Stalingrad. Der lange Weg der Erkenntnis

Stalingrad10„Wir hatten anfangs geglaubt“, schrieb Erich Weinert 1943 in sein Tagebuch, „die Kraft der Antifaschisten in der Hitlerarmee wäre so groß, daß es beim Beginn des Krieges gegen das Vaterland der Werktätigen zu Meutereien und Widerstandsbewegungen käme. Darin hatten wir uns getäuscht. Die große Masse der jüngeren Soldaten war von der faschistischen Herrenrassen- und Lebensraumideologie vergiftet und taub für unsere Worte.“ [1]  Ja, wahrscheinlich bedarf es erst größerer Gedankenanstöße, bevor manch einer ins Nachdenken kommt und erkennt, für welche Herren er seine Knochen zu Markte trägt. Warum lassen sich heute junge Menschen für Kriegseinsätze im Ausland anwerben? Für Geld natürlich. Der Gedanke daran, in einem Zinksarg wieder zurückzukehre, mag abwegig erscheinen, doch der Krieg ist unerbittlich: wo geschossen wird, da gibt es Tote! Und es dauert manchmal eine halbe Ewigkeit, bis endlich die Erkenntnis reift, daß allein der Kapitalismus schuld ist am Leid und am sinnlosen und frühzeitigen Tod der Menschen.

Warum sind manche Menschen nur so schwer zu überzeugen?

Die Erklärung ist einfacher, als man denkt. Eingefleischte Gewohnheiten, tiefe Vorurteile und die Angst, das wenige was man hat noch zu verlieren, lassen „Es wurde mit denselben Mitteln des Betrug operiert, mit denen man in Berlin regierte. Und wo die Soldaten schüchterne Versuche machten, die Übergaben ihrer Einheit zu organisieren, griff der Terror ein. Es gab nur wenige Subalternoffiziere, die den Mut hatten, ihren Soldaten ungeschminkt die Wahrheit zu sagen und sie in Gefangenschaft zu führen. Aber auch das war gefährlich, weil die Nazispitzel in allen Bunkern aufpaßten. Man darf nicht vergessen, daß die 6. Armee eine Elitearmee Hitlers war und aus seinen ergebensten Divisionen zusammengesetzt war.“ [2]

Wer waren diese Soldaten?

Aus Tausenden von Briefen, die aus dem Kessel abgeschickt worden waren und dann aus abgeschossenen Flugzeugen in die Hände der Sowjetarmee fielen, war ersichtlich, woraus sich diese Elitearmee zusammensetzte.  Unter 1000 Briefen, die in die ferne Heimat


Oder: Warum setzen sie sich nicht zur Wehr gegen Knechtung und Unterdrückung? Warum lassen sie sich für einen geringen Lohn durch ihre Leiharbeiterfirma von einer Baustelle zur anderen schicken? Für Geld? Wohl kaum! Aus Angst den Job zu verlieren – das mag einer der Gründe sein! Klar, das sind alles Einzelfälle – Hunderttausende von Einzelfällen! Und solange es mich nicht persönlich trifft, ist es mir egal. Und die anderen? Sollen die doch arbeiten gehen…

Zitate:
[1] Erich Weinert: Gesammelte Werke: Memento Stalingrad. Verlag Volk und Welt, Berlin 1961, S.187.
[2] ebd.

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9 Antworten zu Stalingrad. Der lange Weg der Erkenntnis

  1. Leander Michel schreibt:

    Hallo,
    Walter Ulbricht hat auch viel Zitierbares in Band II (und auch die zwei Zusatzbände dazu) seiner Werke aka „Zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung“ zu diesem Thema. Auch dazu, dass der rechte Flügel der SPD, der SPD-Vorstand und anderes Gesöcks längst keinen Antifaschismus wollte, sondern „gemäßigten“ Faschismus („ständischer Sozialismus“ wie Sollmann es nannte; analog zum Faschismus in Österreich 1933-38).

    Man muss mit der Lüge der „guten, antifaschistischen SPD“ aufräumen, das ist die größte Heuchlerei. 1933 den Generalstreik abgelehnt, 1934 Verbot der Einheitsfront mit der KPD, zunehmende „Anerkennung der ‚progressiven Tendenzen‘ des Faschismus“ bis mindestens 1939. Man muss diesen BRD-Mythos über das späte Weimar und die Nazi-Ära zerschlagen, richtigstellen. Falls ihr das Material nicht vorrätig haben solltet, ich kann es zur Verfügung stellen.
    Sozialistische Grüße
    Leander

    • sascha313 schreibt:

      Das ist richtig! Danke, gerne. Wir werden darauf zurückkommen

    • Politnick schreibt:

      Literatur: Alexander Abusch „Der Irrweg einer Nation“,
      Aufbau Verlag, Berlin 1950, S.223-238.

