Die Verhunzung der deutschen Sprache

Die Sprache ist die unmittelbare Wirklichkeit des Gedankens.
(Karl MARX)

Eberhard BinderWir erleben heute immer mehr, wie die deutsche Sprache verunstaltet wird. Sie ist von Amerikanismen durchsetzt und paßt sich beinahe stromlinienförmig an die Bedingungen der kapitalistischen Ausbeutergesellschaft an. Darunter leidet nicht nur das gesprochene Wort, sondern auch der Schriftverkehr. In vielen deutschen Schulen dürfen Schulanfänger so schreiben, wie sie sprechen, mit der Folge, daß sie es erst (wenn überhaupt!) viele Jahre später lernen, wie die deutsche Rechtschreibung korrekt angewendet wird. Noch verrückter geht es zu, wenn (angeblich aus Gründen der Gleichberechtigung) die männliche und die weibliche Sprachform gleichzeitig in ein Wort eingebaut werden sollen (Beispiel: Die „Äff/innen/liebe“) – man nennt das „gegendert“ – allein schon das ist ein Unwort! In seinem „Wegweiser zu einem guten deutschen Stil“  schreibt der Sprachforscher Eduard Koelwel (1882-1966)

Die Sprache – ein Abbild der Wirklichkeit

Unsre gemeinsame Heimat nennen wir unser Vaterland, unsre gemeinsame Sprache: unsre Muttersprache. Sie sind uns das Nächste und Teuerste: Vater und Mutter. Wir lieben unser Vaterland in guten und schlechten Tagen, am meisten aber wohl in Zeiten der Gefahr wie der heutigen, da die Politik des Generalvertrags die weitere Vertiefung der Spaltung Deutschlands, neuen Krieg und unvorstellbares Elend in drohende Nähe rückt.

Wir müssen unsere Sprache schützen!

In dem Bestreben, die Einheit. unsres Volkes zu schützen und zu wahren, drängt sich uns auch die Pflege unsrer Muttersprache mahnend ans Herz, damit wir in ihr das Gedankengut der großen Geister unsres Volkes lebendig erhalten, mit ihr bewegend und überzeugend zu unsren Brüdern sprechen können. Die Sprache ist uns allen ein Mittel der Verständigung. Stalin sagt: „Die Sprache ist ein Mittel, ein Werkzeug, mit deren Hilfe die Menschen miteinander verkehren, ihre Gedanken austauschen und eine gegenseitige Verständigung anstreben.“

Das Ziel: Eine gute deutsche Sprache.

Das Wort Verständigung bedeutet einmal: Mitteilung, Gedankenaustausch; es hat noch den zweiten Sinn: Streben nach Einigung, Einigung selbst. Und dieser zweite Sinn steht heute im Vordergrund. Was nun sichert zunächst das Verständnis, sichert das Verstandenwerden? Eine schlichte, klare Ausdrucksweise. Wir wollen unsre Gedanken in eine einfache Form bringen, damit uns jeder verstehe, an den wir uns wenden. Klar, eindringlich und überzeugend zu sprechen und zu schreiben soll unser Ziel sein.

Das Lesen guter Bücher bildet!

Um dies zu erreichen, wollen wir bei den Dichtern und Denkern in die Lehre gehen, die ein gutes Deutsch geschrieben haben, von ihnen wollen wir lernen. Aber die Klarheit des Ausdrucks bedingt nicht nur Schlichtheit und Einfachheit. Wir müssen auch darauf achten, ob das Wort, das wir wählen, das richtige ist, um unsre Gedanken wiederzugeben. Sehen wir uns deshalb den Wortschatz unsrer Sprache etwas genauer an.

Woher kommen die sprachlichen Unterschiede?

Zwar ist es sicher, daß es keine Klassensprache gibt, wie J.W. Stalin in seiner Schrift „Der Marxismus und die Fragen der Sprachwissenschaft“ überzeugend nachgewiesen hat. Genauso unbestritten ist es aber auch, daß sich in den einzelnen Sprachen im Laufe der Geschichte gewisse Abweichungen von Provinz zu Provinz herausgebildet haben (die Dialekte) und daß bestimmte Schichten der Gesellschaft versucht haben, der Sprache ihr Gepräge zu geben (Jargons). Denken wir an die höfischen Kreise vergangener Jahrhunderte, die mit dem einfachen Volk nichts gemein haben wollten und deshalb viele französische Ausdrücke verwendeten oder überhaupt Französisch sprachen. Doch noch in einer anderen Weise spiegelt die Sprache, und zwar bis auf den heutigen Tag, das Bestreben dieser Kreise wider, ihre Überlegenheit zu betonen.

Die Sprache der „besseren“ Gesellschaft

Was ist denn ein „edler“, ein „ritterlicher“, ein „vornehmer“ Mensch? Wir stellen uns darunter einen Menschen mit guten Eigenschaften vor, mit dem wir gern zu tun haben. Doch gleichzeitig ist der Edle, der Ritter, der Vornehme seinem Ursprung nach ein Mensch, der den adligen, begüterten Kreisen angehört. Ist es nur ein Zufall, daß uns auf diese Weise durch die Sprache selbst bekundet wird, daß der Mensch, der durch Geburt und Geld in der Gesellschaft obenan steht, auch gleichzeitig der bessere ist? Nein, ein Zufall ist das nicht, sondern hier spiegeln sich in der Sprache Anschauungen der herrschenden Schichten. Dies erklärt sich dadurch, daß jahrhundertelang das Volk in Unwissenheit gehalten wurde und seine Stimme in der Schriftsprache nur wenig zum Ausdruck kam.

