Otto Grotewohl: An meine sozialdemokratischen Genossen…

Grotewohl

Otto Grotewohl

Angesichts der verheerenden Spaltung der deutschen Arbeiterklasse, wie sie auch heute wieder sichtbar ist, hielt der spätere Ministerpräsident der DDR im Jahre 1948 einen denkwürdigen Vortrag, in dem er über seine persönlichen Erfahrungen aus 30 Jahren deutscher Geschichte Rechenschaft ablegte. Auch wenn die Situation heute gänzlich anders ist als zum damaligen Zeitpunkt, so sind doch die Überlegungen und Gedanken Otto Grotewohls auch heute noch von größter Aktualität: Wie nämlich kann es dem deutschen Volke gelingen, das Joch der kapitalistischen Ausbeutung abzuwerfen und eine freie, von sozialen Ungerechtigkeiten, von Betrug und Unterdrückung befreite sozialistische Gesellschaft aufzubauen, in der alle Mitglieder der Gesellschaft gleichermaßen und entsprechend ihrer Leistung an den wirtschaftlichen Erfolgen des Landes teilhaben können.

Unvollendete deutsche Revolutionen

1948 jährte sich nicht nur die verfehlte bürgerliche Revolution von 1848 zum hundertsten Male, sondern auch die Revolution von 1918 erlebt am 9. November 1948 die 30. Wiederkehr ihres Jahrestages. Auf der Waage der Geschichte wiegt der Revolutionsnovember 1918 ebenso leicht wie der Revolutionsmärz 1848. Beide haben nicht erreicht, das Gesicht Deutschlands im fortschrittlichen Sinne grundlegend Zu verändern.

…in den Anfängen steckengeblieben

So wenig die Revolution von 1848 die historische Aufgabe des deutschen Bürgertums erfüllte, so wenig vermochte auch. die Revolution von 1918 die historische Aufgabe der deutschen Arbeiterklasse zu erfüllen; auch sie blieb sehr bald in ihren Anfängen stecken und ist in ihren Erfolgen nicht über einige Reformen hinausgekommen, die bürgerlich-liberalistischen Zielsetzungen zwar alle Ehre machten, mit Sozialismus aber nicht das geringste zu tun hatten.

Was ist aus den Revolutionen geworden?

Während die Revolution von 1848 in der politischen Friedhofsruhe einer reaktionären, elenden Kleinstaaterei aufging und im Blut- und Eisenregiment Bismarcks verebbte, endete die Novemberrevolution 1918 als Zerrbild einer Demokratie im Koalitionsschacher der Weimarer Zeit und erstickte endgültig in der Gewaltdiktatur Hitlers fand die deutsche Bourgeoisie nach 1848 im aufkommenden. Kapitalismus und Imperialismus für sich immerhin die Freiheit der Ausbeutung und des Verdienens, so blieben dem deutschen Proletariat nach 1918 nichts als die Massenarbeitslosigkeit, der Massenterror und schließlich der Massentod.

Spaltungen und Bruderkampf

Die deutsche Bourgeoisie konnte auf ihre politischen Ansprüche weitgehend Verzicht leisten, weil ihre kalten und unbarmherzigen wirtschaftlichen Prinzipien der Kapitalakkumulation sich hemmungslos entfalten durften und sich außerdem der monarchistische Staat der Hohenzollern weitgehend mit den politischen Machtinteressen der Bourgeoisie identifizierte. Das war für die deutsche Arbeiterklasse im Staate von Weimar keineswegs der Fall. Nachdem sie durch Spaltung und Bruderkampf innerhalb ihrer politischen Parteien die eigene Kraft geschwächt und zugelassen hatte, daß sich die Sozialdemokratische Partei Deutschlands unter Abkehr von der alten sozialistischen Kampfparole: Eroberung der politischen Macht, abwandte, um sich hoffnungslos und ausweglos immer tiefer im Gestrüpp der Koalitionspolitik zu verstricken, war das Schicksal der Novemberrevolution und der Arbeiterklasse besiegelt.

Was wird die Zukunft bringen?

Als 1945 das „1000jährige Reich“ des Faschismus durch die Hammerschläge der Alliierten und besonders der Sowjet-Armee zertrümmert wurde, ebnete sich für das deutsche Volk die Möglichkeit zu einem neuen demokratischen Weg für den Wiederaufbau Deutschlands. Damit ist auch. die deutsche Arbeiterklasse nach ihrer Niederlage von 1933 und der darauffolgenden zwölfjährigen politischen Untergrundbewegung wieder auf der Bühne des politischen Lebens erschienen. Ihre gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung ist in Verbindung mit den Bauern und allen anderen Werktätigen sowie den Intellektuellen in bisher nicht gekanntem Maße gestiegen.

Wird die deutsche Arbeiterklasse die ihr gestellte geschichtliche Aufgabe zur Verwirklichung des Sozialismus lösen können und damit alle Werktätigen und schließlich das ganze Volk sozial, national und kulturell auf ein Niveau heben, das allen ein menschenwürdiges Dasein gewährleistet? Das ist die Frage, vor der wir stehen und auf die hier Antwort gegeben werden soll.

Werden es die Anhänger der SPD begreifen?

Die Antwort hängt nicht unwesentlich davon ab, ob und in welchem Umfange die Anhänger der Sozialdemokratischen Partei begreifen lernen, daß ihr Platz an der Seite ihrer Klassengenossen und nicht an der ihrer Klassengegner ist. Kaum ein anderer Anlaß ist so wie die dreißigjährige Wiederkehr der Novemberrevolution von 1918 geeignet, der deutschen Arbeiterschaft wichtige und entscheidende Lehren für die Zukunft zu vermitteln.

