Clara Zetkin: Warum ist das Werk von Karl Marx unüberwindlich?

Clara ZetkinEs ist Marxens unvergängliche historische Tat, die feste verbindende Brücke zwischen dem Sozialismus und der Arbeiterbewegung geschlagen zu haben. Er erbrachte den unerschütterlichen Beweis, daß die am Horizont aufschimmernde sozialistische Ordnung nur das Werk der kämpfenden Arbeiterklasse sein kann, daß sie aber auch einer unabwendbaren Naturnotwendigkeit gleich das Werk dieser kämpfenden Arbeiterklasse sein muß. Marx hob damit den Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft empor und adelte die Arbeiterbewegung als die Trägerin der sozialen Revolution, die mit der Befreiung des Proletariats für die ganze Menschheit den endgültigen Sprung aus dem Tierreich in die menschliche Freiheit bedeutet.

Die treibenden Gesetze der menschlichen Gesellschaft

Als Schöpfer der materialistischen Geschichtsauffassung, in welche er die von dem Kopf auf die Füße gestellte Hegelsche Dialektik hinüberrettete, und der Theorie der kapitalistischen Entwicklung enthüllte er mit der sicheren Hand des wissenschaftlichen Forschers die wichtigsten treibenden Kräfte des gesellschaftlichen Werdegangs und die Gesetze, die ihn mit der ehernen Macht des Naturgeschehens beherrschen. Er entdeckte daß die Geschichte aller bisherigen Gesellschaften in Ietzter Linie die Geschichte ihrer Produktions- und Austauschverhältnisse ist und daß die Entwicklung dieser sich unter der Herrschaft des Privateigentums in den politischen und sozialen Einrichtungen als Klassenkampf durchsetzt. [1]

Das Geheimnis der kapitalistischen Produktion

Und er kam hinter das Geheimnis der kapitalistischen Produktion, indem er den Mehrwert entdeckte. Er bewies, ,,daß die Aneignung unbezahlter Arbeit die Grundform der kapitalistischen Produktionsweise und der durch sie vollzognen Ausbeutung des Arbeiters ist; daß der Kapitalist, selbst wenn er die Arbeitskraft seines Arbeiters zum vollen Wert kauft, den sie als Ware auf dem Warenmarkt hat, dennoch mehr Wert aus ihr herausschlägt, als er für sie bezahlt hat; und daß diese Mehrwert in letzter Instanz die Wertsumme bildet, aus der sich die stets wachsende Kapitalmasse in den Händen der besitzenden Klassen anhäuft“. [2]

Der immer schärfer werdende Gegensatz

Als wirkendes Gesetz der kapitalistischen Entwicklung aber erkannte Marx die Akkumulation (Anhäufung) von ausbeutenden Kapitalien an dem einen Pole der Gesellschaft, von ausgebeuteten Lohnarbeitern am anderen. Sie setzt sich unter Überarbeit und Arbeitslosigkeit des Proletariats im Auf und Ab von Überproduktion und Krise durch und erzeugt einen immer schärferen Gegensatz zwischen den zur Entfaltung gekommenen riesigen Produktivkräften und den sie einengenden bürgerlichen Formen ihrer Ausnutzung unter der kapitalistischen Produktionsweise, einen immer unversöhnlicheren Widerspruch zwischen der gesellschaftlichen Produktion und der kapitalistischen Aneignung der Produkte.

Die Überwindung des Gegensatzes

Märchenhafter Reichtum an dem Gipfel der sozialen Pyramide, den nur einige wenige zu erklimmen vermögen, an ihrer breiten Basis der furchtbare Sumpf des materiellen und kulturellen Massenelends, aus dem es für die viel zu vielen unter dem kapitalistischen System kein Entrinnen gibt. Alle Widersprüche aber, welche die kapitalistische Entwicklung auf die Spitze treibt, treten in dem einen großen Gegensatz von Bourgeoisie und Proletatiat, von Ausbeutern und Ausgebeuteten, in Erscheinung. Und sie drängen zu ihrer Lösung durch die Überwindung dieses Gegensatzes mittels der Er­oberung der politischen Macht durch das Proletariat: Es schlägt die Stunde der Aufhebung des Privateigentums an den Produktionsmitteln, die Stunde „der Expropriation der Expropriateure“. …

,,…es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“

Im kapitalistischen Produktionsprozeß entdeckte er hinter den Waren die gesellschaftlichen Verhältnisse, die Menschen: den ausbeutenden, auch arbeitslos genießenden Kapitalisten und den ausgebeuteten, sogar bei Überarbeit noch darbenden Proletarier. …

Das stolze Ziel seiner Lebensarbeit ist in der 11. These über Feuerbach ausgesprochen: ,,Die Philosophen die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ [3] Die Welt zu verändern, darauf kam es Marx an. Sein Wesen war ganz auf den Willen zur Tat gestellt, und zwar auf die Auslösung des gewaltigsten Willens, der je die Geschichte bewegte: des Massenwillens des proletarisierten Volkes in allen Kulturländern und der größten, weitesttragenden Tat, welche die Zeiten kennen: der sozialen Revolution zur Aufhebung der Klassengegensätze und Aufrichtung der sozialistischen Ordnung.

aus: „Gleichheit“, Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen, 16. März 1908.

Quelle:
Clara Zetkin: Ausgewählte Reden und Schriften, Dietz Verlag, Berlin 1957, S.387-395 (gekürzt, Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.).

[1] Siehe Marx/Engels, Ausgewählte Schriften, Bd. I, S. 337-339.
[2] Ebenda, Bd. II, S. 125/126.
[3] Marx/Engels: Ausgewählte Schriften, Bd.II, S.387. 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kommunisten, Marxismus-Leninismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Clara Zetkin: Warum ist das Werk von Karl Marx unüberwindlich?

  1. Pingback: Clara Zetkin: Warum ist das Werk von Karl Marx unüberwindlich? – – Sascha Iwanows Welt –

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s