Deutscher Untertanengeist – oder: Darf ich bitte mal streiken?

StreikWie seltsam ist doch das Verhalten der deutschen Lohnempfänger, wenn es um ihre Rechte, die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen, d.h. um kürzere Arbeitszeiten, weniger Überstunden, mehr Lohn, mehr Urlaub usw. geht. Es reicht von untertänigsten Anspielungen bis hin zu völlig unerfüllbaren, dreisten Forderungen, die natürlich niemals persönlich überbracht werden. Die ach so verständnisvollen Betriebsinhaber kommen dann mit der plausiblen Erklärung: „Ich würde ja gern mehr zahlen, aber da machen unsere Kunden nicht mit!“ Logisch. Nicht wahr?

In einem Beitrag zum deutschen Streikrecht schreibt der Blog „Reichtum und Verlust“:

Streikrecht?

In der Zeitung „junge Welt“ war ein Artikel, daß auch Lehrer streiken wollen: „Streikrecht für Beamte durchsetzen“ Es mutet schon fast pervers an, wenn eine Regierung festlegt, ob jemand gegen wirtschaftspolitische Entscheidungen seinen Unmut äußern darf. Wenn es einen Grund zum Streik gibt, dann sollte man streiken und nicht fragen: „Darf ich bitte mal streiken?“. Ich will zwar sagen, daß ich mit verschiedenen Dingen unzufrieden bin, aber ich will keine Nachteile haben und nicht meinen Job verlieren. Aus diesem Grund streike ich nur, wenn es mir erlaubt wird und ich keine Konsequenzen tragen muß. – Was für brave Bürger! Mit so einer Haltung setzt man alle Signale an die Regierung: Ihr dürft meine Rechte beschneiden ohne Ende, ich werde nur den Mund aufmachen und protestieren, wenn ihr es mir erlaubt.
In den Anfängen des Kapitalismus sind die Arbeiter auf die Straße gegangen, haben alles riskiert, um sich bessere Arbeitsbedingungen und Löhne zu erkämpfen. Viele ließen dabei ihr Leben. Aber es gab noch etwas, das heute wie ein Fremdwort anmutet: Solidarverhalten. Die Arbeiter organisierten sich und errangen mehr Rechte und bessere Lebensbedingungen. Heute lassen sie sich von den unternehmernahen Gewerkschaften an der Leine führen.
Quelle: Reichtum und Verlust „Streikrecht“

Doch man muß natürlich einiges aus der Geschichte kennen, um den deutschen Untertanengeist zu verstehen. Was wissen wir eigentlich über Streiks und deren Wirkung? Und nebenbei: Glaubt Ihr nicht, daß die Bourgeoisie diese Hintergründe nicht auch kennt? Das Sachwörterbuch der Geschichte (DDR – 1970) gibt darüber Auskunft:

Streik – das ist Klassenkampf!

Streik (Ausstand): Form des proletarischen Klassenkampfes gegen kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung, bei der die Arbeiter und die anderen Werktätigen eines Betriebes, Werkes, Industriezweiges usw. kollektiv die Arbeit niederlegen bzw. die Arbeit für den kapitalistischen Unternehmer verweigern mit dem Ziel, ökonomische, soziale und politische Forderungen durchzusetzen. Die Grundform des Streiks ist die völlige Arbeitsniederlegung im Betrieb; die Arbeit wird erst nach Aufforderung der Streikleitung. die den Kampf für beendet erklärt, wieder aufgenommen.

Welche Art von Streiks gibt es?

Der Zielstellung entsprechend gibt es ökonomische Streik (vor allem für Lohn- und Arbeitszeitforderungen) und politische Streik, die meist mit ökonomischen Forderungen verbunden sind. Ausgesprochen politischen Charakter tragen die Warn-, Protest-, Solidaritäts-, Sympathie-, Demonstrationsstreiks. In der Art und Weise der Durchführung der Streik unterscheidet man Kurzstreiks. Teilstreiks, Sitzstreiks (passive Resistenz) sowie auch die „umgekehrten Streiks“. Meist von der Gewerkschaft organisiert, dient der Streik zur Abwehr von Verschlechterungen bzw. zur Durchsetzung von Verbesserungen der Arbeits- und Lebensbedingungen sowie der gewerkschaftlichen und politischen Rechte der Werktätigen.

Wie kam es zu den ersten Streiks in der Geschichte?

Mit der Herausbildung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse (Kapitalismus) in der ersten Hälfte des 19. Jh. entwickelte sich auch der Klassenkampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie und seine Formen.

„Im Anfang kämpfen die einzelnen Arbeiter, dann die Arbeiter einer Fabrik, dann die Arbeiter eines Arbeitszweiges an einem Ort gegen den einzelnen Bourgeois, der sie direkt ausbeutet. Sie richten ihre Angriffe nicht nur gegen die bürgerlichen Produktionsverhältnisse, sie richten sie gegen die Produktionsverhältnisse selbst…“ (Manifest der Kommunistischen Partei.)

Auf dieser Stufe der Entwicklung des Klassenkampfes war der Streik in seiner urwüchsigen Form mit Maschinenstürmerei verbunden.

„Aber mit der Entwicklung der Industrie vermehrt sich nicht nur das Proletariat; es wird in größeren Massen zusammengedrängt, seine Kraft wächst, und es fühlt sie mehr … immer mehr nehmen die Kollisionen zu sehen dem einzelnen Arbeiter und dem einzelnen Bourgeois den Charakter von Kollisionen zweier Klassen an. Die Arbeit: beginnen damit, Koalitionen gegen die Bourgeoisie zu bilden; sie treten zusammen Behauptung ihres Arbeitslohns. Sie stiften selbst dauernde Assoziationen, um sich die gelegentlichen Empörungen zu verproviantieren.“ (Manifest der Kommunistischen Partei.)

Wie sind die Gewerkschaften entstanden?

Aus den Streikkomitees und da zeitweiligen Komitees der Arbeiter zur
Sammlung und Verwaltung der Streikfonds entstanden die ersten Gewerkschaften als Klassenkampforganisationen. In der Revolution von 1848/1849 in Deutschland wurden die Streikkämpfe in Deutschland erstmalig organisiert geführt; unter dem Einfluß von Karl Marx und Friedrich Engels sowie des Wirkens der Mitglieder des Bundes der Kommunisten wurden die Streikforderungen nach sozialen Verbesserungen mit politischen Forderungen nach demokratischen Rechten und Freiheiten verbunden.

Wie kam es zum Anwachsen der Streikbewegung?

Mit der Entwicklung der industriellen Revolution in Deutschland nach der 1848er Revolution und mit der weiteren Herausbildung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse wuchs die Zahl der Streiks. Wurden im Krisenjahr 1857 etwa 60 Streik gezählt, so gab es im Jahre 1865 rund 150 Streik in Deutschland. In dem bis dahin umfangreichsten Kampf in Deutschland, dem Streik der 8.000 WaIdenburger Bergarbeiter vom Dezember 1869 bis Januar 1870, wurde neben Lohn- und Arbeitszeitforderungen auch die Anerkennung der Gewerkschaften durch die Grubenherren von den Arbeitern gefordert.

Gegensätzliche Interessen

Der Streik trug wesentlich dazu bei, die Theorien der Führer der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine von der „Harmonie der Interessen von Kapital und Arbeit“ zu widerlegen; er förderte den Einfluß der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei unter den Bergarbeitern. Besonders zur Zeit des Sozialistengesetzes traten in den Streik als Reaktion der klassenbewußten Arbeiter auf den Bismarckschen sogenannten Staatssozialismus die politischen Forderungen stärker hervor.

Der machtvollste Streik des 19. Jahrhunderts

Der machtvollste Streik der deutschen Arbeiter im 19. Jh. war der im Mai/Juni 1889 geführte Kampf der 150.000 Steinkohlenarbeitet, der wesentlich mit dazu beitrug, daß Otto von Bismarck gestürzt wurde (Bergarbeiterstreik 1889). Mit dem Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz zum Imperialismus wuchs die Zahl der Streiks sprunghaft an, immer stärker verschmolz der ökonomische mit dem politischen Kampf, und der politische Massenstreik wurde zu einer entscheidenden antiimperialistischen, antimilitaristischen Kampfform.

Heftige Diskussionen über politische Streiks

Diese neue Kampfform in der russischen Revolution von 1905 bis 1907 erstmals konsequent angewendet, löste in der internationalen Arbeiterbewegung und speziell auch in der deutschen eine heftige Diskussion über Möglichkeit und Notwendigkeit der Anwendung des politischen Massenstreiks aus. Auf dem Kölner (5.) Kongreß der Gewerkschaften Deutschlands 1905 setzte die reformistische Gewerkschaftsführung einen Beschluß zur Ablehnung des politischen Massenstreiks durch.

Die Sozialdemokraten lehnten politische Streiks ab

Obwohl sich auch in Deutschland die Notwendigkeit zeigte, der Allmacht des Monopolkapitals und des ihm dienstbaren Staates die einheitliche Kraft der Arbeiter entgegenzusetzen (die Unternehmer gingen zu Massenaussperrungen über, der Staat schränkte die ohnehin geringen demokratischen Rechte und Freiheiten – besonders das Wahlrecht – immer mehr ein), und obwohl die Hamburger Arbeiter im Jan. 1906 gegen die Einschränkung des Bürgerschaftswahlrechtes erstmals in Deutschland den politischen Massenstreik anwandten (Hamburger Streik 1906), stimmte der Mannheimer Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands im Sept. 1906 einer Resolution zu, die faktisch ebenso wie der Gewerkschaftskongrcß den politischen Massenstreik ablehnte.

Konsequenter Kampf für die Rechte der Arbeiter

Nur die deutschen Linken, vor allem Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Clara Zetkin, kämpften in der deutschen Arbeiterbewegung konsequent für die Berücksichtigung der Erfahrungen der russischen Revolution und speziell für die Anwendung des politischen Massenstreiks auch in Deutschland als ein Mittel, um die breitesten Massen in den Kampf zu führen und sie in Vorbereitung auf die Revolution zu sammeln und zu schulen.

Der Einfluß der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution

Entgegen der Burgfriedenspolitik der rechten sozialdemokratischen Führer in Partei und Gewerkschaften kam es unter dem Einfluß der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution im Januar 1918, organisiert von Kräften der deutschen Linken und der Revolutionären Obleute, zu einem großen politischen Massenstreik der deutschen Rüstungsarbeiter gegen die Kriegs- und Katastrophenpolitik der herrschenden Klassen, für Frieden und Brot (Januarstreik 1918). Erstmalig wurde von den freien Gewerkschaften in Deutschland zum politischen Massenstreik und Generalstreik gegen den Kapp-Putsch im März 1920 aufgerufen.

Der Erfolg des politischen Massenstreiks

Die Streikaktion wurde mit außerordentlichem Erfolg durchgeführt. Hier bewies sich eindeutig, daß der politische Massenstreik, der meist als Generalstreik, als allgemeiner Streik im regionalen oder im Landesmaßstab bzw. als allgemeiner Streik der Werktätigen eines Industriezweiges im Landes- oder Regionalmaßstab ausgerufen wird, als höchste Form des Streik die Gesamtinteressen der Arbeiterklasse unter den imperialistischen Bedingungen wirksam zu vertreten vermag, geeignet ist, die unbesiegbare Aktionseinheit der Arbeiterklasse zu schaffen und den Zusammenschluß aller demokratischen Volkskräfte gegen Imperialismus und Militarismus zu erreichen. Es bewies sich aber auch die Rolle der marxistisch-leninistischen Partei für das im politischen Generalstreik notwendige kämpferische Zusammenwirken aller Arbeiterorganisationen, der Parteien und Gewerkschaften.

Die machtvolle Wirkung eines Generalstreiks

Zu den machtvollsten politischen Massenstreiks in der Weimarer Republik gehörte neben dem gegen den Kapp-Putsch auch der Generalstreik gegen die antinationale Politik der Cuno-Regierung 1923. Nach dem Streikbeschluß der Berliner Betriebsräte riefen die Kommunistische Partei Deutschlands und der Reichsausschuß der Betriebsräte zur Ausdehnung des Streik auf das gesamte Reichsgebiet auf. Wesentliche Streikforderungen waren:

  • Rücktritt der Regierung Cuno,
  • Auflösung des Reichstages,
  • Bildung einer Arbeiter-und-Bauern-Regierung,
  • Aufhebung des Verbots der proletarischen Hundertschaften,
  • Anerkennung der proletarischen Kontrollausschüsse,
  • Aufhebung des Demonstrationsverbots und des Ausnahmezustandes,
  • Festsetzung eines Mindeststundenlohns für alle Arbeiter von 60 Friedenspfennigen.

Drei Millionen Arbeiter beteiligten sich am Generalstreik

An dem Generalstreik, der die Cuno-Regierung zum Rücktritt zwang, beteiligten sich rund drei Millionen Arbeiter und Angestellte, teilweise unterstützt von Angehörigen des städtischen und ländlichen Kleinbürgertums. Das Zustandekommen dieser einheitlichen Massenaktion gegen den Willen rechter Gewerkschaftsführer und rechter Führer der Sozialdemokratie zeigte die Entwicklung der proletarischen Einheitsfront unter dem Einfluß der KPD. Der Generalstreik gegen Kapp und der Cuno-Strcik demonstrierten die Kraft der einheitlich handelnden Arbeiterklasse.