…auch in anderen Sprachen gibt es das!

Die gleiche Erscheinung wie im Deutschen gibt es übrigens auch in anderen Sprachen. Der englische „gentleman“ ist ebenso der Angehörige der gehobenen Stände· wie der „Noble“ oder der „Chevalier“ (damit hängt der „Kavalier“ zusammen) im Französischen oder der „Caballero“ im Spanischen. Diese Wörter haben aber bezeichnenderweise ebenfalls den Doppelsinn des anständigen, zuvorkommenden Menschen.

Sprachliche Verächtlichmachung

Doch wie sieht es auf der anderen Seite aus? Ein Mensch, der unsre Verachtung verdient, ist „gemein“. Dieses Wort „gemein“ besagte jedoch ursprünglich nur, daß jemand zur All„gemein“heit, zur großen Masse zählte. Ähnlich verhält es sich mit dem Wort „gewöhnlich“, dem die Überheblichkeit der „feinen“ Leute einen verächtlichen Sinn gegeben hat. Und auch das Wort „grob“ deutete ursprünglich auf das einfache Gewand des Mannes aus dem Volke, ehe ihm der weitere Sinn des unfreundlichen Menschen gegeben wurde.

Nachdenken über die deutsche Sprache

So wurden in die Sprache Klassenunterschiede hineingetragen, die ihr bis auf den heutigen Tag anhaften und die sicher auch die Denkweise weiter Teile des Volkes beeinflußt haben. Eine solche Entwicklung wird man nicht mit einem Schlage ungeschehen machen können, denn eine Sprache ist etwas organisch Gewachsenes. Aber gerade deshalb ist es sehr nützlich, einmal über den Wortschatz der deutschen Sprache nachzudenken.

Quelle:
Eduard Koelwel: Wegweiser zu einem guten deutschen Stil. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1954, Vorwort. Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)


Dazu schreibt auch  Ossiblog:

Warum wird die Sprache so verhunzt?

Die Verhunzung der deutschen Sprache muß ein Endziel haben: Sie soll verschwinden. Offiziell wollen die Durchsetzer die Benachteiligung der Frau und der anderen Geschlechter beenden (LOL!). Da muß ich erst mal kräftig lachen. In der DDR wurde eine Arbeitsstelle gleich bezahlt – egal welches Geschlecht der Werktätige hatte. Es waren Planstellen, bei denen ein Betrag x feststand. Das war Gleichberechtigung. Nun will man über die Sprache regeln, was der Kapitalismus nicht vermag: Gleichstellung und Gleichberechtigung.

Woher kommt dieser sprachliche Unrat?

Im ÖD, an Unis und Hochschulen, im ÖRR oder anderen Medien wird dieser Unsinn zelebriert. Die erste Stufe war die Schlechtschreibreform nach dem Untergang der DDR. Jetzt zündet man die zweite. Die deutschen Vordenker sind Luise Pusch und Senta Trömel-Plötz. Die eine aus Gütersloh, die andere aus München. Beide waren 1968 im besten Studentenalter. Beide haben die Gehirnwäsche der Amis nach 1945 hinter sich. Denn von dort – woher sonst? – kommt dieser Mist.

Quo vadis, deutsche Sprache?

Goethe, Schiller, Brecht und andere würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüßten, was in der BRD passiert. Es wird eine künstliche und kapitalismusaffine Sprache geschaffen, die alles Deutsche auslöschen soll. Da ich die Fünfzig überschritten habe, muß ich nicht mehr so lange zusehen. Aber die Jüngeren tun mir leid. Intellektuell liegt die BRD in der Steinzeit. Arbeitsmäßig im Feudalismus. Freiheitsmäßig in der Sklavenhaltergesellschaft. Reicht.

Quelle: Genderwahn und Gleichberechtigung

Vignette: Eberhard Binder, Staßfurt (DDR)

Tschukowski

Um die Reinheit der Sprache zu erhalten, muß man sich um die Reinheit der menschlichen Gefühle und Gedanken bemühen. (K. Tschukowski)


Beispiele der verhunzten Sprache:

(jeder kennt Dutzende solcher Wörter – hier nur mal ein paar harmlose Beispiele)

– zeitnah
– das macht Sinn
– Bahnticket
– Jobcenter
– Casting-Show
– Lohndumping
– downloaden

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31 Antworten zu Die Verhunzung der deutschen Sprache

  1. Don_A schreibt:

    noch einige Beispiele:
    wie jetzt….
    alles gut,
    oh mein Gott,
    nicht wirklich
    cool
    tja, die deutsche Sprache wird immer weiter veramisiert,
    verrusifiziert wurde die deutsche Sprache in der DDR kaum.
    Ja, es gibt aber auch in jeder Sprache Lehnwörter, aber nur dann, wenn es kein Pendant gibt. 😉

