Thomas Metscher und die Verkuddelung des Marxismus

jwBekanntlich war die „junge Welt“ in der DDR mal eine sozialistische Tageszeitung für die Jugend. Doch inzwischen hat das Blatt schon mehrere Wandlungen durchgemacht und hat sich offenbar längst vom Marxismus verabschiedet. Da ist es nicht verwunderlich, wenn sich allerlei revisionistisches Gelichter auf den Seiten dieser Zeitung herumtreibt. Kürzlich erschien der Vorabdruck eines solchen Marx-„Erweiterers“: Th.Metschers Buch „Integrativer Marxismus“. Der Wirrwar der Gedanken, der sich dahinter verbirgt, ist weiter nicht verwunderlich. Vor allem wenn er von Leuten kommt, die ohnehin schon immer daran interessiert waren, Marx mit Bloch und Wittgenstein mit Engels zu verkuddeln.

Eigentlich ist es verlorene Zeit, sich mit solchem geistigen Schwachsinn auseinanderzusetzen, wo es doch schon genug solchen Unrat gibt. Das fängt schon gleich ganz lustig an: „Wie aber ist das Utopische als Moment des Wissenschaftlichen zu begreifen?“ fragt der Autor, und er beantwortet diese heikle Frage mit einer zutiefst philosophischen Bemerkung: „Die Antwort lautet und kann nur lauten: nicht anders denn als Modus begriffener Wirklichkeit; als Moment des Wirklichen selbst, und in diesem Sinn als geschichtlich Mögliches.“ Ach, wie großartig formuliert: Das Utopische als ein „Modus begriffener Wirklichkeit“. Das hätten wir so einfach, so klar und unmißverständlich nicht hingekriegt!

Schließlich belehrt uns Th.Metscher auch noch, daß eines „neuen Rüstzeugs“ bedürfe, wo er doch das alte noch nicht mal so richtig beherrscht. Er will uns einreden, daß es heute einer „qualitativen Transformation“, einer „Umgestaltung“ der Gesellschaft bedürfe. Hatten wir das nicht schon einmal? Gab es nicht schon einmal so eine „Umgestaltung“? Damals hieß sie noch „Perestrojka“!

Sicher ist dieser Herr Professor Metscher – ach nein: DKP-Genosse – schon zu alt, um noch einmal ganz von vorne anzufangen. Vielleicht sind auch die Spuren des Gorbatschowismus gar zu deutlich in seinem Hirn haftengeblieben, als daß er begriffen hätte, daß der Freund der Genossin Wagenknecht, ebenso wie dessen Vorgänger Chruschtschow Antikommunisten waren. Wer Marx und Engels, sowie Lenin und Stalin nicht verstanden hat, der braucht uns auch nicht mit einer „Konstruktion des Utopischen im Marxismus“ zu kommen!

Und wer uns darüber belehren will, daß bei Engels außer „einigen allerdings sehr gehaltvollen Stichworten“ nun doch keine Ausführungen aufzufinden seien, wie die nachkapitalistische Gesellschaft einmal auszusehen habe, der sollte mal ein bißchen weiterlesen. Auch die Werke von Lenin und Stalin sind da sehr zu empfehlen!

Hier nun eine Blüte aus den geistigen Ergüssen dieses murxistischen „Erneuerers“:

Metscher

aus der Zeitung „Junge Welt“ vom 05.01.2018

Um den Kopf wieder klarzukriegen, lese man Kurt Gossweilers kurze Ausführungen wider den modernen Revisionismus:

pdfimages  Gossweiler: Die Existenzfrage der kommunistischen Bewegung

 

Download dieses Beitrags: Metscher Verkuddelung des Marxismus (pdf-Datei)

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7 Antworten zu Thomas Metscher und die Verkuddelung des Marxismus

  1. roprin schreibt:

    Danke, Sascha! Es ist tatsächlich ein Wirrwarr, den der Herr Metscher geschrieben hat. Ob er wohl selbst begreift, worum es eigentlich geht? Und dazu soll ein ganzes Buch von ihm erscheinen. –>
    Übrigens; auf der Vorderseite der jw steht nicht mal mehr „linke Tageszeitung“, sondern nur „Die Tageszeitung“. Die haben sich vom Sozialismus verabschiedet, ganz konsequent; haben jetzt auch die Herausgabe von „Melodie und Rhythmus“ gestrichen. bestimmt findet Koschmieder jetzt mehr Leser, aber all die vorherigen Leser wenden sich ganz bestimmt von ider jw ab. Ein schlechter Tausch.

    Ja schön, daß Du an Kurt erinnerst.
    Sterben die Kommunisten langsam aus? Was wird aus unseren Kindern und Enkelkindern? Die interessieren sich nicht dafür. Und was wird aus dem Klassenkampf? Ich habe Angst, Angst, daß Kuba von den USA zerstört wird und Kuba von niemandem Hilfe bekommt, daß der proletarische Internationalsmus ganz und gar nicht mehr existiert….

  2. Rolf schreibt:

    Die Angst ist berechtigt und vielleicht kommt es mit Cuba auch so.
    Vielleicht wird auch das kap. Russland von den West-Kapitalisten übernommen.
    Aber – vielleicht brauchen die Völker erst mal wieder einen kräftigen Rückschlag um sich neu aufzustellen und in ihren Kampf für eine menschlichere Zukunft zu ziehen. Da lauern natürlich wieder die ganzen Gefahren, die auch Kurt Gossweiler aufgezeigt hat.

    Vielleicht erinnern sich die Menschen aber dann auch wieder an Lenin, Stalin, Gossweiler, Sascha und andere, die nicht umgefallen sind. Wir können nur versuchen, die Wahrheit in die Zukunft zu tragen.
    Rolf

    • sascha313 schreibt:

      Ich bin, im Gegenteil zu Th.Metscher, ganz sicher, daß sich die Menschen eines Tages erinnern werden. Da gibt es ja den schönen Spruch, der A.Lincoln zugeschrieben wird:

      „Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht.“

  3. Harry56 schreibt:

    Ich wundere mich schon lange, warum ausgerechnet Hans-Jürgen Westphal aus Dresden – veritasdresden – noch immer Werbung für diese Zeitung macht. Er spricht als Kommunist immer gern von „unserer Jungen Welt“! Wer versteht das?

    https://www.youtube.com/user/veritasdresden

    Fragende Grüße!

    • Harry56 schreibt:

      Ich möchte meinem obigen Beitrag noch hinterher schicken, dass meine Verwunderung ohne jegliche Häme, Arroganz, Besserwisserei verstanden werden soll. Ich kenne veritasdresden schon längere Zeit, etwa 3 – 4 Jahre, und habe mir immer sehr gern die Videos angeschaut. Diese Leute machen wirklich keine schlechte Arbeit und sind mutig,sich zu ihren Ansichten auch öffentlich zu bekennen.

      Meine Verwunderung bezüglich der „Junge Welt“ ist daher durchaus ehrlich, seriös gemeint! Bis 1989/90 war die „Junge Welt“ ja tatsächlich eine sozialistische Tageszeitung für die besonders jüngeren Leute in der DDR, danach, na ja, wie so viele andere DDR-Zeitungen auch…., siehe nur das „ND“,…., nur noch peinlich, gruselig….

      Soz. Gruß!

    • sascha313 schreibt:

      …das ist ebenso unverständlich wie das Festhalten älterer Genossen an der Partei „Die Linke“. Da kann man sich ein Beispiel an Kurt Gossweiler nehmen, der damals schon aus der PDS austrat!

      (Und Danke auch für das Video! Das ist sehr interessant.)

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