Der Vorschlag der KPD wurde abgelehnt…

Eine solche einheitliche Aktion der Werktätigen wollte die KPD auch dem Anschlag der faschistischen Reaktion auf das parlamentarische System der Weimarer Republik im Sommer 1932 (Papen-Staatsstreich) entgegenstellen. Sie schlug der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund und dem Allgemeinen freien Angestelltenbund vor, auf den Staatsstreich mit dem Generalstreik für die Zerschlagung des Putsches, den Rücktritt der Papen-Regierung („Kabinett der nationalen Konzentration“), die Aufhebung der Notverordnungen, das Verbot von SA (Sturmabteilung) und SS (Schutzstaffel) , für Versammlungs-, Demonstrations- und Organisationsfreiheit der Arbeiterklasse u.a. Forderungen zu antworten.

SPD und Gewerkschaften verhindern die Einheitsfront

Die KPD entsprach mit ihrem Streikaufruf der Stimmung der Massen. Der Parteivorstand der SPD jedoch, der bereits am 16. Juli beschlossen hatte, „bei allem, was kommen möge, die Rechtsgrundlage der Verfassung nicht zu verlassen“, rief die Werktätigen lediglich dazu auf, den Kampf als Wahlkampf für die Reichstagswahlen (31. Juli) zu führen. Die Leitungen der Gewerkschaften verleumdeten in Aufrufen das Generalstreikangebot der KPD als Provokation. Mit dieser Haltung verhinderten die rechten Führer der SPD und der Gewerkschaften die Verteidigung der Reste der Demokratie durch die geeinte Aktion der Werktätigen.

Wer verhalf den Nazis an die Macht?

Es zeigte sich abermals, daß es außer der KPD keine organisierte Kraft gab, die bereit war, für die demokratischen Rechte und Freiheiten und für die Erhaltung der bürgerlich-demokratischen Ordnung zu kämpfen. Das bewies erneut der Aufruf der KPD zum Generalstreik gegen die Hitlcr-Hugenberg-Papen-Regierung 1933. Die KPD wandte sich an die kommunistischen, sozialdemokratischen und christlichen, die freigewerkschaftlichen und die unorganisierten Arbeiter sowie die Mitglied des Reichsbanners und forderte sie zu unmittelbaren gemeinsamen Streikaktionen gegen die faschistische Reaktion auf.

Gemeinsam zum Generalstreik?

Gleichzeitig wandte sie sich mit ihrem Aufruf an den ADGB, den AfA-Bund, die christlichen Gewerkschaften und die SPD und schlug vor, „gemeinsam mit den Kommunisten den Generalstreik gegen die faschistische Diktatur … gegen die Zerschlagung der Arbeiterorganisation, für die Freiheit der Arbeiterklasse“ durchzuführen. In der Arbeiterklasse, bei allen Antifaschisten und bei Demokraten fand der Aufruf der KPD Zustimmung; es gab eine allgemeine und feste Überzeugung von der Notwendigkeit der gemeinsamen Abwehr der Angriffe auf demokratische Rechte und Freiheiten und die Bereitschaft zum Zusammengehen gegen das faschistische Regime.

Eine schwere Niederlage für die Arbeiterklasse

Da aber die Führer der SPD, der Gewerkschaften u. a. Arbeiterorganisationen den von der KPD geforderten Generalstreik ablehnten, konnte – obwohl es zu Kampfaktionen gegen die faschistische Regierung und in einigen Orten auch zu Streik kam – die antifaschistische Einheitsfront nicht geschaffen werden, erlitt die Arbeiterklasse durch die Errichtung der faschistischen Diktatur eine schwere Niederlage.

Erfolge in der Weimarer Republik

Durch die massiven Angriffe des Monopolkapitals auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen kam es in der Weimarer Republik neben den politischen Massenstreiks auch zu machtvollen, teilweise lang andauernden Streikaktionen der verschiedensten Schichten der Werktätigen für ökonomische Forderungen. In diesen Kämpfen, in denen ebenfalls die Kommunisten und auch viele Sozialdemokraten und revolutionäre Gewerkschafter eine führende Rolle spielten, ging es um die Sicherung des Achtstundentages, um Lohnerhöhungeu, um die Abwehr der verschärften Ausbeutung u.ä.

… doch Gewerkschaftsfunktionäre verhinderten Streiks

Der reformistischen Arbeitsgemeinschaftspolitik folgend, waren maßgebliche Gewerkschaftsfunktionäre von Anfang an jedoch bestrebt, Streik zu verhindern oder wenigstens in engen Grenzen zu halten. In dieser Haltung wurden sie prinzipiell von der SPD-Führung unterstützt. Die rechten Gewerkschaftsführer orientierten die Gewerkschaften auf die Zusammenarbeit mit dem Unternehmertum in arbeitsgemeinschaftliehen Körperschaften wie Wirtschaftsräten und paritätisch besetzten Wirtschaftskammern.

…dafür reformistische Konzeptionen

Durch den Ausbau des Tarifwesens u. ä. Maßnahmen sowie durch eine Mitarbeit im „demokratischen“ Weimarer Staat sollte die „Demokratisierung der Wirtschaft“, die Unterordnung der Interessen des Monopolkapitals unter die gesellschaftlichen Interessen erreicht werden. Auf dem Hamburger (13.) Kongreß der Gewerkschaften Deutschlands 1928 wurde eine Entschließung angenommen, in der es hieß: „Die Demokratisierung der Wirtschaft führt zum Sozialismus…“ Damit wurde die reformistische Konzeption von der allmählichen Umwandlung des Monopolkapitalismus in den Sozialismus zur verbindlichen Grundlage für den ADGB erklärt.

Doch die Arbeiter streiken weiter…

Trotz dieser reformistischen Politik der Gewerkschaftsführung kam es in der Weimarer Republik zu so mächtigen Wirtschaftskämpfen wie

  • dem Ruhrbergarbeiterstreik 1923,
  • dem Schlesischen Landarbeiterstreik 1923,
  • dem Berliner Metallarbeiterstreik 1923,
  • dem Rheinisch-Westfälischen Metallarbeiterstreik 1924,
  • dem Bergarbeiterstreik im Ruhrgebiet, in Oberschlesien und in Sachsen 1924,
  • dem Bauarbeiterstreik 1925,
  • dem Hamburger Hafenarbeiterstreik 1926,
  • dem Berliner Metallarbeiterstreik 1927,
  • dem Mitteldeutschen Metallarbeiterstreik 1928,
  • dem Metallarbeiterstreik im Ruhrgebiet 1928,
  • dem Mansfelder Bergarbeiterstreik 1930,
  • dem Ruhrbergarbeiterstreik 1931 und
  • dem Berliner Verkehrsarbeiterstreik 1932.

Unternehmer setzten sich teilweise durch

Das Nichtzustandekommen einer einheitlichen Abwehrfront gegen die Offensive des Monopolkapitals beeinträchtigte die Wirksamkeit dieser Streikkämpfe und die Durchsetzung der Forderungen der Werktätigen im starken Maße. So gelang es den Unternehmern beispielsweise mit Unterstützung des Staates in der Weimarer Republik Millionen Werktätigen eine längere Arbeitszeit als 48 Stunden in der Woche aufzuzwingen.

Der Widerstand gegen die Hitlerdiktatur

Auch der Prozeß der Konsolidierung der faschistischen Diktatur und die Angriffe des Regimes auf Grundrechte der Werktätigen verliefen trotz des brutalen Terrors der Nazis nicht ohne Widerstand. Von März bis Anfang April 1933 fanden z.B. in Deutschland rund 100 Streiks gegen die Errichtung der Hitlerdiktatur statt. Die Arbeiter forderten u.a. die Freilassung Ernst Thälmanns und der anderen Antifaschisten. Kurzstreiks in Berlin, Harnburg, Kiel und Bad Kreuznach richteten sich gegen die Verhaftung von Betriebsräten. Außerdem gab es Streik gegen Lohnabbau und Arbeitszeitverlängerung.

Und wieder streikten die Arbeiter…

Während des Jahres 1935 beteiligten sich über 25.000 Arbeiter verschiedenster Berufsgruppen, vor allem Reichsbahnarbcitcr, Bauarbeiter, Notstandsarbeiter, Arbeiter der Rüstungsindustrie, Werftarbeiter und Bergleute, an Kurzstreiks gegen die Rüstungspolitik des faschistischen Regimes und ihre sozialen Folgen. Die in den ersten Jahren der faschistischen Diktatur durchgeführten Streik und Arbeitsniederlegungen waren meist auf einen Betrieb oder auch auf einen Betriebsteil eines größeren Werkes beschränkt. Sie entstanden oftmals spontan als Reaktion auf schlechte Arbeitsbcdingungen, Lohnherabsetzung. geforderte Überstundenarbeit usw.

Arbeite langsam, Prolet!

Auf Grund des zunehmenden Terrors der Gestapo, auf Grund der Tatsache, daß durch die Aufrüstungsmaßnahmen viele klassenfremde Elemente in die Betriebe gekommen waren, und einer Reihe anderer Faktoren wurde es zunehmend schwieriger, umfangreiche Arbeitsniederlegungen durchzuführen. Die Führung der KPD schlug deshalb Mitte 1936 den illegalen Organisationen in den Betrieben vor, die Arbeite-langsam-Bewegung zu organisieren. Aktionen dieser Art gab es erstmals im Sommer 1937 unter den Bergarbeitern des Rhein-Ruhrgcbietes ; Gruppen der am Westwall u.a. militärischen Baustellen beschäftigten Arbeiter beteiligten sich ebenfalls an dieser Bewegung. Diese Aktionen waren unter den gegebenen Umständen eine wirksame Form des Widerstandes gegen die verschärfte Ausbeutung.


Die Streiks nach 1945

Nach der Niederlage des Hitlerfaschismus kam es 1946 und besonders im Frühjahr 1947 in den westlichen Besatzungszonen zu den ersten umfassenden Streikaktionen der Werktätigen, die sich gegen die Hungerpolitik richteten, für die die reaktionären Kräfte in Wirtschaft und Verwaltung verantwortlich waren.

  • Die Durchführung einer demokratischen Bodenreform,
  • die Schaffung von Kontrollausschüssen in Stadt und Land zur Sicherung der Ernährung,
  • die Säuberung der öffentlichen Verwaltungsstellen und Wirtschaftsorganisationen von faschistischen und reaktionären Elementen,
  • die Verstaatlichung der Bergbaubetriebe sowie die entschädigungslose Enteignung und Überführung der Schlüsselindustrien und der Betriebe der Kriegsverbrecher und Nazis in öffentliche Hand waren einige der wesentlichen Forderungen der Proteststreiks und Demonstrationen vom Frühjahr 1947.

Der Ruhrbergarbeiterstreik 1947

Höhepunkt dieser Streikbewegung war der Ruhrbergarbeiterstreik 1947; mehr als 300.000 Bergarbeiter legten die Arbeit nieder, außerdem schlossen sich über 12.000 Bergarbeiter des Aachener Kohlenreviers dem Streik an. In den Forderungen der Streikenden kam das Streben nach einer demokratischen Umgestaltung der Macht- und Besitzverhältnisse zum Ausdruck; sie widerspiegelten den Einfluß der sich in der sowjetisch besetzten Zone vollziehenden antifaschistisch-demokratischen Umwälzung (antifaschistisch-demokratische Revolution). Die Massenkämpfe vom Frühjahr 1947, bei denen die Streikaktionen eine wesentliche Rolle spielten, waren der Höhepunkt des Kampfes um die Entmachtung der Konzernherren in den westlichen Besatzungszonen. Später erreichten die Aktionen der Werktätigen nicht mehr eine solche Kraft und Geschlossenheit.

Generalstreik in der westlichen Besatzungszone

Die Streikbewegung vom Frühjahr 1947 stärkte die Aktionseinheit der Arbeiterklasse, was sich in Fortschritten im Kampf um die Herstellung der politischen Einheit der Arbeiterklasse, besonders der Gewerkschaftseinheit, zeigte. Richteten sich die Massenkämpfe in den Westzonen bis zum Frühjahr 1948 gegen die Grundlagen der alten Ordnung und dienten dem Ziel, durch grundlegende sozialökonomisehe Umgestaltung antifaschistisch-demokratische Verhältnisse in den Westzonen zu schaffen, so fand der Generalstreik in der Bizone 1948 bereits auf dem Boden der schon weit fortgeschrittenen Restauration der monopolkapitalistischen Ordnung statt.

Der 24stündige Generalstreik von rund 9 Millionen Werktätigen der Bizone, der vorn bizonalen Gewerkschaftsrat ausgerufen wurde und die Billigung der Militärbehörden hatte, sollte als Ventil für die angestaute Unzufriedenheit mit dem autoritären Unternehmerkurs des Wirtschaftsrates der Vereinigten Wirtschaftsgebiete dienen.

Was forderten die westdeutschen Gewerkschaftsführer?

Die Gewerkschaftsführer forderten u.a. die Überführung der Grundstoffindustrie in Gemeineigentum und die gleichberechtigte Mitbestimmung der Gewerkschaften in allen Organen der wirtschaftlichen Selbstverwaltung. Eine allgemeine Erhöhung der Löhne – eine Forderung, die die Interessen der Werktätigen unmittelbar berührt hätte – wurde von ihnen jedoch nicht verlangt. Dabei hätte sich der Kampf um höhere Löhne direkt gegen die Restauration des Monopolkapitals in den Westzonen gerichtet, da die niedrigen Löhne eine wesentliche Quelle für die ökonomische Stabilisierung des westdeutschen Monopolkapitals waren.

