Emil Collett: Die DDR – ein Meisterwerk

palast_der_republikDie Bewertung der historischen Bedeutung der DDR hängt natürlich vom Klassenstandpunkt ab. Für die Kapitalisten und ihre Helfershelfer von der antistalinistisch-antibolschewistischen Front war und ist die DDR die Pest, für die Arbeiterklasse und ihre natürlichen Verbündeten hingegen die Verwirklichung ihres jahrhundertealten Traums der Befreiung von der Ausbeutung, von der allseitigen Realisierung der Menschenwürde. Die DDR war die Verwirklichung der revolutionären Beseitigung der kapitalistischen Produktionsweise und der auf ihr beruhenden antagonistischen Lebensweise sowie die Errichtung der sozialistischen Produktionsweise und der auf ihr beruhenden nichtantagonistischen Lebensweise.

Die sozialistische Lebensweise

Immer, wenn es um die Errungenschaften der DDR geht, geht es auch um die sozialistische Lebensweise, die genauso objektiven Charakter trägt wie die kapitalistische. In diesem Sinne ist es auch zu verstehen, wenn wir davon sprechen, daß sie die Zukunft für ganz Deutschland war und sein wird. Die DDR war gleich aus mehreren Gründen ein Meisterstück. Sie verkörperte die Verwirklichung der Erkenntnisse von Marx und Engels so wie schon die erste proletarische Revolution in der Geschichte der Menschheit, die Pariser Kommune, weitergeführt in der leninschen Lehre über Staat und Revolution sowie deren praktischer Verwirklichung in der Sowjetunion unter der Leitung von J. W. Stalin, der Novemberrevolution und im Kampf gegen den Faschismus.


I. Worin kommt die Meisterschaft in der Handhabung des Marxismus-Leninismus durch die deutsche Arbeiterklasse und ihre natürlichen Ver­bündeten unter Führung ihrer revolutionären Partei zum Ausdruck?

1.In der Umsetzung der Erkenntnis, daß nur die geeinte Arbeiterklasse ihre Klasseninteressen und damit die allgemeinen Grundinteressen der Menschen erfolgreich und dauerhaft verwirklichen kann.

Die politisch-ideologische und organisatorische Grundlage dieser Einheit ist die Weltanschauung der internationalen Arbeiterklasse, der Marxismus-Leninismus. Die höchste politisch-ideologische und Organisationsform dieser Einheit ist die marxistisch-leninistische Partei der Arbeiterklasse, ihr Diener und gleichzeitig ihr Führer. Diese Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse sind Inhalt des Aufrufs der KPD vom 11. Juni 1945. Dieser Aufruf samt der in ihm formulierten resultierenden Aufgaben ist ein Musterbeispiel marxistisch-leninistischer Vergangenheits- und Gegenwartsanalyse. Die Realisierung dieser Aufgaben führte dazu, daß sich Sozialdemokraten und Kommunisten zur einheitlichen revolutionären Arbeiterpartei, zu einer Partei neuen, bolschewistischen Typs vereinigten.

2.Erstmals in der Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung vereinten sich jene Sozialdemokraten, welche die Lehren aus dem Verrat ihrer rechten Führer und der Herrschaft des Faschismus gezogen hatten, mit Kommunisten als den konsequenten revolutionären Vertretern der Arbeiterklasse auf den Grundlagen des Marxismus-Leninismus.

