Warum steht der Revisionismus dem gesellschaftlichen Fortschritt im Wege?

AkademikerWir werden uns wohl oder übel wieder mit dem Revisionismus beschäftigen müssen. Hier geht es nicht so sehr um die Revision (Fälschung) der Geschichte, als vielmehr um die Verfälschung und Entstellung der Lehre und der wissenschaftlichen Weltanschauung des Marxismus-Leninismus. Hierzu nun einiges Grundsätzliches und ergänzend dazu, was Kurt Gossweiler zum modernen Revisionismus (nach dem XX.Parteitag der KPdSU) sagte. Warum ist das so wichtig? Es ist klar: Der Revisionismus ist eine wesentliche, wenn nicht sogar die entscheidende Ursache für den Untergang des Sozialismus. Der Revisionismus blockiert das Verständnis sozialer Prozesse und führt zur Stabilisierung der kapitalistischen Ausbeuterordnung der Gegenwart. Dadurch entstehen Illusionen über die Zukunft der Gesellschaft, und in der Arbeiterklasse und in den verarmten Sichten der Bevölkerung macht sich zunehmend eine gewisse Gleichgültigkeit und Resignation gegenüber Unterdrückung und Ausbeutung breit. Doch nur wenn man deren Ursachen erkennt, wird man auch etwas verändern können.

Was verstehen wir unter Revisionismus?

Der Revisionismus ist eine antimarxistische Strömung in der internationalen Arbeiterbewegung, die sich beim Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz zum Monopolkapitalismus (Imperialismus) zur theoretischen und politisch-ideologischen Begründung des Opportunismus herausbildete. Der Revisionismus ist die opportunistische Reaktion bestimmter kleinbürgerlicher bzw. kleinbürgerlich beeinflußter Schichten in der Arbeiterbewegung auf die Verschärfung des Klassenkampfes und die neuen Bedingungen des Kampfes um den Sozialismus in der Epoche des Imperialismus.

Woran erkennt man den Revisionismus?

Der Revisionismus fordert eine Korrektur und Überprüfung der theoretischen und politischen Grundlagen des Marxismus mit dem Ziel, den revolutionären Inhalt des Marxismus zu beseitigen und durch bürgerliche Theorien zu ersetzen. Der Revisionismus ist Ausdruck für den verschärften Druck und für den Einfluß der Monopolbourgeoisie und der imperialistischen Ideologie auf die Arbeiterklasse und deren Organisationen. Das Wachstum des Marxismus, die Verbreitung der marxistischen Ideen in der internationalen Arbeiterbewegung zwang die Gegner des Sozialismus, vom Boden des Marxismus die marxistischen Ideen zu bekämpfen.

Eduard Bernstein – Begründer des Revisionismus

Der geistige Vater des Revisionismus ist Eduard Bernstein. In seinem Buch „Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie“ sowie in anderen Arbeiten entwickelte Bernstein ein System revisionistischer Auffassungen, in dem alle grundlegenden Thesen des Marxismus einer Revision unterworfen wurden. Um Bernstein gruppierte sich der internationale Revisionismus „Heute“, schrieb W. I. Lenin, „bilden die englischen Fabier, die französischen Ministerialisten, die deutschen Bernsteinianer und die russischen Kritiker eine einzige Familie, sie alle loben einander, lernen voneinander und ziehen gemeinsam gegen den ‚dogmatischcn‘ Marxismus zu Felde.“

Bernstein

Merkmale des Revisionismus

  • Philosophie: Auf dem Gebiet der Philosophie lehnte der Revisionismus den dialektischen Materialismus ab und stellte sich unter der Losung „zurück zu Kant“ auf den Boden des Neokantianismus.
  • Ökonomie:  In der politischen Ökonomie leugnete er die von Kari Marx und Friedricb Engels nachgewiesenen Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Entwicklung. Die Entstehung von Monopolen würde den Grundwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit abschwächen und zu einer Milderung der Klassengegensätze führen.
  • Revolution: An die Stelle der revolutionären Beseitigung der kapitalistischen Ausbeuterordnung müsse die evolutionäre Durchdringung des Kapitalismus durch den Sozialismus, ein organisierter und planmäßiger Kapitalismus treten.
  • Klassenkampf und Diktatur des Proletariats: Die politischen Anschauungen des Revisionismus liefen darauf hinaus, die Lehre vom Klassenkampf und von der Diktatur des Proletariats zu revidieren.

