Wie der christliche Union-Verlag in der DDR die Konterrevolution unterstützte…

BaadeIm Jahr 1966 erschien im Union-Verlag der DDR ein Buch des westdeutschen Autors Fritz Baade mit dem Titel „Der Wettlauf zum Jahre 2000“. Auch wenn der Verlag sich in gewisser Weise aus der Diskussion herauszuhalten versucht, so ist doch klar, daß die Positionen des SPD-Mitglieds Baade nicht hätten unwidersprochen bleiben dürfen. Ja, mehr noch – man muß sich fragen: Wer hatte eigentlich Interesse daran, daß ausgerechnet dieses Buch in der DDR erscheint? Und zwar in bester Buchqualität und zu einem außerordentlich günstigen Preis. Hatte denn der Autor nicht mehrfach überdeutlich seine ablehnende, ja sozialismusfeindliche Haltung kundgetan? Warum also wurde die Herausgabe dieses Buches nicht verhindert? Daß das nicht geschah, zeigt doch, welchen großen Einfluß die Konterrevolution nach der verbrecherischen „Geheimrede“ Chruschtschows auf dem XX.Parteitag der KPdSU  1956 auch in der DDR gewonnen hatte.

Eine sehr seltsame Einleitung…

Im Klappentext kündigt der Verlag das Buch als ein überaus erfolgreiches Buch an, das für die geistige Auseinandersetzung „außerordentlich wertvoll“ sei, da in ihm Klappe Baade„sonst kaum zugängliche Materialien“ ausgebreitet würden, in denen das „christlich-humanistische Ethos unverkennbar“ sei. Was es damit auf sich hat, werden wir gleich sehen. Doch kann es eine bessere Empfehlung geben als diese – vor allem für christliche Leser? Zwar beruft sich der Verlag in seiner Vorbemerkung immerhin auf die Anerkennung der Gesetzmäßigkeit der gesellschaftlichen Entwicklung – doch weder dieses Zugeständnis an eine marxistisch-leninistische Sichtweise, noch das an sich recht wenig kritische Nachwort eines DDR-Wissenschaftlers vermögen den Eindruck zu entkräften, daß das Buch Baades in erster Linie als antikommunistische Propagandaschrift für die Leser in der DDR gedacht war. Doch leider hat sich daraus nicht die erhoffte Diskussion, die geistige Klärung ergeben.

…und ein unzulängliches Nachwort

Richtigerweise geht Prof. Domdey in seinem Nachwort von marxistischen Positionen aus. Mehrfach weist er auf die Notwendigkeit der Erhaltung des Friedens hin, versucht die Unterschiede der Anschauungen herauszuarbeiten, allerdings überschätzt er dabei den Einfluß der Arbeiterklasse in den kapitalistischen Ländern. Und mit keinem Wort erwähnt die zunehmende Gefährlichkeit und die betrügerischen Machenschaften des Imperialismus. Erkennt er nicht den Wolf im Schafspelz?

Mit Mahnungen und Forderungen lassen sich weder die latente imperialistische Bedrohung noch der ideologische Einfluß des Klassengegners hinwegreden. Im Gegenteil: solche Meinungen, wie die von ihm zitierte, daß der „Zusammenbruch des Imperialismus“ und der „Triumph des Sozialismus  und Kommunismus im Weltmaßstab“ unausweichlich seien [1] nährten und nähren immer noch die Illusion eines  gewissermaßen automatischen Vorgangs im Sinne des gesellschaftlichen Fortschritts. Daß aber Rückschläge keineswegs unvermeidbar sind, insbesondere wenn marxistisch-leninistische Grundprinzipien, wie auch die revolutionäre Wachsamkeit, verletzt werden, liegt außerhalb jeglicher Betrachtungen.  Der Imperialismus hat sich noch nie als friedensfähig erwiesen.

Warum ist dieses Buch eine konterrevolutionäre, sozialismusfeindliche westliche Propagandaschrift?

Hier nun einige Beispiele aus diesem Buch, die das belegen. Es beginnt schon auf den ersten Seiten. Hier will uns der Autor Baade über den Kapitalismus belehren.

