Boris Syromjatnikow: Ein unerwünschter Zeuge

Was sich im Mai 1942 bei Charkow ereignete, war ein Kriegsverbrechen von Chruschtschow und Timoschenko. Drei sowjetische Armeen fielen diesem sinnlosen Abenteuer zum Opfer: 87.000 sowjetische Offiziere und Soldaten kamen dabei ums Leben, 230.000 gerieten in Gefangenschaft! Doch Chruschtschow und Timoschenko entzogen sich ihrer Verantwortung…

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Wenn es die Katastrophe von Charkow 1942 nicht gegeben hätte, dann wäre Chruschtschow viel früher in das befreite Kiew einmarschiert. (Foto aus dem Buch „Auf Wegen des Sieges“)

Die Katastrophe von Charkow, die sich im Mai 1942 ereignete, wäre vermeidbar gewesen. Dann wäre auch der Sommerfeldzug der Roten Armee an der Südwestfront nicht so ein voller Mißerfolg gewesen. Das war auch dem im April 1942 als Befehlshaber der operativen Abteilung der Südwestfront eingesetzten Oberst Iwan Nikiforowitsch Ruchle (übrigens einer der Erarbeiter der Operation, die im Dezember 1941 mit der Befreiung Rostows endete) sehr wohl bewußt. Nachdem er sich die vorbereiteten Unterlagen für die Offensive auf Charkow angesehen hatte, gelangte er zu der kategorischen Feststellung: „Diese Operation werden wir verlieren, sie wird mit einer Katastrophe enden.“ Der Oberst wandte sich an den Befehlshaber der Sondereinheit, Michail Bjelousow, den er noch vom gemeinsamen Dienst im Schützenregiment aus der Vorkriegszeit kannte, mit der Bitte, diese wichtige Information nach Möglichkeit über die Organe der Tscheka an J.W. Stalin weiterzugeben…

Abenteuerliche Pläne

Am 22. März 1942 berichtete das Kommando der Südwestfront (Befehlshaber: S.K. Timoschenko, Mitglied des Kriegsrats: N.S. Chruschtschow, Stabschef: I.Ch. Bagramjan) dem Stab über die Pläne zum Herbstfeldzug 1942: „Die gegnerischen Kräfte sind zu zerschlagen und es ist auf mittleren Dnepr, auf Gomel, Kiew, Tscherkassy und weiter auf Perwomajsk und Nikolajew vorzurücken.“ Das war natürlich eine Utopie! Ohne jeglichen Beweis wurde die behauptet, daß die Südrichtung in der Frühjahrs- und Sommerperiode für das deutsche Kommando nebensächlich sei, und daß der Hauptschlag angeblich auf Moskau geführt werde, obwohl zahlreiche, glaubwürdige Mitteilungen aus Quellen der Auslandsaufklärung des NKWD, von Residenturen der Sondereinheit im Stab der deutschen Infanterieregimenter in Belgorod und aus anderen Quellen bezeugten, daß das deutsche Kommando im Frühjahrs- und Sommerfeldzug einen Hauptschlag im Süden plante. Das bestätigte sich auch an Hand der Mitteilungen der Militäraufklärer über große Panzerkonzentrationen in den Bezirken Krementschug, Kirowograd, Dnepropetrowsk und Poltawa.

Sie versuchten Stalin zu betrügen…

Offenbar fanden auch deshalb die „grandiosen“ Pläne des Kommandos der Südwestfront beim Stab keine Unterstützung. Es wurde lediglich der Beschluß über eine Teiloperation zur Befreiung von Charkow gefaßt. Und auch der Generalstab protestierte zweimal gegen eine solche Operation. Doch beim dritten Mal stimmte, wie in vielen Erinnerungen behauptet wird, der Oberste Befehlshaber zu, da Chruschtschow und Timoschenko ihm den unbedingten Sieg garantierten. Unter dieser Voraussetzung erlaubte Stalin dann doch die Durchführung dieser Operation, und er befahl dem Generalstab, die Operation als innere Angelegenheit der Südwestfront zu betrachten und sich nicht in deren Angelegenheiten einzumischen. Doch das erwies sich als eine große Fehlentscheidung. Denn auf diesem Frontabschnitt entschied sich das weitere Schicksal des Krieges.