Bernsteins These war:
Das sozialistische Endziel ist nichts – die Bewegung ist alles! Der Staat als Organ der Klassenherrschaft wurde geleugnet und die bürgerliche Demokratie und Legalität als vorrangige Aufgabe für den Kampf der Arbeiterbewegung postuliert.

Wie entwickelte sich der Revisionismus?

Die sozialen Wurzeln hatte der Revisionismus in der mit dem Imperialismus entstandenen relativ breiten Schicht einer Arbeiteraristokratie und Arbeiterbürokratie sowie in dem zunehmenden Eindringen kleinbürgerlicher Kräfte in die Arbeiterbewegung. Dem veränderten Kräfteverhältnis zugunsten des Sozialismus und der revolutionären marxistischen Arbeiterbewegung versuchte sich der Revisionismus entsprechend anzupassen.

  1. Nach dem Sieg der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution richtete er von einer antisowjetischen Grundposition aus verstärkt seine Angriffe gegen die marxistische Revolutionstheorie und Staatslehre. Der sozialistischen Demokratie stellte der Revisionismus die Forderung nach der „reinen“ Demokratie gegenüber.
  2. Der sozialistischen Planwirtschaft begegnete er mit der Theorie von der sog. Wirtschaftsdemokratie. Alle diese Bestrebungen liefen auf die Verteidigung der monopolkapitalistischen Klassenherrschaft hinaus.
  3. Mit der Herausbildung des sozialistischen Weltsystems nach dem zweiten Weltkrieg war der Revisionismus mehr und mehr gezwungen, die pseudomarxistische und pseudosozialistische Terminologie abzulegen und zunehmend offener auf die Position imperialistischer Theorie und Ideologie überzugehen. Seinen Niederschlag fand das vor allen Dingen in der Annahme neuer Programme der sozialdemokratischen Parteien in Dänemark, Finnland, Frankreich, Österreich, Schweden, Westdeutschland u.a. Ländern.
  4. In diesen Dokumenten wurde programmatisch die Anerkennung der monopolkapitalistischen Eigentumsverhältnisse und der imperialistischen Staatsordnung für die sozialdemokratische Arbeiterbewegung begründet.
  5. Dem zunehmenden Einfluß der sozialistischen Länder und der kommunistischen Parteien trat der Revisionismus mit einer politischen Taktik der Differenzierung und Aufweichung entgegen.(Konterrevolution „auf Filzlatschen“)
  6. In den 1970er Jahren diente die Zielstellung des Revisionismus objektiv der Restaurierung der imperialistischen Herrschaftsverhältnisse in den von der kapitalistischen Ausbeutung und Unterdrückung befreiten Ländern. Er nahm immer mehr offene konterrevolutionäre Positionen gegenüber dem Sozialismus ein.
  7. Die Hauptthese des damaligen Revisionismus war die von der gegenseitigen Annäherung (Konvergenz) von Kapitalismus und Sozialismus. Diese sogenannte „Konvergenztheorie“ trat als eine Art verdeckter Antikommunismus an die Stelle des plumpen, vulgären Antikommunismus, der durch die erfolgreiche Entwicklung der sozialistischen Länder widerlegt wurde.
  8. Als eine Konzeption für die weitere reaktionäre Formierung des staatsmonopolistischen Kapitalismus war sie darauf gerichtet, die Arbeiterklasse restlos in dessen Herrschaftssystem zu integrieren, indem sie die Illusion zu erwecken suchte, der Kapitalismus werde automatisch mit dem Sozialismus zu einer einheitlichen „Industriegesellschaft“ verschmelzen, die die „Vorzüge beider Systeme“ in sich vereinige.
