Wohlstand für alle? Oder nur für eine kleine Minderheit!

USAmanEr hat gut lachen, der Herr Botschafter der USA, Die Täuschung ist perfekt. In einem Propagandafilmchen wird das bisherige Leben des neuen Botschafters der USA in Rußland vorgestellt, seine Erfolge, sein musikalisches Talent, sein Glaubensbekenntnis, seine Familie, seine sportlichen Leidenschaften und nicht zuletzt sein eigenes Unternehmen, seine Beziehungen zur Wirtschaft und zu den Großen der Welt. Eine beneidenswerte Karriere! Man hat den Eindruck: diesem Mann gelingt einfach alles. Und so toll ist das Leben in den USA: Erfolg, eine nette Familie, das schöne Leben, ein gemütliches Zuhause, Treffen mit Freunden, Reisen, Urlaub an den schönsten Stränden der Welt – mit einem Wort Glück und Wohlstand, wie man es sich nur wünschen kann. Und alles das ist selbst geschaffen! Mit eigener Hände Arbeit sozusagen. Ist das wahr! Nein. Natürlich ist das nicht wahr. Der Mann ist ein Bourgeois, ein Kapitalist, und sein Wohlstand und Reichtum beruht auf nichts anderem als auf der kapitalistischen Ausbeutung fremder menschlicher Arbeitskraft. Wieso?

Der Film wurde gemacht vor allem für die dummen Menschen in Rußland, die nicht wissen, was Marktwirtschaft ist und wie das Leben in den USA wirklich aussieht. Na, dann lassen wir uns doch gerne mal aufklären. Aber nicht von irgendeinem Propagandastreifen, sondern von der Wirklichkeit selbst.

Bis zum heutigen Tag hat sich an der von Marx herausgearbeiteten Tatsache nichts geändert, daß der Arbeitslohn für die Arbeiterklasse im Kapitalismus das entscheidende Kriterium ihrer materiellen Lage ist. Vom Lohn, von seiner Höhe und Kaufkraft hängt es ab, wie die Arbeiter und ihre Familien leben, wohnen, sich kleiden, wie sie an den kulturellen und geistigen Gütern teilnehmen können. [S.102]

I. Die Kapitalistenklasse

…das Leben der anderen?

Tja, und wer sind „die anderen“? Es sind die Kapitalisten. Es sind diejenigen, denen die Fabriken, Betriebe, Konzerne usw. gehören, die über Anteile daran verfügen, und die Arbeiter, Angestellte, Hilfskräfte, Zeitarbeiter usw. bei sich beschäftigen.

Die Einkünfte der Kapitalisten haben viele Formen. Da gibt es Profit, Zinsen, Dividende, Handelsgewinne. Unternehmergewinne und anderes mehr, viele Arten kapitalistischen Einkommens, die anscheinend auch aus verschiedenen Quellen stammen. Es gehörte schon das wissenschaftliche Genie eines Karl Man: dazu, um herauszufinden, daß sie alle in Wirklichkeit nur eine Quelle haben – die Ausbeutung des Lohnarbeiters –, daß sie alle Bestandteile und Erscheinungsformen derselben Sache sind – des Mehrwerts. Diese Feststellung war und ist von entscheidender Bedeutung, denn sie machte es erst möglich, das Wesen der kapitalistischen Ausbeutung in seinem vollen Umfange zu erkennen. [S.34]

Und warum können sich die Kapitalisten das Produkt fremder Arbeit so einfach aneignen? Wer gestattet ihnen das? Ganz einfach:

Die Fabriken sind Eigentum einer Klasse, der Bourgeoisie, und die Fabrikproduktion beruht auf der Lohnarbeit. [S. 31]


II. Die Arbeiterklasse

Warum bekommen die Arbeiter nur ihren Lohn?

Nicht immer ist das Lohnsystem einfach zu durchschauen. Und das ist freilich Absicht:

In den tarifvertraglichen Vereinbarungen der westdeutschen Industriegewerkschaften ist die Entlohnung nach Normalarbeitszeit, das heißt nach normalem Lohntarif, und Überarbeitszeit. das heißt Überstundenzuschlägen, gestaffelt. Selbstverständlich ist für die Festlegung der Lohntarife und Überstundenzuschläge die Kampfkraft und Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse ausschlaggebend.
Aus dem von Marx formulierten Lohngesetz ergibt sich weiter, daß ein niedriger Stundenlohn für die Arbeiter als ökonomisches Druckmittel wirkt, länger zu arbeiten. Daraus erklärt sich die Tatsache, daß bei ungelernten Arbeitern die Tendenz, „freiwillig“ Überstunden zu machen, größer ist als bei Facharbeitern mit entsprechend höheren Löhnen. [S. 100]

Ist die Entlohung denn etwa nicht gerecht?

Davon kann man ausgehen. Denn die Besitzer der Produktionsmittel haben nicht etwa das Ziel, daß es den Arbeitern, den Angestellten und Hilfskräften gut geht, sondern sie sind daran interessiert, daß ihre Firma im Konkurrenzkampf überlebt und noch höhere Profite einbringt.

