Juri Poljakow: Wie kam es zur Oktoberrevolution 1917

Rote ArmeeDer Versuch, den Arbeiter- und Bauernstaat und die Errungenschaften der Oktoberrevolution in der Sowjetunion auf militärischem Weg zu vernichten, endete zweimal mit einem totalen Mißerfolg. Der Sieg im Bürgerkrieg 1918-1920 und im Großen Vaterländischen Krieg 1941-1945 hat in Millionen von Menschen das Bewußtsein ihrer Stärke und den Glauben an die Richtigkeit jener Sache gefestigt, für die sie gekämpft und die sie erfolgreich verteidigt haben. Allerdings wurde der Sozialismus dennoch beseitigt, nachdem es der Bourgeoisie und deren Anhängern gelungen war, in das Herz des Roten Oktober, die Partei, einzudringen, und diese von innen heraus zu vergiften und zu zerstören. Dieses Attentat der Bourgeoisie gegen den Menschheitsfortschritt war die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Doch wie kam es nun zur Oktoberrevolution 1917 und welche Erfolge hatte die Sowjetmacht? Darüber berichtet der sowjetische Historiker Juri Poljakow.

Drei Jahre lang – 1918, 1919, 1920 – tobte in Rußland ein furchtbarer, verheerender, blutiger Krieg. In vielen Gebieten des Landes dauerte er sogar länger. Drei Jahre lang verliefen die Frontlinien fast durch das ganze Territorium des Landes – von der Ostsee bis zum Stillen Ozean, vom Weißen Meer im Norden bis zum Schwarzen Meer im Süden, von der Tundra jenseits des nördlichen Polarkreises und der sibirischen Taiga bis zu den Bergen und Wüsten Mittelasiens.
Der Krieg brachte furchtbare Verheerungen und die Zerstörung der Produktivkräfte mit sich. Er forderte auch ungeheure Menschenopfer. Dieser Krieg liegt nun schon viele Jahre zurück. Das Interesse an den dramatischen Ereignissen jener Zeit hat jedoch bis heute nicht nachgelassen, Die Menschen wollen sich darüber klar werden, wie und warum dieser Krieg ausbrach, wer ihn auslöste und an seinem langwierigen, hartnäckigen Charakter schuld war. Schon sechs Jahrzehnte lang beschäftigen sich Schriftsteller, Historiker und Journalisten in vielen Ländern mit diesem Thema.
Es liegen ganze Berge von Büchern, Broschüren und Artikeln vor, in denen es von ganz verschiedenen, oft diametral ententgegengesetzten Standpunkten aus behandelt wird. Leider dominieren in den westeuropäischen Ländern sowie in den USA voreingenommene, einseitige Meinungen über die Ursachen und den Charakter des Bürgerkrieges in Rußland. Die Geschichtswissenschaft verfügt jedoch heute über umfangreiches Tatsachenmaterial und ist daher in der Lage, über jene Ereignisse, die sich im zweiten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts auf einem Sechstel der Erde abspielten, wahrheitsgetreu zu berichten.

WARUM KAM ES IN RUSSLAND ZUM BÜRGERKRIEG?

Die Oktoberrevolution

Im Herbst 1917 siegte in Rußland die sozialistische Revolution. In den 20er, 30er und 40er Jahren waren im Westen Behauptungen im Umlauf, die Oktoberrevolution sei ein zufälliges Ereignis, das Ergebnis eines verhängnisvollen Zusammentreffens von Umständen und müsse auf einzelne Fehler einzelner Personen sowie auf Handlungen einer kleinen Verschwörergruppe mit Lenin an der Spitze zurückgeführt werden. Solche Behauptungen sind auch heute in vielen Lehrbüchern und populären Broschüren zu finden. Renommierte Historiker und Publizisten aber vertreten einen anderen Standpunkt. Heute zweifelt praktisch niemand mehr daran, daß die Oktoberrevolution historisch bedingt, ja unausbleiblich war, daß viele Millionen Menschen an ihr aktiv teilgenommen haben.

