Nachdem German Foreign Policy dankenswerterweise erneut auf die gegenwärtigen Kriegsvorbereitungen des deutschen Imperialismus aufmerksam gemacht hat, rücken erneut Begriffe in den Vordergrund, die mehrheitlich nicht verstanden werden, weil sie nicht bekannt sind. Man spricht von der „Resilienz“ der einheimischen Bevölkerung und meint damit, was und wieviel Krieg man den Menschen im eigenen Lande zumuten kann. Ein zynischer Begriff! Wer weiß heute eigentlich noch, daß der deutsche General Ludendorff mit seinen Überlegungen zum „totalen Krieg“ (1935) [1] die ideologischen Voraussetzungen dafür geschaffen hat, daß die Nazis den 2.Weltkrieg vom Zaune brechen konnten? Die sogenannte „Dolchstoßlegende“ ist ein Teil dieser imperialistischen Apologetik.
Im Sachwörterbuch für Geschichte finden wir folgende Erklärung:
Eine Zwecklüge des deutschen Imperialismus
Dolchstoßlegende: die Geschichte fälschende Zwecklüge, der die Behauptung zugrunde liegt, daß das deutsche Heer im ersten Weltkrieg nicht militärisch überwunden, sondern von „hinten erdolcht“ worden sei und die Verantwortung für die nationale Katastrophe der „Dolchstoß der Heimat“ trüge. Der Ursprung der Dolchstoßlegende bzw. des Terminus „Dolchstoß“ wird von der bürgerlichen Geschichtsschreibung auf eine angebliche Äußerung des englischen Generals Sir Neill Malcolm zurückgeführt, der nach dem Waffenstillstand Beschuldigungen Erich Ludendorffs gegen Regierung und Bevölkerung in der Frage zusammengefußt haben soll: „You mean that you were stabbed in the back?“
Weshalb wurde die „Dolchstoßlegende“ erfunden?
In der Tat wurzelt die Entstehungsgeschichte der Dolchstoßlegende in der imperialistischen Apologetik darin, daß der revolutionäre Kampf gegen Imperialismus und Krieg den nationalen Interessen widerspreche. Die Dolchstoßlegende richtete ihre Angriffe in erster Linie gegen den Kampf der Spartakusgruppe [2] u.a. Revolutionäre, aber auch gegen die Politik der vor der Novemberrevolution 1918 die Reichstagsmehrheit bildenden Parteien, die in für den Imperialismus kritischen Situationen für innenpolitische Reformen und einen Kompromiß-Frieden eingetreten waren, um die Revolution und die militärische Niederlage aufzuhalten.
Wer war schuld am Krieg?
Die Dolchstoßlegende ignoriert und leugnet die Gesetzmäßigkeit der Niederlage des deutschen Imperialismus und diente nationalistischen Kräften. Zur Rechtfertigung ihrer Angriffe auf die Novemberrevolution und die „Novemberrepublik“ [3]. Die Dolchstoßlegende sollte die Verantwortung für den Krieg und die Niederlage im ersten Weltkrieg vom deutschen Imperialismus und Militarismus abwälzen, im Zusammenhang mit der Kriegsschuldfrage [4] Ursachen und Urheber der nationalen Katastrophe des ersten Weltkrieges im Interesse der imperialistischen Klassenherrschaft verschleiern und im Kampf gegen antiimperialistisch-demokratische Kräfte der ideologischen Vorbereitung eines imperialistischen Revanchekrieges dienen.
Weimarer Koalitionen lehnen die Lügen ab
Die Dolchstoßlegende wurde von den Parteien der Weimarer Koalition zurückgewiesen, die ihre Ablehnung des revolutionären Kampfes beteuerten und sich insbesondere gegen den Vorwurf verwahrten, daß die Politik der alten Reichstagsmehrheit und die Politik der Führung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands zur Niederlage Deutschlands und zum Ausbruch der Novemberrevolution beigetragen hätten.
Die KPD nennt die wahren Ursachen des Krieges
Demgegenüber bekämpfte die Kommunistische Partei Deutschlands die Dolchstoßlegende durch Entlarvung der antinationalen imperialistischen Kriegspolitik unter dem Motto Karl Liebknecbts: „Der Hauptfeind steht im eigenen Land!“ Die Parteien der Weimarer Koalition [5] standen mit der Verurteilung des wahrhaft nationalen Kampfes gegen Imperialismus und Krieg in einer Front mit den reaktionärsten Kräften.
Imperialistische Apologetik
Die Dolchstoßlegende, die z.Z. der Weimarer Republik jahrelang im Vordergrund innenpolitischer Auseinandersetzungen stand (Magdeburgcr Beleidigungsprozeß, Münchcncr Dolchstoßprozeß) und mit der sich seit 1919 ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuß befaßte (Bericht „Die Ursachen des deutschen Zusammenbruchs 1918 – Die Geschichte einer parlamentarischen Untersuchung 1919 bis 1925 in 3 Bänden, herausgegeben 1925 von Albrecht Philipp), wurde als Bestandteil imperialistischer Ideologie in verschiedensten Varianten von reaktionären Kräften zur Zerstörung der Weimarer Republik, zur Wegbereitung für die faschistische Diktatur und insgesamt zur Vorbereitung des zweiten Weltkrieges ausgenutzt.