Damit gelang der Durchbruch, ein Niveau im sozialistischen Bewußtsein der ostdeutschen Arbeiterklasse zu erreichen, wie es als subjektiver Faktor notwendig war, um den objektiven Prozeß des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus durch die sozialistische Revolution siegreich zu vollziehen. Durch die Einheit innerhalb der Arbeiterklasse wurde sie befähigt, ihre natürlichen Verbündeten, insbesondere die Klasse der werktätigen Bauern sowie auch die Masse der wissenschaftlich-technischen sowie der kulturellen Intelligenz aktiv in den Prozeß der sozialistischen Revolution, der Zerschlagung der alten und des Aufbaus einer neuen Staatsmacht in Form der Diktatur des Proletariats bis hin zum Aufbau des Sozialismus und die Gestaltung der sozialistischen Lebensweise einzubeziehen.
Erstmals in der Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung gingen im Rahmen der Aktionseinheit Sozialdemokraten und Kommunisten an die Vorbereitung und Durchführung der revolutionären Beseitigung des Status Quo. Noch nie in der Geschichte Deutschlands hatte die Arbeiterklasse dazu eine solch breite und aktive Unterstützung aller demokratischen Kräfte erlangt, wie sie vor allem im Block der antifaschistisch-demokratischen Kräfte und Organisationen vereint waren. Die antifaschistische, antiimperialistische und demokratische Umwälzung sowie ihre Überleitung in die sozialistische Revolution, insbesondere nach der Spaltung Deutschlands durch den Separatisten Adenauer, war die bisher tiefste und breiteste demokratische Bewegung zur Sicherung des Fortschritts in der Geschichte des deutschen Volkes.
Der im Rahmen dieses Umwälzungsprozesses in Sachsen erfolgte Volksentscheid über das Kriegsverbrecher- und Nazieigentum, dem sich die anderen Länder Ostdeutschlands anschlossen, war der erste in der deutschen Geschichte, der zu grundlegenden qualitativen Veränderungen der Eigentumsverhältnisse an gesellschaftlichen Produktionsmitteln führte. Durch die Enteignung dieser reaktionärsten Kräfte der deutschen Bourgeoisie wurde das ökonomische Fundament für die Schaffung der sozialistischen ökonomischen Basis der DDR auf der Grundlage sozialistischer Produktionsverhältnisse geschaffen. Diese bildeten die ökonomische Basis für den sozialistischen ideologischen Überbau mit dessen Kernstück, dem sozialistischen Staat. So entstand objektiv die erste sozialistische Produktions- und Lebensweise in Deutschland. Sie beinhaltet die Beseitigung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen als Voraussetzung einer allseitig gesicherten Menschenwürde.
Mit der Beseitigung des privatkapitalistischen Eigentums an den gesellschaftlichen Produktionsmitteln und damit der Aufhebung der Kapitalisten als Klasse veränderte sich der Charakter der Wechselbeziehungen in der Gesellschaft. Sie wandelten sich von antagonistischen zu nichtantagonistischen. Damit war der Klassenkampf jedoch nicht aufgehoben. Der Hauptinhalt des Klassenkampfes bestand in der Sicherung und allseitigen Bereicherung dieser Wechselbeziehungen. Es ging vor allem darum, dem ökonomische Grundgesetz und seinen Anforderungen gerecht zu werden und das sozialistische Lebensniveau, seine ständige Erhöhung über die stetige Erhöhung des Lebensstandards auf der Grundlage einer beständigen Erhöhung der Arbeitsproduktivität abzusichern. Erstmals in der Geschichte Deutschlands gehörte in der DDR dem Volk das von ihm gebackene Brot ganz allein, statt nur einer Schnitte, wie heute in der BRD.

3.Was den konkreten Charakter der sozialistischen Revolution prägte, war die Tatsache, daß sie die erste in der Geschichte der Menschheit in einem hochindustrialisierten Land war, und daß sie noch bis zum August 1961 bei offener Grenze zum Klassengegner durchgeführt wurde.

Durch die Währungsreform, die im Jahre 1948 in Westdeutschland durchgeführt wurde, und die Bildung des westdeutschen Separatstaates wurde Deutschland gespalten. So war die DDR gezwungen, eine eigene metallurgische Basis aufzubauen. Auch die in Potsdam festgelegten Reparationsleistungen wurden durch den Westen nicht eingehalten. Die DDR trug diese Last allein. Die Reparationsleistungen erfolgten in Form der Demontage und der Entnahme aus der laufenden Produktion. Die Wirtschaftssubstanz in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) verringerte sich so selbst gemessen am miserablen Nachkriegsstand um weitere ca. 30 Prozent. Im Juni 1946 wurde die Demontage von Betrieben und Anlagen beendet. Die verbleibenden Demontagebetriebe wurden in Sowjetische Aktiengesellschaften (SAG) umgewandelt und deren Produktionsstruktur auf die Bedürfnisse der UdSSR ausgerichtet.
Der Bremer Professor Peters und weitere 55 Professoren haben im Auftrag der Bundesregierung ein Gutachten über die Reparationsleistungen erarbeitet. Daraus ergab sich: Bis 1953 hat jeder Bürger der DDR Reparationen in Höhe von 16.124 DM, jeder Bürger der BRD jedoch nur 126 DM erarbeitet. Peters weist nach, daß hierdurch die Gesamtschuld der BRD gegenüber der DDR insgesamt 727,1 Milliarden DM beträgt. Mit diesem Kapital. welches der Entwicklung der DDR-Wirtschaft entzogen wurde, arbeitete die westdeutsche Wirtschaft. Darüber hinaus erhielt die BRD noch eine Unterstützung in Form des Marshall-Plan in Höhe von 280 Milliarden DM. Um es noch einmal deutlich zu machen, da die Schulden aus Reparationen nie getilgt wurden, erreichten sie bis zum Jahr 2000 die Summe von 1.300 Milliarden DM.

