Welche Gedanken bewegten einen sowjetischen General beim Überschreiten der Oder Anfang 1945?

KasakjewitschEin sehr anschauliches Beispiel aus dem Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion ist uns überliefert in dem beeindruckenden Roman von Emanuel Kasakewitsch „Frühling an der Oder“.  Selbstverständlich sind die handelnden Personen im Roman erfunden, doch die Verhaltensweisen der Menschen sind ganz und gar typisch für die damalige Zeit. Was hat uns dieses Buch heute noch zu sagen? Nicht wenig. Wir lernen daraus, warum und wieso sowjetische Soldaten, unabhängig von ihrer Nationalität und Zugehörigkeit zu bestimmten Berufsgruppen oder Bevölkerungsschichten sich einmütig für  ihr sozialistisches Vaterland einsetzten und für die Befreiung der Menschheit vom Faschismus kämpften und siegten. Niemals werden wir, die Kommunisten, dies vergessen! Das war anders, als die kapitulantenhafte und feige Haltung der deutschen Arbeiterklasse bei der Rückwende 1989. Der Sozialismus war, ist und bleibt die einzige Alternative zur gegenwärtigen imperialistischen Barbarei. Kasakewitsch schreibt:

Sowjetische Armeen an der Oder

Die Hauptkampflinie stand. Noch hatte sie hier und da Lücken, war krumm oder wie ein schmales Band an die Oder geklebt, aber sie war da. Wie immer in solchen Fällen gingen die Meldungen bald in wachsendem Tempo ein. Kuriere, Funk, Telefon und Telegraf brachten immer neue und neue Einzelheiten.

Genosse Stalin ruft an

Der Befehlshaber wurde von dem Genossen Stalin an das Telefon gerufen. Nachdem der Oberbefehlshaber die Meldungen angehört hatte, befahl er, das Aufmarschgebiet zu erweitern, durch genügend starke Fliegerverbände zu sichern und gründlich zu festigen. Aus dem Gesagten war klar zu ersehen, daß man ohne gründliche Vorbereitungen nicht auf Berlin vorstoßen sollte. Man müsse ein besonderes Augenmerk auf die offene rechte Flanke richten, wo der Gegner unbestreitbar noch gewisse Möglichkeiten habe. Die letzten Worte unterstrich der Oberbefehlshaber nachdrücklich. Unter anderem fragte der Genosse Stalin auch, wie es mit der Besetzung von Schneidemühl stehe, und der Befehlshaber meldete, daß die Operation in den nächsten zwei, drei Tagen beendet sein würde. So war die Lage an der Front. Am nächsten Tage fuhr Sisokrylow an die Oder.

Die deutschen Denkmäler

An seinem Wagen flogen im bunten Wechsel Alt- und Neu-, Groß- und Klein-, Ober- und Nieder-, -berge, -hausen, -höfe, -aue vorbei. Sie fuhren durch Ortschaften mit Dachpfannendächern, mit den obligatorischen Denkmälern von Friedrich II., Wilhelm I., Bismarck oder dem Kurfürsten von Brandenburg – „dem Großen“, „dem Eisernen“, „dem Unbesiegbaren“. Fast in jedem Städtchen standen Kriegerdenkmäler von 1813, 1866, 1870-1871 oder 1914-1918, errichtet vom „dankbaren Vaterlande“ und den „dankbaren Mitbürgern“. Obgleich diese Monumente erst in der Neuzeit aufgestellt worden waren, sah man an ,ihnen doch alle Attribute des romantischen Mittelalters: verrostete Schwerter, Schilde und Harnische. Gußeiserne Adler schwebten über den steinernen Postamenten.

Es gab kaum ein Denkmal für einen Dichter oder Komponisten. Für die Welt war Deutschland einst das Land Goethes, Beethovens und Dürers, aber hier regierten Friedrich, Bismarck und Moltke. Auch jene, die an der Marne geschlagen worden waren, hatten Denkmäler erhalten und ließen sich mit Lorbeer bekränzen. Sie wurden mit gewissen Vorbehalten zu den Siegern gerechnet.

