Schloß Cecilienhof – Gedenkstätte des Potsdamer Abkommens. Was geschah dort wirklich?

Cecilienhof

Cecilienhof – Foto: Schlegel, Lunzenau

Bekanntlich ist ja die Geschichte immer ein Ergebnis der produktiven Tätigkeit der Volksmassen und nicht die Heldentat irgendwelcher Politiker oder Feldherren. Oder wie Karl Marx es ausdrückte: „Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen.“ [1] Das gilt freilich auch für die Geschichtsschreibung. Nun wissen wir allerdings, daß die Bourgeoisie, wenn sie an der Macht ist, die Geschichte nach eigenem Gutdünken umschreibt. Und so bleibt heute von der Potsdamer Konferenz nicht viel mehr übrig, als so etwas: „Auf diesem Stuhl hat Stalin einst gesessen, und hier saß Mr.Truman“. Doch was geschah nun wirklich im Juli/August 1945, und wie muß man die Geschichte beurteilen? Darüber gibt uns ein kleiner Reiseführer Auskunft, der zu einer Zeit entstand, als die werktätige Arbeiterklasse in der DDR noch die Macht hatte.

Die Ausstellung wurde nach 1990 ihres historischen Zusammenhangs beraubt und es blieb nichts davon übrig als antike Möbelstücke und ein paar banale Erklärungen. Hier nun der tatsächliche geschichtliche Hintergund:

Ausstellung

„Der Faschismus an der Macht ist die offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, arn meisten chauvinistischen, arn meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals selbst. Das ist die Organisierung der terroristischen blutigen Niederhaltung der Arbeiterklasse und des revolutionären Teils der Bauernschaft und der Intellektuellen. Der Faschismus in der Außenpolitik – das ist der Chauvinismus in seiner brutalsten Form, der Haß gegen die anderen Völker züchtet.“ (Georgi Dimitroff) [2]

Die Vorgeschichte der Potsdamer Konferenz

Die faschistische Diktatur sollte für die Großindustriellen und Bankiers den Ausweg aus der tiefen Krise des imperialistischen Systems in Deutschland bringen. Zu diesem Zweck fand Ende Januar 1932 auf Einladung des bekannten „Stahlkönigs“ Fritz Thyssen eine interne Konferenz im Industrieklub in Düsseldorf statt, an welcher etwa 200 Vertrcter der Schwerindustrie und Hochfinanz sowie die Naziführer Hitler und Göring teilnahmen.

Bei dieser Gelegenheit wurden Vereinbarungen darüber getroffen, welche Unterstützung die faschistische Nazipartei bei der Machtübernahme erhalten sollte und welche Maßnahmen von der Naziführung zur Erhaltung der Macht des Großkapitals, für den Aufbau eines hochaufgerüsteten Machtstaates und für den vorgesehenen Expansionskrieg. insbesondere gegen den Osten, ergriffen werden, sobald Hitler im Besitz der Macht sein würde. Das nächste Ziel der Vertreter der äußersten Rechten war der Zusammenschluß aller militaristischen Organisationen, darunter in erster Linie des .,Stahlhelm“ mit der faschistischen Partei und ihren Unterorganisationen.

Die Machtübertragung an die Nazipartei

Im Frühjahr 1933 war es so weit: Seit dem 30. Januar 1933 war Hitler Reichskanzler und damit der Faschismus an der Macht, der Terror wütete in Deutschland, die KPD kämpfte unter den Bedingungen der Illegalität, viele Funktionäre und Mitglieder der Arbeiterbewegung waren bereits ermordet oder in die faschistischen Konzentrationslager verschleppt, die militaristischen Organisationen und Vereini-· gungen aber schlossen sich der Nazipartei und ihren Unterorganisationen an.

Eine bedeutsame Rolle beim Zustandekommen des reaktionären Rechtsblocks spielte der damalige „Hausherr“ von Cecilienhof, Exkronprinz Wilhelm von Hohenzollern. Er war ebenso wie sein Vater Kaiser Wilhelm II. und die anderen souveränen deutschen Könige und Fürsten durch die Novemberrevolution 1918 entthront worden und haue lünf Jahre im Exil in Holland gelebt. Nach der Rückkehr strebte er von neuem nach Macht und Einfluß und bewarb sich zunächst auch um die Kandidatur für den Präsidentschaftsposten, zog aber kurzfristig diesen Plan zurück und verkündete arn I. April 1932 vor der Presse, daß er Adolf Hitler seine Stimme geben würde.

