Die Wahrheit über das angebliche „Wirtschaftswunder“ in Westdeutschland

BolzDer Autor des nachfolgenden Berichts, Dr. Lothar Bolz, war nun wirklich kein Kommunist, und er war auch nicht einer von denen, die nur sagten, was „die Partei“ ihnen vorschrieb. Lothar Bolz war Jurist. Er war 1948 Mitbegründer der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NDPD) und bis 1972 deren Vorsitzender. 1953-1965 war er Außenminister der DDR. Und er kannte sich aus mit dem westdeutschen imperialistischen Staat Also von wegen „die Partei (SED) hat immer recht“! Recht hatte auch der Nationaldemokrat Dr. Lothar Bolz, als er das sagte…

Adenauer – Kanzler der Imperialisten

Herr Dr. Adenauer setzt sich mit leichter Hand über die Lebensinteressen der Nation hinweg. Vor den Lebensinteressen des in Westdeutschland so oft zitierten „kleinen Mannes“ macht er selbstverständlich erst recht nicht halt. Zwar, noch vor einem Jahr – lang, lang ist’s her – redete er dem berühmten „kleinen Manne“ zu, zu all solchen Dingen wie Währungsspaltung, Gründung des westdeutschen Separatstaates, Verzicht auf staatliche Souveränität durch Beitritt zum Europarat und Unterzeichnung des Schuman-Planes und selbstverständlich auch zu Nordatlantikpakt und Wiederaufrüstung „Ja“ und „Amen“ zu sagen, weil man nur dadurch des hohen amerikanischen Lebensstandards teilhaftig werden könne.

Raffgier und Raub der USA-Besatzertruppen

Inzwischen hat sich allerdings herausgestellt: Der amerikanische Lebensstandard in Amerika ist nicht ganz so hoch wie der Lebensstandard der amerikanischen Besatzungstruppen in Deutschland, die zusammen mit ihren englischen Kollegen – nach Mitteilung der Hamburger illustrierten Zeitung „Der Stern“ – in der Zeit vom 1. Oktober 1949 bis 30. Juni 1950 immerhin

  • 30.634 Büstenhalter,
  • 20.000 Korsetts,
  • 150.000 m Schlafanzugstoff,
  • 264.000 m Hemdenstoff,
  • 64.000 Windeltücher,
  • 14.000 Gummihöschen und
  • 4.000 Gummitücher verbraucht haben

und in der gleichen Zeit für über 8 Millionen Westmark Teppiche und Gardinen (davon für 2½ Millionen Westmark gegen niederländische Devisen) erhielten, abgesehen von den bereits vorher requirierten 400.000 qm Teppichen, was zusammen ausreichen würde, um in den von Alliierten bewohnten Räumen vier Teppiche übereinander zu legen, ganz zu schweigen von den 31,5 Millionen Westmark für Möbel, von denen je eine Garnitur, bestehend aus einem Sofa und vier Sesseln, die Kleinigkeit von 8.800 Westmark kostet.

Besen und Bürsten für die Yankees

Und wir können dem „Stern“ nur beipflichten: Wenn es drauf und dran gehen wird, Westdeutschland sauber zu machen, werden unsere westdeutschen Landsleute gern die Besen und Bürsten für 130.000 Westmark zur Hand nehmen, die die Besatzungstruppen in einem Vierteljahr erhielten.

Wer bezahlte die Wiederaufrüstung in Westdeutschland?

Wie gesagt, der Lebensstandard in Amerika ist, wie sich inzwischen herausgestellt hat, doch wohl erheblich niedriger als der Lebensstandard der amerikanischen Besatzungstruppen in Deutschland. Aber überdies können die Menschen in Westdeutschland auch des amerikanischen Lebensstandards in Amerika .nicht teilhaftig werden, denn – so sagt der Westberliner „Tag“ vom 24. Januar 1951 –
„Freiheit kostet Geld“. Gemeint ist offensichtlich: die Freiheit, mit der die Amerikaner die Wiederaufrüstung in Westdeutschland betreiben. Sie kostet deutsches Geld. Das allerdings ist ein ganz neues Lied.

