Boris Polewoj: Dieses System hat keine Zukunft…

capitalismNein, der Kapitalismus hat keine Zukunft. Immer härter wird der Kampf der Ausgebeuteten ums Überleben, immer mehr nimmt die Kiminalität und der psychische, materielle, juristische und bürokratische Druck auf die Arbeiterklasse zu. Schamlos wird gelogen, erpreßt und betrogen. Kein Verbrechen ist der geld- und besitzgierigen herrschenden Klasse genug, wenn es nur die eigenen Taschen und Konten füllt. Und manch ein Familienvater weiß nicht, wie er seine Kinder durchfüttern soll, vom kärglichen Lohn, den er erhält. Schon einmal hatten die Faschisten versucht, durch neue Eroberungen sich aus der permanenten Krise zu befreien. Es endete bekanntlich im Fiasko. Der Sozialismus der UdSSR war stärker als alle Übermacht des faschistischen Deutschland. Warum war das so? Ein kleines eindrucksvolles Beispiel möge das zeigen. Boris Polewoj beschreibt in seinem Roman „Der wahre Mensch“ das heldenhafte Schicksal eines sowjetischen Piloten…

meresewSchwer verletzt hat der Flieger Alexej Meressjew den Abschuß seines Jagdflugzeugs durch die Nazis überlebt. Nun schleppt er sich mühsam hinkend und schließlich nur noch kriechend durch die endlosen Weiten der Taiga zurück, der heimatlichen Front zu. Nur nicht aufgeben, nicht dem Feind in die Hände fallen! Dabei kreisen seine Gedanken auch um sein Heimatdorf…

Da hatten nun Menschen gelebt … einst, in längst vergangenen Zeiten, hatten sie diesen Fetzen Erde dem Schwarzen Wald abgerungen, hatten sie mit dem Hakenpflug aufgerissen, mit der hölzernen Egge gekratzt, gedüngt, gehegt und gepflegt.

Schwer war das Leben gewesen, ein ewiger Kampf mit dem Wald, den Raubtieren, mit dem Gedanken, wie man bis zur neuen Ernte durchkommen würde. Zur Zeit der Sowjets organisierten sie eine Kollektivwirtschaft, es entstand der Traum von einem besseren Leben; Maschinen wurden gebracht, und man hatte sein Auskommen. Die Zimmerleute des Dorfes bauten einen Kindergarten, und die Männer dachten wohl des Abends, wenn sie die rotwangige Kinderschar durch den grünen Zaun beobachteten: Sollte man nicht mit gemeinsamen Kräften einen Leseraum und einen Klub zimmern, wo man an Winterabenden warm und in Frieden sitzen könnte, wenn draußen der Schneesturm heult, sollte nicht hier, in der Waldeinsamkeit, elektrisches Licht erstrahlen …

Und jetzt … nichts als Einöde, Wald, ewige, durch nichts gestörte Stille.

Je länger Alexej nachsann, desto schärfer arbeitete sein müdes Hirn. Er sah Kamyschin vor sich, das kleine staubige Städtchen in der trockenen flachen Steppe an der Wolga. Schneidende Steppenwinde, die Wolken von Staub und Sand mit sich brachten, umbrausten im Sommer und Herbst die kleine Stadt. Dieser Sand stach Gesicht und Hände, er wehte in die Häuser, drang durch die geschlossenen Fenster, verklebte die Augen und knirschte auf den Zähnen.

Man nannte diese aus der Steppe hereindringenden Sandwolken „Regen von Kamyschin“. Schon manche Generation Kamyschiner Bürger hatte davon geträumt, dem Sand Einhalt zu gebieten und sich an frischer Luft satt zu atmen.