Heute: Ein altes Lied mit neuen Stimmen…
Auch gegenwärtig bedient sich der westdeutsche Imperialismus und Militarismus der Verfälschung der Geschichte des zweiten Weltkrieges, um die eigenen Verbrechen zu verschleiern, die überlebte imperialistische Klassenherrschaft zu rechtfertigen und mit Hilfe des Antisowjetismus und Antikommunismus erneut ideologische Voraussetzungen für die Verwirklichung imperialistischer Kriegspläne zu schaffen.
Quelle:
Sachwörterbuch der Geschichte, Dietz Verlag Berlin, 1969, Bd.1, S.493f. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)
Anmerkungen:
[1] Erich Ludendorff: Der totale Krieg. München 1935.
[2] Spartacusgruppe: seit Anfang 1916 verbreitete Bezeichnung für die Gruppe „Internationale“, die als Spartacusgruppe zur größten und einflußreichsten deutschen proletarischen Antikriegsbewegung während des 1. Weltkriegs wurde; Vorläufer der KPD.
[3] Novemberrepublik: die nach der bürgerlich-demokratischen Novemberrevolution 1918 und dem Sturz des junkerlich-monarchistischen Regimes unter Wilhelm II. errichtete Räterepublik
[4] Kriegsschuldfrage: in der Einleitung und Artikel 231 des Versailler Vertrags festgestellte Alleinschuld Deutschlands und seiner Verbündeten am Ausbruch des ersten Weltkriegs. Dabei unterschieden die imperialistischen Siegermächte nicht zwischen dem Kriegsstreben der herrschenden Klasse in Deutschland und den friedlichen Interessen des Volkes.
[5] Weimarer Koalition: Bezeichnung für bürgerliche Koalitionregierungen (Reichsregierung) in der Weimarer Republik, bestehend aus Vertretern der SPD, des Zentrums und der Deutschen Demokratischen Partei (in den Jahren 1919-1922)
Und hier noch einige interessante Erkundungen von German Foreign Policy:

Die Dolchstossterminologie beruht auf der störrischen und widersinnigen Leugnung, dass die Arbeiter und überhaupt die meisten Klassen des Volkes überhaupt kein interesse am Krieg der imperialistischen Eliten haben können – ganz im Gegenteil. Sie hatten nie ein Interesse am Krieg. Die englischen Granaten im ersten Weltkrieg wurden mit höchst deutschen Zündern von KRUPP abgefeuert. Nach dem Krieg wurde die Bezahlung KRUPP´S durch England so geregelt: Die Front wurde in Abschnitte geteilt und gemäss der Zahlen der gefallenen deutschen Soldaten wurde der Preis für die Zünder festgelegt – mehr Arbeiterleichen, mehr Geld.
Also der deutsche Arbeiter wurde in patriotischer Weise gleich dreimal von seiner „Heimat“ ausgebeutet. Einmal hatte er die ach so patriotische Ehre in der Arbeit der Herstellung von Zündern ausgebeutet zu werden und patriotischer – oder sollte man sagen resilienter Weise den Reichtum Krupps zu vermehren. Zum Zweiten hatte er die Ehre seine „resiliente“ Haut in der industriellen Abschlachtungdmaschinerie des Krieges zu Markte zutragen, Und selbst als „resiliente“ und „patriotische“ Leiche hat er den deutschen Imperialisten noch Profit eingefahren als Nummer in einem Frontabschnitt.
Wenn dem der Dolchstoss versetzt wurde, stört mich lediglich, dass er nicht direkt den patriotischen Rücken dieser Herrschaften traf. Die haben nämlich weiterhin Sekt gesoffen – bis zum heutigen Tag (ausser in der DDR). Aber was nicht ist, kann noch werden.
…und es wird! Der Sozialismus wird siegen! Oder wie Kurt Gossweiler mal zu mir sagte: „Man darf da die Geduld nicht verlieren!“
Interessant ist jedenfalls, daß dieser Ludendorff auch heute noch „Vorbild“ für die Vorbereitung zum geplanten Massenmord ist.
So wie eben auch Bernays und Le Bon als „Vorbilder“ für die flächendeckende ideologische Massenverblödung dienen.
Klasse! Die Tage kam ne Sendung über Kiel…. und nicht ein Wort hahmse verloren über die Kieler Matrosenaufstand. War denen vom NDR dann wohl doch nicht so wichtig.
Freundschaft 😉
Nee, nicht nur nicht wichtig… zu gefährlich (wie alles Revolutionäre!)
Da fällt mir der Schwejk ein: „Melde gehorsamst, Herr Oberlajtnant, dass ich froh bin … das wird was Wunderbares sein, wenn wir beide zusammen für Seine Majestät den Kaiser und seine Familie fallen wern …“ – Ich denke, man muss schon ein Schwejk sein, um sich zu solch hehrem Heldentod aufschwingen zu können.
Hat dies auf Muss MANN wissen rebloggt.