Dr. Eva Ruppert: Heinz Keßler – Genosse, Vorbild und Freund

Heinz Keßler.pngAm 2. Mai 2017 verstarb der von den Nazis und von der BRD-Justiz verfolgte Kommunist Armeegeneral der DDR, Heinz Keßler. Eva Ruppert schreibt:

Wann habe ich ihn persönlich kennen gelernt? Der Anlaß war die völkerrechtswidrige Verhaftung Erich Honeckers in der Moskauer chilenischen Botschaft und seine Überführung nach Berlin-Moabit. Bei meinen Besuchen dort traf ich vor der Haftanstalt Heinz Keßlers Frau Ruth. Ich war damals voller Wut über diese jeglichem Recht widersprechende Behandlung von Regierungsangehörigen eines fremden Staates durch die BRD-Justiz (nicht »Sieger-«, sondern Klassenjustiz!) und nahm mir fest vor, auch den Armeegeneral und Verteidigungsminister der DDR, dem ersten deutschen Staat, von dem vierzig Jahre lang – zeit seines Bestehens – kein Krieg ausging, in der Haftanstalt zu besuchen. Aber das war gar nicht so einfach. Es gelang erst später; als er in der ]VA Hakenfelde inhaftiert war und ich, zusammen mit seiner Frau, ihn dort besuchen durfte.

Ich war beeindruckt, fand ich doch einen Mann, der nicht nur sehr genau über die aktuelle Politik informiert war, sondern auch ungebrochen und ganz kämpferisch Stellung bezog. Gleichzeitig beeindruckte mich – ähnlich wie bei Erich Honecker – seine Menschlichkeit. Wie freundlich wurde ich – die Fremde aus dem »wilden« Westen – von ihm empfangen! Besonders freute ich mich später, wenn ich einen Brief von Heinz Keßler erhielt. Als ich später sein Buch »Zur Sache und zur Person« las, lernte ich auch seine Biografie kennen. Das Strafmaß gegen den ehemaligen Armeegeneral (7 ½ Jahre Haft) wurde zwar bestätigt, die Haft jedoch – nach Einspruch – durch den BGH bis zur endgültigen Entscheidung ausgesetzt, so daß Heinz Keßler sich wieder frei bewegen konnte.

Die nächste Erinnerung ist ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde: das Treffen mit Heinz Keßler anläßlich der Liebknecht-Luxemburg-Ehrung in Friedrichsfelde, meinem ersten Besuch dort. Heinz Keßler lud mich ein, mit ihm einen Rundgang zu machen. Dabei zeigte und erklärte er mir die Gräber rund um das Ehrenmal, von Rosa Thälmann, Erich Weinert und vielen anderen Kommunisten. Das war der Beginn nicht nur meiner jährlichen Besuche in Friedrichsfelde, sondern gleichzeitig der Beginn einer Freundschaft mit Ruth und Heinz Keßler.

Natürlich las ich sein 1996 erschienenes Buch nicht nur einmal, sondern auch heute lese ich darin, wenn ich angesichts der politischen Verhältnisse mutlos zu werden meine. Heinz Keßler ist mir stets ein Vorbild: Trotz seines Alters und der sich verschlechternden Sehkraft scheut er keine Mühe, auf Veranstaltungen kämpferisch aufzutreten, politische Irrtümer richtig zu stellen und Irrwege aufzudecken. So treffe ich Heinz und Ruth seit vielen Jahren beim Pressefest der DKP in Dortmund, wo er nicht nur öffentlich auftritt, sondern auch persönlich von vielen Genossen aus Ost und West angesprochen wird – scheinbar nie ermüdet oder abweisend. Stets macht er Mut. Es tut gut, ihn mit seiner festen Stimme reden zu hören. So möchte ich selbst auch kämpfen.

So schrieb Heinz mir 1996 folgende Widmung in sein Buch: »Die antifaschistische Solidarität ist eine entscheidende Waffe in unserm politischen Kampf. Die dürfen wir – die fortschrittlichen Menschen – uns von niemandem und niemals nehmen lassen. 10.5. 1996. Heinz Keßler«

Quelle:
Die Sache aufgeben, heißt sich selbst aufgeben. Festschrift für Heinz Keßler zum 90.Geburtstag. Verlag Wiljo Heinen, Berlin, 2010, S.156f.

