Ist die Stalinfrage nur eine „theoretische Frage“?

Stalin-FotoOft wird nicht nur innerhalb kommunistischer Parteien, sondern auch im Gespräch mit politisch interessierten Menschen, schamhaft die Frage umgangen, wie man die Rolle J.W. Stalins einzuordnen habe. Die Frage ist jedoch von grundsätzlicher Bedeutung. Und es ist mehr als nur eine theoretische Frage: Kann es eigentlich zwischen Stalin-Anhängern und den erklärten Stalin-Gegnern Gemeinsamkeiten oder auch Bündnisse geben oder nicht? Dieses Ausweichen führt dann zu solchen Debatten, ob es denn nicht auch eine Dialektik zwischen Klarheit und Einheit gäbe oder ob ob man sich um der antimonopolistischen Einheit willen auch mit bürgerlichen Kräften verbünden könne.

Wer war Stalin wirklich?

Die Frage ist damit jedoch noch nicht beantwortet: War Stalin nun ein Bösewicht, oder war er es nicht? Eine Einigung beider Seiten scheint unmöglich, denn die Stalin-Gegner lassen nichts unversucht, um Stalin als einen Massenmörder darzustellen. Sie setzen ihn mit Hitler gleich, und sie feuern aus allen Geschützen gegen das, was wir als „real existierenden Sozialismus“ erlebt haben. Allerdings – und hier kommt das große ABER: den Beweis bleiben sie schuldig. Grotesk ist nur die Wiederholung längst widerlegter Behauptungen. Zwar erzielen rührselige Geschichten und Erlebnisse von Zeitzeugen eine gewisse Wirkung, doch die Geschichte ist nunmal kein Schnulzenroman, sondern eine Ansammlung von Tatsachen, die man unbedingt in ihrem historischen Zusammenhang sehen muß.

Was ist Geschichte?

Sie ist das Ergebnis der produktiven Tätigkeit der Volksmassen und ihrer, auf dieser primären Tätigkeit beruhenden politischen, kulturellen und geistigen Tätigkeit. „Die Menschen“, schreibt Friedrich Engels, „machen ihre Geschichte, wie diese auch immer ausfalle, indem jeder seine eignen, bewußt gewollten Zwecke verfolgt, und die Resultante dieser vielen, in verschiedene Richtungen agierenden Willen und ihrer mannigfaltigen Einwirkung auf die Außenwelt ist eben die Geschichte.“ [1]

Unsere Ansichten und Absichten

Und eines ist auch klar: „Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen.“ [2] – so schrieben schon 1848 Karl Marx und Friedrich Engels im Manifest der kommunistischen Partei. Das heißt, wir müssen, um glaubwürdig zu bleiben, nicht nur innerhalb einer kommunistischen Partei und im Umgang mit Gleichgesinnten, sondern auch in der Öffentlichkeit einen klaren Standpunkt beziehen, wie wir Stalin und die Sowjetunion beurteilen. Das heißt: Wir müssen uns mit dem modernen Revisionismus auseinandersetzen, der Stalin eine Abweichung von den Leninschen Prinzipien, eine Abweichung vom Marxismus unterstellt. Und unsere Absicht ist es, die Wahrheit zu verbreiten. Dabei ist die sogenannte „Stalinfrage“ nur eine von vielen.

Warum gibt es Kommunisten, die da anderer Meinung sind?

„Man kann sich nur wundern“, schrieb Genosse Kurt Gossweiler, „daß es Kommunisten gibt, die nicht erkennen können, daß die Sowjetunon der Chruschtschow, Breshnew und Gorbatschow, die wie ein morsches Haus zusammenbrach, eine ganz andere Sowjetunion war, als jene, die die allerhärteste Prüfung , die es in der Geschichte für einen Staat und eine Gesellschaftsordnung gab, siegreich bestand.“ [3]

Klarheit im Denken ist eine praktische Frage

Insofern ist auch die Frage beantwortet, ob es ohne Klarheit eine Einheit gibt. Nein. es gibt sie nicht! Die Haltung zu Stalin und zur Geschichte der KPdSU (B) ist der Prüfstein eines jeden Kommunisten. Und das ist eine unmittelbar praktische Frage. Denn Klarheit im Denken ist eine Bedingung für eine Vereinigung mit allen, die sich ebenfalls als Marxisten-Leninisten bezeichnen. Doch zeitweilige Bündnisse (z.B. mit fortschrittlich denkenden, bürgerlichen Kräften!) wird es immer geben müssen. Es ist so wie Lenin im Herbst 1900 schon sagte:

„Bevor man sich vereinigt und um sich zu vereinigen, muß man sich zuerst entschieden und bestimmt voneinander abgrenzen.“ [4]

Quellen:
[1] Friedrich Engels: Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie. In: Karl Marx/Friedrich Engels – Werke. Dietz Verlag, Berlin. Bd.21, S.297.
[2] Karl Marx/Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei.
[3] Kurt Gossweiler: Zur Rolle Stalins und zum Anteil des Chruschtschow-Revisionismus an der Zerstörung der Sowjetunion. In: Kurt Gossweiler: Wie konnte das geschehen? Bodenfelde, 2017, Bd.1, S.169.
[4] „Geschichte der KPdSU(B), Kurzer Lehrgang“, S.42; Ausgabe von 1945 S.39.

pdfimage  Die Stalinfrage

 Siehe auch:
Die Verleumdung Stalins durch Putin und die faschistische NATO-Propaganda
Die unschuldigen Opfer der Stalinschen Repressalien
 Der Anti-Stalinismus ist ein Verbrechen
Andrea Schön: Geschichtslügen – Fundamente des Anti-„Stalinismus“
Prof.Dr. W.A. Azjukowski: Welche Bedeutung hat die Sowjetunion unter der Führung Stalins für uns heute?

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5 Antworten zu Ist die Stalinfrage nur eine „theoretische Frage“?

  1. Erfurt schreibt:

    1945: Das Jahr voller Hoffnungen für Deutschland. Ein kurzer Rückblick, Stalin und die Zukunft Deutschlands betreffend:
    Stalin war in Theheran dabei, Stalin war in Jalta dabei, Stalin war in Potsdam dabei.

    Aber er war nicht nur dabei schlechthin, sondern er hat sich maßgeblich für die Zukunft eines ungeteilten Deutschlands eingesetzt! Stalins Worte:

    Das Deutsche Volk ist nicht das Hitlervolk, aber es muß erkennen wer Hitler ermöglicht hat.

    Sagen praktisch alles! Stalin hat uns die DDR nicht geschenkt aber überhaupt erst möglich gemacht! Danke Stalin!

    • sascha313 schreibt:

      Das wird – nicht nur uns – mit den Jahren immer klarer, was wir Stalin (d.h. den Völkern der Sowjetunion) zu verdanken haben. Im gleichen Zug verdorren auch immer mehr die Lügen, die uns aus den US-amerikanischen Giftküchen und PR-Agenturen entgegenschlagen…

  2. Thomas Artesa schreibt:

    Es ist schon richtig hier auch Friedrich Engels zu zitieren, dass Menschen Geschichte machen. Er hat aber auch die Geschichte im wichtigen Kontext zu den dialektischen Klassengegensätzen der entsprechenden Zeit gesehen. Es gibt da solche Sesselphilosophen, die noch immer diese dialektischen Gegensätze einer Klassengesellschaft gerne ausklammern wollen und dann esoterisch hinter einer Nebelwand im verquasten Nirwana abdriften. Anarchisten, Trotzkisten und andere bürgerlich-demokratische Kryptofaschisten sind da immer nur auf das persönliche Wohl des Einzelnen bedacht – scheren sich einen Dreck um die kapitalistischen Verrenkungen und prangern dann noch gerne Stalin an, der nun wirklich wie kein anderer nach ihm den Marxismus-Leninismus gepflegt hat. Bitte aber alles unter den Bedingungen der Zeit heraus betrachten, mit dem aufgezwungenen Bürgerkrieg, WWII und der Dauerhetze gegen die Sowjetunion und jetzt Russland seit 1917. Das geht seit 1917 ununterbrochen so weiter bis heute 2022. Da kann man vielleicht seine eigene Meinung haben und in das gleiche Horn der gleichgeschalteten modernen Medien blasen – auch Putin ist kein Heiliger, wie eben Stalin nicht, aber was wäre, wenn damals Trotzki an die Macht gekommen wäre oder jetzt so ein Gorbatschow / Jelzin / Chodorkowski /Kasparow-Hampelmann. Dann hätten wir wirklich Russland aufgeteilt in mehr als 100 Bananenrepubliken und hunderte von Speichelleckern wie dieser „uneigennützige“ Selenski in der Ukraine oder dieser deutsche Scholz, der seinen Rücken nicht mehr gerade bekommt bei so vielen Bücklingen in Washington und London, neben dieser dummdreisten Trampolinspringerin auf dem glatten Parkett der Außenminister – Sic!

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