„Kann mir mal irgend jemand den Kapitalismus erklären?“

KapitalDiese Frage wird oft gestellt. Versuchen wir also einmal, darauf eine einfache Antwort zu geben. Leider hat Marx es zu seinen Lebzeiten nicht mehr geschafft, seine gewaltigen und revolutionären Erkenntnisse in Form eines einfachen Lehrbuches dem Arbeiter, der ja oft in ökonomischen Fragen die wenigsten Vorkenntnisse mitbringt, verständlich zu machen. Doch dafür gelang es Friedrich Engels, Marxens handschriftliche Notizen nachträglich in Buchform herauszugeben. Dieses Werk heißt: „Das Kapital – Band 3“, Marx/Engels Werke, Band 25. Nehmen wir also einfach mal einen Abschnitt aus diesem berühmten Buch und versuchen, ihn plausibel zu erklären…

Zunächst wissen wir, daß es im Kapitalismus Ausbeutung gibt. darauf kommen wir weiter unten noch zurück. Und dann wissen wir, daß der Kapitalismus eine ständig wachsende Arbeitsproduktivität hervorbringt. Besser sein als die Konkurrenz – das ist das Motto! Doch zugleich läßt sich feststellen, daß immer mehr Kapital benötigt wird, um wenigstens die nicht in gleichem Maße steigenden Profite auszugleichen. Das heißt: die Profitrate fällt. Darüber schreibt Karl Marx:

Mit dem Fall der Profitrate wächst das Kapitalminimum, das in der Hand des einzelnen Kapitalisten zur produktiven Anwendung der Arbeit erheischt ist; erheischt sowohl zu ihrer Exploitation überhaupt, als dazu, daß die angewandte Arbeitszeit die zur Produktion der Waren notwendige Arbeitszeit sei, daß sie den Durchschnitt der zur Produktion der Waren gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit nicht überschreite. (S.261)
Begriffserklärung:
„erheischt“ bedeutet „erforderlich ist“ oder  „benötigt wird“
„Exploitation“ bedeutet hier: „Ausbeutung der Arbeit“

Aufgrund der steigenden Arbeitsproduktivität wird also immer mehr Kapital benötigt, um am Ende im Verhältnis dazu denselben Profit zu erzielen, wie es bisher mit einer geringeren Kapitalmasse möglich war. Die Profitrate ist also ständig im Fallen begriffen. Doch warum fällt die Profitrate, obwohl am Ende die Masse des jährlichen Profite eines Unternehmens mit der Größe des ausgelegten Kapitals auch weiterhin zunimmt? Marx erklärt das so: „Zwei Arbeiter, die 12 Stunden täglich arbeiten, können nicht dieselbe Masse Mehrwert liefern wie 24, die jeder nur 2 Stunden arbeiten, selbst wenn sie von der Luft leben könnten und daher gar nicht für sich selbst zu arbeiten hätten.“ (S.257) Das ist das Dilemma!

Und gleichzeitig wächst die Konzentration (des Kapitals, N.G.), weil jenseits gewisser Grenzen großes Kapital mit kleiner Profitrate rascher akkumuliert als kleines mit großer. Diese wachsende Konzentration führt ihrerseits wieder auf einer gewissen Höhe einen neuen Fall der Profitrate herbei. Die Masse der kleinen zersplitterten Kapitale wird dadurch auf die Bahn der Abenteuer gedrängt: Spekulation, Kreditschwindel, Aktienschwindel, Krisen. (S.261)

Klar, den kleinen Kapitalisten beißen am Ende die Hunde! Was bleibt ihm weiter übrig, als zu betrügerischen Methoden zu greifen und sich letztlich auf den Staat zu verlassen, der ihm günstige Aufträge verschafft und ihm die vielen Minijobber anteilig bezahlt. Was wäre der Fall, wenn der Staat das nicht täte? Das Heer der Erwerblosen würde sich um die Zahl der abgestorbenen Kleinunternehmer vergrößern….