Den Irrweg der Vergangenheit überwinden

Man muß den Mut haben, Fehler der Vergangenheit zu begreifen, zu verstehen und richtig zu analysieren. Eine Generation, die in der Arbeiterbewegung Bebels heranwuchs, später in den verschiedensten politischen Lagern der Arbeiterbewegung im ersten Weltkrieg, in der Novemberrevolution und in der Weimarer Republik Akteur war, um schließlich durch eigenes schuldhaftes Verhalten in der schmachwürdigen Hitlerdiktatur Opfer zu werden, hat wahrlich Grund genug, ihren Irrweg in der Vergangenheit zu erkennen, um in der Gegenwart und für die Zukunft den rechten Weg zu finden.

Das Wertvollste, was der Mensch besitzt…

Möge jeder einzelne dabei der Worte eingedenk sein, die Nikolai Ostrowski in seinem Buche „Wie der Stahl gehärtet wurde“ niederschrieb:

„Das Wertvollste, was der Mensch. besitzt, ist das Leben, Es wird nur ein einziges Mal gegeben, und benutzen soll man es so, daß einen die zwecklos verlebten Jahre nicht bedrücken, daß einen die Schande einer niederträchtigen und kleinlichen Vergangenheit nicht brennt und daß man sterbend sagen kann: Mein ganzes Leben, meine ganze Kraft habe ich dem Herrlichsten in der Welt, dem Kampfe für die Befreiung der Menschheit gewidmet.“

Dabei wollen die nachfolgenden Seiten helfen. Sie sind entstanden aus einem Vortrag, den ich im Parteivorstand der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands am 28. Juli 1948 gehalten habe, mit dem Versuch, vom Ausgangspunkt des persönlichen Erlebnisses zu einer geschichtlichen Gesamtschau zu gelangen.

wahren und einen erneuten nationalen Mißbrauch des Volkes durch den Monopolkapitalismus zu verhüten. Das Entscheidende aber ist, daß heute wie damals bei weiten Kreisen in unserem Volk die Richtigkeit,Wichtigkeit und die Notwendigkeit dieser Aufgaben noch nicht eingesehen wird.


Die Revolution von 1918

Die gründliche Erforschung der deutschen Novemberrevolution von 1918 ist auch deshalb notwendig, um die sozialistische Bewegung und die deutsche Arbeiterklasse vor großen Fehlern zu bewahren, die sich in der Vergangenheit verhängnisvoll ausgewirkt haben.

Ist der Marxismus überholt?

Heute wie damals glauben nicht wenige Führer der Sozialdemokratie unter den Nachwirkungen früherer opportunistischer Irrungen, auf die marxistische Grundorientierung verzichten zu können, da diese angeblich „überholt“ sei. Sie versäumen und vernachlässigen das Studium des Marxismus, die unerläßliche, schöpferische Weiterentwicklung und Anwendung auf die besonderen Verhältnisse der Gegenwart. Das gilt sowohl für die Lehre vom Staat und vom Weg zum Sozialismus, wie auch für die Frage der Anwendung revolutionärer Kampfmethoden.

Welcher Weg ist der richtige?

  • Heute wie damals wird die Auffassung vertreten, daß die Überwindung von Not und Elend am schnellsten und leichtesten zu erreichen sei, wenn man die Hilfe der imperialistischen Westmächte in Anspruch nimmt, kritiklos in die Kampffront gegen die Sowjetunion einschwenkt und eine wüste Hetze und Verleumdung gegen die Sowjetunion entfacht.
  • Heute wie damals wird schließlich von führenden Vertretern der Sozialdemokratie die Bedeutung einer formalen Demokratie überschätzt und dabei übersehen, daß, solange die Klassenverhältnisse nicht geändert, die Machtverhältnisse in Staat und Gesellschaft nicht gründlich umgestaltet sind, die Demokratie nur eine Tarnkappe für die alten reaktionären Mächte ist, die beiseite geworfen wird, sobald Monopolkapitalisten und Junker die Zeit dafür reif halten.
  • Schließlich sei noch auf ein drittes Moment hingewiesen, das eine eingehende Betrachtung der deutschen Novemberrevolution von 1918 für uns heute so notwendig erscheinen läßt. Die bisherige Geschichtsbetrachtung über die revolutionären Ereignisse des Jahres 1918 zeichnete sich in ihrer übergroßen Mehrzahl in einer abfälligen und wegwerfenden Beurteilung der revolutionären Leistungen aus. Selbst jene Persönlichkeiten, die in der Revolution von 1918 eine bedeutende Rolle gespielt haben, waren meist bestrebt, sich für ihre Tätigkeit zu „rechtfertigen“ oder die Verantwortung auf andere abzulenken. Solche subjektiven Darstellungen sind noch nicht zu einer objektiven geschichtlichen Wertung vorgedrungen und können daher nur als Zeitdokumente gewertet werden.

Die Geschichte analysieren

Die bisherigen Geschichtsdarstellungen über die Novemberrevolution von 1918 beschränkten sich durchweg im wesentlichen auf Darstellung einzelner Episoden, Beschreibungen wichtiger Tage und Ereignisse, wobei sie kaum über Erklärungen und Einzelheiten und nur selten zu einer Analyse und Deutung der Gesamterscheinung vordrangen. So geben die bisherigen Geschichtsbetrachtungen über ein so wichtiges Ereignis der Geschichte unseres Volkes nur ein einseitiges, unzulängliches, falsches Bild, aus dem keine Lehre und keine Nutzanwendung für die Zukunft gewonnen werden kann.

