Gibt es eigentlich die Arbeiterklasse noch?

uq6xQ6c99_gEs lohnt sich durchaus, dieser Frage noch einmal nachzugehen, denn oft entsteht – je nach Perspektive – der Eindruck, daß aufgrund von Rationalisierungsmaßnahmen und Massenentlassungen die Zahl der Erwerbslosen (einschließlich der Dunkelziffer) überproportional zunimmt, und die Zahl der tatsächlich im materiellen Produktionsprozeß Stehenden erheblich abgenommen hat. Ist das richtig? Und wozu gehören nun die in anderen Bereichen (wie Dienstleistung, Verwaltung, Organisationen, Stiftungen usw.) lohnabhängig Beschäftigten?

Die andere Seite ist, daß offensichtlich kaum einer von denen, die in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, etwas von einer grundlegenden Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse wissen will (oder es sich nicht vorstellen kann). Sicher, der Lohn könnte besser sein, der Urlaub länger und der Zeitdruck auf Arbeit geringer, doch im großen und ganzen läßt es sich damit leben. So jedenfalls scheint der durchschnittliche BRD-Lohnempfänger zu denken. Und diejenigen, die in gehobenen Positionen stehen, haben ganz andere Interessen, als sich über den Kapitalismus Gedanken zu machen. Freilich gibt es kritische Stimmen, die gab es immer im Ausbeuterstaat BRD, doch solange sich das irgendwie beschwichtigen oder ignorieren ließ, trat wieder das berühmte Schweigen der Lämmer ein und keiner traute sich mehr den Mund aufzumachen.

Wie ist es, hatte Marx recht gehabt oder gilt das heute nicht mehr? Lesen wir nun, was Klaus Hesse zu dieser Frage zu sagen hat…

Wie ist das nun mit der Arbeiterklasse?

Auch gegenwärtig wird alles getan, um das Wissen vom Klassencharakter der gesellschaftlichen Entwicklung, insbesondere aber das Wort ‚Arbeiterklasse’ als etwas abzutun, was es vielleicht mal irgendwann in der Vergangenheit gegeben hat, was heute aber am Verschwinden sei und am ehesten noch als ‚Prekariat’ Erwähnung verdient. Doch alles das, was mit dem französischen ‚precaire’ als ‚widerruflich, unsicher, heikel’ bezeichnet wird traf, wenngleich in unterschiedlicher Art und Intensität – Sklaven und Leibeigene, trifft Lohnarbeiter und alle, deren Leben von der Macht, der Profitgier, den Launen und der Willkür der Besitzenden abhängt. [1]

Aber zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist die Zahl der lohnabhängig Arbeitenden größer, als je zuvor in der Geschichte der Menschheit. Dabei kann und darf die Zahl derer nicht ignoriert oder statistisch ‚aussortiert’ werden, die objektiv lohnabhängig Arbeitende sind, aber im Zusammenhang mit der sinkenden Nachfrage in Zeitarbeit, Kurzarbeit oder in Arbeitslosigkeit abgedrängt wurden.

Eine entlarvende Übersicht…

Tabelle

Es ist aufschlußreich, daß diese Berichterstattung der Weltbank [2] nicht weiter fortgeführt wurde. Aber in einem Kommentar zum ‚Weltentwicklungsbericht 2013’ finden sich nicht nur die Feststellungen, daß 200 Millionen Menschen arbeitslos sind und schleunigst 600 Millionen Arbeitsplätze gebraucht würden, „um neu auf den Arbeitsmarkt kommende junge Menschen zu beschäftigen, die Entwicklung anzuregen, die Stellung der Frauen zu stärken und sozialen Unruhen entgegen zu wirken.“ Hier wird auch festgestellt: „Knapp die Hälfte der weltweit rund drei Milliarden beschäftigten Menschen arbeiten in der Landwirtschaft, kleinen Familienunternehmen, Gelegenheitsjobs oder als Saisonarbeiter – oft unter desaströsen Bedingungen…“ [3]

Schon deshalb ist es höchste Zeit, den von neoliberalen Ideologen des Finanz- und Monopolkapitals empfohlenen und von sozialdemokratischen und ‚linken’ Politikastern aufgegriffenen Lügen vom ‚Ende der Arbeiterklasse’ und dem ‚Verschwinden der Arbeit’ entgegen zu treten.


1.Wer gehört eigentlich zur Arbeiterklasse?