Die sog. Plethora des Kapitals bezieht sich immer wesentlich auf die Plethora von Kapital, für das der Fall der Profitrate nicht durch seine Masse aufgewogen wird – und dies sind immer die neu sich bildenden frischen Kapitalableger – oder auf die Plethora, welche diese, für sich selbst zur eignen Aktion unfähigen Kapitale den Leitern der großen Geschäftszweige in der Form des Kredits zur Verfügung stellt. (S.261)
Begriffserklärung:
„Plethora“ bedeutet hier: „der krankhafter Überfluß“

Wer sind diese „neu sich bildenden Kapitalableger“?  Es sind die „Subunternehmer“, die „Zulieferer“, die zahlreichen Optimisten, die glauben, sich unbedingt selbständig machen zu müssen, weil man nur so richtig „Kohle machen“ könne. Ein Irrtum, wie sich bald herausstellt!

Diese Plethora des Kapitals erwächst aus denselben Umständen, die eine relative Überbevölkerung hervorrufen, und ist daher eine diese letztre ergänzende Erscheinung, obgleich beide auf entgegengesetzten Polen stehn, unbeschäftigtes Kapital auf der einen, und unbeschäftigte Arbeiterbevölkerung auf der andren Seite. Überproduktion von Kapital, nicht von einzelnen Waren – obgleich die Überproduktion von Kapital stets Überproduktion von Waren einschließt, heißt daher weiter nichts als Überakkumulation von Kapital. (S. 261)

Die Folge: das Heer der Erwerbslosen vergößert sich, es folgt eine Krise nach der anderen und es kommt zu neuen Kriegen…

Quelle der Zitate:
Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1965, Bd.25, S.257-270.


Das beste Lehrbuch über die Politische Ökonomie entstand unter der Führung Stalins, erschienen auf Deutsch erstmals im Jahre 1955.

Anhang:

Der tendenzielle Fall der Profitrate

Mit der Entwicklung des Kapitalismus erhöht sich ununterbrochen die organische Zusammensetzung des Kapitals [1]. Jeder einzelne Unternehmer, der in immer größerem Umfange Arbeiter durch Maschinen ersetzt, verwohlfeilert die Produktion, vergrößert den Absatz seiner Waren und holt sich einen Extraprofit. Wenn sich jedoch die technischen Errungenschaften der einzelnen Unternehmen verallgemeinern, steigt die organische Zusammensetzung des Kapitals in den meisten Unternehmen, und das führt zu einem Sinken der allgemeinen Profitrate.

Warum sinkt die Profitrate?

In gleicher Richtung wirkt auch das schnellere Wachstum des fixen Kapitals [2] gegenüber dem zirkulierenden [3], das die Umschlagszeit des Gesamtkapitals verlängert. Die Kapitalisten streben durch die Entwicklung der Technik nach einem möglichst hohen Profit, doch das Ergebnis ihrer Anstrengungen ist etwas, was keiner von ihnen gewollt hat – das Sinken der Profitrate.

Nehmen wir das gleiche Beispiel. Die Summe aller Kapitale beträgt 300 Einheiten, sie besteht aus 240 Einheiten konstanten Kapitals und 60 Einheiten variablen Kapitals. Bei einer Mehrwertsrate von 100% werden 60 Einheiten Mehrwert erzeugt, und die Profitrate ist gleich 20%. Nehmen wir an, daß nach 20 Jahren die Gesamtsumme des Kapitals von 300 auf 500 Einheiten gestiegen ist.
Gleichzeitig hat sich durch den Fortschritt der Technik die organische Zusammensetzung des Kapitals erhöht. Die 500 Einheiten teilen sich deshalb in 425 Einheiten konstanten und 75 Einheiten variablen Kapitals auf. In diesem Fall werden bei gleicher Mehrwertsrate 75 Einheiten Mehrwert geschaffen. Jetzt beträgt die Profitrate 75/500 • 100 = 15%. Die Profitmasse ist von 60 auf 75 Einheiten gestiegen, während die Profitrate von 20 auf 15% gesunken ist.

Was kann dem Fall der Profitrate entgegenwirken?

Die Erhöhung der organischen Zusammensetzung des Kapitals führt also zu einem Fall der Durchschnittsprofitrate. Es gibt jedoch Faktoren, die dem Fall der Profitrate entgegenwirken.