II. Welche welche Folgen hatte die offene Grenze der DDR zur benachbarten Bundesrepublik Deutschland bis 1961?

Der Kampf „Wer wen“ zwischen Sozialismus und Kapitalismus vollzog sich zwischen beiden deutschen Staaten mitten in Deutschland bei offener Grenze. Bis August 1961 vollzog sich aus den verschiedensten Gründen, insbesondere durch gezielte Abwerbung von Facharbeitern und Spezialis­ten, Wissenschaftlern, Ingenieuren, Ärzten etc. eine enorme Abwanderung von Ost nach West. Diese Abwanderung hatte im Kampf der beiden antagonistischen Systeme in Deutschland zur Folge, daß es zu negativen Auswirkungen für die Entwicklung der Wirtschaft und damit des Lebensstandards im Osten kam, es sich aber zu einem entscheidenden Plus für den Westen entwickelte.

Von 1946 bis 1961 verließen 2,1 Millionen Menschen Ostdeutschland bzw. die DDR in Richtung Westen. Darunter waren bis zu 50 Prozent junge, arbeitsfähige und gut ausgebildete Kräfte. Dazu kamen noch 100.000 Grenzgänger, die im Westen arbeiteten. Der DDR wurde 20 Prozent ihres gesamten gesellschaftlichen Arbeitsvermögens entzogen, das westdeut­sche Arbeitsvermögen stieg dabei um sechs Prozent. Für die DDR bedeutete dies eine Minderung ihres Produktionswertes zwischen 200 und 250 Milliarden DM und ihres Nationaleinkommens von mindestens 50 Milliarden DM. Die Industrieproduktion im Westen wäre ohne dieses Plus allein im Jahre 1975 um 18 Prozent niedriger gewesen.

Zusammengefaßt ergab sich für die DDR durch die Abwanderung in den Westen für den Zeitraum von 1946 bis 1990 ein Schaden von 660 Milliarden DM, für den Westen ein Gewinn von 1.021 Milliarden DM (Preise von 1985 und 1991).


III. Wie verlief der Klassenkampf zwischen den antagonistischen System, zwischen der sozialistischen DDR und der imperialistischen BRD?

Der Klassenkampf zwischen der kapitalistischen BRD und der sozialistischen DDR fand auch darin seinen Ausdruck, daß der innerdeutsche Handel als Instrument der Erpressung genutzt wurde. Das war eine bewußte Nichteinhaltung der Bestimmungen des Potsdamer Abkommens über die Wirtschaftsbeziehungen im einheitlichen Wirtschaftsgebiet des Nachkriegsdeutschlands. Innerdeutsche Handelsabkommen wurden durch die BRD-Regierung auch aus rein politischen Motiven nicht eingehalten. Dadurch sank z.B. das Niveau des ohnehin geringen Handelsvolumens 1951 gegenüber 1950 auf 45 Prozent und 1952 sogar weiter auf 36 Prozent.

Die Folge war, daß z.B. DDR-Betriebe, insbesondere Gießereien und metallurgische Betriebe auf Kurzarbeit übergehen mußten, teilweise sogar vorübergehend ganz geschlossen wurden. Um die Erpressungsmöglichkeiten durch die BRD abzubauen, mußte die DDR ein äußerst kostenaufwendiges Programm zur Störfreimachung durchsetzen. Dies bedeutete nicht nur, daß die Produktion von Erzeugnissen in der DDR zu höheren Kosten gemessen am Weltmarkt, sondern auch die Ein- und Ausfuhr kontingentiert werden mußte. Da der Im- und Export traditionell äußerst stark auf die BRD ausgerichtet war und Ware gegen Ware gehandelt wurde, zeigte sich die Erpressung insbesondere darin, daß die DDR ihre Erzeugnisse unterhalb der Weltmarktpreise verkaufen und ihre Importe oberhalb der Weltmarktpreise beziehen mußte.