Eine Antwort auf die Frage nach der Arbeiterklasse kann nicht gefunden werden, wenn nicht klar und anhand von Tatsachen belegt definiert wird, was Klassen sind und wodurch sich diese voneinander unterscheiden. Anhand der Leninschen Klassendefinition ist es möglich, diese Antworten zu erarbeiten und nach Maßgabe des konkret historischen Entwicklungsstandes dieser Beziehungen zu aktualisieren:

„Als Klassen bezeichnet man große Menschengruppen, die sich voneinander unterscheiden nach ihrem Platz in einem geschichtlich bestimmten System der gesellschaftlichen Produktion, nach ihrem (größtenteils in Gesetzen fixierten und formulierten) Verhältnis zu den Produktionsmitteln, nach ihrer Rolle in der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit und folglich nach der Art der Erlangung und der Größe des Anteils am gesellschaftlichen Reichtum, über den sie verfügen. Klassen sind Gruppen von Menschen, von denen die eine sich die Arbeit der andern aneignen kann infolge der Verschiedenheit ihres Platzes in einem bestimmten System der gesellschaftlichen Wirtschaft.“ [4]

2.Objektive Merkmale

Anhand dieser Definition ist die objektive Zugehörigkeit von Personen und Personengruppen zu sozialen Klassen und Schichten im Rahmen verschiedener gesellschaftlicher Reproduktionsweisen (Sklaverei, Feudalismus, Kapitalismus, Imperialismus, Sozialismus…), in der Unterscheidung zwischen Besitzern von Produktionsmitteln und Besitzlosen, nach der Art der Tätigkeit im arbeitsteiligen gesellschaftlichen Reproduktionsprozeß und nach dem verfügbaren Reichtum beurteilbar. Aber damit ist ein Problemrahmen angesprochen, auf den Marx und Engels mit folgender Feststellung verwiesen: „Es handelt sich nicht darum, was dieser oder jener Proletarier oder selbst das ganze Proletariat als Ziel sich einstweilen vorstellt. Es handelt sich darum, was es ist und was es diesem Sein gemäß geschichtlich zu tun gezwungen sein wird.“ [5]

3.Der nächste Zweck der Kommunisten

Doch diese Definition kann keine Antwort auf die Frage nach der Identifikation der jeweiligen Personen oder Personengruppe mit dieser ihrer sozialökonomischen Identität geben. Immer wieder, und insbesondere dann, wenn diese ihre identitätsstiftenden Beziehungen durch sozialen Abstieg verloren haben oder aber danach trachten, ihre Lebensbedingungen durch den Aufstieg zu verändern, kam und kommt es zum Bruch. In diesem Sinne bezeichneten Marx und Engels den nächsten Zweck der Kommunisten:

„Der nächste Zweck der Kommunisten ist derselbe wie der aller übrigen proletarischen Parteien: Bildung des Proletariats zur Klasse, Sturz der Bourgeoisieherrschaft, Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat.“ [6]

Der erste Schritt in dieser Richtung ist der Übergang der lohnabhängig Arbeitenden von der objektiven Zugehörigkeit zur Arbeiterschaft zur subjektiven Identifizierung mit daraus resultierenden sozial-ökonomischen, politischen und ideologischen Konsequenzen, die Entwicklung der Arbeiterschaft zur Arbeiterklasse.

4.Ein irrtümliches Selbstverständnis…

Aber das, was hier als ‚Bildung des Proletariats zur Klasse’ benannt wird, ist viel einfacher ausgesprochen als getan: Viele derer, die ungeachtet ihrer Herkunft, ihrer Ambitionen und ihrer Erwartungen und Wünsche nach objektiven Kriterien zur Arbeiterklasse gehören, verstehen sich selbst viel eher als Handwerker, Schlosser, Meister, Vorarbeiter, Angestellte, Manager, Sekretärin, Buchhalter etc. aber nicht als Arbeiter. Der Schritt von den vielschichtig differenzierten und schon deshalb gegeneinander ausspielbaren Interessen dieser Arbeiterschaft zur Arbeiterklasse, d.h. zur Erkenntnis der gemeinsamen Interessen, von dem Streit um die Vorteile Einzelner und Privilegien verschiedener Gruppen zum gemeinsamen Interesse, von der diffusen, manipulierbaren und gegeneinander ausspielbaren Arbeiterschaft zur organisierten Arbeiterklasse erfolgte und erfolgt nicht im Selbstlauf.

5.Erfahrungen der russischen Bolschewiki

Auch hier sind die Erfahrungen der russischen Bolschewiki von kaum zu überschätzendem Wert. Lenin zitiert in diesem Zusammenhang in seiner Arbeit ‚Was tun? Brennende Fragen unserer Bewegung’ die auch und gerade jetzt hochaktuellen „treffenden und wertvollen Worte K. Kautskys“:

„In diesem Zusammenhang erscheint das sozialistische Bewußtsein als das notwendige direkte Ergebnis des proletarischen Klassenkampfes. Das ist aber falsch. Der Sozialismus als Lehre wurzelt allerdings ebenso in den heutigen ökonomischen Verhältnissen wie der Klassenkampf des Proletariats, entspringt ebenso wie dieser aus dem Kampfe gegen die Massenarmut und das Massenelend, das der Kapitalismus erzeugt; aber beide entstehen nebeneinander, nicht auseinander, und unter verschiedenen Voraussetzungen. Das moderne sozialistische Bewußtsein kann nur entstehen auf Grund tiefer wissenschaftlicher Einsicht. In der Tat bildet die heutige ökonomische Wissenschaft ebenso eine Vorbedingung sozialistischer Produktion wie etwa die heutige Technik, nur kann das Proletariat beim besten Willen die eine ebenso wenig schaffen wie die andere; sie entstehen beide aus dem heutigen gesellschaftlichen Prozeß. Der Träger der Wissenschaft ist aber nicht das Proletariat, sondern die bürgerliche Intelligenz (hervorgehoben von K.K.); in einzelnen Mitgliedern dieser Schicht ist denn auch der moderne Sozialismus entstanden und durch sie erst geistig hervorragenden Proletariern mitgeteilt worden, die ihn dann in den Klassenkampf des Proletariats hineintragen, wo die Verhältnisse es gestatten. Das sozialistische Bewußtsein ist also etwas in den Klassenkampf des Proletariats von außen Hineingetragenes, nicht etwas aus ihm urwüchsig Entstandenes.“[7]