Die russischen Revolutionen

In 12 Jahren kam es in Rußland zu drei Volksrevolutionen – der Revolution von 1905-1907, der Februar (März-)revolution von 1917 und der Oktoberrevolution von 1917. Schon allein das ist ein Beweis dafür, daß die revolutionären Umgestaltungen historisch bedingt waren. Im vorrevolutionären Rußland waren die tiefen Widersprüche des Monopolkapitalismus (das Land war zu jener Zeit gerade in dieses Stadium eingetreten) eng mit jenen des feudalen Großgrundbesitzes. verflochten. Rußland hatte 1917 bereits ein mittleres kapitalistisches Entwicklungsniveau erreicht, aber zahlreiche Überreste der rückständigen, mittelalterlichen Verhältnisse behalten. Und diese machen das Leben des Volkes noch schwerer.

Die Mehrheitsverhältnisse in Rußland

Deshalb trat die Mehrheit der Bevölkerung für eine revolutionäre Umgestaltung der Gesellschaft ein. Die Arbeiterklasse, die etwa 15 Prozent der Bevölkerung bildete, war einer brutalen Ausbeutung ausgesetzt und politisch rechtlos. Ihre Entschlossenheit zum revolutionären Kampf bewiesen zahlreiche Massenaktionen, die mit jedem Jahr größere Ausmaße annahmen. Die werktätigen Bauern, die zusammen mit den Gewerbetreibenden und Handwerkern fast 70 Prozent der Bevölkerung ausmachten, litten unter ihrer akuten Landarmut. 10,5 Millionen Bauernwirtschaften verfügten insgesamt über dieselbe Bodenfläche wie die 30.000 Gutsbesitzer. Der jahrelange ununterbrochene Kampf der Bauern um mehr Land gestaltete sich zu Massenaktionen gegen die Gutsbesitzer und die Regierung.

Soziale Ungleichheit

Im 20. Jahrhundert erfuhren die kapitalistischen Verhältnisse auf dem Lande eine rasche Entwicklung. Es bildete sich eine Dorfbourgeoisie (das Kulakentum) heraus, die die armen Bauern ausbeutete. Die werktätigen Bauern erhoben sich immer entschlossener zum Kampf nicht nur gegen die Gutsbesitzer, sondern auch gegen die Dorfbourgeoisie. Rußland war ein multinationaler Staat. Etwa die Hälfte der Bevölkerung bestand aus nichtrussischen Nationalitäten und Völkerschaften, oder, wie sie verächtlich genannt wurden, aus „Anderstämmigen“. Zur sozialen Ungleichheit kam in diesem Fall noch die nationale, die wirtschaftliche Unterdrückung wurde durch eine moralisch-psychologische verschärft. Der Kampf für die nationale Gleichberechtigung und die nationale Würde verschmolz mit dem Kampf für die soziale Befreiung. Deshalb wurde das russische Proletariat von allen Völkern Rußlands unterstützt, waren doch seine Ziele allen nah und verständlich.

Der imperialistische 1. Weltkrieg

Die Ziele des ersten Weltkrieges aber, der 1914 begann, waren dem Volk fremd. Dieser Krieg zwischen England, Frankreich, Rußland und den USA einerseits und Deutschland, Österreich-Ungarn und der Türkei andererseits war von beiden Seiten ein räuberischer imperialistischer Krieg. Er löste bei der überwiegenden Mehrheit des Volkes große Unzufriedenheit und einen allgemeinen Wunsch nach Frieden (besonders bei den Soldaten) aus. Der Krieg verschärfte alle Widersprüche der alten Ordnung und brachte sie zum Vorschein. Durch den Sturz der Selbstherrschaft während der Februar (März-)revolution von 1917, durch die Abdankung des letzten russischen Zaren Nikolaus II. und den Machtantritt der bürgerlichen Provisorischen Regierung wurden die brennenden Probleme des Landes nicht gelöst.