Oberst Ruchle schreibt an Stalin

Es geschah genauso, wie Oberst Ruchle im Prinzip vorausgesagt hatte, wobei er von dem Tschekisten Bjeloussow unterstützt worden war, der darüber seinem Vorgesetzten der Sondereinheit der Front N.N. Seliwanowski berichtet hatte. Dieser wiederum hatte, wie sich im Verlauf des Gespräches mit dem Vorgesetzten der Abteilung herausstellte, die Prognose des Obersten Ruchle vollständig geteilt und Bjelousow unter Beachtung strengster Konspiration beauftragt, einen Bericht nach Moskau vorzubereiten. Seliwanowski sah sich den Text an und redigierte ihn. Das Dokument „Vollständig geheim. Nur persönlich“ ging an die Adresse des Abteilungsleiter der Sondereinheiten W.S. Abakumow persönlich. Der Bericht selbst auf den Namen Stalins befand sich in einem inneren Umschlag.

Abakumow begeht einen furchtbaren Fehler

Als jedoch Abakumow dieses Dokument erhielt, beging er die gröbste Fehlentscheidung. Weil er fürchtete, das Mitglied des Politbüros Chruschtschow zu übergehen, ließ er sich anstatt Stalin zu darüber informieren, über die Direktleitung mit Chruschtschow verbinden und berichtete ihm, daß erfahrene Stabsarbeiter ernste Befürchtungen über den Ausgang der Charkower Offensive hegten. Das Mitglied des Kriegsrates der Südwestfront hat, wie angenommen wird, geantwortet, daß solche Befürchtungen bestimmte Gründe haben, aber man könne daran schon nichts mehr ändern. Man müsse daran arbeiten, das bestmögliche aus dieser Operation, so wie sie jetzt läuft, zu machen. Chruschtschow hatte gelogen. Stalin hatte geschwankt, doch wenn eine solche Information in seine Hände gelangt wäre, hätte er diese Operation sofort aufgehoben.

Die Nazis greifen an

Währenddessen verschlimmerten sich die Bedingungen für ihre Durchführung. Die Liquidierung des Kertscher Brückenkopfs auf der Krim erlaubte es dem deutschen Kommando, das Luftgeschwader Richthofen von der Krim in den Bezirk Charkows zu verlegen. Der Stab war nicht in der Lage, die Südwestfront im versprochenen Umfang mit Truppen und Waffen zu versorgen. Die Brjansker Front mußte aus der Südwestfront herausgelöst werden, die Flanken der Charkower Offensivkräfte (besonders betraf es die linke Flanke) waren nicht mehr ausreichend durch Truppen gesichert. Und an der Grenze der Südwest- und Südfront operierten die Panzer- und Infanterieeinheiten der Armeen Kleists.

Bagramjans Fehlentscheidung

Wie zahlreiche Berichte besagen, hatte Chruschtschow herausgefunden, daß Oberst Ruchle eine der Informationsquellen nach Moskau über den Mißerfolg des beabsichtigten Einmarsches nach Charkow war. Und der Anruf Abakumows bei Chruschtschow hätte tatsächlich beinahe zur Erschießung Ruchles geführt. Am 15. und 16. Mai hatten Seliwanowski und dann auch Ruchle das Mitglied des Kriegsrates der Südwestfront über die Gefahr des Durchbruchs der Truppen des Gegners auf der linken Flanke informiert. Ruchle hatte unverzüglich angeboten, die Reserven dorthin zu versetzen, Bagramjan sprach jedoch von der Notwendigkeit, die Reserven für den Einmarsch in Charkow auf der rechten Flanke einzusetzen. Dabei wurde er auch von Chruschtschow unterstützt.