6.Wie kann man das Klassenbewußtsein in die Arbeiterklasse „hineintragen“?

Das Hineintragen der wissenschaftlichen Grundlagen der Weltanschauung der Arbeiterklasse in die Arbeiterschaft ist zum Scheitern verurteilt, wenn die Erfahrungen und das Wissen derer, die damit erreicht werden sollen, nicht oder aber nur oberflächlich berücksichtigt werden. Erst dann, wenn dieser Prozeß ein gemeinsames Lernen, eine gemeinsame Anstrengung bei der Suche nach fundierten Antworten auf die aktuellen Herausforderungen, nach effektiveren und also wirksameren Formen des organisierten Klassenkampfes wird, kann den sich verändernden Herausforderungen Rechnung getragen werden.

7.Das richtige Verständnis für Arbeit

Eine entscheidende Voraussetzung für das Verständnis daraus resultierender Herausforderungen ist das Wissen um die Entwicklung und Veränderung der Inhalte jener Tätigkeit, die den Lebensinhalt und das Denken und Handeln der Arbeitenden prägt. Das Wort, durch das sich die arbeitende Klasse schon in der Bezeichnung von allen anderen Klassen unterscheidet, ist nicht nur untrennbar mit der Menschwerdung verbunden, es war und ist die Lebenstätigkeit der arbeitenden Klassen, die die Grundlagen menschlichen Lebens und des Reichtums der in der ganzen bisherigen Geschichte geschaffenen menschlichen Kultur, die das Werden und die Entwicklung der Menschen zu bewußt handelnden Schöpfern ihres Lebens überhaupt erst möglich machte.

Die Arbeit in der „Form, worin sie dem Menschen ausschließlich angehört“ zeichnet sich dadurch aus, daß ihr Resultat bei ihrem Beginn „schon in der Vorstellung des Arbeiters, also schon ideell vorhanden war“ … der Arbeitende verwirklicht durch seine Tätigkeit „seinen Zweck, den er weiß, der die Art und Weise seines Tuns als Gesetz bestimmt und dem er seinen Willen unterordnen muß“. Arbeit ist „zweckmäßige Tätigkeit“. [8]


Wie kann man dem Sinnverlust entgegenwirken?

Im Prozeß ihrer Verwertung in der Geschichte der Klassengesellschaften wurde und wird diese Tätigkeit in einer Art und Weise deformiert und disqualifiziert, die nicht nur zum völligen Sinnesverlust ihres Inhaltes sondern dazu führte, daß die Rolle der Arbeitenden auf ein Funktionselement im System technologisch vorgegebener Abläufe reduziert wird. Marx beschreibt die Lage und die Beziehung der Arbeiter zur Arbeit im Kapital: „Da vor seinem Eintritt in den Prozeß seine eigne Arbeit ihm selbst entfremdet, dem Kapitalisten angeeignet und dem Kapital einverleibt ist, vergegenständlicht sie sich während des Prozesses beständig in fremdem Produkt.“ [9] Was damit angesprochen war stützt sich auf Erkenntnisse, die er in den ‚Ökonomisch-philosophischen Manuskripten’ von 1844 wie folgt formuliert wurden:
„Die entfremdete Arbeit macht also:
3. das Gattungswesen des Menschen, sowohl die Natur als sein geistiges Gattungsvermögen, zu einem ihm fremden Wesen, zum Mittel seiner individuellen Existenz. Sie entfremdet dem Menschen seinen eignen Leib, wie die Natur außer ihm, wie sein geistiges Wesen, sein menschliches Wesen.
4. Eine unmittelbare Konsequenz davon, daß der Mensch dem Produkt seiner Arbeit, seiner Lebenstätigkeit, seinem Gattungswesen entfremdet ist, ist die Entfremdung des Menschen von dem Menschen. Wenn der Mensch sich selbst gegenübersteht, so steht ihm der andre Mensch gegenüber. Was von dem Verhältnis des Menschen zu seiner Arbeit, zum Produkt seiner Arbeit und zu sich selbst, das gilt von dem Verhältnis des Menschen zum andren Menschen, wie zu der Arbeit und dem Gegenstand der Arbeit des andren Menschen.“ [10]
Im Rahmen kapitalistischer Eigentumsverhältnisse verwirklichen lohnabhängig Arbeitende durch ihre Tätigkeit nicht ihre eigenen, sondern die Zwecke, die ihnen von den Besitzern der Produktionsmittel und deren Beauftragten vorgeschrieben werden. Indem sie ihr Leben einsetzen, um die Zwecke derer zu verwirklichen, die sie ausbeuten, verkehrt sich der Inhalt ihrer Lebenstätigkeit in einer Art und Weise, die sich gegen ihre eigenen Interessen richtet: Die Resultate ihrer Anstrengungen, ihrer Fähigkeiten und ihrer Kreativität bereichern die Besitzenden, schaffen die technischen und technologischen Voraussetzungen zur Ablösung der lebendigen Arbeit, zerstören die Existenzgrundlagen der lohnabhängig Arbeitenden in immer mehr Bereichen und befördern die fortschreitende Verarmung der Besitzlosen.