Was beinhaltet die Ausstellung?

Die Ausstellung zeigt einige Beispiele von den Aggressionen der faschistischen Wehrmacht gegen Polen. Dänemark. Norwegen, Frankreich, Belgien, die Niederlande und Luxemburg. Das alles waren Voraussetzungen für den Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion. der am 22 . Juni 1941 erfolgte. Mit dem heldenhaften Kampf der sowjetischen Streitkräfte und der Partisanen sowie aller Volkskräfte trat der Befreiungscharakter des Krieges gegen die faschistischen Aggressoren noch deutlicher hervor.

Nun waren auch die Regierungen Großbritanniens und der USA zum Bündnis mit der UdSSR bereit trotz der Unterschied des sozialökonomischen und politischen Systems. Die Antihitlerkoalition entstand mit dem einigenden Ziel, die Aggressorstaaten zu besiegen und die Welt vor der faschistischen Barbarei zu retten. Das Bündnis entwickelte sich von einer Koalition von 16 Staaten im September 1941 zur großen Allianz von fünfzig Staaten im Mai 1945. Diese fünfzig Länder waren gleichzeitig die Gründerstaaten der UNO, die von April bis Juni 1945 in San Franzisko entstand.

Was waren die Folgen des 2. Weltkriegs?

Die Opfer der Völker im zweiten Weltkrieg waren ungeheuer groß: 110 Millionen Soldaten standen an allen Fronten im Kampf, von ihnen fielen 23 Millionen, 27 Millionen Opfer waren unter der Zivilbevölkerung zu beklagen. Die größten Verluste trug die Sowjetunion mit 20 Millionen Menschen, unter ihnen 25% des bjelorussischen Volkes. Polen hatte mit sechs Millionen Toten 22% seines Volkes, einschließlich drei Millionen Bürger jüdischer Abstammung verloren, Jugoslawien 20% das waren 1,7 Millionen Opfer. Allein die direkten Schäden durch die Okkupation betrugen in der Sowjetunion 128 Milliarden, Polen büßte 38% seines gesamten Nationalreichtums ein. Die ungeheuren Ausmaße der Nazi- und Kriegsverbrechen, bewogen die Alliierten, Hitlerdeutschland und die faschistische Wehrmacht zur bedingungslosen Kapitulation vor den drei Hauptalliierten zu zwingen.

Die Unterzeichnung fand am 8. Mai 1945 in Berlin-Karlshorst durch Generalfeldmarschall Keitel, Großadmiral von Friedeburg und Generalleutnant Stumpff für alle Waffengattungen der Wehrmacht statt. Marshall Shukow unterschrieb für die UdSSR. Die Ausstellung gibt einen Ausblick auf die Bildung des deutschen antifaschistisch-demokratischen Blocks der politischen Parteien und der Gewerkschaften im Juli 1945 und auf die Potsdamer Konferenz. Auf dem Großfoto sind im Hintergrund in der Mitte die sowjetische Delegation mit Stalin, Molotow, Wyschinsky, Andrej Gromyko, rechts die USA-Delegation mit Präsident Truman, Außenminister Byrnes sowie Admiral Leahy und links die britische Delegation mit dem neugewählten Premierminister Attlee und Außenminister Bevin zu sehen.

Weißer Salon

Im Juni 1945 beschlossen die alliierten Regierungen auf Vorschlag Marschall Shukows, die Konferenz der drei Ilauptmächte der Anti-Hitler-Koalition zur Regelung der Nachkriegsprobleme in der Nähe von Berlin, im Schloß Cecilienhof in Potsdam, durchzuführen. 36 Räume des Schlosses wurden als Arbeitsräume für die Regierungsdelegationen renoviert und mit Mobiliar aus einigen anderen ebenfalls unzerstörten Schlössern Potsdams eingerichtet. Die Delegationen wohnten in einigen größeren Villen in Potsdam-Babclsbcrg. Um von dort aus Cecilienhof erreichen zu können, schlugen sowjetische Pioniereinheiten eine Pontonbrücke über die Havcl, denn die Nazitruppen hatten noch Ende April, unmittelbar vor dem Einmarsch der sowjetischen Einheiten, fast alle Flußbrücken gesprengt. Der weiße Salon erhält durch klassizistische Säulen eine feierliche Note. Dieser Raum war daher besonders geeignet für Empfänge und interne Beratungen.

