For Eyes Only (Streng geheim)

fio1Wer erinnert sich noch an diesen DEFA-Film von 1963. Hier wurde nach ausführlichen Recherchen unter der Regie von János Veiczi das Schicksal eines DDR-Kundschafters filmisch umgesetzt. Es geht um die Sabotage und Diversion westlicher Geheimdienste in der DDR. Spannend gemacht…

Handlung:

Das Jahr 1961: Hansen gilt bei seinem Sohn als Republikflüchtling, arbeitet jedoch in Wirklichkeit seit drei Jahren als Kundschafter der DDR in der BRD. Er wurde vom MfS erfolgreich in die Dienststelle des MID in Würzburg eingeschleust, die sich als „Concordia“-Handelsgesellschaft tarnt. Sie ist Teil eines Netzwerks, das Pläne zur Übernahme der DDR schmiedet. Der Schlag gegen das Land steht unmittelbar bevor. Jeder MID-Zentrale(ein Geheimdienst USA) liegen die Übernahmepläne vor.
Das MfS beauftragt Hansen, ein Original des Schriftsatzes zu beschaffen. Diesen will man an die Presse weitergeben, um jegliche Verschwörung gegen den Staat im Keim zu ersticken. Hansen vermutet die Papiere der MID-Dienststelle im Safe seines Vorgesetzten Major Collins. Als er bei einem Kleinkriminellen eine Kopie des Safe-Schlüssels anfertigen lassen will, erfährt er, dass er nicht der erste mit diesem Ansinnen ist. Auch Sicherheitschef Colonel Rock, der Vorgesetzte von Major Collins, ahnt, dass es eine undichte Stelle in der Würzburger Zentrale geben muss, wurden doch in letzter Zeit zahlreiche Würzburger Agenten in der DDR enttarnt.
Die Amerikaner vermuten in Hansen einen Spion, da er als einziger von ihnen aus dem Osten kommt und er auch während der NS-Zeit keine große Karriere gemacht hat, um aus diesem Grund in den Westen fliehen zu müssen. Selbst einen Lügendetektortest besteht Hansen jedoch. Gleichzeitig findet man bei einer Hausdurchsuchung in Hansens Safe Fotos, die den Würzburger Mitarbeiter Schuck als Maulwurf des Bundesnachrichtendienstes enttarnen. Schuck wird liquidiert. Eine unachtsame Äußerung Collins’ macht Hansen deutlich, dass die wichtigen Papiere nicht im Safe, sondern im Kühlschrank Collins’ lagern. Es gelingt Hansen, kurz vor der geplanten Besetzung der DDR sämtliche Mitarbeiter der MID-Villa anderweitig zu beschäftigen. Er nimmt die Papiere aus dem Safe an sich und transportiert den gesicherten Kühlschrank in sein Auto. Zusammen mit dem tschechischen Chauffeur František, der menschlich zu gut ist, um weiterhin mit dem MID zusammenzuarbeiten und den Hansen lieber wieder in dessen Heimat sehen will, fährt er an die Grenze. Die Amerikaner sind bereits auf seine Flucht aufmerksam geworden und haben sämtliche Wege in den Osten abgesperrt. Hansen durchbricht die Sperren und bringt die Papiere sicher in die DDR.
Die Weltpresse berichtet vom gescheiterten Versuch der Amerikaner, einen Krieg gegen die DDR zu führen. Collins wird liquidiert werden. Hansen wiederum darf nun endlich seinen Sohn wiedersehen und ihm die wahren Hintergründe für sein Fernbleiben verraten.

Um den vollständigen Film zu sehen, bitte Link klicken.


