Denkmalpflege in der DDR

ZwingerDie DDR gehörte einst zu den zehn leistungsstärksten Industrienationen in der Welt. Unter der klugen Führung der SED haben die Werktätigen unseres Landes innerhalb von 40 Jahren nicht nur einen modernen Industriestaat mit moderner Landwirtschaft aufgebaut, sondern auch auf dem Gebiet der Denkmalspflege Beachtliches geleistet. So wurde bereits 1945 mit dem Wiederaufbau des durch anglo-amerikanische Bomberverbände fast völlig zerstörten Dresdner Zwingers begonnen. Bekannte Denkmale, wie das Güstrower Schloß oder die Semperoper zu Dresden, der Wörlitzer Park oder die Dorfanlage von Nitschareuth,  die Umgebindehäuser von Obercunnersdorf  oder das Denkmal für die Märzgefallenen im Weimar, das nach einem Entwurf von Walter Gropius gestaltet wurde, aber auch das berühmte Karl-Marx-Denkmal in Chemnitz, der Erfurter Dom und der Stadtkern von Neuruppin gehörten zu den Tausenden Sehenswürdigkeiten unseres Landes, die von Denkmalpflegern restauriert, erhalten und sachkundig gepflegt wurden.

Was verstehen wir unter Denkmalspflege?

Denkmalspflege: Erfassung, Sicherung, Erhaltung, Wiederherstellung und Pflege von Denkmalen der Kulturgeschichte, nationalen Geschichte, Geschichte der Arbeiterbewegung, der Kunst und Technik. Ihre Anfänge reichen his ins Altertum zurück. In der Rennaissance gab es bereits denkmalpflegerische Bestrebungen, die sich den heutigen Vorstellungen annähern. Anfang des 19.Jahrhunderts begann mit dem Aufstieg des Bürgertums eine systematische und methodische Denkmalpflege. Durch planmäßige Förderung wurde sie in einigen Ländern zur staatlichen Einrichtung. 1944 wurden die Grundzüge der deutschen Denkmalpflege festgelegt.
In der DDR hatte das staatliche Institut für Denkmalpflege der Deutschen Demokratischen Republik das gesetzliche Recht, Werke unter Denkmalsschutz zu stellen. Bauwerke wurden nicht nur erhalten und wiederhergestellt, sondern erfuhren neue, der sozialistischen Entwicklung entsprechende Nutzung. (Quelle: BI Universal-Lexikon 5 Bde., VEB Bibliographisches Institut Leipzig/DDR, 1985, Bd.1, S,.423. aktualisiert, N.G.)

Nun sind die Auffassungen darüber, was eigentlich unter einem Denkmal zu verstehen ist, sehr unterschiedlich. Jede Gesellschaftsordnung, jede Epoche, hat ihre eigenen Wertvorstellungen und verehrt ganz verschiedene nationale Helden. So wurden nach 1990 mit der Annexion der DDR durch die benachbarte Bundesrepublik Deutschland auch viele Denkmale und Bauwerke, die an den Sozialismus erinnerten einfach beseitigt.

Dabei ging es nicht nur um Denkmäler berühmter Persönlichkeiten, wie Karl Marx, Friedrich Engels und Lenin, sondern auch um nationale Gedenkstätten wie die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals und die Iskra-Gedenkstätte in Leipzig, sondern auch um denkmalswürdige Bauwerke wie den Palast der Republik in Berlin, die dem Vandalismus der Bourgeoisie zum Opfer fielen. Die Beseitigung des Palastes der Republik beispielsweise ist eine Kulturschande.

Doch diese „Bilderstürmerei“ gab es auch in der DDR. So wurden nach der Ermordung Stalins, vor allem nach dem verbrecherischen XX.Parteitag der KPdSU sämtliche Stalindenkmäler beseitigt. Auch das ist eine Kulturschande. Immerhin hatte die DDR Stalin wesentlich mehr zu verdanken als die Befreiung vom Faschismus.

Nun wollen wir aber nicht ungerecht sein, denn der heute herrschende Kapitalismus hat auch sehr viele Baudenkmale und selbst einfache Bürgerhäuser wiederbelebt, deren Untergang bis vor wenigen Jahren schon fast unvermeidlich erschienen war. Doch zu welchem Preis? Dafür, daß einige Wenige immer reicher werden und die Masse der Bevölkerung verarmt.