8.Den Begriff Arbeiterklasse neu fassen!

Wer sich mit den Unterschieden und den konkreten Bedingungen der gesellschaftlichen Arbeitsteilung in den Bereichen der Landwirtschaft, im Bergbau, den Branchen des verarbeitenden Gewerbes, des Bauwesens und der ganzen Vielfalt im Handel und in den sich immer weiter differenzierenden Branchen des produktionsorientierten und aller anderer Bereiche des Dienstleistungswesens befaßt, gewinnt eine realistischere Vorstellung von der tatsächlichen Differenziertheit der Tätigkeiten, in denen lohnabhängig Arbeitende ihren Lebensunterhalt erarbeiten.

So wird sehr schnell verständlich, daß und wie, vor allem aber wie schnell sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändert haben, die mit der vereinfachenden Vorstellung von der durch die Disziplin der gemeinsamen Arbeit in der Industrie geprägten Vorstellungen von der Arbeiterklasse verbunden waren und sind. Bei gründlicherer Prüfung wird in diesem Zusammenhang nicht nur deutlich, daß diese Vorstellung von den Voraussetzungen der Organisation der Arbeiterklasse so nur in einigen Bereichen Rechnung trägt. Bei noch genauerer Prüfung reift die Erkenntnis, daß die effektivsten und politisch wirksamsten Organisationsformen der Arbeiterklasse durchaus nicht nur und nicht immer mit der Arbeit in der Industrie verbunden waren und sind.

9.Was muß man bei der ideologischen Arbeit berücksichtigen?

In und mit den durch die zutiefst widersprüchlichen Veränderungen und Verwerfungen in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung ausgelösten Brüchen der inhaltlichen und strukturellen Beziehungen der Tätigkeit lohnabhängig Arbeitender wurde und wird eine Vielzahl verschiedenster sozialökonomischer Tatsachen geschaffen, die den konkreten Rahmen ihrer Lebensbedingungen bestimmen.

In diesem Kontext entwickeln sich aber auch die Herausforderungen, mit denen lohnabhängig Arbeitende in ihrer Tätigkeit in den Branchen der Landwirtschaft, des Bergbaus, der verarbeitenden Industrie, des Bauwesens, des Handels und in der ganzen Breite des Spektrums der Dienstleistungen konfrontiert werden, wenn sie über und durch das unmittelbare tradeunionistische Interesse an ihren jeweiligen Lebensbedingungen zum Verständnis ihrer Rolle in der aktuellen Auseinandersetzung zwischen Kapital und Arbeit vorstoßen.

Deshalb ist die Kenntnis der jeweiligen technischen und technologischen Grundlagen dieser ihrer Lebenstätigkeit eine eben so notwendige Voraussetzung für das Hineintragen darauf aufbauender, zugleich aber auch darüber hinausgehenden Einsichten in die auf der Entwicklung ihres Lebens aufbauenden und mit ihr weiter zu entwickelnden wissenschaftliche Weltanschauung ihrer eigenen Klasse, wie das Wissen um die konkret-historischen Veränderungen der Arbeits- und Lebensbedingungen, des Reifegrades der Organisiertheit und der inhaltlichen und ideologischen Probleme der gewerkschaftlichen und politischen Führung.