  9. Als Mittel der ideologischen Diversion gegen die sozialistischen Länder zielte sie darauf ab, diese dazu zu „verführen“, in ihrer Wachsamkeit gegenüber dem Imperialismus nachzulassen, einem kurzsichtigen kleinbürgerlichen Nationalismus nachgebend, sich durch ökonomische Bindungen an die kapitalistischen Staaten in politische Abhängigkeit von diesen zu begeben, ihre lebensnotwendigen engen Beziehungen zur Sowjetunion und zum gesamten sozialistischen Lager zu lockern und schließlich auf unabdingbare Voraussetzungen für die Existenz des Sozialismus als den angeblichen Prozeß der Konvergenz hemmende Faktoren zu verzichten, so besonders auf die führende Rolle der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei, und damit der Konterrevolution Tür und Tor zu öffnen.
  10. Dem entsprachen solche Thesen im Arsenal des „modernen“ Revisionismus wie die von der Oktoberrevolution als einem national begrenzten Ereignis in einem rückständigen Land, das keine Allgemeingültigkeit besäßc; vom Vorhandensein objektiver Gegensätze zwischen den sozialistischen Staaten als beständig und gesetzmäßig wirkende Faktoren; von einem objektiven Widerspruch zwischen der sich entwickelnden Basis und einem sich angeblich nicht entwickelnden, der Vergangenheit angehörenden, verknöcherten, bürokratischen Überbau als dem Grundwiderspruch der sozialistischen Gesellschaft und von der Notwendigkeit der Erneuerung und Angleichung dieses Überbaues an diese Basis.
  11. Durch diese „Erneuerung“ sollte ein „echter“, „demokratischer“, „humaner“ „Sozialismus“ entstehen, der dem wissenschaftlichen Sozialismus von Marx, Engels und Lenin entgegengesetzt wurde.
  12. Dazu wurde – ausgehend von der illusionären Vorstellung von der Möglichkeit einer Demokratie „an sich“ – nach dem Muster der bürgerlichen Demokratie und unter Ignorierung des echten Inhalts der sozialistischen Demokratie eine quantitative „Erweiterung“ bürgerlich-demokratischer Rechte und Freiheiten gefordert und einem Pluralismus in Partei, Staat, Wirtschaft und Ideologie das Wort geredet, der alten bürgerlichen Konzeption des Interessenpluralismus, die unter sozialistischen Verhältnissen einzig und allein dazu diene, die Macht der Arbeiterklasse und die führende Rolle ihrer Partei zugunsten konterrevolutionärer Interessen und Ideologien zurückzudrängen.

Was ist  „moderner“ Revisionismus?

Der „moderne“ Revisionismus verfälschte das Verhältnis von Arbeiterklasse und Intelligenz unter den Bedingungen der wissenschaftlich-technischen Revolution. Die sozialökonomischen Ursachen dieses „modernen“ Revisionismus, der seit Beginn der 60er Jahre auch in der kommunistischen Bewegung verstärkt in Erscheinung trat, waren vor allem folgende:

  • die wissenschaftlich-technische Revolution ermöglichte es der herrschenden Klasse in den kapitalistischen Ländern durch rasch wachsende Superprofite, die privilegierte Arbeiteraristokratie stark zu vergrößern, bestimmte Schichten der Arbeiterklasse und des Kleinbürgertums durch verschiedene Vergünstigungen zu korrumpieren und so sozialen Nährboden für den Revisionismus zu schaffen.
  • Des weiteren wirkt sich die massive Beeinflussung durch die in den Händen der Monopole konzentrierten Massenmedien auch in den Reihen der Arbeiterbewegung aus. Weiterer Nährboden für den Revisionismus entstand durch die Veränderung der sozialen Zusammensetzung der Arbeiterklasse in der Nachkriegszeit, besonders durch das Eindringen Angehöriger kleinbürgerlicher Schichten.
  • Hinzu kam, daß bestimmte Faktoren der Entwicklung des staatsmonopolistischen Kapitalismus unter den Bedingungen der wissenschaftlich-technischen Revolution Illusionen im Sinne der Konvergenztheorie begünstigen.