Keßler

Zu den konterrevolutionären Ereignissen 1989:

Es ist eine infame Lüge, wenn die russische Agentur „RT deutsch“ schreibt: Der einstige Armeegeneral und Freund Honeckers gehörte dem Politbüro der SED an und trug im Herbst 1989 dazu bei, daß der gesellschaftliche Umbruch in der DDR friedlich blieb.“ Nein. Heinz Keßler gehörte nie zu den Revisionisten um Krenz, Modrow, Schabowski, Tisch und Hager, die den Übergang in den Kapitalismus vorbereiteten. Heinz Keßler war Kommunist. Man hatte ihn unter irgendeinem Vorwand ins Ausland nach Nikaragua geschickt, während in Leipzig und Berlin der … heute würden wir sagen: der „Majdan“ begann. Und weil es keinen Befehl gab, denn der Armeegeneral war nicht da,  konnte das Geschrei einiger konterevolutionärer Subjekte nicht unterbunden werden. Heinz Keßler hätte alles unternommen, um die beginnende Konterrevolution zu verhindern! Das ist eine Tatsache. Und zwar nicht „gegen das Volk“, sondern mit dem Volk. Denn es war nicht das Volk, das den Sozialismus abschaffen wollte, sondern nur eine verschwindend kleine Minderheit von Oppositionellen, von Revisionisten und Pfaffen, die taktisch, finanziell und materiell unterstützt wurde durch im Auftrag des westlichen Imperialismus handelnde Agenten. Ebenso wie Heinz Keßler war auch Honecker nie ein Revisionist. Er hatte die bereits aufziehende Konterrevolution kommen sehen … doch dann kam seine Krankheit dazwischen… Und jetzt versucht man nachträglich Heinz Keßler auf die Seite der Konterrevolutionäre zu stellen! Abscheulich!
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8 Antworten zu Dr. Eva Ruppert: Heinz Keßler – Genosse, Vorbild und Freund

  1. Hat dies auf Muss MANN wissen rebloggt und kommentierte:
    Ein Teil des Dochtes einer Kerze “ist verbrannt“!!!

    97 Jahre!!!
    Am Docht der Kerze “glimmt“ es weiter:
    DOCH die Kerze des Sozialismus IST noch lange nicht aufgebraucht!!!
    Ja — mir “Rechner“ ist klar und bewußt:
    Der Sieg des Lebens kann weitere MILLIARDEN Opfer “fordern“ …
    Heinz hat — “nicht wahrgenommen“ — mehr Menschen ihr Leben bewahrt oder ermöglicht!!! … die Komplexität …
    WIR haben unserem Genossen viel MEHR zu verdanken, als wir AHNEN können!

    • sascha313 schreibt:

      Danke Georg! So ist es! Als Beispiel könnte man auch sagen: Es ist ein weites Feld, das bestellt werden muß. Und immer neue Pflanzen wachsen heran… es gibt eine Entwicklung!

  2. ropri schreibt:

    „Ebenso wie Heinz Keßler war auch Honecker nie ein Revisionist. Er hatte die bereits aufziehende Konterrevolution kommen sehen … doch dann kam seine Krankheit dazwischen…“
    Aus heutiger Sicht möchte ich behaupten, auch die „Krankheit“ Erich Honeckers wurde organisiert. Es ist seit vielen Jahren üblich, Leute, die verschwinden müssen einfach erkranken zu lassen.
    Der Artikel, lieber Sascha, ist wieder einmal präzise und trifft die Sache auf den Kopf. Bitte, wer ist Dr. Eva Ruppert?

  3. Ulrich Schliz schreibt:

    Der Kampf geht weier. Nichts ist umsonst. Rot Front Genosse Kessler!

  4. Rolf, der Waldschrat schreibt:

    Wir müssen lernen und das Gelernte weiter geben.
    Rot Front!

    Rolf, der Waldschrat

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