Anmerkungen und Zitate:
[1] Bei Künzli ist nachzulesen, was dieser bürgerliche Philosoph mit ausgeprägt kritischer Distanz zum Marxismus vom „modernistischen Begriff ‚Prekariat’“ hält, warum „Begriffe wie ‚Arbeiterklasse’ und ‚Proletariat’ .. selbst von Linken kaum mehr verwendet (werden)“ warum „(alle) lieber vom ‚Prekariat’ reden, was der Begriff zum Verständnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge bei(trägt)?“ Dieser Mann stellt mit bemerkenswerter Nüchternheit fest, was er davon hält: „Sozialpolitische Begriffe sind Thermometer des gesellschaftlichen Klimas. Nichts illustriert das schöner und anschaulicher als das im Laufe der geschichtlichen Entwicklung erfolgte stille Verschwinden des Begriffs ‚Proletariat’ und dessen Ersetzung in unseren Tagen durch den modernistischen Begriff ‚Prekariat’.“ A. Künzli: Prekarität, Verlierer ohne Klassenfeind, unter: http://www.woz.ch/artikel/rss/15467.html
[2] Weltentwicklungsbericht 1995, Arbeitnehmer im weltweiten Integrationsprozess, Bonn 1995, S.2 (siehe Tabelle)
[3] K.Weitzenegger: Weltentwicklungsbericht 2013: Jobs, unter: http://www.weitzenegger.de/consultin g/?p=13611
[4] W.I. Lenin: Die große Initiative, LW Bd. 29, Berlin 1984, S.410.
[5] K.Marx, F.Engels: Die heilige Familie, MEW Bd.2, Berlin 1962, S.38
[6] K.Marx, F.Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, MEW Bd.4, a.a.O., S.474
[7] W.I. Lenin: Was tun? Brennende Fragen unserer Bewegung, LW Bd. 5, a.a.O., Berlin 1955, S.394f.
[8] K.Marx: Das Kapital, Kritik der politischen Ökonomie, Erster Band, Buch I: Der
Produktionsprozess des Kapitals, MEW Bd.23, Berlin 1962. S.192
[9] K.Marx: Das Kapital, Bd.I, Siebenter Abschnitt, Werke, Dietz Verlag Berlin/DDR 1968, Bd.23, S.596
[10] K.Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844, MEW Ergänzungsband, 1.Teil, Dietz Verlag Berlin/DDR 1968, S.517

Quelle:
Klaus Hesse „Zur Zukunft der Kommunistischen Partei…“ (Zwischenüberschriften wurden der besseren Lesbarkeit wegen eingefügt, N.G.)

Acrobat Reader Hesse Zukunft der KP


Ein sehr brauchbarer Artikel aus dem Jahre 1969 findet sich hier:
Stimmt es, daß die Arbeiterklasse immer mehr verschwindet?

Daß dieses Thema bei weitem nichts Neues ist, zeigt auch der Beitrag von Otto Grotewohl aus dem Jahre 1948: Otto Grotewohl: Zur Struktur der Arbeiterklasse

Darauf hatte übrigens auch Stalin schon vor über einem Jahrhundert hingewiesen, darüber schreibt Grigorenko: Die Unpolitischen – oder: Was tun?

 

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21 Antworten zu Gibt es eigentlich die Arbeiterklasse noch?

  1. ropri schreibt:

    …und WIE, lieber Sascha, trägt man heute das Klassenbewußtsein in die werktätigen Lohnabhängingen? Wo und wie erreicht man sie?

    • sascha313 schreibt:

      Das ist ja genau die alles entscheidende Frage, lieber ropri. Hier bleibt der Autor die Antwort schuldig. Mit allgemeinen Erklärungen, man müsse über Kenntnisse „der jeweiligen technischen und technologischen Grundlagen dieser ihrer Lebenstätigkeit“ verfügen, die „konkret-historischen Veränderungen der Arbeits- und Lebensbedingungen“ kennen usw. ist dem Leser wenig geholfen.(Eine Wiederholung von Punkt 6.)

      Fakt ist:
      1. das Bewußtsein der Lohnempfänger wird durch ihr Sein bestimmt.
      2. bürgerliche Ideologie durchdringt alle Lebensbereiche.
      3. ohne gemeinsamen praktischen Kampf geht es nicht.
      4. interessant – Stalin schrieb 1905: „…die spontane Arbeiterbewegung … ohne den Sozialismus, unterwirft sich der bürgerlichen Ideologie. … Es ist unsere Aufgabe, stets an der Spitze der Bewegung zu marschieren und unermüdlich alle zu bekämpfen – ob Feind oder „Freund“ -, die die Verwirklichung dieser Aufgaben behindern.“
      (Quelle: Stalin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1950, Bd.1, S.86ff.)
      5. Pribytkowa: „Arbeiteruniversität“ – m.E. der richtige Weg!
      6. Und hier: Die späte Rache Chruschtschows an der kommunistischen Bewegung…

      Ein Professor Heinz Karl (Mitglied der Partei „Die Linke“) schreibt:
      „Jede Wiederbelebung stalinistischer (ihrem Wesen nach antileninistischer, antimarxistischer) Pseudotheorie, jede Schönfärberei stalinistischer Zustände oder gar Rechtfertigung stalinistischer Repressionen, jede Negierung der historischen Leistungen des XX.Parteitags der KPdSU kann unter Sozialisten und Kommunisten nur desorientierend, spaltend und zersetzend wirken.“
      (Quelle: Geschichtskorrespondenz, Marxistischer Arbeitskreis zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung bei der Partei DIE LINKE, März 2016)

      Ist diesem Herrn Professor denn nicht bekannt, daß die Zerstörung der Sowjetunion und der gesamten sozialistischen Staatengemeinschaft gerade auf diesen XX.Parteitag zurückzuführen ist? Ist ihm denn nicht bekannt, daß ausgerechnet Gorbatschow sich ausdrücklich auf Chruschtschow berief, als er seine Perestrojka ins Leben rief? Was also ist das anders als die Sprache des Klassenfeinds? Prof. Karl ist ein als „Marxist“ verkleideter Antikommunist, ein Feind der Arbeiterklasse! Da mußte erst ein Grover Furr aus New Jersey (USA) kommen, um die Lügen des XX.Parteitags zu entlarven – das was Kurt Gossweiler schon lange bewiesen hatte: „Mit Chruschtschow war ein Antikommunist an die Spitze der KPdSU gelangt.“ (Taubenfußchronik)