Lehren aus der mißlungenen Revolution

Es muß daher der Versuch gemacht werden, eine wissenschaftliche Erforschung der Ursachen und Aufgaben des Verlaufs und .der Bedeutung der Novemberrevolution von 1918 vorzunehmen, um eine Grundlage zu schaffen, die es möglich macht, aus jenen Tagen die Lehren für unseren Kampf in Gegenwart und Zukunft zu ziehen. Er kann nur gelingen, wenn das Schwergewicht auf die Erhellung und Aufklärung jener Vorgänge gelegt wird, die dem November 1918 vorausgingen und die zum November führten.

Verhängnisvolle Entscheidungen

So gewichtig und verhängnisvoll die Entscheidungen waren, die im November 1918 gefällt wurden, so irrig und unfruchtbar wäre es, den subjektiven Faktoren jeden entscheidenden Einfluß auf die Situation, auf die Bewältigung ihrer Probleme, auf den weiteren Verlauf abzusprechen.

Die ökonomischen und sozialen Beweggründe

Es muß jedoch mit allem Nachdruck betont werden, daß ein wirkliches Verständnis der Wirksamkeit dieser subjektiven Faktoren, dieser Entscheidungen und Unterlassungen, dieser Fehler und Schwächen, Überspitzungen und Übertreibungen erst dann möglich wird, wenn man erfährt, aus welcher Vergangenheit jene handelnden oder nicht handelnden Arbeitermassen und Arbeiterführer kamen. Man muß feststellen, welche Ströme sie gespeist haben, aus welchen ökonomischen, und sozialen Wurzeln sie ihre Kraft gesogen haben, aus welcher politischen und geistigen Atmosphäre sie erleuchtet und, befruchtet wurden.

Der Weg zum Sozialismus

Die Auswertung für den politischen Kampf der Gegenwart wird sich dann nicht darin erschöpfen, einer Nachahmung und Wiederholung der Fehler von 1918 vorzubeugen. Sie wird vielmehr die Möglichkeiten eröffnen, durch den entwicklungsgeschichtlich geschärften Blick auch die Fehlerquellen, die gefahrdrohenden Strömungen in der heutigen Entwicklung zu erkennen und mit ihrer Unterbindung und Vernichtung eine Sicherheit und Gewähr zu schaffen, die für die Zukunft jede ernste Gefährdung des Vormarsches zum Sozialismus ausschließt.

Quelle:
Otto Grotewohl: Dreißig Jahre später. Die Novemberrevolution und die Lehren der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Dietz Verlag Berlin, 1948, S.5-12. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

Acrobat Reader  Otto Grotewohl: An meine sozialdemokratischen Genossen

Nachsatz: In der DDR wurden mit der Vereinigung von KPD und SPD und dem Aufbau des Sozialismus die richtigen Schlußfolgerungen aus der Novemberrevolution gezogen. Allerdings auch hier – und das erweist sich heute – nicht mit der notwendigen Konsequenz: Es gelang in der DDR nicht, das opportunistische und revisionistische Gesindel aus der Partei zu entfernen. Daran krankt die DKP noch heute. Und schließlich geht es heute nicht nur allein um die Arbeiterklasse, sondern um das Klassenbewußtsein aller lohnabhängigen, der Ausbeutung unterworfenen Werktätigen.

 

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30 Antworten zu Otto Grotewohl: An meine sozialdemokratischen Genossen…

  1. Hat dies auf Muss MANN wissen rebloggt und kommentierte:
    „Das Wertvollste, was der Mensch. besitzt, ist das Leben, Es wird nur ein einziges Mal gegeben, und benutzen soll man es so, daß einen die zwecklos verlebten Jahre nicht bedrücken, daß einen die Schande einer niederträchtigen und kleinlichen Vergangenheit nicht brennt und daß man sterbend sagen kann: Mein ganzes Leben, meine ganze Kraft habe ich dem Herrlichsten in der Welt, dem Kampfe für die Befreiung der Menschheit gewidmet.“

  2. Politnick schreibt:

    Dem Nachsatz stimme ich bedingungslos zu. Insbesondere diese Aussage „Es gelang in der DDR nicht, das opportunistische und revisionistische Gesindel aus der Partei zu entfernen“ war für mich der Grund, NICHT in die SED einzutreten weil ich zum Zeitpunkt einer etwaigen Mitgliedschaft, o.g. Aussage bereits bestätigt fand.

    Im Grunde genommen hat die SPD bereits nach ihrem tiefen Fall 1914, als sie die Kredite für den 1. WK bewilligte, ihren Führungsanspruch für die AK verloren. Endgültig jedoch, nachdem sich diese Partei als Wegbereiter des Hitlerismus zeigte! Eine klare Stellungsnahme hierzu ist uns Otto Grotewohl für immer schuldig geblieben — im Gegensatz zu Alexander Abusch.

    Freundschaft 😉

    • sascha313 schreibt:

      Das sagt schon sehr viel über die persönliche Einstellung aus! Und zu Grotewohl: Im Gegenteil, bei der Vereinigung beider Parteien hat Otto Grotewohl eine klare Haltung bezogen, das kann man oben nachlesen. Und Grotewohl hier gegen Abusch ausspielen zu wollen, ist schon eine sehr jesuitische Polemik.

      • Politnick schreibt:

        Die geschichtliche Entwicklung der SED bestätigt doch meine persönliche Auffassung: Der Verrat — das Lasallesche Gift — steckte von Anfang an in dieser Partei was letztendlich im Verrat der DDR gipfelte. Und das lag eben daran, daß diese Partei nie mit ihrer blutigen Vergangenheit abgerechnet hat.

        Schönen Sonntag!