Produktion:

„For Eyes Only“ entstand nach einer Idee von Hans Lucke. Hintergrund waren zum einen Kriegspläne der NATO, bzw. Bundeswehr gegen die DDR, die 1960 als DECO II und MC-96 bekannt wurden und von Walter Ulbricht als ein Grund für die Errichtung des antifaschistischen Schutzwalls genannt wurden.
Auch die Dramaturgen des Films beriefen sich auf zugrundeliegende, reale Ereignisse des Films: „Wir versuchen in diesem Film, trotz freier Gestaltung, uns in den wesentlichen Zügen an Tatsachen-Material und echte Dokumente zu halten (DECO II, MC 96).“ Zum anderen hatte bereits 1956 ein MfS-Mitarbeiter aus der MID-Stelle in Würzburg (der Doppelagent Horst Hesse) die gesamte MID-Agentendatei für die DDR an sich bringen und in die DDR schleusen können. In der Folge konnten über 140 Personen in der DDR enttarnt und verhaftet werden.  Aus beiden Vorfällen sowie weiteren zeitgenössischen Begebenheiten wurde das Drehbuch zusammengestellt, das in enger Zusammenarbeit mit dem MfS entstand. Der Realitätsanspruch findet sich im Einleitungstext des Filmes wieder, wo es heißt: „Die Handlung des Films ist frei erfunden – Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten und lebenden Personen sind beabsichtigt.“

fio2Die Hauptrolle übernahm der damals am Berliner/DDR Maxim-Gorki-Theater tätige und filmunerfahrene Schauspieler Alfred Müller, der durch den Film zum Star wurde. Teilweise werden Dialoge des Films auf Englisch eingesprochen und von Erzähler Gerry Wolff ins Deutsche übersetzt. Einzelne Szenen des Films wurden auf dem Berliner Alexanderplatz, auf dem Platz der Luftbrücke in Berlin-Tempelhof und im Botanischen Garten in Berlin gedreht.

„For Eyes Only“ wurde am 15. Mai 1963 als „Politischer Gegenwartsfilm“ freigegeben und erlebte am 19. Juli 1963 im Berliner „Kosmos“ seine Uraufführung. Der Film wurde ein großer Publikumserfolg: Bereits nach einer Woche hatten im Karl-Marx-Städter „Luxor-Palast“ 30.000 Zuschauer den Film angesehen, im August waren es DDR-weit 630.000 Besucher. Bis 1973 hatte der Film in der DDR 2,3 Millionen Zuschauer in die Kinos gelockt.  Auch das Interesse in osteuropäischen Staaten war groß, so wurde der Film unter anderem nach Bulgarien, Ungarn und Rumänien, aber auch ins sozialistische Kuba verkauft.
Der Film erhielt das Prädikat „Künstlerisch besonders wertvoll“. Regisseur, Darsteller und weitere Mitarbeiter des Films wurden in der Folgezeit mehrfach ausgezeichnet, so erhielt das gesamte Filmensemble unter anderem 1964 den Nationalpreis III. Klasse.  Im Jahr 1991 wurde er im Rahmen einer DEFA-Retrospektive auf der Berlinale gezeigt.
Quelle:
Die Trommler (Archiv) Fotos: Screenshot Film
(Vielen Dank für die Erinnerung an diesen Film, liebe Petra!)
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44 Antworten zu For Eyes Only (Streng geheim)

  1. Valeri schreibt:

    Danke.Muss ich suchen.

  2. sischramme schreibt:

    Das Bild der Szene, fast am Ende des Films, zielt auf den Mann, der dann mit in die DDR samt Kühlschrank konnte.
    Dieser DEFA-Film wie auch andere, sind bei mir auf Video. Heute wird uns doch beigebracht, dass die Spione aus dem Westen, die Guten seien, und daher in der DDR spioniert haben. Das ZDF brachte es kürzlich. Natürlich hatte man damals nie das Ziel aufgegeben den Osten militärisch wie die Wehrmacht mit den gleichen Mitteln und der selben Ideologie zu erobern.