  1. Verschärfung der Ausbeutung der Arbeiterklasse. Die Entwicklung der Produktivkräfte des Kapitalismus, die in der Erhöhung der organischen Zusammensetzung des Kapitals ihren Ausdruck findet, führt gleichzeitig zu einem Wachstum der Mehrwertsrate. Infolgedessen nimmt die Profitrate langsamer ab, als das bei einer gleichbleibenden Mehrwertsrate der Fall wäre.
  2. Massenentlassungen. Der technische Fortschritt, der die organische Zusammensetzung d;s Kapitals erhöht, ruft Arbeitslosigkeit hervor, die auf den Arbeitsmarkt drückt. Das erlaubt den Unternehmern, den Lohn zu senken, ihn weit unter dem Wert der Arbeitskraft festzusetzen.
  3. Sinkender Wert der Produktionsmittel. Mit dem Wachstum der Arbeitsproduktivität sinkt der Wert der Produktionsmittel: der Maschinen, Einrichtungen, Rohstoffe usw. Das verlangsamt das Wachstum der organischen Zusammensetzung des Kapitals und wirkt folglich dem Fall der Profitrate entgegen. Nehmen wir an, daß der Unternehmer den Arbeiter, der früher an 5 Webstühlen arbeitete, jetzt zwingt, an 20 Stühlen zu arbeiten. Infolge höherer Arbeitsproduktivität im Maschinenbau hat sich aber der Wert der Webstühle auf die Hälfte verringert. Jetzt kosten die 20 Stühle bereits nicht mehr das 4fache der alten 5 Stühle, sondern nur das Doppelte. Deshalb ist der Anteil des auf einen Arbeiter entfallenden konstanten Kapitals nicht auf das 4fache, sondern nur auf das Doppelte gestiegen.
  4. Der Kapitalist ruiniert die Gesundheit der Arbeiter. Dem Fall der Durchschnittsprofitrate wirkt die Ökonomie in der Anwendung des konstanten Kapitals entgegen, die der Kapitalist auf Kosten der Gesundheit und des Lebens der Arbeiter betreibt. Um ihren Profit zu erhöhen, zwingen die Unternehmer die Arbeiter, in engen Räumen, ohne ausreichende Lüftungsanlagen zu arbeiten, und sparen an den für den Arbeits- und Unfallschutz erforderlichen Vorrichtungen. Dieser Geiz der Kapitalisten führt zur Untergrabung der Gesundheit der Arbeiter, zu einer riesigen Zahl von Betriebsunfällen und zu steigenderSterblichkeit unter der Arbeiterbevölkerung.
  5. Die Jagd nach Extraprofiten. Der Fall der Profitrate wird durch den Austausch von Nichtäquivalenten im Außenhandel gehemmt, indem die Unternehmer der entwickelten kapitalistischen Länder bei der Warenausfuhr in die Kolonialländer einen Extraprofit einstecken.

Alle diese entgegenwirkenden Faktoren heben den Fall der Profitrate nicht auf, sondern schwächen ihn nur ab und verleihen ihm den Charakter einer Tendenz. Die Erhöhung der organischen Zusammensetzung des Kapitals hat somit zur unausweichlichen Folge das Gesetz des tendenziellen Falls der allgemeinen (oder Durchschnittsprofitrate.

Wie können die Kapitalisten ihren Mehrwert erhöhen?

Der Fall der Profitrate bedeutet nicht, daß die Masse des Profits, das heißt der Gesamtumfang des von der Arbeiterklasse geschaffenen Mehrwerts geringer wird. Im Gegenteil, die Profitmasse wächst sowohl infolge der steigenden Mehrwertsrate als auch infolge der wachsenden Gesamtzahl der vom Kapital ausgebeuteten Arbeiter.

So betrug zum Beispiel in den USA die Summe des industriellen Profits, nach offiziellen Angaben der Industriestatistik berechnet, im Jahre 1859 316 Millionen Dollar, im Jahre 1869 516 Millionen Dollar, im Jahre 1879 660 Millionen Dollar, im Jahre 1889 1513 Millionen Dollar, im Jahre 1899 2245 Millionen Dollar.

Die Kapitalisten versuchen durch verstärkte Ausbeutung der Arbeiter den tendenziellen Fall der Profitrate maximal abzuschwächen. Das führt zu einer Verschärfung der Gegensätze zwischen Proletariat und Bourgeoisie. Das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate verstärkt innerhalb der Bourgeoisie selbst den Kampf um die Verteilung der Gesamtmasse des Profits.