Überheblichkeit Timoschenkos

Bezeichnend ist auch, daß Marschall Timoschenko auf die Warnungen des Befehlshabers der 9. Armee, F.M. Charitonow, über den Zeitpunkt und das Ausmaß des deutschen Angriffs auf die Süd- und Südwestfront mit Spott reagierte: „Die Deutschen werden nicht zum Angriff kommen, wenn wir sie schlagen.“

Ein wahnsinniger Vorstoß

Und so nahmen die Ereignisse ihren Lauf. Am 12. Mai 1942 gingen die Truppen der Südwestfront zum Angriff auf Charkow über, am 17. Mai führte der Gegner, wie Oberst Ruchle bereits vorausgesagt hatte, mit seinen Kräften der 14. und 16. Panzerdivision mit massiver Unterstützung durch die Luftwaffe, einen mächtigen Schlag auf den geschwächten Abschnitt der 9. Armee der Südfront aus. Eigene Kräfte für die Erwiderung eines solchen Schlages waren jedoch nicht vorhanden. Die Panzerabwehrartillerie war auf Anweisung des Generals Bagramjan der Südwestfront für den „Einmarsch in Charkow“ übergeben worden.

Die beginnende Katastrophe

Damit begann die Katastrophe. Am nächsten Tag, am 18. Mai, gab es eine weitere Verschlimmerung der Lage. Der Generalstab sprach sich noch einmal dafür aus, die Angiffsoperation vor Charkow einzustellen. Er schlug vor, die Hauptkräfte der Barwenkowsker Offensivgruppierung umzudrehen, um den Durchbruch des Gegners abzuwenden und die Position der 9. Armee wieder herzustellen. Stalin hatte dem zugestimmt. Das bezeugt auch G.K. Shukow in seinen Erinnerungen:

„Mir war es möglich, an diesem Tag im Stab bei einem Gespräch J.W. Stalins mit dem Kommando der Südwestfront anwesend zu sein. Ich erinnere mich gut, daß der Oberste Befehlshaber S.K. Timoschenko vorschlug, den Angriff einzustellen und die Hauptkräfte der Barwenkowsker und Kramatorsker Gruppierung gegen die Gruppierungen des Gegners umzuwenden. S.K. Timoschenko hatte jedoch berichtet, daß der Kriegsrat die Gefahr für die Kramatorsker Truppen offenbar für übertrieben hält und es folglich keine Gründe gibt, die Angriffsoperation einzustellen. Gegen Abend am 18. Mai fand zu dieser Frage ein Gespräch mit N.S. Chruschtschow statt, der solche Gründe aussprach.“

Im Endeffekt lehnte der Oberste Befehlshaber, wie Shukow schreibt, die Begründung des Generalstabes ab.

„Als sie einen solchen Beschluß faßten, hatten weder Timoschenko noch Chruschtschow eine Vorstellung davon, in welcher kritischen Situation sich die Charkower Gruppierung befand. Wie hätte man sonst bei voller Luftherrschaft des Gegners, beim Mangel an Munition und Lebensmitteln eine solche Angriffsoperation fortsetzen können? Am 19. Mai wurde dann die Lage an der Südwestfront völlig katastrophal.“ (G.K. Shukow, „Erinnerungen und Gedanken“).

Die Falle der Nazis schnappt zu

Die Stoßgruppierung des Gegners drang ins Hinterland der sowjetischen Truppen ein. Erst jetzt wurde der Befehl gegeben, den Angriff auf Charkow einzustellen und die Hauptkräfte Barwenkowsker Stoßgruppe gegen den Hintergrund, gegen die Gruppe Kleist umzudrehen. Da war es jedoch schon zu spät. Aus dem Norden brachen die Panzerverbände der 6. Armee von Paulus von hinten durch und rückten nach Süden vor. Bis zum 22. Mai war die Einkesselung der Charkower Gruppierung beendet, und am 29. Mai war ihre Liquidation erledigt. 230.000 sowjetische Soldaten und Offiziere gerieten in Gefangenschaft, 87.000 sind bei dem Versuch umgekommen, aus dem Kessel auszubrechen.

Die Hauptschuldigen an der Charkower Tragödie waren zweifelsfrei Timoschenko und Chruschtschow, die auf der Durchführung der Operation bestanden hatten, ohne auch nur die geringsten Chancen zu haben.