    • Valeri schreibt:

      Ja richtig.
      Wer kennt schon: Gruppe für Menschensrechte.
      Die war für Sabotagen auf DDR Gebiet zuständig.
      Letzte Woche gab’s auf ARD ein Film uber NK, und am nächsten Tag hat Springer Verlag GmbH durchgedreht „es ist NK propaganda, und im Staatlichen Sender“

      • sischramme schreibt:

        Wenn es um die Rechte der Menschen geht, schweigen Springerstiefel und die Nachfolger aus der NS Zeit Stern. Diese Gruppe für Menschenrechte schützte die „Schleuser“ so werden die doch heute genannt, wobei das eine mit dem anderen nicht vergleichbar ist. Da heute Menschen vor dem Krieg fliehen und damals diese armen gram-gebeugten Konterrevolutionäre einen sicheren Fluchtweg erhalten sollten, nach dem sie hier und da wichtige Produktionsmittel von Betrieben zerstört hatten.

  3. Pingback: Das unsichtbare Visier oder For Eyes Only | Schramme Journal

  4. Valeri schreibt:

    Sascha, wissen Sie nicht zufällig wohin der Stalinblog umgezogen ist?

  5. Valeri schreibt:

    Sascha habt Ihr Daten uber einwanderung in DDR, weil uber auswanderung geschrieben wird…

  6. Valeri schreibt:

    Danke Sischramme, es ist noch schlimmer, meistens wissen die Leute, um was es geht, aber die haben ihre Meinung – Meine Frau musste, bevor Sie angefangen hat zu arbeiten und für 8,50 eingestellt wurde, abfrage stellen bei: BND, AmD, Kripo – weiss ich wo noch alles. das waren, glaub ich, 8-9 geheimdienste. Aber da wird geredet uber STASI 2.0)

  7. sascha313 schreibt:

    Ich habe noch ein Statistisches Jahrbuch der DDR von 1990. Da ist weder der Begriff „Auswanderung“, noch „Einwanderung“ verzeichnet, auch nichts ähnliches. Es gibt auch keine vergleichbaren Statistiken. Daher sind auch die Zahlen über die Wohnbevölkerung nicht sehr aussagekräftig.
    1970: 17.068, davon berufstätig: 7.769
    1981: 16.706, davon berufstätig: 8.269
    1989: 16.434, davon berufstätig: 8.547
    (1970 u. 1981 – Volkszählung; alle Angaben in Tausend)
    Allerdings ist bekannt, daß bis 1990 zahlreiche DDR-Bürger einen sog. „Ausreiseantrag“ gestellt und tatsächlich auch die DDR verlassen haben. Ebenso gab es natürlich auch Einreisen zum Verbleib in der DDR. Ein sehr bemerkenswerter Einwanderer ist z.B. Ronald Schernikau. Es gelang ihm sogar, im September 1989 die Staatsbürgerschaft der DDR zu erwerben.

    • Valeri schreibt:

      O Danke! Werde begrüßen wenn ihr weitere Infos zufügen.
      Ich habe bericht von DB „Einschetzung wirtschaft DDR“ auch Finanzen, muss ich suchen irgend wo auf externe f.platten

    • Ulrich Schliz schreibt:

      Ich kann mich an einen Spiegel-Artikel aus der Zeit der BRD erinnern, der von Einwanderern aus der BRD handelte. Es waren eine ganze Menge. So ungefaehr 50% von den Auswanderern.

    • sascha313 schreibt:

      Воробьи свистят это с крыш – a теперь это пишет также буржуазная газета…

      Nein, natürlich war die DDR nicht „pleite“ – sie wurde zerstört, damit der Westkapitalismus (über)leben kann. Der Bericht ist von A-Z gelogen, die Zahlen sind gefälscht. Die Wahrheit steht hier (von einem der dabei war): Was jeder über die DDR-Annexion wissen sollte…

      • Valeri schreibt:

        ja aber 2014

      • Valeri schreibt:

        ich weiß. wie auch udssr, aber es reicht nicht. es hat abgefangen mit Gorbatew, das wegen liebt westen seine „Perestroyka“. (es tut’s mir leid-drei sprachen auf eine Tastaturen, bedeuten nichts gutes)

      • sascha313 schreibt:

        Wir wissen heute aus der Geschichte, daß die offene Konterrevolution in der Sowjetunion nicht erst mit Gorbatschow angefangen hat, sondern sie begann bereits 1953 mit der Ermordung Stalins. Wenig später wurden weitere kommunistische Politiker ermordet. So zum Beispiel auch G.Dimitroff.