1.BEISPIEL: Die angebliche persönliche Freiheit. Ist die „Welt des Westens“ noch kapitalistisch oder nicht mehr? [2]

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Natürlich ist die „Welt des Westens“ kapitalistisch, was denn sonst. Denn im Kapitalismus sind die Produktionsmittel in Privatbesitz. Und das ermöglicht die Ausbeutung. Im Sozialismus sind die Produktionsmittel Volkseigentum, und erst das ermöglicht eine vernünftige und planmäßige Entwicklung der Volkswirtschaft.


2.BEISPIEL: Die Wohlstandslüge. Geht es den Menschen im Kapitalismus wirklich immer besser? [3]

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Natürlich ist eine solche Rechnung purer Unsinn, denn selbst bei wachsendem Nationaleinkommen wird im Kapitalismus die „Schere“ zwischen Arm und Reich immer größer. Immer mehr Menschen werden in Armut und Obdachlosigkeit getrieben, während einige wenige superreiche Milliardäre immer reicher werden. (Im Durchschnitt war das Wasser nur einen halben Meter tief – trotzdem ist die Kuh ersoffen!)


3.BEISPIEL: Bedrohungsszenario – Ist es wahr, daß es im Kommunismus keine persönliche Freiheit mehr gibt? [4]

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Auch das ist wieder völliger Unsinn. Baade schürt nur eine imaginäre Angst. Das Gegenteil ist der Fall. Erst im Sozialismus ist die freie Entfaltung der Persönlichkeit möglich, da die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen abgeschafft ist und es nicht vom Geldbeutel abhängt, welche Chancen ein Mensch im Leben hat. Es gibt keine Milliardäre mehr und somit auch keine Armut…


4.BEISPIEL: Die Lüge vom Verschenken der Lebensmittel durch die USA. Ist es wahr, daß die USA ihren Lebensmittelüberschuß an arme Länder verschenken? [5]

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Natürlich ist das gelogen. Die USA haben niemals ihre Lebensmittel verschenkt. Im Gegenteil, die Überproduktion an Milch wurde ins Meer gekippt, um die Preise hochzuhalten. Heute werden überflüssige Massenprodukte entweder zerstört oder – wie Pkw. massenhaft auf stillgelegten Flugplätzen deponiert.


5.BEISPIEL: Wieder so eine Lüge: Massenentlassungen in den USA – keiner wird arbeitslos. Stimmt es, daß vor allem die Neger in den Südstaaten davon profitiert haben? [6]

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Na, für wie blöd hält der Herr Baade uns denn? Bekanntlich ist gerade unter den Afroamerikanern (den Negern)  in den Südstaaten die Armut, die Ausbeutung, der Rassismus, die Obdachlosigkeit und die Erwerbslosigkeit besonders hoch. 2010 lag der Anteil der Afroamerikaner an der unter der Armutsgrenze lebenden Bevölkerung offiziell bei 27,4 Prozent. Also: Gelogen, Herr Baade!


6.BEISPIEL: Wurden in der Sowjetunion die Kollektivierung „mit unerhörter Härte“ durchgesetzt? Wurde die Schicht der Mittelbauern beseitigt? [7]

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Natürlich ist die Kollektivierung der Landwirtschaft im Sozialismus eine Notwendigkeit. Sehr ausführlich ist der französische Autor Georges Soria 1951 auf diese Frage eingegangen. Er schrieb:

Vor der Oktoberrevolution besaßen allein im europäischen Rußland 30.000 Großgrundbesitzer 76 Millionen Hektar Land, 10.500.000 arme oder mittlere Bauern dagegen nur 82 Millionen Hektar. Diese ungerechte Landaufteilung hörte mit der Oktoberrevolution von 1917 auf, denn ihre erste Sorge war, das Land an die Bauern aufzuteilen. 152 Millionen Hektar Land wurden auf diese Weise kostenlos und auf Lebenszeit den Bauern zur Nutznießung übergeben. In den ersten zehn Jahren des Sowjetregimes zeigten sich jedoch auf dem Lande keine bemerkenswerten Veränderungen, Durch die ausländische Intervention und ihre Folgen blieb während dieser Periode die Landwirtschaft ernstlich zerrüttet: die Technik des Ackerbaus in kleinem Maßstabe und die Erträgnisse aus der Viehzucht blieben auf sehr niedrigem Niveau. Gewiß, der Bauer hatte mehr Land als unter dem früheren Regime (durchschnittlich dreimal soviel), Steuern erdrückten ihn nicht mehr. Aber er war nicht vor einer schlechten Ernte, vor Trockenheit, vor einem Arbeitsunfall geschützt. Zudem bestand auf dem Lande noch immer ein ziemlicher Unterschied zwischen armen und reichen Bauern (Kulaken), da noch im Jahre 1928 von 25 Millionen Bauernwirtschaften über 8 Millionen armen Bauern gehörten. Nur eine kollektive Bewirtschaftung des Bodens konnte diesem Zustand ein Ende bereiten.