Politische und erkenntnistheoretische Quellen des in der kommunistischen Arbeiterbewegung auftretenden Revisionismus waren insbesondere

  • das Nichterkennen der wachsenden Aggressivität des Imperialismus und seiner gegenwärtigen Kampfmethoden gegenüber dem Sozialismus (psychologische Kampfführung, „geräuschlose“ Konterrevolution);
  • das daraus resultierende Unverständnis für die historische Rolle der Sowjetunion und der sozialistischen Staatengemeinschaft, deren Existenz und Sicherheit die entscheidende Bedingung auch für die Erfolge der Arbeiterbewegung in den kapitalistischen Staaten und für die Sicherheit in Europa sind;
  • eine falsche Einschätzung des staatsmonopolistischen Kapitalismus und seiner politischen Herrschaftsformen, besonders die Illusion, daß der Kapitalismus sich zu einer klassenlosen „Industriegesellschaft“ wandeln werde und die wichtigsten Bedürfnisse der Werktätigen durch Reformen innerhalb des imperialistischen Systems befriedigt werden könnten;
  • die Überschätzung gewisser Erfolge bei der Ausnutzung des Parlaments für den Kampf um die demokratischen und sozialen Interessen der Werktätigen;
  • die daraus resultierenden gefährlichen Illusionen in bezug auf die bürgerliche Demokratie und damit verbundenen Tendenzen zur Reduzierung des Kampfes um den Sozialismus auf den parlamentarischen Kampf und die Bildung von Wahlkoalitionen d.h. des Verzichtes auf den außerparlamentarischen Massenkampf der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten gegen die Monopole und ihre Politik.

Wie wirkte sich der Revisionismus auf die sozialistischen Länder aus?

In der sozialistischen Gesellschaft selbst existierten mit dem weiteren Vorhandensein kleinbürgerlicher Schichten und damit kleinbürgerlicher Denkweisen und Anschauungen nach der Errichtung der Herrschaft der Arbeiterklasse für einen längeren Zeitraum ebenfalls Faktoren, die als sozialer und politischer Boden für die Entwicklung revisionistischer Auffassungen fruchtbar werden konnten, weil es die Partei der Arbeiterklasse nicht verstand, die genannten Schichten planmäßig in den sozialistischen Aufbau einzubeziehen und die kleinbürgerliche Denkweise durch eine intensive politisch-ideologische Arbeit zurückzudrängen.

Angesichts der verschärften ideoIogischen Einwirkungsversuche des Imperialismus sowohl auf die Arbeiterbewegung in den kapitalistischen Ländern als auch auf die sozialistischen Staaten ist der Kampf gegen alle Erscheinungsformen des „modernen“ Revisionismus eine der entscheidenden Aufgaben aller kommunistischen und Arbeiterparteien; denn der Revisionismus hat der Arbeiterbewegung niemals Erfolge, sondern stets Spaltung und Schwächung ihrer Reihen und damit Niederlagen gebracht.

Die vom Revisionismus betriebene Politik der Unterordnung der Arbeiterklasse unter die Bourgeoisie hat in keinem Land der Welt zur sozialen und politischen Sicherheit der Werktätigen oder zur Beseitigung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen oder gar zur Errichtung der ökonomischen und politischen Macht der Arbeiterklasse geführt; sie ist allein darauf gerichtet, der Arbeiterbewegung schweren Schaden zuzufügen.

