Emil Collett: Bewußtseinsbildung kontra Manipulation

Einfügung

                                                                                                                                                    DAS ZIEL DES KAPITALISMUS

Natürlich wird jeder halbwegs vernünftig denkende Mensch empört widersprechen, wenn man ihm vorwirft, manipuliert zu sein. Daß aber auch das Alter nicht vor Torheit schützt, sehen wir daran, daß es immer noch Werbefahrten gibt, bei denen Rentner sich begeistert 1998 Euro aus der Tasche ziehen lassen, ohne auch nur einen Moment daran zu zweifeln, daß die Geschichte von den Erdstrahlen und der Magnetheilung der Wahrheit entspricht. Und ist es nicht Manipulation, wenn Zeitungsfritzen die Terrorattacken als einen „Angriff auf unseren Lebensstil“ bezeichnen? Das vertrauliche „Du“ und „Unser“  soll darüber hinwegtäuschen, daß es nicht „unser Lebensstil“ ist, das Leben der übergroßen Masse der Bevölkerung, sondern das Leben der Reichen und das zeitweilige Leben derer, die in irgendeiner Weise vom unermeßlichen Reichtum einiger Weniger profitieren, sei es in Form eines Stipendiums oder eines Gehaltes, das ihnen eine Gastrolle an den Stränden der Reichen zubilligt. Lassen wir uns also nicht von denen manipulieren, die auf unsere Kosten leben!

Es hat sich bestätigt, wie Stalin 1952 schrieb:

„Die wichtigsten Züge und Erfordernisse des ökonomischen Grundgesetzes des modernen Kapitalismus könnten etwa folgendermaßen formuliert werden: Sicherung des kapitalistischen Maximalprofits durch Ausbeutung, Ruinierung und Verelendung der Mehrheit der Bevölkerung des gegebenen Landes, durch Versklavung und systematische Ausplünderung der Völker anderer Länder, besonders der zurückgebliebenen Länder, und schließlich durch Kriege und Militarisierung der Volkswirtschaft, die der Sicherung von Höchstprofiten dienen.“ (J.Stalin: Ökonomische Probleme des Sozialismus, Werke,  Dortmund 1979, Bd. 15, S.213.)


Bewußtseinsbildung kontra Manipulation

von Emil Collet

Der ehemalige Parteivorsitzende der SPD, Gerhard Schröder behauptete als konvertierter Politiker, als bourgeoiser Sozialdemokrat, die Systemfrage sei entschieden. Er kenne kein System, das den Menschen mehr Wohlstand, mehr Sicherheit und mehr Freiheit gebracht hat als der Kapitalismus.

Schröder glaubte den eigenen Lügen…

Diese Einschätzung ist typisch für einen korrupten Sozialdemokraten, der seinen vom Kapital gesponserten „sozialen Aufstieg“ als Aufstieg der ganzen Arbeiterklasse und aller anderen Werktätigen betrachtet. Charles de Gaulle hat die Politiker einmal wie folgt eingeschätzt: Es gibt Politiker, die bewußt lügen und staunen darüber, daß ihren Lügen geglaubt wird. Es gibt aber auch Politiker, die selbst an ihre Lügen glauben.

Jean Ziegler – ein Nicht-Kommunist, aber ein Realist!

Der Sonderbeauftragte der UNO-Menschenrechtskommission Jean Ziegler, wahrlich kein Kommunist, Schweizer und Professor der Soziologie, erklärte, er sei Sozialdemokrat, Katholik und Marxist. Im Gegensatz zum Sozialdemokraten Schröder schätzt er in Bezug auf die Zivilisation ein:

„…in tödlicher Stille vollzieht sich ihr Zerfall …. Wir erleben die rücksichtslose Privatisierung der Weltpolitik …. Eine neue Macht ohne Moral und Anstand hat die Regierungen übernommen …. Die Globalisierung ist nicht böse. Der qlobalisierte Kapitalismus hat unglaubliche Reichtümer erschaffen. Seit 1991 ist das Weltbruttosozialprodukt um mehr als das zweifache gestiegen. Der Welthandel hat sich verdreifacht, aber gleichzeitig hat sich eine Refeudalisierung der Welt vollzogen.“
Ziegler nennt die Herrscher „Kosmokraten“. Er erklärt: Sie residieren „z.B. in Houston, in Texas, in diesen riesigen Wolkenkratzern der Öl-Industrie, aber nicht nur dort. 500 transkontinentale Konzerne kontrollierten im vergangenen Jahr 52 Prozent des Weltbruttosozialproduktes. Ihr einziges Ziel ist die Profitmaximierung.“
Ziegler weist nach, daß alle fünf Sekunden ein Mensch unter 10 Jahren an Hunger stirbt. Von den 62 Millionen Menschen, die jährlich weltweit sterben, sterben 35 Millionen an Hunger. Das ist Massenmord. Alle 5 Minuten verliert jemand das Augenlicht, weil es ihm an Vitamin A mangelt. 856 Millionen Menschen waren 2004 permanent unterernährt, 34 Prozent der Weltbevölkerung hungert und es werden immer mehr.
Ziegler erklärt: „…Sie sollen erkennen, daß die Ökonomie, die solch unfaßbares zuläßt, kein Fluch, kein Tsunami ist. Sie ist von Menschen gemacht und kann von ihnen verändert werden. Der Planet ist reich, er ist voller Schätze. Heute wäre es erstmals möglich die Utopie des gemeinsamen Glücks zu verwirklichen. Zwölf Milliarden Menschen könnten nach Angaben der Welternährungsorganisation heute ernährt werden. Das doppelte der gegenwärtigen Weltbevölkerung.“
Die Rolle der Bush-Administration charakterisierte Ziegler wie folgt: „Die Amerikaner, konkret die Regierung Bush, zertrümmert prinzipielle Errungenschaften der Menschheit. Sie brechen mit den Menschenrechten. Sie pfeifen auf die Genfer Konvention. Sie schieben das internationale Recht beiseite …. der UNO-Charta-Artikel 51, der Selbstverteidigungsartikel, Ist von der Bush-Regierung umformuliert worden. Bisher hieß es, wenn ich angegriffen werde, habe ich das Recht, mich zu verteidigen. Nun heißt es, wenn ich mich bedroht fühle, darf ich mich präventiv wehren. Das Ist ein radikaler Zivilisationsbruch.“
Im Hinblick auf das 1948 in Münster festgelegte Verbot von Angriffskriegen erklärt Ziegler: „Jetzt ist er [der Angriffskrieg, E.C.] wieder legitimiert. Jetzt herrscht wieder das Faustrecht. Der Starke kann über die Schwachen hinweg marschieren. Bomben werfen, wann er will.“
Ziegler verweist darauf, daß das Verbot der Folter durch die Bush-Regierung dadurch aufgehoben wurde, daß sie die Folter neu definierte. Folter ist nur noch gegeben, wenn der Gefolterte „bleibende Schäden“ davon trägt, wenn er z.B. verstümmelt wurde oder zu Tode kommt.

Der Krieg gegen den Terrorismus ist für die USA-Administration das Zaubermittel, um alle Menschenrechte und so auch das gesamte Völkerrecht auszuhebeln.

Eine unfaßbare Brutalität…

Der Kolumnist Thomas C. Friedman schrieb in der „New York Times“: „Wir müssen zugeben, daß Dutzende Gefangene, die in unserem Gewahrsam waren, unter der Folter starben.“

Das ist der Rückfall in die absolute Barbarei, meint Ziegler völlig richtig. Er verweist weiterhin darauf, daß die ClA mit Listen um den Erdball fliegt, um unliebsame Personen zu verhaften. Ziegler sagt, es kann passieren, daß sich die ClA auf dem Frankfurter Flugplatz Personen bemächtigt, die nie wieder auftauchen. Zu dem Verhalten der Europäer zu dem völkerrechtswidrigen Verhalten der USA-Administration bemerkt Ziegler folgendes: „Die Europäer schweigen, sie torkeln hilflos auf dem diplomatischen Parkett, lassen sich von den hemdsärmeligen Kerlen aus dem Weißen Haus vorführen. Die Deutschen, auch unter dem Außenminister Fischer war das so, kuschen, sie benehmen sich wie Lakaien.“
Ziegler schätzt ein: „Nein, das was in Washington und New York geschieht, ist keine Diplomatie mehr. Bushs Helfer Rumsfeld, Wolfowitz und der UNO-Botschafter der USA, John Bolton, benehmen sich mit einer unfaßbaren Brutalität. Das ist kein Stilbruch, den ich beobachte, das ist ein Bruch mit den grundsätzlichen Werten.“
Ziegler schlußfolgert: „Seit 60 Jahren gibt es die UNO, und sie sind bei allen Schwächen ein Bollwerk der Zivilisation. Aber nun werden sie ange­griffen von der amerikanischen Regierung. Kalt und Brutal. Ich fürchte, sie wollen die UNO zerstören.“