      Beschreibt sehr ausführlich die Rolle der SPD beim Sturz der Weimarer Republik und der Errichtung des Faschismus in Deutschland. Bereits 1920 hat die von der SPD geführte „Noske-Polizei“ gegen den Generalstreik aufmarschieren lassen mit denen Arbeiter sich gegen den Kapp-Putsch richteten. Der ganze Nazi-Terror der 20er Jahre war unterstützt durch einen von der SPD geführten Polizeiapparat!

      SPD geführte Polzei marschierte offen gegen Arbeiter die zu Beginn der 20er Jahre in Sachsen und in Thüringen gegen die Wahlmanipulationen demonstrierten. Und die SPD hatte alle wichtigen Ämter inne, über den gesamten Zeitraum des Bestehens der Weimarer Republik.

      Freundschaft 😉

  2. Die SPD und ihre willige Beteiligung an allen imperialistischen Kriegen der letzten 130 Jahren
    1914 Kriegskredite bewilligt
    1919 die Räte bekämpft
    1920 bis 1923 Tausende von Arbeitern und Kommunisten ermordet
    1933 Hitler an die Macht gebracht
    1956 die DKP in der BRD verboten geholfen
    1971 Notstandsgesetze und Berufsverbote gegen Kommunisten beschlossen
    1983 Neue Atomsprengköpfen bestückter Raketen und Marschflugkörper – der Pershing II und BGM-109 Tomahawk – in Westeuropa
    1995: Operation Deliberate Force, NATO-Operation zum Schutz der UNPROFOR in Bosnien-Herzegowina
    1995–1996: (UNPF) innerhalb Kroatiens mit ersten Maßnahmen nach Bosnien-Herzegowina, abgelöst durch IFOR
    1995–1996: unter NATO-Führung Operation „Joint Endeavour“: IFOR (Implementation Forces in Bosnia and Herzegovina), abgelöst durch SFOR
    1996–2004: unter NATO-Führung Operation „Joint Guard“ und „Joint Forge“: SFOR (Stabilisation Force in Bosnia and Herzegovina), 1.700 Deutsche, abgelöst durch EUFOR Operation Althea
    1997: Operation Libelle, Evakuierung von Zivilisten aus Albanien unter Verwendung von Einheiten der SFOR.
    1999: unter NATO-Führung „Operation Allied Force“: Teilnahme an Luftangriffen im Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien (Kosovo-Krieg, Belgrad)
    13. April-8. August 1999: Albanien Force (AFOR)
    2001: Operation „Essential Harvest“ in Mazedonien, Entwaffnung von albanischen Extremisten, 600 deutsche Soldaten.

  3. sascha313 schreibt:

    Das sind sehr klare und deutliche Hinweise: Diese Partei (SPD) ist eine reaktionäre und arbeiterfeindliche Partei, eine wichtige Stütze des deutschen Imperialismus!!! Gerade auch das hat zu einer massenhaften Verblendung der Jugend (damals wie heute!) geführt. Wer wählt eigentlich diese Partei?

    • Wer die wählt?
      Indoktrinierte und verblendete Menschen.
      Aber ich mache denen keine Vorwürfe, war ich ja selber Jahrzehnte lang religiös indoktriniert und verblendet und glaubte bis Anfang der 1990-er doch tatsächlich, in einer Demokratie zu leben!

    • Harry56 schreibt:

      Gute Frage, aber nicht schwer zu beantworten. 1, große Teil der öffentlichen Bediensteten, Beamte etc…., 2, praktisch der gesamte Alt-BRD Gewerkschaftsfilz (einschließlich den Betriebsräten), 3, viele in der Sozialindustrie, der Asylindustrie und sonstigen „Sozialverbänden“ untergebrachte, untergekommene Leute, 5, halb-demente Rentner, kurzum, alle finanziell direkt oder indirekt von diesem Staat und den diesem Staat unterstützenden Einrichtungen.abhängigen Leute!
      Und genau aus dieser Ecke kommen übrigens auch die meiste „Refugees Welcome“ -Besoffenen, und…., nicht wenige der Merkel-Klatscher in den letzten Wochen…., immer in den vorderen Reihen vor den Tribünen.

      Soz.Gruß!

  4. Rolf schreibt:

    Das heutige „Kleinbürgertum“ ….
    Die, die eigentlich zur Arbeiterklasse gehören … aber ihre kleinen Vorzüge genießen wollen.
    Ein Prozent mehr kriegen als der Nachbar, ein Bier trinken und Auto fahren, billig einkaufen …

    Rolf

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