Nachdenken über Deutschland

General Sisokrylow hetrachtete die Umgebung genau und mit großem Interesse und dachte über Deutschland nach. Es war natürlich schwer, sich nach diesen flüchtigen Eindrücken eine klare Vorstellung davon zu machen. Der General war die ganze Zeit unterwegs. Nur manchmal hielt er sich dienstlich bei der einen oder anderen Militäreinheit oder auf einem Feldflugplatz auf. Außerdem wußte er, daß das „geistige“ Zentrum des Landes jenseits der Oder lag, an der Elbe und am Rhein. Das Junkerdeutschland östlich der Oder hatte dem „Vaterlande“ von jeher hauptsächlich Schweine und Soldaten geliefert.

Aber eines war klar, die Bewohner dieser Gegend, die Besitzer der verlassenen Häuser, die Menschen, die auf den Fotografien in den dicken Familienalben zu sehen waren – arbeitsliebende, disziplinierte und etwas pedantische Leute –, waren in den Händen der gierigen und gewissenlosen Hitlerbande zu einem fürchterlichen Instrument geworden. Wie hatte dieses große Land in einen solchen Zustand kommen können? Der Lauf seiner Geschichte war in einen häßlichen und wilden Strudel geraten – natürlich nicht ohne den goldenen Regen einer anglo-amerikanischen Beihilfe.

Die Deutschen hatten es nicht verstanden…

Die Deutschen verstanden es nicht, hinter dem Nebel von Worten, dem widerlichen Marktgeschrei, den demagogischen Redensarten und den großspurigen Versprechungen die nackte Wahrheit zu erkennen: daß Hitler nicht Deutschland vor dem Versailler Vertrag, sondern daß er die deutschen Kapitalisten und Junker vor den deutschen Arbeitern und Bauern rettete. Sie verstanden das deshalb nicht, weil es der verkommenen Führung der Sozialdemokratie gelungen war, die Aufmerksamkeit ihrer Anhänger durch leere Versprechungen und jahre­lange Nachgiebigkeit gegenüber kapitalistischen Instinkten einzuschläfern.

Das Endresultat war, daß es Hitler, nachdem er die Arbeiterbewegung zerschlagen hatte, gelang, die Energien des deutschen Volkes in eine andere Richtung zu lenken: gegen die Völker Europas. Sisokrylow dachte seihstverständlich auch an jene heldenmütigen Deutschen, die in den Gefängnissen und Konzentrationslagern schmachteten. Es wurde ihm nicht leicht, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, daß die deutsche Arbeiter­klasse, als Ganzes gesehen, die schwere Prüfung nicht bestanden hatte. Dieser Gedanke quälte Sisokrylow, er kränkte seinen Stolz, den Stolz eines alten Bolschewiken. Sisokrylow liebte die Werktätigen und ,glaubte fest an ihre große Zukunft. Er war wie alle Kommunisten von Lenin und Stalin im Geiste tiefer Verehrung für die Werktätigen aller Nationen erzogen. Hier jedoch galt es der Wahrheit in die Augen zu sehen. Und man mußte an die Zukunft denken. Die Niederlage Deutschlands sollte zu einem Sieg für die Werktätigen werden, zu einem Sieg üher die reaktionäre Gesinnung und alle selbstsücht,igen Interessen.

Ein Kriegsschicksal

Aus alteingewurzelter Gewohnheit wollte Sisokrylow seine Eindrücke seiner Frau und seinem Sohne mitteilen. Aber sein Sohn war schon nicht mehr unter den Lebenden. Er war für dieselbe Sache gefallen, für die auch der Hamburger Arbeiter Ernst Thälmann sein Leben gelassen hatte. Ob das die deutschen Arbeiter begreifen, ob sie es einmal verstehen werden? Sie werden es verstehen, sie müssen es verstehen! Seiner Frau konnte der General auch nicht schreiben.