Zweifellos sind die Formunterschiede des Arbeitslohnes im Kapitalismus nicht nur der Willkür der Kapitalisten zuzuschreiben, wenn der Subjektivismus in der Anwendung dieser oder jener Lohnform durch den einzelnen Kapitalisten auch nicht bestritten werden soll. Auf die Lohnformen haben aber auch die Entwicklung von Wissenschaft und Technik, der Stand der Entwicklung der Produktivkräfte insgesamt einen wesentlichen Einfluß.
Die große Anzahl der von den Monopolen bezahlten Lohnexperten hat nicht nur die Aufgabe, solche Lohnformen auszuarbeiten, die die Ausbeutung der Arbeiterklasse besonders raffiniert verschleiern, sondern sie sollen vor allem solche Lohnformen ausfindig machen, die dem objektiven Stand der Entwicklung der Produktivkräfte im Kapitalismus entsprechen und die dem Monopolkapital den höchsten Mehrwert garantieren. [S.  100f.]

Wie werden die Lohnempfänger getäuscht?

Da gibt es viele Möglichkeiten. Und in der Regel gehen die Arbeiter, die Angestellten und Hilfskräfte auf solche Lohnvereinbarungen auch ein. Was bleibt ihnen auch anderes übrig, wenn sie ihre Miete zahlen, etwas zu Essen einkaufen, sich kleiden und ernähren wollen…

Es braucht nicht besonders bewiesen zu werden, daß die von Marx analysierten Lohnformen, der Zeit- und Stücklohn, nach wie vor stark verbreitet sind. In den monopolistischen Betrieben finden wir sie allerdings weniger in dieser reinen Form. Sie sind entweder kombiniert oder – was meistens der Fall ist – mit anderen Lohnanreizsystemen verbunden.[S.101]

Eine angebliche „leistungsgerechte“ Entlohnung…

Diese Koppelung der beiden Grundformen des Arbeitslohnes mit anderen Lohnanreizsystemen macht die Verschleierung der Ausbeutung perfekt. Denn alle diese Lohnformen, ob Prämienzeitlohn, Gruppenakkord, analytische Arbeitsbewertung usw., sind darauf orientiert, einen „leistungsgerechten“ Lohn vorzutäuschen.
So wird von den REFA-Leuten vom „gerechten“, „richtigen“, „echten“ und „unechten“ Akkord gesprochen. Sie führen Arbeitsplatzstudien, Arbeitszeitstudien und Arbeitsbewertungsstudien durch. Bezugsgrößen für die Lohnermittlung werden zusammengestellt, wie quantitative und qualitative Arbeitsleistung, Beschaffenheit des Arbeitsplatzes, Maschinen-, Energieverbrauchs- und Reparaturzeitenvorgabe, ständige Anwesenheit am Arbeitsplatz, Verhalten des Arbeiters usw., die einerseits dem objektiven Stand der Produktivkräfte entsprechen sollen, es gleichzeitig dem Arbeiter sehr schwer machen, durch das kapitalistische Lohngewirr durchzufinden. [S.101]

Ziel: Die Untergrabung des Klassenbewußtseins der Arbeiter

Hinzu kommt, daß die Vielfalt der Lohnformen, die mit Hilfe der analytischen Arbeitsbewertung bis auf den einzelnen Arbeitsplatz zugeschnitten sind, die raffiniert mit anderen Anreizsystemen wie der Gewinnbeteiligung, dem Vorschlagswesen sowie mit sozialen Aufwendungen (Wohnungsbau, freiwillige betriebliche Sozialleistungen) gekoppelt sind, das Klassenbewußtsein der Arbeiterklasse untergraben, ihre Klassensolidarität lähmen und ihre Kampfkraft schwächen. Rechte Gewerkschaftsführer, wie Meany und Lovestone in den USA oder Leber in der BRD, haben mit ihrer „Einordnungs- und Integrationspolitik“ der Gewerkschaften in den staatsmonopolistischen Kapitalismus diesen Prozeß bewußt gefördert. [S. 101-102]

III. Klassenkampf

Es ist klar, daß der Widerspruch zwischen den Besitzern der Produktionsmittel und der lohnabhängigen Arbeiterklasse innerhalb dieses kapitalistischen Gesellschaftssystem nicht lösbar ist. Im Gegenteil: die Widersprüche verschärfen sich immer mehr. Und das führt logischerweise zu immer neuen Problemen, und bei wachsendem Klassenbewußtsein der Arbeiterklasse auch zum Klassenkampf.

Warum gibt es Klassenkämpfe?