Arbeitszimmer der sowjetischen Delegation

CecUSSRWährend der Potsdamer Konferenz diente der rote Salon der sowjetischen Delegation als offizielles Arbeitszimmer. Stalins Arbeitsplatz war am Schreibtisch zwischen Fenster und Kamin. An der Wand sehen Sie die Darstellung der damaligen vier Besatzungszonen in Deutschland sowie die Hauptstadt Berlin mit den vier Sektoren. Für die Dauer der alliierten Besetzung und Kontrolle war Berlin Sitz. des Alliierten Kontrollrates. Der Mitarbeiterstab der vier Mächte wohnte in den jeweiligen Sektoren und wurde von Truppen einer eigenen Militärgarnison gesichert.

Was war das Ziel der Potsdamer Konferenz?

Das erklärte Ziel der im Februar 1945 in Jalta beschlossenen gemeinsamen alliierten Besetzung und Kontrolle Deutschlands war, den deutschen Militarismus und den Nazismus zu vernichten und zu gewährleisten, daß Deutschland nie mehr den Weltfrieden stören wird. Die Beschlüsse sowie die Vereinbarungen über die Gründung der UNO, über das befreite Europa und über demokratische Umgestaltungen in den von den Alliierten befreiten und besetzten Ländern bedeuteten praktisch die Anerkennung der Politik der friedlichen Koexistenz zwischen Staaten mit unterschiedlicher Gesellschaftsordnung.

Mit den auf der Krimkonferenz erzielten Vereinbarungen waren feste Grundlagen geschaffen worden, die den Boden für alle westlichen Zerstückelungspläne untergruben und die gegen eine Auf teilung Deutschlands gerichtete Position der Sowjetunion wesentlich stärkten. Die Deklaration sowie die Festlegungen der vier Mächte vom 5. Juni 1945 über die Besetzung und Kontrolle Deutschlands beeinflußten nicht nur die Zusammenarbeit ihrer Vertreter in den Kontrollorganen günstig, sondern förderten auch die Aktivitäten der demokratischen Kräfte des deutschen Volkes.

Die Entscheidungen der SMAD

Bereits am 14. Mai 1945 konstituierte sich der Berliner Magistrat. Gleichzeitig entstanden auch in den anderen Gebieten der sowjetischen Besatzungszone Organe der örtlichen Selbstverwaltung. Auf Grund des Befehls Nr. 2 des Obersten Chefs der SMAD (Sowjetische Militäradministration Deutschlands) vom 10. Juni 1945 wurde die Tätigkeit politischer demokratischer Parteien zugelassen. Am folgenden Tag richtete die KPD einen Aufruf an das deutsche Volk, der ein konkretes Programm zur demokratischen Erneuerung Deutschlands durch die Errichtung einer antifaschistisch-demokratischen Ordnung auf der Grundlage der Aktionseinheit der Arbeiterklasse und der engen Zusammenarbeit aller antifaschistischen Kräfte enthielt. Da dieses Programm den Interessen aller Klassen und Schichten, mit Ausnahme der großen Industrie- und Bankherren, der Militaristen und Großgrundbesitzer entsprach, fand es die Zustimrnung breitester Bevölkerungsschichten in ganz Deutschland.

Am 14. Juli 1945 schlossen sich die 4 politischen Parteien (KPD, SPD, LDPD und CDU) zu einem antifaschistisch-demokratischen Block zusammen (Antifa-Block). Der Block sandte eine Grußadresse an die Dreimächtekonferenz in Cecilienhof und stimmte am 12. August den Beschlüssen des Potsdamer Abkommens grundsätzlich zu. Im Sommer und Herbst 1945 zeigten sich in der Zusammenarbeit der vier Besatzungsmächte in Deutschland recht hoffnungsvolle erste Ergebnisse. Der Kontrollrat erließ eine Reihe bedeutsamer Proklamationen, Gesetze und Direktiven, die wichtige Grundlagen für eine gemeinsame Politik schufen.

Kompromißformeln

Trotz zweifellos unterschiedlicher Vorstellungen zwischen den vier Mächten über Inhalt, Wege und Formen der Aufgabe, den deutschen Faschismus und Militarismus, die deutschen Monopolvereinigungen zu vernichten und demokratische Lebensformen in Deutschland zu entwickeln, erwies es sich als durchaus möglich, Kompromißformeln für gemeinsame Beschlüsse zu finden. Der spätere Zusammenbruch der Viermächteverwaltung erfolgte nicht zwangsläufig infolge von Undurchführbarkeit einer gemeinsamen Besatzungspolitik von Staaten mit unterschiedlicher sozialer Ordnung und politischen Systemen.