Es bestätigt sich die Stalinsche Definition

Diese Ausführungen Zieglers in meine Arbeit aufzunehmen, ergibt sich aus der Tatsache, daß hier ein Nichtkommunist schöpfend aus erster Quelle Fakten über Fakten liefert, welche die Aktualität des Leninschen Werkes über den Imperialismus und die Richtigkeit der Stalinschen Definition des ökonomischen Grundgesetzes der modernen kapitalistischen Gesellschaft in seinem Werk „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR“ voll und ganz bestätigt.

Der Feind im eigenen Land

J.W. Stalin weist nach, daß die Monopole auch die Bevölkerung des eigenen Landes ausbeuten und ins Elend treiben. Die Billionen Dollar Profite der 7,5 Millionen Dollar-Millionäre und Dollar-Milliardäre werden nicht nur durch die Ausbeutung der Werktätigen anderer Länder erzielt, sondern auch aus den eigenen herausgepreßt.
Die USA haben jährliche Ausgaben für militärische Aktionen von über 500 Milliarden Dollar. Das Ergebnis der Profitwirtschaft in den USA ist:

– 32 Millionen USA-Bürger leben unter der Armutsgrenze,
– 36 Millionen Menschen haben keine Krankenversicherung,
– 40 Millionen sind Analphabeten.

USA: faschistoide Methoden

Nicht nur die Außenpolitik der USA-Administration ist faschistoid, sondern auch die Innenpolitik. Die Ideologie von Bush und Co. ist ein primitiver Sozialdarwinismus, verknüpft mit mystisch-religiösen Auffassungen. Bush sieht sich als ein von Gott auserwählter Missionar für das eigene Volk und die ganze Welt.

Der Sozialismus ist noch nicht verloren!

Das Nationalkomitee der KP der USA hat völlig recht, wenn es feststellt, der Grundzug der Politik Bushs sei, ständig Krieg zu führen, in erster Linie Präventivkrieg, und daß der USA-Imperialismus der gefährlichste Imperialismus aller Zeiten ist. Die Menschheit kann froh darüber sein, wenn es den Verrätern am Marxismus-Leninismus Chruschtschow und Gorbatschow nicht gelungen ist, durch ihren Antistalinismus den Sozialismus vollständig zu zerschlagen.

Quelle:

Emil Collet: Die DDR – Ein sozialistisches Meisterwerk. In: Marxistisch-leninistische Schriftenreihe für Ökonomie, Politik und Philosophie, Ernst Thälmann Verlag, Heft 86-1, Mai 2006, S.9-12. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

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11 Antworten zu Emil Collett: Bewußtseinsbildung kontra Manipulation

  1. ropri schreibt:

    Hallo Sascha, ich würde gern die Schriften von Emil Collet lesen, kann sie aber nicht finden. Weißt Du, wo man das kaufen oder runterladen kann?

  2. Pingback: Information anstatt Manipulation | Schramme Journal

  3. Hat dies auf Muss MANN wissen rebloggt und kommentierte:
    Natürlich wird jeder halbwegs vernünftig denkende Mensch empört widersprechen, wenn man ihm vorwirft, manipuliert zu sein. Daß aber auch das Alter nicht vor Torheit schützt, sehen wir daran, daß es immer noch Werbefahrten gibt, bei denen Rentner sich begeistert 1998 Euro aus der Tasche ziehen lassen, ohne auch nur einen Moment daran zu zweifeln, daß die Geschichte von den Erdstrahlen und der Magnetheilung der Wahrheit entspricht. Und ist es nicht Manipulation, wenn Zeitungsfritzen die Terrorattacken als einen „Angriff auf unseren Lebensstil“ bezeichnen? Das vertrauliche „Du“ und „Unser“ soll darüber hinwegtäuschen, daß es nicht „unser Lebensstil“ ist, das Leben der übergroßen Masse der Bevölkerung, sondern das Leben der Reichen und das zeitweilige Leben derer, die in irgendeiner Weise vom unermeßlichen Reichtum einiger Weniger profitieren, sei es in Form eines Stipendiums oder eines Gehaltes, das ihnen eine Gastrolle an den Stränden der Reichen zubilligt. Lassen wir uns also nicht von denen manipulieren, die auf unsere Kosten leben!