Chruschtschow versucht, die Zeugen seines Verbrechens zu beseitigen

Doch wie ging diese Geschichte weiter. Nach einigen Monaten wurde Iwan Nikiforowitsch Ruchle, der inzwischen General geworden war, ohne Begründung als Leiter der operativen Abteilung der Stalingrader Front abgelöst und nach Moskau zurückberufen, wo unter der Beschuldigung „Mißerfolg der Charkower Operation und Arbeit für die Deutschen“ verhaftet wurde. Mehr als zehn Jahre befand er sich in Untersuchungshaft, der Prozeß wurde erst durchgeführt, als Stalin schon nicht mehr lebte. Als S.D. Ignatjew noch Minister für Staatssicherheit war, wurde Ruchle zu 10 Jahren mit Entzug des Generalstitels verurteilt und wurde erst dann als General vollständig rehabilitiert, als Ignatjew aus dem ZK der Allunions-KP (B) ausgeschlossen worden war. Am wahrscheinlichsten ist, daß dies auf Initiative von Berija geschah, und nicht von Chruschtschow (denn letzterer war der Ansicht, daß Ruchle erschossen wird).

Ein unerwünschter Zeuge

Ruchle war ein äußerst unerwünschter Zeuge der schändliche Rolle Chruschtschows beim Verlust von drei Armeen und dessen Unfähigkeit, die rechtzeitige Verteidigung der Stalingrader Front zu organisieren.

Intrigen und alte Rechnungen

Wie es mir gelang, in den Archiven festzustellen, war es die Aufgabe von G.M. Malenkow, der sich als Vertreter des Stabes an der Stalingrader Front befand, Materialien für die Verhaftung von Iwan Nikiforowitsch Ruchle zu sammeln. Die falschen Anschuldigungen wurden im Stab der Sonderabteilung der 4. Panzerarmee erstellt, wo man keine Vorstellung über die Tätigkeit des Stabes der Stalingrader Front hatte. Die Auswahl kam jedoch nicht von ungefähr: Stabschef dieser Armee war Oberst Polosow, den Oberst Ruchle früher wegen seiner fachlichen Unfähigkeit aus dem Stab der Front ausgeschlossen hatte. Auf Grund der Erfindungen Polosows und der angeblichen Aussagen des Mitgliedes des Kriegsrates Lutschko fertigte die Sonderabteilung eigens für Malenkow einen Bericht an. Wie aus der Strafakte (Р-751) von I.N. Ruchle, die ich einsehen konnte, deutlich wird, gibt es darin genug, um das Schicksal des verdienten Generals zu besiegeln.

Eine gefälschte Anklage

Übrigens hatte Lutschko, als er im September 1944 verhört wurde, erklärt, daß keine der Erklärungen, die Ruchle verleumden, von ihm abgegeben wurde. Somit weist alles darauf hin, daß es sich um eine Fälschung gehandelt hat. So konnte ich auch feststellen, daß Iwan Nikiforowitsch Ruchle die Tatsache gerettet hat, daß Abakumow die Strafsache nicht noch während des Krieges dem Gericht übergab. Und doch geschah zuerst alles sehr ungestüm. Am 4. Oktober 1942 war General Ruchle als Leiter der operativen Abteilung der Stalingrader Front abgesetzt worden, am 5. Oktober wurde er verhaftet, und am 9. Oktober wurde unter der Beschuldigung des Mißerfolgs der Charkower Operation und Arbeit für die Deutschen eine Verordnung zu seiner Verhaftung erlassen (das alles ist aus der eingestellten Strafsache Р-751 ersichtlich). Über die Materialien berichtete Malenkow an Stalin persönlich. Danach gab der Oberste Befehlshaber die Genehmigung zur Verhaftung Iwan Nikiforowitsch Ruchles.