Das wahre Wesen der sogenannten Währungsreform

Ist es denn schon so lange her, daß die Amerikaner der Bevölkerung Westdeutschlands eine Währungsreform bescherten, und hieß es nicht damals, man solle nicht von Währungsspaltung plärren und sich lieber des wirtschaftlichen Wiederaufstiegs erfreuen? Der äußere Schein der sogenannten Währungsreform in Westdeutschland – gesteigerte Kaufkraft des Geldes und gesteigertes Angebot von Waren – sollte über das wirkliche Wesen dieser Währungsspaltung hinwegtäuschen, die unsere deutsche Volkswirtschaft zerriß und die Zerreißung unseres, deutschen Landes vorbereitete, die die westdeutsche Wirtschaft an Amerika auslieferte und unweigerlich zu einer Senkung des Lebensstandards des schaffenden Menschen in Westdeutschland führen mußte. Der äußere Schein täuschte tatsächlich, er täuschte Millionen.

Ein niederträchtiger Betrug…

Es war damals nicht leicht, die wirkliche Bedeutung der von den Amerikanern befohlenen und in Presse und Rundfunk Westdeutschlands besungenen Währungs„reform“ zu erklären, von der Verderblichkeit dieses äußerlich so lockenden Weges zu überzeugen und die Richtigkeit unseres Weges zu beweisen, der doch auf den ersten Blick nichts als Entbehrung und Verzicht zu bringen schien. Die vollen Schaufenster dienten einem niederträchtigen Betrug, aber sie waren so viel anschaulicher und greifbarer als die richtigsten und verantwortungsbewußtesten Gedankengänge, die sich gegen den amerikanischen Versucher wandten und von unseren nationalen Pflichten sprachen.

Aus der westdeutschen und die Westberliner Presse

Heute ist der Schein von 1948 durch die Wirklichkeit von 1951 so offensichtlich widerlegt, daß wir uns über einen Mangel an anschaulichen und greifbaren Beweisen für die Richtigkeit unserer Warnungen nicht mehr zu beklagen haben. Wir brauchen nur die westdeutsche oder die Westberliner Presse in die Hand zu nehmen, und wir lesen:

Zeitungsschau.jpg

So, so – der Koreakrieg ist schuld!

„Der Tag“ vom 24. April 1951 wirft der Sozialdemokratin Frau Maria Meyer-Sevenich vor, daß sie im „Telegraf“ offen geschrieben habe:

„Seit 1948 stiegen die Preise für Brot von 0,54 DM auf 1,05 DM, für Butter. von 2,56 DM auf 2,82 DM, für Schweinefleisch von 1,43 DM auf 2,31 DM. So ist es mit allen Preisen.“

Und das war schon vor zwei Monaten! „Der Tag“ kann die Tatsache zwar nicht bestreiten, aber er belehrt Frau Meyer-Sevenich,

„daß die Preissteigerung bei Lebensmitteln eine Folge des Koreakrieges sei, und für den Koreakrieg möchte sie doch wohl die Bundesregierung nicht verantwortlich machen“.

Die westlichen Schaufenster und die neuen Millionäre

Die Schaufenster freilich sind weiter voll. Sie sind noch voller als früher, und es wächst – wie wir der westdeutschen Presse entnehmen – die Zahl derer, die die dort ausgestellten schönen Dinge kaufen können, denn seit der Währungsspaltung ist – nach einem Bericht des westdeutschen Gewerkschaftsbundes – die Zahl der bisherigen Millionäre um zweihundert neue Millionäre vermehrt worden. Die Löhne und Gehälter der arbeitenden Bevölkerung allerdings sind, wie sich aus demselben Bericht ergibt, in ihrer Kaufkraft erheblich gesunken. Gestiegen ist dafür die Zahl derer, bei denen sich die Frage nach der Kaufkraft des Lohnes oder Gehaltes erübrigt, weil sie keine Arbeit und daher weder Lohn noch Gehalt bekommen, und gestiegen ist deren Not.

