Heinz Kapelle – von den Nazis ermordet!

Heinz_Kapelle

Vereint gegen Faschismus und Krieg

Es war im Arbeiterbezirk Berlin-Neukölln, wo der Jungkommunist Heinz Kapelle eine antifaschistische Widerstandsgruppe organisierte. Der illegalen Gruppe, die Heinz leitete – sie bestand aus etwa sechzig Widerstandskämpfern –, gehörten Jugendliche aus allen Schichten des Volkes an. Jungkommunisten, junge Katholiken, Mitglieder der sozialdemokratischen SAJ stemmten sich gemeinsam der braunen Schmutzflut entgegen. Da kämpfte das junge Mädchen aus der SAJ vereint mit dem Jungkommunisten, und der junge Katholik stellte alles Trennende zurück und schloß sich ihnen an. Verschiedene Weltanschauungen, verschiedene politische Auffassungen, aber eines hatten alle gemeinsam: hellodernden Haß, der den Kriegsbrandstiftern galt, tiefe Liebe zu einem frohen, glücklichen und freien Leben und den festen Willen, bis in den Tod hinein den Staat der Henker und Mörder zu bekämpfen.

Wer war Heinz Kapelle?

Heinz Kapelle erlernte das Buchdruckerhandwerk. Er trat dem KJVD bei und leitete den Jugendverband in seinem Bezirk. Mutig kämpfte er gegen Faschismus und Krieg. Im Jahre 1934 wurde er zum ersten Male verhaftet, weil er antifaschistische Zeitungen unter die Bevölkerung brachte. Zwei Jahre Gefängnis lautete das Urteil, welches das Berliner Kammergericht fällte; „Vorbereitung zum Hochverrat“ hieß es in der Urteilsverkündung.

Hochverrat?

Hochverrat! Es war also Verrat, wenn ein junger Mensch seine Heimat liebte, sein Volk liebte, Freiheit und Recht liebte, all das liebte, was gut und schön ist; jedoch den Krieg haßte, weil er Tod und Verderben bringt. „Hochverrat“ nannten die Richter des Dritten Reiches die Tat Heinz Kapelles, der so handelte, wie das gesamte deutsche Volk hätte handeln müssen, um Krieg und Tod zu verhindern.

Die Warnungen waren nicht zu überhören!

Heinz hatte edel an seinem Volk gehandelt, die Verräter jedoch waren die, die ihn des Hochverrats bezichtigten. Aber die zwei Jahre Gefängnis konnten den jungen Antifaschisten nicht in die Knie zwingen. Sofort nach Verbüßung seiner „Strafe“ nahm Heinz wieder an der illegalen Arbeit teil. Nur der Sturz Hitlers und seiner Kriegstreiberbande bringt den Frieden“, lasen die Berliner auf dem Flugblatt, das Heinz im Herbst 1939 verteilte. Auf seinem Motorrad jagte er im Dunkel der Nacht durch die Straßen der Berliner Arbeiterbezirke. Flugblätter flatterten hinter ihm her.

Das deutsche Volk aber schwieg…

Am nächsten Morgen bückte sich hier und da ein Passant, hob ein gedrucktes Blatt auf, runzelte die Stirn und warf es zerknüllt zur Seite. Ein anderer las es und ging nachdenklich gestimmt weiter. Ein dritter faltete das Blatt vorsichtig und ängstlich zusammen und schob es in die Tasche. Aber nichts geschah, das deutsche Volk schien taub zu sein gegenüber den mahnenden Worten seiner Besten. Als Hitler im Oktober 1939 klar seine Raubabsichten aussprach, verteilte die Gruppe ein Flugblatt, dessen Inhalt erkennen ließ, wie exakt und richtig Heinz die Lage einzuschätzen wußte.

Flugblätter die Gestapo fahndete

Kolonien, die neueste Kriegsparole Hitlers“, so hieß die Überschrift des Blattes. Und im Text stand: „Das ist es also, was das Dritte Reich seiner Jugend zu bieten vermag. Krieg, Elend, Not, erhöhte Steuern, das sind die Meilensteine des Nationalsozialismus.“ Lange fahndete die Gestapo nach den tapferen Kämpfern, bis es ihr gelang, Heinz und fünf seiner besten und aktivsten Freunde zu verhaften. Die Gestapo triumphierte. Doch keine Folterungen und Schikanen konnten Heinz dazu bringen, die anderen Mitglieder der Gruppe zu verraten und ihre Namen preiszugeben. Heinz kannte keinen Verrat an seinen Kameraden. Gefesselt an Händen und Füßen lag er in der Zelle. Er wurde mißhandelt, gequält, ausgehungert – aber er schwieg.

Heinz Kapelle war ein Kommunist

Fast fünf Monate lag er in der Todeszelle – aber er schwieg. Da riß den Nazihenkern die Geduld. Am Tage des heimtückischen Überfalls auf die Sowjetunion wurde Heinz von den Faschisten ermordet. Ihr wißt, daß im aufrichtig und ehrlich durchs Leben gegangen bin und bis zur letzten Stunde mir selbst treu bleiben werde.“ Das sind Heinz‘ letzte Zeilen an die Eltern. Am nächsten Tage leuchtete von den Anschlagsäulen und Häuserwänden ein rotes Plakat. Eines von den vielen, die in der Zeit der braunen Barbarei oft zu sehen waren und den Tod der Tapfersten und Besten unseres Volkes meldeten.

Es war Mord!

Wegen landesverräterischer Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt“, stand da geschrieben. Zum Tode verurteilt? Verlust der Ehrenrechte? – Die Henker des Dritten Reiches konnten zwar den Körper von Heinz Kapelle töten, aber konnten sie ihm auch die Ehre absprechen? sie, die selber keine Ehre hatten?

Wir werden ihn nie vergessen!

So wie Heinz Kapelle starben Hunderte junger Deutscher. Hunderte ließen ihr Leben auf dem Schafott, weil ihr Hirn es gewagt hatte zu denken; Hunderten zerrissen Kugeln die junge Brust, weil ihr Herz nicht ja sagte zu dem grauenvollen Mord der entmenschten braunen Bande; Hunderte verbluteten in den Folterkammern der SS, weil sie sich nicht ergaben. In uns lebt Heinz Kapelle weiter. Er lebt in den Tausenden, die um ein besseres Leben ringen. Wir führen sein Werk fort, sein Kampf ist unser Kampf, seine Ehre ist unsere Ehre. Heinz wird niemals vergessen werden!

Quelle:
Deutschlands Junge Garde. 50 Jahre Arbeiterjugendbewegung. Verlag Neues Leben, Berlin 1954, S.261-263.

P.S. In der DDR waren viele Straßen, Schulen und ein Jagdfliegergeschwader nach Heinz Kapelle benannt. So erinnerte man sich in der DDR an diesen mutigen jungen Antifaschisten.

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3 Antworten zu Heinz Kapelle – von den Nazis ermordet!

  1. giskoe schreibt:

    Danke für die Erinnerung. Es sind viele Namen, die in den letzten 28 Jahren bewußt dem Vergessen preisgegeben wurden. Heinz Kapelle, Fritz Heckert, jeder auf seine Weise einzigartig und doch Vorbild für alle!

  2. Pingback: Heinz Kapelle – von den Nazis ermordet! – – Sascha Iwanows Welt –

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