Bertolt Brecht: An den Schwankenden

bertolt-brecht-1

Bertolt Brecht: An den Schwankenden (1933)

Du sagst:
Es steht schlecht um unsere Sache.
Die Finsternis nimmt zu.
Die Kräfte nehmen ab.
Jetzt, nachdem wir so viele Jahre
gearbeitet haben, sind wir in
schwierigerer Lage als am Anfang.

Der Feind aber steht stärker da denn jemals.
Seine Kräfte scheinen gewachsen.
Er hat ein unbesiegliches
Aussehen angenommen.

Wir aber haben Fehler gemacht,
es ist nicht zu leugnen.
Unsere Zahl schwindet hin.
Unsere Parolen sind in Unordnung.
Einen Teil unserer Wörter
hat der Feind verdreht
bis zur Unkenntlichkeit.

Was ist jetzt falsch von dem,
was wir gesagt haben?
Einiges oder alles?
Auf wen rechnen wir noch?
Sind wir Übriggebliebene,
herausgeschleudert aus dem lebendigen Fluß?
Werden wir zurückbleiben?
Keinen mehr verstehend und
von keinem verstanden?
Müssen wir Glück haben? So fragst du.

Erwarte keine andere Antwort als die deine.

(Vielen Dank, Karsten!)

Siehe auch:
Eine trotzkistische Brecht-Interpretation

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kommunisten, Poesie, Sozialistische Literatur veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Bertolt Brecht: An den Schwankenden

  1. roprin schreibt:

    Wie aktuell! Es könnte von heute die Rede sein.

Kommentare sind geschlossen.