Der mündige Bürger?

gegen AntikommunismusIm November 1971 fand in Berlin eine Internationale Konferenz der Pädagogen sozialistischer Länder statt, in der intensiv über Fragen der Einwirkung der imperialistischen Ideologie auf die sozialistischen Länder diskutiert wurde. Nicht immer war damals den Wissenschaftlern und Pädagogen in der DDR auch klar geworden, daß mit Chruschtschow ein Antikommunist an die Spitze der Regierung der UdSSR gelangt war. Und es gab im Gegenteil dazu in der DDR durchaus auch einige Leute, denen diese Entwicklung nicht ganz ungelegen kam und die diesen sozialismusfeindlichen Weg unterstützten. Es zeugt von der Klugheit und vom Mut der Bildungsministerin Margot Honecker und ihres Kollektivs, vor allem solche Pädagogen und Wissenschaftler einzuladen, die sich gegen die revisionistische Entwicklung nach der Ermordung Stalin zu Wehr setzten und den Antikommunismus bekämpften. Denn es war für die Betreffenden, die sich dazu äußerten, durchaus nicht ungefährlich. Lesen wir also hier, was der bulgarische Wissenschaftler Najden Tschakaroff zum Einfluß der antikommunistischen Ideologie der „politischen Mündigkeit“ zu sagen hatte:

Zum pseudofortschrittlichen Erziehungsziel der „politischen Mündigkeit“ als Mittel zur Manipulierung der Schuljugend

N. Tschakaroff

In einigen kapitalistischen Ländern, besonders in der BRD, verbreitet sich unter den Jugendlichen und der Intelligenz die Theorie der „politischen Mündigkeit des Bürgers“. Dieses Ideal betrachtet man als Ziel der politischen Bildung mit „progressivem Charakter“. Die „politisch mündige Persönlichkeit“ wird als ein Mensch betrachtet, der sich nicht manipulieren läßt. Diese Persönlichkeit soll vorgeschlagene oder aufgezwungene Lösungen politischer Probleme kritisch einschätzen und ihre Einstellung zu aktuellen Ereignissen selbst bestimmen.

Dieses politische Bildungsziel wird u.a. in der dreibändigen „Erziehungswissenschaft“ vertreten, die 1970/71 erschien und deren Verfasser Wolfgang Klafki, Georg Rückriem, Willi Wolf, Reinhold Freudenstein, Hans-Karl Beckmann, Carl-Christoph Lingelbach, Gerd Iben und Jürgen Diederich sind. [1]

Was ist der Zweck dieses Bildungszieles?

Auf den ersten Blick erscheint dieses Ziel fortschrittlich. Was sollte man dagegen haben, wenn die Begründer und Förderer dieser Theorie die Jugend und die Intelligenz der kapitalistischen Gesellschaft zu einer kritischen Einschätzung und zum Widerstand gegenüber der imperialistischen Ideologie führen wollen? Wird doch die Persönlichkeit durch den Aufruf zur politischen Selbständigkeit an den Kampf gegen die Herrschaft des staatsmonopolistischen Kapitalismus herangezogen! Bei einem tieferen Eindringen in den angeblich fortschrittlichen Charakter dieses Ziels zeigt sich jedoch, daß eine gründliche Kritik notwendig ist. [2]

Konfikte und Verwirrungen

Zweifellos liegt eine Wurzel dieses Erziehungsziels in der Situation, in die der ehrlich und gewissenhaft denkende Intellektuelle in der gegenwärtigen kapitalistischen Gesellschaft geraten ist. Dieser Intellektuelle befindet sich mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit im Konflikt. Gleichzeitig ist er durch das Netz der organisierten imperialistischen Propaganda verwirrt. Da er den Wunsch hat, sich von der organisierten ideologischen Unterdrückung durch die herrschende Klasse, durch Schule, Rundfunk, Fernsehen, Kino und Presse zu befreien, gelangt er zu dem Gedanken, daß es notwendig sei, Selbständigkeit und Selbstbestimmung zu erringen. Einen Ausweg aus dieser Situation sieht er in dem subjektiven ideologischen Aufbegehren gegen die herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse.

Ist das der richtige Weg?