Gnadenlose Jagd nach höheren Profiten

Auf der Jagd nach höherem Profit stürzen sich die Kapitalisten mit ihrem Kapital auf die zurückgebliebenen Länder, wo die Arbeitskräfte billiger sind und die organische Zusammensetzung des Kapitals niedriger ist als in den Ländern mit hochentwickelter Industrie, und beginnen die Völker dieser Länder verstärkt auszubeuten. Das führt zu einer Verschärfung der Gegensätze zwischen den entwickelten kapitalistischen und den zurückgebliebenen Ländern, zwischen den Metropolen und den Kolonien.

Ferner vereinigen sich die Unternehmer, um die Preise hoch zu halten, in Verbänden verschiedener Art. Auf diese Weise erzwingen sie hohe Profite. Schließlich dehnen die Kapitalisten, um den Fall der Profitrate durch Vergrößerung der Profitmasse zu kompensieren, den Produktionsumfang weit über die Grenzen der zahlungsfähigen Nachfrage aus. Deshalb treten die durch den tendenziellen Fall der Profitrate bedingten Gegensätze während der Krisen besonders scharf zutage.

Die Grenzen des Wachstums

Das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate ist ein hervorstechendes Kennzeichen der historischen Schranken der kapitalistischen Produktions­weise. Dieses Gesetz, das die Verschärfung der kapitalistischen Widersprüche bewirkt, zeigt anschaulich, daß die bürgerliche Gesellschaftsordnung auf einer gewissen Stufe zu einer Schranke für die weitere Entwicklung der Produktivkräfte wird.

Quelle: Politische Ökonomie. Lehrbuch.Dietz Verlag, Berlin, 1955, S.186-188. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)


Anmerkungen:
[1] organische Zusammensetzung des Kapitals – Verhältnis von konstantem Kapitals (c) und variablem Kapitals (v) sowiet es durch das Verhältnis zwischen der Masse der Produktionsmittel und der lebendigen Arbeitskraft bestimmt wird (c:v). In ihrer Jagd nach Mehrwert und durch die Konkurenz sind die Kapitalisten gezwungen, in imm erstärkerem Maße neue Maschinen und Ausrüstungen anzuwenden. Beispiel: ein Kapital von 100.000€ – davon sollen 80.000€ für Gebäude, Maschinen, Rohstoffe usw. aufgewendet werden und 20.000€ für Löhne. Dann ist die organische Zusammensetzung des Kapitals 80c : 20v oder 4 : 1.
[2] fixes Kapital – jener Teil des produktiven Kapitals, der als Ganzes an der Produktion teilnimmt. Das ist der Teil des Kapitals, der für den Bau von Gebäuden und Produktionsanlagen, für den Ankauf von Maschinen und Betriebeinrichtungen aufgewendet wird.
[3] zirkulierendes Kapital – jener Teil des produktiven Kapitals, dessen Wert im Verluafe einer Produktionsperiode vollständig auf die Ware übertragen wird und bei der Realisierung der Ware wieder ganz in Geldform zum Kapitalisten zurückkehrt (einschließliche Mehrwert). Es ist dies der Teil des Kapitals, der aufgewendet wurde zum Kauf der Arbeitskraft sowie der Roh- und Brenn- und Hilfsstoffe, d.h. jener Produktionsmittel, die nicht zum fixen Kapital gehören, wobei sich der Kapitalist den Aufwand für den Kauf der Arbeitskraft mit einem Überschuß zurückholt.

Was ist Ausbeutung?

Ein sehr treffendes, aktuelles Beispiel brachte ein Leser:

Spargel1

Spargel2

Danke, Rolf!

Da könnte man doch mal eine ganz einfache Rechnung aufmachen. Ein Arbeiter erntet pro Stunde 50 kg Spargel. Das sind an einem 8-Stunden-Tag 400 kg Spargel. Der Kapitalist verkauft also den Spargel mit 9,90 € je 700 g. Das ist ein Preis pro Kilogramm von 14,14 €. Und wenn er dann den Spargel auf dem Markt verkauft, erhält er, wenn alles gut geht, für die Tagesarbeit eines Lohnarbeiters 5.656 €. Davon bezahlt er noch den Lohn (8,50 € x 8 Std.) in Höhe von 68 €. Und so kann der Kapitalist (also der Bauer W. in Hilter) von einem einzigen Lohnarbeiter eine Tageseinnahme von 5.588 € verbuchen. Das ist doch ein nettes Sümmchen! Gut, sagen wir, davon geht ja auch noch einiges ab (Steuern, Versicherungen, Folie usw.) – und der Spargel muß ja auch gepflanzt werden, aber am Ende hat es sich doch gelohnt, nicht wahr?