Eine revolutionäre Situation

Der Krieg ging weiter, seine Last wurde mit jedem Tag schwerer. Die Provisorische Regierung weigerte sich, das Land der Gutsherren den Bauern zu übergeben. Nichts wurde getan, um die Lage der Arbeiter zu erleichtern. Die Bourgeoisie dagegen erhielt neue Vergünstigungen und weitere Rechte. Auch die nationale Frage wurde nicht gelöst. Millionen Werktätige der nichtrussischen Nationalitäten blieben weiterhin rechtlos. Deshalb griff die Volksbewegung im Jahre 1917 rasch um sich. Ihre einzelnen Richtungen – die Unzufriedenheit der Massen mit dem Krieg, der Kampf um demokratische Rechte und Freiheiten, der Kampf der Bauern um Land, das Streben der unterdrückten Nationalitäten nach Gleichberechtigung und der Kampf der Arbeiterklasse gegen die kapitalistische Ordnung – flossen zu einem einheitlichen Strom zusammen. Sie vereinigten sich unter der Fahne der sozialistischen Revolution, denn nur sie allein konnte die herangereiften Widersprüche lösen.

„Alle Macht den Sowjets!“

Lenin und die Bolschewiki traten 1917 für einen friedlichen Entwicklungsweg der Revolution ein. Sie wollten – und dafür gab es auch reale Voraussetzungen – über das System der Sowjets, die die Interessen des Volkes vertraten, fortschrittliche Umgestaltungen durchsetzen und die Macht an das Volk übergeben. Die Bourgeoisie und die Gutsbesitzer, die den Zaren abgelöst hatten, gingen jedoch nicht darauf ein. Sie vereitelten alle Initiativen, die den Interessen des Volkes entsprachen, und waren nicht gewillt, die Macht an die Sowjets abzutreten, obwohl die Losung „Alle Macht den Sowjets!“ allgemein Unterstützung fand. Sie weigerten sich, den Bauern Land zu geben, und entsandten Strafabteilungen in die Dörfer. Sie lehnten die Forderungen der Arbeiter nach Errichtung der Arbeiterkontrolle über die Produktion ab, indem sie Streiks niederschlugen, Aussperrungen durchführten und die Produktion desorganisierten.

Das Kräfteverhältnis nach der Oktoberrevolution

Ebenso wie in der Zarenzeit genossen die nichtrussischen Völker keinerlei Gleichberechtigung. In den nationalen Gebieten schaltete und waltete nach wie vor der alte Kolonialapparat. Der russische Adel und die russische Bourgeoisie legten weder Realismus noch Flexibilität an den Tag. Ihre politischen Führer bewiesen ebenso wie jene der kleinbürgerlichen Parteien ihr völliges Unvermögen, das entstandene Klassenkräfteverhältnis richtig einzuschätzen. Sie blieben dem Alten blind treu und glaubten an die Unerschütterlichkeit der bürgerlichen Ordnung. Deshalb mußte die volksfeindliche Macht in Rußland durch einen bewaffneten Aufstand gestürzt werden. Am 25. Oktober (7. November) 1917 [1] bekräftigte der II. Gesamtrussische Sowjetkongreß, dem Willen der überwiegenden Mehrheit der Werktätigen Rußlands entsprechend, den Sieg der Revolution und proklamierte die Errichtung der Sowjetmacht. Das Volk, das die Revolution vollbracht hatte, ging begeistert an den Aufbau des neuen Lebens.

Die Übernahme der Macht durch das Volk

Jahrhundertelang benutzten die Ausbeuter ihre Staatsmaschinerie, um die Werktätigen im Zaun zu halten. Die Armee, die Polizei, die Gerichts- und Machtorgane dienten 1917 nach wie vor den herrschenden Schichten Rußlands – dem Adel und der Bourgeoisie. Diese Staatsmaschinerie war in kurzer Zeit gestürzt worden. An ihre Stelle traten sowohl im Zentrum als auch an der Basis die demokratischen Volksmachtorgane – die Sowjets der Arbeiter-, Bauern- und Soldaten- (später der Rotarmisten-)deputierten. Auf dem Lande wählten die werktätigen Bauern die Dorfsowjets. Aus den Industriebetrieben, Ämtern und Truppenteilen entsandten die Arbeiter, Angestellten und Rotarmisten ihre Deputierten in die Stadtsowjets. Regelmäßig wurden Sowjetkongresse einschließlich der Gesamtrussischen einberufen. An den Wahlen in die örtlichen und zentralen Machtorgane beteiligte sich die gesamte werktätige Bevölkerung.

