Nur ein tragischer Unglücksfall???

Busbrennt

…eine schreckliche Tragödie

Was Ausbeutung, Leistungsdruck und Existenzangst bedeuten, wird vielen erst bewußt, wenn der überspannte Bogen reißt. Dann meldet sich der eigene Körper mit Burn-out-Symptomen und anderen Krankheiten, Streitigkeiten und Gewalttaten nehmen zu und es kommt zu schrecklichen Unfällen. Beispiel: Eine Busreise endet in einer Tragödie. 18 zumeist ältere Leute sterben in den Flammen. Man ärgert sich über die Autofahrer, die die Rettungsfahrzeuge behindern und – man trauert. Ein Fall von vielen! Doch wie konnte das geschehen? Ist es der (angeblich) unachtsame Busfahrer? Oder ist es „nur“ eine Verkettung unglücklicher Umstände? Wer fragt eigentlich nach den Ursachen? Wo liegen die wahren Gründe? In „Schramme Journal“ dazu ein Kommentar:

Busreise endet in einer Tragödie

Heute hat es wieder Menschen getroffen, die durch die Folgen der Ausbeuter-Gesetze der BRD zu Tode gebracht wurden. Der Fahrer war mit Sicherheit nicht ausgeruht, da er am Vortage bereits mehr als 6 Stunden fahren mußte. Das System regelt keine strengen Arbeitszeiten, sondern gibt nur Richtlinien vor, bei dem die Arbeiter nicht gleich ins Gras beißen müssen, aber können.

Wie erwartet heucheln die Macher dieser Ausbeutergesetze Mitgefühl und Anteilnahme, während sie sich hinter aller Rücken gegenseitig auf die Schultern klopfen, da wieder Rente und Arbeitslohn eingespart werden kann und die Beerdigungsinstitute auch noch mit dem Ausbeuterwahn saftige Gewinne einstreichen können. Für den ausgebrannten Bus steht bereits nach Ausbeuterart ein schicker neuer Bus bereit und ein neuer Fahrer wird bald untertänigst besorgt das ansässige Jobcenter, bis es wieder zu einem Unfall mit Toten kommt, und die Ursache wieder verschwiegen wird.

Vielleicht ist man wieder so dreist, wie so viele Male zuvor auch schon, den Unfall dem überlasteten und toten Fahrer in die Schuhe zu schieben, der doch die Pausenzeiten (Ruhezeiten) nicht eingehalten hatte. Dabei ist es in einem sozialen Staat überhaupt nicht erforderlich, Fahrer mehr als 6 Stunden an einem Tag arbeiten zu lassen. Aber so können Arbeitslose und Arbeiter gleichermaßen bis in den Tod erpresst werden.

Vergessen hätte ich noch die absolute Bedingung der Schlafzeiten. In einem Sozialstaat müssen mindestens 12 Stunden Frei- und Ruhezeiten, ganz entfernt von Unternehmen, Arbeitsmaterial und Arbeitsgerät stattgefunden haben. In der BRD kennt man solche Regel nicht. Deshalb schlafen die Fahrer notgedrungen im unbequemen und mit vielen Geräuschen umgebenen LKW. Im Halbschlaf müssen sie dann noch an den LKW denken, der auch mal ausgeraubt oder gestohlen werden kann.

Wir werden weiter immer wieder Unfälle miterleben, in denen ausgebeutete Fahrer durch Überarbeitung einfach nicht mehr können und der Körper irgendwann zusammenbricht. Imperiales Handeln, Globalisierung oder wie immer Ausbeuter ihre fiese Handlungsweise begründen und auf den Ausgebeuteten abwälzen, es bleibt ein geplantes Verbrechen, bei dem nur der Zeitpunkt nicht feststeht. Es wird also irgendwann der nächste Bus oder der nächste LKW auf ein Stauende auffahren. Und es wird irgendwann wieder ein Zug in den anderen rasen, weil die Ausbeuter an der notwendigen Technik gespart haben. Oder es wird bald wieder ganze Stadtteile unter Wasser stehen, weil Ausbeuter kraft ihrer unendlichen Blödheit ganze Flächen versiegeln, anstatt die Natur zu zulassen.