        Darüber hat ausführlich der kommunistische Historiker Dr.Kurt Gossweiler in seiner „Taubenfußchronik“ berichtet. Siehe auch: Wie konnte der revisionistische Umsturz in der Sowjetunion gelingen? oder auf Russisch: Курт Госсвейлер Ревизионизм в коммунистическом движении

        Nebenbei: Für die deutsche Tastatur gibt es eine geniale Umschaltmöglichkeit auf die russische:
        http://russisch.urz.uni-leipzig.de/key2000.htm

      • A.) Nach heutigem “Kurs“ stellte die DDR im Jahr 1989 einen “menschlichen“ Kapitalwert von ~15.000 Milliarden dar!

        B.) Das BIP der DDR steigerte sich von ~255 Mrd. im Jahr 1980 um 44% auf ~353 Mrd. im Jahr 1989. Dies stellt einen weiterer Kapitalwert von mindestens ~35.000 Mrd. dar.

        GB hat der sogenannten “Wiedervereinigung“ unter der Auflage zugestimmt, dass die “internen DDR-Verpflichtungen“ unter den verschiedenen DDR-Institutionen, die sich auf 40 Mrd. MARK = 4 Mrd. DM belaufen haben sollen, in Schuldverschreibungen von 400 Milliarden für englische Banken mit einem Zinssatz von 10% “gewandelt“ werden. In den letzten 27 Jahren sind von “deutscher“ Seite allein dafür 1.080 Milliarden an Zinsen an englische Banken geflossen.

        A.) + B.) = 50.000 Milliarden [was so hoch ist, wie das gesamte BIP aller kapitalistischen Länder pro Jahr!]

        Die Übernahme der DDR sicherte dem Banken-Syndikat des Papstes ( =der Kirche) — das ist die BIS/deutsch: BIZ in Basel — den benötigten Pfand, um die kapitalistischen Länder weiter mit Währung versorgen zu können.

        Durch den “Werteverfall“ aller Unternehmen, der durch den sogenannten “Crash“ am 19. Oktober 1987 ausgelöst wurde, fehlte dem Kapitalismus das Pfand, um die Liquidität an Währung aufrechterhalten zu können! Die BIZ kann nämlich nur Währung zur Verfügung stellen, wenn ein entsprechender “Gegenwert“ vorhanden ist. Dieser wurde aber im Crash von 1987 halbiert. Nach den “Regeln“ des Kapitalismus hätte dies eine Liquidierung der Schulden = ausgegebene “Kredite“ zur Folge haben müssen.

        Dies hätte in einigen kapitalistischen Ländern zur Deflation, in anderen zur Inflation und in allen kapitalistischen Ländern zu einer Teuerung geführt.
        Das Ergebnis wäre der Zusammenbruch des Kapitalismus gewesen, was weltweit wohl zu mehr als einer Milliarde Toter geführt hätte … und das hätte sich selbstverständlich nicht bloß auf die kapitalistischen Länder beschränkt …

        … denn weder die damalige CCCP noch China waren überhaupt auf ein derartiges Szenario vorbereitet, weil ja bis heute nicht einmal Gestandene Kommunisten “verstehen“, was denn überhaupt den Kern des Kapitalismus wirtschaftlichausmacht!!!

        … und dies, obwohl Engels und Marx das alles bereits vor über 150 Jahren vollumfänglich analysiert hatten!

        “Es werden Berge von Geld entstehen!“ => “die kann aber niemand essen“

        #
        A.) plus B.) sicherten — weil die DDR rechtlich als Pfand gelten konnte — das Überleben des Kapitalismus!

        … und ganz ehrlich:
        Wäre ich damals in der Entscheidungsgewalt der CCCP oder Chinas gewesen

        — das muß sich doch einfach mal vorgestellt werden: “Der Kommunismus nimmt den eigenen Untergang des Kapitalismus in Kauf ::: zu einem solchen Preis???