Was ist ein Denkmal?

Denkmal: jedes Zeugnis der kulturellen Entwicklung der Menschheit, das eine besondere künstlerische, historische oder wissenschaftliche Bedeutung besitzt und dieser Bedeutung wegen von der Gesellschaft des Gedenkens und der Aufbewahrung für würdig erachtet wird. Denkmale in diesem Sinne können Werke der Bau­kunst sein (z.B. städtebauliche Anlagen, Tore, Türme, Stadt-, Rat-, Bürgerhäuser, Burgen, Kirchen, Schlösser, Dome) oder Teile derselben, Werke der bildenden Kunst, des Kunsthandwerks, der Technik sowie historische Stätten, die an bedeutende nationale Ereignisse oder historische Persönlichkeiten erinnern.

Würdig für ein Denkmal?

Als Denkmal wird weiterhin jedes architektonische oder plastische Monument bezeichnet, das zum Zwecke des Erinnerns an Ereignisse oder Persönlichkeiten errichtet wurde. Als kulturgeschichtliche Zeugnisse der Vergangenheit sind Denkmale Ausdruck der Leistungen und der Schöpferkraft eines Volkes. Stets wurden in der Vergangenheit die Herrschenden bzw, die in ihren Diensten Stehenden als denkmalswürdig befunden; das Volk, Schöpfer aller Werte, hingegen nicht. Erst im späten 18. und 19. Jh. wurde auch die bürgerliche Persönlichkeit in der Plastik gestaltet.

Das Denkmal im Sozialismus

Im Sozialismus hat die Denkmalskunst einen grundlegend neuen Inhalt erhalten. Es war eine der ersten Maßnahmen der Sowjetmacht, die Denkmal unter den Schutz des Volkes zu stellen. Nach W.I. Lenins Plan der Denkmalspropaganda wurden und werden für die Helden der Oktoberrevolution, des Großen Vaterländischen Krieges und des sozialistischen Aufbaus Denkmale errichtet. Weiterhin werden Leistungen großer Wissenschaftler und Künstler aus Vergangenheit und Gegenwart gewürdigt. Es entspricht der sozialistischen Verfassung der DDR, das kulturelle Erbe unseres Volkes zu erhalten, zu pflegen und allen Werktätigen zugänglich zu machen. Entsprechende Verordnungen wurden bald nach der Gründung der DDR erlassen.

Für ein neues Geschichtsbewußtsein

Die historischen Werke des Städtebaus, der Baukunst, der bildenden Kunst, besonders auch die Gedenkstätten der Arbeiterbewegung sind anschauliche Zeugen der schöpferischen Kraft, des Lebens und des Kampfes unseres Volkes. Sie sind als Teil der humanistischen Weltkultur Quelle ästhetischer Bildung und tragen dazu bei, das materialistische Geschichtsbewußtsein zu formen. Es werden in diesen Werken gesellschaftliche Zusammenhänge sichtbar, aber auch jene Grenzen, die die jeweiligen Klassenverhältnisse dem Gestaltungswillen ihrer Schöpfer setzten. Unser Volk ist deshalb nicht nur Erbe und Bewahrer aller revolutionären und humanistischen Traditionen, sondern es ist vor allem dazu berufen, diese schöpferisch fortzuführen.

Tradition und Gegenwart im Sozialismus

In den Aufbau der Städte, Dörfer und Erholungsgebiete werden die vorhandenen Denkmale sinnvoll einbezogen, und es werden neue geschaffen, die von der Größe unserer Zeit und ihrer Menschen künden. Im Sinne der „Verordnung über die Pflege und den Schutz der Denkmale“ vom 28. 9. 1961 sind Denkmale:
  • Bauwerke in ihrer äußeren und inneren Gestaltung, Park- und Gartenanlagen sowie Friedhöfe, Ruinen, Orts-, Straßen- und Platzbilder, die sich durch ihre geschichtliche Bedeutung, durch ihre Eigenart oder Schönheit auszeichnen; Werke der Malerei, Plastik, Graphik und des Kunsthandwerks, die von hervorragender Bedeutung sind;
  • Einrichtungen, Maschinen, Anlagen und Bauten, soweit sie geschichtliche oder ethnographische Bedeutung haben, der technischen und landwirtschaftlichen Tätigkeit und dem Verkehr allgemein dienen oder gedient haben und für die Arbeitsweise in einzelnen Landschaftsgebieten kennzeichnend sind, sowie Gegenstände, die zu bedeutenden Persönlichkeiten oder Ereignissen der deutschen Geschichte in Beziehung stehen.