  2. Thomas Muenzberg schreibt:

    Danke! Der Artikel spricht mir aus der Seele. Beispiele, die die Verunstaltung der Sprache, für Oberflächlichkeit im Denken, gibt es unzählige: allein diese Recht-schreib-„Reform“ ist eine Zumutung, auch Solches wie: „in 2016 haben …“.
    Parallel zur „Gentrifizierung“ der Innenstädte erfolgte die der Sprache. Ich postulierte dann: ab sofort heißt es bei mir: „Liebe Männerinnen, liebe Männer…!“

  3. Thomas Muenzberg schreibt:

    Da gibt es auch echt freche Wortschöpfungen. „Sozial schwache“ Menschen werden behauptet, obwohl doch Menschen beschreiben soll, die in bitterer Armut leben, Menschen oft, die deshalb sozial stark sind – im Gegensatz zu den Asozialen, die Marx „Beutelsbscheider nannte. Da wird ein Prekariat erfunden, denn vor dem Proletariat, das sich als Klasse an sich und für sich kennt, da haben diese Asozialen, die Rentiers und ihre Helfer in Politik, Amt, Gericht und Kirche eine Heidenangst. Ach ja, noch jene dann in Gewerkschaften und Parteien, die sich fortschrittlich geben, als Feind in den eigenen Reihn, von Sozialpartnerschaft schwätzend zur rechten Zeit einen Noske parat habend.

  4. Hanna Fleiss schreibt:

    Über das, was uns als Restdeutsch geblieben ist, könnte man Bücher schreiben. Hat einer getan, leider den Titel vergessen, dummerweise nicht gekauft. Ärgere mich hoch heute darüber.

    Ist jemandem schon aufgefallen, dass die Journalisten mittleren und jüngeren Alters des Fernsehens mit der deutschen Sprache nicht zurechtkommen? Das schönste, was ich jemals gehört habe, war, als Johannes Paul II. gestorben war. Da stand ein Mittdreißiger vor dem Petersdom, ringsum viele Leute, und da sagte er mit Bittermiene, der sich Reporter vor Ort nannte, folgenden Satz: „Die Menschen hier gedachtem dem Papst.“ Mir kräuselte sich alles. Der muss eine wahnsinnige Scheu vor dem Genitiv gehabt haben. Den Lapsus hatte der Gute gar nicht mitgekriegt, er schwatzte ungerührt weiter. Der ging ganz bestimmt in eine bundesdeutsche Schule.

    In der DDR hatte sich F. C. Weiskopf sehr um die Sprache bemüht. Kennt einer den grundlegenden Unterschied zwischen „scheinbar“ und „anscheinend“? Mir fällt immer mit Schmerzen auf, dass durchgängig „scheinbar“ gesagt und geschrieben wird, wenn „anscheinend“ gemeint ist. Wenn nämlich einer nur scheinbar schläft, dann ist er wach, er schläft nur zum Schein. Wenn er aber „anscheinend“ schläft, dann schläft er nach Einschätzung des Betrachters vermutlich wirklich.

    Was aber die Anglizismen angeht, so steckt auch eine gewisse Eitelkeit des Sprechers dahinter: Er kann Englisch! Unverzeihlich finde ich sämtliche Aufschriften der Bahn. Als ob jemand, der nach Deutschland reist, zu dämlich ist, einen Bahnhof als Bahnhof zu erkennen, man kommt ihm englisch. Die Bahn kommt den Leuten schlankweg nur englisch. Am schönsten sind dann die zusammengesetzten Wörter, z. B. Ticketschalter, ich meine: Wenn schon, denn schon. Dann bitte Ticket Office. Das ist Halbbildung, nichts weiter.

    Ja, die deutsche Sprache verschlampt. Meine Wohnungsverwaltung ist in „Teams“ eingeteilt, damit sind die Mitarbeiter gemeint, die für entsprechende Wohngebiete verantwortlich sind. Das Wort „Kollektiv“ zum Beispiel ist heute verpönt, klingt zu kommunistisch. Allenfalls wird es im negativen Sinne gebraucht: „kollektivistisch“.

    Wie gesagt, man könnte ganze Bücher zu diesem Thema schreiben.

  5. sascha313 schreibt:

    „verschlampt“ ist das richtige Wort. Die „Rechtschreibreform“, die keine war, hat den Schulbuchverlagen enorme Umsätze eingebracht (das war ja auch der Sinn der Übung!). Ebenso sind die ausufernden Straßenbaumaßnahmen, Radwege und Tunnelbauten weiter nichts als Arbeitsbeschaffung – wie seinerzeit die Autobahnen… und nach Kretschmann ist es ja die Wirtschaft, die „brummt“ – und nicht seine Propagandamaschine ))))