        Kein ehrlicher Sozialist, keiner der Kommunist ist, kann den Untergang des Kapitalismus Wollen, wenn WIR die darauf folgenden Opfer nicht mal fähig sind “aufzufangen“, geschweige denn Milliarden von Menschen mit dem Allernötigsten zu versorgen !!! [*1]

        Ich muß vermuten, dass mein Kommentar sogar hier von den Lesern auf ’sascha‘ kaum, wenn überhaupt — oder gar nicht verstanden wird.

        [*1] Allen Menschen, die in Stalingrad eingekesselt waren, wurde VERSPROCHEN: “Wenn ihr euch ergebt, werdet ihr nach dem Krieg nach Deutschland entlassen, hier werdet ihr mit Nahrung und Medizin versorgt“ (Memento Stalingrad)

        Die FÜR MICH traurige Tatsache aber bleibt: VON den 80.000 Kriegsgefangenen aus Stalingrad und all den anderen MILLIONEN von Kriegsgefangenen kamen nach den mit bekannten Darstellung bis 1956 wohl nur 6.000 zurück!

        WARUM wurde die Tatsache, dass viele (?) Kriegsgefangenen zum Aufbau der DDR beitrugen — derart verschwiegen? Weder in der DDR noch in der BRD Literatur und Forschung finde ich etwas darüber!!!

      • sascha313 schreibt:

        Danke, Georg! Zu den Heimkehrern habe ich noch nichts Verbindliches gefunden – wieviele es waren und woher sie kamen. Die Zahlenangaben aus westdeutschen Zeitschriften sind durch nichts belegt, es sind oft nur Behauptungen. Daß auch in der Sowjetunion viele umkamen, ist unstreitig. Sie wurden aber dort trotz der Not der eigenen Bevölkerung in den Kriegsgefangenenlagern versorgt und medizinisch betreut. Kommunisten und Antifaschisten leisteten einen wertvollen Beitrag zur Umerziehung.

      • “Daß auch in der Sowjetunion viele umkamen, ist unstreitig. Sie wurden aber dort trotz der Not der eigenen Bevölkerung in den Kriegsgefangenenlagern versorgt und medizinisch betreut.“

        Beim noch einmal Durchlesen meines Kommentars zu [*1], ist mir bewusst geworden, dass er als eine Anklage verstanden werden könnte. Um Mißverständnisse gar nicht erst entstehen zu lassen, möchte ich ergänzen:

        Die Verantwortung, dass die Soldaten in Stalingrad, die in Kriegsgefangenschaft gerieten, so schlecht wie gar keine Überlebenschance hatten, trägt selbstverständlich zuallererst das rassistisch-faschistische Regime, dann die Heeresgruppe Süd, der die 6. Armee und die Panzergruppe 4 unterstanden;
        die eigentlich Verantwortlichen sind jedoch Friedrich Paulus, seine 22 Generäle und der gesamte Offiziersstab der 6. Armee:

        Denn die Führung der Roten Armee hatte ja eine [im soldatisch-militärischen Sinne] den im Kessel von Stalingrad eingeschlossenen Menschen eine großzügige und ehrenvolle Kapitulation — und zwar zu den Vorschriften der HLKO — angeboten:

        “Waffen niederlegen, sich ergeben = Kapitulation !!!
        a.) ohne den Rechtsverlust der in der HLKO ratifizierten Gesetze und Regeln,
        b.) die jeweils eigen militärische Position behalten — für Offiziere: sie durften eine Waffe behalten; für hohe Offiziere: sie durften zusätzlich das Schwert mit sich führen —
        c.) die erforderliche Ernährung aller Kriegsgefangenen sowie die medizinische Betreuung aller Verwundeten.


        Friedrich Paulus hat diese Kapitulation abgelehnt und, nach Aussage eines Generals, sich nicht einmal mit den unter ihm stehenden 22 Generalen, ausgetauscht.