Auswahlkriterien für Denkmalskunst

Kriterien für die Erfassung und Pflege der Denkmale sowie für deren Klassifizierung nach Denkmal von besonderer nationaler und internationaler Bedeutung sowie solchen von regionaler Bedeutung sind
♦ ihre Rolle im geistig-kulturellen Leben der entwickelten sozialistischen Gesellschaft;
ihre künstlerische, geschichtliche bzw. wissenschaftliche Bedeutung;
künstlerische und gesellschaftliche Funktion für die Neugestaltung der Städte und der Landschaft;
volkswirtschaftliche Möglichkeiten bzw. Möglichkeiten des Einsatzes zusätzlicher Finanzmittel und außergewöhnlicher Ausführungskräfte, die neben den normalen Werterhaltungsmitteln und industriellen Instandsetzungsmethoden des Bauwesens für die Denkmalpflege zur Verfügung gestellt werden können.

Verantwortungsbewußte Auswahl

Eine zeitliche Grenze für die Anerkennung als Denkmal wird im allgemeinen nicht mehr gezogen, und der Schutz erstreckt sich auch auf moderne Werke, soweit diese unter die Denkmaldefinition fallen (z.B. Bauhaus in Dessau). Die Zerstörungen, die durch den zweiten Weltkrieg entstanden, zwingen alle für die Denkmalspflege in unserem Staat zuständigen Institutionen und ehrenamtlichen Gremien, verantwortungsbewußt im Sinne dieser Kriterien die Objekte auszuwählen.

Pflege des kulturellen Erbes

Der Neubau völlig zerstörter Städte machte in stärkerem Maße eine Konzentration auf die bedeutendsten Objekte erforderlich (in der DDR z. B. Zwinger und Gemäldegalerie in Dresden, Dome in Magdeburg und Halberstadt). Entgegen den üblichen Vorstellungen wurden in Ausnahmefällen auch völlig zerstörte Denkmale rekonstruiert. Auf der Grundlage der marxistischen Prinzipien zur Pflege des kulturellen Erbes und der Beschlüsse der SED und der Regierung zur Denkmalpflege konnten beachtliche Erfolge erzielt werden.
Der Zwinger in Dresden, das historische Ensemble Unter den Linden, die Nationalgalerie und das Alte Museum in Berlin, das Alte Rathaus und die Börse in Leipzig, die Dome in Magdeburg, Naumburg, Halberstadt, Stendal, Brandenburg wurden vollständig wiederhergestellt bzw. restauriert. Ebenso wurde eine Reihe von Werken der historischen Volksbaukunst, wie z. B. die Bürgerhäuser in Stralsund und Freiberg, Blockhäuser im Spreewald u. a., restauriert sowie die nationalen Gedenkstätten Buchenwald, Ravensbrück und Sachsenhausen gestaltet.

Die Denkmalspflege in der DDR

Grundlage der Denkmalpflege und ihrer Organisationen in der DDR sind die „Verordnung über die Pflege und den Schutz der Denkmale“ sowie die „Anordnung über das Statut des Instituts für Denkmalpflege“ vom 28.9.1961. Danach sind zur Erhaltung eines Denkmal die Rechtsträger, Eigentümer oder Verfügungsberechtigten verpflichtet, wobei ihnen staatliche Hilfe gewährt werden kann. Die Verantwortung für den Schutz und die Pflege tragen die staatlichen Organe, die durch das Institut für Denkmalpflege wissenschaftlich beraten werden. Das Institut wird von ehrenamtlichen Vertrauensleuten unterstützt. Es untersteht dem Ministerium für Kultur und ist in 5 Arbeitsstellen (Berlin, Dresden, Erfurt, Halle, Schwerin) gegliedert, denen die denkmalpflegerische Betreuung in den Bezirken obliegt.  
(Quelle: Kulturpolitisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin/DDR, 1970, S.102f. Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

Daß in der DDR die Denkmalspflege eine Sache des Volkes war, an der sich freiwillig und uneigennützig Tausende Helfer beteiligten, zeigt das folgende Beispiel:

Das Ministerium für Kultur, der Nationalrat der Nationalen Front und der Kulturbund hatten 1982 die Bevölkerung aufgerufen, sich an der Pflege von 620 Denkmalen und deren Umgebung zu beteiligen.   Die Auswahl der Objekte war so erfolgt, daß die notwendigen Arbeiten keine umfangreichen technischen Voraussetzungen erforderten. Der Abschluß des Gemeinschaftsvorhabens war eigentlich zur 35. Jahrestag der DDR (1985) geplant. Es wurde ein beeindruckendes Ergebnis erreicht. Statt der vorgesehenen 620 Vorhaben zählte man 850. Wegen des großen Erfolgs wurde die Aktion jedoch fortgesetzt. Bis 1984 hatten sich daran über 52.000 freiwillige Helfer beteiligt. Die Zwischenbilanz  im April 1985 war beeindruckend: 1.100 Denkmale waren instandgesetzt worden und wurden von den Einwohnern in weitere Pflege  genommen. Der dabei in 400.000 Stunden Freizeit gschaffene Wert lag bei 14 Millionen Mark. (Siehe: Achim Felz „DENKMALE von uns bewahrt“, Verlag Neues Leben, Berlin/DDR, 1988, S.9f.)

Das Motto der SED lautete: „Alles für das Wohl des Volkes!“ – Und das war auch so.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Meine Heimat DDR, Sozialistische Wirklichkeit veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Denkmalpflege in der DDR

  1. Politnick schreibt:

    Es ist klar, dass eine sozialistische Denkmalpflege vordergründig der Geschichte der Arbeiterbewegung gewidmet ist. Geschichtlich interessierte Laien interessieren sich jedoch für jede Tafel und jeden Stein wo was draufsteht. So erinnert im Kreuznacher Wald (Rheinland Pfalz) z.B. ein Stein an ein Ereignis, was in keinem Geschichtsbuch erwähnt wird: Die Befreiung der Rheinlande zum 1.7.1930.

    Dieser Stein entlarvt die Lüge vom Dawesplan der, 1924 aufgestellt, das Ende der Besetzungen zum Ziel hatte. Tatsächlich jedoch wurde mit diesen Milliardenkrediten die NSDAP finanziert. Dieser Gedenkstein ist ein weiteres und wichtiges Indiz dafür, dass der Dawesplan ganz andere Ziele verfolgte, nämlich den Sturz der Weimarer Republik und die okonomische Grundlage für die Zeit danach.

    Im Übrigen erinnern auch im Odenwald mehrere Gedenktafeln an die Zeit der Besetzung der 20er Jahre. Am Heiligenberg bei Heidelberg erinnert eine Tafel an Frondienste die Arbeiter 1923 in einem Steinbruch leisten mussten.

    Freundschaft 😉

  2. ropri schreibt:

    Es gab auch Fehlentscheidungen, lieber Sascha. Zum Beispiel: „Neubau statt Altbausanierung“. Da wurden in so manchen Städten ganze denkmalwürdige Straßen abgerissen um Neubauten dort aufzubauen. Aber es gab dafür einen Handlungszwang: es mußte dringend gut bewohnbarer Wohnraum her und das wäre mit Restaurieren nicht möglich gewesen. Und noch bis gegen Ende der DDR wollte ja bald jeder eine Neubauwohnung beziehen.
    Erst nach der Wende waren auf einmal Altbauten das Beste, weil man sich fortan über Neubauten lustig machte und das verpönte. Da wurden Gaslaternen in einem ganzen Stadtteil in Halle abgerissen, in West-Luxusviertel wieder aufgebaut und 0-8-15 Beleuchtung in Halle aufgestellt. Bei der Renovierung von Altbauten verschwanden so manche historische Stuckdecken, Hausverzierungen und Skulpturen. Damit konnte man gut Geld machen. Ach, diese Verbrecherbande! Die müßten allesamt bestraft werden, lachen sich aber eins ins Fäustchen über die dummen Ossis.

    • Politnick schreibt:

      Die Gaslaternen, die Freilichtbühne und das jährliche Pressefest im Küchwald sind die schönsten Erinnerungen an meine Studien-Zeit in Karl-Marx-Stadt.

      Freundschaft 😉

      PS: Und die vielen Gartenkneipen! Und selbstverständlich auch der Nischel und der Panzer 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s