt sie das Bestreben, es diesem Uraljungen gleichzutun, ihn nicht aus unserem Gedächtnis zu verlieren und seinen hehren Namen vor Verunglimpfungen zu bewahren. Und es ist schön zu sehen, wenn heute junge Kommunisten-Revolutionäre die Sache dieses Jungen, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebte, fortsetzen…

Um den Heldenmut dieses Dorfjungen Pawel Morosow zu verstehen, muß man sich einmal in das Leben in einem solchen gottverlassenen Nest wie Gerassimowka im Tobolsker Gouvernement zurückversetzen. Hier hatten sich, fünf Werst [6] vom See Satokowo entfernt, in der wilden Taiga, Auswanderer aus dem Witebsker und Minsker Gouvernement von Belorußland angesiedelt. Im damaligen zaristischen Rußland war zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem in Belorußland, wo grausame Gutsherren wüteten, die Lage der Bauern am unerträglichsten. Die Mehrzahl der einfachen Bauern besaß weder Land noch Pferde. Die Gutsbesitzer waren bestrebt, das Land mitsamt ihren Leibeigenen an wohlhabende Pächter (der ländlichen Bourgeoisie) zu vermieten. Die Pächter wiederum wollten nicht die Erwachsenen, sondern nur die Kinder mieten, um wesentlich weniger bezahlen zu müssen. Und so war der Hunger ein ständiger Begleiter des belorussischen Volkes. Der einzige Ausweg bestand darin, auf freien Boden unweit des Ural umzusiedeln.

Umsiedelung in die Taiga

So siedelten sowohl wohlhabendere, als auch arme Bauern dorthin um. Nicht allen glückte diese weite Reise.Viele der Auswanderer starben bereits unterwegs an Hunger und Krankheit. Tausende namenloser Gräber säumten den Weg nach Osten. Die Reicheren hatten sich in der neuen Gegend schnell wieder eingerichtet. Die Ärmeren kamen mitsamt der ganzen Familie, so konnten sie leichter den Wald roden, sich ansiedeln und das Land urbar machen.

In Gerassimowka verfügte die Sippe Sergej Morosows über einen bemerkenswerten Einfluß. Sergej war kein Bauer wie die anderen. Er wuchs auf in der Familie eines Aufsehers im Witebsker Gefängnis, der später Schutzmann wurde. Auch arbeitete er als Gefängnisbote. Nach dem Tod seines Vaters hatte einiges Geld beisammen für die Übersiedlung. Seine Frau Aksinja hatte man dort ins Gefängnis gesteckt, sie mußte eine Zeit absitzen für den Diebstahl eines Pferdes. Seine beiden Töchter brachte Sergej Morosow zu zwei Reichen – Arsenija Kulukanowa und Arsenija Silina. Sie wohnten in schönen Häusern gleich nebenan. Auch die Söhne Iwan und Trofim hatten dort ihre Häuser gebaut.

Erneute Spaltung der Gesellschaft

Schon bald nach der Ankunft spaltete sich die Bevölkerung in Kulaken [7] und in die ärmeren Schichten, denen nur die Zwangsarbeit Hoffnung auf ein Überleben gab. Bereits nach der ersten Saat verfielen die Armen in ewige Knechtschaft. Das Saatgut mußte bei den Kulaken gekauft werden, weil es das sonst nirgends gab. Für jede fünf Pud Korn mußte man fünf Tage auf dem Feld des Kulaken arbeiten. Ihr gepachtetes Stück Land konnten die Armen erst dann bestellen, nachdem auf dem Feld des „Wohltäters“ ausgesät war. Das Korn einer großen Familie reichte kaum bis zum neuen Jahr, und dann war man gezwungen, wieder zu borgen. Die Lehrerin L.P. Issakowa berichtet:

Ich kam 1929 nach Gerassimowka. Ich ging von Haus zu Haus, um die Kinder in die Schule aufzunehmen. Die Armut war erschreckend. Die Kinder hatten nicht einmal etwas anzuziehen, womit man in die Schule gehen konnte. Die Kinder saßen halbnackt auf Hängepritschen, notdürftig mit Lumpen bedeckt. Später kamen sie in den Unterricht mit Bastschuhen, zogen sie aus und hängten sie an einen Nagel, damit sie nicht zertreten werden…

Pawel war der Sohn von Trofim Morosow und Tatjana. Der Vater hatte eine kirchliche Gemeindeschule besucht, mit bäuerlicher Arbeit hatte er sich nie befaßt. Er arbeitete als Beschaffer für Suppengrün, Beeren und Pilze. Er trank gern und ging gern spazieren. Als sein ältester Sohn Pawel acht Jahre alt geworden war, verließ Trofim die Familie und zog mit seiner Geliebten zu seinem Schwager, der bis zu zehn Knechte hatte.