        “Offensichtlich“
        — so hat ihn mein ältester Sohn bezeichnet, als er gestern Memento Stalingrad auf dem Küchentisch fand und anfing darin zu stöbern … und gar nicht mehr aufhören konnte, darin zu lesen und mit mir darüber zu sprechen —
        “war der Mann ein Bob“ (heutige Bezeichnung bei der Jugend für einen Menschen mit einer Kognitiven Dissonanz,

        [nebenbei: mein Sohn war total überrascht von der Differenzierung die Willi Bredel in seinem Buch vornimmt!]

        “aber gar kein Führer, sondern ein Karrierist — das Schlechteste, was man sich in einem Krieg wünschen kann!“

        Und noch eine Randbemerkung:
        Meinem Sohn (1989) wurde in der Schule im Unterricht der Geschichte – wie er mir gestern erzählte – folgende PROPAGANDA vermittelt:
        Friedrich Paulus wäre Generalfeldmarschall gewesen und durch seine Kapitulation hat er 80.000 Soldaten gerettet! Als ich ihm sagte, dass er dazu erst am 30. Januar 1943 befördert wurde, war er fast sprachlos und als ich ihm sagte, dass die Rote Armee die ihm angebotene ehrenvolle Kapitulation, verweigerte, sagte mein Sohn:
        “Dann war der ja noch mehr als ein Bob: ein echter Sklave, der nur aufgrund seiner Bezeichnung Autorität hatte, dem die Alpha-Männchen gehorchten, obwohl er selber keiner war: Im Tierreich kann sowas nicht beobachtet werden!!!‘

        Zusammenfassung:

        Seit November 1942 konnte die Versorgung mit Nahrung und medizinischer Versorgung der im Kessel von Stalingrad eingeschlossen Menschen nicht mehr gesichert werden.
        In der Folge leichter Sommerbekleidung und ohne ausreichende Wärmeversorgung und Nahrung, litten die Menschen an Unterernährung und Erfrierungen, die sie kampfunfähig machten.
        Die Versprechen, dass aus der Luft genügend warme Kleidung, genügend Nahrung und Munition herbeigeschafft werde;
        Die Phasmargogie, dass eine “gewaltige“ Panzertruppe
        “uns hier raushauen wird“, konnte weder zu Weihnachten, noch zu Neujahr wahrgenommen werden
        … alles Reden, dass die Panzertruppen des ‚von Manstein‘ über 100 Kilometer vor Stalingrad vernichtet wurden
        — UND von dem Friedrich Paulus KENNTNIS hatte!!! —
        Hätten diesen Menschen veranlassen müssen, keine weiteren Opfer zuzulassen!!!

        … Aber selbst die großzügig angebotene Kapitulation vom 9. Januar 1943, schlug er in den Wind!

        Waren die zu erwartenden Kriegsgefangenen bereits spätestens zu Neujahr 1943 VOLLKOMMEN unterernährt, an Zehen und Füßen, Fingern und Händen, an Lippen, Augenbrauen, Wangen, Ohren und Nasen ERFROREN — und schon daher kampfunfähig …

        wartet dieser Paulus bis zum 30. Januar 1943 … bis er endlich zum “Generalfeldmarschall“ ernannt wird! … … und immer noch verweigert er diese SOLDATISCHE EHRE einer Kapitulation!!!

        Fazit:
        Weil ich mich nicht mit dem anderen Irrsinn – sondern speziell mit Stalingrad beschäftigt habe:

        Ein Soldat — seit Wochen fast ohne Nahrung am Überleben, Körperglieder am Erfrieren ???

        … oder was denkst du – was denkt ihr:

        Abgemagert bis auf die Knochen mit abgefrorenen Zehen, Nasen, Ohren, voller Entzündungen, begleitet von Vergiftungserscheinungen und Kotzen und Durchfall ::: ___ Wie viele Kilometer würdest du – würdet ihr wohl bis zum nächsten Kriegsgefangenenlager aushalten:

        Ich kenne drei Menschen — die sind nun schon ein paar Jahre tod … und ich könnte hier meine eigene Geschichte von Lager und Folter erzählen …

        Paulus und seine 22 Generäle SIND dafür verantwortlich, dass dort 250.000 GUTE-MENSCHEN verreckt sind … und sie sind auch dafür verantwortlich, dass so schlecht – wie kein Kriegsgefangener überhaupt von Stalingrad die Lager — voller Nahrung und Medizinischer Versorgung —erreichen konnte!

        auf dem Weg zum Lager sind diese Menschen entkräftet umgefallen

        Vielleicht werden irgendwann mal die Archive geöffnet: Dann kommt aber auch raus, dass die Kriegsgefangenen sich über die Leichen ihrer Kameraden hergemacht haben, wie vorher über die toten Pferde in Stalingrad!