Er wußte, daß er ihr schon längst den Tod des Sohnes hätte mitteilen müssen, aber er zögerte immer noch, verschob es von Tag zu Tag. Er hatte einfach Angst. Ihm schien es, daß sie diesen Kummer nicht überleben werde. Obwohl er sich sagte, daß es viele leidtragende Mütter gäbe, die trotzdem weiterlebten, dachte er doch schwermütig: Nein! Sie wird es nicht überleben.

Stalin hatte recht….

Bald wurde Sisokrylow aus diesen Gedanken durch wichtige Neuigkeiten herausgerissen, die ein Kurier vom Befehlshaber mitgebracht hatte. Ja, die Warnung des Genossen Stalin war berechtigt und kam zur rechten Zeit. Auf dem von den sowjetischen Truppen noch nicht eroberten Streifen entlang der Ostseeküste, östlich der Oder, wo fliehende Reste deutscher Einheiten sich auf Swinemünde und Stettin zurückzogen, gingen ohne Zweifel Ereignisse von größter Wichtigkeit vor sich. Dort wurden deutsche Truppen zusammengezogen: Der Funkpeildienst stellte annähernd dreißig neue Stäbe im Raum Stargard-Stettin fest. über rege Bewegung von Panzern und Infanteriekolonnen des Gegners aus dem Berliner Raum nach Nordosten berichtete auch die Luftwaffe. Ein Panzerbataillon, das zur Erkundung in Richtung Pyritz vorgestoßen war, wurde von deutschen Panzereinheiten mit unbekannter Numerierung angegriffen….

Quelle:
Emanuel Kasakewitsch „Frühling an der Oder“, Verlag Volk und Welt Berlin, 1954, S.218-221. (Gekürzt und mit Zwischenüberschriften versehen, N.G.)

Für dieses Buch wurde der Autor im Jahre 1949 mit dem Stalinpreis für Werke der Kunst und Literatur II.Grades ausgezeichnet.

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20 Antworten zu Welche Gedanken bewegten einen sowjetischen General beim Überschreiten der Oder Anfang 1945?

  1. Nadja Norden schreibt:

    Hallo Genosse Norbert,
    Es ist eines meiner Lieblingsbücher, Stalinpreis 1949. Habe es auf Französisch (L’printems sur L’Oder), jetzt präsentiert in „Politiek en Cultuur“ mit einen Hinweis auf „Sascha’s Welt“.
    Freundschaft,
    Nadja

  2. Hanna Fleiss schreibt:

    Ich war an der Oder, mehrmals, sowohl auf deutscher als auch auf polnischer Seite. Ich habe keine Denkmäler für die Befreiung vom Faschismus gesehen, nicht ein einziges, aber in jedem deutschen Dorf Kriegerdenkmäler für die Gefallenen von 1813, 1866, 1871, 1914-18. Und dann stand ich sogar vor einer Steinplatte für die Gefallenen des zweiten Weltkrieges – die deutschen Gefallenen aus dem Dorf, und in einer Kirche, im Vorraum, auch an einer Tafel mit Namen, Geburts- und Sterbedaten und -orten.

    In Polen, ich weiß gar nicht, in welcher Stadt, wir fuhren nur durch, sah ich ein Denkmal von Rokossowski auf einer Kreisverkehrsinsel stehen. Dorthin kam man durch den vielen Verkehr nur unter Lebensgefahr. Blumen sah ich am Denkmal nicht. Das war vor vier Jahren. Ob das Denkmal heute noch steht, ist sehr zu bezweifeln.

    Einmal ging ich durch ein brandenburgisches Dorf nahe bei Berlin, und danach schrieb ich ein Gedicht:

    Kriegerdenkmale

    In Brandenburg, dem schönen Preußenlande,
    wo Vögel zwitschern und die Kiefern nadeln,
    trifft man auf Schritt und Tritt auf Konterbande,
    die staatlich sanktionierte Mörder adeln.

    Jahrhundertlang regierten hier die Grafen,
    und niemand gab dem Herrenpack mal Zunder.
    Das Dorf lag da, vergessen und verschlafen.
    Bis dann das Ende kam von all dem Plunder.