Konferenzsaal

CecKonfEine Halle wie diese ist ein wesentliches Merkmal eines englischen Hauses. Hoch und feierlich, durch zwei Stockwerke reichend, ist sie auch in Cecilienhof das Zentrum der Schloßanlage. Barocke Formen waren das Vorbild für die reichgeschnitzte Treppe. Der große runde Tisch wurde in der Möbelfabrik „Lux“ in Moskau angefertigt. In diesem repräsentativen Saal tagte vom 17. Juli bis zum August 1945 die historische Konferenz, die damals offiziell „Berliner Dreimächtekonferenz“ genannt wurde, in der Folgezeit aber als „Potsdamer Konferenz“ in die Geschichte eingegangen ist.

Die Sitzordnung der drei Delegationen der alliierten Mächte entsprach ihren auf dem Konferenztisch aufgestellten Nationalflaggen. Rechts am Tisch saß die Delegation der UdSSR: Stalin als ihr Leiter im Armsessel, neben ihm rechts Außenminister Molotow und sein Stellvertreter Wyschinski, links von Stalin der Chefdolmetscher Prof. Golunski und der sowjetische Botschafter in den USA Andrej Gromyko: in der Mitte im Armsessel der neue Präsident der USA Truman als Vorsitzender der Konferenz, rechts von ihm Außenminister Byrnes und Admiral Leahy, links der Dolmetscher Bohlen und der amerikanische Botschafter in der UdSSR Harriman: links am Tisch die britische Delegation; im Armsessel vom 17. bis 25. Juli Premierminister Churchill, rechts Außenminister Eden, der Dolmetscher, links Attlee (zunächst als Beobachter) sowie der britische Botschafter in der UdSSR, Sir Kerr.

Die Unterzeichnung des Potsdamer Vertrags

Nach einer zweitägigen Unterbrechung wurden die Dreimächteverhandlungen am 28. Juli mit den Repräsentanten der neugewählten Labour-Regierung, Premierminister Attlee und Außenminister Bevin, fortgesetzt. Am 2. August 1945, nach dreizehn Vollsitzungen, unterzeichneten Stalin, Truman und Attlee am Tisch in der großen Halle das Potsdamer Abkommen. Frankreich war zeitweise durch einen Beobachter vertreten. Die französische Regierung erkannte arn 7. August 1945 das Potsdamer Abkommen, wenn auch mit einigen Vorbehalten, ebenfalls an. Unter den bei der Konferenz. akkreditierten ausländischen Journalisten befanden sich auch der bekannte sowjetische Schriftsteller Boris Polewoj und der spätere Präsident der USA, John F. Kennedy.

Das Ziel der Alliierten bestand in der Verwirklichung der Krim-Deklaration (der Konferenz in Jalta am 11. Februar 1945), um einen dauerhaften und gerechten Frieden in Europa zu begründen. In diesem Sinne wurde für Deutschland festgelegt:

  • Vollständige Abrüstung und Entmilitarisierung,
  • Vernichtung der Nazipartei und aller faschistisch-militaristischen Organisationen und Schaffung von Sicherheiten gegen ihr Wiedererstehen und gegen jede künftige faschistische und militaristische Aktivität und Propaganda,
  • Verhaftung und Bestrafung aller Nazi- und Kriegsverbrecher, auch im ökonomischen Bereich, und Entfernung aller belasteten Nazis und Gegner der alliierten Besatzungsziele aus allen wichtigen Positionen,
  • Vernichtung der Kartelle, Syndikate, Trusts und anderer deutscher Monopolvereinigungen,
  • Aufbau eines einheitlichen, demokratischen, friedlichen Deutschlands
  • Demokratisierung des Justizwesens und der Rechtsprechung,
  • Demokratisierung der Verwaltung, des Staats- und des Verfassungswesens,
  • Zulassung politischer demokratischer Parteien und freier Gewerkschaften in ganz Deutschland,
  • Presse-, Rede- und Religionsfreiheit,
  • Errichtung einiger wichtiger deutscher Zentralverwaltungen, an deren Spitze Staatssekretäre stehen, zunächst für die Industrie, den Außenhandel, das Finanz-, Transport- und Verkehrswesen; sie sollten direkt unter dem Alliierten Kontrollrat in Berlin tätig sein.