        ABER — WER kann diese WAHRHEIT über unser MENSCHSEIN ertragen, wer kann in unserer Kultur so ETWAS überhaupt fürwahrhalten???
        Das ist TABU — ich kenne keinen, der auch nur dieses “Thema“ anrühren möchte:
        Man will eine
        ideologisch heile und perfekte WELT!!!

      • sascha313 schreibt:

        Kein Grund für Mißverständnisse. Ich glaub aber, daß die „Öffnung der Archive“ nichts grundsätzlich Neues bringen kann, als das , was bis 1953 schon veröffentlicht wurde. Außer vielleicht Dinge, die man aus diplomatischen Gründen damals lieber verschwieg. Möglicherweise kämen aber noch ganz andere Schweinereien raus, die sich einige derjenigen geleistet haben, die uns später als Revisionisten bekannt wurden z.B. Chruschtschow, Breshnew und andere. Und da ist fraglich, ob das den heutigen Herren genehm ist…

      • … ich denke auch so !!!

        Im Grunde IST alles gesagt, geschrieben, und von den “dummen“ Opfern erlebt worden:

        … UND es ist Vergangenheit, aus der wir LERNEN KÖNNEN!!! … aber aus der nur wenige etwas LE>R>NEN!

    • Andi67 schreibt:

      @Valeri, das die DDR nicht pleite war, steht heutzutage sogar öffentlich in der Bundeszentrale für politische Bildung und die sind nicht gerade DDR freundlich. Selbst dort steht, das die DDR, schwarze Zahlen schrieb, also nich „pleite“ war.

  8. Rolf schreibt:

    Noch ein Zusatz zu For Eyes Only:
    Über „seinen“ Film schreibt Harry Mittenzwei auch kurz im Buch „Unbequeme Zeitzeugen“.
    Rolf

    • sascha313 schreibt:

      Danke auch an Wolfgang Stuchly, der uns darüber einen Bericht gab, wie solche Veranstaltungen wie die Buchvorstellung „Unbequeme Zeitzeugen“ gewöhnlich abzulaufen pflegen. Sachlich, korrekt und mit zahlreichen überzeugenden und beweisbaren Argumenten auf der Seite der ehemaligen MfS-Mitarbeiter – und provozierend, störend, lautstark, frech und beleidigend (wegen fehlender Argumente!) auf der anderen Seite, der Seite der bundeszentralpolitischen „Aufarbeiter“…. hier zeigt sich wieder mal – wer schreit hat Unrecht!

  9. Valeri schreibt:

    idioten brauchen iPhone – der rest interessiert sie nicht…

  10. Ulrich Schliz schreibt:

    Nochmal zu den deutschen Soldaten die in russischer Kriegsgefangenschaft umkamen. Ich habe haeufig ehemalige Wehrmachtsangehoerige kennengelernt, die aus sowietischer Kriegsgefangenschaft kamen. Auch meine Stiefmutter war in einem sovietischen Arbeitslager. Der allgemeine Tenor ist der Folgende:

    Anfangs war es wirklich schwierig, aber nicht nur fuer die Kriegsgefangenen. Nach der von de Nazis ausgeuebten verbrannten Erde, war nichts mehr uebrig. Die Bevoelkerung lebte zunaechst nicht besser als die POW´s. Die POW´s bekamen exakt, was die Genfer Kriegskonvention vorschrieb. Der Zustand verbesserte sich allmaehlich in dem Masse wie sich das Land von den Verheerungen erholte. Es wurde ertraeglich. Und ich sehe das heute weniger zimperlich als noch vor ein paar Jahren – vielleicht auch deshalb, weil ich hier in Nicaragua eine imperialistische Aggression voll miterlebt habe und dabei war – auf der revolutionaeren Seite, versteht sich.