  3. Hanna Fleiss schreibt:

    Ist die gegenwärtige SPD in dem Zustand, in dem man von Vereinigung mit irgendeiner kommunistischen Partei überhaupt reden kann? Ich bin mir sicher, dass man dazu mit gutem Recht nein sagen muss. Wenn man ihren Abfall vom Marxismus spätestens mit der Zustimmung zu Kaiser Wilhelms Kriegskrediten ansetzt, dann müsste sie eine gewaltige Rolle rückwärts machen, zu der sie überhaupt nicht mehr in der Lage ist. Zumal es ja auch keine wirklich nichtopportunistische, nichtrevisionistische Partei gibt, mit der sich die SPD vereinigen könnte.

    Otto Grotewohl war da in einer anderen Situation und konnte die Lehre aus der Spaltung der Arbeiterklasse in zwei Parteien ziehen und damit die Notwendigkeit der Vereinigung beider Parteien, der SPD und der KPD, begründen. Wobei Grotewohls Begründung für das Scheitern der Novemberrevolution mir zu kurz greift, wenn er es auf das Koalitionsgerangel der SPD zurückführt, das ja nur eine Folge einer lange schon laufenden Entwicklung zum Frieden mit der Bourgeoisie war. Immerhin war Kautsky eher da.

    • sascha313 schreibt:

      Die SPD ist natürlich nicht in so einem „Zustand“… und es geht auch nicht um die Vereinigung beider Parteien, liebe Hanna. Ganz und gar nicht. Die heutige KPD steht da ohnehin nicht zur Debatte. Was wollte uns Otto Grotewohl damit sagen? Er hat diese Rede damals gehalten, um den Genossen in der SPD eine klare Orientierung zu geben, worauf es künftig ankommt – mehr nicht! Und das genau hat damals viele SPD-Genossen dazu bewogen, sich unter diesem Aspekt mit den Genossen der KPD zusammenzuschließen. Und bitte, man darf nicht verkennen, daß es nicht nur in der DKP (sondern sogar in der Linkspartei) noch Genossen gibt, die Marxisten sind, und die eigentlich dort gar nicht hineingehörten. Aber das ist allein deren Sache! (Übrigens gibt es auch Christen, die mit den Kommunisten zusammenarbeiten, warum nicht!)

    • Harry56 schreibt:

      Liebe Hanna, der „Zustand“ der heutigen SPD ist der Zustand einer rein bürgerlichen Vereinigung von Leuten, organisiert streng nach dem bürgerlichen Parteiengesetz der BRD. Diese Leute, ob Mitglieder oder Wähler der SPD, verdanken mehrheitlich ihren Lebensunterhalt als Lohnknechte vor allem öffentlichen Geldern, direkt oder indirekt. Ein kleiner Teil auch den Mitgliedsbeiträgen der Staatsgewerkschaften. Ein weiterer kleiner Teil auch noch immer einer gehobenen privilegierten Stellung innerhalb der wirklichen Kapitalverwertung, zumeist in Großunternehmen. Es sind also durch die Bank Systemlinge, Bücklinge, das kapitalistische System stützende lohnabhängige Gestalten. Was für eine dieser wohl inzwischen 10 oder mehr „KPDs“ sollte mit diesem Systemhaufen zu einer wirklich gesellschaftsverändernden Übereinkunft kommen?

      Soz.Gruß!

      • sascha313 schreibt:

        Fataler Fakt: Sie – die Systemlinge – leben auf Kosten der Masse der verarmenden Menschen, dienen „ihrem“ Staat und wissen einfach nicht, wie das Leben der Ausgestoßenen ist, und schon gar nicht wie viele es derzeit wirklich sind (es sind -zig Millionen!). Oder schlimmer noch: sie sehen verächtlich auf die „Herunter-gekommenen“ herab, nach dem Motto: „Deine Armut kotzt mich an!“ (aber sie interessiert mich nicht!)…

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Harry, da stimme ich mit dir nicht hundertprozentig überein. Wahr ist, dass die SPD absolut nichts mehr mit dem ursprünglichen Marxismus zu tun hat, mit dem sie im 19. Jahrhundert gegründet wurde, dass ihre Mitgliederschaft sich großteils aus Beamten, Lehrern oder Juristen, rechten Gewerkschaftsführern und nur sehr wenigen, meist kleinbürgerlich denkenden Arbeitern zusammensetzt, die sich nicht mehr als Klasse begreifen. Wahr ist auch, dass die SPD den Antikommunismus pflegt wie eine Mutter ihren Säugling, dass sie ihre Rolle als Arzt am Krankenbett des Kapitalismus sieht. Sie hat ihren Frieden mit dem in der BRD herrschenden Kapitalismus gemacht und will ihn, wie ich das sehe, noch nicht mal wie die Linkspartei für die Bevölkerung etwas erträglicher machen, sondern gibt sich dazu her, „Reformen“ wie Hartz IV einzuführen, dem sich zum Beispiel die CDU doch etwas zögernd anschloss. Das alles ist wahr.

        Ich habe, wenn du mal richtig liest, auch nicht behauptet, dass zur Zeit irgendeine Partei existiert, die sich mit der SPD zu einer (marxistisch-leninistischen) Partei zusammenschließen könnte. Die Linkspartei entfällt auf der ganzen Linie, obwohl sie natürlich am Wähleranteil der SPD stark interessiert ist, um in Regierungs-positionen zu gelangen.

        Eines ist klar: Mit der SPD gibt es keine Veränderung hin zum Sozialismus, sondern eher noch eine Verschärfung der Repressionen für uns alle. Du siehst also, mir musst du die Sache nicht erklären, darüber weiß ich schon sehr lange Bescheid. Aber danke, dass du darauf eingegangen bist.