Erwerbslosigkeit im Kapitalismus – ein Dauerzustand

Die amerikanische „Neue Zeitung“ vom 16. April 1951 meldet aus Schleswig-Holstein:

„25,6 vH aller dort als unselbständig Erwerbsfähigen werden als arbeitslos von den Arbeitsämtern geführt.“

Die englische „Welt“ erklärt unter der Doppelüberschrift „Die Millionen-Grenze bleibt – Arbeitsministerium rechnet mit ständiger Arbeitslosigkeit“:

„Die weitere Entwicklung des Arbeitsmarktes beurteilt das BundesarbeitsminisIerium … ohne Optimismus. Vor allem wird die unvermindert hohe Zahl der Dauererwerbslosen als schwere Belastung empfunden.“

Und die heute noch Arbeit haben?

Die Westberliner „sie“ vom 29. April 1951 widerlegt den Vorwurf der Remilitarisierung mit der einfachen Feststellung, daß Westdeutschland dazu „ja viel zu arm“ sei, und sagt wörtlich:

„Die letzte statistische Erhebung spricht für sich selbst: zwei Drittel aIler Arbeitenden verdienen unter 250 Mark, 27 Prozent aller sogar weniger als hundert Mark im Monat.“

Sie verschweigt dabei, daß allein in Westberlin über 600.000 Einwohner nicht mehr als 40 Westmark im Monat zu verzehren und daß sie alle zusammen das eben Amerika und der Remilitarisierung zu verdanken haben.

Das werktätige Volk beklaut und verhöhnt

Sie haben es Amerika und der Remilitarisierung auch zu verdanken, wenn sie offen verhöhnt werden wie zum Beispiel im „Berliner Stadtblatt“ vom 3. Mai 1951, das sich zur Frage der Erhöhung des Brotpreises folgendermaßen hören läßt:

„Brot ist längst nicht mehr das Hauptnahrungsmittel für die deutsche Bevölkerung. Wer mit dem Pfennig rechnen muß, kommt mit Kartoffeln noch billiger zu den nötigen Kalorien, und wer Qualitätsarbeit leisten muß – gleichgültig ob mit dem Kopf oder mit der Hand – ist mehr auf die wertvollen Nahrungsmittel Eiweiß und Fett angewiesen.“

Ein „strenger Maßstab“ für eine Kellnerin

Die Preise für Eiweiß und Fett steigen munter weiter, und was die Qualitätsarbeit anlangt, so berichtet die englische „Welt“ vom 26. Januar 1951, daß die amerikanische Luftfahrtgesellschaft Pan American World Airways bereit ist, deutsche Stewardessen, das heißt, Kellnerinnen, einzustellen, und erklärt wörtlich:

„Es war ein strenger Maßstab angelegt worden. Eine Stewardeß, so hieß es, muß unverheiratet, nicht jünger als 21 und nicht älter als 26 Jahre sein, ihre Größe darf nicht über 1,68 m hinausgehen, sie soll auch nicht über 60 Kilo wiegen und kei.ne Brille tragen. Außerdem muß sie gut aussehen und sprachenkundig sein … Es waren unter den Luftaspirantinnen viele Berufe vertreten. Sekretärinnen, Lehrerinnen, Studentinnen und Haust.öchter. Eine Artistin war ganz zuversichtlich … In Hamburg werden wahrscheinlich nur vier Damen in die engere Wahl kommen.“

Vier von über achtzig Bewerberinnen kommen wohin? In die engere Wahl! In derselben Nummer bringt „Die Welt“ übrigens auch Photos der Bewerberinnen. Das eine Bild zeigt eine 24jährige Doktorin der Philosophie. zur Zeit Journalistin in Hamburg, die sich bei ihrem Gegenüber, dem Amerikaner Mr. Cowen, als Kellnerin bewirbt und sich von ihm sagen lassen muß: „Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.“

Das „hochherzige Augenopfer“ – nicht verwertbar!