Bevor man diese in Angriff nahm, war man bereits seit 1923 zur Einführung landwirtschaftlicher Genossenschaften übergegangen, die den Bauern bereits die Vorteile des Zusammenschlusses zeigten. Es bedurfte kaum einiger Jahre, um die sowjetischen Bauern in ihrer Gesamtheit von den Vorteilen der Kollektivwirtschaft zu überzeugen. Die Kolchosenwirtschaft bewies sehr bald, daß in einem Großbetrieb die Zusammenlegung der Produktionsmittel und Arbeitskräfte für die gesamte Bauernschaft erhebliche Vorteile mit sich bringt. Auf Hie sind im wesentlichsten die zunehmende Ertragsfähigkeit des Bodens und die Steigerung der Arbeitsleistung zurückzuführen. Die erhöhte Produktivität der Arbeit und die Vervollkommnung der landwirtschaftlichen Technik (Mechanisierung, Fruchtwechsel, Düngung usw.) verbesserten den Lebensstandard der Massen der Bauern beträchtlich.

(Quelle: Georges Soria „Wie lebt man eigentlich in der Sowjetunion?“ Paul List Verlag Leipzig, 1951, S.190f. Gekürzt!)

Also: Wieder gelogen, Herr Baade!  Und dabei sind wir erst auf Seite 93, im ersten Fünftel des Buches…


7.BEISPIEL: Wurden in der Sowjetunion anfangs viel Pferde abgeschlachtet? Und führte die brutale Art Stalins bei der Kollektivierung zu schweren Opfern? [8]

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Na, endlich hat Herr Baade mal einen Fuß in der Tür: Klar, Stalin war schuld! Das hatte ja Chruschtschow auf dem XX.Parteitag der KPdSU 1956 ausführlich begründet. Wieder so eine faustdicke Lüge, Herr Baade! Das paßt hervorragend zu der in den Fälscherzentralen der CIA entwickelten Lügengeschichte vom „Holodomor“ in der Ukraine.


8.BEISPIEL und letztes: Kann man das russische Volk mit Methoden des Kommunismus leicht regieren? Und hat Stalin die alte bolschewistische Führungsschicht fast völlig ausgerottet? [9]

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Beides ist falsch. Im Gegenteil: Was auch immer Herr Baade unter „Methoden des Kommunismus“ verstehen mag, nie war es leicht, ein Volk zu regieren. Doch der Sozialismus gab den Völkern erstmals in ihrer Geschichte die Möglichkeit, ihr Schicksal selbst zu bestimmen, sich von der Unterdrückung und Ausbeutung durch einige wenige reiche und superreiche Oligarchen und Produktionsmittelbesitzer zu befreien. Niemals hat Stalin eine bolschewistische Führerschicht ausgerottet. Das Märchen ist auf dem Misthaufen der chruschtschowistischen Lügen gewachsen.  Im Gegenteil: gerade die erfahrenen Revolutionäre waren es, die den sozialistischen Aufbau nach dem Ende der imperialistischen Interventionskriege gewährleisteten und vorantrieben. Man darf nicht vergessen, daß der Aufbau des Sozialismus und seine Verteidigung einer starken Kommunistischen Partei bedarf. Und die gab es unter der Führung Stalins. Sonst hätte die Sowjetunion nicht den deutschen Faschismus überwinden und Europa von den braunen Barbaren befreien können.