Kriegsverbrechen von Timoschenko und Chruschtschow

Hier sieht man, wie absurd die ganze Sache ist. Wäre der Vorschlag von Ruchle, und nicht der von Chruschtschow realisiert worden, dann hätte es die Charkower Katastrophe nicht gegeben. Man kann verstehen, warum Abakumow Chruschtschow informierte: Der Bericht an Stalin war tatsächlich auch ein Protest gegen die Position Chruschtschows und Timoschenkos; aber der Leiter der militärischen Aufklärung,, hat sich wahrscheinlich nicht entscheiden können, diese Informationen unter Umgehung des Mitgliedes des Politbüros (Chruschtschow) weiterzugeben. Was, in solcher Weise charakteristisch ist, wie auch für den Fall Ruchle: Timoschenko und Chruschtschow versuchten den Befehlshaber der 9. Armee Charitonows zu verleumden und zu beseitigen. Aber der Chef des Generalstabs Wassilewski rettete Ruchle, nachdem er seine Sache Stalin vorgetragen hatte.

Chruschtschow beseitigt alle Spuren

Heute ist es kein Geheimnis, daß Chruschtschow bei seinem Aufstieg zur höchsten Macht alle unerwünschten Zeugen und Konkurrenten beseitigt hat. Gerade das ist auch im folgenden der Grund, warum der Minister für Staatssicherheit, W.S. Abakumow, ermordet wurde. Mit massenhaften Verstößen gegen die Gesetzlichkeit, mehrmonatige Folterungen übertraf der Strafverfolgungsapparat des Ministers für Staatssicherheit S.D. Ignatjew um das zehnfache die Verstöße gegen die Gesetzlichkeit, die zehn Jahre zuvor von seinem Vorgänger Abakumow zugelassenen worden waren. Und ersterer hat das innerhalb von zwei Jahren angerichtet! Nichtsdestoweniger erklärte Chruschtschow auf dem geschlossenen Juliplenum des ZK von 1953, daß Ignatjew „gefoltert“ worden sei, und auf seinen Vorschlag hin faßte das Plenum den Beschluß, Ignatjew wieder ins ZK aufzunehmen und vollständig zu rehabilitieren. Seine eigenen Leute nahm er, wo er nur konnte, in Schutz.

Boris Syromjatnikow

Ausführlicher: http://vpk-news.ru/articles/4582 (russ.) – Übersetzung: Inna Trofimova; bearbeitet u.Zwischenüberschriften, N.G.)

pdfimage  Syromjatnikow Ein unerwünschter Zeuge


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СЫРОМЯТНИКОВ Борис Александрович. Полковник КГБ в отставке. Участник финской и Отечественной войн. Награжден двумя орденами Отечественной войны, орденом «Красной Звезды», двумя медалями «За боевые заслуги». Публикуется с 1963 г. Автор 45 публикаций о военных контрразведчиках, пограничниках, зарубежных разведорганах.

Boris Alexandrowitsch SYROMJATNIKOW. Oberst des KGB i.R., Teilnehmer des finnischen und des Großen Vaterländischen Krieges. Er erhielt zweimal den Orden des Großen Vaterländischen Krieges, den Orden «Roter Stern», zwei Medaillen «Für militärische Verdienste». Seit 1963 hat der Autor 45 Publikationen über die sowjetische Offiziere der militärischen Aufklärung, über Grenzsoldaten und ausländische Geheimdienste veröffentlicht.


Vergleiche:
Анатоли Шишков: Харьковское сражение весны 1942 года: Поражение или вынужденая жертва стратегии? (newsland.com – russ.)

Siehe auch:
Chruschtschow der Mörder Stalins und der UdSSR
Eine verbrecherische Rede

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15 Antworten zu Boris Syromjatnikow: Ein unerwünschter Zeuge

  1. Sascha Iwanow schreibt:

    Sascha, ich kann die Aussage des Artikels nur bestätigen:
    “Die Hauptschuldigen an der Charkower Tragödie waren zweifelsfrei Timoschenko…“, aber um vieles mehr das Mitglied des Kriegsrates der Front „Chruschtschow, (der) auf der Durchführung der Operation bestanden hat“, er hatte Stalin belogen, „ohne auch nur die geringsten Chancen zu haben.“
    …und das zeigt auch, wie charakterlos dieser Chruschtschow war. Wie der an die Spitze der UdSSR gelangen konnte, ist für mich bis heute ein Rätsel (nebenbei).