Im Bericht des Untersuchungsausschusses an den Bundestag der zwölften Wahlperiode heißt es: „Die DDR richtete ganze Produktionszweige extra für den Export in das NSW [Nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet] ein und sie verkaufte ihre Produkte unter Wert, so daß mit einer bestimmten Berechtigung festgestellt werden kann, daß die Beschäftigten in der DDR ihren Beitrag zum relativen Wohlstand der BRD leisteten.“ Die durch den Westen unterhalb des Weltmarktpreises eingekauften DDR-Produkte erhielten den Aufdruck „Made in Germany“ und wurden zu Weltmarktpreisen weiterverkauft.


IV. Welche Schwierigkeiten ergaben sich durch den sowjetischen Revisionismus nach dem verräterischen XX.Parteitag der KPdSU?

Die Zwangslage in der DDR wurde dadurch noch weiter verschärft, daß die sozialistische Arbeitsteilung innerhalb des sozialistischen Lagers durch bilaterale Abkommen begrenzt wurde, weil durch die Sowjetregierung die Herausbildung von Wirtschaftszentren abgelehnt wurde, welche sich gegenseitig ergänzen – wie z.B. nach dem Vorschlag von Herman Matern die DDR, die VR Polen und die SSR, zusammengeschlossen zu einem einheitlichen Planungsgebiet.

Dazu kam für die DDR noch die Nichteinhaltung der Verträge durch die UdSSR in Bezug auf die Lieferung von Erdöl und Buntmetallen. So erhielt die DDR nur 17 Millionen Tonnen Erdöljährlich anstelle der von Chruschtschow versprochenen 35 Millionen Tonnen. Auf diesen Mengen basierte die in der DDR aufgebaute erdölverarbeitende Industrie. Solange dieser Vertrag eingehalten wurde, erzielte die DDR einen Valutaüberschuß. Nach dem die Lieferungen von Erdöl aus der Sowjetunion zu den festgelegten Preisen drastisch gesenkt wurden, verlor die DDR den Valutaüberschuß und Valuta wurde zur Mangelware.

Allein in dieser Tatsache dokumentiert sich die komplizierte Lage der DDR. Die Erpressung durch den kapitalistischen Westen wurde durch den Verrat Chruschtschows am Marxismus-Leninismus, am proletarischen Internationalismus und an den Grundprinzipien des RGW [Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe] massiv in ihrer Wirkung verstärkt. Jeder, der sich über die Entwicklung der DDR ein objektives Bild erarbeiten will, muß diesen Zweifrontenkrieg, einerseits gegen den Kapitalismus und anderseits gegen wirtschaftlichen Auswirkungen des Revisionismus in der UdSSR, beachten.


V. Welche Auswirkungen hatte die imperialistische Embargopolitik auf die sozialistische DDR?

Eine weitere Form des Klassenkampfes bestand in dem von den Westmächten massiv praktizierten System des Wirtschaftsembargos. Vor diesem System zu kapitulieren, hätte bedeutet, den Sozialismus aufzugeben. Kluge Leute sagen heute, die 30 Milliarden Mark für die Entwicklung der EDV in der DDR hätten anderweitig besser verwendet werden können, beachten jedoch nicht die absolute Notwendigkeit dieser Technologie.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich einmal zusammen mit Elektronik-Spezialisten zu Dr. Günther Mittag in das ZK der SED eingeladen wurde und er uns die Aufgabe stellte, aus dem VVB-Büromaschinen einen WB für Datenverarbeitung und Büromaschinen zu machen. Unsere besten Köpfe wurden auf diese Aufgabe konzentriert. Im Dreischichtsys­tem wurde eine völlig neue Form sozialistischer Gemeinschaftsarbeit von Wissenschaftlern, Technikern, Ökonomen und Facharbeitern verwirklicht. Geforscht und entwickelt wurde noch auf der Grundlage westlicher Bauelemente. Gleichzeitig wurde eine eigene Bauelementebasis geschaffen. Das Resultat war der R300; mit ihm wurde das Embargo auf dem Gebiet der EDV für alle sozialistischen Länder zur Unwirksamkeit verurteilt. Die DDR übernahm im Rahmen des Systems ESER die Koordinierung der Arbeiten auf dem Gebiet der EDV.