„Der Kurier“ vom 14. Februar 1951 bringt unter der Überschrift „Hochherziges Augenopfer nicht verwertbar“ die Mitteilung, daß sich der arbeitslose Westberliner Koch Walter Demand bereit erklärt habe, eines seiner Augen einem Amerikaner zu verkaufen, und daß auf diese Nachrichten hin zwei Insassen eines Westberliner Flüchtlingslagers, der dreißigjährige Gerhard Waranowski, Vater von zwei Kindern, und die 33jährige ehemalige Sportlehrerin Hedwig Kraudschun, seinem Beispiel gefolgt wären.

Eine herrliche Zukunft

Und welche herrliche Gegenwart plus Zukunft sich unserer studentischen Jugend in Westdeutschland eröffnen, ist dem „Berliner Stadtblatt“ vom 20. Januar 1951 zu entnehmen:

„Heute früh um acht Uhr tritt der sensationelle Fall ein, daß ein junger Mann einer Hausfrau dafür, daß er ihre Teppiche klopfen darf, sogar noch einen Blumenstrauß überreicht … Frau Kühle aus Wilmersdorf, die von dem Studenten der Nationalökonomie Dieter Hoppe heute die Blumen in die Hand gedrückt erhält, muß ihrerseits für die Überreichung des Ausklopfers einen Tribut zahlen. Die Blumen aber sind eine kleine Aufmerksamkeit des studentischen Kundendienstes der Freien Universität, der Heinzelmännchen, die ihren 20.000. ,Kunden‘ feiern.“

 

Wie hieß so etwas einmal in der amtlichen Sprache des Herrn Dr. Adenauer?

„Unsere Wirtschaft ist im Aufstieg.“

Quelle:
Bolz: Es geht um die Zukunft. Reden. Verlag der Nation, 1955, S.271-276.

Siehe auch:
Die Drahtzieher. Adenauer – Kanzler der Imperialisten

Wie und warum wurde Deutschland gespalten?
Reparationen an die Sowjetunion: SBZ und DDR zahlten die Zeche allein
Die Säuberung der Justiz vom faschistischen Ungeist
Die sozialistische Volksbildung nach 1945

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2 Antworten zu Die Wahrheit über das angebliche „Wirtschaftswunder“ in Westdeutschland

  1. Rheinlaender schreibt:

    Zur Operation Wunderland – Ein Volk wird zum KAPITALISMUS um erzogen hatte ich hier https://sascha313.wordpress.com/2017/08/28/72731/#comments schon mal ein Video verlinkt.
    Es gibt noch weitere Videos (bitte selber googlen) https://www.youtube.com/watch?v=NmT08hSmSOE.
    Unter anderem wird klar :
    1) Dass selbst die meisten CDUler – bis auf die braunen Konrad Adenauer Verräter – den Kapitalismus hassten.
    2) Dass die USA-Amis bis heute mit Comics, Kindern und einfachsten Leuten super gut manipulieren, ABER auch gut erklären / lügen können. Ja : Man kann durch diese Darstellung in Form von Comics viel lernen.
    3) Eine Bitte: Nutzen Wir doch diese Videos, um den sascha313 Blog zu bewerben.
    4) Die Videos zeigten auch, dass die USA damals extrem viel Angst vor einem dritten Weltkrieg hatten, und aus Europa abhauen wollten, bevor es knallt.
    5) Bis heute gilt : Die USA fangen nur Kriege gegen Völker an, die wehrlos sind. UND : Wo es keine eigenen Verluste gibt.

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