    A.M. Wassilewski schreibt:
    »Angesichts des Risikos, das eine Offensive aus einem operativen Sack wie dem Vorsprung bei Barwenkowo mit sich brachte, schlug B.M. Schaposchnikow der Südwestfront vor, davon Abstand zu nehmen. Das Oberkommando der Richtung bestand jedoch weiter auf seinem Vorschlag und versicherte Stalin des Erfolgs der Operation. Der Oberste Befehlshaber genehmigte sie und wies den Generalstab an, diese Operation als eine innere Angelegenheit der Richtung zu betrachten und sich in keiner Frage einzumischen.« (Marschall der Sowjetunion A. M. Wassilewski, Sache des ganzen Leben, Militärverlag der DDR, 1977, S.?)
    S.M. Schtemenko schreibt dazu:
    »Während auf der Halbinsel Kertsch noch die Kämpfe tobten, begannen die Armeen der Südwestfront die Offensive bei Charkow. Der Generalstab verfolgte die Entwicklung der Operation, die auf Initiative des Oberkommandos der Front begonnen worden war, mit großer Sorge. Er hatte die Front darauf hingewiesen, daß er nicht in der Lage sei, für die Operation zusätzliche Truppen, Treibstoff oder Munition bereitzustellen, da weder einsatzbereite Reserven noch ausreichende materielle Mittel vorhanden wären. Dennoch verbürgte sich der Kriegsrat der Südwestfront für den Erfolg.

    Die Ereignisse nahmen hier jedoch eine unvorhergesehene Wende. Als unsere Truppen bereits im Vorgehen waren, begann der Gegner ebenfalls aktive Handlungen, führte starke Panzergruppierungen ins Gefecht und bereitete den drei Armeen der Südwestfront eine Niederlage.

    Die Lage der Front wurde immer schwieriger und schließlich außergewöhnlich ernst. Dennoch sah sich der Oberste Befehlshaber gezwungen, auf das Hilfeersuchen des Kriegsrates der Front zu antworten: „Das Hauptquartier verfügt über keine einsatzbereiten Reserven … Unsere Hilfsquellen bezüglich Ausrüstung sind beschränkt…“«
    (Armeegeneral S.M. Schtemenko, Im Generalstab, Bd.1, Militärverlag der DDR, 1968, S. 56 ff)

    …und noch einmal G.K. Shukow:
    »An diesem Tage war ich im Hauptquartier Zeuge mehrerer Gespräche Stalins mit der Südwestfront. Ich kann mich gut daran erinnern, daß der Oberste Befehlshaber bereits damals Timoschenko gegenüber klar zum Ausdruck brachte, daß er angesichts der Erfolge des Gegners im Raum Kramatorsk ernsthafte Befürchtungen hege.

    Am Abend des 18. Mai fand zum selben Problem ein Gespräch mit dem Mitglied des Kriegsrates der Front, Chrustschow statt, der sich der Einschätzung des Oberkommandos der Südwestfront anschloß: Die Gefahr, die von der Kramatorsker Gruppierung drohe, werde entschieden überschätzt, und es gebe keinen Grund, die Operation zu unterbrechen. Der Oberste Befehlshaber, der sich auf diese Berichte stützte, wies also die Vorstellungen des Generalstabes zurück.

    Die Version von Alarmsignalen, die angeblich von den Kriegsräten der Süd- und der Südwestfront im Hauptquartier eingetroffen seien, entspricht nicht der Wahrheit. Ich bezeuge das, weil ich bei den Gesprächen des Obersten Befehlshabers zugegen war.«
    (Marschall der Sowjetunion G.K. Shukow, Erinnerungen und Gedanken, Bd. 2, Militärverlag der DDR, 1987, S. 69 ff.)