      • Rheinlaender schreibt:

        Den Punkt 4 von Stalin finde ich klasse. Ja es gibt auch heute – leider falsche – Freunde, die ohne böse Absicht für den Kapitalismus trommeln. Die wärmen längst gescheiterte Utopien aus den 70 / 80 und frühen 90er auf.
        Die faseln und träumen von einem besseren Geldsystem, von einer Industrie 4.0, von einer Wissensgesellschaft, von einem aus Luft finanzierten Grundeinkommen und planlosen Demos mit 70 Teilnehmern.
        Ich schätze die Leistungen von Ken Jebsen, aber gerade er bieets solchen antikommunistischen Spinnern eine Plattform.
        Wichtig wäre hier seine Videos zu kommentieren oder selbst mal einen geschulten Interview Partner mi Klassen Bewusstsein zu stellen.

      • ropri schreibt:

        Hallo Rheinländer, ja, Ken Jebsen hat gute Gesprächsplettformen, mit guten Leuten, auch Daniele Ganser, aber bei all den guten Gedanken, die bei den Gespächen geäußert werden, bleinen sie allesamt an einem Punkt stehen: sie wagen nicht auszusprechen, daß all die Reformen, die sie anstreben und fordern nicht zu erfüllen sind in diesem System, das eigenen Gesetzen folgen muß. Sie wagen nicht den entscheidenden Schritt auszusprechen (oder lehnen diesen ab) daß nur eine Revolution, Abschaffung dieses Systems, all die heutigen Probleme weltweit lösen kann.

  2. Politnick schreibt:

    Keine Frage, die Arbeitslosen gehören auf jeden Fall der Klasse der Arbeiter an.

    Freundschaft 😉

    • ropri schreibt:

      Freundschaft!

      • Andi67 schreibt:

        @ropri, zu Jebsen. Du irrst, er redete sehr oft von Genalstreik und das er einen „anderen Gesellschaftsvertrag“ will. Was nichts anderes heißt eine andere Gesellschaft, ein anderes / besseres System. Und er redet sehr oft, dass der Kapitalismus, ein Übel ist, das überwunden werden muss, will die Menschheit überleben.

  3. einseinsnull schreibt:

    blickt man nur auf deutschland und mitteleuropa könnte man durchaus auf die idee kommen, dass die arbeiterklasse schrumpft.

    immer mehr menschen bräuchten theoretisch snicht mehr zu arbeiten, da sie früher oder später größere geldbeträge von ihren eltern erben werden, und gleichzeitig gibt es immer mehr langzeiterwerbslose und abgehängte prekäre, die nicht mehr „hineinkommen“ in den „arbeitsmarkt.

    aber nmicht nur, dass es wenig sinn macht, mit einer eurozentristischen brille solche fragen beantwoeten zu wollen, es ist vor allem auch egal, ob die klasse schrumpft oder nicht.

    die revolutionäre klasse bleibt die revolutionäre klasse. auch wenn nur noch 5 millionen von 8 milliarden menschen in der rohstoffgewinnung und produktion tätig wären während alle anderen arbeitslos oder vermögend sind, sind es immer noch diese 5 millionen, die die originäre wertschöpfung in der hand haben, und somit durch die verweigerung ihrer arbeitskraft in der lage wären, mittelfristig das casino zum einsturz zu bringen, weil ohne originäre wertschöpfung keine profitew und kein wachstum mehr vorhanden wären, an denen sich irgendjemand anderes leistungslos bereichern könnte.

    • Politnick schreibt:

      Blickt man jedoch auf die Wahlbeteiligung wann immer auch Wahlen sind in sogenannten demokratischen Ländern, kann man namentlich in Frankreich feststellen:

      Währenddem das Bürgertum seine Stimmzettel für ihre Vertreter in die Urnen schmeißt, geht das Proletariat auf die Straße um darauf hinzuweisen, dass im Parlament niemand ist der die Interessen dieser Klasse vertritt.

      Freundschaft 😉

  4. 08oo schreibt:

    Ich finde PROLETARIAT ist der richtige Begriff. „Arbeiterklasse“ als Ersatzbegriff zu Zeiten von Marx und Lenin, war nur deshalb richtig, weil eben die meisten Proletarier Arbeiter waren.

    Der mit 45 entlassene Manager und Manipulationen bei Aktien, Gold und Inflation wieder enteignete „Reiche Manager“ merkt konkret auch was Sache ist. Und sicher weiß auch der 35 jährige aufsteigende Manager, dass ihm das blühen kann was seinen Vorgängern passierte.

    Und DIE wären sogar das schlagkräftigste Proletariat! Sie könnten sofort die Wirtschaftsführung übernehmen und auch die Revoltion machen. Weg mit dem Schubladendenken: Engels war Kapitalist!