  4. Politnick schreibt:

    Die Manipulation passiert in dem Moment, wenn wir bestimmte Aussagen oder Behauptungen einfach so hinnehmen ohne darüber nachzudenken. Nehmen wir als Beispiel die Lüge vom Fachkräftemangel, so werden wir, je mehr wie darüber nachdenken, feststellen, dass eine mögliche Konsequenz sogar das erste Völkerrecht verletzt, nämlich das Recht auf Souveränität (Selbstbestimmung).

    Einmal angenommen, es gäbe diesen Fachkräftemangel tatsächlich, dann hätte der sich ja über Jahrzehnte unbemerkt entwickeln müssen, ohne dass irgendein Staatsorgan oder eine andere Institution da gegengelenkt hätte. In Fakt jedoch gibt es gar keinen Fachkräftemangel, was meine ungezählten Bewerbungen als IT-Spezialist immer wieder zeigten: In Wirklichkeit geht es den Unternehmen darum, Fachkräfte so billig wie möglich anzuheuern, am liebsten so, dass bspw. ein Programmierer für Umme arbeitet.

    Ein IT-Unternehmer aus Wiesbaden, den ich persönlich kenne, teilte mir ganz unverhohlen mit, dass er nur Praktikanten beschäftigt, nunja, damit ist der Fall doch sowas von klar. In der Realität werden Programmierer aufs brutalste ausgebeutet, sollte überhaupt ein Vertrag zustande kommen. Dabei geht es beim Aushandeln der Entlohnung bzw. Gehalt nicht im Geringsten um Fragen der Wirtschaftlichkeit der angestrebten Planstelle, sondern um die Frage ob der Bewerber ein Angebot, egal in welcher Höhe, als fair betrachtet — und genau hier bestätigt sich die Marx’sche Theorie.

    Und die Völkerrechtsverletzung findet in dem Moment statt, wenn Fachkräfte importiert werden, oder allgemein gesagt Arbeitskräfte. Denn die fehlen ja dann in den Ländern wo sie abgeworben werden, und sind das nicht gerade diejenigen Länder die von Entwicklungshilfe leben!? Ho’la, schon wieder eine Lüge widerlegt allein durch Nachdenken erster Ordnung. Wobei der Begriff Entwicklingshilfe besser durch den Begriff Kapitalexport ersetzt werden muss.

    Freundschaft 😉

    PS, noch ein anderes Beispiel: Cremiger Honig – so stehts auf dem Glas. Das ist vollkommen unsinnig, denn cremigen Honig gibt es nicht. Ein Honig ist entweder flüssig oder fest, aber niemals cremig. Sollte ein Honig dennoch cremig sein, so wurde etwas beigemixt was da garantiert nicht hinein gehört. Aber auch an diesen und ungezählten anderen Beispielen sehen wir, wie gedankenlos die große Masse ist — um nicht zu sagen dumm!

    • sascha313 schreibt:

      Sehr gute Beispiele!

      • Politnick schreibt:

        Ja, danke 😉
        Weitere Beispiele: „Sozial ist was Arbeit schafft!“

        Auf den ersten Blick klingt das gut. Betrachten wir jedoch die Ziele der gesellschaftlichen Produktion, so ist obenstehender Satz unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen gar nicht zutreffend, weil Arbeit den Unternehmen Profite einbringt. Das hat mit „sozial“ überhaupt nichts zu tun.

        „50 Tausend EURO sind ein faires Jahresgehalt!“

        Auch falsch. Weil die Zahl alleine überhaupt keine Aussage darüber macht, in welchem Verhältnis das Gehalt zum Jahresumsatz der Firma steht. Aus demselben Grund ist die Diskussion über einen sog. Mindestlohn genaus irreführend wie „Fair Trade“.

        Wenn wir genau hinschauen wollen sind stets 2 Dinge wichtig:

        1. Worin besteht das Ziel der Produktion?
        1a) Profit erzielen (kapitalistische Produktionsweise)
        1b) Bedürfnisse befriedigen (sozialistische Planwirtschaft)

        2. Welchen Anteil hat ein Unternehmen an sozialen Einrichtungen bzw. an der Befriedigung sozialer und kultureller Bedürfnisse?