Der Generalstreik war ein Beweis für die Kampfbereitschaft der westdeutschen Werktätigen, doch konnte keine der genannten Forderungen durchgesetzt werden. Maßgebende Gewerkschaftsfunktionäre, befangen in den Vorstellungen von der „Wirtschaftsdemokratie“ und in bürgerlichen Staatsauffassungen, setzten ihren ganzen Einfluß ein, um die Zielsetzung der Massenkämpfe der Werktätigen auf Reformen im Rahmen des imperialistischen Systems zu beschränken. Diese Bestrebungen zeigten sich erstmals deutlich beim Generalstreik von 1948.

Wie ging es weiter in der BRD?

Mit Hilfe des Staates baute die westdeutschen Monopolbourgeoisie in der Folgezeit ein vielfältiges System auf, mit dessen Hilfe die Werktätigen ökonomisch gebunden, ideologisch irregeführt und politisch beherrscht werden sollten, Der lang anhaltende konjunkturelle Aufschwung in der Nachkriegszeit gestattete der westdeutschen Monopolbourgeoisie, es bei drohenden Lohnkämpfen oft gar nicht erst auf eine Kraftprobe ankommen zu lassen, sondern die Streikaktionen durch Zugeständnisse bereits im Keime zu ersticken.

Die Verwischung der Klassengegensätze

Der Einfluß des Sozialismus, bcsonders der Deutschen Demokratischen Republik, zwang das wcstdeutsche Monopolkapital oft zu Konzessionen, ohne daß die Waffe des direkten Streik eingesetzt werden mußte. Die Theorie von der „Sozialpartnerschaft“, des „Volkskapitalismus“ u.a. bürgerliche Theorien dienten dazu, die Klassengegensätze zu verwischen. Ähnliche Ansichten wurden auch von einflußreichen Gewerkschaftsführern und von sozialdemokratischen Führern vertreten. Diese Umstände erschwerten es den westdeutschen Arbeitern, ihre wirklichen Klasseninteressen zu erkennen. Das ist mit eine Erklärung dafür, warum Wcstdeutschland während der Nachkriegskonjunktur zu den kapitalistischen Ländern mit relativ wenigen Streikkämpfen zählt, wenn es auch einige umfassende Streikaktionen gab.

Welche Streiks gab es dennoch?

  • So streikten beispielsweise im Sommer 1954 200.000 bayerische Metallarbeiter gegen das Absinken des Lebensstandards als Folge der Remilitarisierung (Bayerischer Metallarbeiterstreik 1954).
  • Insgesamt streikten 1954 in Westdeutschland 116.000 Arbeiter, das war nach 1951, wo 176.000 streikten, die zweithöchste Zahl von Streikenden seit Bestehen der westdeutschen Bundesrepublik.
  • Anfang 1955 erreichte die Streikaktivität der westdeutschen Werktätigen ein großes Ausmaß. Die Streikkämpfe richteten sich u.a. gegen das Auftreten des Generaldirektors der Gute-Hoffnungs-Hütte AG Hermann Reusch, der das Mitbestimmungsrecht der Gewerkschaften als „Ergebnis einer brutalen Erpressung“ bezeichnet hatte. Diese provokatorische Äußerung beantworteten rund 30.000 Metall- und Bergarbeiter des Haniel-Konzerns, des Hüttenwerkes Oberhausen AG und der Gruben der Gute-Hoffnungs-Hütte AG am 14./15. Jan. 1955 mit einem Proteststreik. Am 22. Jan. 1955 legte der Streik von über 800.000 Berg-­ und Hüttenarbeitern die Kohle- und Stahlindustrie des Ruhrgebiets für 24 Stunden still (Ruhrbergarbeiterstreik 1955). Der politische Charakter dieses Streik zeigte sich eindeutig in Streiklosungen wie „Für das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter und Gewerkschaften in allen Betrieben“, „Mit dem DGB gegen den Militarismus – für die deutsche Einheit“, „Kampf den Pariser Verträgen“.
  • Der seit dem Jahre 1905 längste Streik in Deutschland brach am 24. Okt. 1956 in Schleswig-Holstein aus (Schleswig-Holsteinischer Metallarbeiterstreik 1956/1957). Der Streikkampf, in dem es sowohl um die Durchsetzung wirtschaftlicher als auch politischer Forderungen der Werktätigen ging, dauerte bis zum Februar 1957.
  • Anfang Jan. 1957 beteiligten sich über 34.000 Arbeiter am Streik. Nach Ablehnung des Schiedsspruchs der Schlichtungsstelle durch die Streikenden schaltete die westdeutsche Monopolbourgeoisie den Staatsapparat in die Auseinandersetzungen ein. Es gelang dem westdeutschen Monopolkapital, den Streik zu lokalisieren; er endete mit einem Kompromiß. Der Streik der Metallarbeiter von Schleswig-Holstein demonstrierte mit aller Deutlichkeit, daß im staatsmonopolistischen System der westdeutsche Bundesrepublik die Werktätigen auch bei solchen Kämpfen der vereinten Front der Monopole und des Staatsapparates gegenüberstehen.

Wir wirkten sich die Errungenschaften der DDR aus?

Die Forderungen der Metallarbeiter zeigten aber auch, in welchem Maße die Errungenschaften der DDR den Kampf der westdeutschen Werktätigen beeinflußten, so konnte beispielsweise die Forderung der Arbeiter nach Überführung der Schlüsselindustrie in Gemeineigentum nicht zurückgedrängt werden.

Warum verminderte sich die Streikaktivität nach 1958?

In der Folgezeit führten allerdings neuerliche ökonomische Konjunktur, der Kurs der SPD und Gewerkschaftsführung und die Auswirkungen der sozialen Demagogie der Monopolbourgeoisie und deren zielgerichteter Maßnahmen zur materiellen und ideellen Kettung der Werktätigen an die Konzernbetriebe zu einer stärkeren Verminderung der Streikaktivität. Waren 1951 bis 1958 jährlich im Durchschnitt durch Streik noch über eine Mill. Arbeitstage ausgefallen, so waren es 1959-1961 nur etwa 50.000 im Jahresdurchschnitt.

Das amerikanische Taft-Hartley-Gesetz

Der Baden-Württembergische Metallarbeiterstreik 1963 zeigte allerdings erneut mit aller Deutlichkeit die Hohlheit der vom Monopolkapital verbreiteten Phrase von der „Sozialpartnerschaft“ und der klassenlosen Gesellschaft. Die Kampfentschlossenheit der rund 400.000 Metallarbeiter, die eine Lohnerhöhung von 8 Prozent forderten, ließ den Versuch der Monopole scheitern, die Tariffreiheit der Gewerkschaften nach dem Muster des amerikanischen Taft-Hartley-Gesetzes einzuschränken. Der Streik vermittelte den westdeutschen Werktätigen eine Reihe wichtiger Erfahrungen über die Kampfbedingungen im System des staatsmonopolistischen Kapitalismus.

Schlußfolgerung

Im Kampf gegen das staatsmonopolistiscbe Herrschaftssystem haben sowohl der politische Massenstreik als auch alle anderen Streikformen nichts von ihrer Wichtigkeit verloren. Die Bedingungen des staatsmonopolistischen Kapitalismus erfordern von der Arbeiterklasse, ihren Kampf gegen das Monopolkapital als Einheit von ökonomischem und politischem Kampf zu entwickeln. In diesem System kommt der Waffe des Streik eine wichtige Bedeutung zu.

Quelle:
Sachwörterbuch der Geschichte Deutschlands und der deutschen Arbeiterbewegung (2 Bde.), Dietz Verlag, 1979, Bd.2, S.626-631. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

Bitte lesen und weitergeben!

Acrobat Reader  Streik – das ist Klassenkampf!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Arbeiterklasse, Kapitalistische Wirklichkeit veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

53 Antworten zu Deutscher Untertanengeist – oder: Darf ich bitte mal streiken?

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Die Gewerkschaften in ihrem heutigen Zustand kann man eigentlich kaum noch als Vertreter der Arbeiterklasse bezeichnen. Natürlich aber gibt es immer noch Gewerkschafter, die für die Kollegen eintreten. Aber die Mitgliederzahl der Gewerkschaften schrumpft mehr und mehr, und die Devotheit gegenüber der Regierung und die Korruptheit der rechten Gewerkschaftsführer gegenüber den Konzernen und der Bundesregierung, die immer groß das Maul aufreißen, aber wenn es zu konkreten Verhandlungen kommt, schnell einen Rückzieher machen, ist sprichwörtlich. Was die Gewerkschaften angeht, so haben wir hierzulande beinahe US-amerikanische Zustände. Darum bewundere ich den Mut von mancher Belegschaft, trotzdem zu streiken, und zwar ohne Absprache mit den Gewerkschaften („wilde“ Streiks), auch wenn sie sich dann fast immer in die Abmachungen von Gewerkschaft und Unternehmern klaglos fügen. Ich bin nicht der Ansicht, dass man von einem allgemeinen deutschen Untertanengeist sprechen kann, dass dies aber den Anschein hat, das ist ein Gemenge von allen möglichen Interessen und Abwägungen – und natürlich Verrat an den Streikenden. Wobei die Streiks fast immer nur um bessere Arbeits- und Lohnbedingungen gingen. Der Generalstreik, wird gesagt, sei lt. Grundgesetz verboten, ich habe aber keinen Artikel im GG gefunden, der sich darauf bezieht. Das muss in einem Extragesetz festgelegt worden sein.

  2. Hat dies auf Muss MANN wissen rebloggt und kommentierte:
    NEIN!!!

    im “rechtlichen“ Kapitalismus

    MUß der Mensch “denken“::

    Ablaß beim Papst — dann Antrag bei den Juristen!!!

  3. Rheinlaender schreibt:

    Mal ganz kleinbürgerlich / liberal argumentiert: Die Deutschen Arbeiter haben tatsächlich einen katastrophalen Untertanengeist. Selbst Ende der 60er, zu Zeiten des Arbeitskräftemangels haben die sich alles am Arbeitsplatz gefallen lassen. Gegenüber dem Boss sind die gekrochen und haben dafür auf die südländischen Kollegen getreten. Im Handwerk haben die Deutschen Gesellen / Lehrlinge brav am Wochenende das Auto der Meister Gattin geputzt. Die Jugoslawen, Italiener, Marokkaner Spanier, Türken, Griechen, Engländer, Holländer … in „unserer“ Fabrik ließen sich das nicht gefallen. Da ich mir auch wenig gefallen ließ, habe ich mich geschämt, Deutscher zu sein und auch die Deutsche Mentalität gehasst.

    Nun gut, das liegt 40 bis 50 Jahre zurück. Aber was erlebe ich heute: Das Kuchen und Duckmäusertum ist noch viel grösser geworden. In internationalen Streik-Statistiken – über einen 10 Jahreszeitraum – liegt Deutschland ganz hinten. Da wird pro eine Millionen Einwohner oft 10 mal weniger gestreikt als in den USA, oder 30 mal weniger als in Frankreich / Italien.

    Es gab auch keine grösseren Anti-Hartz4-Proteste in Deutschland. In Frankreich dagegen brannten tausende Autos an einem Tag und Arbeitsämter als die Regierung nur an das Deutsche Hartz4 „gedacht“ hatte. Zusätzlich wurden Manager einfach mal so eben entführt. In Italien gab es Generalstreiks, weil Berlusconi vorhatte, die Steuer für Reiche zu senken! Ebenso hatte die italienische Polizei sich schon vorab solidarisch mit Massenprotesten erklärt.

    Lenin (zu mindest sinngemäß): „Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas, wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte!“ Wis soll man mit einer Bevölkerung Sozialismus machen, die nach oben buckelt und nach unten tritt? Eine Bevölkerung, die den Begriff SCHADENFREUDE kennt? Ich kenne diesen perversen, also kranken Begriff eigentlich gar nicht.

    Aber: Als wir vor paar Jahren Umfragen machten, was Deutsche Rentner von einer Mindestrente von 1300 Euro netto halten, bekamen wir sinngemäß folgende – schwerstkranke – Antwort: Lieber habe ich 1.000 Euro Rente und kann auf die spucken, die nur 800 haben, als wenn ich die 1300 Mindestrente habe.

    • Politnick schreibt:

      Ich habe mich noch nie geschämt ein Deutscher zu sein und schon gar nicht für den Mist den andere verbocken. Genausowenig habe ich jemals irgendeine Opferhaltung an den Tag gelegt, wenn ich irgendwelche Sozialgespräche hatte.

      Bei meinem letzten Vorstellungsgespräch, es war bei einem Internet-Service-Provider in Erfurt, habe ich dem Boss dieser Schweinefirma klargemacht, dass sein Gehaltsangebot ein Witz ist gegen meine fachliche Kompetenz. Der Vollständigkeit halber muss ich hinzufügen, dass den sein Angebot auch nur an ein mehrwöchiges Praktikum gebunden war. Das muss man sich mal vorstellen: Ich mit ca. 20 Jahren Erfahrung als Programmierer, Fachmann und Spezialist in Sachen Netzwerkmanagement und Internet Service Providing sollte ein Praktikum ablegen mit der Aussicht auf einen Job für 25.000 EUR Jahresgehalt!