    Und der Kapitalismus ist heute dermaßen verkommen in jeder Hinsicht, dass gerade die das sehr gut verstehen. Oft sogar NUR die Manager! Vergiftete Lebensmittel durch bestochene Regierungen, giftige Medikamente und ein korruptes Medizinsystem, Kriegs, Terrorismusaufbau, und massivste Geldverschiebungen an Banken etc. durch Raub von Volkseigentum und folgender Hyperverschuldung aller „Staaten“ geannter mafia-Organisationen. Und total zerstörte und ausgebeutete Umwelt. Die Menschenmassen werden abgrundtief und systematisch verblödet, verroht und die Wahrheit auf den Kopf gestellt durch JEDES Massenmedium, egal ob „öff.rechtlich“ oder direkt Privat“ gelenkt. Wer nicht verblödet, korrumpiert ist etc., der sieht das. Und das sind Viele – insbesondere das Proletariat im Management.
    Sicher werden die wirklich Reichen die Loyalität ihrer Managerklasse nicht leichtfertig aufs Spiel setzen, aber es gibt keine Homogenität bei den Reichen. Die Pfründe der reichen Manager auszurauben ist durchaus lukrativ.

    • sascha313 schreibt:

      Danke für den Kommentar – absolut richtig. Trotzdem wird es uns nicht erspart bleiben, immer und immer wieder auf die Ursachen aller Probleme hinzuweisen. Da wird immer nur gejammert über alles mögliche (z.B. über die Verschmutzung der Meere usw.), aber von denen, die da jammern und die „Bürger“ auffordern, „mehr zu tun“ (für die Reinhaltung der Meere), hat nicht ein einziger begriffen, daß es nur die großen Konzerne, die Kapitalisten, sind mit ihrem Privateigentum an Produktionsmitteln und ihrer maßlosen Profitgier, die die Schuld daran tragen!

      • Politnick schreibt:

        Die kapitalistischen Verursacher besitzen dann noch die Frechheit, zum Spenden aufzurufen. Und die Politiker sorgen dafür, dass der letzte Prolet die Kosten trägt, jüngstes Beispiel:

        Nitratbelastung Trinkwasser — Trinkwasser wird teurer.

        Und hier in Rheinhessen, wo sämtliche im Weinbau angewandten Pestizide unmittelbar im Trinkwasser landen fängt letzteres schon mit stinken an — Nach Schwefelwasserstoff (faule Eier). Die Weinbauern machen Millionenprofite auf Kosten unserer Gesundheit und werden noch gefördert!!!

        Freundschaft 😉

    • Hanna Fleiss schreibt:

      0800, ich würde die Manager von Konzernen nicht unbedingt zum Proletariat rechnen. Das sind Leute der höheren Mittelschicht. Wenn du aber meinst, dass für den Aufbau des Sozialismus jeder gebraucht wird, der nicht nur fähig, sondern auch bereit ist, sein Bestes zu geben, dann ist mir auch ein Mensch aus der höheren Mittelschicht willkommen.

      Was stimmt, ist, dass auch Manager nur Angestellte sind und nicht Besitzer der Firmen mit ihren Produktionsmitteln. Übrigens, meine Tränen halten sich in Grenzen, wenn ein Manager entlassen wird. Die Entlassung wird fast immer in Größenordnungen abgefedert, dass kein Grund besteht, sie zu bemitleiden. Was anderes ist es natürlich beim Industriearbeiter, also dem Proleten, der nach der Entlassung vor dem Nichts steht, besonders dann, wenn er nahe der Fünfzig ist.

      Und überbewerte nicht den Intellekt der Manager. Sie sind im großen und ganzen Produkte der westlichen Erziehung mit allen Macken und Fehlstellen. In der Sowjetunion wurden nach der Revolution die Manager der Betriebe durchaus erst mal, wenn sie keine Feinde der Revolution waren, weiterbeschäftigt. Es hatte sich aber herausgestellt, dass sehr viele von ihnen nicht bereit waren, am Aufbau des Landes mitzuwirken, und lieber unter Mitnahme betriebswichtiger Unterlagen Richtung Westeuropa oder USA verschwanden. Also ganz so einfach ist es nicht mit den Managern, von wegen Proletariat.

  5. Andi67 schreibt:

    Ich benutze mal ropris Frage: „Wie trägt man heute das Klassenbewußtsein in die werktätigen Lohnabhängingen? Wo und wie erreicht man sie?“ Das ist doch Eure Aufgabe als Sozialisten und Kommunisten, oder nicht? Ehrlich gesagt nimmt man euch kaum wahr, das ist das Dilemma. Ihr bleibt ständig unter euch und erklärt euch gegenseitig, das was jeder von euch längst weiß. Was soll das?