  6. Hanna Fleiss schreibt:

    Thema Rechtschreibreform. Da stehen mir die Haare zu Berge. Klar, einerseits ging es um den Profit der Schulbuchverlage. Aber diese „Reform“ setzt voraus, dass den jungen Menschen heute nicht mehr zumutbar ist, kompliziertere Zusammenhänge zu erfassen, sie sollen sie gar nicht mehr begreifen. Vor der „Reform“ war die deutsche Rechtschreibung sehr logisch gebaut, heute wird auf Unlogik gesetzt. Ich war eine von denen, die gegen diese Verballhornung der deutschen Rechtschreibung protestiert hatten, zusammen mit sehr vielen Schriftstellern, die auf Zwischentöne angewiesen sind, die jetzt durch die falsche Schreibung verschwunden sind. Das interessierte aber überhaupt nicht. Da gibt es das schöne Beispiel „Es bleibt alles beim Alten.“ Vorher wurde „alten“ kleingeschrieben, die Frage nach der adverbialen Bestimmung war: Wie bleibt es? Heute, mit der Großschreibung, lautet die Frage: Wo bleibt es? Antwort: Beim Alten, und kontextlos weiß man nicht, ist nun das Alte gemeint oder der Opa. Da wird aus der Modalbestimmung eine Lokalbestimmung. Wenn man sich die Rechtschreibung in den Blogs ansieht, bekommt man eine Ahnung vom Niedergang der Bildung in den Schulen. Interpunktion scheint ein Verrückter erfunden zu haben, jedenfalls ist sie nichts für Abiturienten. Ich schreibe heute eine Mischung von „Vor der Reform“ und „Nach der Reform“. Ich sehe einfach nicht ein, dass ich dieses Kauderwelsch, das uns aufgezwungen wurde, auch noch selbst gebrauchen soll. Dabei bin ich keinesfalls gegen Vereinfachungen, die eine Sache sogar noch verdeutlichen können. Und das schließt sogar Fremdwörter (nicht Fremdworte) ein.

  7. Politnick schreibt:

    Ja, es wird Zeit dass wir mal dieses Thema besprechen. Die gezielte Vernichtung unserer Sprache als das wichtigste Kulturgut geht mit einer totalen Verklärung der Begriffe einher. So wird beispielsweise der Begriff „Wahrnehmung“ mit Verständnis gleichgesetzt, und ebenso sinnentstellt wird der Begriff „spontan“ verwendet. Mühelos lassen sich beliebig weitere Beispiele finden.

    In Fachforen wird alles kleingeschrieben und manche Zeitgenossen pflegen darüber hinaus auch noch die Unsitte, das alles ohne Punkt und Komma hinzurotzen. Politiker reden von „Augenhöhe“, anstatt die Fakten unterschiedlicher Entwicklung zu respektieren. Wobei mir der Begriff „Augenhöhe“ auf Politiker bezogen eigentlich gut gefällt 😉

    Aber letztendlich hat das alles System und ist so gewollt. Ein Volk ist gekennzeichnet durch eine gemeinsame geistig-kulturelle Grundhaltung (Abusch) und genau das kann der Kapitalismus überhaupt nicht gebrauchen. Aus diesem Grunde ist das Anfachen von Diskussionen über Religionsfreiheit oder eine sogenannte „Leitkultur“ nichts weiter als eine Ablenkungstaktik von den täglichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, z.B. den millionenfachen Menschenhandel, die Migration und Integration. Dafür gibt es in der Geschichte genügend Beispiele (Hugenotten, Slawen usw.), aber solche Fakten werden ja bewusst verschwiegen und vertuscht.

    Die sogenannte Flüchtlingspolitik bricht millionenfach Menschen- und Völkrerrecht und richtet sich nicht nur gegen unsere eigene Kultur, sondern gegen das gesamte Weltkulturerbe!

    Und schließlich sei noch angemerkt, dass ein Volk seine gemsinsame geistig-kulturelle Grundhaltung gewöhnlich in einer Verfassung manifestiert, und ebenso gehört der Umgang mit nationalen Minderheiten verfassungsrechtlich und damit langfristig festgehalten, und nicht täglich im Bundestag diskutiert.

    Freundschaft 😉

    • sascha313 schreibt:

      Genau.
      Übrigens: Ist jemandem schon aufgefallen, daß ich immer noch die „DDR-Rechtschreibung“ verwende?

      P.S. bei wichtigen Kommentaren korrigiere ich die Rechtschreib- oder Tippfehler stillschweigend. Nur bei diversen Provokationen lassse ich sie stehen, oder lösche den Mist.

    • sascha313 schreibt:

      Du hast recht, Giskoe. Man könnte sich über diesen Mist pausenlos aufregen. Doch das beste wird sein, man ignoriert das. Übrigens „speed-dating“ ist auch so ein Idioten-Wort. Gemeint ist damit ein Kurzzeit-„Gespräch“ – es gibt also nicht nur „Un-Wörter“, sondern auch „Un-Dinge“, die niemand braucht!

  8. Stefan schreibt:

    … eine sprachliche Stilblüte der bezeichnenden Art ließ gestern in einem kurzen Bericht innerhalb der Nachrichtensendung „UM 6“ der korrumpierte Nazibonze Schäuble vernehmen „… es geht darum zu Frankreich (nach der Präsidentenwahl – m. Erg.) gutere Beziehungen herzustellen.“ !Der deutschen Sprache anscheinend nicht mächtig, aber zum Ausspeien antikommunistischer Gift und Galle reicht’s alle Mal, wie wir wissen.