Nachtrag: Das ist genau das, was diese ganzen schlauen Kapitalismuskritiker von Herrn Dr. Daniele Ganser bis zu Frau Lisa Fitz (Kabarettistin) nicht begriffen haben – es gibt innerhalb dieses kapitalistischen Systems KEINE LÖSUNG. (Und übrigens, Frau Fitz, die Geschichte ist nicht eine Aneinanderreihung von Verschwörungen, wie Sie glauben, sondern eine Folge von immer wiederkehrenden Klassenkämpfen. Mal bei Karl Marx nachlesen, das hilft!)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Arbeiterklasse, Kleines Lexikon, Marxismus-Leninismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

18 Antworten zu „Kann mir mal irgend jemand den Kapitalismus erklären?“

  1. Rolf schreibt:

    Wenn du ein selbständig denkender Mensch bist:
    Gehe in die Öffentlichkeit und schaue dir die Menschen an …
    Gehe arbeiten und schaue dir die Arbeitsverhältnisse und Arbeitnehmer die Lohnarbeiter an …

    Wenn du schon manipuliert bist:
    Suche dir einen selbständig denkenden Menschen als Vorbild …

    Wenn du ein Theoretiker bist:
    Lies Marx, Engels, Lenin, Stalin und andere …

    Sehr hlfreich ist es auch, sich bei Sascha zu informieren und Fragen zu stellen …

    Rolf, der Waldschrat

    • sascha313 schreibt:

      Danke für die Blumen Rolf ))) – nur was macht man mit denen, die immer so einen dumpfen, tiefsitzenden Antikommunismus im Hinterkopf haben??? Solche Leute wie Ganser, Jebsen, Fitz u.a. (von Demagogen wie Elsässer will ich gar nicht erst reden!) haben doch noch nie marxistische Literatur in den Händen gehabt….

      Da waren die ansonsten unbelesenen Revolutionäre im 19. Jahrhundert noch gebildeter. Damals gab es wenigstens marxistische Zirkel. Aber was gibt es heute???

      • Politnick schreibt:

        Matthäus Kapitel 20:
        „Von den Arbeitern im Weinberg“ (Link gelöscht – wir sind hier nicht auf einer kirchlichen Seite. Admin.) erklärt die Grundlage der Ausbeutung so verständlich, besser könnt‘ ich das auch nicht machen.
        Freundschaft 😉

      • sascha313 schreibt:

        Schon mal was von Marx gehört?

      • Politnick schreibt:

        >> nur was macht man mit denen, die immer so einen dumpfen, tiefsitzenden Antikommunismus im Hinterkopf haben??? <<

        Eben für die gibt es die Bibel. Wie ich vorhin bereits schrieb. Ob ICH schonmal was von Marx gehört habe, ist nicht die Frage. Die Frage war, wie man's denen erklärt die noch nie was von Marx gelesen haben.

        Schöne Grüße,
        Rolf

      • sascha313 schreibt:

        Naja, Rolf, war ja auch nur so’ne Frage 😉 Aber ob die Bibel da wirklich hilfreich ist, wage ich zu bezweifeln. Ich glaub‘ schon, daß man das besser erklären kann (und auch muß!)

        Was ist Ausbeutung? Ausbeutung ist die unbezahlte Aneignung fremder Arbeit, d.h. des Mehrprodukts der Produzenten (also der Lohnarbeiter) durch die Kapitalisten ohne Entgelt. Ausbeutung ist jedoch nicht einfach gleichzusetzen mit körperlicher Anstrengung.

        Es gibt da zwei Methoden a) die Verlängerung des Arbeitstages (z.B. auch durch Überstunden) und b) die Verkürzung der notwendigen Arbeitszeit (gemeint ist damit die Zeit, die notwendig ist, um den Wert der Arbeitskraft zu ersetzen).

        Die letztere Methode ist weniger auffällig. Sie ist nur möglich durch die Steigerung der Arbeitsproduktivität. Der Arbeiter schafft also in der gleichen Zeit wesentlich mehr und darf trotzdem nicht eher nach Hause gehen. Der Mehrwert steht zunächst auf dem Papier. Et kehrt aber dann – wie oben schon beschrieben – bei der Realisierung der Ware wieder ganz in Geldform zum Kapitalisten zurück.

    • schön gesprochen!