Aber erst im sozialistischen Staat verwirklichte sich der Traum: die Menschen taten sich zusammen und nahmen den Kampf auf gegen Winde und Sand. Zum Wochenende zog die ganze Stadt los, mit Spaten, Äxten und Brechstangen. Aus dem öden Platz entstand ein Park, längs der kleinen Straßen erstreckten sich Alleen von jungen Pappeln. Behutsam wurden sie begossen und beschnitten, als wären es nicht städtische Bäume, sondern Blumen auf der eigenen Fensterbank. Alexej erinnerte sich, wie die ganze Stadt, klein und groß, im Frühling jubelte, wenn aus den kahlen, dünnen Zweigen die ersten Triebe sprossen und grünten …

Auf einmal aber sieht er die Faschisten in den ihm ans Herz gewachsenen Straßen Kamyschins hausen. Sie machen Scheiterhaufen aus den Bäumen, die die Einwohner mit so viel Liebe aufgezogen haben. Sein Heimatstädtchen ist in Rauch gehüllt, und dort, wo das kleine Haus stand, in dem er aufgewachsen war, wo seine Mutter gelebt hatte, ragt ein verrußter und häßlicher Schornstein empor.

Sehnsucht und grimmige Entschlossenheit vereinten sich in ihm zu einem Gedanken. Sie nicht durchlassen, nicht weiterlassen! Kämpfen, kämpfen mit ihnen, solange die Kräfte reichen, wie jener russische Soldat, der dort in der Lichtung auf dem Haufen toter Feinde gelegen hatte.

Die Sonne berührte schon die blauen Zacken des Waldes. Alexej kroch dort entlang, wo einst die Dorfstraße gewesen war. Schwerer Verwesungsgeruch wehte von den Brandplätzen. Das Dorf schien noch menschenleerer als das entlegenste menschenleere Dickicht….

Quelle:
Boris Polewoj: Der wahre Mensch. Buchgemeinschaft der Freien Deutschen Jugend im Verlag Neues Leben. 1963, S.41-43.


Dieser Roman beruht auf Tatsachenberichten, die Boris Polewoj während des großen Vaterländischen Krieges zusammengetragen hat. Die Frage, woher das Heldentum der Sowjetmenschen während des faschistischen Überfalls kommt, ist leicht zu beantworten. In keinem Land der Welt war es bisher gelungen, den Sozialismus aufzubeauen – außer in der Sowjetunion. Unter der Führung des großen Stalin vollbrachten die Werktätigen in der Sowjetunion wahre Meisterleistungen, die mit nichts vergleichbar sind. Das ist auch der Grund, warum sie ihre Heimat und den Sozialismus mit aller Kraft und mit ganzem Herzen verteidigten. Der Sozialismus war und ist dem verbrecherischen System des Kapitalismus um eine ganze Epoche voraus.

Aleksej Meresjew

Aleksej Maressjew, ein legendärer Flieger des Großen Vaterländischen Krieges, Held der Sowjetunion. Am 4. April 1942 wurde das Flugzeug  von Aleksej Maressjew im Rayon „Demjansker Ring“ (Nowgoroder Gebiet) im Kampf gegen die Deutschen abgeschossen, und Aleksej selbst wurde schwer verwundet. Achtzehn Tage lange schleppte sich der an den Beinen verletzte Flieger zur Frontlinie zurück. Im Lazarett wurden ihm beide Beine amputiert. Doch schon kurz nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus setzte er sich wieder ans Steuer seines Flugzeugs. Während des Krieges nahm er an 86 Kämpfen teil und vernichtete 11 feindliche Flugzeuge: vier bis zu seiner Verwundung und sieben danach. Der Schriftsteller  Boris Polewoj setzte Maressjew in seinem Roman „Der wahre Mensch“ ein Denkmal.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Geschichte, Geschichte der UdSSR, Sozialistische Literatur, Was ist Sozialismus? veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

15 Antworten zu Boris Polewoj: Dieses System hat keine Zukunft…

  1. Politnick schreibt:

    Warum das System keine Zukunft hat wird weder im Rundfunk, noch im Fernsehen noch in den sogenannten sozialen Medien diskutiert. Wir sollten diese Lücke schließen.