Die Nationalisierung

Im November 1917 wurde durch ein Dekret der Sowjetregierung (des Rates der Volkskommissare) in allen Fabriken und Werken die Arbeiterkontrolle eingeführt. Dann ging der Sowjetstaat zur Nationalisierung einzelner Betriebe über. Am 1. Juni 1918 waren bereits über 500 große kapitalistische Fabriken und Werke verstaatlicht. Am 28. Juni unterzeichnete W.I. Lenin das Dekret des Rates der Volkskommissare über die allgemeine Nationalisierung der Großindustrie, der Banken und des Verkehrswesens. In den nationalisierten Betrieben wurden Werkverwaltungen gebildet, die aus Arbeitern, Vertretern der Gewerkschaften und Spezialisten bestanden.

Die Enteigung der Gutsbesitzer und der Kirche

Durch die Abschaffung des gutsherrlichen Eigentums an Grund und Boden löste die Oktoberrevolution mit einem Schlag die Bodenfrage. Entsprechend dem Dekret über den Grund und Boden wurden mehr als 150 Millionen Hektar Land, das gesamte Vermögen der Gutsbesitzer, alle Kron-, Kloster- und Kirchenländereien entschädigungslos enteignet und den Arm- und Mittelbauern übergeben. Das alte Rußland, das mit Recht als „Völkergefängnis“ galt, existierte nicht mehr. In der Deklaration der Rechte der Völker Rußlands verkündete die Sowjetmacht die volle Gleichberechtigung der Völker. Die Arbeiter und Bauern der großen und kleinen Völker Rußlands gingen an die Bildung gleichberechtigter sozialistischer Sowjetrepubliken.

Die ersten Schritte der Sowjetmacht

In den Städten zogen Arbeiter aus ihren Elendsquartieren in die guten Wohnungen der Bourgeois, höheren Beamten und nichtwerktätigen Elemente um. Die ärztliche Betreuung der werktätigen Bevölkerung wurde unentgeltlich. Die Sowjetregierung ging an die Verwirklichung der Arbeitsgesetzgebung, die den Achtstundentag und die Sozialversicherung garantierte. Große Veränderungen waren auch im geistigen Leben zu verzeichnen. Die Errungenschaften der Kultur, Wissenschaft, Technik, Kunst und Literatur wurden dem werktätigen Volk zugänglich gemacht. Der Schulunterricht wurde unentgeltlich und in der jeweiligen Muttersprache erteilt. Die Beseitigung des Analphabetentums unter der erwachsenen Bevölkerung wurde in Angriff genommen. Die Errungenschaften der Revolution fanden in der ersten sowjetischen Verfassung ihren Niederschlag. Sie wurde am 10. Juli 191.8 vom V. Gesamtrussischen Sowjetkongreß angenommen.

Der Kampf der Sowjetmacht um den Sieg

Das friedliche Leben der jungen Sowjetrepublik wurde jedoch unterbrochen, kaum daß es begonnen hatte. Die entmachteten sozialen Schichten und gesellschaftspolitischen Gruppen, die vorher reich und privilegiert gewesen waren, begannen einen hartnäckigen Kampf gegen die siegreiche Revolution. Was diese Kräfte eigentlich darstellten, wird später noch zur Sprache kommen. Hier muß betont werden, daß die Sowjetmacht auch nach dem Sieg der Revolution keineswegs bestrebt war, alles Alte sofort und schonungslos zu zerstören und die Vertreter dieses Alten zu liquidieren.