      Bein Hinausgehen habe ich mich noch einmal umgedreht und ihm mein Framework angeboten für 50 T€ einschließlich eines halbjährigen Support den ich dafür leisten würde. Arrogant hat der Boss dieser AG, die 3,5 Millionen Euro Umsatz jährlich macht, mein Angebot ignoriert und stattdessen der für mich zuständigen Arbeitsagentur gegenüber behauptet, ich würde ein Praktikum verweigern.

      Nein. Wenn sich jemand schämen sollte, meine ich die Kapitalistenschweine und deren Handlanger im Jobcenter. Das ist einfach nur asozial.

      Freundschaft 😉

      • ropri schreibt:

        Solche Erfahrungen mußte ich (dieselbe Branche) auch machen.
        Ich war mal im Robotron Leipzig im Schulungszentrum als Lehrkraft für int. Techniker tätig und bin seit der Wende „…ein Nichts, das wir nicht brauchen…“ (Worte des damaligen Anwaltes des damaligen Geschäftsführers 1991).

    • Hanna Fleiss schreibt:

      Rheinländer, ja, man spricht schon legendär vom deutschen Untertanengeist. Auch Mehring hat das getan in seinen geschichtlichen Beiträgen, Lenin, Marx und Engels haben sich auch in dieser Richtung geäußert. Aber dieser Untertanengeist muss doch einen Grund haben, der ist nicht angeboren, es gibt kein Gen für Untertanengeist!

      Sieh dir die deutsche Geschichte an, sagen wir mal ab 1618, dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Der Große Kurfürst war ein Diktator ersten Grades, er führte das Beamtenwesen ein, das später vom Soldatenkönig. noch auf die Spitze getrieben wurde. Friedrich II. übernahm dieses Beamtenunwesen. Die Deutschen waren mit Zwang an „Ordnung“ gewöhnt worden. Und das geht bis in die Bundesrepublik, und auch die DDR war davon nicht frei, obwohl es hier keine Beamten gab. Jeder Aufruhr und sogar die ureigene bürgerliche Revolution von 1848 galt als Unordnung, als Ausnahmezustand, die Menschen konnten sich nicht mehr an Gewohntes orientieren.

      Und ich bin der Meinung, dass hier der Untertanengeist zu finden ist. Denn jedes Aufbegehren der Bevölkerung wurde mit Gewalt von den Herrschenden unterdrückt, jedes Aufbegehren brachte keinen Erfolg, keine Erleichterung für das Volk, im Gegenteil – die „Ordnung“ war aus dem Konzept geraten. So erklärt sich doch auch die Furcht vor jeder Veränderung der Gesellschaftsverhältnisse. Es wird Blut fließen, die Renten werden vielleicht nicht mehr gezahlt, die Arbeiter stehen ohne Arbeit da, es gibt kein Brot, die S-Bahn fährt nicht mehr usw., und was man sich in vielen Jahren angeschafft hat, steht auf dem Spiel.

      Nun kann man sagen, es ist eine kleinbürgerliche Angst, die es ja auch ist, aber da ist meiner Ansicht nach die Ursache für das Stillhalten gegenüber jedem „gesetzlichen“ Übergriff des Merkel-Regimes zu suchen und zu finden. Und hinzu kommt natürlich, dass es gegenwärtig keinerlei kämpferische Partei gibt, die Massen in eine sozialistische Revolution führen kann.

      Und dann vergiss nicht: Der Antikommunismus ist zutiefst in den Westdeutschen verwurzelt, die überzeugt nichts vom Sozialismus. Sie wollen allerhöchstens noch Bretton Woods, also einen „menschen-freundlicheren“ Kapitalismus. Mir wird immer entgegengehalten von Westdeutschen, dass der „Zusammenbruch“ der DDR das beste Beispiel dafür ist, dass Sozialismus nicht funktionieren kann. Aber was sie statt dessen wollen, darüber erfahre ich natürlich nichts, außer: Sie wollen gut leben.

      Da ist ein unerhörter Unwille, sich wirklich mit gesellschaftlichen Verhältnissen zu befassen, viel Angst vor Veränderung und Resignation. Ich will niemanden entschuldigen, aber ehe man groß vom „Untertanengeist“ spricht, muss man erst mal seine Ursachen erkunden, und dann erst kann man dagegen etwas tun und den Menschen das Elend klarmachen, in dem sie sich bescheiden.

      • Politnick schreibt:

        Das ist richtig, es gibt derzeit keine Partei in Deutschland die die Interessen des Proletariats vertritt. Sämtliche Parteien vertreten die Interessen des Bürgertums und der Begiff Volkspartei ist sowieso irreführend, weil diese Parteien eben nicht die Interessen irgendeines Volkes vertreten sonndern stets die Interessen des Kapitals.

        Freundschaft 😉

        PS, Buchtipp: Heinrich Mann, Der Untertan

    • sascha313 schreibt:

      Lieber Rheinlaender, danke Dir für die Erklärung! Obwohl ich das nur vom Hörensagen her kannte, war mein Eindruck ganz genau derselbe. Und witzig genau ist auch die Anekdote mit den Bahnsteigkarten (Stalin berichtete im Gespräch mit dem Schriftsteller Emil Ludwig Ähnliches, Bd.13, S.108). Wenn es im Volk einen revolutionären Geist gibt, dann nur, wenn die Masse der Unterdrückten auch eine Führung besitzt (und das weiß auch die Bourgeoisie!).

      Vielleicht darf man aber auch nicht vergessen: Der verbrecherische Auftritt Chruschtschows auf dem XX.Parteitag der KPdSU bewirkte eine enorme Entmutigung bei allen fortschrittlichen Kräften, die bisher in der Sowjetunion (insbesondere in Stalin) ein leuchtendes Vorbild gesehen hatten! (vgl. Grover Furr: Die 61 Lügen über Stalin)

  4. Politnick schreibt:

    Der Bundesblödbörger bringt heute seinen Unmut darüber zum Ausdruck, dass Busse oder Züge nicht fahren wenn gestreikt wird. Einem solchen …schloch habe ich mal gesagt, dass Streik heutzutage die letzte Möglichkeit ist, die ein Prolet hat, auf seine Menschenwürde hinzuweisen.

    Und dass die Bundesregierung alles tut Streiks geheim zu halten, habe ich 1989 unmittelbar hinter der Grenze in Niedersachsen erfahren. Weiß jemand mehr über den Streik bei Volkswagen im Sommer/Herbst 1989? Da soll es angeblich auch Tote gegeben haben. Logisch dass solche Meldungen nicht zu 9/11/89 gepasst hätten.

    Freundschaft 😉

  5. Hanna Fleiss schreibt:

    Nein Politnick, den satirischen „Untertan“ in diesem Zusammenhang zu stellen, in den ich das Stillhalten der Deutschen gestellt habe, greift zu kurz. Heinrich Mann beschreibt den bourgeoisen Unternehmer, dessen Zeit angebrochen war im aufstrebenden, noch nicht vereinigten Deutschland. Ja, diese Zeit hat die Deutschen ebenfalls geprägt, aber diese Prägung geht über Jahrhunderte. Und es geht nicht um einen Bourgeos, sondern um die Arbeiterklasse. Da ist inzwischen eine Menge passiert. Am verheerendsten war doch die Nazizeit mit ihrer „Volksgemeinschaft“, die Klassenantagonismen verwischte. Wo war da die Arbeiterklasse?
    Ihr Mitmachen wirkt bis ins Heute.Und ich denke, man sollte die von den Herrschenden manipulierte Arbeiterklasse mit ihren Existenzängsten nicht als Arschlöcher bezeichnen.

    • Politnick schreibt:

      Die Naziherrschaft wurde Schritt für Schritt errichtet und mit Unterstützung amerikanischer Banken so, dass die Arbeiterklasse kaum jemals eine Chance hatte dies zu verhindern, auch nicht mit Streiks. Insofern teile ich die Meinung A. Abusch nicht, der schrieb, 1930 noch sei die NSDAP „ein Koloss auf tönernen Füßen“ gewesen.

      Genausowenig teile ich die Meinung anderer Geschichtsschreiber, dass der Hitlerputsch 1923 niedergeschlagen wurde — mitnichten wurde er das. In Wirklichkeit stand hinter alledem stets die SPD, die mit ihrem Polizeiapparat selbst das eigene Volk terrorisierte und so war bereits 1923 das Kind längst in dem Brunnen gefallen weil die Finanzierung mit dem nur ein Jahr später beschlossendem Dawesplan eben stand und zwar felsenfest.

      Es mag sein, dass ich mich irre, aber das was heute auf der ganzen Welt und insbesondere in Europa passiert, bestätigt meine Ansicht.

      Freundschaft 😉

  6. Pingback: Darf ich streiken – Saschas Welt | Schramme Journal

  7. Weber schreibt:

    Das ist Tatsache: zum erstenmal wurden in Deutschland gegen hungernde deutsche Demonstranten Tränengasbomben, Giimml- Knüppel, Bajonette Maschinengewehre und Panzerwagen eingesetzt.- Der Stuttgarter Aufstand im Oktober 1948 wurde und wird weiterhin von allen Medien und Politikern verschwiiegen. Hier ein Zeitungsbericht:

    70.000 Werktätige demonstrierten in Stuttgart
    Massenproteste gegen Frankfurt
    Mit Tränengas und Bajonetten gegen Arbeiter / Deutsche Polizei sekundierte amerikanische MP

    Stuttgart 28. Oktober 1948 (ADN) 70 000 Stuttgarter Werktätige folgten am Donnerstagnachmittag dem Ruf ihrer Gewerkschaftsführung, um in öffentlicher Protestkundgebung gegen die Preissteigerungen und die niedrigen Löhne ihren Forderungen nachhaltige Resonanz zu geben. Schon vor Beginn der Kundgebung ruhte in Stuttgart die Arbeit. Auch die Verkehrsmittel lagen still. Der Landtag unterbrach seine Sitzung, in der ebenfalls die Preiserhöhungen zur Debatte stehen.

     Als der Vorsitzende des Ortskartells Stuttgart des württembergisch-badischen Gewerkschaftsbundes, ‚Hans Stetter (SPD), das Wort nahm, war das weite Rund, des Karlsplatzes dicht mit Menschen angefüllt. Über den Köpfen der vielen Tausende leuchteten Transparente mit der Inschrift: „Herunter mit den Preisen und dem „Wirtschaftsdiktator Erhard“. Gemeinsam wollten wir, so erklärte Stetter. die deutsche Heimat nach dem Zusammenbruch aufbauen. Aber der Tatwille der Arbeiter wurde schlecht belohnt. Die Folgeerscheinung der Währungsreform hat uns in trostloses Elend gebracht, für das Professor Erhard die Verantwortung trägt.

     Kursänderung notwendig
     Der Redner forderte eine Planwirtschaft mit vom Staat gelenkten Preisen und sagte, die Behauptung Erhards, daß man unter seiner „freien Marktwirtschaft“ besser lebe als vor der Währungsreform, sei zurückzuweisen. Aus der Menge ertönten in diesem Augenblick Zwischenrufe: „Besseres Leben, ja, aber nur für Erhard und seinesgleichen.“ Zum letztenmal werden wir heute, fuhr Stetter fort, in einem Telegramm den Wirtschaftsrat in Frankfurt auffordern, seinen Kurs zu ändern und durch scharfe Produktionskontrolle dafür zu sorgen; daß an Stelle des Preiswuchers feste Endverkaufspreise der werktätigen Bevölkerung die Möglichkeit geben, ihren Lebensunterhalt zu fristen. Gleichzeitig fordern, wir die Erhöhung der Löhne, Gehälter und Renten. Wenn jemand glaubt, daß Lohnerhöhungen neue Preissteigerungen mit sich bringen würden, so können wir feststellen, rief der Redner aus, daß bisher die Preise auch ohne Lohnerhöhungen dauernd angestiegen sind. Stetter wandte sich dann den amerikanischen Erklärungen zu, daß man den Deutschen „wirkliche Demokratie“ vorexerzieren wolle und erklärte dazu: damit wird eine Demokratie verwirklicht, die keine ist.

     Wenn man von uns verlangt, daß wir besser kritisieren sollen, so erkläre ich, betonte Stetter, daß wir kein Verständnis für Besatzungskosten aufbringen, die über 50 Prozent des Steuereinkommens verschlingen und daß wir kein Verständnis aufbringen für Demontage der Friedensindustrie. Man komme uns nicht, erklärte der Redner weiter, mit der „Sicherheit“.. Wenn man von Sicherheit redet, meint man die Konkurrenzangst. Wo bleibt die Freiheit, von der man uns so viel erzählt, wenn man das Mitbestimmungsrecht, das durch den Willen der Volksvertretung Gesetzeskraft erlangte, durch Aussetzung des Paragraphen über das wirtschaftliche Mitbestimmungsrecht zur Wirkungslosigkeit verdammt? Das sind alles Dinge, die unsere Arbeiterschaft und Jugend keinen Glauben an die „neue Demokratie“ finden lassen, schloß Stetter seine Ausführungen. Als der Vorsitzende des Stuttgarter Gewerkschaftskartells der Menge den Wortlaut des an den Frankfurter Wirtschaftsrat zu richtenden Telegrammes verlas, in dem festgestellt wird, daß die Werktätigen zur Selbsthilfe greifen werden, wenn die Wirtschaftsnot nicht umgehend durch geeignete Maßnahmen abgestellt wird, ertönten von allen Seiten Rufe: „Warum wieder Telegramme und Resolutionen, warum keine Taten? Als das Wort „Selbsthilfe“ fiel,- antworteten die Massen mit: „Aber gleich, warum warten?“

    Landespolizei alarmiert
    Abteilungen der amerikanischen Militärpolizei gingen im Anschluß an die Gewerk- Schaftskundgebung gegen die in der unteren Königstraße demonstrierende Volksmenge mit Tränengas und blanker Waffe vor und versuchten sie auseinanderzutreiben. Die Demonstranten wurden von der Militärpolizei sowie einem deutschen Polizeiaufgebot auf dem Platz vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof zusammengedrängt. Die Stuttgarter Polizeileitung hat, wie von unterrichteter Stelle mitgeteilt wird, „höchste Alarmstufe“ angeordnet und Landespolizei herbeigerufen. Durch das rigorose Vorgehen der amerikanischen Militärpolizei sowie deutscher Polizei gegen die Demonstranten wurde eine Reihe von Personen verletzt Ihre genaue Zahl steht noch nicht fest. Ebenso ist die Zahl der Verhafteten noch nicht bekannt.

