Welche Absichten hatte die KPD nach der Zerschlagung des Hitlerfaschismus 1945?

Aufruf KPD 1945Heute gibt es im Internet zahlreiche Fälschungen, die versuchen, die Politik der KPD nach 1945 zu verunglimpfen und den deutschen Kommunisten unlautere Absichten zu unterstellen. So wird z.B. behauptet, der „sowjetische Diktator“ Stalin habe die „Forderung“ an die KPD gestellt, unverzüglich eine Bodenreform anzukündigen, wobei Anton Ackermann für einen „deutschen Weg“ eingetreten sei. Auch sei die Vereinigung mit der SPD „weitgehend erzwungen“ gewesen, und der Aufruf der KPD sei ohnehin nach der „Stalinisierung“ (was auch immer dieser Quatsch bedeutet!) Makulatur geworden. Mit diesen Lügen versucht die bürgerliche Geschichtsfälschung Zweifel an der Richtigkeit der DDR-Geschichtsschreibung zu säen und einen Keil zwischen die Kommunisten zu treiben. Das wird ihr aber nicht gelingen! Hier nun die Entlarvung der Lügen und die wahre Darstellung der Ziele der Kommunisten nach 1945:

Was ist falsch an diesen bürgerlichen Darstellungen?

  1. war Stalin kein Diktator, sondern seit 1912 demokratisch gewähltes Mitglied des ZK der KPR(B), seit 1922 Generalsekretär des ZK und er leitete nach dem Tode Lenins den Aufbau des Sozialismus in der UdSSR. Im Kampf gegen Verräter wie Trotzki wies Stalin nach, daß der Sozialismus in einem Land aufgebaut werden kann und er setzte mit Erfolg die Generallinie der Partei zur sozialistischen Industrialisierung und zur Kollektivierung der Landwirtschaft durch. Im Großen Vaterländischen Krieg errangen die Völker der Sowjetunion unter seiner Führung den Sieg über das faschistische Deutschland, das 1941 heimtückisch die Sowjetunion überfallen hatte. Durch diesen heroischen Sieg wurde die Menschheit vor der faschistischen Sklaverei gerettet. Im übrigen haben wir Stalin die längste Friedensperiode des 20.Jahrhunderts zu verdanken.
  2. stellte Stalin keine Forderungen an die KPD, sondern er machte nur Vorschläge und er bot den deutschen Kampfgenossen die tatkräftige Unterstützung der Sowjetunion bei der Verwirklichung ihrer Ziele an. Selbstverständlich wäre es nach all den schweren Jahren mehr als dumm gewesen, die hervorragenden Erfahrungen der Sowjetunion beim Aufbau des Sozialismus von der Hand zu weisen. Und niemand hatte die Absicht, der KPD irgendetwas „aufzuzwingen“
  3. es gab nie eine „Stalinisierung“ in der DDR (noch jemals in irgendeinem anderen sozialistischen Land!). Die Grundprinzipien des sozialistischen Aufbaus sind in jedem Land gleich. Und sie widerspiegelten sich auch bereits in dem Aufruf der KPD, der zunächst von der Notwendigkeit einer antifaschistisch-demokratischen Umwälzung geprägt war.
  4. war der Aufruf keineswegs „Makulatur“ geworden, vielmehr wurde in der DDR später damit genau das umgesetzt, was erforderlich war, um den Faschismus  auf deutschem Boden vollständig auszurotten und eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen, in der die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitigt war.

Soviel zur Vorrede. Hier nun der wesentliche Inhalt des Aufrufs der KPD (im Anhang auch als pdf-Datei herunterzuladen (mit Dank an die KAZ!):


Der Aufruf des ZK der KPD
vom 11. Juni 1945

war die erste programmatische Erklärung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) nach der Zulassung anti faschistisch-demokratischer Parteien durch den Befehl Nr. 2 der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland vom 10. Juni 1945.

  • Die KPD entwickelte in dem Aufruf die Beschlüsse des VII. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale (KI), der Brüsseler Parteikonferenz der KPD und der Berner Parteikonferenz der KPD weiter und setzte die Politik des Nationalkomitees „Freies Deutschland“ fort.
  • Die KPD verurteilte die Verbrechen des deutschen Faschismus, besonders den Überfall auf die Sowjetunion, und appellierte an das schaffende Volk in Stadt und Land, die Lehren aus der deutschen Geschichte zu ziehen.
  • Die KPD forderte, keine Wiederholung der Fehler von 1918 zuzulassen, die Spaltung des Volkes zu überwinden und der Reaktion keinen Spielraum mehr zu lassen.

Welche Aufgabe sah die KPD als vorrangig an?

kpd_plakat

Mit dem Aufruf wies die KPD den Weg aus der Katastrophe zur Lösung der Lebensfragen der deutschen Nation. In schöpferischer Anwendung des Marxismus-Leninismus auf die Entwicklungsbedingungen in Deutschland wurde die Aufgabe gestellt, die bürgerlich-demokratische Revolution unter Führung der Arbeiterklasse zu Ende zu führen, Imperialismus und Militarismus völlig zu liquidieren und eine antifaschistisch-demokratische Ordnung in ganz Deutschland zu errichten.

Was war die Zielrichtung der KPD?