  • Selbstverständlich verzichtete sie dabei nicht auf die Programmziele der kommunistischen Partei.
  • Selbstverständlich kam ein Kompromiß mit den Gutsbesitzern über den Boden überhaupt nicht in Frage.
  • Selbstverständlich wurde die sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft angetrieben.
  • Selbstverständlich mußte der alte Staatsapparat der Gewalt und Unterdrückung der Werktätigen zerstört werden, was schließlich auch getan wurde.

Der neue, auf der Grundlage der Sowjets entstandene Staatsapparat hatte die Interessen der Werktätigen, nicht aber der Ausbeuter zu verteidigen.

Was war das Ziel der Sowjetmacht?

Der neue Staat hatte die Absicht, die sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft schrittweise zu vollziehen, und beeilte sich nicht mit der Nationalisierung der Industriebetriebe (die allgemeine Nationalisierung begann erst im Sommer 1918). Unter anderem war eine weitgehende Ausnutzung des sogenannten Staatskapitalismus (Gründung sowjetischer Aktiengesellschaften unter Beteiligung des Privatkapitals, Entwicklung von Konzessionen sowie Verpachtung einzelner staatlicher Fabriken und Werke an Privatunternehmer) vorgesehen.

Wie W.I. Lenin schrieb, beabsichtigte man, „…den Übergang zu den neuen gesellschaftlichen Verhältnissen sozusagen mit der größten Anpassung an die damals bestehenden Verhältnisse, nach Möglichkeit schrittweise und ohne gewaltsame Eingriffe zu vollziehen.“ [1]

Die sowjetfeindlichen Absichten der Bourgeoisie

Die russische Bourgeoisie lehnte jedoch diese Vorschläge ab. Sie war kategorisch gegen jede Initiative der Sowjetmacht. Von Anfang an verfolgte sie ihren schonungs- und kompromißlosen Kurs auf die Vernichtung der Sowjetrepublik. Das veranlaßte den Sowjetstaat, die sozialistischen Umgestaltungen zu forcieren und die Zerschlagung des Alten entschiedener, schneller und umfassender voranzutreiben.

Wie kam es überhaupt zum Bürgerkrieg?

Wir wollen damit keineswegs behaupten, daß eine ruhige Entwicklung der Revolution und eine störungsfreie Verwirklichung der revolutionären Umgestaltungen möglich gewesen wäre. All das konnte ohne eine Beeinträchtigung der Interessen der früher herrschenden Klassen nicht durchgeführt werden. Selbstverständlich hätten diese Klassen in jedem Fall für das „ihre“ gekämpft und es bis zur kleinsten Privatbank gegen die Staatsmacht verteidigt. Es gibt kaum eine Revolution, bei der die gestürzte Klasse nicht um die Erhaltung Ihrer Herrschaft gekämpft hätte. Die Ausmaße, der Charakter, die Dauer und Hartnäckigkeit des Widerstandes sind jedoch in verschiedenen Ländern unterschiedlich. Dieser Widerstand muß sich nicht unbedingt zu einem Bürgerkrieg ausweiten.

Der Widerstand der entmachteten Ausbeuterklasse

Besonders hartnäckigen Widerstand gegen die siegreiche sozialistische Revolution leisteten die Ausbeuter in Rußland, wo es zu einem langwierigen Bürgerkrieg kam.

  1. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, daß Rußland das erste Land war, in dem die Macht der Werktätigen errichtet wurde. Hier spielte der psychologische Faktor eine große Rolle. Da alle früheren Versuche der Arbeiterklasse, die Macht an sich zu reißen, erfolglos geendet hatten, waren die konterrevolutionären Kräfte davon überzeugt, daß sie auch diesmal früher oder später ihren Willen durchsetzen würden und
  2. war Sowjetrußland der einzige Arbeiter- und Bauernstaat der Welt und bekam keinerlei staatliche Unterstützung von außen. Die Konterrevolution dagegen erhielt von den mächtigsten kapitalistischen Ländern allseitige Hilfe. Gerade durch diese Hilfe, die sich zu einer direkten militärischen Invasion, zu einer antisowjetischen militärischen Intervention auswuchs, wurde der Bürgerkrieg in Rußland besonders heftig und hartnäckig.

