Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt… (Goethe)

staatliche Gewalt

Die staatliche Gewalt

Diesen Spruch läßt Goethe seine Geister im „Erlkönig“ sagen, und der reitende Vater reagiert darauf verständlicherweise „mit Grausen“. Nun ist Gewalt allerdings keineswegs immer ein verwerfliches Mittel, einen Zustand zu ändern, den man nicht haben möchte. Materielle, militärische und auch juristische Gewalt gebrauchen die herrschenden Klassen, um ihre Macht zu erhalten, ebenso, wie die unterdrückten Klassen, um selbige zu erobern.

Und als Karl Marx und Friedrich Engels im Manifest der Kommunistischen Partei schrieben: „Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst des Kommunismus…“, reagierte hierauf die erschreckte Bürgerschaft  ebenfalls „mit Grausen“, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, daß die Kommunisten erklärten, man wolle (notfalls mit Gewalt) zugleich mit den bürgerlichen Verhältnissen auch das bürgerliche Privateigentum abschaffen. Und das nicht ohne Grund. Denn das bürgerliche Privateigentum an den Produktionsmitteln macht die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen erst möglich. Doch wie ist das nun mit der Gewalt?

Wenn heute die bürgerlichen Machthaber und ihre Lakaien immer auf „Gewaltfreiheit“ bestehen, eine „gewaltfreie“ Lösung aller Konflikte anstreben, so versteckt sich dahinter die Angst eines reaktionären Regimes vor den fortschrittlichen Kräften der Gesellschaft. Das Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Soziologie erklärt:

Gewalt: spezifisches Mittel einer Klasse, eines Staates oder politischen Gruppe zur Durchsetzung der eigenen Interessen, vor allem zur Brechung der Macht, des Willens und der Interessen entgegenstehender Klassen, Staaten und politischer Gruppen.

Fortschrittliche oder reaktionäre Gewalt?

Gemäß dem Charakter und den Zielen der gewaltanwendenden Kräfte gibt es fortschrittliche und reaktionäre Gewalt. Im Kampf aufstrebender Klassen und politischer Gruppen einer Epoche bildet die Gewalt eine bestimmt unumgängliche Stufe ihrer Tätigkeit auf dem Weg zum Sieg. Als fortschrittliche Gewalt wirkt sie als Geburtshelferin einer Gesellschaftsordnung. Ausdruck fortschrittlicher Gewalt waren z.B. die Französische Revolution und die Große Sozialistische Oktoberrevolution.

Friedliche oder nichtfriedliche Gewalt?

Es gibt friedliche und nichtfriedliche Formen der Gewalt. Friedliche Formen fortschrittlicher Gewalt sind u. a. die Streiks, eine nichtfriedliche Form fortschrittlicher Gewalt ist der Kampf gegen die Konterrevolution. Die Form der Gewalt im Klassenkampf des Proletariats hängt nicht allein vom Wunsch und Willen der Arbeiter, vom Klassenkräfteverhältnis, insbesondere vom Verhalten der ausbeutenden und reaktionären Klassen ab. Die Geschichte hat unzähliger Male bewiesen, daß die Bourgeoisie zur Abwehr, Niederhaltung und Bekämpfung der Volksmassen und ihrer fortschrittlichen Ziele zu offen brutalen und kriegerischen Formen der Gewalt greift (Aussperrung der Arbeiter, blutige Niederschlagung von Demonstranten, Faschismus, weißer Terror in der Konterrevolution, kalter Krieg gegen den Weltsozialismus, militärische Aggression gegen sozialistische Staaten).

Staatliche oder nichtstaatliche Gewalt?

Der Einsatz der Staatsmacht zur Brechung der Macht, des Willens und der Interessen der gegen die jeweilige Staatsordnung auftretenden Kräfte ist ebenfalls Gewalt. Es gibt staatliche und nichtstaatliche Gewalt. Die imperialistische Bourgeoisie versucht, das gewaltsame Eingreifen ihrer Staatsmacht in den Klassenkampf zur Unterdrückung der Werktätigen zu verschleiern, indem sie diese Tätigkeit als Ordnungsfunktion hinstellt. Diese Ordnungsfunktion ist aber nur die Erscheinungsform staatlicher Gewalttätigkeit. Für die Bewertung des Charakters der staatlichen Gewalt ist entscheidend, welche staatliche Ordnung mittels Gewalt geschützt wird, eine Ausbeuterstaatsordnung oder die staatliche Macht des Volkes, der sozialistische Staat.

Quelle:
W.Eichhorn I, E.Hahn et al. (Hersg.): Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Soziologie, Dietz Verlag Berlin, 1969, S.168f. (leicht gekürzt und mit Zwischenüberschriften versehen, N.G.)

Siehe auch:
Kurt Gossweiler: Ist Gewalt zur Verteidigung des Kommunismus unmoralisch?
Was ist Diktatur des Proletariats?</em>

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3 Antworten zu Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt… (Goethe)

  1. Nadja Norden schreibt:

    Auf das Karl-Marx-Denkmal in Frankfurt (Oder) stand (steht?) ganz sinnig gemeißelt „Die Theorie wurde zur
    Materiellen Gewalt“. Zu sehen:
    http://politiekencultuur.blogspot.be/2009/06/karl-marx-monument-in-frankfurt-oder.html

    • sascha313 schreibt:

      In Jena hat man nach 1990 die Karl-Marx-Büste am Philosophenweg beseitigt. Auch ein Zeichen von „Bildung“ – besser gesagt von Borniertheit der Jenaer „Demokraten“

  2. Politnick schreibt:

    Wem nützen Terroranschläge? Diese Frage habe ich mir oft gestellt und die Antwort ist immer wieder dieselbe: Sie nützen der herrschenden Klasse und dienen den Interessen des Kapitals!

    Kaum war das Palästinamandat an die Briten übertragen worden, erschütterten Terroranschläge das Land. Kaum hatte Deutschland die Jersey-Inseln annektiert, fielen Bomben auf ebendiese. Kaum war die Konferenz in Jalta zuende, begann Churchills Bombenterror auf Dresden. Und die Hiroshimabombe war eine reine Demonstration der Macht, die gab den westlichen Alliierten „das Recht“ zur Teilung Deutschlands (Abusch).

    Faschistische Banden terrorisierten in den 20er Jahren die Bevölkerung in ganz Deutschland, die Ermordung Walther Rathenau 1922 war keineswegs ein Einzelfall. Der ganze Naziterror der 20er Jahre hatte nur ein Ziel, nämlich den Sturz der Weimarer Republik — Im Interesse des amerikanischen Finanzkapitals. Was heute in der Türkei passiert, ist genau dasselbe, die ungezählten Terroranschläge in Istanbul und auch der letzte sogenannte Putsch in der Türkei sind genauso inszeniert wie der Hitlerputsch vor der Feldherrnhalle 1923.

    Gesiste wiederholt sich eben doch, siehste Frau Mergel.

    Freundschaft 😉

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