    Und was der Bauern Zukunft stand im Wege,
    das warf mit kühnem Schwung man auf den Mist.
    Das Kriegerdenkmal brauchte keine Pflege,
    auch war jetzt niemand gerne Masochist.

    Doch wenn man heute durch die Dörfer geht,
    sieht man in jedem Dorf auf jeden Fall,
    dass hierzuland ein andrer Wind nun weht:
    Das Kriegerdenkmal aus dem Schweinestall!

    Da fragt man sich, wohin die Winde wehen.
    O Wanderer, dies musst du dich nicht fragen.
    Heut siehst du wieder Helden auferstehen,
    dem Feinde geht es nochmal an den Kragen.

    Du stehst vorm Sockel, liest die Totenliste,
    die dir das Herz, doch nicht den Stein erweicht.
    Ein drittes Mal geht’s auf die Todespiste –
    sind Deutsche denn aufs Heldentum geeicht?

    6.2.13

    • sascha313 schreibt:

      Es gibt auch ein interessantes Büchlein über Kriegerdenkmale. Leider weiß ich den Titel nicht mehr. Da hat sich ein Pfarrer kritisch mit der bürgerlichen Lobhudelei und der verlogenen „Heldenverehrung“ auseinandergesetzt…

      P.S. jetzt hab‘ ich den Titel herausgefunden:
      Peter Franz „Martialische Idole. Die Kriegerdenkmäler in Thüringen und ihre Botschaften. ISBN: 9783935850049, Jena, 2001 (vergriffen)

    • Politnick schreibt:

      Ich sehe Denkmäler als Teil unserer Kultur, auch als Kunstwerke und ja, auch in der DDR war nicht jedes Kunstwerk dem Sozialistischen Realismus zuzuordnen. In ganz Deutschland gibt es im Wesentlichen drei große Monumentalbauten die an das Kaiserreich erinnern, das Niederwalddenkmal bei Rüdesheim, das Hermannsdenkmal bei Detmold und der Kyffhäuser.

      In der DDR gab es Pläne, das Kyffhäuserdenkmal zu sprengen. Das haben sowjetische Offiziere verhindert! Denn die haben gesagt: Es ist Eure Geschichte, ihr müsst nur richtig damit umgehen — Ja!!! Und so mancher schöne Wandertag führte uns hinauf auf den Kyffhäuser, erst letzte Woche war ich wieder dort. So hat jeder seine eigenen Erinnerungen, der eine knallt eben die Hacken zusammen und andere genießen die traumhaft schöne Aussicht über die Goldene Aue bis zum Brocken.

      Übrigens wurde bereits zu DDR-Zeiten begonnen die Kaiserpfalz bei Tilleda unterhalb des Kyffhäuser auszugraben. Aber der Hindenburg am Kyffhäuser wurde nicht wieder aufgestellt, bis heute nicht! Eine unscheinbare Tafel am Wegrand erinnert daran, wo die Skulptur begraben wurde, das ist alles. Auch wenn das Grab offen ist, die Meisten gehen achtlos daran vorbei.

      Und auch das Burschenschaftsdenkmal gegenüber der Wartburg sollte zu DDR-Zeiten beseitigt werden. Dabei hat gerade das Treffen der Burschenschaften 1817 auf der Wartburg eben diese Burg so berühmt gemacht. Das wusste sogar Goethe.

      Und noch etwas: Gerade im Thüringer Wald gibt es viele Soldatengräber. Sie erinnern an Menschen die in den letzten Kriegstagen ihr Leben lassen mussten. 1973 nahmen wir unser Käppi ab und verneigten uns. Das muss man sich einmal vorstellen: Wir FDJler in der vormilitärischen Ausbildung als Kampfreserve der Partei, gedenken Soldaten der Wehrmacht!