     Vor dem Bahnhofsgebäude fuhr die amerikanische Militärpolizei im Kraftwagen vor und säuberte unter Zuhilfenahme der Bajonette den Bahnhofsvorplatz. Als ihr Vorgehen mit Pfui-Rufen und Pfiffen beantwortet wurde, warf sie Tränengasbomben. In den Nebenstraßen ging die Militärpolizei in der gleichen Weise gegen die Ansammlungen vor. Der Stuttgarter Polizeichef Kliß ließ auch deutsche berittene Polizisten einsetzen.
    Neues Deutschland, Fr. 29. Oktober 1948

    http://zefys.staatsbibliothek-berlin.de/ddr-presse/ergebnisanzeige/?purl=SNP2532889X-19481029-0-1-10-0

    • sascha313 schreibt:

      Vielen Dank, Weber, für den ausführlichen Bericht! Das ist genau das, was man heute einigen unter die Nase halten sollte, wenn sie von „Demokratie“ und „Gewaltlosigkeit“ schwatzen.

  8. Peter Drugisch schreibt:

    Es wird Zeit, daß wir mal erwachsen werden. Mami darf ich mir ein Eis kaufen, von dem Geld, das ich selbst mit meiner Hände Arbeit verdient habe? BIIIIITTTTEEEE (in diesem Beispiel ist das Kind 48 Jahre alt) Ich bin der Meinung, es gibt vernünftige Gründe nicht den ganzen Tag ausschliesslich Eis zu essen, auch wenn ich das selbst bezahlt habe, aber ich muß mich vor Niemandem wegen dem gelegentlichen Genuss rechtfertigen. Sowas nennt man Benutzung des eigenen Verstandes. Was ich damit sagen will, wir setzen in allen möglichen Situationen in unserem Leben Autoritäten über uns wie Götter.

    Das ist der von Hanna Fleiss weiter oben beschriebene Untertanengeist. Der zieht sich aber durch unser ganzes Leben. Von der Situation mit dem Eis, bis zu der Gesetzesgläubigkeit. Ich will niemand anstiften, Gesetze zu missachten, aber manchmal stehen Gesetze den Menschenrechten entgegen. #isso

    Wir sollten uns dringend über unsere eigenen „Götter“ (siehe oben) klar werden. Dann werden wir auch langfristig von unserem Chef ernster genommen und wir sollten dieses VIRTUELLE Konstrukt Staat inkl. Gesetze, Verordnungen etc. nicht mehr wie unseren König behandeln. Und unseren Arbeitgeber auch nicht.

    Wenn das alle tun, haben wir eine neue Weltordnung, die das Gegenteil von der bekannten NWO ist. Ich glaube, daß es ohne Gewalt gehen müsste.
    Und ich glaube auch, daß nicht eine wesentliche Firma dabei draufgehen muss.
    Ciao Peter

    • sascha313 schreibt:

      Hallo Peter, heute wird ja schon in Schulen Anti-Eskalationstraining durchgeführt und für Gewaltfreiheit geworben…nur – was ist eigentlich Gewalt? Und wer braucht sie eigentlich? Von wem geht sie aus?

      Siehe hier: „…und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.“ (Goethe)
      und hier: Ist Gewalt zur Verteidigung des Kommunismus unmoralisch?
      Woher kommt die kriminelle Gewalt?

      • Peter Drugisch schreibt:

        Hallo Sascha,

        Gewalt ist für mich immer nur die letzte Möglichkeit und kommt oft in Situationen zum tragen, in denen sich die Leute ohnmächtig fühlen. Am Besten, man bringt sich nicht in Situationen, die eskalieren. Durchsetzen muß man sich aber, wenn es nötig ist.

        Mit Kommunismus hab ich nx am Hut, aber ich bin durchaus für das Gemeinwohl zu haben. Ich finde das Naturrecht sehr interressant, weil da jeder alles machen kann was er will, solange er niemand anders schädigt oder unzumutbar belästigt. Das kann man auch auf Umweltverschmutzung und Raubbau anwenden. Damit ist alles Wesentliche gesagt.
        Wenn jemand diese Grundsätze verletzt, gibt er den Anderen automatisch das Recht Ihn wie auch immer zu massregeln. Ohne einen solchen Verstoss ist Jeder aber vom Gesetz unberührbar.

      • sascha313 schreibt:

        Hallo Peter Drugisch,
        die Frage ist doch: Warum muß man sich denn überhaupt durchsetzen??? Schon Tucholsky sagte: „Kaufen, was einem die Kartelle vorwerfen; lesen, was einem die Zensoren erlauben; glauben, was einem die Kirche und Partei gebieten. Beinkleider werden zur Zeit mittelweit getragen. Freiheit gar nicht.“ (Kurt Tucholsky, Gesammelte Werke in zehn Bänden. Rowohlt Verlag, Hamburg, 1975, Bd.10, S.110.)

        Schön ist das Leben für die, die nur an sich denken, für die Unberührbaren, für die, die hin und wieder ein paar Euro für die armen Kinder in Afrika spenden, für Brot für die Welt oder für die Wale in der Südsee… Ach, wie schön ist es doch nicht mehr zu den Lohnempfängern zu gehören, ein bißchen was Besseres sein zu dürfen…

        Naja, und der Kommunismus ist ja sowieso verrufen – das weiß man ja heute! Wenn man überhaupt etwas weiß. Nur leider ist diese Meinung falsch. Wie das eben so ist mit Vorurteilen. Was ist Kommunismus denn nun wirklich? Siehe hier. Ja, und das „Naturrecht“? Zum Anarchismus hatten wir schon immer eine ablehnende Haltung: Anarchismus oder Sozialismus?

    • Politnick schreibt:

      Nu, lieber Peter,

      leider gibt es in der Geschichte kein einziges Beispiel, wo ein Kapitalist freiwillig auf Profit verzichtet und sein gesamtes Kapital samt Produktionsmittel freiwillig zu Volkseigentum umwandelt.

      Freundschaft 😉

      • Peter Drugisch schreibt:

        Hallo Politnick,
        Da magst Du Recht haben. Wer sagt denn, daß es so laufen muß. Ich glaube, das sind alte Denkmuster, so vonwegen mehr oder weniger gewaltsam enteignen. Vielleicht ist es irgendwann einfach nicht mehr interressant so mega viel Geld anzuhäufen. Die Gesellschaft entwickelt sich.
        Und es gibt durchaus im Mittelstand schon einige Unternehmer, die umdenken und nicht den extremen Profitkurs fahren. Nachhaltigkeit ist ein Stichwort, familienfreundliche Arbeitszeiten,
        geldwerte Vorteile, die nicht berechnet werden.
        Das sind bisher sicher nur Wenige, aber ich sehe einen kleinen Trend.
        Aber ich glaube, daß es auch viel auf die Arbeitnehmer ankommt. Es gibt immer Einen der macht, und Einen der machen lässt.
        Normalerweise gönne ich Dir gerne, recht zu haben, aber in diesem Falle hoffe ich, daß ich recht habe 😉

        Ciao Peter

      • sascha313 schreibt:

        Hoffen und harren hält manchen zum Narren….

  9. ropri schreibt:

    Zu beachten wäre noch eines: Bei der diesjärigen Bilderberger Konferenz ist einer der 5 dt. eingeladenen Teilnehmer doch tatsächlich Frank Brsirske. Das ist zu bezeichnend für den Stand der dt. Gewerkschaften, daß jede Bemerkung dazu überflüssig ist.
    Und auf diesem Stand befindet sich die dt.Arbeiterbewegung – gibt es die überhaupt ernsthaft?

  10. Hanna Fleiss schreibt:

    Peter Drugisch, so dusslig wird ein 48-Jähriger nicht sein, seine 70-jährige Mutter zu fragen, ob er sich ein Eis kaufen darf. Das wäre ja schon psychopathisch. Aber glaubst du allen Ernstes, dass dein Chef dich nicht ernst nimmt?

    Ich denke, das tut er sehr wohl, deshalb wischt er die Dinge vom Tisch, um nicht darüber sprechen zu müssen. Nähme er dich nicht ernst, würde er auf dich eingehen und sich einen Spaß daraus machen. Sieh mal, so ein Unternehmer hat, ob er es eingesteht oder nicht, immer Angst vor der Belegschaft, das sind zu viele für die paar Hansln in der Firma, die ihm die Hände lecken. Er wird immer versuchen, nicht nur jeden Arbeitskampf als Unbotmäßigkeit als illegal zu bezeichnen.

    Und was meinst du damit, dass es auch ohne Gewalt gehen müsste? Meinst du, die Leute sollen nicht streiken? Nein, Streik ist Gewalt, Gegengewalt gegen die Gewalt der Verhältnisse. Und ganz besonders kuschlig finde ich ja deinen letzten Satz. Alles für die Firma? Die dir nicht gehört? Deren Besitzer dich ausbeutet? Das wäre ja – mir fällt da gar nichts anderes als Revolution ein. Und du glaubst allen Ernstes, wenn du mit deinem Ausbeuter verhandelst, wird die Welt gerecht?

    Da fällt mir ein Schauspiel von Helmut Baierl ein, in den siebziger Jahren am Berliner Ensemble aufgeführt: „Frau Flinz“. Frau Flinz will ihre Söhne in der neuen Gesellschaft unterbringen. Zu einem sagt sie: „Du bist langsam, du gehst in die Gewerkschaft.“ So ungefähr, nicht wahr?

    • Peter Drugisch schreibt:

      Hallo Hanna,
      Nein, nimm doch mein Bild mit dem 48 Jährigen nicht so ernst. Ich bin manchmal ein Wortmaler. Ich benutze Übertreibungen, um Prinzipien zu veranschaulichen. Konntest Du natürlich nicht wissen. Aber das Prinzip stimmt schon, sonst würde es in der Welt ganz anders aussehen. Ob mein Chef mich ernst nimmt? Bei meinen ersten beiden Arbeitsstellen war das nicht so, danach immer. Jetzt bin ich mein eigener Chef. Und ich wollte das nicht mehr anders haben. Es ist nicht so, daß ich reich werde, aber genau so, wie es mir passt.

      Zum Streiken. Natürlich mitstreiken. Wenn es sein muss bis zum kompletten Erliegen der Wirtschaft. Kampf um das eigene Recht muss nicht zwangsläufig mit Blutvergiessen einhergehen meinte ich. Aber wenn Du Dich ausgebeutet fühlst, zwinge Deinen Chef auf Deine Augenhöhe und verhandele hart und stimme nur einem Ergebnis zu, das wirklich dem entspricht, was für Dich stimmig ist. Aber das geht nur, wenn alle Arbeitnehmer an einem Strang ziehen. Und das setzt ein gesundes Selbstbewusstsein und eine Gewerkschaft oder Belegschaft mit guten Zähnen vorraus.

      Wenn Du Deinen Chef dazu bringst, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen, wirst Du motiviert zur Arbeit gehen und besser arbeiten, als wenn Du innerlich gekündigt hast. Vielleicht gehst Du sogar gerne zur Arbeit, weil einen Broterwerb brauchst Du vermutlich und den gibt Dir die Firma.
      Ich denke daß Klarheit im eigenen Denken und im Umgang miteinander der Schlüssel ist. Und Entschlossenheit. Aber sich gegenseitig Vorhaltungen machen ist kontraproduktiv. Das Grosskapital schiesst so ins Kraut, weil wir uns den Untertanengeist erhalten haben. Lasst uns sachlich unsere Rechte und Bedürfnisse diskutieren und uns bei Verhandlungen nicht mit nem halben Prozent mehr Lohn, aber dafür mit doppeltem Stress abspeisen.

      Aber ob Ihr es glaubt oder nicht, auch der Chef ist ein Mensch. Der wird nur von einem hartnäckigen Dämon (Achtung Wortbild 😉 ) geritten, der nennt sich Ökonomie. Das ist eine eigene Religion, die ist mit gesundem Menschenverstand nicht erklärbar. Den kann man nur stoppen, und aus seiner Welt rausziehen, um Ihn mit den Problemen der Mitarbeiter zu konfrontieren, aber schlagen wird das Problem nicht lösen. Man kann sogar ein bisschen Mitgefühl für den Armen aufbringen.

      Ich würde um kein Geld der Welt mit nem höheren Manager in einer grossen Firma tauschen! Niemals. Wir arbeiten miteinander, und sich mit dem Chef auseinandersetzen kann konstruktiv sein, wenn man sich respektvoll und selbstbewusst begegnet. Respektvoll heisst nicht, daß man sich alles gefallenlassen muß.