  4. Hanna Fleiss schreibt:

    Nein, das habe ich auch nicht angenommen, Sascha, dass es gegenwärtig überhaupt jemanden um die Vereinigung mit der SPD zu tun sein könnte. Ich habe nur für mich den Schluss gezogen, dass die Spaltung der Arbeiterklasse wesentlich zu Lasten der SPD ging und heute ebenfalls geht. Sie hängt jeder revolutionären Entwicklung wie ein Klotz am Bein. Was aber die Marxisten in der Linkspartei und die Christen angeht, so kannst du sicher sein, dass die Zusammenarbeit nur bis zu einem bestimmten Punkt geht. Das jedenfalls ist meine Erfahrung aus vielen Äußerungen, die ich vernommen habe.

  5. Rolf schreibt:

    @Politnick:
    Deine Auffassung zur SED ist absoluter Quatsch und überheblich!

    Rolf

    • Politnick schreibt:

      Überheblich ganz bestimmt nicht. Ich sehe die Entwicklung dieser Partei eben so wie sich sich ergeben hat: Sie war 1989 durchsetzt von Menschen die alles Andere als Kommunisten waren, verkommene Subjekte die nur an ihre persönliche Bereicherung dachten und das auch taten auf Kosten Anderer.

      Eine Partei, die es zugelassen hat daß die DDR zur Kolonie des Westens verkommt, kann keine Partei der Arbeiterklasse sein! Und ja:

      „Es gelang in der DDR nicht, das opportunistische und revisionistische Gesindel aus der Partei zu entfernen.“

      Warum hat man denn das Gesindel erst reingelassen!? Also mal ehrlich, diese Frage muß sich doch eine Partei die sich Partei der Arbeiterklasse nennt, gefallenlassen! Also ich sehe das völlig emotionslos, auch wenn es meine ganz persönliche Auffasssung ist. Ich habe neulich einen ehemaligen Grenzaufklärer angerufen, das Erste was er mir nach 40 Jahren zu sagen hatte „Wie oft habe ich Dich gefragt ob Du in die Partei eintreten willst“ und ich sagte „nur einmal“. Daraufhin sagte er „Da hast Du aber Glück gehabt“.

      Das ist Überheblichkeit — Wir kriegen Jeden — so stellte sich die Partei Mitte der 70er dar. Da ging es schon lange nicht mehr um einen parteilichen Klassenstandpunkt. Und genau deswege bin ich damals nicht eingetreten.

      Also bitteschön Rolf, bevor Du jemanden als überheblich bezeichnest, Gehirn einschalten. Natürlich ist es meine persönliche Anschauung, ich kann mich auch irren. Aber die Geschichte hat meine Auffassung bisher immer bestätigt.

      Schöne Grüße!

      • sascha313 schreibt:

        …und was meinst Du mit „(Gesindel) „reingelassen“? Es dürfte doch einsichtig sein, daß Menschen sich immer entwickeln – in die eine oder andere Richtung. Und klar ist auch, daß man nirgendwo „fertige Menschen“ bekommen kann, zumal da nach der Dezimierung der Reihen der Kommunisten durch die Nazis und der Verseuchung großer Teile der Bevölkerung durch die faschistische Ideologie der Anfang und Aufbau einer neuen, sozialistischen Gesellschaft besonders schwer war. Nicht schwerer als in Rußland 1917 auch.

        Da kann man sich doch nicht hinzustellen und sagen: Ich hab’s
        ja schon immer gewußt – das Lasallesche Gift ist schuld! Mitläufer, Claqueure, Karrieristen und „Wendehälse“ gab es
        zu allen Zeiten. Aber die Partei (SED) hatte es sich doch zur Aufgabe gemacht, marxistisch-leninistische Grundkenntnisse zu vermitteln, nicht zuletzt auch ihren eigenen Mitgliedern. Daß sich auch da wieder einige brüsteten und sagten: Kenn‘ ich, weiß ich – alles schon gehört!, hat uns nie verwundert.

        Auf die aktive und fortschrittliche Haltung kam es aber an, nicht auf die Besserwisserei, sondern auf’s Tun. Und da haben sich viele Genossen noch entwickelt, haben gelernt, studiert, um noch besser zu verstehen, was kann ich für den Sozialismus tun? Die anderen, die nur Nutznießer sein wollten und diejnigen, die immer nur das Haar in der Suppe gesucht haben, nur um am Ende feststellen zu können: Ich hab’s ja gewußt, die Suppe ist ungenießbar! oder sowas wie: „Da hast du aber Glück gehabt!“ (jetzt wo es andersherum gekommen ist!) – das sind diejenigen, die auch schon Lenin bezeiten aus der Partei entfernt hat. Und das zurecht!

        Und was meinst Du mit „blutige Vergangenheit“ der SED???

      • ropri schreibt:

        @Politnick: „Sie war 1989 durchsetzt von Menschen die alles Andere als Kommunisten waren“

        Sicher war die SED zum Zeitpunkt der Konterrevolution handlungsunfähig und bereits zersetzt. Das zeigt ja klar auf, welche Ziele auf einmal gesteckt wurden. Schon ein paar Jahre zuvor in einem Buch zur Geschichte der SED „besann“ man sich auf die „große Rolle“ der SPD und daß deren Traditionen mehr gewürdigt werden müßten. Die Konterrevolution war damals vorbereitet, bis ins kleinste Element. Und an dieser Vorbereitung, ja, waren Funktionäre und Mitglieder eben dieser Partei beteiligt

  6. Rolf schreibt:

    Meine – für mich berechtigte – Kritik bezog sich auf deine Äußerung zur SED:
    „Die geschichtliche Entwicklung der SED bestätigt doch meine persönliche Auffassung: Der Verrat — das Lasallesche Gift — steckte von Anfang an in dieser Partei was letztendlich im Verrat der DDR gipfelte. Und das lag eben daran, daß diese Partei nie mit ihrer blutigen Vergangenheit abgerechnet hat.“

    Solche Floskeln wie „Gehirn einschalten“ sollten wir uns hier bitte ersparen.