    Mit Sicherheit ist die Verhunzung der deutschen Sprache so gewollt. Für sehr viele Abiturienten bleibt die Schönheit und auch die Feinheit unserer Muttersprache dadurch in ewiges Mysterium. So ähnlich geht es ja leider den Brandenburger (und sicher bei entsprechender Aufgabenstellung auch den Berliner) Gymnasiasten mit den Logarithmen; ob als Logarithmusfunktion oder in Form einer Arithmetikaufgabe unter Verwendung z.B. natürlicher Logarithmen. Die Eulersche Zahl scheint heute Zwölftklässlern eine absolut unverständliche Konstante zu sein …

    Deutsch und Mathe sind nun mal angesichts solcher Hauptfächer wie Religion, Englisch, Golf & Co nebensächlich ! Von den Naturwissenschaften reden wir lieber erst gar nicht; Lehrer sind beispielsweise angehalten hier keine schriftlichen Hausaufgaben zu erteilen. Astronomie als eigenständiges Unterrichtsfach (wie ja in der DDR selbstverständlich!) – Fehlanzeige ! Aber auch der sogenannte Fachwortschatz gehört gerade in unserer Zeit zum immanenten Wortschatz jeder Muttersprache, und sein exakter Gebrauch muß kontinuierlich geübt werden, nicht zuletzt auch im korrekten Schriftbild. Doch davon sind wir inzwischen meilenweit entfernt; wie schon ein Vorredner einschätzte: BRD = intelektuelles Steinzeit-Niveau !
    Beste sozialistische Grüße

    • sascha313 schreibt:

      Danke Stefan, Du hast völlig recht – das Schulsystem der BRD war und ist eine totale Katastrophe. Die Verblödung beginnt schon bei den Aufgabenstellungen in den naturwiss. Fächern und endet bei bei den Ritualen (Schuleingangsphase, Stuhlkreis, Inklusion usw.) Da werden die Kinder zu willfährigen Idioten erzogen. (Auch wenn die Wortwahl sehr drastisch ist, Tatsache ist, die Schulabgänger sind i.d.R. politisch ungebildete und sozial degenerierte Wesen). Ausnahmen gibt es freilich. Den Lehrern kann man i.a. keinen Vorwurf machen – die geben sich alle Mühe! Manche sagen aber auch nur: „Bald krieg‘ ich Rente!“

    • Politnick schreibt:

      Noch’n Beispiel zum Thema Genderismus, kam heute im Radio: „Gästin“. Wenn meine Frau nicht gefahren wäre, wir wären im Graben gelandet, so hab ich gelacht 😉

      Und Mathe: Hab neulich in einem anderen Forum angemekt, dass eine Gleichung als Differentialgleichung gilt, wenn eine Funktion und deren Ableitung drinsteckt. Also beispielsweise sin(x) und cos(x) — Hahm die nicht begriffen, ich kasssierte ein „Hä?“. Also auch der Umgang ist kaputt oder besser gesagt am Arsch.

      Freundschaft 😉

      PS: Es heißt „Zu Weihnachten“ und nicht „An Weihnachten“. Und heute ist „Sonnabend“, nicht „Samstag“.

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Zu schön, Politnick. Die Form „an Weihnachten“ ist südwestdeutsch, ich habe mich darüber schon immer geärgert, denn hochdeutsch heißt es tatsächlich „zu Weihnachten“. Aber Westdeutsch siegt!

        Ich hätte da auch ein Beispiel: Der Kerl über meiner Wohnung sprüht seit einem Jahr Insektenspray, und das gelangt irgendwie in meine Wohnung. Du kannst dir vorstellen, wie schön es sich im Winter mit weit offenen Fenstern gelebt hat. Als ich mich bei der Wohnungsverwaltung beschwerte, waren sowohl die Sachbearbeiterin (Enddreißigerin) als auch der Vorstand (vermutlich Westdeutscher) der Meinung, dass das ja gar nicht sein kann, denn Gase steigen immer nach oben, also kann der Kerl über mir es gar nicht sein, sondern die Belästigung kommt aus dem Parterre (wo eine vietnamesische Familie wohnt, die man vermutlich loswerden will). Nun sind aber Gase schwerer als Luft (sie bestehen aus winzigen Tröpfchen) und sinken aufgrund dessen zu Boden. Doch meine Wohnungsverwaltung wollte mir die Umkehrung des Schwerkraftgesetzes weismachen! Sogar die Polizei kraft ihrer Wassersuppe war dieser Ansicht! Die sollten ihre Bewerber nicht nur auf Rechtschreibung prüfen, denke ich mir. Sie sind einfach zu ungebildet, um zu bemerken, dass sie ungebildet sind.

  9. Rolf, der Waldschrat schreibt:

    Es sind ALLES kleine Mosaiksteine zur (weiteren) Erhaltung des Kapitalismus. Beschäftigung und Ablenkung für den Bürger, Gewinn für den Kapitalisten, Kleinbürger und sonstige Stadthalter.
    Ich hatte in „DDR-deutsch“ auch nur eine „2“. Ich hoffe Sascha korrigiert mich, auch wenn ich nicht so wichtig bin ….
    Rolf, der Waldschrat

    • sascha313 schreibt:

      Nein, Rolf, Du bist wichtig! Jeder ist wichtig, der es ehrlich meint! Ich finde nur, eine richtige Rechtschreibung gehört zum guten Stil. Deshalb habe ich noch, wie viele andere auch, einen DDR-Duden.