    Tip: Geht auf Facebook, dort auf Gesellschaftskritische Seiten, meinetwegen auch dorthin wo es wehtut, dort wo Unwissenheit und Desinformation vorherrscht und klärt vereinfacht auf. Tretet in Erscheinung. „Die rote Fahne“ von Stefan Steins tut das (ich weiß, ihr seid anderer Meinung als er, aber er ist am Bürger dran und am Arbeiter, und ist in der neuen Friedensbewegung tätig, mit der Forderung: „Raus aus der NATO!“). Geht dorthin wo die Menschen sind, es gibt zb noch Montags-Friedensdemos (auch wenns nur wie weiter oben ein paar Leute sind). Die begannen 2015 und sind verebbt (das System hat sie als Neu-rechte und Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt)

    Warum hat dort nicht mal ein Kommunist gesprochen? Jeder durfte dort reden, auch wenn von einigen oft Unsinn kam. Die Menschen werden aber nicht zu euch kommen, das ist Fakt.

    • Politnick schreibt:

      Keineswegs sind „wir hier unter uns“. Nee, überhaupt nicht: Hier kann jeder mitlesen und nicht nur das, er kann auch mitschreiben.

      Also ich schaffe hin und wieder Marxistisches Gedankengut nach Google+ und bin oftmals überrascht wie gut dass dort nicht nur ankommt, sondern sogar verstanden wird.

      Freundschat 😉

    • sascha313 schreibt:

      Grundsätzlich ist das richtig, Andi. Doch man darf nicht vergessen, daß von offizieller Seite (also von Seiten der Herrschenden) alles nur Denkbare unternommen wird, um jegliche linke Äußerung zu unterbinden. Und damit meine ich nicht einmal die Partei dieses Namens, denn die sind so „links“, wie die Kühe lila sind.

      Der Antikommunismus zeigt sich schon in den Diffamierungskampagnen gegen die DDR und setzt sich fort in pseudodemokratischen Ritualen und in der allgemeinen Verblödung gesellschaftliche Zusammenhänge betreffend.

      Und nimmt man z.B. die Veranstaltungen, bei denen irgendwelche ehemalige DDR-Politiker auftreten, die vielleicht von einer Handvoll Rentnern besucht werden, die sich gegenseitig zustimmend zunicken, so kommt dabei am Ende auch nichts heraus als allgemeines Gelaber über angebliche und tatsächliche Fehler der Vergangenheit, wie z.B.: das 11. Plenum des ZK der SED sei einer der schwersten Fehler der DDR gewesen. Wieso??? Was soll das? Konstruktive Ideen kann ich da nicht erkennen. Eine große Ausnahme war z.B. Heinz Keßler, er war und blieb Kommunist! Und er trat auch bis zuletzt so auf!

      Unzufriedene und Frustrierte gibt es jede Menge; gleichzeitig aber ist sowohl der Blick zurück als auch der Blick nach vorn vernebelt. Was da wirklich hilft, sind politische Aufklärung und Enthüllungen über den Kapitalismus, so wie sie der kürzlich verstorbene Günter Ackermann engagiert betrieben hat, und wie wir sie natürlich auch von Kurt Gossweiler her kennen.

      Selbst wenn man sich auf einen kleinsten gemeinamen Nenner einigen würde, so bleibt da doch immer die Frage: Wie soll die Praxis aussehen? Lenin hat sich sehr ausführlich mit dieser Frage befaßt. Und auch Stalin hat später klare Positionen gesetzt. Ich denke – das ist der Weg! Ob nun FB oder nicht – mit eingefleischten Gegnern zu diskutieren ist zwecklos. Und solche Forderungskataloge wie z.B. hier sind unsinnig, solange nicht auch das Privateigentum an Produktionsmitteln zu Disposition steht.

  6. Andi67 schreibt:

    und weil weiter oben KenFM angesprochen und leicht kritisiert wurde, dort hat gerade eine Sozialistin einen äußerst hervorragenden und analytischen Artikel über Kohl und seine Ausbeuterklasse, auch zum ausverkauf der DDR, verfasst: https://kenfm.de/kanzler-der-enteignung/

    • sascha313 schreibt:

      KenFM ist ja sehr gründlich und aktiv. Nur leider dringt er nicht bis zu den sozialökonomischen Wurzeln vor, wie eben auch Ganser und Mausfeld – sie alle bleiben auf halber Strecke stecken… und hier: in vielen Dingen muß man der Autorin widersprechen. Da sind Aussagen, die schlicht auf Unkenntnis beruhen, die das weitverbreitete falsche DDR-Bild stützen. Dagegen hilft nur Texte von Emil Collet lesen…

      • Andi67 schreibt:

        @sascha313, immerhin schreibt die Autorin auf Facebook folgendes (was ja auch nicht falsch ist):
        „Wir müssen die Produktionsmittel in unsere (Arbeiter) Hände bringen, vernünftig verwalten, eine Konterrevolution verhindern und es irgendwann hinkriegen, keinen Staatsapparat mehr zu benötigen. Können wir uns vielleicht darauf einigen, unabhängig von Trotzki, Stalin, Marx, Lenin, Mao oder sonstwem?“

      • sascha313 schreibt:

        Na, sicher kann man sich darauf einigen. Es ist ja auch noch nicht alles damit gesagt.

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