    • sascha313 schreibt:

      Danke, lieber Sascha, für die wertvollen Ergänzungen. Ich hatte leider noch nicht Zeit in anderen Quellen nachzusuchen, aber ohne diese Vorgeschichte wird man auch die späteren kriminellen Beweggründe Chruschtschows und seiner Nachfolger nicht verstehen. Aber vielleicht muß man sie auch nicht verstehen

      Wer sich einmal derart in Lügen und Untaten verstrickt, wird zu noch immer größeren Verbrechen greifen und am Ende auch vor Mord nicht zurückschrecken. Er ist für den Kapitalismus in seiner Endphase ein überaus geeigneter Verbrecher! Erschreckend ist jedoch, mit welcher (man muß fast sagen:) Gleichgültigkeit (oder war es Verwirrtheit?) auf dem XX.Parteitag der KPdSU dieser Verrat hingenommen wurde.

  2. Der Rückgrat schreibt:

    Darüber hinaus wartet nach Erscheinen der Stalingrad-Trilogie der beiden US-Militär-Historiker Glantz und House in 2014 und einer anschließenden Analyse von Historikern an der Uni Regensburg eine weitere Frage auf Antwort: Warum verwendete die sowjetische militärische Führung so viele Kräfte für die Vernichtung des Kessels von Stalingrad, aus dem die Eingeschlossenen ohnehin nicht mehr heraus konnten? Bei Zurücklassung von nur geringen aber trotzdem hinreichenden Bewachungskräften und dem Einsatz der dadurch frei werdenden Kräfte im Rahmen einer Offensive gegen die Heeresgruppe A hätte möglicherweise der gesamte deutsche Südflügel zum Einsturz gebracht werden können. Die Folgen für den weiteren Verlauf des Krieges insgesamt wären unübersehbar gewesen. Hatten auch hier verräterische hohe Militärs ihre Hände im Spiel? Vielleicht kommt hier irgendwann noch Licht ins Dunkel.

    • sascha313 schreibt:
      Es gibt mittlerweile Dutzende dicke Bücher, die uns den wahren Marx, Lenin, Engels usw. erklären. Die berühmt-berüchtigten Autoren sitzen im Pentagon und in westlichen Universitäten und brillieren mit zahlreichen eingeblendeten Zitaten und Bildern. Sie haben sämtliche Archive durchforscht und kennen das ganze russische Alphabet von hinten nach vorne. Es gibt mittlerweile Hunderte Bücher, die werfen allerhand komische Fragen auf. Warum war der Marschall K. mindetens einmal in der Woche in Moskau? Warum hat Berija sich nie im Atomforschungszentrum fotografieren lassen? Warum war der Kessel von Stalingrad nicht rund? Stimmt es, daß der rechte Arm Stalins kürzer war als der linke? Hatte Walter Ulbricht ein Gebiß? War Thälmann in Wirklichkeit schwerhörig? Auf diese weltbewegenden Fragen gibt es bisher leider keine ausreichende Antwort. So auch auf Ihre Fragen.

      Herr Ruckgrat – wir sind hier nicht bei „Wünsch Dir was!“ Wenden Sie sich doch mit Ihren Fragen an diese Autoren, oder lassen Sie sich vom Weltbildverlag die einschlägigen Bücher schicken!

    • Sascha Iwanow schreibt:

      Es ist immer wieder erstaunlich mit welcher Selbstherrlichkeit und Arroganz westliche „Historiker“, in „Studien“ und anderen „wissenschaftlichen“ Abhandlungen, hinterher immer „schlauer sind“, als es die politische und die militärische Führung der UdSSR damals hätte sein können. Und mit welcher Inbrunst sie z.B. Niederlagen wie im Vietnamkrieg, relativieren, umschreiben und vergessen machen wollen.

      All diese Bücher folgen ein und demselben Muster, die Erfolge des Sozialismus kleinzuschreiben und die Niederlagen des Imperialismus, selbst die des Faschismus, zu relativieren und allumfassend mit „hochintellektuellen Worthülsen“ zu begründen.

      Man muss beim Lesen dieser Bücher immer fragen: „Wer hat sie geschrieben?“ – Antwort: „Vasallen der Bourgeoisie, keine unabhängigen Historiker“. Denn die gibt es in Klassengesellschaften nicht. Und Marx im Hinterkopf haben: „Die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht.“

      „Wenn der Zweck die Mittel heiligt, dann ist der Zweck unheilig.“ Dann kann man auch diese Bücher „verstehend“ lesen und zitieren.