  10. Rolf, der Waldschrat schreibt:

    Hallo Sascha!
    Der „DDR-Duden“ steht auch bei uns im Regal.
    Er ist aber nicht nur wichtig wegen der Gesellschaftsordnung, aus der er stammt. Auch der Inhalt zeugt von Menschlichkeit und Vorwärtsentwicklung. Wie auch die Gesetze der Deutschen Demokratischen Republik „volksverständlich“ waren, verständlich für das Volk und zum Wohle des Volkes. Und vieles andere mehr …

    Rolf, der Waldschrat

  11. sascha313 schreibt:

    Stimmt, Rolf. Das muß man immer wieder sagen. Wenn man das derzeitige Juristisches Wörterbuch zur Hand nimmt, da sind viele Begriffe einfach unverständlich. So z.B. „Präklusion“, „Eventualmaxime“, „Spruchkörper“, „Remonstration“ usw. usf. – natürlich gibt es für alles Erklärungen, aber es ist ja auch nicht der Sinn der Sache, daß ein Außenstehender versteht, worüber sich Juristen unterhalten. Selbst Vertreter haben eine eigene Lexik und Begriffe, die man nicht verstehen soll, wenn sie mit ihrer Firma Rücksprache nehmen. Da waren wir damals in der DDR gegenüber dem Klassenfeind viel zu offen! Bei uns gab es eben noch die Reinheit und Ehrlichkeit der Gefühle und Gedanken…

  12. Politnick schreibt:

    Ahh, noch was, heute im SWR, da ging es um die Frage, wer wen prägt. Also beispielsweise prägen Eltern ihre Kinder. Ich habe selten so eine geballte Ladung von Stuss gehört, nicht ein einziges Mal wurde erwähnt, dass das Leben ein Lernprozess und eine Erfahrung eine Sache ist, die jeder selber machen muss.

    Irgendwann hat dann ein studierter Psychologe die Katze aus dem Sack gelassen und gesagt, dass „… jemand der infolge Handlungen anderer geprägt worden ist, für seine eigenen Handlungen verantwortlich sei und das wäre halt das ‚Dumme‘ an einer Prägung.“ Wer hätte das gedacht.

    Eng verwandt mit solch saudummen Geschwafel sind weitere Begriffe wie Devotionalien und Charisma. Zu meiner Zeit jedenfalls gab es noch den Begriff Autorität mit dem tieferen Sinn gegenseitiger Achtung und Respekt voreinander. Schließlich sei noch angemerkt, dass nicht Einer im heutigen Sprachgebrauch die Bedeutung von spontan (selbstständig, von innen heraus) kennt und diesen Begriff völlig falsch sowie zweckentfremdet verwendet.

    Auf unserer Penne (EOS) jedenfalls hatten wir noch das Glück, den Deutsch- und Lateinlehrer in einer Person zu haben, lieben Dank an Klaus O.

    Freundschaft 😉

    • sascha313 schreibt:

      …naja, Fernsehen ist eben doch keine Bildungsquelle. Man spricht heute ja auch nicht mehr von Erziehung, sondern nur von unterschiedlichen „Prägungen“. In der sozialistischen Schule waren Sprache und Literatur wichtige Bestandteile der Bildung und Erziehung. In dem uns aufgezwungenen westdeutschen Schulsystem werden dagegen Werke unserer Klassiker (Goethe, Schiller, Brecht…) schon seit Jahren immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Mit einer Flut von Schund und Schmutz US-amerikanischer Herkunft wurde in den letzten Jahren der Geschmack der Jugend verdorben. Diese Art „Bildung“ prägt die Jugend, damit sie sich auch künftig wieder an den Abenteuern des deutschen Imperialismus beteiligt (s. Neonazis in der Bundeswehr).

  13. nur ein fragender schreibt:

    Auch auf die Gefahr hin, trollig zu wirken, habe ich eine andere Frage: Wie stand es in der DDR oder allgemein im ‚Ostblock‘ mit den klassischen Sprachen, d.h. Latein und Altgriechisch? War so etwas Teil des Curriculums? Wie stand es ideologisch damit?

    Meiner Erinnerung nach, rühmte sich die BRD immer mit der klassisch-humanistischen Erziehung und die DDR soll dies eher negativ bewertet haben, weil Latein und Altgriechisch etc. nicht ‚praktisch‘ waren.

    Ich komme darauf, weil ich letztens mitbekommen hatte, daß Lenin vorzüglich Latein konnte.

    Danke

    • Don_A schreibt:

      kam auf die Studienrichtung an. Zumindestens beim Medizinstudium gab es an der Oberschule diese Sprachen. Ist ja wohl selbstverständlich, oder?
      Und wenn sich die BRD mit Humanismus rühmt, halte ich das für eine argen Witz.