Es ergibt sich die Frage nach der Zielgerichtetheit und Effektivität einer solchen Reaktion. Kann man durch den ideologischen Protest einzelner, politisch wacher Jugendlicher und Intellektueller die Manipulation beseitigen? Ist nicht der bürgerliche Individualismus die Grundlage einer solchen Reaktion? Die Theorie der „politischen Mündigkeit“ ist in erster Linie deshalb zu kritisieren, weil sie eine individualistische Position zum Ausdruck bringt. In der Art des Reagierens auf die organisierte ideologische Beeinflussung erkennt man den bürgerlichen Individualismus. So reagiert der Intellektuelle, dem noch nicht klar ist, daß der Kampf gegen die Herrschaft der Monopolbourgeoisie nur von der vereinten Kraft der ausgebeuteten werktätigen Massen erfolgreich geführt werden kann.

Individueller Widerstand ist kaum wirksam

Der individuelle Widerstand der Intellektuellen gegen die Auswirkungen des Manipulierungsapparates kann nicht den organisierten Kampf der Massen gegen das staatsmonopolistische Herrschaftssystem ersetzen. Durch die Theorie der „politischen Mündigkeit“ werden die Jugendlichen und Intellektuellen zum Alleingang getrieben. Die Verfechter dieser Theorie sind nicht in der Lage, die Gesellschaft zu verändern. Die Anhänger dieser Theorie sind dem politischen Subjektivismus und Relativismus verfallen. In ihrem Bestreben, den Bürger von der ideologischen Manipulierung zu schützen, enthalten sie ihm eine richtige politische Orientierung vor. Sie verlangen von ihm, daß er selbst eine politische Position bezieht, ohne ihm bei der Herausbildung einer fortschrittlichen Verhaltensweise zu helfen.

Was ist „politische Mündigkeit“ denn nun wirklich?

Mit Hilfe dieser Theorie kann man keine Grenzlinie zwischen den Apologeten der kapitalistischen Gesellschaft und den Kämpfern für die Veränderung dieser Gesellschaft ziehen. In kapitalistischen Ländern, wie in der BRD, finden wir Vertreter des Ziels der „politischen Mündigkeit“, die auf relativ fortschrittlichen Positionen stehen, die bürgerliche Gesellschaft kritisieren und den Aufbau einer „neuen Gesellschaft“ wünschen. Es gibt aber auch solche Vertreter, die dieses Ziel ausnutzen, um die Gesellschaftsordnung der sozialistischen Länder zu diffamieren, die also reaktionäre Positionen vertreten. In den Vordergrund stellen sie die Unvereinbarkeit des Ziels der „politischen Mündigkeit“ mit einem „totalitären Regime“, als das sie die sozialistische Gesellschaftsordnung verunglimpfen.

Die verkappte Manipulierung der Jugend

Es gibt auch Reaktionäre, die, als Anhänger des Fortschritts getarnt, betonen, daß in der kapitalistischen Gesellschaft die Verwirklichung der „politischen Mündigkeit“ möglich wäre, in der sozialistischen Gesellschaft jedoch nicht. Sie begreifen nicht, daß das hohe Bildungsniveau und der damit verbundene politische Reifegrad, zu dem die Massen unter den Bedingungen des sozialistischen Aufbaus geführt werden, seinem Wesen nach ein Weg zur massenhaften Herausbildung politischen Bewußtseins ist.


Warum ist die Theorie von der „politischen Mündigkeit“ ein Betrug an der Jugend?

Das Kriterium für ein progressives oder reaktionäres Verhalten auf politischem Gebiet besteht nicht darin, ob der Bürger selbständig oder mit Hilfe anderer zu einer richtigen politischen Grundhaltung kommt. Dementsprechend ist auch das Kriterium für eine reaktionäre und fortschrittliche Erziehung völlig voneinander verschieden. Ein eindeutiger Beweis für den reaktionären Charakter dieses Erziehungsziels ist die Tatsache, daß viele Jugendliche, beherrscht von dem Wunsch, für eine gerechte Gesellschaftsordnung zu kämpfen, aus Furcht vor einer Manipulierung sich von der organisierten internationalen revolutionären Arbeiterbewegung distanzieren.

Warum gibt es keine „Ideologiefreiheit“?

Die Begründer und Propagandisten des Ziels der „politischen Mündigkeit“ verbreiten einige Illusionen, deren Entlarvung uns hilft, die negativen Seiten dieses Ideals zu verstehen. Die erste Illusion besteht in der Behauptung, daß es in der gegenwärtigen kapitalistischen Gesellschaft eine Schule geben könne, in der es möglich sei, politisch neutral zu bilden und zu erziehen. Damit die Persönlichkeit ihre politische Haltung selbst bestimmen könne, dürfe sie sich nicht mit bestimmten politisch-ideologischen Konzeptionen beschäftigen, behaupten diese Ideologen. Deswegen müsse an den Schulen „ideologiefrei“ gebildet und erzogen werden.