Der falsche Vorsitzende…

Als in Gerassimowka die Sowjetmacht errichtet wurde, hatte man Trofim Morosow zum Vorsitzenden des Dorfsowjets gewählt, weil er im Dorf fast der einzige war, der lesen, schreiben und rechnen konnte. Nach den Worten seiner Nachbarn war er finster, wortkarg und ein Doppelzüngler. Nach der Wahl war er wichtig geworden, und er kam sehr bald auf den Geschmack der Macht. Seinen Worten nach war er für das Volk, doch in der Sache hielt er es so: „den Wohlhabenden gegenüber übte er Nachsicht, den Armen, den Witwen und Waisen half er in keiner Weise“. Trofim Morosow nutzte also die Lage zu seinem eigenen Vorteil.

Nachdem sie die Akten der Strafsache № 347 von 1932 über den grausamen Mord an den Brüdern Pawel und Fjodor Morosow genauestens studiert hatte, berichtete darüber die Journalistin Weronika Kononenko in der Zeitschrift „Mensch und Gesetz“. Trofim Morosow begann, mit den Akten des Dorfsowjets zu spekulieren. Für einen Sack Korn, ein Stück Fett gab er Auskünfte, dank derer zwangsumgesiedelte Kulaken freikamen und in die Heimat zurückkehren konnten. Auch riß er sich das beschlagnahmte Eigentum der Kulaken unter den Nagel.

Trofim Morosow versorgte die Kulaken-Banden, die das ganze Dorf in Angst und Schrecken hielten, mit Blanko-Formularen des Dorfsowjets. Wegen ihrer Grausamkeiten fürchteten sich die Bauern, in den Kolchos einzutreten. Darüber gibt es in der Strafsache 342 zahlreiche Zeugenaussagen.

Familie im Elend

Mutter Morosowa.

Pawels Mutter mit einem ihrer Enkel. Sie starb 1983.

Die verlassene Frau Trofims und seine fünf Söhne lebten im Elend. Bald starb Grischa, der Jüngste, vor Hunger. Pawel und seine Brüder mußten als Tagelöhner arbeiten. Die Familie lebte von der Hand in den Mund. Pawels Bruder Alexej Trofimowitsch Morosow schrieb später: „Der Großeltern haben uns niemals etwas zu essen gegeben oder uns hereingebeten … der Großvater nannte Pawel nur ‚Habenichts‘ und ‚Hungerhaken’”.

Pawel war die einzige Stütze für die ganze Familie. Deshalb wuchs schon in den Kinderjahren in seiner Seele das Gefühl für die Ungerechtigkeit des Lebens, und es entstand der Wunsch, nicht nur den jüngeren Brüdern und der Mutter bei ihrer schweren Arbeit, sondern auch all denen zu helfen, die seiner Hilfe bedurften.

Ein bemerkenswerter Brief der Lehrerin von Pawel

Als während der „Perestrojka“ damit begonnen wurde, die Denkmäler für Pawel Morosow zu zerstören, den Maxim Gorki als den ersten der „mutigen jungen Leute“ bezeichnete, „die große Heldentaten zu Ehren des geliebten Vaterlandes vollbrachten“, erhielt die Redaktion der Zeitschrift „Mensch und Gesetz“ einen Brief:

Es schreibt Ihnen die Lehrerin von Pawel Morosow, Larissa Pawlowna Issakowa. Wundern Sie sich nicht, ich bin noch am Leben Wenn mein Schüler ein „Verräter“ genannt wird, dann werfen diese Leute auch Steine nach mir. Man hält ihn für einen „Stalinisten“ – und man verhält sich zu ihm und zu Menschen meiner Generation, wie zu Leuten, die „im Laufe vieler Fünfjahrpläne einer ideologischen Bearbeitung ausgesetzt‘ gewesen seien. Der bekannter Schriftsteller … sagte sogar, daß man bei solchen Leuten wie mir, „ganze Stücke des Gehirns herausreißen“ müsse, ohne sich darüber im klaren zu sein, daß seine Worte der reinste Faschismus sind. Mögen sie doch machen, was sie wollen, mögen sie Pawel verleumden, doch ich habe im Leben schon soviel durchgemacht, daß ich mich vor nichts fürchte. Ich werde es nicht zulassen, daß über die Toten oder über die Lebenden gespottet wird.“

Es ist ein Verbrechen, Pawel Morosow zu verspotten. Sein ganzes Leben ist eine Heldentat. Und das ist nicht einfach nur ein starkes und schönes Wort. Er las die Zeitungen, die von den Bolschewiki ins Dorf gebracht wurden, er wußte von der Revolution, die der Beginn grandioser Veränderungen war. Er berichtete den Siedlern über das Gelesene. Und sie hörten ihm gerne zu, waren ihm zugeneigt. Mit seinen Überlegungen brachte er den Armen Hoffnungen, gab ihnen den Glauben an die Möglichkeit eines besseren Lebens und weckte in ihnen das Selbstvertrauen. Mit seinen Worten, seiner Tapferkeit und seinem Wagemut brachte er sie hinter sich.

Wie kam es zu dem Mord an Pawel Morosow?

Als Trofim Morosow nach seiner Verhaftung bei Gericht vernommen wurde, bestätigten sich die Aussagen Pawels, daß sein Vater sich nicht um die Armen gekümmert hat, daß er sich das beschlagnahmte Eigentum der Kulaken angeeignet hatte. Über die Auskünfte, die er den Kulaken gab, hatte er nichts gesagt. Aber für die Untersuchungsbehörden war auch das nicht schwer zu beweisen, dazu brauchten sie nicht die Aussagen eines Jugendlichen.

Nach dem Mord an den Jungen gibt es in der Strafsache auch Aussagen von Pawels Großvaters, daß sein Enkel „Silin und Kulukanow auf Schritt und Tritt gefolgt ist, um ihnen nachzuweisen, daß sie Brot beiseite schaffen“. Auch dem gerissenen und geizigen Großvater hatte Pawel keine Ruhe gelassen. Und der Großvater zwang auch seinen anderen Enkel Danil, Pawel zu verprügeln, verprügelte ihn selbst und drohte, ihn solange zu schlagen, „bis er aus den Pionieren wieder austritt“ (aus den Aussagen der Mutter Pawels, Tatjana Semjonowna, vor Gericht über die Mörder ihrer Söhne).

Einmal hat Danil Pawel mit der Deichsel auf die Hand geschlagen, die Hand schwoll an. Auf die Schreie von Pawels Mutter antwortete Danil: „Wir werden die Kommunisten so lange schlagen, bis wir ihnen im Jahr 21 das Fell über die Ohren ziehen werden.“ Und er schlug auch die Mutter, die sich zwischen ihn und den Sohn gestellt hatte. Und in aller Ruhe sagte die Großmutter Aksinja zu Danil: „Erstich doch diesen rotzigen Kommunisten.” (vor Gericht haben einige Zeugen bestätigt, daß sie von der Alten diese furchtbaren Worte gehört hatten). Und am 12. September 1932 haben Großvater Sergej und Danil Pawel und seinen neunjährigen Bruder Fedja, die im Wald die Moosbeeren sammelten, grausam ermordet.

Ein Vorbild für viele Generationen

Beim Nachdenken über das Schicksal von Pawel Morosow ist man weniger erstaunt über das Alter dieses Jungen, als vielmehr über die Klugheit, das entwickelte Klassengefühl, die Festigkeit seiner Überzeugungen und die beeindruckende Tapferkeit, seine Standhaftigkeit und Hartnäckigkeit. Bereits im Alter von dreizehn Jahren hat er es geschafft, um sich nicht nur Freunde scharen, sondern auch die verheirateten und erwachsenen, armen Bauern. Pawel trat in Versammlungen auf, erzählte über die von der Sowjetmacht im Lande vollbrachten Heldentaten und setzte sich für die Armen ein. Er trat als erster im Dorf für die Staatsanleihen ein und agitierte andere, es auch zu tun. Er überzeugte die Männer, die vorübergehenden gemeinschaftlichen Vereinigungen in ständige umzuwandeln, was dann tatsächlich zur Bildung von Kolchosen führte.