    Rolf

  7. Hanna Fleiss schreibt:

    Politnick, es ist ja was dran mit dem Lassalleschen Gift, aber das betraf die SPD. Engels und Marx wiesen damals auf die Gefahr des Revisionismus bei der Vereinigung mit dem Lassalleschen Arbeiterverein hin. Aber du bist ja der Ansicht, dass es, das Gift, sich noch in der SED ausgewirkt hatte.

    Ich denke, da vergaloppierst du dich. Der Revisionismus in der SED ging von der Sowjetunion aus, vor allem vom XX. Parteitag mit der Geheimrede Chruschtschows. Es ist bekannt, dass Walter Ulbricht sich lange gegen das, was da unter Chruschtschow aus der Sowjetunion kam, aber letztlich konnte sich die DDR nicht gegen die Sowjetunion stellen. Dieses Chruschtschowsche revisionistische Gift tat nach 1956 (aber auch schon 1953, zum 17. Juni) ihr Werk in der SED. Das hatte natürlich Folgen, die der SED schweren Schaden zufügte. Ich weiß ganz gut, wovon du sprichst, und ich war entsetzt, als 1989 so mancher seine Verlarvung ablegte.

    Auf der anderen Seite gab es gute Genossen, ich kannte einige, die mir immer Vorbild waren, die mich nie enttäuscht hatten. Du kannst also nicht so auf einen Wisch alle über einen Kamm scheren. Wenn das nämlich so gewesen wäre, wie du schreibst, dann hätte die DDR niemals so lange gegen den äußeren und inneren Feind standhalten können. Dadurch, dass die DDR ökonomisch dem Westen unterlegen war, was die Ursachen zu einem großen Teil auch im Revisionismus der Sowjetunion hatte, hatte sie es nicht leicht, sich bei der Bevölkerung immer verständlich zu machen.

    Ich will jetzt nicht von Fehlern reden, die es selbstverständlich viel zu oft gab, aber sei ehrlich: Hatten wir die 40 Jahre lang nicht ein Leben, für das es sich lohnte zu leben? Und wie sieht es heute aus, wo wir gelernt haben zu unterscheiden?

    • Politnick schreibt:

      Liebe Hanna,

      Eines werde ich nicht tun: Die DDR verklären. Ich war 15 Jahre Schichtleiter und dafür durfte ich jedes Jahr meinen Jahresurlaub in einem der abgewrackten Bungalows der Firma verbringen die im Saaleoberland und im Thrüringer Wald rumstanden. Zur Hauptsaison einen solchen Ferienplatz zu kriegen, war einfach nicht drin und so war eben Anfang September das warme Wasser zum Duschen bereits abgestellt und die Grube noch nicht abgefahren. Da habe ich mich schon so manches Mal gefragt, ob es sich lohnt dafür zu leben und während ich unter einer eiskalten Dusche stand, hatte ich da noch die Worte meines Genossen Abteilungsleiter im Ohr wie er von seinem Urlaub in Ungarn rumgeprotzt hat und gleichzeitig wegen mangelnder Ersatzteile für seinen Lada rumjammerte.

      Ne, da gibt es wahrlich nicht viel zu beschönigen, da war ganz einfach zu Vieles viel zu ungerecht. Wie ich die DDR erlebt habe, das habe ich auf meiner Website mal aufgeschrieben und nein, zu meiner kommunistisch geprägten Weltanschauung sehe ich da absolut keinen Widerspruch! Parteilichkeit ist eben keine Frage der Mitgliedschaft! Das hat mein Onkel E. aus Weimar auch immer gesagt und er hatte wahrscheinlich auch so seine Gründe als ehemaliger Nach-1945-Buchenwald-Häftling.

      Die DDR wie ich sie zuletzt erlebt habe, war auch nicht die DDR meiner Kindheit der 50er und 60er. Und als ich ab Ende der 80er Jahre sah, wie sich meine SED-Partei-Prediger zu Bürgern entpuppten, da wollte ich einfach nur noch weg. Kurt Gossweiler, ja schön, warum hab ich nicht schon viel früher was von ihm gehört oder gelesen!? In Fakt könnte ich bis heute keinen SED-Genossen namentlich nennen, dem ich jemals vertraut hätte!

      @Sascha: Über die blutige Vergangenheit der SPD schreibt Alexander Abusch sehr ausführlich in „Der Irrweg einer Nation“.

      Schönes Wochenends 😉

      • sascha313 schreibt:

        Das ist richtig, Politnick, aber um korrekt zu sein:
        Wenn Du noch mal nachliest – Du hattest geschrieben:

        „Die geschichtliche Entwicklung der SED bestätigt doch meine persönliche Auffassung: Der Verrat — das Lasallesche Gift — steckte von Anfang an in dieser Partei was letztendlich im Verrat der DDR gipfelte. Und das lag eben daran, daß diese Partei nie mit ihrer blutigen Vergangenheit abgerechnet hat.“ (Hervorhebung von mir, N.G.)

        Ja, und freilich gab es mehr als genug solche Mißstände. Meinst Du die jungen Kommunisten in der SU hätten beim Aufbau von Magnitogorsk in den besten Hotels gewohnt? Meinst Du die hätten nicht auch manchmal die Nase voll gehabt von schlechten Unterkünften? Doch die haben angepackt und was verändert.