    Freundschaft 😉

    • sascha313 schreibt:

      Warum dieses System keine Zukunft hat, Rolf, das ist für jeden offensichtlich, der nicht in der Lage ist, seinen Unterhalt zu bestreiten. Und das sind nicht nur die 48% der Familien, die sich keinen Urlaub mehr leisten können (das ist nur die Spitze des Eisbergs!).

      Was jedoch unklar bleibt und immer wieder auf’s Neue vernebelt wird, sind die Ursachen. Während in den Medien der neueste Film, die Sicherheitsfrage, das Buch der Woche usw. besprochen wird, zerreißt die Mitmenschlichkeit immer mehr, der Egoismus nimmt zu – auf der anderen Seite nun aber auch die Repressalien und Schikanen des Staates gegen die ohnehin Wehrlosen…

      • Politnick schreibt:

        Danke Sascha.

        Ja, das meinte ich, die Ursachen werden verschleiert. Hinzu kommen Schlagzeilen die überhaupt keinen Sinn ergeben, z.B. „Steinmeier kritisiert Trump“ oder „Macron unter Druck…“ oder „Trump rechtfertigt Twitter Tiraden“ und heute morgen wurde vermeldet dass „Die Linke an die Macht kommen will“. Du, ich guck meine Frau an und sage: „Warum wollen die das, warum will Die Linke an die Macht!?“

        Und obwohl das nicht zum Lachen ist, haben wir uns eine halbe Stunde lang dumm und dämlich gelacht über diese und andere Stussmeldungen des Tages. Die bescheuertste Meldung kam gestern zum Busunglück in Ofr., als die Zahl der Toten noch nicht feststand, wurde Mittags noch gemeldet, dass „…vemutlich 18 Fahrgäste vor dem Feuer im Bus geflüchtet sind und sich im nahegelegenen Wald versteckt halten“.

        Logisch: Opa versteckt sich im Wald — Hat er was ausgefressen!? Deutschland ist politisch rückständig, das gilt es zu verbergen!

        Freundschaft 😉

    • Vorfinder schreibt:

      In diesen Bänden geht es eben darum, diese Lücke zu schließen. Lohnt zu lesen.
      http://lexikon.wdfiles.com/local–files/shop-edition-flaschenpost/der_stahlerne.html

  2. Politnick schreibt:

    Und noch etwas: Heute war einer im SWR, der sagte, dass allein in der kleinen Badischen Stadt Hausach mehr als 56 verschiedene Nationen ansässig sind. Gerade hier zeigt sich auch die Unmenschlichkeit und Rückständigkeit des Kapitalismus, der die unterschiedliche Entwicklung aller Völker gnadenlos ausnutzt.

    Der Kapitalist braucht solche Preisgefälle und Lohngefälle die es auch innerhalb der EU gibt, beispielsweise ist in Frankreich der Strompreis nur halb so hoch wie hier. Und von Ost-West-Gefälle innerhalb von Deutschland ganz zu schweigen. Natürlich sorgen die Herren und Herrinnen in Brüxxel dafür dass das schön so bleibt und natürlich offenbart sich gerade an den Strompreisen dass die Politik der erneuerbaren Energien ein einziges Lügengebäude ist.

    Die Rechnung bezahlt das Volk, das war schon immer so. Trotz mäßiger Winde standen heute 99% aller Windräder in Rheinhessen still, ja, was ist denn dann das was aus der Steckdose kommt für einen Wuchepreis noch dazu!? Ahja, verstehe, deswegen ja stehen die Windräder still, damit es Wucherpeise bleiben!

    Doch zurück zu unseren Gastarbeitern aus dem Schwarzwald. Sie leben mittlerweile in der dritten Generation hier aber die Kinder von damals haben es nicht vergessen, dass sie in ständiger Angst leben mussten: Die Angst davor nämlich, dass sie zurück in die Heimat der Eltern müssen wo eine Sprache gesprochen wird die sie gar nicht kennen. Nein sowas hat keine Zukunft, das ist abgrundtief menschenverachtend.