Weitere wichtige Ergebnisse und Beschlüsse:

  • Die Errichtung eines Rates der Außenminister zur Vorbereitung der Friedensregelung mit den damaligen Verbündeten Hitlerdeutschlands sowie mit Deutschland und Österreich,
  • Reparationsleistungen seitens Deutschlands,
  • Festlegung der deutsch-polnischen Grenze an der Oder und Lausitzer Neiße,
  • Abkommen über die Umsiedlung zurückgebliebener deutscher Bevölkerungsteile aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn.

Arbeitszimmer der amerikanischen Delegation

CecUSADieses ehemalige Wohn- und Rauchzimmer diente Präsident Truman als Arbeits- lind Beratungsraum. Zu den Teilungsplänen. die auf Schautafeln zu sehen sind: Je mehr sich der antifaschistische Befreiungskrieg seinem Ende näherte, desto größer wurde das allgemeine Interesse an der Gestaltung der Nachkriegsordnung. Die Deutschlandfrage nahm einen zentralen Platz in den öffentlichen Diskussionen in Presse, Rundfunk und Publizistik in England und den USA ein. Sie wurde von antifaschistischen, antimilitaristischen und in bezug auf Deutschland auch antiimperialistischen Forderungen geprägt.

Die Teilungspläne Roosevelts

Eine einheitliche Meinung in der Deutschlandfrage gab es jedoch weder in den Führungsgremien noch in der Öffentlichkeit bei der Westmächte. Präsident Roosevelt schlug auf der ersten Gipfelkonferenz der „Großen Drei“ am 1. Dezember 1943 in Teheran vor, nach dem Krieg Deutschland in fünf selbständige Staaten aufzuteilen:
ein verkleinertes Preußen; Hannover mit dem Nordwesten vereint; Sachsen mit dem Raum Leipzig; Hessen mit Hessen Darmstadt und Hessen-Kassel und dem Raum südlich des Rheins, sowie Bayern, Baden und Württemberg; der Nord-Ostseekanal, Kiel und Hamburg, das Ruhr- und Saargebiet sollten der Kontrolle der Vereinten Nationen unterstellt werden.

Der Morgenthau-Plan

Churchills Plan in Teheran lautete: ein verkleinertes Preußen im Norden zu erhalten, Süddeutschland mit Österreich und Ungarn zu einer „Donauföderation“ zu vereinigen und die Industriegebiete an Saar und Ruhr unter internationale Kontrolle zu stellen. Die sowjetische Seite warnte vor solchen Teilungsplänen, da es „im deutschen Volke immer einen starken Drang zur Vereinigung geben würde“. Roosevelt und Churchill zogen ihre Pläne daraufhin zwar zurück, aber der US-Finanzminister H. Morgenthau legte im September 1944 Roosevelt, Churchill und Eden in Quebec (Kanada) einen neuen Dreiteilungsplan vor: Bildung von zwei vor allem agrarisch orientierten Staaten im Norden und Süden sowie einer internationalen Zone im Westen Deutschlands einschließlich des Ruhrgebietes; Schließung der Bergwerke sowie Zerstörung oder Demontage der wichtigen Industrien; das Gebiet links des Rheins sollte an Frankreich abgetreten werden. Roosevelt und Churchill stimmten dem Plan zu und setzten ihre Unterschrift darunter. Im Oktober 1944 legten Churchill und Eden den Morgenthau-Plan offiziell in Moskau vor. Stalin und Molotow lehnten ihn aber sofort als völlig indiskutabel ab.

Die Teilungspläne Trumans

Die Deutschlandfrage stand im Mittelpunkt der Arbeit der Potsdamer Konferenz. Präsident Truman trat mit einem neuen Teilungsplan auf: Bildung eines süddeutschen Staates mit der Hauptstadt Wien, zu dem drei deutsche Länder Bayern, Württemberg und Baden – sowie Österreich und Ungarn gehören sollten. Ein norddeutscher Staat mit der Hauptstadt Berlin und ein westdeutscher Staat mit dem Ruhr- und Saargebiet sollten entstehen. Der westdeutsche Staat sollte einige Zeit unter internationale Kontrolle gestellt werden. Die sowjetische Seite lehnte auch diesen Vorschlag ab. Stalin erklärte klar und unmißverständlich, Deutschland sollte nicht zerstückelt, sondern in einen friedlichen und demokratischen Staat verwandelt werden. Dieses Prinzip wurde zur Grundlage der Deutschlandbeschlüsse im Potsdamer Abkommen.