      • sascha313 schreibt:

        Hallo Peter,
        das sind ja Ratschläge wie aus dem Bilderbuch ))) – nur darf man nicht verkennen, daß das Großkapital nicht deswegen so „ins Kraut schießt“, weil die Manager so geldgierig sind, sondern – ganz unabhängig von denen – weil das eine Gesetzmäßigkeit dieser Ausbeutergesellschaft ist.

        Es gab schon im 19. Jahrhundert einige solche blauäugige Unternehmer, die dachten, sie könnten mit Menschlichkeit mehr erreichen als mit unternehmerischer Härte (Robert Owen, Saint-Simon, Fourier). Fourier z.B. war lange Zeit der Meinung, daß die neue Gesellschaft errichtet werden könne, wenn es ihm gelänge, den Bankier Rothschild von der Unsittlichkeit der kapitalistischen Ausbeutung zu überzeugen. Was war das Ergebnis? Sie alle sind gescheitert. Man hat sie damals als utopische Sozialisten bezeichnet. Sie kannten die Gesetzmäßigkeiten noch nicht und glaubten, sich darüber hinwegsetzen zu können. Irrtum!

        Ein privater Unternehmer kann sich nicht anders verhalten, als es die kapitalistische Ordnung erfordert. Würde er auf den Profit verzichten oder sich mit wenig Profit zufriedengeben, könnte er im Konkurrenzkampf nicht bestehen. Es würde nicht lange dauern und er würde von den größeren, mächtigeren Kapitalisten verschlungen werden.

        Natürlich spielt das persönliche Verhalten eines Unternehmers eine gewisse Rolle. Aber das Streben nach höchstmöglichem Profit, der unüberbrückbare Gegensatz zwischen Kapitalisten und Arbeiterklasse (oder sagen wir: Lohnempfängern) ergibt sich nicht aus der persönlichen Haltung einzelner Kapitalisten, sondern entspringt mit unabänderlicher Notwendigkeit aus der kapitalistischen Ordnung, in erster Linie aus den Eigentumsverhältnissen.

        Das ist keine Magie oder Religion, es ist das ökonomische Grundgesetz des Kapitalismus – und es ist alles erklärbar!

      • Politnick schreibt:

        Hi Peter,

        uim es mal vereinfacht auszudrücken: Wir leben in einer bürgerlichen Demokratie. Das heißt, immer dann wenn Wahlen sind, wählt nicht das Volk seine Volksverteter sondern das Bürgertum wählt diejenigen die die Interessen des Bürgertums vertreten. Stets bleiben dabei die Besitzverhältnisse an Produktionsmitteln unangetastet und ebensowenig käme dadurch eine andere Klasse an die Macht und das Volk schonmal gar nicht.

        Auf diese Art und Weise ist und bleibt Deutschland ein politisch rückständiges Land, obwohl der gesellschaftliche Fortschritt bereits seit Jahrhunderten an die Tür klopft.

        Freundschaft 😉

  11. Peter Drugisch schreibt:

    an sascha313
    27. Juni 2017 um 17:12

    Hallo Sascha,
    Ja, Vorschläge wie aus dem Bilderbuch. Ich glaube an das Potential des Menschen. Ich glaube daran, daß jeder Mensch sich selbst verwirklichen kann. Das glaube ich wirklich.

    Doch das wird nix, wenn wir uns psychologisch vermassen lassen. Damit meine ich, daß wir selbst glauben, daß wir eine Herde sind, die geführt werden kann. Und daß es Hirten gibt, welche das Recht haben uns zu führen. Wenn JEDER Mensch die Verantwortung für sein Leben übernimmt, werden die Grosskapitalisten Probleme haben, die Menschen gegeneinander auszuspielen, um sie zu spalten und dann zu kontrollieren. Wenn die Menschen ihr Leben selbst gestalten, wird es vielleicht irgendwann nicht mehr so viele Mammutfirmen geben, sondern viele kleine kreative Firmen, die bei grösseren Projekten zusammenarbeiten, um die entsprechende Manpower zu erreichen.

    Zur Ökonomie:
    Die Ökonomie hat natürlich Gesetze. Das hat der Darwinismus auch. Aber sowohl diese Gesetze, als auch die Newtonschen Gesetze wurden von der geistigen Entwicklung der Menschheit eingeholt und gelten als zumindestens nur teilrichtig. Die ökonomischen Gesetze begründen eine Denkrichtung, die religionsähnliche Züge hat. Eine Religion, die den Hohepriestern erlaubt, ihren Göttern Blutopfer zu bringen. Ich bin mir sicher daß die Menschen sich irgendann nicht mehr zum Opferaltar führen lassen. Nur den Zeitpunkt kenne ich nicht.

    Daß man wirtschaftlich sinnvoll mit Ressourcen umgeht und ein sinnvolles Zeitmanagement durchführt etc. diktiert der gesunde Menschenverstand. Aber wofür ist es zwingend notwendig, daß der Gewinn mehrere Milliarden Euros oder Dollar beträgt? Die Aktionäre wollen das, aber das hat mit wirtschaftlicher Notwendigkeit nichts zu tun.

    Ich weiß, ich bin ein Idealist und vielleicht verlange ich zu viel von den Menschen. Aber warum buckeln wir, als würden wir ausgepeitscht, wenn wir unsere Interessen vertreten. Lasst Euch nicht verarschen, die moderne Ökonomie ist nicht so alternativlos wie immer behauptet wird.

    Bitte versteht das, was ich schreibe, nicht als Besserwisserei oder sowas. Das ist nicht so gemeint. Ich denke nur, daß man sich in so einem „man kann ja doch nix ändern“ Gedankenkarussel jahrelang drehen kann und es verändert sich auch nichts. Und ich denke, Revolution ist nicht die Lösung. Vielmehr Evolution. Der Mensch darf und wird sich in seinem Selbstverständnis weiterentwickeln.
    Dafür lebe ich jeden Tag.

    In diesem Sinne
    Peter

    • sascha313 schreibt:

      Lieber Peter Drugisch,
      Nicht, daß ich es für Besserwisserei halte – nur, ich bin erstaunt, zu welchen Resultaten die bürgerliche Ideologie bereits geführt hat.

      Als Gorbatschow einst mit seinem „Neuen Denken“ daherkam, erschien er manchen wie ein Messias. Ich habe das in der DDR selbst miterlebt. Was war das Resultat? Was schon zusehends schlechter lief in der Sowjetunion („dank“ der Abweichungen vom Sozialismus nach der Ermordung Stalins) führte nach der offenen Konterrevolution 1990 (und bis heute) zu einem millionenfachen Absturz der Menschen in die Armut: Ganze Landstriche verödeten, Industrien wurden stillgelegt. IKEA und Metro zogen ein und machten wahnsinnige Gewinne, Milliardäre schossen wie die Pilze aus dem Boden (nicht zu Tausenden, sondern nur zu wenigen Dutzend!), Enteignungen und Privatisierungen (des Volkseigentums) sind bis heute nicht beendet usw. usf. – und ich kenne dieses Land! Ist das die Evolution? Soll das die Zukunft sein?

      Ich will gar nicht von den Kriegen reden, die nach der Konterrevolution überall auf der Welt ausgebrochen sind – das war doch kein Zufall! Immerhin haben die USA nun überall auf der Welt (nicht nur in Europa! Sprich NATO-Osterweiterung) massive Militärmachtstützpunkte – auch mit Atomraketen! Ist das die Perspektive?

      Man will uns glauben machen, jeder solle und könne seine Verantwortung für sich wahrnehmen… ja bitte – dann fragen Sie doch mal einen ausgebeuteten Arbeiter (und das sind sie alle – nicht nur in Afrika und Bangladesh!), wie sie das machen wollen, wenn sie, um ihre Familie zu ernähren, gezwungen sind, für einen Hungerlohn zu arbeiten. Nein, Peter Drugisch, das funktioniert nicht!

      Das Gedankenkarussell dreht sich zur Zeit nur und ausschließlich um die bürgerliche Ideologie. Das wenige, was wir ererbt haben vom Sozialismus – und es waren immerhin 100 Jahre! – hat uns gelehrt, die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten zu erkennen. Und die Richtigkeit der wissenschaftlichen Erkenntnisse von Marx und Engels kam vielen (und damit meine ich die DDR-Bürger) erst wieder zu Bewußtsein, als sie dem Arbeitsmarkt ausgeliefert waren.

      Wer das Geld hat, hat die Macht. Und wer die Macht hat, entscheidet wo’s langgeht. Das war schon immer so. Und Geld fällt nunmal nicht vom Himmel, ist auch nicht allein auf Fleiß zurückzuführen, sondern einzig und allein auf die Besitzverhältnisse, konkret: auf den Besitz an Produktionsmitteln. Denn nur damit läßt sich Profit machen.

      Die Gesetzmäßigkeiten werden immer besser erkannt, das ist ja nicht verwunderlich, aber wir werden wohl kaum zu der „Erkenntnis“ von Ptolomäus zurückkehren wollen, in dem Glauben, die Erde stünde im Mittelpunkt. Wenngleich es solche „Überlegungen“, oder besser gesagt: eine solche Propaganda (z.B. den Kreationismus) in den rückständigsten Teilen der Welt wieder mal (oder immer noch) gibt.

      Wenn Sie Idealist sind, dann ist das im positiven (nicht aber im philosophischen) Sinne ja nicht schlecht. Im Gegenteil – es ist sehr nützlich. Im philosophischen Sinne aber ist es falsch, denn das Sein bestimmt das Bewußtsein, und nicht umgekehrt!

      Ich werde Sie nicht überzeugen können, denn Sie sind auch nur Teil dieser riesigen und weltweit vernetzten Propagandamaschine der bürgerlichen Gesellschaft, die seit Jahrzehnten nun immer wieder diese gleichen Paradigmen wiederholt: „Du schaffst es, wenn du willst!“, „Alles ist erreichbar!“, „Erfolg durch positives Denken“, „Das Prinzip Gewinnen“, „Du bist besser als du denkst“ usw. – der Verblödung und Vernebelung sind hier offenbar keine Grenzen gesetzt.

      Also nichts für ungut. In diesem Sinne leben wir! Und es ist auch nicht das Ziel, die Menschen gewaltsam zu verändern; jeder muß seine Erfahrungen mit dem Kapitalismus selber machen. Aber verändern, und zwar zum Besseren – und nicht nur für die „Eliten“ und bisherigen Nutznießer dieser unserer Sozietät, sondern insbesondere für die millionenfach ausgebeuteten Massen, werden nur diejenigen, die erkannt haben, was „die Welt im Innersten zusammenhält“, um ein Wort von Goethe zu verwenden.

      In diesem Sinne
      Sascha

      • Rheinlaender schreibt:

        Super gut – und vor allem nett – erklärt lieber Sascha.
        1) Die ganzen Lebensratgeber wie „positives Denken“, „DU schaffst alles, wenn Du nur willst“, „Die besten Bewerbungs Tips“, „Wie man Freunde gewinnt“, „Die Kunst ein oder auch kein Egoist zu sein“, „Kraft durch Meditation / Yoga / esoblödische Gurus …“ HATTEN immer dann Hochkonjunktur, wenn wieder mal eine grausame kapitalistische Krise stattfindet. Dann machen die Ratgeber, Wunderheiler und Bauernfänger richtig Kasse. Diese VOLKS-Verblödung lässt sich locker bis 1870 zurückverfolgen. Es gab/gibt ja auch für kranke Narzissten Sendungen, wie Deutschland sucht den Superstar, German next Topmodel, Dschungel Camp oder Big Brother.
        2) Selbst bürgerliche Ärzte, Psychiater und Geisteswissenschaftler warnen unter anderem vor der Gefahr des positiven Denkens. Ganze Irrenhäuser sind voll mit spirituellen Opfern. Stichwort zum googeln „wenn positives Denken krank macht“.
        3) Unter 1) habe ich HATTEN gross geschrieben, weil immer weniger Leute – auch in den USA – diesen egoistisch, individuellen Blödsinn mehr glauben wollen. So glauben die Deutschen nach Umfragen – seit Jahren -, dass Herkunft und vor allem Beziehungen für Erfolg wichtig sind. Und eben NICHT individuelle Leistung.
        Auf Deutsch: Selbst durch das Lesen von tausend Bewerbungs-ratgebern entsteht KEIN einziger Arbeitsplatz. Auch wenn Du jeden Tag 8 Stunden auf einer stinkigen Yogamatte vom ALDI/LIDL/Penny-Markt meditierst, geht Deine Altersarmut nicht weg.
        4) Die ganzen Bewerbungs- und Lebensratgeber hetzen die Lohnabhängigen und kleinen Selbständigen nur gegeneinander auf. In keinem der kapitalistische HETZ-„Ratgeber“ steht etwas von Solidarität oder gemeinsamen Kampf. Das Wort Kapitalisten-Klasse ist bei denen sogar verhasst, z.Bsp.: Der beliebte Daniele Ganser aus der Schweiz. Der ist ein dummer Pazifist. Leider leugnen auch fast alle alternativen Medien die Existenz einer Ausbeuter-Klasse.

      • Doed schreibt:

        Hallo Rheinlaender,
        diese Magazine hetzen nicht nur gegeneinander auf, sondern sie führen dazu, dass man sich gegen einen selbst stellt und sich allein die schuld zuschiebt, statt die Verhältnisse zu hinterfragen. Herauskommen dann Burnout, Depressionen, Drogenkonsum usw.