Das ist so sicher wie der Imperialismus verbrecherisch ist. Und dann werden Imperialisten und ihre Diener wieder heucheln und ein Gesülze ausblubbern. Ein ausgebrannte Bus und viele Glotzende. Es bleibt ein ekelhafter Nachgeschmack und die Gewissheit, daß die Dummheit aus Gier immer noch nicht besiegt ist.

Quelle:
BRD: Die Ausbeutung lohnt sich – bis in den Tod


…und was sagte Stalin?

Kein Zweifel, daß auch der ökonomische Terror (z.B. Maschinenstürmerei) eine bestimmte scheinbare „Rechtfertigung“ für sich hat, sofern von ihm Gebrauch gemacht wird, um der Bourgeoisie Angst einzujagen. Aber was bedeutet eine solche Angst, wenn sie flüchtig und vorübergehend ist? Daß sie aber nur flüchtig sein kann, ist schon daraus klar, daß es unmöglich ist, den ökonomischen Terror immer und überall anzuwenden. Dies zum ersten.

Zweitens, was kann uns die flüchtige Angst der Bourgeoisie und ein hierdurch hervorgerufenes Zugeständnis geben, wenn wir keine starke Massenorganisation der Arbeiter hinter uns haben, die immer bereit ist, für die Arbeiterforderungen zu kämpfen, und die die errungenen Zugeständnisse zu behaupten vermag? Indessen sprechen aber allem Augenschein nach die Tatsachen davon, daß der ökonomische Terror das Bedürfnis nach einer solchen Organisation abtötet und den Arbeitern die Lust nimmt sich zusammenzuschließen und selbständig aufzutreten, da sie ja die Terrorhelden haben, die für sie auftreten können. Müssen wir in den Arbeitern den Geist der Selbsttätigkeit entwickeln? Müssen wir in den Arbeitern den Wunsch nach Zusammenschluß entwickeln? Natürlich ja!

Können wir aber den ökonomischen Terror anwenden, wenn er in den Arbeitern beides abtötet? Nein, Genossen! Es steht uns nicht an, durch einzelne Uberfälle aus dem Hinterhalt die Bourgeoisie einzuschüchtern, überlassen wir es den bekannten Überfallhelden, sich mit solchen „Taten“ zu beschäftigen.

Wir müssen offen gegen die Bourgeoisie auftreten, wir müssen sie die ganze Zeit bis zum endgültigen Sieg, in Angst halten! Hierfür aber bedarf es nicht des ökonomischen Terrors, sondern einer starken Massenorganisation die imstande ist, die Arbeiter in den Kampf zu führen. Das ist der Grund, weshalb die Arbeiterbewegung den ökonomischen Terror ablehnt.

Gudok“ (Die Sirene) Nr. 25, 30. März 1908.
Artikel ohne Unterschrift.
Nach dem russischen Zeitungstext.

Quelle:
J. Stalin. Werke, Dietz Verlag Berlin, 1950, S.101-103.

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5 Antworten zu Nur ein tragischer Unglücksfall???

  1. Politnick schreibt:

    Danke Sascha. Meine Wut über das gestrige Unglück ist grenzenlos, aber über die wahren Ursachen müssen wir nicht lange nachdenken. Es sind dieselben Ursachen wie beim Hochhausbrand in London und die Evakuierung von 4000 Bewohnern kurz vor dem Wochenende setzt diesem Terror noch die Krone auf.

    Nein, Sir Peter Ustinov hatte nicht recht als er sagte: „Terror ist der Krieg der Armen“. Vielmehr ist Terror nur eine andere Spielart des Krieges der Reichen gegen die Armen.

    Frendschaft 😉

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