Schlußbemerkung:

Was an diesem dreckigen und verlogenen Machwerk des Herrn Baade so christlich ist, das weiß der Himmel! Daß Baade sich bei Zeitangaben gerne auf Christus bezieht und daß er auf den letzten Seiten auch noch die Bergpredigt zitiert, ist wohl das einzige, was man diesbezüglich feststellen kann. Ansonsten gibt es fast nichts auf diesen 358 Seiten, was dieser Ganove unversucht gelassen hat, um die Leser seines Buches in die Irre zu führen… Traurig, daß der Union Verlag, dieses schmutzige Spiel auch noch mitgemacht hat!

Quelle: Fritz Baade: der Wettlauf zum Jahre 2000. Union Verlag Berlin, 1966.

[1] S.367
[2] S.14
[3] S.16
[4] S.36
[5] S.85
[6] S.87
[7] S.93
[8] S.94
[9] S.320

P.S. Man kann durchaus davon ausgehen, daß in der DDR allgemein bekannt war, welche Papierknappheit herrschte. Denn mit den natürliche Ressourcen, den Wäldern, wurde im Sozialismus sorgsam umgegangen, zumal in einem so rohstoffarmen Land wie der DDR. Und das war auch im Union-Verlag bekannt. Außerdem war, mal abgesehen von der Papierqualität, die oft zu wünschen übrig ließ, die Verarbeitungsqualität (mit Fadenheftung und oft mit Leineneinband!) auf höchsten Niveau. Um so mehr ist es eine Frechheit, daß die Leitung dieses Verlages sich über alle Bedenken hinwegsetzte und dieses voller Lügen strotzende Buch trotzdem herausgab.
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3 Antworten zu Wie der christliche Union-Verlag in der DDR die Konterrevolution unterstützte…

  1. Der Rückgrat schreibt:

    Es ist aus heutiger Sicht relativ uninteressant wer Interesse daran hatte, daß ausgerechnet dieses Buch in der DDR verlegt, gedruckt und auch gehandelt wurde. Die Interessenlage des Klassenfeindes liegt auf der Hand. Viel interessanter sind doch Fakten wie, Auflagenhöhe, Genehmigung durch welche Behörden und leitende Organe. Das Buch wurde schließlich nicht auf dem schwarzen Markt oder gar illegal verhökert. Wer hat dieses Machwerk insgesamt abgenickt, wer hat auf den grünen Knopf gedrückt und wer hat nicht auf den roten Knopf gedrückt? Namen und Organisationen sind zu benennen und die unmittelbar Verantwortlichen. Alles andere ist nur Schall und Rauch und insgesamt wenig erhellend. Daraus ergäben sich eventuell Hinweise auf die vom Gift des Reformismus infizierten Systemelemente.

    • sascha313 schreibt:

      Ach, was soll das. Es ging hier nicht darum irgendwelche „infizierten Systemelemente“ aufzuzählen, sondern es ging um den Inhalt des Buches! Aber es ist eben doch nicht „uninteressant“, wer Interesse an der Veröffentlichung hatte. Das Buch erschien 1966 als Nachdruck eines Oldenburger Verlages. „Von 1959 bis zu seinem Tod 1965 war der Schriftsteller Johannes Bobrowski Cheflektor. Weitere Lektoren waren Gerhard Desczyk, Günter Wirth und Karl-Heinrich Bieritz. Der Verlag hatte rund 60 Mitarbeiter und veröffentlichte jährlich 25- 30 Titel“ (nachzulesen bei wikiepedia). Und Namen? Und Organisationen? Wir sind gespannt!

      War Bobrowski ein Antikommunist? Sicher nicht. Auch wenn ihn seine schriftstellerische Tätigkeit mancherlei Verbindungen zu westdeutschen Autoren einbrachte. Über ihn lesen wir in „Johannes Bobrowski. Selbstzeugnise und Beiträge über sein Werk“, Berlin 1967, S.40 u.44.
      Bobrowski war Christ. Er bekannte sich als „Nichtmarxist […] zu Gestalt und Zukunft de sozialistischen Gesellschaft“, plädierte für die „Position eines bewußten Bürgers unserer Republik, der Position eines Sozialisten!“ Also hat man offenbar im Verlag, um dieses Buch herauszubringen, den Tod Bobrowskis abgewartet.

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