    Der rote Webmaster hatte mal eine Aufstellung veroeffentlicht ueber die Verwuestungen der Nazis in der SU. Das ist so apokalyptisch und unermesslich ….. nichts was in Deutschland passiert ist von sowjetischer Seite, ist auch nur annaehernd vergleichbar damit. Um soviel Mord und Totschlag und mutwillige Verwuestung anzurichten – dazu braucht es schon eine bestimmte Mentalitaet.

    Von den drei Millionen sovietischen Soldaten die in deutscher Kriegsgefangenschaft meistens ziemlich jaemmerlich umkamen, redet auch keiner. Das Gejammer um die deutschen Soldaten in sowjetischer Kriegsgefangenschaft wird gehegt und gepeppelt aus dem einzigen Grund, um das wirkliche und unermesslich Verbrechen Deutschlands an Sowietrussland zu verkleistern. Meine Kindheit war voll damit mit dem Geheule.

    In meinem Erfahrungshorizont bin ich zu dem Schluss gekommen, dass im Grunde jeder weiss, was er tut. Jeder muss irgendwann eine Entscheidung treffen, was er tut oder laesst oder wo er steht, und keiner kann die Verantworung dafuer abladen. Diese „guten Menschen“ waren mutig genug, um bei diesem absoluten Wahnsinnsunrecht und Massaker volles Hoernchen mitzumachen. Dafuer – ja – zogen sie es vor, ihr Leben zu riskieren. Sie wollten es aber nicht riskieren, um dem Unrecht und der Schande in den Arm zu fallen.

    Zu so jemandem sage ich: Ok. Junge – dann beschwere dich hinterher nicht und bleib mir mit Kameradenpflicht und Soldatenehre vom Leib. Pflicht und Ehre waren auf der anderen Seite und bei denen, die das Gewehr umdrehen gegen das Verbrechen. Solange nicht mal mit einem Wort die apokalyptische Verwuestung Russlands und der Voelkermord (18.000.000 zivile sowjetische Tote) von den Deutschen aufgearbeitet wird – unter anderem – ist mir die Betrachtung des deutschen Soladatenschicksals in der SU ziemlich laesslich. WIRKLICH!!

    • sascha313 schreibt:

      Danke, Ulrich. Das ist ein notwendiger, unverzichtbarer Kommentar zu dem – wie Du schon sagst: „Geheule“ um die deutschen Soldaten. Daß es darunter auch einige ehrliche, naive und blindgläubige Mitläufer gab, bestreitet keiner. Die meisten jedoch waren Mittäter. Wie schwer der Lernprozeß war, zeigen die Berichte vieler, die erst in den Antifa-Schulungen in der SU gelernt haben, wer ihr wirklicher Feind war – nämlich der deutsche Imperialismus.

      Ich hatte mal in einer Bahnhofsbuchhandlung so ein Heftchen in der Hand, wo über die „Heldentaten“ der Wehrmacht geschrieben wurde: SO EIN VERFUCHTER DRECK! Diese nazistischen Schreiberlinge wagen es noch, den Mordfeldzug ihrer Vorfahren zu rühmen. Das ist die sogenannte „Meinungsfreiheit“ in der BRD.

      P.S. Verwüstungen: Kannst Du Dich noch erinnern, wo das stand?

      • Ulrich Schliz schreibt:

        Meinst du das vom roten Webmaster? Ich muss da noch was irgendwo in meinem archiv haben. Wenn ich es finde, schicke ich . Sollte jeder lesen.

      • sascha313 schreibt:

        Ja, das meine ich (von K-Online). Ich hab zwar die ganze Seite schon mit HTTrack heruntergeladen, aber das Suchen geht da nicht so recht. (Noch ist sie ja da, aber wie lange?)

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