Lenins Imperialismusanalyse und der Antikommunismus der Tageszeitung „junge Welt“

Umschlag_Lenin_Projekt-500x416Die angeblich „linke“ Tageszeitung „junge Welt“ ist schon seit langem dadurch aufgefallen, daß sie mehr und mehr antikommunistische Beiträge veröffentlicht. Man kann vor dieser Zeitung nur warnen! Wir übernehmen hier einen Beitrag von karstenschoensee, den wir hier ausdrücklich unterstützen. Die Herausgeber dieser „Neuausgabe“ von Lenins Schriften im „Verlag 8.Mai“ sind Antikommunisten, deren Ziel es ist, die Klassiker des Marxismus-Leninismus neu und falsch zu interpretieren, wie das auch schon Roj Medwedjew 2004 mit Stalins „Kurzem Lehrgang“ zur Geschichte der KPdSU getan hat. Es ist daher unbedingt empfehlenswert, immer die Originalausgaben von Marx, Engels, Lenin und Stalin zu Rate zu ziehen, und nicht diese Fälschungen, wenn man sich über den Marxismus-Leninismus informieren will! 

Antikommunistische Fälscher

Vor etlichen Monaten druckte die sich selbst marxistisch nennende Tageszeitung „junge Welt“ in ihren Wochenendbeilagen vom 15./16.12.2017 (und weitere) Auszüge aus Rosa Luxemburgs Werk „Die Akkumulation des Kapitals. Ein Beitrag zur ökonomischen Erklärung des Imperialismus“ von 1913 aus dem „Dritten Abschnitt. Die geschichtlichen Bedingungen der Akkumulation“ ab (In: Rosa Luxemburg, Gesammelte Werke, Band 5, S. 279-411). Dabei veröffentlichten die „Marxisten“ der „jungen Welt“ genau die Textstellen von Rosa Luxemburg, in denen sie falsch lag und den Leninismus angriff. Was es dazu zu sagen gibt, hat der Genosse, DDR-Ökonom und –Politiker Fred Oelßner in seiner kritischen biographischen Skizze zu „Rosa Luxemburg“ (Berlin/DDR, 1951, S. 164-185 „Die ökonomische Konzeption“) dargelegt. Wer sich also genauer mit der Akkumulation des Kapitals und seinen Folgen auseinandersetzen möchte, dem seien die Marxschen Originalstellen in „Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie“ und W.I. Lenins Schrift „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ von 1916 (In Lenin-Werke Band 22, S. 189-309) empfohlen.

Ein heuchlerisches Lob auf Lenins Dialektik

Allerdings sei vor der jüngst im „Verlag 8. Mai“, dem Verlag der auch die „junge Welt“ herausgibt, erschienen „kritischen Neuausgabe“ der klassischen Leninschen Schrift über den Imperialismus gewarnt. Hier werden neben dem Originaltext von Lenin zwei Aufsätze sowie Kommentare und Quellen von ausgemachten Antikommunisten abgedruckt. Der erste Aufsatz von Dietmar Dath kommt noch moderat daher. Er versteht sich als Kommunist, lobt Lenin und dessen dialektische Methode und verteidigt ihn gegen pseudolinke Antideutsche sowie gegen Versöhnler mit dem Imperialismus, wie Antonio Negri.

Ein Theologe interpretiert Lenin’s Werke

Mit dem zweiten Kommentar aber wird der ganze Zweck der Neuausgabe deutlich. Autor ist Christoph Türcke, Theologe und Philosophie-Professor. Er bescheinigt Lenin, die „Erneuerbarkeit des Imperialismus“ nicht verstanden zu haben, die er als „Deregulierung“ lobpreist. Die Große Sozialistische Oktoberrevolution, mit der der I. Weltkrieg beendet und die Voraussetzungen für den Aufbau des Sozialismus geschaffen worden sind, ist für Türcke eine „sozialistische Rosskur, die Lenin einleitete, […] furchtbar und durch nichts zu rechtfertigen“ (S. 32). So wird Geschichte auf den Kopf gestellt: Der Überfall von Truppen aus 14 Ländern auf das revolutionäre Rußland, die Massaker, die diese gestützt auf Kirche und Großgrundbesitzer anrichteten, und der dadurch notwendige Bürgerkrieg zur Verteidigung der jungen Sowjetmacht – für alles macht Türcke kurzerhand Lenin verantwortlich. Es war aber das blutige Werk der Konterrevolution.