        Keiner, der bei Verstand ist, wird die DDR glorifizieren. Das wäre auch ziemlich dumm. Aber guck sie Dir an, die heute mit der BRD und dem Kapitalismus „unzufrieden“ sind – wer von denen tut wirklich was dagegen? Meckern hinter vorgehaltener Hand ist immer leicht – das war auch damals schon so! Wer in der SED war, und ein ehrlicher Genosse war, der hat nicht gemeckert, sondern was dagegen getan, verändert, angepackt!

        Zugegeben: das war nicht immer leicht! Bequemlichkeiten wollten alle gern mitnehmen, möglichst „first class“ leben und alle Vorzüge der DDR einstreichen… Und glaubst Du, die Menschen in Nordkorea hätten es leichter heute? Wenn Du siehst, wie die arbeiten! Und sie arbeiten so, weil sie wissen, was sie zu verlieren haben! Der Weg zum Sozialismus ist nun mal kein Spaziergang! Das ist auch der Grund, warum Otto Grotewohl Ostrowski zitiert „…dem Herrlichsten in der Welt, dem Kampfe für die Befreiung der Menschheit gewidmet.“ Also nichts für ungut – den da und diese schmarotzende Minderheit brauchen wir nicht!

  8. Hanna Fleiss schreibt:

    Ach, Politnick, du lässt meine grauen Haare ausbleichen. Es verlangt doch niemand von dir, dass du die DDR verklärst. Und ich habe so ein Gefühl, dass du vieles überinterpretierst, ohne daran zu denken, dass du dich als Genosse empfindest, ohne es gewesen zu sein, der weiß, worum es bei der Auseinandersetzung zwischen Sozialismus und Imperialismus eigentlich geht.

    Du ziehst Schlüsse, die meiner Ansicht nach einfach nicht hinhauen. Wir haben hier doch klargestellt, dass der Sozialismus mit Menschen errichtet werden musste, die mit einem Bein noch in der vergangenen Ausbeutergesellschaft stehen, zumal es sich dabei sogar um die schlimmste Form der Ausbeutergesellschaft, den Faschismus, gehandelt hatte. Da ist es fast normal, auf Egoismen, Raffsucht und auch Ungerechtigkeiten zu stoßen, die nichts, aber absolut nichts mit der sozialistischen Ethik und Moral zu tun haben.

    In einem Punkt gebe ich dir Recht: Dass die Partei darauf nicht stärker reagiert hatte, lag daran, dass sie selbst schon im revisionistischen Fahrwasser schwamm. Insofern ist deine Beobachtung natürlich richtig, aber mach nicht den Fehler und verdamme den Sozialismus als solchen. Denk daran, du hattest dich als parteiloser Genosse gefühlt, wie du selbst hier geäußert hast. Du schreibst, du wolltest einfach nur noch weg. Wohin wolltest du denn? Und was hat dich veranlasst, zu bleiben? Die Schwierigkeiten, aus der DDR herauszukommen? Oder hat dir eine innere Stimme gesagt: Wenn du das tätest, wärest du ein Schwein und könntest dich nicht mehr selbst achten?

    Die Bungalows „der Firma“ (Was ist damit gemeint? In der DDR waren die Betriebe volkseigene Betriebe und nicht „Firmen“) standen im Thüringer Wald und in der Saalegegend nicht einfach „so rum“, Sondern dein Betrieb hatte neben dem Betriebskollektivvertrag einen Sozialplan und setzte einen Teil des Betriebsergebnisses für die Erholung der Betriebsangehörigen ein und stellte ihnen die Bungalows zur Verfügung. Such dir heute mal eine Firma, die das macht! Dass du 15 Jahre lang, wie du schreibst, nur außerhalb der Saison dort einen Ferienplatz kriegtest – was glaubst du, woran das lag?

    Mein Betrieb zum Beispiel achtete sehr darauf, dass Familien mit schulpflichtigen Kindern in der Hauptsaison einen FDGB-Ferienplatz bekam, und diese Hauptsaisonplätze waren immer rar und begehrt, und da konnte es passieren, dass man nicht bedacht wurde in der Hauptsaison. Darüber aber nun zu lamentieren, weißt du, Politnick, ich kann mir Schlimmeres vorstellen.

    Du beklagst, dass die DDR deiner Kindheit später nicht mehr die DDR war, die du kanntest. Es wird dir vielleicht bekannt sein, dass die DDR verschiedene Entwicklungsetappen durchlief, und wenn du sie am Stadium des Niedergangs misst, müsste dir eigentlich klar sein, dass das zumindest eine gehörige Portion Unkenntnis der Geschichte menschlicher Gesellschaften voraussetzt. Da bist du aber keine Ausnahmeerscheinung, denn mehr oder weniger hat das ja jeder von uns so empfunden, dass etwas nicht mehr stimmt.

    Die DDR war eben in einer schwierigen Situation: Sie war in ihrer Existenz auf die Sowjetunion angewiesen, sie hätte einen Bruch mit dem sowjetischen Revisionismus nur unter Aufgabe ihrer Existenz herbeiführen können. Folglich passte sich die DDR an, obwohl viele von uns sahen, wo das enden könnte und wo es ja auch endete.

    • sascha313 schreibt:

      Danke Hanna – volle Zustimmung! (und was mir noch auffällt: diese Abfälligkeit, mit der „Politnick“ über die „abgewrackten Bungalows der Firma“, also seines Betriebes in der DDR, spricht … er hätte ja ebenso nach Ungarn fahren können… oder hätte mithelfen können, sie instand-zusetzen. War er da ein Vorbild für seine Kollegen – was man von einem sozialistischem Leiter ja eigentlich erwarten könnte? Und hätte man ihn da als Genossen in die Partei aufgenommen? Nein, wohl eher nicht.)