      DANKE!

      … und ohne dem Sascha (N.G:) Honig in den Bart zu schmieren:

      ICH habe ihm mehr zu verdanken, als ich hier schreiben kann!

  2. Politnick schreibt:

    Die Bibel dogmatisch abzulehnen finde ich nicht richtig. Eine fortschrittliche Denkweise ist auch in kirchlichen Kreisen zu finden. Ich habe es selbst oft genug erlebt, welch gewaltigen Einfluss gerade junge Pfarrer auf die Jugend einer Gemeinde haben, auch wenn ich selbst kein Kirchengänger und konfessionslos bin.

    Und im Gegensatz zum Koran ist die Bibel ein Abbild einer Gesllschaftsordnung in denen der Kapitalismus bereits voll ausgebildet ist: Es gibt Geld einschließlich Zinsen und auch der Handel mit Waren ist beschrieben. Matthäus 20 beschreibt sehr genau das WIE der Ausbeutung anhand eines konkreten Beispiels der Arbeiter im Weinberg — Und ja, selbstverständlich ist das Betrug!

    Schwieriger wird es, einem Bundesbörger verständlich klar zu machen, dass es zwischen Angebot und Nachfrage bei kapitalistischer Produktionsweise gar keine Beziehung im Sinne einer Angebot-Nachfrage-Regelung gibt und dass aus diesem Grund ein Kapitalist eben nicht produziert um irgendwelche Bedürfnisse zu befiedigen sondern nur produziert um Profit zu machen.

    Dass eine kapitalistische Produktionsweise zur Vollständigen Zerstörung der Umwelt führt, wie Marx bereist vor 150 Jahren feststellte, hat sich ja mittlerweile herumgesprochen — auch ohne Marx.

    Freundschaft 😉
    –Rolf

    • Moin Rolf!
      Vorweg: Ich will hier keinen Diskurs über ein Gleichnis in der Bibel führen. Ich muss dir aber widersprechen. Zwar verdeutlicht dieses Gleichnis, dass es zu jener Zeit — vermutlich sehr viele — Menschen ohne Besitz gab, die zum Überleben darauf angewiesen waren, dass ihnen ein Mensch mit Besitz einen „Job“ anbietet.

      In diesem Gleichnis verhandelt ein Besitzer jedoch mit Tagelöhnern …
      Der übliche Sold zu jener Zeit für einen leichtbewaffneten Soldaten des Römischen Empires betrug 0,6 „Groschen“ = 0,6 Silber-Denar = 4,55 g Silbermünze x 60% = 2,7 g Silber Damit konnte das Überleben (Verpflegung und Unterkunft) einer ‚Kleinfamilie‘ für einen Tag gesichert werden. [hier zeigt sich schon die Komplexität bevolkerungsreicher Massengesellschaften: immerhin lebten um das Mittelmeer herum bereits damals um die 150 Millionen Menschen]

      In einem gewissen Sinne bedeutet dieses Gleichnis aber folgendes: die „Tagelöhner“ benötigten nicht unbedingt einen „Job“ und es gab keine Konkurrenz unter den Arbeitskraft-Anbietenden. Der „Arbeitgeber“ mußte sich darauf einlassen, statt 0,6 Denar 100% einen Denars zu zahlen. Und und dieser „Arbeitgeber“ fürchtete außerdem um seine Ernte, seinen Ertrag und lief – in diesem Gleichnis – herum, um noch mehr Arbeiter anzuwerben, denen er auch einen Denar als Lohn versprechen mußte.

      Unsere heutige kapitalistische Welt „tickt“ aber etwas anders:
      Zwar müssen wir – das Proletariat – unsere Arbeitskraft anbieten: Aber die einzelnen Proletarier, die sie anbieten, müssen diese in Konkurrenz zum anderen Menschen anbieten, denn je billiger ich meine Arbeitskraft anbiete, desto wahrscheinlicher ist es, daß ich den „Job“ bekomme! Im Gegensatz zum obigen Gleichnis, wo die „Arbeiter“ einen besseren ‚Stand‘ hatten: Das Gefüge der Gesamtgesellschaft ‚benötigte‘ diese freien Arbeitskräfte!