Pawel wurde zu einem echten Führer der Armen. Das Leben machte ihn zu einem wahrhaftigen Kämpfer. Den Kulaken aber steckte er wie ein Knochen in der Kehle. Er hinderte sie daran, sich zu bereichern, andere auszurauben und ungestört das Land auszubeuten. Je mehr Pawel von den Armen geachtet wurde, umso größer wurde der Haß der Kulaken auf ihn. Sie erschlugen ihn, um ihn aus dem Weg zu räumen und alle anderen einzuschüchtern. Sie wollten den Sonnenaufgang aufhalten und die Ankunft einer neuen Zeit verhindern.

Was die Feinde des Volkes in den 1930er Jahren machten, das macht heute die Bourgeoisie in unserem Land, unter dem falschen Label „Volkswohltäter“ und „Demokraten“. Sie bringen damit nicht nur die Lebenden um, sondern sie töten die gefallenen Helden erneut. Doch alle kann man nicht erschlagen! Der Lauf der Geschichte ist nicht aufzuhalten!

Anmerkungen:
[1] Die Geschichte des jungen Pawel Morosow wurde bekannt, als dieser, um die Sowjetmacht zu unterstützen, einen habgierigen Gutsbesitzer wegen dessen Betruges anzeigte und dafür von Unbekannten im Wald erschlagen wurde.
[2] „Junge Pioniere“ – eine auf dem Prinzip der Freiwilligkeit beruhende, nach W.I. Lenin benannte, kommunistische Massenorganisation der Kinder der Sowjetunion. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, Schule und Lehrer zu unterstützen und die heranwachsende Generation zu stärkster Hingabe an die sozialistische Heimat und und an die Idee des Kommunismus zu erziehen.
[3] Wiktor Zoj (1962-1990) – bekannter sowjetischer Rockmusiker
[4] Wörtlich schrieb Lenin: „Die intellektuellen Kräfte der Arbeiter und der Bauern wachsen und erstarken im Kampf für den Sturz der Bourgeoisie, und ihre Helfer, die Intellektuellen, die Diener des Kapitals, halten sich für das Gehirn der Nation. In Wirklichkeit sind sie nicht das Gehirn, sondern Scheiße.“ (Brief an Gorki v. 15. Sept.1919, LW Bd. 51, S. 47-49 (russ.)
[5] Boris Michailowitsch Gunko (1933-2006) – bekannter sowjetischer, kommunistischer Dichter
[6] Werst (alte russische Maßeinheit), 1 Werst = 1066,8 m
[7] Kulaken: reiche Großbauern in Rußland. Es gab noch bis Anfang des 20.Jahrhunderts Überreste der Leibeigenschaft in Rußland.

Quelle: http://www.rkrp-rpk.ru/content/view/10627/

(Danke an Kommunisten-Online)

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4 Antworten zu Ljubow Pribytkowa: Die Wahrheit kann man nicht erschlagen!

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Vor einiger Zeit bin ich in der Berliner Innenstadt herumgeschlendert und habe mir mal angesehen, wie sich die Straße Unter den Linden bis zur Unkenntlichkeit verändert hat, bin dann in die Nebenstraßen gelaufen, wo sich Geldpalast an Geldpalast reiht. Berlin ist eine Stadt ohne wirkliches Gesicht geworden, es geht nur noch ums große Business. Sogar die Komische Oper fleht an der Giebelwand des Gebäudes mit einer riesigen Werbung um Geld. Ich ging durch die Straßen und war den Tränen nahe, weil ich oft dort war in meiner Jugend und diese Ecken noch sehr genau im Gedächtnis habe. Und dann sah ich die vielen jungen Leute, die von diesem Berlin begeistert waren. Sie vergiften ganze Generationen, dachte ich. Ich habe mich nie so fremd in meiner Stadt gefühlt wie an diesem Tag. Man muss das gesehen haben, die Firmenaufschriften gelesen haben, um zu begreifen, was uns verlorenging.