Quelle:
Sachwörterbuch der Geschichte (2Bde.), Dietz Verlag Berlin (DDR) 1979, Bd.2, S.379-382. (bearbeitet, gegliedert und mit Zwischenüberschriften versehen, N.G.)

Kurt Gossweiler:

Warum konnte es dem Revisionismus gelingen, die Ergebnisse von Jahrzehnten sozialistischen Aufbaus zu zerstören?

Natürlich gibt es dafür viele Gründe. Ein ganz wichtiger ist nach meiner Überzeugung der: der Revisionismus trat lange Zeit stets als Anti-Revisionismus, als Verteidigung des Leninismus gegen dessen angebliche Verfälschung durch Stalin auf.

Erst als sein Zerstörungswerk so gut wie vollendet war, legte Gorbatschow die Maske des Kommunisten, des Leninisten ab und bekannte sich öffentlich als Sympathisant der Sozialdemokratie, also als Anti-Kommunist und Anti-Leninist. Der Anti-Stalinismus war aber von Anfang an seinem Wesenskern nach – Antileninismus, Antimarxismus, Antikommunismus.

Doch selbst jetzt erkennen das viele sogar im kommunistischen Lager noch nicht, weil sie noch unter dem Einfluß der antistalinistischen jahrzehntelangen Haßpropaganda der antikommunistischen Generalsekretäre der KPdSU seit dem 20. Parteitag stehen, die Stalin mit Hitler gleichsetzten – eben jenen Stalin, der – wie Ernst Thälmann das voraussagte – Hitler das Genick brach!

Wir müssen klarmachen, daß es beim Kampf gegen den Antistalinismus nur vordergründig um die Person Stalins geht, dem Wesen nach aber um die Existenzfrage der kommunistischen Bewegung:

Bleiben wir – wie Marx und Engels, Lenin und Stalin – fest auf dem Boden des Klassenkampfes, oder begeben wir uns – wie die Anti-Stalinisten Chruschtschow, Gorbatschow und ihresgleichen – auf den Boden der Aussöhnung mit dem Imperialismus?

Dies ist die Frage, von deren Beantwortung das Schicksal der kommunistischen Bewegung abhängt. Und weil diese Frage nur richtig beantwortet werden kann, wenn sie das revisionistische Gift in allen seinen Erscheinungsformen ausscheidet, muß sie auch den Anti-Stalinismus in ihren Reihen überwinden.

Quelle:
Dr.Kurt Gossweiler: der Anti-Stalinismus, das Haupthindernis für die Einheit aller antiimperialistischen Kräfte und der kommunistischen Bewegung. Marxistisch-leninistische Schriftenreihe für Ökonomie, Politik und Philosophie, Ernst-Thälmann-Verlag, Heft 8, S.14f.

pdfimages  Gossweiler: Die Existenzfrage der kommunistischen Bewegung

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5 Antworten zu Warum steht der Revisionismus dem gesellschaftlichen Fortschritt im Wege?

  1. ropri schreibt:

    „…legte Gorbatschow die Maske des Kommunisten, des Leninisten ab und bekannte sich öffentlich als Sympathisant der Sozialdemokratie,…“

    Das würde ja bedeuten, daß ein einzelner Mensch in der Lage wäre, ein ganzes sozialistisches System auszuhebeln, zu vernichten. Wir Kommunisten haben eines versäumt: Lenins Warnung zu beachten – immer und überall! „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“. Weil das die kommunistischen Parteien der ehemals sozialistischen Länder immer mehr nicht beachteten, konnten sich solche Verräter wie Chrustschow und Gorbatschow an die Spitze der KP und eines sozialistischen Staates mogeln und ihr zerstörerisches Handeln betreiben.