      HEUTE jedoch wird die „Masse“ des Proletariats gar nicht mehr benötigt!!! … und wenn der Mensch, der einen gut-bezahlten Job hat, kann er jederzeit ersetzt werden!!! … denn es warten mindestens 100 Menschen, die seinen ‚Job‘ sogar BESSER – aber auch für einen geringeren „Lohn“ machen können und GEZWUNGEN sind, es auch preiswerter abzubieten!

      Beispiel „Transport-Gewerbe“:
      Ein LKW-Fahrer, der für ein Unternehmen in der BRD arbeitet „kostet“ einen Unternehmer mindestens 3000,- Euro … wenn er aber über ein Subunternehmen in Rumänien, die gleiche Leistung erbringt, kostet es ihn nur noch 1.000,- Euro … und ‚er ist „fein aus dem Schneider“ : er hat alles richtig gemacht = Verträge mit „Subfirmen gemacht“, die an der Stelle seines Unternehmens haften, obwohl der Fahrer eines LKW gerade mal 100 Euro jeden Monat nach Hause schicken kann!!! => Das ist mittlerweile Praxis bei ALLEN Transportunternehmen …

      Liebe Genossinnen und Genossen!
      Darf ich aus der Praxis des Lebens sprechen, welches ich erleben „durfte“?
      1985 war ich in Israel. Alles war schön und gut — meine Freundin erkrankte – und ich habe bis auf ein wenig Geld (zum Transport zum Flughafen) ALLES FÜR meine Freundin ausgegeben sie und ich „endeten“ schließlich in Eilat am nächsten Morgen ging ich zu einem Treffpunkt – an dem für mich damals Jobs angeboten wurde: Für einen Tag! Da waren Briten, USA, kurz von vielen Nationen der Welt GESTRANDETE! Um 7°° Uhr hielt ich eine „Rede“ an die über 60 anwesenden Menschen aus der halben Welt, die ein paar Euro brauchten. Ich sagte: „Nein!“ ich sprach zu allen diesen Menschen: „Ein Shekel pro Stunde ist nicht genug – wir fordern mindestens drei!“ Und alle schrien: „Das FORDERN wir!“ Dann kam der erste „Arbeitgeber“ und all die Menschen haben sich für eine SUPPE angeboten … Ich schaute diesem für mich absurden Zirkus zwei Stunden zu.

      Neben mir saß en junger Mann aus Österreich.
      Er: „…aber ich brauch ’nen Job!“
      Ich: „Warte!!!“
      …und wir saßen da und unerhielten uns und diskutierten. Da kam ein Mensch: suchte Arbeiter – wir sind nicht aufgestanden oder hingerannt: Er kam zu uns. Ich sagte ihm:: Wir wollen 5 SHEKEL pro Stunde plus eine Mahlzeit … und schau: der TYP war so reich – er hatte aber niemanden, der die Arbeit erledigen konnte, die ich und dieser gute Mensch aus Österreich dann die nächsten drei Tage „erledigten“ So war das!

      Im realen Leben darf sich kein Mensch von keinem anderen, keinem ETWAS – von keiner Religion – GEFANGEN nehmen lassen!!!

    • sascha313 schreibt:

      @ „…die Bibel ein Abbild einer Gesllschaftsordnung in denen der Kapitalismus bereits voll ausgebildet ist.“ ???
      Stimmt nicht. Die Bibel wurde geschrieben in einer Zeit, als es noch keinen Kapitalismus gab! Geld, Zinsen und Handel gab es auch schon früher. Das ist aber nicht das Merkmal des Kapitalismus!

      „Im Kapitalismus stehen sich als Hauptklassen die Arbeiterklsse und die Kapitalistenklasse gegenüber. Die Kapitalisten sind Eigentümer der Fabriken mit allen Maschinen und Gebäuden. Der Arbeiter muß, um leben zu können, seine Arbeitskraft dem Kapitalisten verkaufen.“ (Quelle. Von Anton bis Zylinder. Lexikon für Kinder. Der Kinderbuchverlag Berlin, 1985, S.302.)

  3. @ Aber ob die Bibel da wirklich hilfreich ist, wage ich zu bezweifeln.

    Für Menschen, die die Bibel lesen — und das sind hunderte von Millionen Menschen jeden Tag — ist sie hilfreich und kann auch dazu dienen, biblisch, bzw. “theologisch“ diesen Menschen nachzuweisen, dass Marx, der Sozialismus/Kommunismus ihnen nicht feindlich gesinnt ist, wie es ihnen “verkauft wird“.