      Freundschaft 😉

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Politnick, dass ihr als FDJler euch vor den „Heldengräbern“ der Wehrmacht verneigtet („ehrendes Angedenken“?) zeigt doch, dass der Revisionismus in der DDR Platz gegriffen hatte. Ich habe solche Soldatengräber des zweiten Weltkrieges an der Oder sehr oft gesehen, sie werden pingelig vom Kriegsgräberverein gepflegt – übrigens ganz im Gegensatz zu den Rotarmistengräbern, die einen etwas vernachlässigten Eindruck auf mich machten. Auf beiden Friedhöfen liegen sehr junge Menschen, 18, 19 Jahre alt geworden, aber bedenke bitte: Diese jungen Deutschen sind durch die Schulen der Nazis gegangen, die waren fanatisiert, und die hätten euch, ohne mit der Wimper zu zucken, aufhängt. Natürlich waren da auch junge Soldaten darunter, die nur gezwungen zum letzten Aufgebot gingen, und natürlich sind alle, die dort liegen, Teil der deutschen Geschichte. Aber ehrendes Angedenken? Ich verstehe deine kritiklose Wiedergabe des Erlebnisses nicht.

      • sascha313 schreibt:

        Ein Bismarck-Turm und ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal – sind das etwa auch „Teile unserer Kultur“??? Nicht meiner!

        Sie sind Teil einer stockreaktionären Vergangenheit, sind Teil der Ausbeutergesellschaft, erinnern an das „Sozialistengesetz“ und die Kommunistenverfolgungen und an Langemark, wo von diesem Kaiser 44 Tausend junger Menschen in den sicheren Tod getrieben wurden. Das ist die Wahrheit! Das Kyffhäuser-Denkmal ist (lt. wikipedia) ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Unweit davon befindet sich ein Hindenburg-Denkmal (desselben Hindenburg, der Hitler an die Macht brachte!) Und vor dem sich verneigen??? Niemals!

        Was ist das für ein reaktionärer Haufen, der sich da vor Wehrmachtssoldaten verneigt, die offenbar bis zuletzt dem Ruf ihres „Führers“ gefolgt waren und alle diejenigen umgelegt haben, die zum Kriegsende eine weiße Flagge oder auch nur ein Bettuch aus dem Fenster gehängt haben? Ist denn nicht bekannt, welche Verbrechen von der SS gerade in den letzten Kriegstagen an der Zivilbevölkerung begangen wurden, als SS-Banditen Jugendliche aufhetzten mit Panzerfäusten gegen die vorrückenden Sowjetsoldaten vorzugehen???

        Und was sind Burschenschaften? Gab es die in der DDR etwa auch? Nein, es gab sie nicht. Burschenschaften sind nationalistische Studentenvereinigungen. Sie dienten der Verherrlichung des imperialistischen Kaiserreiches und waren Wegbereiter des Faschismus. Heinrich Heine schrieb: „Auf der Wartburg hingegen herrschte jener unbeschränkte Teutomanismus, der viel von Liebe und Glaube greinte, dessen Liebe aber nichts anderes war als Haß des Fremden und dessen Glaube nur in der Unvernunft bestand, und der in seiner Unwissenheit nichts Besseres zu erfinden wußte, als Bücher zu verbrennen!“ (wikipedia)

      • Politnick schreibt:

        @Hanna, Sascha,

        wie kommt ihr darauf dass wir als FDJler die Wehrmachtsoldaten geehrt haben!? Das habe ich doch gar nicht so geschrieben und auch nicht so gemeint. Vielmehr haben wir denen gedacht, die in den letzten Kriegstagen gefallen sind — eben nicht für Volk und Vaterland sondern für den Kapitalismus. Genauso haben uns das unsere Ausbilder damals erklärt und genauso verstehe ich das bis heute. Das hat mit Revisionismus überhaupt nichts zu tun, ganz im Gegenteil. Der Fritz von Tante Änne war noch nicht einmal 18, aber er hat genauso an sein Vaterland geglaubt wie wir später in der NVA.

        Dass Wehrmacht und NVA andere Zweckbestimmungen hatten müssen wir hier nicht diskutieren, es sei denn, da braucht jemand Nachhilfunterricht und zu denen gehöre ich ganz bestimmt nicht.