    Mögen doch die Staatschefs aller 56 Nationen mal nach Deutschland kommen und ihren Landsleuten erklären warum sie hier sind. Aber dazu sind sie viel zu feige!

    Freundschaft 😉

  3. grfinx schreibt:

    Sascha, Danke für diese Rezension. Sie spricht mir aus dem Herzen. Ich habe das Buch erst kürzlich – nach einigen Jahren Pause – wieder gelesen. Und es hat mich gefesselt, wie bereits jedes Mal zuvor. Es zählte in meiner Jugend zu meinen Lieblingsbüchern und hat mich bis heute stark beeindruckt. Die darin erzählte Geschichte und – viel mehr- das darin skizzierte Menschenbild widerspiegeln gesellschaftliche Ideale, welche man heute vergeblich sucht – zumindest hierzulande. Als ich das Buch kürzlich las, wurde mir die große Kluft zwischen dem dort skizzierten menschlichen Abbild und dem, was heute den Menschen als „menschliches Ideal“ verkauft wird, wieder einmal so überdeutlich vor Augen geführt. Es tut weh, zu sehen, wie weit „wir“ (als Gesellschaft) davon heute entfernt sind. Und es schmerzt mich ebenso, zu sehen, mit welcher Verachtung heute über Boris Polewoj geschrieben wird. Ich für meinen Teil bin froh, dass es dieses Buch gibt. 🙂

    • sascha313 schreibt:

      Danke, grfinx. Deshalb sollten wir solche Bücher jungen Menschen weitergeben, damit sie sie auch kennenlernen! Kurt Gossweiler sagte dann einmal zu mir: „…aber der Sozialismus siegt!“

  4. grfinx schreibt:

    Ja. Das hoffe ich doch. Und es tut gut, diese Worte zu lesen. 🙂

  5. Politnick schreibt:

    Passend zum Thema: Eine Reihe von Falschmeldungen begleiten den derzeitigen G20 Gipfel. Ziel ist es, die Demonstrationsbewegung zu unterlaufen und hierzu wird u.a. behauptet, dass sich Demonstranten sowie G20 Gegner vor der Kamera nicht äußern wollen oder gar nicht wissen warum sie überhaupt demonstrieren.

    Natürlich ist das eine Lüge erster Klasse, denn die wahren Gegner wissen ganz genau, was sie zum Ausdruck bringen wollen und eben das auch tun, sobald sie ein Mikrofon zur Hand haben, Auch wenn sie die Verursacher von Gletscherschmelze. Klimawandel, Welthungersnot, Krieg und Umweltzerstörung nicht direkt beim Namen nennen, sie sagen immerhin recht deutlich, dass die kapitalistische Produktionsweise mit ihrer unendlichen Profitgier die Usache allen Übels ist.

    Und genau das ist eine Wahrheit, die es dank demokratischer Medien geschickt zu verschleiern gilt. Sascha vielleicht kannst Du ja einen eigenen Thread aufmachen zum Thema G20.

    Trotz allen Übels hier noch der Lacher des Tages: USA setzt China unter Druck.

    Freundschaft 😉

    • sascha313 schreibt:

      Die Zahl der G20-Bewacher spricht für sich…

      • Politnick schreibt:

        Das Ziel der G20 Berichterstattung besteht darin, die Demonstranten als Gewalttätige darzustellen die nicht wissen was sie wollen.

        Freundschaft 😉

      • sascha313 schreibt:

        Es ist ja auch dumm dort zu demonstrieren, wo ohnehin zig Tausende von Polizisten stationiert sind! Aber keiner von den Demonstraten stellt die Macht der Bourgeoisie infrage.

  6. Pingback: Soja Anatoljewna Kosmodemjanskaja – die unvergessene Heldin der Sowjetunion | Sascha's Welt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s