Anmerkungen:
[1] alte Zeitrechnung in Klammern
[2] W.I. Lenin, Werke, Bd.33, S.72

Quelle:
Juri Poljakow: Bürgerkrieg in Rußland. APN-Verlag/Verlag Progreß, Moskau 1981, S.5-15.

Poljakow

Ausführlicher siehe auch hier:

pdfimages  Poljakow: Oktoberrevolution

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4 Antworten zu Juri Poljakow: Wie kam es zur Oktoberrevolution 1917

  1. Politnick schreibt:

    Auch die Imperialisten haben gelernt: Dieses Wegnehmen von Land ist genau die Taktik, die beispielsweise in Afrikanischen Ländern angewandt wird.

    Freundschaft 😉

  2. Hat dies auf Muss MANN wissen rebloggt und kommentierte:
    Ich denke nicht, dass sich der Krieg auf dem Gebiet der USRR (Union Sozialistischer Räte-Repupbliken) von 1917-1920+ einfach auf einen Bürgerkrieg beschränken läßt.

    Ja, die Nomenklatura (herrschende Klasse) des zaristischen Reiches wehrte sich mit allen erlaubten und verbotenen Mitteln gegen ihre Entmachtung – dies kann als ‚Bürgerkrieg‘ bezeichnet werden, trifft aber nur nach “westlicher“ Lesart zu, denn hier erhob sich die Klasse des Proletariats gegen die Klasse der Menschenhalter, den Ausbeutern von Mördern und Menschenhändlern auf sowjetischem Gebiet.

    Es war also kein Bürgerkrieg, sondern ein Krieg zwischen den beiden Klassen!

    Dabei wurde die Kapitalisten-Klasse in der USRR von den Kapitalisten des “Westens“ unterstützt, die mit 15 sogenannten “Interventions-Armeen“ von allen Seiten einfielen, um ihre Kapital-Interessen (‚Investitionen‘ in Russland, wie sie es nannten) zu schützen:

    93% des Landes befanden sich bereits unter ihrer Kontrolle bis es den Bolschiwiki schließlich doch (noch) gelang — vor allem — die ländliche Bevölkerung zu bewaffnen und “halbwegs“ an Waffen auszubilden.

    Nur durch diesen Widerstand von Arbeitern und Bauern, die sich gemeinsam gegen ihre äußeren Feinde erhoben, gelang es schließlich, alle fremden Armeen der Kapitalisten des “Westens“ zu vertreiben.

    Erst mit dem Wegfall dieser militärischen Unterstützung durch den “Westen“, standen auch die Konterrevolutionäre — also die Kapitalisten-Klasse — in ‚Russland‘ auf verlorenem Posten, die dann – nicht ohne ihr geraubtes Vermögen außer Landes zu schaffen – in den Westen flüchteten, während sie diejenigen Menschen im Elend zurückließen, für die sie vorgaben, gegen die Bolschiwiki zu kämpfen.

    Für mich stellt es sich so da:

    10% kann ich in Anführungsstrichen als Bürgerkrieg “hinnehmen“,
    10% kann ich in Anführungsstrichen als Konterrevolution bezeichnen;
    80% war jedoch KRIEG der kapitalistischen Staaten, um sich Russland unter den Nagel zu reißen!

    Auf der “Kongo- bzw. Berlin-Konferrenz“ wurde ja nicht nur die Aufteilung Afrikas unter den kapitalistischen Kolonialmächten Europas und der USA beschlossen, sondern auch, “wer welchen Teil des Osamanischen Reiches UND Russlands erhalten soll“, wenn erst mal diese beiden Machtblöcke — “von Innen oder Außen zerstört worden sind

  3. Politnick schreibt:

    In Deutschland gibt es mittlerweile auch viele nicht deutsche Nationalitäten. Vielleicht kann sich ja auch daraus eine revolutionäre Situation ergeben.

    Freundschaft 😉

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