Hinterhältige Kriegspläne Trumans in Fernost

Anfang 1945 wurde es zur Hauptsorge der amerikanischen Regierung, des Vereinigten Komitees der Stabschefs und des Oberbefehlshabers der USA-Truppen im Pazifik, des Generals McArthur, den baldigen Eintritt der Sowjetunion in den Krieg gegen Japan zu erreichen, um eine Rückkehr der japanischen Guandung-Armee vom chinesischen Territorium zum Zeitpunkt der Landung der USA-Truppen in Japan zu verhindern. Am 10. Februar 1945 wurde während der Konferenz in Jalta eine entsprechende Übereinkunft unterzeichnet.

Truman versicherte sich in Potsdam, daß drei Monate nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands der Kriegseintritt der Sowjetunion gegen Japan erfolgen werde. Die sowjetische Hilfe war für die USA notwendig, um den Krieg im Fernen Osten schnellstens zu beenden. Gleichzeitig hielt die USA-Regierung ihre ersten beiden einsatzfähigen Atombomben gegen Japan bereit, um damit die Stärke und Überlegenheit der USA gegenüber der Sowjetunion zu demonstrieren.

Der USA-Atombombenabwurf über Japan

Den Befehl zum Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki gab Truman am Abend des 24. Juli in seiner Residenz in Potsdam-Babelsberg, dem „Little White House“, dem „Kleinen Weißen Haus“. Das von ihm festlegte Datum unmittelbar nach dem 3. August“ bedeutete: gleich nach Beendigung der Potsdamer Konferenz, aber noch vor Beginn der sowjetischen Offensive gegen die japanische Guandung-Arrnee, die noch riesige Gebiete Chinas besetzt hielt.

Im Interesse der amerikanischen Weltherrschaftspläne und der Politik des Druckes auf die Sowjetunion mußten zwei blühende japanische Städte untergehen, mußten rund 300.000 Menschen sterben. Aber Hiroshima und Nagasaki wurden zum Fanal des weltweiten Kampfes der Menschen gegen alle nuklearen Waffen und für die Erhaltung und Sicherung des Weltfriedens.

Arbeitszimmer der englischen Delegation

CecGBDas frühere Bibliotheks- und Lesezimmer diente Churchill und der britischen Delegation als Arbeits- und Beratungszimmer. Daneben, im früheren Frühstücks- und Teezimmer. war das Sekretariat.

Einige Erläuterungen zu britischen Vorstellungen über die Gestaltung Europas nach dem zweiten Weltkrieg. Churchill trat sofort nach dem faschistischen Überfall auf die Sowjetunion für ein großes Bündnis Großbritanniens, der USA, der UdSSR und anderer Staaten gegen die faschistischen Aggressormächte ein. Aus Sorge um die Existenz und die Erhaltung des britischen Welt- und Kolonialreiches stellte er zeitweilig seinen bekannten Antikommunismus und Antisowjetismus zurück.

Kampf um die britische Vorherrschaft in Europa

Im Jahre 1943 war nach den kriegsentscheidenden sowjetischen Siegen bei Stalingrad und Kursk . sowie nach den Erfolgen der angloamerikanischen Armeen in Nordafrika und Italien klar, daß der Sieg der Anti-Hitler-Koalition sicher war: Churchills Vorschläge in Teheran zeugten davon, daß er nach Beendigung des Krieges die britische Vorherrschaft in Europa sichern wollte. Polen spielte als östlicher Vorposten gegen die Sowjetunion eine besondere Rolle. Die in London residierende polnische Exilregierung sollte die Macht in Polen übernehmen und Polen an den westlichen Block anschließen.

Die Oder-Neiße-Grenze wird festgelegt

Seit Januar 1945 fanden auf Initiative der sowjetischen und der Provisorischen Polnischen Regierung in Warschau Beratungen mit der britischen und der amerikanischen Regierung über eine für Polen günstigere Grenze entlang der Oder und der westlichen oder Lausitzer Neiße statt. Der endgültige Beschluß darüber wurde in Potsdam auf der 11. Vollsitzung am 31. Juli 1945 gefaßt.

Wer waren die Verlierer von Potsdam?