        So wird Frage (2) bereits mit der Produktionsweise (1) beantwortet, ein kapitalistisches Unternehmen hat nämlich gar kein Interesse an der Befriedigung sozialer Bedürfnisse und die Praxis des real existierenden Kapitalismus bestätig diese Aussage.

        Ich hatte dieser Tage eine Thüringer Tageszeitung in der Hand, was derzeit an den Schulen passiert, ist mehr als traurig um nicht zu sagen unter aller Sau!!! Da werden ganze Fächer gar nicht mehr unterrichtet und im Zeugnis steht dann „… konnte nicht benotet werden“ — Ist das nicht Wahnsinn!? Und wenn eine Linke dann fordert, Rammelbodo solle das „bitte zur Chefsache machen“ ist das einfach nur idiotisch. Ganz abgesehen davon dass Rammelbodo ganz andere Dinge zur Chefsache macht, wie z.B. den Bau einer Moschee in EF/Marbach.

        So ist auch die Frage nach einer Chefsache gleich welcher Art ratz fatz beantwortet unter Beachtung obenstehender Fakten (1) und (2). Wobei es natürlich auch ganz egal ist, ob die Fuzzies im Landtag grün, blau oder links angehaucht sind. Alles was die vokal veräußern hat nur den Zweck der Manipulation. Und dieser Zweck verpufft beim genauen Hingucken — Wie jede Propagandlüge.

        Freundschaft 😉

    • Rheinlaender schreibt:

      Hallo Politnick
      Beispiel aus der Praxis : Siemens sucht eine Schwangerschaftsvertretung für die Datenbankabteilung. Die geben dem Arbeitsamt aber 5 Stellen an. Dann sind noch ein paar Konzerntöchter, Personalberatungen und Zeitarbeitsfirmen mit der Suche beauftragt. Die geben die Stellen – oft ohne böse Absicht – auch nochmal beim Arbeitsamt oder in Zeitungs Inseraten an. Resultat: Beim Arbeitsamt sind plötzlich 100 Stellen für Datenbankprogrammierer offen.

      Und genau diese überhaupt NICHT existierenden Stellen sind auf einmal brennende Themen in Medien, bei Polit Marionetten, Kapitalstenvebänden (VDI / BDA / BDI /HWK) und dümmsten Talk Runden.

      Grosses ABER: zwischen ca. 1980 und 2010 habe NICHT beobachtet, dass bei Programmierern die Löhne gedrückt wurden. Obwohl, die Arbeitslosigkeit bei IT-lern sehr gross war. Im Gegenteil (Quelle: Personalabteilungen / IT-Vermittler)! Die Bewerbungen mit einem niedrigen Gehaltswunsch landeten viel eher im Papierkorb, als Gehaltswünsche die bei 50 Prozent über den mittleren Rahmen lagen. Widersprüchlich oder Paradox? Für mich nicht. Meiner Auffassung geben die Kapitalisten gerne einen Teil ihres Profites dafür aus, um eine zufriedene Massenbasis in der oberen Mittelschicht zu haben. Das sind immerhin ca. 20 Prozent der Bevölkerung.

      Ich – aber auch Harry56 – hatten schon mal über diese Schicht als Massenbasis geschrieben. In den 80er hatten wir diese Günstlinge als vom System „Bestochene“ bezeichnet. Das interessante -von mir – verlinkte Video geht leider auch zu sehr von Lohn Drückerei bei Akademikern aus.
      Frage: Was wäre der deutsche Kapitalismus ohne eine Massenbasis? Also Ärzte, Lehrer, Rechtsanwälte, Abteilungsleiter … die auf einmal für 2.700 Euro brutto im Monat arbeiten sollen?

      • Politnick schreibt:

        Moin;

        sobald eine der wesentlichen Eigenschaften bzw. Bestrebungen eines Ingenieur/Entwickler (Pioniergeist, Kreativität, Beharrlichkeit) unterdrückt werden, rede ich von Ausbeutung. Das passiert bereits in dem Moment, wenn nicht der Entwickler sondern der Unternehmer den Begriff „Pioniergeist“ definiert.