    • Doed schreibt:

      Peter Drugisch,
      wie ich herauslesen kann, haben Sie sich nur äußerst wenig mit der sozialistischen Theorie befasst. Ich halte ihre Anschauung für recht blauäugig. In gewisser Weise kann ich es verstehen, wenn Marx hat eine fürchterliche Sprache angewandt, weil seine Text nicht massenkompatibel sind. Für eine Übersicht empfehle ich den Anti-Dühring von Friedrich Engels, den man ganz gut kostenlos auf diversen Seiten finden kann.
      Sascha hat im Grunde alles wichtige gesagt, vor allem mit der Situation eines Lohnabhängigen, der durch drohenden Existenzverlust, eine viel schlechtere Verhandlungsposition hat. Das Arbeitsamt heutzutage befördert sogar durch Sanktionen diese Angst und macht sogar (zusätzlich durch Aufstockungen) den Markt kaputt, weil die Arbeit eigentlich gar nicht verrichtet werden dürfte. Wäre die Nachfrage da, wäre der Arbeitsplatz ja einfach zu finanzieren.

  12. Hanna Fleiss schreibt:

    Rheinlaender, was ich außerdem bemerkt habe: Dadurch, dass alles Handeln auf die individuelle und psychologische Schiene geschoben wird, vernebelt man das Denken der Menschen, macht sie für „ihr Schicksal selbst verantwortlich“ – nach dem Motto „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Gesellschaftliche Zusammenhänge werden in diesen Ratgebern vermieden wie die Pest. Du schreibst das ja, und da ist es kein Wunder, dass Peter Drugisch, der es nach meinem Eindruck bestimmt ehrlich meint mit seinen Ansichten und nicht provozieren will, nur zu Schlüssen kommen kann, die genau auf dieser Linie liegen.

    Und was du von Daniele Ganser schreibst, ist mir von Anfang an aufgefallen. Es sind solche Leute, die „die andere Meinung“ äußern dürfen, so „Meinungsfreiheit“ demonstrierend – im Grunde sind auch sie Handlanger der bürgerlichen Gesellschaft. Wehe, er würde tiefer gehen, an den Wurzeln des Systems kratzen.

    Auch der von allen Seiten hochgelobte Erich Fromm war nichts anderes als ein bürgerlicher, antikommunistischer Hetzer im psychologischen Gewande. Erinnert sei an sein Machwerk zu Stalin und Hitler „Die Anatomie der menschlichen Destruktivität“, in dem er nicht nur Hitler und auch Stalin psychopathologische Züge bescheinigt, die Totalititarismustheorie bedient, die gesellschaftlichen Zusammenhänge ansonsten völlig außer acht lässt und somit ganz auf der Linie der veröffentlichten Meinung liegt – ebenfalls ein Handlanger des bürgerlich-kapitalistischen Systems. Sein „Haben oder Sein“ – DAS Standardwerk zur Kritik der bürgerlichen Gesellschaft in westdeutschen bürgerlich-intellektuellen Kreisen – wird immer wieder angeführt, um zu beweisen, was für ein „hervorragender Kritiker“ der Gesellschaft er doch sei.

    Dabei bleibt auch er genau wie die vielen anderen psychologisch geschminkten Schnauzen an der Oberfläche, wenn er weismachen will, dass sich der Mensch nur selbst ändern müsse, damit die Welt eine andere würde. Seine Vorstellungen von einer „anderen Welt“ gehen immer davon aus, dass der Kapitalismus die einzig wahre Gesellschaftsform sein kann, die allerdings ein paar Macken hat, die man endlich beseitigen müsse, indem man sich selbst ändere (und damit die Welt!) und schon wäre das Leben wieder tutti paletti.

    • Rheinlaender schreibt:

      Danke Hanna für das Beispiel mit Erich Fromm. Gerade Ende 60 bis Anfang der 80er gab es in der BRD einen traurigen Wettbewerb unter den bürgerlichen LINKEN. Der hiess : Wer hetzt am besten und am meisten über den realen Sozialismus.
      Jeder feige, verkrachte und PSYCHISCH kranke Student schrieb auf einmal ein pseudo linkes Buch zur „perfekten“ Weltverbesserung. Selbstverliebte – also – schwer kranke Narzissten wie Erich Fromm waren
      auf einmal die Super Stars der kapitalistischen Linke.
      Keiner dieser feigen Weicheier hatte den Mut die DDR oder Stalin positiv zu erwähnen. Ich fand damals den anti autoritären Charakter dieser Leute sehr gut. Denn der konservative Terror war unerträglich. Aber selbst da haben diese Leute total versagt.
      Was sich Lehrlinge / Auszubildende – vor allem im Handwerk und sogenannte Dienstleistungsbereich . gefallen lassen müssen, ist schlimmer als vor 40 Jahren.
      Trotzdem finde ich, dass Ganser / Jebsen gute Arbeit machen, was Aufklärung über Imperialismus angeht.
      Was hätst Du denn von dem Video, was hier https://www.youtube.com/watch?v=ZcTQm1TMgr8 verlinkt ist ?

    • Rheinlaender schreibt:

      Danke Hanna für das Beispiel mit Erich Fromm. Gerade Ende 60 bis Anfang der 80er gab es in der BRD einen traurigen Wettbewerb unter den bürgerlichen LINKEN. Der hiess : Wer hetzt am besten und am meisten über den realen Sozialismus.
      Jeder feige, verkrachte und PSYCHISCH kranke Student schrieb auf einmal ein pseudo linkes Buch zur „perfekten“ Weltverbesserung. Selbstverliebte – also – schwer kranke Narzissten wie Erich Fromm waren
      auf einmal die Super Stars der kapitalistischen Linke.
      Keiner dieser feigen Weicheier hatte den Mut die DDR oder Stalin positiv zu erwähnen. Ich fand damals den anti autoritären Charakter dieser Leute sehr gut. Denn der konservative Terror war unerträglich. Aber selbst da haben diese Leute total versagt.
      Was sich Lehrlinge / Auszubildende – vor allem im Handwerk und sogenannte Dienstleistungsbereich . gefallen lassen müssen, ist schlimmer als vor 40 Jahren.
      Trotzdem finde ich, dass die Schwätzer Ganser / Jebsen gute Arbeit machen, was Aufklärung über Imperialismus angeht.
      Was hältst Du denn von dem Video, was hier https://www.youtube.com/watch?v=ZcTQm1TMgr8 verlinkt ist ?

  13. Hanna Fleiss schreibt:

    Rheinlaender, ich habe mir den Film angesehen. Nun habe ich von der Tätigkeit der Kombinatsdirektoren in der DDR nur ganz allgemeines Wissen. Natürlich wurde angesprochen, dass die es nicht immer leicht hatten. Es gab ja auch nicht nur Intelligentes von oben. Kritisch sehe ich Blessings Aussage zur Planwirtschaft. Er will vermutlich „mehr Eigenverantwortung“ der Kombinate und Betriebe, aber wie sich das mit der Planwirtschaft vereinbaren lässt, bleibt offen. Ich gebe Blessing recht, wenn er sagt, die Vorzüge des Sozialismus bestehen nicht im Konsumieren wie im Kapitalismus, sondern eher im Sozialen und Gesellschaftlichen. Es war aber so, dass immer am Westen orientiert wurde, und das ging natürlich hin zum Konsumieren. Da musste sich keiner wundern, dass so viele DDR-Bürger die DDR aufgegeben hatten und Westbürger werden wollten. Das „Besser leben“ wurde ja ständig als Ziel ausgegeben.
    Der Interviewer zeigt an Hand der Zahlen im Vergleich zur BRD, dass all das Gerede von maroder Wirtschaft und Verschuldung im Westen gar nicht das Problem der DDR war, sondern nur als Delegitimierungsvehikel dient. Im großen und ganzen aber war mir vieles überhaupt nicht neu, und ich denke, die Aussagen in dem Interview sind hinsichtlich der DDR nicht übertrieben und glaubwürdig.

  14. sascha313 schreibt:

    Der Film spricht für sich. Allerdings wird es einem westlich geprägten Zuhörer schwerfallen, die prinzipiellen Unterschiede zwischen Kapitalismus und Sozialismus zu verstehen (was hier irgendwie doch vorausgesetzt wird). Dem wäre dienlich gewesen, wenn das Gesagte durch Einfügungen auch bildlich dargestellt worden wäre. Damit wäre das Deligitimierungsgeschwätz ein für alle mal erledigt. Aber gut.

    Doch was heißt „mehr Eigenverantwortung“? Hatten sie die etwa nicht? Daß Günter Mittag einen autoritären Leritungsstil bevorzugte, ist zwar bekannt, aber das berechtigt nicht zu sagen, die Kombinatsdirektoren seien bevormundet worden. Prof. Ehrhardt Gißke z.B., der Baudirektor von Berlin, äußerte sich dazu sehr klar: „…ohne die Autorität der Staatsmacht, ohne zentrale Entscheidungen ist der Aufbau der Friedrichstraße mit den Verflechtungen der Infrasstruktur… (usw. usf.) … unmöglich.“ und weiter: „Im Vorfeld der Entscheidung muß ich meinen Standpunkt vertreten und um die Durchsetzung meiner Meinung kämpfen. Ist das Problem beraten und die Anweisung erteilt, habe ich die Ausführung zu organisieren. Ich gebe zu, daß mir das manchmal schwerfällt. Aber ich respektiere die Entscheidung und setze sie um.“ (E. Gißke: Bauen – mein Leben. Dietz Verlag Berlin, 1987, S.183)

  15. Hanna Fleiss schreibt:

    Sascha, ich weiß nicht, wer Blessing ist, welcher Strömung man ihn zurechnen muss. Er macht etliche gescheite Aussagen, aber über diesen Punkt bin ich auch gestolpert. Das geht zu sehr in Richtung Linkspartei (mit der Vorstellung: ohne Planwirtschaft, die ganze Wirtschaft in Genossenschaften aufgeteilt, jeder sein eigener genossenschaftlicher Kapitalist).

    • sascha313 schreibt:

      Ist auch mein Eindruck. In dem Video werden mir von den beiden Befragten zu viele unklare Aussagen gemacht…

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Sascha, das ist eben die Crux heutzutage, jeder geht irgendwie in Deckung, um nicht angegriffen zu werden. Aber das war auch mein Eindruck, da war vieles unklar (oder viel zu klar?), nicht nur bei diesem angesprochenen Punkt. Man begnügt sich ja heute schon, wenn einer nicht als offener Feind der DDR auftritt. Aber so etwas hat natürlich auch seine Tücken, die Theorien und Erfahrungen aus der Wirklichkeit werden verwässert bis zur Unkenntlichkeit. Wie gesagt, ich habe ihn während des Gesprächs im ganzen der Linkspartei zugerechnet.

      • sascha313 schreibt:

        …und sie bezeichnen sich gerne als „Kommunisten“ – Wie kriegt man nun heraus, was sie wirklich sind? Indem man ihr Gerede als das sieht, was es ist: Geschwätz auf höherer Ebene, ohne jegliche Konsequenz! Vielleicht geeignet für ein neues, ebenso belangloses „Sachbuch“ über die DDR.

        Das beginnt mit den Oberflächlichkeiten und Banalitäten in der Haltung zu eigenen Geschichte und das potenziert sich angesichts der Umbrüche in der Entwicklung der PK (Roboterisierung), der PV (der Arbeitsinhalte, der Arbeitsteilung, der sozialen Beziehungen) und des Niveaus der Organisiertheit eines revolutionären Vortrupps einer Arbeiterschaft, die erst wieder Klasse werden muß.

        Hier wird also gar nichts zur Klärung beigetragen, was auch nur annähernd an Karl Marx und Friedrich Engels heranreicht!

  16. Peter Drugisch schreibt:

    Hallo Leute,
    sascha313 schreibt:
    30. Juni 2017 um 9:04
    „…….Ermordung Stalins) führte nach der offenen Konterrevolution 1990 (und bis heute) zu einem millionenfachen Absturz der Menschen in die Armut: Ganze Landstriche verödeten, Industrien wurden stillgelegt. IKEA und Metro zogen ein und machten wahnsinnige Gewinne, Milliardäre schossen wie die Pilze aus dem Boden (nicht zu Tausenden, sondern nur zu wenigen Dutzend!), Enteignungen und Privatisierungen (des Volkseigentums) sind bis heute nicht beendet usw. usf.“

    Ja, das ist wirklich tragisch. Und ich bleibe dabei, wir lassen es auch mit uns machen. Die Menschen, die darunter leiden sind die MEHRHEIT. Wir beschweren uns, daß niemand lieb zu uns ist und folgen den Regeln eines Systems, in dem nie vorgesehen war, daß wir eine freie Wahl haben. Wir legen das Geld, was wir von unseren Herren bekommen in Produkte und Dienstleistungen an, die unsere Herren uns anbieten. Diese Produkte und Dienstleistungen sind komplett standardisiert und wir werden durch den Konsum der Medienangebote etc. verdummt und passiv gemacht. Und wenn doch mal einer überreagiert, wird er aus dem Verkehr gezogen und stigmatisiert. Ein Einzelner ist immer verwundbar. Und wir glauben noch an dieses Stigma. Die Menschen sind durch den Pychokrieg nicht mehr solidarisch. Das alte Teile und Herrsche Spiel. Wenn wir aus dem Spiel LANGFRISTIG aussteigen und einfach nicht mehr mitmachen, läuft die Maschine ins Leere.