Die „Verlierer“ von Potsdam waren nicht die Westmächte schlechthin, sondern ihre aggressiven imperialistischen Kreise, die von der Wiederherstellung Deutschlands als antikommunistisches Bollwerk gegen die Sowjetunion träumten. Die Hauptverlierer waren die geschlagenen deutschen Monopolherren, Großgrundbesitzer, Militaristen, Faschisten und Chauvinisten, über die mit den Potsdamer Vereinbarungen ein vernichtendes völkerrechtliches Urteil gefällt wurde. Diese 1945 besiegten und von der Anti-Hitler-Koalition verurteilten Kräfte verstanden es jedoch – in der sog. Ära des „kalten Krieges“ und der „Politik der Stärke“ – im westlichen Teil Deutschlands ihre Macht und ihren Einfluß zu restaurieren und zu behaupten. Sie versuchten über Jahrzehnte hinweg, die Ergebnisse des zweiten Weltkrieges, vor allem die in seinem Gefolge entstandenen politischen und sozialen Veränderungen in Europa zu revidieren.

Versuch einer Normalisierung der Beziehungen

In einem hartnäckigen Ringen der Sowjetunion und der anderen sozialistischen Staaten sowie aller an einer Entspannung Interessierten in den westlichen Staaten Europas gelang es, seit 1971 eine Reihe von Verträgen zur Normalisierung der Beziehungen zwischen den sozialistischen und kapitalistischen Staaten Europas, insbesondere zwischen der DDR und der BRD, durchzusetzen.

Das Berlin-Abkommen

Mit der Unterzeichnung des „Vierseitigen Abkommens über Berlin (West)“ vom 3. September 1971 wurde dessen Status von den vier Mächten ausdrücklich bestätigt und festgelegt, daß Westberlin nicht zur Bundesrepublik Deutschland gehört und nicht von ihr regiert werden darf, und daß die drei Westmächte ihre Rechte und Verantwortung hinsichtlich der Vertretung der Interessen der Westsektoren Berlins und ihrer ständigen Einwohner im Ausland, einschließlich der Angelegenheiten der Sicherheit und des Status, beibehalten.

Die Schlußakte von Helsinki

Den Höhepunkt dieser Entwicklung bildete die Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki am 1. August 1975 durch die Vertreter von 33 Staaten Europas sowie der USA und Kanadas, da diese überseeischen Staaten Mitverantwortung für die Entwicklung und Gestaltung der Beziehungen zwi­schen den europäischen Staaten durch ihre Beteiligung an der Besetzung und Kontrolle deutscher und anderer europäischer Gebiete übernommen hatten.

Die Friedenspolitik der Sowjetunion

Der unbeirrbare Kurs der sowjetischen Außenpolitik, gerichtet auf Entspannung, Sicherheit und Zusammenarbeit der Staaten und Völker auf der Grundlage der friedlichen Koexistenz von Staaten mit unterschiedlicher Gesellschaftsordnung, erreichte, daß Europa fast vier Jahrzehnte lang in Frieden leben konnte und daß immer breitere Kreise der Bevölkerung und der politischen Kräfte in den westlichen Ländern dafür gewonnen wurden.

Zitate:
[1] Karl Marx: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte. In: Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Dietz Verlag Berlin, Bd.8, S.115.
[2] Georgi Dimitroff: Die Offensive des Faschismus und die Aufgaben der Kommunistischen Internationale im Kampf für die Einheit der Arbeiterklasse gegen den Faschismus. In: Ausgewählte Werke in zwei Bänden, Frankfurt/M. 1972, Bd.2, S.105

Quelle:
Generaldirektor der Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci (Hrsg.): Cecilienhof – Historische Gedenktätte des Potsdamer Abkommens. 6. Aufl. 1987, weitere Fotos: Ulrich Frewel. (Zwischenüberschriften eingefügt – N.G.)

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14 Antworten zu Schloß Cecilienhof – Gedenkstätte des Potsdamer Abkommens. Was geschah dort wirklich?

  1. Leander Michel schreibt:

    Das ist durchaus interessant, aber man merkt, dass es Fehler beinhaltet aufgrund des Revisionismus (der Text ist ja von 1987).
    Beispiel: „Der spätere Zusammenbruch der Viermächteverwaltung erfolgte nicht zwangsläufig infolge von Undurchführbarkeit einer gemeinsamen Besatzungspolitik von Staaten mit unterschiedlicher sozialer Ordnung und politischen Systemen.“
    Er erfolgte aus meiner Sicht zwangsläufig aufgrund der Interessensunterschiede. Die Westallierten, also die Bourgeoisie, wollten kein freies, unabhängiges, demokratisches Deutschland, sondern eine „Bastion gegen den Bolschewismus“, während die Sowjetunion, das Proletariat und die anderen Werktätigen, ein solches Deutschland wollte um einen neutralen Puffer zu haben vorerst (mittelfristig; langfristig siegt sowieso die Revolution), um nicht in einen neuen Krieg (USA vs UdSSR) hineingezogen zu werden.