        Ein Beispiel ist der Volksempfänger VE 301, der Mitte der 30er Jahre millionenfach verkauft wurde, diese Radio war primitivste Schaltungstechnik (Audion) die in keinster Weise den Stand der Entwicklung (Überlagerungsempfänger) reflektierte. Solche und ähnliche Beispiele lassen sich beliebig fortsetzen und im Leben eines Programmierers ist das ganz genauso.

        Manfred v. Ardenne entwickelte bereits in den 20er Jahren Mehrfachröhren an denen jedoch nicht einmal Loewe oder de Forest Interesse hatte, weil damit keine Profite zu machen waren, jedenfalls nicht zu diesem Zeitpunkt.

        Zur Manipulation vs. Bewusstseinsbildung ist zu sagen, dass die Höhe eines Einkommen stets an allgemeinen Dingen festgemacht wird wobei die Höhe der Unternehmensprofite in diesem Zusammenhang geflissentlich verschwiegen werden. Je internationaler ein Unternehmen aufgestellt ist, umso besser funktioniert diese Verschleierung. Eine AG ist zwar verpflichtet, Umsatz, Gewinn und andere Kennzahlen (z.B. Zahl der Angestellten) offenzulegen aber dem entgegen steht die Bildung von Subunternehmen, so dass die tatsächlichen Zahlen im Dunkeln bleiben ebenso wie die Zahl derjenigen die da weltweit für einen Hungerlohn arbeiten müssen.

        Grüße an Alle und Freundschaft 😉

      • Politnick schreibt:

        Moin Rheinänder;

        die verbreitete Ansicht ist ja auch „für 50 T Brutto im Jahr lasse ich mich gerne ausbeuten“ nur um einmal eine Zahl zu nennen. Das bestätigt Deine Aussage und ich sehe das genauso. Natürlich braucht der Kapitalismus gut bezahlte Handlanger die das System aufrechterhalten. Und zu Zeiten der DDR brauchte der Westen erst recht eine gut bezahlte Masse um sich zu rechtfertigen als die „bessere Gesellschaftsordnung“.

        Am Wesen des Kapitalismus jedoch ändern auch solche Zahlen nichts, ganz im Gegenteil, die gezielte Manipulation von Lohn und Gehalt unterstützt die Ausnutzung der unterschiedlichn Entwicklung der Länder im Sinne des Kapitals. Natürlich will Mustafa aus Istanbul nicht weiter für 300 EUR in drei Schichten arbeiten, noch dazu wo er davon 299 EUR für die Miete in einer stickigen Drecksbude aufbringen muss. Wenn schon sein Kumpel Murat in Deutschland für dieselbe Arbeit 1000 EUR auf die Hand kriegt, will das Mustafa selbstverständlich auch. Und wenn Mustafa erst sieht, dass er 1000 EUR auch ohne Arbeit kriegen kann, dann wird ihn in Istanbul nichts mehr halten außer die Schwerkraft — Willkommen in Deutschland, hier werden sie abgeschoben!

        Freundschaft 😉

  5. Pingback: Das Tor zum Sozialismus ist weiterhin offen! | Sascha's Welt

  6. Hanna Fleiss schreibt:

    Ich bin mir darüber im klaren, dass mir in den Blogs in der Mehrzahl manipulierte Menschen begegnen. Ich weiß aber auch, dass sie nicht bereit sind, eine andere als ihre eigene Ansicht zu akzeptieren, geschweige mal anzuhalten und den Denkapparat einzuschalten. Sie haben die kapitalistische Gesellschaftsordnung als die einzig funktionierende (nach 1989) erfahren und hängen sklavisch an fremden Ansichten, die sie sich mit Mühe angeeignet haben. Es ist verdammt schwer, mit jemandem ins „Gespräch“ zu kommen, dem jede Grundlage wenigstens für eine skeptische Sicht auf heutige vor allem politische Angelegenheiten fehlt.

    Ich bin ja schon froh, wenn wenigstens ein Teil der Aussagen in etwa der Wahrheit nahekommt, da kann man dann einhaken. Aber oftmals ist es nicht so. Die siebzig Jahre bundesdeutscher Antikommunismus werden zu oft als völlig normal betrachtet, und alles, was dem nicht entspricht, wird abgeschmettert als kommunistische Propaganda, selbst dann, wenn jede Logik für es spricht.

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