        Und schau mal, lieber Sascha, Bismarck-Türme wegzusprengen das ist ganz ähnlich wie Bücher verbrennen. Bismacks Erbe, das waren nicht nur Pickelhauben sondern auch normalisierte Beziehungen zu Russland, schrieb Abusch in „Der Irrweg einer Nation“. Hitler hingegen hat genau dieses Erbe ausgeschlagen.

        Freundschaft 😉

      • sascha313 schreibt:

        Naja, lieber Rolf, es ist schon eine schwierige Sache, das immer auseinanderzuhalten. Mein Onkel ist 1941 in der Sowjetunion gefallen und der Bruder meiner Oma 1915 in Polen. Beide waren 20 Jahre alt. Waren sie Helden? Nein, keineswegs. Muß man sich vor ihnen verneigen? Nein. Ganz bestimmt nicht. Sie waren Okkupanten, die einen ungerechten Krieg führten – beide Male im Solde des deutschen Imperialismus! Und beide Kriege waren ein Verbrechen! Vor einem sowjetischen Mahnmal würde ich mich verneigen, aber doch nicht vor den Gräbern dieser Krieger. Sie haben nicht ihr Vaterland „verteidigt“, sondern haben im Dienste des Kapitals fremde Dörfer niedergebrannt und Menschen umgebracht. Ist das so schwer zu begreifen?
        Und Abusch bezeichnet Bismarck als einen „Vorbereiter des wilhelimischen Imperialismus“, „Geburtshelfer der Gewalt“ (Irrweg, S.165).

      • Politnick schreibt:

        Noch eine kleine Ergänzung: Auf dem Gebiet der DDR gibt es sehr viele und bis heute gepflegte Ehrenhaine und Gedenkstätten an Sowjetische Soldaten, auch in Thüringen z.B. in der kleinen Stadt Blankenhain gibt es einen Ehrenhain.

        Und gerne noch einmal: Eine verlogene Heldenverehrung hat es in der DDR genausowenig gegeben wie Nazikult an Kriegsgräbern. Gerade die Soldatengräber der sog. Wehrwölfe werden fast ausschließlich privat gepflegt, nur in seltenen Fällen haben sich da die Gemeinden gekümmert.

        Unser Ausbilder der vormilitärischen Ausblidung war ein überzeugter SED-Genosse, er hat uns dahin geführt um uns vor Augen zu halten, wohin falsche Vaterlandsliebe und der Hitlerwahnsinn geführt hat. Diese jungen Kerle haben vielleicht ans Vaterland geglaubt, aber gedient haben sie dem Kapital.

        Schließlich hatten wir als NVA-Soldaten eine ganz andere politische Bildung als ein Bundeswehrsoldat. Bereits während der Schulzeit und insbesondere in der vormilitärischen Ausbildung der DDR wurde uns ein fundamentales politisches Grundwissen vermittelt, der Besuch einer Kriegsgräbergedenkstätte gehörte ganz einfach und konsequenterweise dazu.

        Jeder NVA-Soldate wusste, das er sich auf einen Krieg vorbereitet und auch dass er beim Verteidigen der sozialistischen Heimat sterben kann, aber im Gegensatz zu einem Bundeswehrsoldaten wusste ein NVA-Soldat eben auch warum — Und genau das ist der entscheidende Unterschied der sich auch im Fahneneid widerspiegelt.

        Freundschaft 😉

        PS: Das Schicksal der Wehrwölfe 1945 ist keineswegs ein Mythos. Auf der Zitadelle Bitche/Lothringen wurde bis Ende März 1871 gnadenlos Widerstand geleistet, obwohl der Friedensvertrag bereits im Januar 1871 unterzeichnet wurde — Geschichte wiederholt sich!

      • sascha313 schreibt:

        Danke, Politnick, Du siehst, wie mißverständlich manchmal verkürzte Äußerungen ankommen. Kurt Gossweiler hat mir mal ganz zu Anfang, als wir uns noch nicht so gut kannten, gesagt: „Es kommt ganz darauf an, wie Sie das meinen…“

  3. Andi67 schreibt:

    Zitat: „Das war anders, als die kapitulantenhafte und feige Haltung der deutschen Arbeiterklasse bei der Rückwende 1989“.