    Pawel Morosows Geschichte kannte ich noch nicht. Sie haben den Jungen ermordet aus Hass auf alles, was sie nicht begreifen wollten und vielleicht auch nicht begreifen konnten. Und dass er in der Perestroika-Zeit so sehr verleumdet wurde, dass man ihn als Verräter beschimpfte, zeigt doch, dass diese Leute, die das taten, vom selben Stamm sind, die wirklichen Verräter. Und da begreife ich wirklich nicht, dass die älteren Leute dagegen nichts unternahmen, trotz aller Manipulierung der Köpfe. Da muss doch noch irgend etwas vorhanden gewesen sein! Aber was sag ich, der Hass beflügelt sie alle, und manchmal denke ich, sie warten nur darauf, dass wir von selbst aussterben, um nicht das Mäntelchen der „Zivilisation“ fallenlassen zu müssen. Jede „Doku“ im Fernsehen ist ein Mordwerkzeug. Sie brauchen den Triumph total, ihre Perestroika kennt kein Ende.

    Danke, Sascha, für Pawels Mut. Manchmal braucht man ihn.

    • Harry 56 schreibt:

      Hallo Hanna, das ist so traurig, aber, du bringst es wirklich auf den Punkt!!! Ich sehe das gleiche auch in meiner Stadt,, so viel Ignoranz, bewusstes Wegsehen…

  2. Vorfinder schreibt:

    Danke auch für die Übersetzung wieder. Es ist gut und nötig, dass den deutschen Lesern solche Texte zugänglich gemacht werden. Von solchen Heldenmut zu lesen wie dem des 13jährigen Pawel Morosow ist gerade auch für Kinder und Jugendliche ein lichtes Beispiel und Eltern haben einen Vorlesestoff der die allseitige Verblödung in herrschenden Verhältnissen mal durchbricht.

    Wie Hanna Fleiss oben schon schreibt, umzingelt die Verblödung und Verödung ja bei jedem Gang heute durch die Städte. In Berlin werden zig Millionen zusammen gebracht, aus Spenden, ja doch, um ein Stadtschloss wieder zu bauen. Schulgebäude verlottern derweil. Kümmert nicht sehr. Die Elite eröffnet sich ja eine Privatschule nach der anderen. Jene die der Verfall von Bildung und Bildungseinrichtungen kümmert, kommen mit ihren Stimmen ja kaum durch.

    Der verstorbene, wunderbare Dirigent Nikolaus Harnoncourt sagte sehr treffend: „Heutige Bildungspolitiker kennen nur ein Ziel: den funktionierenden Menschen. Es geht darum, Kinder zu besseren Ameisen heranzuziehen. In der ganzen Welt geht es nur noch um Produktionsprozesse, die Finanzwirtschaft hat die Herrschaft erobert, und die PISA-Studie ist ihr Instrument. Ich halte das für verbrecherisch. Dass die Kultur in diesem System keinen Platz mehr hat, überrascht mich nicht.“

    Von Helden wie den Jugendlichen Pawel Morosow wußte selbst Harnoncourt wohl nur wenig. Aber beschrieben ist doch, dass es dem Kapitalismus gänzlich um die Zurechtformung für die Konsumverwertbarkeit geht, ob nun bei Kindern, Jugendlichen, Kultur …

    Breitenkultur muss unter herrschenden Verhältnissen ehe ums überleben betteln, Eventkultur soll das Maß sein. Daran werden auch schon die Kinder geimpft. So soll der Blick und Geist erst gar nicht zu tatsächlichen Heldentaten der Geschichte durchdringen. Zu sozialistischen und kommunistischen Setzungen für Generationen schon gar nicht.

    Bei solcher Verfremdung stört jeder Flecken von DDR Gut, also wird abgerissen oder unterminiert was auf sozialistische Geschichte, auf Antifaschismus verweisen könnte.

    So oft sie aber auch Helden wie Pawel Morosow töten und wieder töten, diese Helden werden doch bleiben, weil sie wahrhaftig sind und für die lichte Zukunft der Menschheit ihre Kraft einbrachten. Ich erlebe bei Kindern selbst, dass solches Eintreten wie von Morosow beeindruckt und Nachfragen hervorruft.

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