Die Angst der Bourgeoisie vor dem politischen Bewußtsein

Die Verteidiger der Theorie der „politischen Mündigkeit“ fürchten sich vor einem frühen politischen Engagement der Jugendlichen. Sie beschäftigen sich häufig mit dem politischen Disengagement der Schulbildung. Viele von ihnen fragen sich, ob sich die Schüler nicht beim Studium bestimmter Fächer automatisch politisch engagieren.

Was ist (was wäre) die Hauptaufgabe der Sozialkunde-Lehrer?

Die Hauptaufgabe der Lehrer z.B. für Sozial- und Gemeinschaftskunde besteht in der Erläuterung von Fragen mit politischem Charakter. Es ist völlig klar, daß dem eine bestimmte politische Konzeption zugrunde liegt. Genauso eindeutig ist, daß die Lehrertätigkeit in der heutigen bürgerlichen Schule niemals neutral sein kann. In der gegenwärtigen harten ideologischen Auseinandersetzung, die auch die Schule einbezieht, kann es keinen politisch neutralen Unterricht geben.

Der Herr Professor Klafki verbreitet seine Illusionen…

Die Begründer und Propagandisten der Theorie der „politischen Mündigkeit“ verbreiten ferner die Illusion, daß solche Persönlichkeiten eine tiefgehende Veränderung der kapitalistischen Gesellschaft vollbringen könnten. Einige Vertreter dieser Theorie sind der Meinung, daß nur mit den Mitteln einer fortschrittlichen Bildung und Erziehung der direkte Übergang von der spätkapitalistischen zur „liberal-sozialistischen Gesellschaft“ möglich ist.

Diese Auffassung vertritt auch Wolfgang Klafki, Professor an der Marburger Universität. Klafki vertritt den Standpunkt, daß man durch eine Demokratisierung der Bildung eine Demokratisierung der Gesellschaft erreichen könne. Den Sozialismus, eine hochdemokratische Gesellschaft, könne man auch ohne die Diktatur des Proletariats erreichen. Wenn freie, politisch mündige Persönlichkeiten erzogen würden, dann führe das direkt zu einer „freien Gesellschaft“, zum „liberalen Sozialismus“.
Klafki versucht hier eine Scheinlösung. die mittels eines Rückgriffs auf die Utopisten, durch „überspringen“ des realen Sozialismus, erreicht werden soll. In diesen Überlegungen tritt die Frage der Demokratisierung der Gesellschaft in den Vordergrund, die auch als Herausbildung eines staatlich-politischen Regimes verstanden wird, das größere Möglichkeiten für die Entfaltung der Persönlichkeit gibt. Völlig offen läßt Klafki die Frage, ob die Bildung eines solchen Regimes unter der Herrschaft der imperialistischen Bourgeoisie möglich ist. Können Arbeiter frei sein, wenn sie ökonomisch von den Kapitalisten abhängig sind?

Ist Demokratie ohne ökonomische Veränderungen möglich?

Die ökonomische Seite dieses komplizierten und widersprüchlichen Prozesses der Demokratisierung der Gesellschaft wird unterschätzt. Man begreift nicht, daß unter der Herrschaft der imperialistischen Bourgeoisie auch der Bildungsprozeß nicht demokratisiert werden kann, damit kann er auch nicht den Interessen der Werktätigen dienen.

Was ist die entscheidende Frage?

Uns ist aber klar, daß bei einem solchen Zustand der Gesellschaft, in dem sich der größte Teil des Reichtums des Landes und des Volkes in den Händen einer kleinen Minderheit befindet, auch eine wesentliche Voraussetzung für die Befreiung des größten Teils der Bevölkerung fehlt. Es kann sich auch nicht die Arbeit weiterentwickeln, die darauf hinzielt, eine große Anzahl von Persönlichkeiten zu befähigen, die komplizierten gesellschaftspolitischen Fragen selbständig zu lösen und sich an der Leitung der Gesellschaft zu beteiligen.

Weshalb ist politische Aufklärung notwendig?

Ohne die ökonomische Befreiung der Werktätigen, ohne den Übergang vom Privateigentum an Produktionsmitteln zum gesellschaftlichen Eigentum ist die Herausbildung eines wirklich demokratischen Bildungssystems nicht möglich, das auch ein hohes Bildungsniveau für alle garantiert. Dieses Bildungsniveau ist aber die Grundlage für die Herausbildung einer großen Anzahl politisch reifer Bürger, die sich selbst bestimmende Persönlichkeiten sind.