    • Politnick schreibt:

      Nein Hanna,
      angesichts der Lieblosigkeit und Verantwortungslosigkeit die viele SED-Genossen beim Umgang mit Volkseigentum und den Errungenschaften des Sozialismus an den Tag legten, kann man sicher nicht davon ausgehen, daß dies seinen Ursprung im Revisionismus der UdSSR hatte, da würde ich die ja schuldenfrei sprechen! Nee, die haben ganz einfach ihre Position ausgenutzt und sich selbst auf Kosten Anderer bereichert.

      Und wenn wir hier schon persönlich werden: Ich habe JEDE Sonderschicht gefahren und auch sonst stets meine Pflichten erfüllt — verantwortungsvoll und vorbildlich und mehr als das o.g. SED-Genossen taten — obwohl ich nicht in der Partei war und mir weder einen Lada noch einen Urlaub in Ungarn leisten konnte!
      Mit freundlichen Grüßen.

      • tommmm schreibt:

        Eigentlich mag ich ja diese „Ausrufezeichenschreiber“ nicht so besonders und ignoriere sie.
        Aber wer konnte sich einen Urlaub in der CSSR oder Ungarn nicht leisten? So was gibt es doch gar nicht. Ich war als Student eine Woche in Prag und 2 Wochen in Ungarn.
        Für die CSSR konnte man, glaube ich, 30 Mark pro Tag umtauschen……macht 10 Mark Essen und öffentliche Verkehrsmittel, 10 Mark fürs Bier und 5 Mark Zeltplatz und 5 Mark Kultur….
        Und Ungarn war ähnlich. Die Zugfahrkarten hatte man vorab in der DDR gekauft.
        Als Schichtleiter oder Schichtarbeiter hast du in den 80-ger Jahren um die 800 – 1000 Mark verdient (Neptunwerft als Maschinenbauer 4,82 M/Stunde, das war 1981), da war locker Urlaub im RGW drin.
        Den Rest hat Hanna sehr schön zurechtgerückt.

      • sascha313 schreibt:

        Absolut richtig! Danke, tommmm!

  9. Tankist schreibt:

    Hanna hat Recht, es ging um die Auseinandersetzung zwischen Sozialismus un Imperialismus, wir haben Ihnen 1945 eine Niederlage beigebracht, die sie uns nie verziehen haben, begriffen haben sie, dass sie unsere Verteidigungslinie mit „Blut und Eisen“ nicht durchbrechen konnten, also kamen sie mit Geldkoffern, Stalin und Lawrentij Berija haben bis 1953 dafür gesorgt, dass auch diese Koffer keine Wirkung erzielten, nach ihrer Ermordung und dem Sieg der Revisionisten konnte der imperialistische Feind durchbrechen, die Bolschewisten welche die deutschen Balkenkreuzer an der Wolokolamsker Chaussee stoppten, lagen in blutigen, kalten und nassen Schützengräben, ein Bungalow im Thüringer Wald wäre ihnen als purer Luxus erschienen, die Überwindung der alten Gesellschaft kann nur mit Gewalt gegen diese gelingen, empfehle das Lied vom Klassenfeind, gesungen von Ernst Busch

  10. Hanna Fleiss schreibt:

    Politnick, denk nicht immer nur bis zu einem bestimmten Punkt, sondern bis zum Ende. Du beschwerst dich über die Auswirkungen, die der Revisionismus in der DDR hatte – nämlich:
    dass – nicht nur SED-Genossen – viele Werktätige sich nicht darüber im klaren waren, dass sie die Besitzer des Volkseigentums waren, nun nicht persönlich, aber es gehörte dem ganzen Volk und nicht mehr privaten Besitzern. Da muss man selbstverständlich der Partei einen Vorwurf machen, auf diesem Gebiet nicht genügend mit den Menschen gearbeitet zu haben. Natürlich gibt es auch immer eine persönliche Schuld, aber die ist nur möglich, wenn die allgemeine Situation solche Zustände als Bagatelle abtut. Und das war der Fall, und da bin ich wieder bei der Partei.

    Wenn du nicht in Zusammenhängen denkst, wirst du immer an der Oberfläche bleiben, du wirst die Folgen eines Zustands immer als den Grund betrachten, wie du dies tust.

    Und noch etwas: Auch ich war weder in der Lage, mir einen Lada zu leisten, noch Urlaub in Ungarn zu machen. Und ich muss dir ganz ehrlich sagen, das spielte für mich überhaupt keine Rolle. Wenn du aber glaubst, du seiest in der DDR persönlich benachteiligt worden, weil du das nicht konntest, andere aber doch, dann bist du dem Konsumdenken des Westens auf den Leim gegangen. Und ich frage mich allen Ernstes, wie das passieren konnte. Du schreibst, dass du stets deine Pflichten erfüllt hast, das ist lobenswert. Das haben die 17 Millionen DDR-Bürger ebenfalls getan, du musst das also nicht besonders hervorheben. Du hast dafür ja auch etwas von der DDR bekommen, vergiss das nicht. Nun, einen Lada und einen Urlaub in Ungarn hat dir die DDR nicht geschenkt. Na und? Du hast als Schichtleiter eine gute Entlohnung bekommen, die dir einen gesicherten Lebensstandard ermöglicht hatte. Und jetzt stellst du dich hin und beschwerst dich, wie schlecht es dir in der DDR erging: kein Lada, kein Ungarn-Urlaub! Ich muss dir ganz ehrlich sagen, dich möchte ich nicht als Schichtleiter gehabt haben.

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