Rotes Lachen: Gut gegeben…

Rotes LachenIn der Archiven und Bibliotheken der DDR wurden seinerzeit bergeweise Zeitungen und Zeitschriften aufbewahrt, registriert, gepflegt, wissenschaftlich erschlossen und ausgewertet, darunter natürlich auch solche, die zum Beispiel ausschließlich von der Arbeiterklasse produziert, vertrieben und selbstverständlich auch besonders von den Proletariern gelesen wurden. Man kann davon ausgehen, daß heute nicht nur Bibliotheken, sondern auch sämtliche Archive „bereinigt“ wurden (und werden!), wobei insbesondere proletarische und kommunistische Bücher und Zeitschriften als Altpapier „entsorgt“ – und zu Geld gemacht werden. Und das ist nun wieder nicht zum Lachen…

Ein Kumpel fragt beim Portier eines faschistisch verseuchten Bergwerkes nach Arbeit. Zufälllig ist der Direktor  des Betriebes gerade beim Pförtner. Da entwickelt sich zwischen dem Kumpel und dem Direktor folgendes Gespräch:

Direktor: „Wenn Sie bei uns arbeiten wollen, können Sie anfangen.  Aber zuerst müssen Sie mir ein paar Fragen beantworten. Sagen Sie mal, sind Sie deutschnational?“
Kumpel: „Was is’n das – deutschnational?“
Direktor: „Nanu, das wissen Sie nicht? Dann sind Sie wohl gar ein Kommunist?“
Kumpel: „Kommunist? Was soll’n das nu wieder sinn?“
Direktor: „Was das wissen Sie auch nicht? Sie sind doch Arbeiter, da müssen Sie doch Kommunisten kennen. Das sind solche Leute, die den ganzen Tag nichts tun wollen, stets ein großes Maul haben und trotzdem recht viel Geld verdienen möchten.“
Kumpel: „Ach so! Ja, die Leute kenn‘ ich! Also wissen Sie, auf der Grube, wo ich zuletzt gearbeitet habe, da hatten wir drei Stück von der Sorte!“
Direktor: „Na seh’n Sie, nun wissen Sie Bescheid. Sagen Sie mal, wer waren denn die Leute? Wir führen hier schwarze Listen und im Falle eines Falles…
Kumpel: „Das kann ich Ihnen ganz genau sagen: das war unser Direktor, der Betriebsleiter und der Obersteiger! Die hatten immer die größte Fresse, wollten den ganzen Tag nischt tun und trotzdem recht ville Geld  verdien’n!

Quelle:
Eulenspiegel, Nr.8, November 1928, S.91. Aus: Hans Sonntag (Hrsg,), Rotes Lachen 1919-1933. Dietz Verlag Berlin, 1988, S.42-43.

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5 Antworten zu Rotes Lachen: Gut gegeben…

  1. Annelise Müller schreibt:

    Hallo Sascha,
    der Witz war gut. Aber mit der Einleitung hapert’s doch.
    Auch in der DDR wurden Archive gereinigt. Proletarische Bücher wurden zwar ausgeliehen, doch oftmals in einer Neuauflage bereinigt. Selbst ein Buch „Wie der Stahl gehärtet wurde“ wurde gereinigt bzw. zensiert. Zitate von Stalin wurden entfernt. Die Stalinbände aus dem Dietzverlag wurden nur ausgeliehen für „wissenschaftliche Arbeiten“. Sie standen in sogenannten „Giftschränken“. Faktisch war es ein Verbot. Die Reihe von Verboten könnte noch weiter gehen. Auf Albanische Bücher stand sogar Gefängnis! Die SED-Führung unterstützte bekanntlich den revisionistischen Kurs der Chruschtschowianer mit allen Folgen.

    mrg herbert

    • sascha313 schreibt:

      Danke Herbert! Du hast natürlich völlig recht. Das wollte ich auch nicht unterschlagen! Daß allerdings N.Ostrowski’s „Wie der Stahl gehärtet wurde“ redaktionell „bereinigt“ wurde, war mir neu. Aber wie das mit allen Fälschungen so ist – es gibt immer wieder (auch in den Archiven und Bibliotheken) Leute, die klug und weitsichtig genug sind, solche Unterschlagungen und „Korrekturen“ wenigstens teilweise zu verhindern. Allerdings ist die „Bereinigung“ nach der sog. „Wende“ eine weitaus gröbere, eine grundsätzliche.

  2. Herbert Polifka schreibt:

    Hallo Sascha,
    zweifellos haben wir nach 1990 hier eine konterrevolutionäre Kulturrevolution erlebt. Tausende Tonnen von Büchern, Zeitschriften, Schallplatten usw. wurden vernichtet. Filme wurden schrittweise entsorgt. Selten, dass im Fernsehen heute noch Filme aus der DDR, SU usw. gezeigt werden. (Ausser Kriminalfilme natürlich)
    Wer kann sich noch an B. Brecht erinnern?
    Kritische Filme oder Bücher wurden seit dem Anschluss nicht mehr benötigt. Da ist es bemerkenswert das es noch Quellen für diese Medien gibt. Eine davon ist z.B. diese hier: Saschas Welt!
    mrg herbert

    • sascha313 schreibt:

      Danke Herbert! 🙂
      Ja, es war ein konterrevolutionärer Putsch – und noch dazu ein „friedlicher“! Immerhin scheint man sich ja zumindest an die Dreigroschenoper zu erinnern – aber man kann die auch sehr verunstalten, wie ich in Hof mal gesehen habe – da war nix Revolutionäres mehr dran…
      Und manchmal findet man bei älteren Leuten oder auf Flohmärkten noch recht wertvolle DDR-Bücher (aber z.B. auch bei booklooker)

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