Rote Witze…

AIZDie „AIZ“ war eine der besten aktuellen Bilderzeitschriften. Zur Anschauung brachte sie die proletarische Welt, die für andere illustrierte Blätter merkwürdigerweise nicht vorhanden zu sein schien, obwohl sie doch die größere Welt ist. Was im Leben vorgeht, wurde mit den Augen des Arbeiters gesehen, und es ist Zeit, daß es so gesehen wird. Das Spektrum der Witze war überaus vielgestaltig, niemals waren sie oberflächlich und versöhnlerisch, sondern im Geist der Klassenauseinandersetzung dieser Zeit geprägt.

Die „AIZ“ (Arbeiter-Illustrierte Zeitung) war die erste und bedeutendste proletarische Illustrierte Deutschlands. Kaum eine andere illustrierte Zeitung aus der damaligen Zeit vermag uns heute ein so anschauliches Bild vom Leben der Werktätigen, der Arbeiter, Bauern und Angestellten zu vermitteln wie die „AIZ“. (Hans Sonntag)  Und man muß hinzufügen: Sie hat an Aktualität nichts eingebüßt…

Bilanz

Der Generaldirektor: „Bilanz …
unter uns gesagt … beschissen …
Dividende nur 10% … Beantrage
100 000 Mk. … für nationalen
Presse-Fond, großzügige Kriegs-
propaganda … wie es deutschen
Männern ziemt … der Gefahr ins
Auge sehen … Nur ein neuer Welt-
krieg, meine Herren, sichert
standesgemäße Profite.“

Der Lehrer erklärt in der Schule: Im Mittelalter war das Land in Gaue eingeteilt, und jedem Gau stand ein Graf vor: „Wie hieß wohl so ein Graf, welcher einem Gau vorstand?“ – Allgemeines Schweigen, niemand weiß es. Daraufhin hilft der Lehrer nach und sagt: „Nun das Wort ist doch sehr einfach, das Wort ist von Gau abgeleitet.“ – Darauf meldet sich das kleine Fritzchen und sagt: „Gauner, Herr Lehrer!“

Profit! Profit! „Herr Prinzipal, der Maschinenarbeiter Bertel ist in die Kreissäge gekommen!“ – „Verflucht! Nun steht wohl das Werk still?“ – „Nein. Aber ihm hat’s den linken Unterarm völlig abgerissen.“ – „Also, das Werk ist noch in Schuß?“ – „Ja.“ – „Dann ist’s ja gut. Telephonieren Sie gleich!“ – „An die Unfallstation?“ – „An den Arbeitsnachweis, Sie Esel, daß man uns sofort Ersatz schickt!“

Wohltätigkeit. Der reiche Fabrikant ließ durch seinen Sekretär einer hungernden Witwe 50 Pfennige auszahlen. – „Wie soll ich den Betrag verbuchen?“ fragt der Sekretär. Der Fabrikant sagte: „Unter Geschäftsspesen, Reklame, repräsentative Wohltätigkeit.“

Quelle:
Hans Sonntag (Hrsg.): Rote Witze aus der AIZ. 1926-1933. Dietz Verlag Berlin,1987 (Minibuch)

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