      • Hanna Fleiss schreibt:

        BRD und Humanismus? Der Witz, Don A, ist vollständig. Das passt doch wohl nicht zusammen in Zeiten besonders des Neoliberalismus, wo sogar die Studenten reif gemacht werden, um dem Profit der Konzerne dienen zu können. Die BRD ist das ungebildetste Land, das mir jemals untergekommen ist. Selbstverständlich, man gab sich den Anschein, ganz, ganz dolle Bescheid zu wissen. Und da ist es egal, welches Gebiet es betrifft. Ich möchte mal nur an die Geschichtswissenschaften oder die philosophischen Richtungen erinnern, die jedem, der bis drei zählen kann, klarmacht, wie „humanistisch“ die BRD ihre Schüler und Studenten ausbildet. Es ist reines Klassenwissen, und zwar der Klasse des Kapitals. Wenn nun einer Latein radebrecht oder Griechisch ein paar Brocken weiß – was sagt das über humanistische Ausbildung der Bevölkerung aus? In meinem Fach, der Literatur, habe ich viele Leute kennengelernt, die glauben, wenn sie eine griechische Sage mit ein paar griechisch geschriebenen Wörtern anreichern, dass sie die Größten unter den Dummen sind. Alles nur Fassadengehabe.

    • sascha313 schreibt:

      Ja, letzteres stimmt – Lenin konnte auch hervorragend Deutsch. Die Frage ist völlig berechtigt. Und Marx hat mit über 50 noch begonnen, Russsich zu lernen. Latein ist ohnehin für einige Berufe wichtig (Medizin, Geschichte, Psychologie, Philologie, Jura usw.). Es gab Klassen, in denen Spezialfächer unterrichtet wurden, und es gab auch Spezialschulen. Russisch war ab 5.Klasse Pflichtfach (nicht nur um den unterschwelligen „Russenhaß“ der Nazizeit abzubauen, sondern vor allem, um den Reichtum der Sowjetvölker kennenzulernen – auch in der UdSSR hatte alle Kinder Russischunterricht).

      Französisch, Englisch, Polnisch usw. wurden auch unterrichtet. Und in Gegenden, wo sorbische Bevölkerung lebte, war auch die Unterrichtssprache oft Sorbisch. Altgriechisch und Hebräisch waren eher Spezialfächer, die bestimmten Studienrichtungen vorbehalten waren. Ideologische Zwänge gab es in der DDR nicht. Allerdings wurdfe Wert auf Wissenschaftlichkeit gelegt. Und dazu gehört nunmal nicht die Religion nicht! Doch wer unbedingt wollte, konnte natürlich auch Theologie studieren. Und auch Kinder aus religiös geprägten Elternhäusern hatten gleiche Möglichkeiten. Allerdings wurden Arbeiterkinder bevorzugt!

      Ein Curriculum gab es bei uns nicht. Es war eine allgemeinbildende, polytechnische Oberschule (1.-10. Klasse) und dafür gab es einheitliche, systematisch aufgebaute Lehrpläne, die für alle Schulen binden waren. Auch Privatschulen gab es nicht, die Volksbildung (generell kostenlos!) war eine Aufgabe des Staates.

      Ich will ja nicht schon wieder korrigieren, den Begriff „Ostblock“ gab es nicht. (Genausowenig qwie „Mauer“, „Zonengrenze“ und „SED-Diktatur“ – diese Begriffe stammen aus den westdeutschen Medien.) Es gab die Gemeinschaft der sozialistischen Länder, in denen waren die Bildungssystem ähnlich und die Abschlüsse gleichwertig. Besonders geeignete Studenten durfen z.B. in der Sowjetunion oder Ungarn studieren und wurden dann ohne Probleme in der DDR eingesetzt.

      Auch hatten wir viele Lehrlinge, Studenten und Praktikanten aus anderen volksdemokratischen Ländern. Ein Schulfreudn, der mit mir Abitur gemacht hat, war aus Syrien.

      Siehe auch:
      https://sascha313.wordpress.com/2013/08/20/191/
      https://sascha313.wordpress.com/2015/09/11/sozialismus-im-kampf-gegen-die-unbildung/
      https://sascha313.wordpress.com/2015/08/14/das-einheitliche-sozialistische-bildungssystem-der-ddr/

  14. Don_A schreibt:

    von der 11. bis zur 12. Klasse hieß das EOS und da kam es darauf an, wie der weitere Bildungsweg verlaufen sollte. In der Leipziger Thomas – Oberschule wurde beispielsweise besagte Sprachen wie Latein und Altgriechisch gelehrt.

  15. nur ein fragender schreibt:

    Danke für Eure Kommentare,
    Zum „Ostblock“, ich nenne auch scherzhaft den Westen „Westblock“.
    Als jemand der ‚historisch‘ nur über westliche Medien über den Osten informiert wurde, habe ich die ideologisch unbelasteten Begriffe leider nicht parat, wenn ich schnell schreibe, aber ich meinte genau die Staaten, die du gemeinst hast, nämlichen die sozialistischen Staaten Osteuropas. Mea culpa.

    Zurück zur Ausgangsfrage:
    Das mit der Theologie scheint einsichtig, auch scheint mir, daß evangelische Theologen davon abgeschreckt, den historischen Materialismus in ihre historisch-kritische Methode miteinzubeziehen, was im Grunde ein weiterer Schritt ihrer Methodik ist, die ja nicht unwissenschaftlich ist.