    Die Leute wurden doch damals getäuscht. Die ursprünglichen Proteste waren durchaus berechtigt, z.B. Fabriken und Maschinen waren veraltet, kaputt, oft notdürftig und einfallsreich geflickt, der Zustand katastrophal (Ich weiß das, ich habe auf verschiedenen Baustellen in der DDR gearbeitet: Dessau, Wolfen, Buna, Leuna usw, überall dasselbe Bild. Die Fabriken waren wirklich am Boden. Keine Ahnung ob das überhaupt nach oben gemeldet wurde, warscheinlich nicht und das war wohl der Fehler).

    Es ging bei den Demos um Verbesserungen dahingehend, um Reformen, auch um Reisefreiheit (sofern dies mit der Ostmark richtung Westen überhaupt möglich war, ich kann mich aber vage erinnern, das dies wirklich gelockert werden sollte. Für Rentner war es ja schon möglich).

    Niemand hatte Interesse, die Mauer niederzureißen, wie heute immer behauptet wird. Darum ging es absolut nicht. Dieser „die Mauer muss weg“-Slogan, wurde von außen (vom Westen) in die Demos reingebracht. Getäuscht wurden sie auch durch die vom Westen in der DDR gesponsterten, eigentliche CDU Partei. Die CDU sponserten Tausende West-Mark in Wahlwerbung. Es durfte nur nicht auffallen, dass es eigentlich die CDU selber war (mir ist der Name der Partei entfallen), überflüssung zu erwähnen, dass es illegal ist, in einem anderen Land Wahlwerbung zu betreiben. Man stelle sich vor, die BRD macht Wahlwerbung einer ihrer Parteien in Brasilien oder in Amerika. Auch hier wurden die Leute getäuscht. Niemand hatte Erfahrungen mit solchen Täuschungen, Propaganda die man nicht bemerkte, Desinformationen. Zumal es Wahlwerbung nach kapitalistischer art, in einem sozialistischen Land gar nicht geben kann, weil es ein ganz anderes Wirtschaftssystem ist.

    Kurz: Der Westen hatte die Demos damals ausgenutzt und angeheizt, künstlich noch Demos ausgedacht wo gar keine waren, damit die Leute dort zusammen kamen uns Demos machten.

    Als dann der „runde Tisch“ zustande kam, war es schon zu spät. Selbst beim „runden Tisch“ ging es nicht darum, die Mauer niederzureißen oder das sozialistische System zurück in ein kapitalistisches umzuwandeln. Die ursprünglichen Proteste wurde vom Westen manipuliert und ganz andere Themen hineintransportiert, um die es ursprünglich gar nicht ging. Selbstverständlich schlossen sich dann auch Mitläufer an, die gar nicht wussten, um was es überhaupt ging.

    • sascha313 schreibt:

      Ja, natürlich war es so. Das war m.E. ganz einfach ein Resultat der Abweichungen von der klaren Linie des marxistisch-leninistischen Aufbaus des Sozialismus. Vieles wurde damals hineingetragen durch die Sowjetunion, und dort stank es schon mächtig. Das Siegeskonzept Stalins wurde ausgetauscht gegen undemokratische Verfügungen und Weisungen auf höchster Ebene, denen sich alle zu beugen hatten. Um dem Druck auszuweichen (Unehrlichkeit war die Folge), wurden Plankennziffern nur noch formal erfüllt, Kontrollmechanismen der Arbeiterklasse wurden ausgehebelt, und was dann folgte, war Lustlosigkeit und Gleichgültigkeit. Und der Westen flimmerte jeden Abend in die Wohnzimmer hinein…

      Zwar wurde das Wohnungsbauprogramm in Ehren erfüllt und die Lebensverhältnisse für Millionen verbesserten sich merklich, doch das Vertrauen in die Regierung war geschwunden. Kam noch hinzu, daß ein Teil der führenden Funktionäre der SED Revisionisten und Sozial-demokraten geworden waren. Man hat die Arbeiterklasse getäuscht! Gab es denn einen einzigen Arbeiter, der in der Volkskammer mal so richtig auf den Tisch gehauen hat? Nein es gab ihn nicht.