 „Haltet den Dieb!“ – schreit der Räuber.

Damit die Gesellschaft dieses Niveau erreicht, ist ein organisierter politischer Klassenkampf erforderlich, nicht das „ideologische Einzelgängertum“ der Persönlichkeit, die nur das eigene Ich vor den Einflüssen der organisierten Propaganda schützen will. Der Schutz des eigenen Ichs vor den ideologischen Einflüssen, vor der Manipulierung, ist besonders dann von negativer Bedeutung, wenn reaktionäre und fortschrittliche Propaganda in demagogischer Weise gleichgesetzt werden. Das ist auch bei den Autoren der dreibändigen „Erziehungswissenschaft“ der Fall. Darin wird dieses Ziel als eine Reaktion auf die aufgezwungenen politischen Einsichten und Auffassungen seitens der Herrschenden betrachtet.  „Verzichten wir nämlich auf den Anspruch, junge Menschen zur selbständigen Beurteilung politischer Zusammenhänge zu befähigen, dann schlägt politische Erziehung in ihr gerades Gegenteil um. Sie wird zur Manipulation im Dienste der jeweils Herrschenden“, schreibt Lingelbach. [3]

Die Ideologie der „politischen Mündigkeit“

Für die Autoren der „Erziehungswissenschaft“ entsteht die Manipulierungsgefahr nicht nur durch die herrschende imperialistische Bourgeoisie in einem kapitalistischen Land, sondern auch durch die „Herrschenden“ in den sozialistischen Ländern. Gegen sie und ihren organisierten ideologischen Einfluß müsse von den Positionen der „politisch mündigen Persönlichkeit“ vorgegangen werden. Mit diesem Ziel orientieren die Verfasser die Jugend auf eine ablehnende Haltung nicht nur gegenüber den Herrschenden in der spätkapitalistischen Gesellschaft, sondern auch gegenüber der sozialistischen Gesellschaft.

Ist bürgerliche Apologetik nur Dummheit…

Den Autoren der „Erziehungswissenschaft“ ist nicht klar, daß die Propaganda zur Verteidigung des Imperialismus und die zur Verteidigung des Kommunismus sich als gegenseitig ausschließende ideologische Kräfte gegenüberstehen. Die eine weist rückwärts, die andere nach vorn. Die eine schafft Apologeten des Kapitalismus, die andere seine Totengräber, Teilnehmer am Kampf um den Aufbau der sozialistischen und kommunistischen Gesellschaft. Die Vertreter der Konzeption von der „politischen Mündigkeit“ wollen sich damit von der Propaganda im Sinne des Imperialismus distanzieren. Zugleich lehnen sie jedoch auch die Leitideen der internationalen proletarischen Befreiungsbewegung ab. Sie sprechen damit viele sich gegen den Imperialismus wendende Kräfte an, die besonders die Jugend vor der imperialistischen Manipulierung schützen wollen. Objektiv aber wirkt diese Theorie im Sinne der imperialistischen Stabilisierungsbestrebungen; denn sie zielt darauf ab, die antagonistischen Widersprüche durch eine „neue Erziehung“ des Menschen zu überwinden.

… oder: Warum ist sie ein vorsätzlicher Betrug?

Die Konzeption von der „politischen Mündigkeit“ ist illusionär und lenkt vom Klassenkampf ab. Sie leugnet die historische Mission der Arbeiterklasse, die Notwendigkeit der führenden Rolle einer marxistisch-leninistischen Partei und offenbart ihren reaktionären Charakter ganz deutlich, wenn sie die Forderung nach dem „politisch mündigen Bürger“ besonders für den Sozialismus propagiert.

Die gesamte Konzeption der „politischen Mündigkeit“ steht mit ihrem Subjektivismus und ihrer Leugnung der objektiven Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung dem Marxismus-Leninismus feindlich gegenüber. [4]

Das Einschleusen dieser Theorie mit Hilfe der ideologischen Diversion kann der Arbeit am Aufbau der sozialistischen Gesellschaft nur schaden. Die Organisatoren der ideologischen Diversion wollen mit dieser Theorie die Jugend und die Intelligenz von der aktiven Teilnahme am sozialistischen Aufbau ablenken. Sie hoffen damit, einen Keil zwischen die Parteiführung und den „denkenden Teil“ der Bevölkerung in unseren sozialistischen Ländern zu treiben. Diese Absichten und die reaktionäre Funktion dieses Erziehungsziels erfordern eine kritische Auseinandersetzung. Seine scheinbare Progressivität erweist sich in Wahrheit als reaktionär.