    Das hier beinhaltet schon mehr als bloss Chruschtschows Verunstaltung der friedlichen Koexistenz, sondern, würde ich sagen, Gorbatschows Gesülze vom „Imperialismus als Partner“.

    • sascha313 schreibt:

      Danke, Leander, für den Hinweis. Richtig. Das hätte ich eigentlich voranstellen müssen! Daran sieht man deutlich, wie der Revisionismus schon in die Reihen der unteren Kader in Politik und Kultur der DDR eingedrungen war.

      Denn dieser Joachim Mückenberger, der 1967-1990 Generaldirektor der Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci war und der verantwortliche Redakteur dieser Broschüre Herbert Londershausen hatten politisch ja nun wirklich nicht viel zu entscheiden.

      Wobei eigentlich traurig ist – auch Londershausen (offenbar ein Pädagoge; er war 1957 Mitautor eines Buches „Das proletarische Kind“) hätte eigentlich begreifen müssen, daß Imperialismus und Sozialismus unvereinbar sind – wie Feuer und Wasser (Honecker) -, daß es also auf Dauer niemals eine „gemeinsame Besatzungspolitk“ geben konnte!

    • Politnick schreibt:

      Moin,
      Das Berlinabkommen hat ja auch nichts mit dem Potsdamer Abkommen zu tun. Es (das Berlinabkommen) ist im Interesse der westlichen Alliierten weil es, genauso wie das Grundgesetz, den Besatzungsstatus auf unbestimmte Zeit einfriert und einen Friedensvertrag verhindert.

      Danke Sascha, für den Hinweis auf den Morgenthauplan, der natürlich ebenfalls wie alle anderen Pläne zur Teilung Deutschlands, nichts weiter als ein krankhafter Auswuchs profitgieriger Hirntumore ist.

      MfG

      • sascha313 schreibt:
        Nein. Das Berlinabkommen war untrennbarer Bestandteil des Potsdamer Abkommens. Da der Kontrollrat, das oberste Machtorgan der vier Mächte in Deutschland, seinen Sitz in Berlin erhielt, wurde eine Viermächteverwaltung für Berlin festgelegt ohne den Status von ganz Berlin als Bestandteil der sowjetischen Besatzungszone zu berühren. Entsprechend dem Protokoll vom 12. Sept. 1944 und im Zusatzabkommen vom 5. Juni 1945 sollte das Stadtgebiet von Groß-Berlin von Truppen der vier Besatzungsmächte besetzt werden. Trotz der Viermächteverwaltung blieb Berlin Bestandteil der SBZ. Allerdings hatte die Abkehr der Westmächte von den Grundsätzen der Antihitlerkoalition gegenüber Deutschland und die Abspaltung der Westzonen und der Westsektoren Berlins die schrittweise Unterhöhlung des Viermächtestatus von Berlin zur Folge. Nach der Lahmlegung des Alliierten Kontrollrats druch die Westmächte stellte die Alliierte Kommandantur von Groß-Berlin am 16. Juni 1948 ihre Tätigkeit ein. Die einheitlich gefaßten Beschlüsse der Alliierten Kommandantur über die antifaschistisch-damokratische Entwicklung Berlins wurden von den Westmächten gebrochen und alle diesbezüglichen Maßnahmen in den Westsektoren Berlins rückgängig gemacht. Soviel mal zu Berlin.
      • Politnick schreibt:

        Ergänzung: Bei meinem ersten Besuch in Potsdam, April 1971, gab es dieses Berlin-Abkommen noch nicht und demzufolge auch keine Hinweise hierzu in der Gedenkstätte Cecilienhof.

        Im West-Jargon wurde dieses im Sept. 1971 geschlossene Abkommen auch als Transitabkommen bezeichnet. MfG

      • sascha313 schreibt:

        Nein – das Berlin-Problem hat etwas damit zu tun, daß die Bonner Regierung versucht hat, trotz eindeutiger Rechtslage, Berlin als 12.Bundesland zu behandeln. Das wurde erst durch Brandt 1964 eindeutig abgesagt.

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