      • sascha313 schreibt:

        Ich war dieser Tage mal in einem Buchladen und war erstaunt, wieviele Menschen auf der Suche nach „Weihnachtsgeschenken“ irgendsoein Buch mitnehmen… Da interessiert sich der Enkel für Karl Marx oder für Lenin – und schon wird so ein dickes Drecksbuch von einem USA-Autor gekauft, pfui Teufel!

        Wer solche Bücher liest, der glaubt am Ende auch an die „göttliche Vorsehung“, und daß die Russen kleine Kinder fressen. So werden ungebildete Menschen zu Nazis erzogen!

  3. Politnick schreibt:

    Interessante Geschichte. Wenn man die Namen der Verantwortlichen entsprechend ersetzt würde sie in Sendungen wie ZDFHistory passen.
    Freundschaft 😉

    • sascha313 schreibt:

      Eben nicht! Wer das nicht auseinanderhalten kann, der begreift auch nicht, was hier gespielt wird! Schon der Vergleich ist eine Chuzpe!

      • Politnick schreibt:

        ZDF History würde diese Geschichte höchstens Stalin anlasten. Aber eben nicht Chruschtschow. Aber wahrscheinlich ist diese Geschichte (1942) noch gar nicht beim ZDF angekommen. Weil die Geschichten die ZDF History bringt ja schon in den 20er Jahren vom Reichspropagandaministerium diktiert wurden.

        Freundschaft 😉

      • sascha313 schreibt:

        Schön, das mal von einem Fachmann zu erfahren!

  4. Nadja Norden schreibt:

    Danke sehr Genosse Norbert!
    Das liest sich wie ein gurer Politkrimi. Es erinnert auch an den entsprechenden Bücher sowjetischer Generäle im Militärverlag der DDR: Sie waren Pflichtlektüre für die Offiziere der NVA, sehr unterschiedlicher Qualität, aber man hat sich gefreut über jedes Band worin J.W. STALIN positiv erwähnt war. Seit N.S. Chruschtschow seine Linie aufdrängen konnte galt J.W. STALIN als Symbol des „Personenkults“, wurde verleumdet und zur Unperson gemacht. Ende der siebziger Jahre gab es in der DDR Ansätze einer „Rehabilitierung“ von J.W. STALIN als Staatsmann und Heerführer. Jedoch leider nicht als Parteimann . Es ist ein Paradox daß erst im postsowjetischer Zeitalter solche ausgezeichnete Texte als diese von Boris Syromjatnikow zu lesen gibt.
    https://sozialisma.blogspot.be/2017/12/boris-syromjatnikow-ein-unerwunschter.html
    Freundschaft,
    Nadja

    • sascha313 schreibt:

      Stimmt, Nadja! Aber es ist auch immer etwas aufwendig, herauszufinden, was Betrug ist und was nicht. Es gibt zahlreiche eingeschmuggelte (5.Kolonne) Fälschungen und nachträgliche Desinformationen – eine regelrechte Kampagne -, die sehr glaubhaft wirken. Aber wenn man andere Berichte damit vergleicht und ein wenig Sachkenntnis hat, ist leicht festzustellen, daß diese Fälschungen sehr grob sind. So ähnlich, wie auch die Häftlinge in Sachsenhausen (s. Peter Edel), haben auch hier die Fälscher einige Fehler gemacht, and denen man den Betrug erkennt. Aber, Nadja, vielleicht kannst Du doch den kompletten Beitrag übernehmen (mit Verweis auf die Quellen). Solche Texte müssen tausendmal erscheinen, damit bei einem Verlust nicht gleich alles weg ist. Denn Löschungen sind heute keine Seltenheit. Kommunisten Online z.B. ist auch gelöscht.

  5. Pingback: Boris Syromjatnikow: Ein unerwünschter Zeuge – Meine Sicht auf die Welt

  6. Sascha Iwanow schreibt:

    Hat dies auf Meine Sicht auf die Welt rebloggt.

  7. Pingback: Meine Sicht auf die Welt

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