Anmerkungen und Zitate:
[1] Erziehungswissenschaft. Funk-Kolleg. Fischer-Bücherei, Frankfurt am Main 1970f71. Bd. 1-3
[2] …das ist noch milde gesagt! Erforderlich ist eine harte und klare Auseinandersetzung mit der bürgerlichen Ideologie, insbesondere mit dem Antikommunismus!
[3] Ebenda, Bd. 2, S. 119.
[4] Politisches Einzelgängertum und die Erziehung zum Individualismus in der bürgerlichen Pädagogik ist beabsichtigt. Das ist übrigens die Grundlage für das bekannte Prinzip „Divide et impera!“
Quelle:
Autorenkollektiv, Die marxistisch-leninistische Pädagogik – eine streitbare Waffe gegen den Antikommunismus, Volk und Wissen, Volkseigener Verlag, 1972, S.187-192. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)
Der Autor
Prof.Dr. Najden Tschakaroff war Leiter des Lehrstuhls für Geschichte der Erziehung an der Universität Sofia.

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Weitere Beiträge aus diesem Buch:
1. Margot Honecker: …und der Zukunft zugewandt
2. Die schleichende Konterrevolution in der ČSSR
3. Didaktische Konzeptionen der politschen Bildung in der BRD
4. Die antikommunistische Manipulierung der Schuljugend in der BRD

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9 Antworten zu Der mündige Bürger?

  1. Rotfront schreibt:

    Sehr guter Artikel, der klar die Illusion der „freien Bildung“ und damit einhergehenden Schwächung des Klassenbewusstseins darstellt.

    Margot war eine treue Genossin, die nie ein Blatt vor den Mund genommen hat und stets bedingungslos für den Sozialismus auf deutschem Boden kämpfte. Dieser Kampf ging bei ihr bis ins hohe Alter, noch als sie von der Konterrevolution politisch verfolgt wurde, vermochte sie stets, die Errungenschaften der DDR gegen bürgerliche Anfeindungen zu verteidigen.

  2. Grenzer84 schreibt:

    Hallo RF,
    sicherlich haben Margot und auch ihr Gatte den Sozialismus nicht verraten, aber warum bekämpften sie nicht konsequent den schleichenden Untergang des soz. Systems. Zumindest wußte Erich seit den 70er Jahren, dass Moskau bereit war, die DDR zu verkaufen, will sagen , die deutsche Frage stand zur Verhandlung?
    Schönes WE an alle, Grenzer84

    • sascha313 schreibt:

      Die Frage, Grenzer84, werden sich viele gestellt haben. Und wenn man z.B. sieht, was Margot Honecker auf ihrem Gebiet getan hat (siehe obiger Text!), ist das schon in erheblicher Beitrag. Aber hier zeigt sich eben auch, daß E.H. kein „Machthaber“ war, sondern daß die SED eine kollektive Partei war, in der sich durchaus nicht immer alle brüderlich einig waren. Im Gegentei: Es gab auch hier harte Kämpfe! Kurt Gossweiler hat das bis 1976 akribisch notiert. Allerdings hatte auch er bis fast zuletzt noch die Hoffnung, daß das Gute, das Richtige, der gesunde Kern der Kommunisten siegen würde. Aber es waren halt schon zuviele kleinbürgerliche Elemente in die Partei aufgenommen worden. Und die revisionistischen Kräfte fühlten sich zunehmend bestärkt durch die Revisionisten in der UdSSR. Das ist die Crux!