Antikommunisten wie Hedeler und Külow

Die beiden Herausgeber schließlich, die auch die Kommentare und Verzeichnisse verfasst haben, haben sich vor allem als Antikommunisten einen Namen gemacht: Wladislaw Hedeler als Autor von Büchern über den „großen Terror“, eine entsprechende Bucharin-Biographie usw.; und Volker Külow als Mitglied der „Linkspartei“. Das ist also Lenin „neu herausgeben“: Zum Abgewöhnen und damit niemand auf die Idee kommt, Lehren für heute aus Lenins Genialität – in Theorie und Praxis – zu ziehen. Statt also 24,90 Euro für das Machwerk der antikommunistischen „jungen Welt“ zum Fenster hinauszuschmeißen, empfiehlt sich die Originalschrift „Der Imperialismus als höchstes Stadium der Kapitalismus“ von W.I. Lenin oder den Band 22 der Lenin-Werke für ein paar Euro antiquarisch zu besorgen.

(Gestützt auf die „Rote Fahne der MLPD“ Nr. 5/2018, S. 33)

Siehe auch:
L.Pribytkowa: Sind die Linken heute Kommunisten?
Marxfälscher und andere Revisionisten
Der Historiker Wolfgang Ruge in der Kloake
Gibt es verschiedene Sozialismusmodelle?
K.Gossweiler: Existenzfrage der kommunistischen Bewegung

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5 Antworten zu Lenins Imperialismusanalyse und der Antikommunismus der Tageszeitung „junge Welt“

  1. giskoe schreibt:

    Danke für den Hinweis. Leider „punktet“ die jw mit ihrem Namen, verbunden mit Erinnerungen an die „gute alte“ Zeit. Selber Denken wird immer wichtiger – weg von den Mainstream-Medien.
    Dank dir und einem Blog, fange ich auch wieder an, zu lesen und zu lernen.

  2. Pingback: Lenins Imperialismusanalyse und der Antikommunismus der Tageszeitung „junge Welt“ – – Sascha Iwanows Welt –

  3. roprin schreibt:

    Tja, Sascha, ich hab Dich auch schon drauf hingewiesen, vor ca. 1,5 Wochen. Da hatte die jw mit dieser kritischen Neuauflage geworben. Ich hatte einen entsprechenden Leserbrief verfaßt. Natürlich wurde dieser nicht veröffentlicht.
    Offensichtlich ist Koschmieder der Revisionist. Seit er die jw übernahm ging es mit der Zeitung nur geradlinig bergab. Es macht mich traurig und wütend. Kein Wunder, daß das Kapital Höhenflüge macht. Es hat derzeit keine Gegenwehr und kann sich hemmungslos entfalten.
    Und wir paar Hanseln, die noch existieren, werden nach und nach auf natürlichem Weg „entsorgt“.

  4. roprin schreibt:

    in der „jungen welt“ heute (27.02.2018): kritische Neuausgabe von Lenin – „Die Verlag 8. Mai GmbH, in der die Tageszeitung junge Welt erscheint, ist Eigentümerin der Rechte der deutschsprachigen Ausgaben der Werke W. I. Lenins. Sich seiner verlegerischen Verantwortung bewusst, hat der Verlag im Jahre 2016 damit begonnen, die wichtigsten Schriften Lenins auf wissenschaftlicher Grundlage neu zu edieren. Dabei werden nicht nur das Werk sowie begleitende historische Texte nachgedruckt, sondern die Entstehungs- und Editionsgeschichte neu recherchiert und die Schrift aktuell eingeordnet.“

    Ich habe es nicht lassen können, einen Leserbeitrag zu hinterlassen:

    „Geht’s noch?
    Offenbar schreckt Ihr vor nichts zurück. Jetzt „überarbeitet“ Ihr Lenin? Bringt eine „kritische“ Ausgabe seiner Werke heraus? Wer gibt sich für so eine Schmutzaufgabe her? Wollt Ihr jetzt Lenin so hinbiegen und deuten, daß die Partei „Die Linke“ voll auf Lenin -Linie geht?
    Pfui-Teufel!“

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