    Zur Ausgangsfrage hat mich vor allem dieser Text geführt, ich zitiere:
    “ As there were no textbooks for Classical languages during the Soviet period, in the early 1990s the teachers had to rely on photocopies of pre-Revolutionary textbooks. Thanks to the financial support of several German foundations (Deutsche Forschungs…“
    Hier der Link: http://librarius.narod.ru/scholae/Greek_in_Russia.doc
    (Der Text ist übrigens Propaganda gegen die UdSSR via ein Orchidenfach.)

    Ich hatte schon eingangs erwähnt, daß hier im tiefsten Westen uns noch in den Neunzigern gesagt wurde, daß die DDR nichts für solche Sprachen übrig hatte, da diese als bürgerlicher Spielwiese galten und nicht wirtschaftlich-praktisch (also rentabel, wie es heute heißen wurde), fragte ich ganz naiv hier. Auch soll die Philologie vernachlässigt worden sein und mehr Wert auf das Praktische gelegt worden sein.

    Da ich schon vorher darauf gestoßen bin, daß Stalin noch im Alter Altgriechisch konnte und las, vor einiger Zeit das mit Lenin erfuhr und auch weiß, daß die Arbeiterbewegung durchaus in Spartakus einen Zugang zur Klassik hatte (nur eben aus der Perspektive von unten und nicht von der Herrscherpersektiv), wollte ich von ‚Zeitzeugen‘ einmal erfahren, wie es nun wirklich war.

    Danke nochmals

    • sascha313 schreibt:

      Zur Theologie: Die hatten übrigens auch M/L (Marxismus-Leninismus) als Studienfach, und sie kannten sich zuweilen besser aus als mancher andere Student. Und das mit den „photocopies of pre-Revolutionary textbooks“ ist recht albern, abgesehen davon, daß es verleumderisch ist. Denn für alle Schulen gab es einen verbindlichen Lehrplan und die Schulbücher in der Sowjetunion waren von Anfang an sehr gut. Sie wurden (wenigstens bis 1956) immer besser.

      Aber dann kam der Schnitt: Unter Chruschtschow wurde bspw. 1959 das Unterrichtsfach Logik abgeschafft, es gab durchgehend neue Schulbücher, in denen Stalin nicht mehr vorkam. Auch bei uns war das so. Allerdings waren die Schulbücher trotzdem sehr gut, methodisch aufgebaut und wissenschaftlich genau. (Und übrigens: die EOS ging von der 8. bis zur 12.Klasse. Man konnte aber auch auf der VHS oder bei der Berufsausbildung sein Abi machen.)

      Dennoch hat man aber auch in der DDR sehr seltsame Konzessionen gemacht. In Astronomie, das damals ebenfalls Pflichtfach war, kam Ende der 1980er Jahre der „Urknall“ wieder vor, wenn auch hypothetisch. Und in Staatsbürgerkunde wurden untertänigst sozialdemokratische (revisionistische) Parolen der Perestrojka vermittelt. Unter dem Motto:: „Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen“ wurde z.B. erklärt: „Der Generalsekretär des ZK der KPdSU …(bla-bla-bla)… hat gefordert, mit alten Traditionen, Denk- und Verhaltensweisen zu brechen…“ (in: Stabü, 10.Klasse, 1989, S.33).
      Also auch mit dem Marxismus? Ja, natürlich. Das war ja auch seine Absicht – und zugleich der Untergang des Sozialismus.

      Daß aber die РПЦ (die russisch-orthodoxe Kirche) heute immer mehr in die Schulen eindringt und sogar an den Universitäten mitmischt, ist ein fatales Zeichen der reaktionären, fortschrittsfeindlichen Politik der russischen Regierung.

      • Don_A schreibt:

        …nicht ganz korrekt, EOS ging von der 9. bis zur 12. Klasse, also 4 Jahre, d.h. die achte Klasse war noch vor der EOS.

        Nun gut, es gab 3 Richtungen, die A, B und C Richtung. Ich zitiere nur ungern Wikipedia, aber darüber gibt es dort eine Auskunft:
        https://de.wikipedia.org/wiki/Erweiterte_Oberschule:
        „Sie umfasste drei Zweige, den A-Zweig als neusprachliche Vertiefung für 3 moderne Fremdsprachen, den B-Zweig als mathematisch-naturwissenschaftliche Vertiefung und den C-Zweig als altsprachliche Vertiefung mit klassischem Latein und Altgriechisch als Fremdsprachen.“ – soweit also eine korrekte Darstellung des Lernens von Fremdsprachen, die es also in der DDR durchaus gab.

        Ich z.B. lernte neben Russisch auch Französisch. Letzteres war fakultativ, man musste aber gut in Deutsch und Russisch sein, um die dritte Fremdsparache zu lernen. Und das war abhängig von der jeweiligen Schule. In unserer Schule gab es gar keinen Englischunterricht.

      • sascha313 schreibt:

        Richtig: natürlich nach der 8. Klasse! – Und ich habe während der Schulzeit auf der Abendschule (VHS) nebenbei noch Englisch gelernt.

  16. nur ein fragender schreibt:

    Danke noch einmal für die Angaben.

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