Über die strategische Orientierung der KPD wurde im Aufruf gesagt: „Wir sind der Auffassung, daß der Weg, Deutschland das Sowjetsystem aufzuzwingen, falsch wäre, denn dieser Weg entspricht nicht den gegenwärtigen Entwicklungsbedingungen in Deutschland. Wir sind vielmehr der Auffassung, daß die entscheidenden Interessen des deutschen Volkes in der gegenwärtigen Lage für Deutschland einen anderen Weg vorschreiben, und zwar den Weg der Aufrichtung eines antifaschistischen, demokratischen Regimes, einer parlamentarisch-demokratischen Republik mit allen demokratischen Rechten und Freiheiten für das Volk.“

An wen richtete die KPD ihren Aufruf?

Die Auseinandersetzung zwischen den friedliebenden Kräften des deutschen Volkes und der Reaktion sollte im offenen demokratischen Kampf in ganz Deutschland ausgetragen werden, da nur durch den Kampf um konsequente Demokratisierung die Voraussetzungen geschaffen werden konnten, um später die sozialistische Gesellschaft zu errichten.

Die 10 dringendsten Forderungen der KPD

In dem Aufruf waren in zehn Punkten die unmittelbarsten, dringendsten Aufgaben zusammengefaßt. Er verlangte u.a.:

  1. die Liquidierung der Überreste des Hitlerregimes und der Hitlerpartei (NSDAP) ;
  2. die strengste Bestrafung aller Kriegsverbrecher und aktiven Nazis;
  3. Kampf gegen Hunger, Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit;
  4. die Normalisierung des Lebens durch Wiederaufbau der Wohnungen, Betriebe und Schulen, durch restlose Ernteeinbringung sowie durch gerechte Verteilung der Lebensmittel und Gebrauchsgüter;
  5. die Herstellung demokratischer Rechte und Freiheiten des Volkes, vor allem die Wiederherstellung der Legalität der Gewerkschaften und der antifaschistischen Parteien, die demokratische Reform des gesamten Gerichtswesens und die Pflege eines wahrhaft demokratischen, fortschrittlichen und freiheitlichen Geistes in allen Schulen und Lehranstalten; die Schaffung demokratischer Selbstverwaltungsorgane in den Gemeinden, Kreisen, Provinzen und Ländern;
  6. den Schutz der Werktätigen gegen Unternehmerwillkür und Ausbeutung, die freie Wahl der Betriebsvertretungen der Arbeiter und Angestellten (Betriebsräte) sowie Hilfe für die Opfer des Faschismus;
  7. die Enteignung des gesamten Vermögens der Nazibonzen und Kriegsverbrecher und seine Übergabe in die Bände des Volkes;
  8. die Liquidierung des Großgrundbesitzes und die Übergabe seines gesamten Grund und Bodens sowie des lebenden und toten Inventars an die Provinzial- und Landesverwaltungen zur Zuteilung an die durch den Krieg ruinierten und besitzlos gewordenen Bauern;
  9. die Übergabe aller Betriebe, die lebenswichtigen gesellschaftlichen Bedürfnissen dienen (Verkehrsbetriebe, Wasser-, Gas-, Elektrizitätswerke u. Aufruf) in die Hände der Selbstverwaltungsorgane;
  10. friedliches und gutnachbarliches Zusammenleben mit anderen Völkern und Anerkennung der Pflicht zur Wiedergutmachung für die durch die Hitleraggression den anderen Völkern zugefügten Schäden.

Was war der Sinn des Aufrufs der KPD?

Mit dem Aufruf lag ein Programm des antifaschistisch-demokratischen Neuaufbaus vor, das die Entmachtung des Finanzkapitals und des Großgrundbesitzes vorsah, allen anderen Kräften des Volkes aber Entwicklungsmöglichkeiten bot. Damit war eine Plattform für ein breites Bündnis der Arbeiterklasse mit allen antiimperialistischen Kräften ausgearbeitet worden. Das ZK der KPD rief zum gemeinsamen Handeln von Kommunisten und Sozialdemokraten auf und schlug die Schaffung eines Blocks der antifaschistisch-demokratischcn Parteien vor.

Wer unterschrieb den Aufruf?

Der Aufruf wurde unterzeichnet von Anton Ackermann, Martba Arendsee, Jobannes R. Becher, Frans; Dahlem, Irene Gärtner (Elli Scbmidt), Ottomar Geschke, Edwin Hoernle, Hans Jendretzki, Bernard Koenen, Hans Mahle, Hermann Matern, Micbael Niederkirchner, Wilhelm Pieck, Gustav Sobottka, Walter Ulbricht und Otto Winzer.

Quelle:
Sachwörterbuch der Geschichte (2 Bde.), Dietz Verlag Berlin, 1969, Bd.1, S.210f. Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

pdfimages  Aufruf der KPD vom 6.11.1945 (Dank an die Kommunistische Arbeiterzeitung)

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2 Antworten zu Welche Absichten hatte die KPD nach der Zerschlagung des Hitlerfaschismus 1945?

  1. Politnick schreibt:

    Nur zur Info: Unter dem Besatzungsstatut der West-Alliierten war die KPD erlaubt. Das änderte sich jedoch mit dem Abschluss der Pariser Verträge 1955 womit das Besatzungsstatut endete. Ab da war der Weg frei für ein Verbot der KPD, was 1956 erfolgte.

    Freundschaft 😉

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