Das war eine wesentliche Voraussetzung dafür, den Erfordernissen des ökonomischen Grundgesetzes des Sozialismus gerecht zu werden. Dieses Gesetz sagt bekanntlich unter anderem aus, daß die Befriedigung der ständig wachsenden materiellen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft auf der Grundlage höchstentwickelter Technik zu garantieren ist.


VI. Welche Auswirkungen hatten der ideologische Kampf und die Sabotage und Diversion durch die imperialistischen Westmächte?

Um die Leistung der Arbeiterklasse und ihrer natürlichen Verbündeten unter der Führung der SED beim Aufbau des Sozialismus richtig einschätzen zu können, darf man die Tatsache nicht vergessen, daß alle ausländischen Geheimdienste wie auch die westdeutschen Sabotageorganisationen – vom Ostbüro der SPD bis hin zur Kampfgruppe gegen die Unmenschlichkeit – in der DDR ihr Unwesen zum Schaden des Sozialismus trieben.

Quelle:
Emil Collet: Die DDR – Ein sozialistisches Meisterwerk. In: Marxistisch-leninistische Schriftenreihe für Ökonomie, Politik und Philosophie, Ernst Thälmann Verlag, Heft 86-1, S.19-24. Mai 2006 (Gliederung und Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

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Siehe auch:
Das Tor zum Sozialismus ist weiterhin offen!

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14 Antworten zu Emil Collett: Die DDR – ein Meisterwerk

  1. Mémø schreibt:

    Wie lange hat man eigentlich in der DDR arbeiten müssen oder besser gesagt, wie lange war der Arbeitstag dort?

    Gruß Mémø

    • sascha313 schreibt:

      In der DDR wurde die gesetzliche Arbeitszeit nach Einführung der durchgängigen 5-Tage-Arbeitswoche ab 28.8.1967 für die im Einschichtsystem und Zweischichtsystem arbeitenden Werktätigen auf 43 3/4 Std. wöchentlich und für die im durchgehenden Schichtsystem arbeitenden Werktätigen auf 42 Std. wöchtentlich festgelegt. (Lexikon Arbeitsrecht, Staatsverlag der DDR, 1972, S.71.)

      Bemerkenswert ist dabei vor allem, daß es keine Arbeitslosen gab – nicht einen einzigen! Und jeder Bürger der DDR hatte lt. Verfassung der DDR (Art.24) das Recht auf Arbeit, das gleiche Recht auf Bildung und auf Teilnahme am kulturellen Leben. Finanzielle Benachteiligungen gab es nicht, da die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten niedriger waren als das Einkommen eines Geringsverdieners.

      • Mêmø schreibt:

        Also musste man dann länger wie 8 Stunden am Tag arbeiten oder nur paar Tage mal in der Woche?

      • sascha313 schreibt:

        Ja – warum denn nicht?

      • Politnick schreibt:

        Die Miete für meine Einraumwohnung betrug 15 Mark im Monat. Ein Wochenendeinkauf für 2 Personen belief sich auf max. 30 Mark ohne Bier und ohne Zigaretten. Und Bier inner Kneipe trinken war ohnehin billiger als Kisten schleppen 😉

        100 Gr Salami kosteten ca eine Mark, 100 Gr. Leberwurst 68 Pfennige und das Kilo Hackfleisch kam um 7.80 Märker. Ein Zentner Kartoffeln kostete 7.20 Mark und ein Zweipfundbrot ganze 60 Pfennige. Je nach Stadt kostete eine Fahrt mit der Straßenbahn oder innerstädtischen Buss zwischen 15 und 25 Pfennige.

        Ein Liter Benzin kostete ca 1.50 und die Kilowattstunde 8 Pfennige. Nachtstrom halb soviel, also 4 Pfennige. Briketts kamen so um 5 Mark pro Zentner, abgesackt etwas mehr.

        Ein Gaststättenessen kostete zwischen 2.40 und 3.50, Bratwurst mit Bötchen 95 Pfeng. Ein halber Liter Milch kam für 80 Pfennige, 30 Pfeng Pfand auf die Flasche.

        17.50 für einen dreiviertel Liter feinen alten Korn aus Nordhausen, mindestens 1 Jahr auf Eichenholz gelagert. 50 Gr Tabak, ebenfalls aus Nordhausen, kosteten 2 Mark.