  3. Der Rückgrat schreibt:

    Liebe Redaktion,
    vorweg mache ich kurz mal den Lektor. Es muß einleitend wohl heißen „Denn es war für die…“ und nicht „Denn es war die die…“ – nur eine Formalie.
    Obiges treffend beschriebene pädagogische Bildungsziel ist nach immerhin ca. 40 Jahre dauerndem Sozialismus und sozialistischer Erziehung in der DDR nicht erreicht worden. Im Querschnitt stand der weitaus größte Teil der DDR-Bevölkerung den konterrevolutionären Ereignissen ab Mitte 1989 ideologisch hilflos gegenüber. Selbst die SED-Parteiführung und ihre Organe waren kopflos. Angesichts ihres eigenen Anspruchs im leninschen Sinne, die Avantgarde – also die denkende Elite – der Arbeiterklasse zu sein, eine krasse Fehlleistung.
    Die Schulbildung der DDR war besser als jene der BRD. Genutzt hat das dem Sozialismus aber leider nix. Die oft als im historischen Kontext entschieden handelnde Kraft der Arbeiterklasse trat nicht in Erscheinung – sie war bewußtlos. Und das ist sie danach in der BRD bis heute geblieben.
    Damit das im obigen Artikel geschriebene nicht reine Vergangenheitsbewältigung und Schnee von gestern bleibt, ist die Frage zu stellen wie heute – gut ein halbes Jahrhundert später – die Bildungsfrage unter gewandelten gesellschaftlichen Manipulationsbedingungen erneut zu beantworten ist. Ist dieses Buch schon geschrieben worden?

    • sascha313 schreibt:

      Danke für den Korrekturhinweis – hab’s geändert. Aber nun zur Sache: Wenn man zu dem Bildungsziel die Auseinandersetzung mit dem modernen Revisionismus hinzuzählt, muß man tatsächlich feststellen: Das Ziel wurde nicht erreicht.

      Allerdings darf man die Wirkungen der konterrevolutionären Entwicklung nach 1956 nicht unterschätzen. Sie zu unterschätzen, hieße auch, die auf der anderen Seite enormen kämpferischen Bemühungen derjenigen aufrechten Kommunisten kleinzureden, die sich von Anfang an offen oder verdeckt gegen die revisionistischen Auswüchse der Chruschtschow-Clique und deren Nachfolger eingesetzt haben.
      Zu denen gehörte in erster Linie auch Walter Ulbricht, der mit viel Klugheit immer wieder versucht hat, die Machenschaften dieser antikommunistischen Banditen ins Leere laufen zu lassen oder eben aufzudecken.

      Zum einen hat die verbrecherische Rede Chruschtschows nicht nur viele Genossen verunsichert, sondern auch einige DDR-Feinde wieder aus ihren Löchern hervorgelockt, zum anderen gab es auch in der SED Machtkämpfe (oder sagen wir besser: harte Auseiandersetzungen!) deswegen. Das hinderte natürlich auch die für politische Bilduung zuständigen Genossen in gewisser Weise daran, eine klare Linie gegenüber der Sowjetunion zu vertreten. So ist das – etwas komplizierter also, als wir’s gerne hätten.

      Und was die Arbeiterklasse btrifft, so kann die heutige Situation (auch in Westdeutschland) nur eine Folge davon sein. Welche Rolle spielt denn heute die mitgliederstärkste linke DKP? Ist sie führend? Ist sie revolutionär? Nein, sie ist es nicht. Welche K-Partei ist es denn überhaupt? Von der „Linkspartei“ wollen wir gar nicht erst reden. Solange dort antikommunistische Geschichtsfuzzis ihr Unwesen treiben, kann von einer klaren, revolutionären Führung überhaupt keine Rede sein.

      Dieses Buch ist also schon hundertmal geschrieben worden… woran es hängt? Es fehlt an der Klarheit und der Massenbasis!

  4. Grenzer84 schreibt:

    Sascha, wenn ich mir die Machtübernahme E.H. anschaue und mit welchen miesen Tricks Walter an die Wand gespielt wurde, zweifle ich an seiner Ehrlichkeit. Ein Kommunist handelt anders.

    • sascha313 schreibt:

      Völlig richtig! In seiner Autobiografie äußert sich Honecker dazu nicht. Auch in seinen Erklärungen „zu den dramatischen Ereignissen“ (1992) findet sich dazu keine Äußerung. Beschämend war, daß der Tod von Walter Ulbricht keinen Anlaß gab, die Weltfestspiele zu unterbrechen und m.W. auch nur eine lakonische Notiz in der Zeitung erschien…

      In „Am Ende verstehen sie es“ äußert sich Kurt Gossweiler so: „Auf die Absetzung Walter Ulbrichts angesprochen sagte Hacks: ‚Der Ulbricht-Mord von Honecker und Breshnew‘ sei für ihn ein furchtbarer Einschnitt gewesen, ‚den ich nie verwunden habe‘.“ (in: Hacks dto., 2005, S.206)

  5. Pingback: Margot Honecker: Bildung ist die wichtigste Waffe im Kampf gegen den Imperialismus | Sascha's Welt

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