  4. Hanna Fleiss schreibt:

    Lieber Politnick, ich will dir bestimmt keinen Nachhilfeunterricht geben. Aber wann verneigt man sich vor Gräbern? Da hat doch was nicht gestimmt, hat das keiner gemerkt? Und was Bismarck angeht, lies mal Mehring zum Thema Bismarck. Bismarck hatte Wahnsinnsangst vor einem Zweifrontenkrieg, außerdem war Russland zu dieser Zeit nach Marx das reaktionärste Land Europas. Das passte für Bismarck. Das ist doch nichts, was heute herausgehoben werden muss und lobend erwähnt. Sozialistengesetz und so weiter – unwichtig? Hast du die Bismarck-Biographie gelesen, die in der DDR herausgekommen war? Da hast du den Revisionismus, der sich noch bedeckt hielt, aber man konnte ihn schon sehen, wenn man nur wollte. Und dann verneigt man sich auch ganz unpolitisch vor dem Tod.

  5. Hanna Fleiss schreibt:

    Danke, Politnick, das hatte mir gefehlt: die kritische Betrachtung des Vorgangs. Wobei ich aber immer noch nicht verstehe, dass der Kyffhäuser-Barbarossa von Willem dem Verschleimten unbedingt ein wertvolles deutsches Kulturdenkmal sein soll. Der hatte doch sowieso einen Drall ins romantische Rückwärts. Nichts gegen Barbarossa, aber ich würde es verstanden haben, wenn die DDR ihn abgerissen hätte. Und zu Bismack habe ich ja schon was geschrieben. Jetzt dienen sue allen möglichen konservativ-nationalistischen und auch neonazistischen Vereinen als Wallfahrtsort.

  6. Rolf, der Waldschrat schreibt:

    Zum Thema Denkmal fällt mir immer meine Heimatstadt GREIZ ein.
    Dort wurde auch ein Mahnmal entfernt … ganz typisch, von unseren gewählten Stadtoberen der modernen Parteimitglieder!
    Die Linken benutzen es mittlerweile auch wieder …

    http://www.greizer-park.de/parkeingang/alterparkeingang.html
    http://www.wegegehen.de/kalend511.html
    http://www.wegegehen.de/kalend704.htm

    Rolf, der Waldschrat

    • sascha313 schreibt:

      So ist es! Das bedeutende Denkmal, das einst am Eingang zum Leninpark stand, wurde auf dem Alten Friedhof versteckt. Eine Schande! Wer ist dafür verantwortlich? Die herrschenden bürgerlichen Machthaber! Der dritte Link (Trommer) zeigt, mit welchem widerlichen Opportunismus diese Denkmalsschändung kommentiert wird. Nein, die Entscheidung der „ehemaligen kommunistischen Statthalter“, das Denkmal „ohne Einverständnis der Bevölkerung zu installieren“ war allemal ein ebenso „demokratischer“ Akt, wie die Befreiung des deutschen Volkes von der nazistischen Gewaltherrschaft.

      Hat jemand von den deutschen Nazimitläufern in Greiz für den Einmarsch der Roten Armee „demokratisch“ abgestimmt? Nicht ein einziger! Erst als die am braunen Terror nicht ganz Unschuldigen begriffen hatte, welchen Rattenfängern sie auf den Leim gegangen waren, trennte sich die Spreu vom Weizen. Die Mehrzahl der Täter und Fabrikantenfamilien flohen in den Westen, und der Rest baute mit bloßen Händen den Staat wieder auf. So war die Aufstellung des Denkmals 1975 nicht nur demokratisch legitimiert, sondern zugleich auch ein Akt der Dankbarkeit den sowjetischen Befreiern gegenüber!

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