Zur Erinnerung an Max Hoelz (1889-1933)

 

Revolyutsioner Max Hoelz2

Max Hoelz (* 14. Oktober 1889 in Moritz bei Riesa; + 15. September 1933 bei Gorki, UdSSR)

Das Schicksal des sächsischen Arbeiterführers Max Hoelz ist abenteuerlich. Er war ein populärer Führer der bewaffneten Abteilungen mitteldeutscher Arbeiter in den Kämpfen gegen die Kapp-Putschisten 1920 und in den Märzkämpfen 1921.  Wegen seiner unbeugsamen Haltung geriet er mit der KPD-Führung in Streit und wurde aus der Partei ausgeschlossen. Daraufhin schloß er sich der Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands an. 1921 zu lebenslänglicher Haft verurteilt, wurde Max Hoelz  1928 aufgrund von Massenprotesten aus der Haft entlassen und emigrierte danach in die UdSSR. Nach offiziellen Angaben sei er in der Nähe von Gorki ertrunken. Allerdings war Hoelz ein guter Schwimmer, daher gibt es erhebliche Zweifel an der Richtigkeit dieser Darstellung.

Wie die deutsche Justiz mit dem Kommunisten Max Hoelz umging

Zum 84. Todestag von Max Hoelz

Von Max Barth (1926)

Die kommunistische Presse berichtet, einer der Kronzeugen der Staatsanwaltschaft aus dem Hoelz-Prozeß habe vor einem Rechtsanwalt zu Protokoll gegeben, daß er seine früheren Aussagen, die für Hoelz belastend waren, widerrufe; sie seien ihm von der Justiz abgepreßt worden. Vor dem gleichen Anwalt hat ein Arbeiter, der der Erschießung des Gutsbesitzers Heß, wegen dessen Tötung Hoelz zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden ist, beigewohnt hat, zu Protokoll gegeben, daß er den wahren Täter kenne; er werde ihn aber erst vor Gericht nennen.

Zu Unrecht verurteilt…

Die Sache Hoelz ruht nicht. Frau Hoelz hat in einem Vortrag der Roten Hilfe in Frankfurt für die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen ihren unschuldig zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilten Mann gesprochen, so eindrucksvoll, daß selbst die „Frankfurter Zeitung“ glaubt, man könne von den verantwortlichen Stellen „erwarten“, daß sie sich noch einmal mit der Sache Hoelz beschäftigen. Hoelz selbst hat im Zuchthaus mit einer Darstellung seiner Erlebnisse begonnen; ein Abschnitt daraus ist schon in einer Zeitschrift veröffentlicht worden.

Von der Bourgeoisie gefürchtet und verhaßt

Die Freunde des ungerechterweise so schwer Verurteilten werden nicht locker lassen, bis sie die Wiederaufnahme des Verfahrens und die Ersetzung des 1921 ergangenen schändlichen Urteils durch ein den Handlungen des roten Generals angemessenes erreicht haben. Man wird dieser deutschen Justiz nicht gestatten, einen Menschen lebendig zu begraben, einfach deshalb, weil er den Besitzenden und daher Regierenden als Führer der nach Gerechtigkeit verlangenden Massen verhaßt ist.

Verurteilt – ohne Wiederkehr…

Die maßgebenden Stellen zeigen sich zwar in der Angelegenheit Hoelz verflucht schwerhörig, so schwerhörig, daß man beinahe den Eindruck bekommt, sie würden Hoelz auch dann nicht freilassen, wenn sie von seiner Unschuld überzeugt wären: weil sie ihn fürchten. Hoelz ist der Prügelknabe unserer Justiz und unserer gesamten Bourgeoisie: dadurch, daß sie ihn zum Monsterverbrecher, zum Inbegriff alles Schlechten, das in ihnen selbst steckt, machten, verschaffen sie sich das „gute Gewissen“, das sie als sanftes Ruhekissen für den Schlaf ihrer Nächte brauchen. Schlafen Sie gut, meine Herrschaften? Nun wir hoffen, daß wir Ihnen dieses Polster eines Tages unter dem süßschlummernden Köpfchen wegziehen werden!

Märtyrer und proletarischer Held

Die Bourgeoisie hat Max Hoelz zum Sinnbild der Masse gemacht; darum hat ihn die Masse als solches anerkannt. Erst seit seiner Verurteilung ist Hoelz, der Führer der mitteldeutschen Kämpfer, zum Märtyrer und Helden des gesamten deutschen Proletariats geworden. Die Art, wie der Prozeß gegen ihn geführt worden ist und wie er in der Haft behandelt wird, enthüllt die Gemeinheit der Gesinnung, mit der auf der anderen Seite gekämpft wird, und stärkt die Treue der Massen zu Hoelz, den Entschluß, ihn dieser Justiz aus den Händen zu reißen.

Belohnung für falsche Zeugenaussagen

Vergessen wir’s nicht: Man hat am 16. April 1921 einen Preis von 50.000 Mark ausgeschrieben für Aussagen, die zu seiner Verurteilung führen würden. Man hat den Hauptbelastungszeugen, der behauptet, Hoelz habe Heß von der Straße aus erschossen, durch einen Lokaltermin überzeugt, daß das nicht stimmen könne, worauf er seine Behauptung so abänderte, daß sie mit den festgestellten Tatsachen und Möglichkeiten übereinstimmte. An diesem Lokaltermin durfte aber weder Hölz noch seine Verteidiger teilnehmen. 15

Mißhandlungen im Gefängnis

Vergessen wir’s nicht: Man hat Hoelz den Arzt verweigert. Man hat den Schwerkranken von einem Zuchthaus ins andere durch halb Deutschland geschleppt. Auf seine Beschwerde hin hat man seine Gichtschwellungen für „Fettpolster“ erklärt. Man hat ihm, wie seine Frau behauptet, sein Zellenfenster eine Zeit lang zugemauert. Man hat ihm für einige Monate verboten, Briefe zu schreiben oder zu empfangen. Man hat ihm jetzt seine Bibliothek entzogen, die er viereinhalb Jahre lang hat benützen dürfen. Seiner Frau hat man, nachdem Hoelz in den Hungerstreik eingetreten war, gesagt: „Wenn Ihr Mann vierzehn Tage gehungert hat, werden wir ihn künstlich ernähren; wenn er die Ernährung verweigert, dann ist er in vier Wochen tot.“

Freiheit für Max Hoelz!

Das wäre wohl die für unsere „Gerechten“ günstigste Lösung: wenn Hoelz stürbe. Dann wären sie aus allen Verlegenheiten raus. Das könnte ihnen so passen. Damit sie nicht diese Freude und diesen Triumph haben: setzt euch ein für Max Hoelz! Verlangt die Wiederaufnahme des Prozesses!


Max Hoelz ist am 18. Juli 1928 aus der Strafanstalt entlassen worden. Ein Wiederaufnahmeverfahren wegen des Totschlags an Gutsbesitzer Heß, dessen Täter sich freiwillig gemeldet hat, schwebt noch.

Quelle: Erich Schairer von 1926

Vom „Weißen Kreuz“ zur Roten Fahne, Jugend-, Kampf- und Zuchthauserlebnisse, Malik Verlag, Berlin; Reprint 1969 Verlag Neue Kritik KG, Frankfurt. ISBN 3-8015-0037-3. (Zwischenüberschriften wurden eingefügt, N.G.)

Siehe auch: Anklagerede gegen die bürgerliche Gesellschaft

Acrobat Reader Max Hoelz: Anklagerede gegen die bürgerliche Gesellschaft

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