    Wir haben in der DDR gelebt: Kritik an Maßnahmen einer Parteiführung war beinahe ein Tabu. Meist mußte man mit unliebsamen Konsequenzen rechnen. Dabei habe ich oft Perteifunktionäre kennengelernt, die untragbar waren und deren Handeln zu verurteilen war. Diese Funktionäre traten gern arrogant auf – Kritik ließen sie nicht zu. Es waren die von Lenin beschriebenen „Apparatschniki“, die nicht im Sinne einer kommunistischen Partei handelten, sondern auf ihren eigenen Vorteil bedacht waren. Berichte an das Politbüro erfolgten stets geschönt und wurden positiv verfaßt. Wer wollte schon seine eigene Arbeit kritisieren?
    Ich könnte einige Beispiele aufzählen, aber das würde den Rahmen eines Kommentares sprengen. Etwas mehr revolutionäre Wachsamkeit bis hoch ins Politbüro, Kommunisten, die ihre Kritik nicht im stillen Kämmerlein notierten, sondern diese offen auf Versammlungen aussprachen hätte uns unsere DDR erhalten.

    • sascha313 schreibt:

      Wenn man die Chronik Kurt Gossweilers liest, so fällt auf, daß dies (das „Aushebeln“) auch nicht von heute auf morgen geschah. Allerdings stellt man auch in bürgerlichen Strukturen oft fest: Kommt ein neuer Bürgermeister ins Amt, so tauscht er meist das ganze führende Personal aus. Das Perfide an diesem Austausch unter Gorbatschow ist aber, daß die Begründung mit einer Lüge begann: „Wiederherstellung der Leninschen Parteinormen“

      Ein ebensolcher krimineller Vorgang ereignete sich auch in der DDR, als „im ideologischen Zentrum der Partei hinter dem Rücken der Führung unter Verschweigen der wahren Absichten“ konspiriert wurde, und unter Anleitung des führenden Mitglieds der ZK-Akademie, Prof. Rolf Reissig, ein Strategiepapier entstand, das die künftige Zusammenarbeit von SED und SPD zum Inhalt hatte. Darüber schrieb Rolf Vellay in „offen-siv“ Heft 3/2002, siehe hier:
      http://www.offen-siv.net/2002/02-03.htm

      • Politnick schreibt:

        Das http://www.offen-siv.net/2002/02-03.htm ist ja interessant. Interessant deswegen weil ja die Gründung der SED als Zusammenschluss von KPD+SPD gerade die Abrechnung mit der blutigen Vergangenheit der SPD zum Ziel hatte. Die SPD hat sich im Lauf ihrer Entwicklung dermaßen entartet, da ist vom Geiste Marx und Lenin kein Hauch mehr vorhanden, schreibt Alexander Abusch 1950.

        In der heutigen SPD gibt es kein kommunistisches Gedankengut, es wäre Revisionismus pur, sich wieder hin zur SPD zu wenden und politisch ein Rückwärtsgang.

        Freundschaft 😉

      • ropri schreibt:

        Was Gorbatschow tat war: die „Theorie“ seiner Frau (Philosophin) umzusetzen. Ich erinnere mich, als ich 1974 in Kiew weilte, hatte ich ein Gespräch mit einem jungen Philosophen. Der vertrat die Meinung: kapitalistische Produktionsweise unter sozialistischer Führung. Angeblich braucht die Produktion den Konkurrenzkampf. Wir haben lange diskutiert, soweit mein russisch reichte. Dieser junge Mann war gerade einmal 2 Jahre mit dem Studium fertig. Hatte man die Lehre der Philosophie bereits 1974 so aufgeweicht?

        Ja, Sascha es war ein langsamer zerstörerischer Prozeß. Es ist immer der subjektive Faktor, der Mensch selbst der sich und anderen im Wege steht, oft auf den eigenen Vorteil bedacht.
        Die DDR war auf dem richtigen Weg. Ist es wirklich möglich, den Sozialismus dauerhaft in einzelnen Ländern aufzubauen? Man muß viel Volksvermögen für Rüstung ausgeben anstatt für Lebensinhalte. Doch stetige Aufrüstung und Aufbau des Sozialismus passen nicht zusammen.

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