Dafür gibt es eine einfache Erklärung:

„Die Arbeitnehmer*, d.h. die übergroße Mehrheit der Bevölkerung, sind nach wie vor von der Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel ausgeschlossen, Ihre Arbeitskraft ist auch heute noch ihre einzige Einkommensquelle.“ [Grundsatzprogramm des DGB] Nichts hat sich an der von Marx festgestellten Tatsache geändert, daß sich im Lohnkampf zwei antagonistische Klassen gegenüberstehen, daß die Arbeiterklasse sich jede Lohnerhöhung erkämpfen muß, daß die Monopole und ihre Unternehmerverbände ständig den Angriff auf die Löhne der Arbeiterklasse und damit auf deren Lebensstandard führen.
*Siehe: Das Märchen vom „Arbeitnehmer und „Arbeitgeber“
In den Zeiten abflauender Konjunktur und in Wirtschaftskrisen verschärfen sich die Auseinandersetzungen um die Lohnfragen zwangsläufig, denn die Monopole nutzen die Faktoren der zunehmenden Existenzunsicherheit der Arbeiterklasse, wie Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit, aus, um die Löhne der Arbeiterklasse auf niedrigem Niveau zu halten. Das zeigt sich seit Jahren in England, wo sogar eine Labour-Regierung gegen die Gewerkschaften und ihre Forderungen auftritt und sich bemüht, die Laster der seit Jahren sich verstärkenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten und nicht zuletzt der Pfundabwertung auf die arbeitenden Menschen abzuwälzen, um den Monopolen ihre Profite zu erhalten. [S. 102f.]

Gibt es das eigentlich: „Wohlstand für alle“?

Da hat die Bourgeoisie in der BRD aber den Menschen einen großen Floh ins Ohr gesetzt. Wohlstand und Gerechtigkeit gibt es nur im Sozialismus, wo die produktionsmittel nicht einzelnen (einer Handvoll Kapitalisten) gehören, sondern Volkseigentum sind.

Das ist auch deutlich in der Bundesrepublik zu erkennen, wo· man die früher in alle Welt hinausposaunte Parole „Wohlstand für alle“ längst über Bord warf. So . wurde im September 1967 in einem Artikel der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ die Auffassung, daß die Zahl von 350.000 Arbeitslosen zu hoch sei, heftig angegriffen. „Soll das heißen, daß … das jetzige Gleichgewicht von offenen Stellen und Arbeitslosen als verdammenswert zu betrachten ist?“ Vom Standpunkt des Artikelschreibers nicht, denn für ihn und seine Auftraggeber ist offensichtlich erst mit einigen hunderttausend Arbeitslosen ein „Gleichgewicht“ vorhanden.
Konzernvertreter, wie der I.G. Farben-Direktor Winnacker, erklären, daß sich die Gewerkschaften in ihren Lohnforderungen bescheiden den Gegebenheiten anzupassen hätten, und Kiesinger redete einer „freiwilligen und gemeinsamen Aktion der Gewerkschaften und Unternehmerverbände zu einem stabilitätsgerechten Verhalten“ eifrig das Wort. Die westdeutschen Monopole möchten die Gewerkschaften „gleichschalten“.
Offensichtlich geht das nicht so reibungslos, wie es sich die westdeutschen Machthaber vorstellten, und wieder einmal müssen sozialdemokratische Führer helfen. Mit Schiller, Schmidt, Leber und Wehner haben sie solche rechten sozialdemokratischen Führer gefunden, deren bisheriges Auftreten und Wirken sie als durchaus geeignet erscheinen läßt, den Widerstand der Gewerkschaften zu untergraben und diese dem staatsmonopolistischen Herrschaftssystem unterzuordnen.
Ob Monopolvertreter oder sozialdemokratischer Minister, in jedem Falle sind sie alle bemüht, „nachzuweisen“, daß die Arbeiterklasse. eigentlich doch nichts· zu fordern habe. Sie bekäme ihr „gutes“ Geld für ihre Arbeit. Die „Gesellschaft könne nicht über das Maß“ hinaus leben, und da es sich um eine „Leistungsgemeinschaft“ handele, bekäme. jeder nur so viel, wie ihm „zusteht“. Der Arbeiter erhält seinen Lohn, die Monopolisten ihre Profite… [S.103]

IV. Was ist nun die Konsequenz?

Die theoretische Erkenntnis, daß das ausschließliche Ziel der kapitalistischen Produktion der Mehrwert ist, ermöglicht es, an die vielfältigen Erscheinungen des gegenwärtigen Kapitalismus richtig heranzugehen. Aber diese Erscheinungen, die konkreten Tatsachen, müssen ebenfalls studiert werden; der Marxist-Leninist muß das Leben, die genauen Fakten der Wirklichkeit berücksichtigen. (S.34)

Quelle: Walter Schellenberg: Grundkurs zum „Kapital“, Dietz Verlag Berlin, 1972 (alle Seitenangaben beziehen sich auf das angegebene Werk.)

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2 Antworten zu Wohlstand für alle? Oder nur für eine kleine Minderheit!

  1. Politnick schreibt:

    Wesentlich für die kapitalistische Produktionsweise ist die private Aneignung des Mehrwertes gesellschaftlich erbrachter Arbeit — Einzig aus diesem Grund schon kann von Gerechtigkeit keine Rede sein.
    So ist Gerechtigkeit erst dann gegeben, wenn der Mehrwert gesellschaftlich eingebrachter Arbeit 100%ig in die Gesellschaft zurückfließt.

    Freundschaft 😉

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