    Ich zum Beispiel lasse bewußt mein Auto bei einem kleinen Schrauber reparieren, kaufe wenn ich mir das leisten kann meine Lebensmittel regional, wenn möglich direkt beim Erzeuger, das ist nicht zwingend teurer, ganz im Gegenteil. Ich habe kein Sky, Amazon Prime etc.und kaufe wenn irgendwie möglich gebrauchte Geräte, Fahrrad etc. Dann landet mein Geld wieder beim kleinen Mann. Die Leute, die Lebensmittel aus Müllkontainern retten sparen sogar Geld. Ich gehe nicht zu Ikea, wenn es sich vermeiden lässt. Ich weiss, das rettet die Welt nicht, aber dieses SCHNELLER HÖHER WEITER System ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber es wird am Leben gehalten, weil wir das Rad ständig neu anschubsen.

    „Wer das Geld hat, hat die Macht. Und wer die Macht hat, entscheidet wo’s langgeht. .“

    Dem habe ich nichts hinzuzufügen…. Doch noch etwas Kleines. Dieses kapitalistische Konzept, die Unternehmer müssen Geld verdienen, um es nach unten weitergeben zu können, hat noch nie funktioniert.

    „Wenn Sie Idealist sind, dann ist das im positiven (nicht aber im philosophischen) Sinne ja nicht schlecht. Im Gegenteil – es ist sehr nützlich.“

    Ich glaube ich bin Idealist, da haben Sie mich erwischt 😉 Idealismus ist in meiner Welt, wenn man aus einer Überzeugung heraus das macht, was man für richtig hält. Das kann die eigene Welt durchaus massiv gestalten. Das hat mit Philosophie nicht viel zu tun.

    „Im philosophischen Sinne aber ist es falsch, denn das Sein bestimmt das Bewußtsein, und nicht umgekehrt!“

    Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, halte ich diese Behauptung für nicht haltbar. Ich glaube daß eine schlimme Situation den Pessimisten noch depressiver macht und den Optimisten anspornt. Es kommt immer auf die geistige Grundeinstellung an. Das ist jetzt eine Behauptung von mir 😉 Wobei, vielleicht habe ich auch falsch verstanden, wie Sie Sein verstehen.

    „Ich werde Sie nicht überzeugen können, denn Sie sind auch nur Teil dieser riesigen und weltweit vernetzten Propagandamaschine der bürgerlichen Gesellschaft, die seit Jahrzehnten nun immer wieder diese gleichen Paradigmen wiederholt: „Du schaffst es, wenn du willst!“, „Alles ist erreichbar!“, „Erfolg durch positives Denken“, „Das Prinzip Gewinnen“, „Du bist besser als du denkst“ usw. – der Verblödung und Vernebelung sind hier offenbar keine Grenzen gesetzt.“

    Öhm, also meine Geschichte in Stichworten: Ausbildung zum Physiotherapeuten, ein Jahr Arbeit als PT, mit der Chefin verkracht, ein Jahr als Zeitarbeiter mit Stundenlohn 6,85€ , sieben Jahre als Staplerfahrer bei drei verschiedenen Firmen, anschliessend bis heute wieder PT, diesmal selbständig. Und glauben Sie mir, ich habe in der Industrie mehr verdient, als ein angestellter PT verdient. Das, was sich geändert hat ist meine Einstellung und, daß ich nicht meht so in dem Hierarchiendenken gefangen bin. Das Prinzip Gewinnen? Muß ich sagen hat mich niemals glücklich gemacht. Das macht niemanden wirklich glücklich.

    „Also nichts für ungut. In diesem Sinne leben wir! Und es ist auch nicht das Ziel, die Menschen gewaltsam zu verändern; jeder muß seine Erfahrungen mit dem Kapitalismus selber machen. Aber verändern, und zwar zum Besseren – und nicht nur für die „Eliten“ und bisherigen Nutznießer dieser unserer Sozietät, sondern insbesondere für die millionenfach Ausgebeuteten“

    Die Veränderung kann nicht schnell kommen, eben Evolution. Ich habe aufgehört, Autoritäten zu viel zu glauben. Auch wenn viele kluge Leute in der Vergangenheit viele kluge Dinge gesagt haben, welche früher vollständig richtig waren, hat sich die Welt weitergedreht. Diese alte Rhetorik und das alte Denken mögen von den Grundideen noch richtig sein, aber man sollte das Ganze der Zeit anpassen. Und vor vor allem sollte man in seine Welt hineinWACHSEN. Ich glaube, man kann Menschen nur retten, wenn die auch bereit sind die entsprechenden Schritte zu gehen. Eltern halten ihre Hände schützend über ihre Kinder, bis die selbständig werden. Dann machen die ihr eigenes Ding. Und dann wehren die sich gegen die Eingriffs- und Hilfsversuche der Eltern. Mit Recht. Und damit kommen wir zu den Motivationscoaches etc. Natürlich funktioniert sowas nicht. Einen Satz immer wieder sagen bringt keine Lösungen. Die meisten Menschen wollen nicht gerettet werden, weil sie nicht auf eigene Verantwortung danach weitermachen wollen. Als Beispiel finde ich den Drogenkonsum sehr aufschlussreich. Ich kenne ein paar Leute, die schon mehrfach aufgehört haben zu rauchen. Da hört man, ich habe es mit Akupunktur, Hypnose, Kopfstand versucht, hat alles nix geholfen. Ich kenne zwei (!!!) Menschen, die haben einfach aufgehört. Obwohl sie vorher 30 Jahre stark geraucht haben. Entweder Du bist ausreichend motiviert oder nicht. Wenn die Kraft von innen kommt, geht das auch.

    „…….werden nur diejenigen, die erkannt haben, was „die Welt im Innersten zusammenhält“, um ein Wort von Goethe zu verwenden. „

    🙂 Einer meiner Lieblingssätze in der deutschen Literatur.
    Meiner Meinung nach ist jeder sein eigenes Universum. Es gibt keinen Standard, wie der Einzelne in seine souveräne Lebensgestaltung kommt. Und es gibt auch keinen Standard, was die Welt im innersten zusammenhält. Das mag bei jedem durchaus unterschiedlich sein. Der gemeinsame Nenner, nennen wir ihn mal Urgrund, ist so variantenreich, daß der Mensch nicht in der Lage ist, dafür Gesetzmässigkeiten zu formulieren. Und die Bezeichnung Gott wird dem nicht ansatzweise gerecht. Dieses Wort wurde von Menschen mit einer bestimmten Ideologie geprägt. Dazu kommt, daß ein Wort in seiner ursprünglichen Bedeutung verfälscht, korrumpiert und völlig verändert werden kann. Darum benutze ich das Wort nicht mehr.

    Das, was ich meine, ist der Funke Bewußtsein, der uns erkennen lässt, was wir für richtig erachten und uns die Kraft gibt es durchzutragen. Möge es im kommunistischen- oder im kapitalistischen- oder ganz ausserhalb dieser Denkkonzepte sein. Und eine Schafherde wird erst vom Wolf verschont, wenn die Mehrheit aufgehört hat ein Fluchttier zu sein.

    • sascha313 schreibt:

      Tja nun – schön, daß Sie so genau auf alles eingehen. Sie haben aber sicher auch gemerkt, daß gleiche oder ähnliche Begriffe oft eine völig andere Bedeutung haben. Es gibt also nun zwei Möglichkeiten: entweder wir bleiben beim Thema „Streiken“, was ich für gerechtfertigt halte, oder aber wir müßten uns erst einmal über ein paar Grundbegriffe verständigen, um nicht aneinander vorbeizureden…..

      Worum geht es? Sie wissen, daß wir vom Standpunkt der marxistisch-leninistischen Philosophie ausgehen. Was damit gemeint ist, darüber müßten wir uns also zunächst verständigen, bevor wir über die menschliche Psyche reden. Des weiteren wäre zu klären, warum wir hier von „Gesetzmäßigkeiten der menschlichen Gesellschaft“ reden, und warum das eben kein heilloses Durcheinder ist, d.h. wir müßten darüber reden, was wir mit Kapitalismus meinen.

      Ich mache es mir also jetzt sehr einfach, denn alles ist bereits beantwortet. Hier also ein paar Fragen und die Antworten darauf:
      1. Philosophisches. Was ist Wahrheit?
      2. Was verstehen wir unter Gesetzen der menschlichen Gesellschaft?
      3. Und was ist das Grundgesetz des Kapitalismus?
      4. Was können wir verändern? Oder: Warum gibt es überhaupt Streiks?

  17. Peter Drugisch schreibt:

    Ach ja, der Artikel heisst doch darf ich bitte mal streiken, wollte ich nur nochmal in Erinnerung gerufen haben……

  18. Hanna Fleiss schreibt:

    Sascha, sie haben eine Kommunistische Plattform, die letztlich aber antikommunistisch ist, aber im allgemeinen bezeichnen sie sich selbst nicht als Kommunisten, sondern als Sozialisten, werden aber von der Allgemeinheit als Kommunisten wahrgenommen. Was Sozialisten in der bundesdeutschen Parteienlandschaft heißen soll, weiß ich nicht, aber ich denke, sie getrauen sich noch nicht, sich offen als Sozialdemokraten zu bezeichnen. Dann hätten sie nämlich bei den Leuten, die in der Linkspartei ihre letzte Hoffnung sehen, weil sie im Bundestag große Worte gegen die Politik der Bundesregierung tönen, speziell Sahra Wagenknecht, auf der Stelle – pardon – verschissen.

    • sascha313 schreibt:

      Natürlich hätten sie es bei denen verschissen, die immer noch an solche Schwätzer glauben, die aller Welt von ihrem angeblichen „Zielen“, von „sozialer Gerechtigkeit“ und einer „Umverteilung“ erzählen, was aber nichts anderes ist als eine Fata Morgana!

      Auch die „junge Welt“ rühmte sich gestern dessen, man habe sie als „linksextrem“ und „kommunistisch“ eingestuft. Da sieht man mal wieder, wie sehr sich die herrschende Klasse vor den richtigen Kommunisten fürchtet, wenn sie schon deren glanzlose Schatten für „gefährlich“ hält! Das ist doch mal was, nicht wahr?

  19. Hanna Fleiss schreibt:

    Sascha, es gibt so einige Leute, die alles Heil von der Linkspartei erwarten. Ob sie allerdings die Linkspartei zum Bundestag wählen, das steht auf einem anderen Blatt. Da reicht es schon, wenn sie vom BGE träumen, die Linkspartei, Kipping, führt ja da das große Wort. Und wenn ihnen gar nichts bleibt, dann immer noch die Fata Morgana.

    Natürlich haben die Regierenden vor nichts so viel Angst wie vor der DDR, obwohl sie nicht mehr existiert. Jede Erinnerung muss diffamiert und ausgelöscht werden. Unzählige Institutionen sind in die Delegitimierung der DDR eingebunden. Und so Halbseidene wie die Linkspartei oder die „Junge Welt“, die du anführst, sind ihnen schon eine Gefahr. Woran man ermessen kann, wie groß die Angst ist. Sollen sie Angst haben!

    • sascha313 schreibt:

      Was gibt es denn heute, wovor man sich noch fürchten muß? Selbst die „KPD“ ist ein zahnloses Wesen… So ist es: Kein „Gespenst geht um in Europa“! Aber das macht auch nichts…

      Ceterum censeo: Kurt Gossweiler hatte recht, als er sagte:
      „Aber der Sozialismus siegt…!“ (Lenindenkmal in den USA) 🙂

  20. Hanna Fleiss schreibt:

    Es sieht traurig aus, das stimmt. Kurt Gossweiler hatte recht: Die Idee vom menschlichen Dasein lässt sich nicht töten. Sie versuchen es mit ihrem Lügengewäsch, ihren Kriegen, ihrem Machthunger, aber am Ende wird die Menschheit siegen. Ich habe gerade die heutige Ausgabe von German Foreign Policy gelesen: „Führung (der BRD) als Schicksal“. Es schüttelte mich. Sie konzipieren ihren eigenen Untergang. Sie versuchen zu retten, was sie glauben retten zu müssen. Und sei es, dass die Völker dabei draufgehen. Das herrschende Pack weiß: Eines Tages stehen sie vor dem Gericht der Völker.

  21. Rheinlaender schreibt:

    Hallo Sascha, irgendwie funktionieren die Kommentare zu älteren Beiträgen nicht. Nachfolgendes wollte ich in einem Deiner Nord Korea Beiträge unerbringen.
    Mal ein Video zum nord koreanischen Gesundheitssystem. https://www.youtube.com/watch?v=b0H1J5Xi8ro Von flächendeckenden Implantaten in der Zahnheilkunde und den gründlichen Augenuntersuchungen können deutsche Kassenpatienten nur träumen.
    Ein Freund musste letztens über 100 Euro für eine Augennerv Aufnahme selber bezahlen. Bei Zahn Implantaten werden schnell 20.000 Euro fällig. Viele Zusatzversicherungen haben ihre Zuzahlungen drastisch eingeschränkt. Oder die nehmen, trotz Jahresbeiträgen von über 750 Euro – selbst leichte – Problemfälle erst gar nicht auf.

    • sascha313 schreibt:

      Danke Rheinlaender, ich gucke noch mal danach, warum das nicht geht. Es ist auch schade, wenn ältere Beiträge nicht mehr gefunden werden können. Die Suchfunktion braucht nur ganz bestimmte Begriffe, und bei Google ist es eben Glückssache, wenn man etwas findet.
      Ich danke Dir – hab’s hier eingefügt: Alltag in der KDVR

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s