    Mit Hilfe der Bibel kann — ich zumindest — jedem ‚denkenden‘ Christen nachgewiesen werden, dass Marx die Wahrheit erkannte und lehrte … und im übrigen ja selber “Christ“ war (oder sitze ich einem Irrtum auf, dass Marx Taufpate von Liebknecht war???)

    • Politnick schreibt:

      Richtig! Die Frage ist ja, wie erreichen wir diejenigen, die Marx NICHT kennen. Und im Evangelium finden sich ganz bestimmte Verhaltensmuster der heutigen Zeit beschrieben. Da wird sich doch auch ein Nicht-Marxist die Frage stellen, worin der kulturelle Fortschritt einer heutigen Gesellschaftsordnung, verglichen mit der in der Bibel Beschriebenen, besteht — Er wird möglicherweise darüber Nachdenken.
      Und diesen Denkprozess erst einmal in Gang zu kriegen, das ist doch zweifelsohne ein Erfolg!
      Freundschaft 😉

  4. sascha313 schreibt:

    Es geht nicht ums „Ablehnen“ der Bibel – sie ist nun einmal da und die Pfaffen lesen daraus vor. Aber ich erinnere an viele mutige und fortschrittliche Theologen der jüngeren Zeit, wie Prof.Heinrich Fink, Hanfried Müller, Rosemarie Streisand, Peter Franz – sie alle haben sich gegen den Imperialismus, gegen Lüge und faschistische Gewalt gewandt. Und sie bekannten sich zu unserem sozialistischen Vaterland, der DDR (das, wie wir alle wissen, keineswegs fehlerfrei war!) und sie bekannten sich zum Sozialismus.
    Das waren gewiß nicht die einzigen Christen, die so dachten. Und sie sind mir zehnmal lieber als z.B. ein Trotzkist, der von „Sozialismus“ und von „Revolution“ schwadroniert, der aber in Wirklichkeit das Verbrechen meint! Dennoch: Marxisten sind Atheisten! Und schon in Armenien gab es marxistische Zirkel. Glaubt hier etwa einer, die hatten es leichter als wir?

  5. Reiner Lenz schreibt:

    Von einem einzigen Lohnarbeiter eine Tageseinnahme von 5.588 € verbuchen. ?????????? !!!!!!!!!!!!!

    Bei solchen Berechnungen hätte sich der alte Marx garantiert vor Lachen auf die Schenkel geklopft.

    Wenn solche Strategen den Sozialismus aufbauen wollen, dann ist dieser schon am ersten Tag Pleite.

    Ansonsten wäre zu empfehlen, die vorab gegangenen Investitionen mit in die Rechnung mit einzubringen. Bei nicht wenigen Spargelbauern bleibt in diesem Falle von den eingenommenen 5588 Euro, NICHTS mehr übrig. Das Kapital in der Schrankwand stehen zu haben reicht nicht, man muss es auch verständig lesen.

  6. Wer lesen kann ist klar im Vorteil, Herr Oberlehrer Lenz!

    Da steht nichts von “Gewinn“, sondern, dass der Kapitalist (also der Bauer W. in Hilter) von einem einzigen Lohnarbeiter eine Tageseinnahme von 5.588 € verbuchen kann.

    Nun, Sie Experte!

    Der Lohnarbeiter, der den Spargel erntet, hat ihn in der Regel — und wenn nicht er, dann ein anderer Lohnarbeiter — auch angebaut. An einem Tag hat er soviel Spargel angebaut, wie er an Stückzahl dann auch erntet.

    Unser Kapitalist hat also noch einmal Lohn (8,50 € x 8 Std.) in Höhe von 68 € “investiert“.

    Dem Spargelbauern bleiben also 5.490 €. Für die Maschine, die den Spargel schält und wiegt, fallen ein paar Stromkosten an. Die Kosten für die Maschine können hier unberücksichtigt bleiben, da diese über die ‚Abschreibung‘ “aufgefangen“ werden.

    Es bleiben ihm also mindestens 5.450 € Brutto-Gewinn. Mit einem cleveren Steuerberater wird er daraus sogar noch ein Verlust konstruieren können. 😉

  7. Rolf schreibt:

    Nochmal sachlich – zur Klarstellung!
    Es gibt:
    Rolf, den Politnick

    und es gibt:
    Rolf, den Waldschrat

    Rolf, der Waldschrat

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s