        Wenn im Küchwald (Karl-Marx-Stadt, Freie Presse) Pressefest war, haben 5 Mark pro Person dicke gereicht und abens gings dann noch ins Kino — Das schönste Freilichtkino der Welt!

        Freundschaft 😉

      • sascha313 schreibt:

        Danke Dir sehr, Politnick! Die DDR war wirklich ein Meisterwerk, und noch dazu unter den feindlichen Bedingungen des Einflusses des westlichen Imperialismus und dem bei alledem nicht zu vergessenden revisionistischen Einfluß der Sowjetunion.

    • Politnick schreibt:

      Als Schichtleiter hatte ich eine 40 Stunden Woche bei 5 Tagen mit je 8 Stunden. Für die notwendigen Überlappungszeiten zur Schichtübergabe gab es einen Zeitausgleich in der Art dass jeder zweite Freitag, auf den eine Spätschicht viel, arbeitsfrei war. Und nach jeder Nachtschichtwoche gab es ein langes Wochenende, weil die erste Nachtschicht immer sonntags begann, war freitags früh um 6:00 Feierabend. Man musste nur sehen, wo man danach sein Schläfchen fand, im Sommer meistens am Baggersee mit ner Kiste Bier und den Kollegen 😉

      Freundschaft 😉

      • Mémø schreibt:

        Danke für die ausführlichen Antworten Sascha und Politnick. Schade das ich nie in so einem Staat leben durfte. Aber wer weiß, vielleicht erlebe ich das ja noch? Bin ja gerade erst 21 1/2.

        Freundschaft 😉

      • sascha313 schreibt:

        Mémø, es wird sein! Kurt Gossweiler, der mit 98 Jahren das Leben wirklich kennengelernt hatte, sagte: „…aber der Sozialismus siegt!“ Man kann am Hälmchen nicht ziehen, damit es schneller wächst, aber man kann die Erde wässern und düngen. Und dazu muß man wissen, was die Pflanze braucht. Die künftige Ernte wird uns alle nähren, wenn wir nur für das Wachsen und Gedeihen sorgen – wenn wir lernen die Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung zu verstehen, und wenn wir verhindern, daß einzelne sich an der Arbeit anderer bereichern, denn solche Menschen wird es immer geben. Andere, klügere aber auch! Lies mal Boris Polewoj: „Ein wahrer Mensch“ – das lese ich jetzt gerade…

  2. marie schreibt:

    Als Mutter von zwei kleinen Kindern arbeitete ich auch nur noch 40 Wochenstunden – und wir Frauen hatten monatllich einen sogenannten Haushaltstag, also frei im Betrieb. Nach der Geburt meines dritten Kindes hatte ich 1,5 Jahre VOLLbezahlten Urlaub! Die Förderung von Frau und Familie war eines der gesellschaftlichen Anliegen – und neue Regelungen wurden auf den Parteitagen der SED mit Spannung erwartete und bekanntgegeben. In meinen Augen als Ausdruck dafür, dass sich der Aufbau des Sozialismus unter Führung der Partei der Arbeiterklasse für die Volksmassen, also konkret für den einzelnen Menschen, lohnte. Erinnert ihr euch an den zinslosen Ehekredit von, ich glaube, siebentausend Mark, dessen Rückzahlung durch die Geburt von mehr als zwei Kindern bei NULL lag?! Das Essengeld in der Schule kostetet 55 Pfennig und ab vier Kindern in der Familie kostete es gar nichts. Kindergarten- oder Hortgebühren waren uns unbekannt. Insgesamt wunderte es mich nicht, dass die Geburtenrate in der DDR deutlich höher lag als in der BRD.

    • sascha313 schreibt:

      Ja, marie. So war das! Man kann heute nur noch feststellen: So ein Unglück!, und so eine Dummheit, daß wir nicht verhindert haben, daß diese verbrecherische kapitalistische Zeit wieder zurückgekehrt ist!

  3. Pingback: Rückkehrer in die DDR: Vom Kapitalismus enttäuscht (1986) | Sascha's Welt

  4. sascha313 schreibt:

    Dazu siehe auch folgenden sehr ausführlichen, völlig zutreffenden Kommentar von Dr. Reiner Burkhardt:
    https://sascha313.wordpress.com/2016/10/07/also-sprach-lenin-1917/comment-page-1/#comment-5998

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